Samstag, 16. Mai 2015

Bad Nauheim XV: Die Synagoge

Die Bad Nauheimer Synagoge ist ein kleines Juwel: Sie wurde 1929 im Stil der Neuen Sachlichkeit gestaltet, war eine der letzten fertiggestellten Synagogen vor der Shoah, und schon am 27. April 1945, also vor dem offiziellen Kriegsende, fand hier der erste Gottesdienst nach dem Zweiten Weltkrieg statt.

Der Osteingang der Bad Nauheimer Synagoge in der Friedensstraße.
Was mich zudem beeindruckte: Vor der Synagoge fehlen die Polizeiposten, die mir aus Hamburg und anderen Städten so vertraut sind.

Zur Karlstraße hin ist die Fassade schlicht weiß mit einem Flachdach und zwei goldenen, weithin sichtbaren Magen David. Rundbogenfenster greifen Stilelemente bisheriger Synaogogenbauten auf, die häufig maurisch-romanisch gestaltet waren.

Auf der Rückseite hat der Bau ein Flachdach, Rundbogenfenster und einen farbigen Magen David. Hier ging es früher in die Wintersynagoge und in eine Lehrerwohnung. Heute befinden sich hier die Zugänge zur Mikwe und zur Rabbinerwohnung, ein Gemeindesaal und eine Küche.

Der vom Frankfurter Architekten Richard Kaufmann entworfene Bau hebt sich angenehm von den umliegenden schnörkeligen Jugendstilbauten ab und fällt durch seine Schlichtheit auf.

Im Novemberpogrom wurde die erst neun Jahre alte Synagoge innen zerstört und geschändet, aber ein gelegter Brand konnte gelöscht werden, so dass das Gebäude nicht vollständig den Flammen zum Opfer fiel. Bis zur Befreiung wurde das Haus als Lager missbraucht.

Als die amerikanischen Alliierten, unter ihnen auch ein geflohener Nauheimer Jude, der Ort Ende März 1945 erreichten, setzten die Soldaten die Synagoge wieder so weit instand, dass ein Gottesdienst abgehalten werden konnte.

Heute hat die Bad Nauheimer Gemeinde etwa 350 Mitglieder. Hinzu kommen Kurgäste. Mehr zur Geschichte der Bad Nauheimer Synagoge gibt es hier.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen