Mittwoch, 14. September 2016

Rezension: "Kalter Zorn" von Ilja Albrecht

Das Cover passt nicht zum Buch,
aber sonst passt alles.

Im Sommer 2014 legte Ilja Albrecht mit "Sibirischer Wind*" einen wie ich fand wunderbaren Erstling vor mit dem BKA-Spezialisten Kiran Mendelsohn als vielschichtigen Protagonisten. Dem Debüt folgte im letzten Herbst die Fortsetzung: "Kalter Zorn*". Man muss allerdings das erste Buch nicht kennen, um der Handlung des zweiten folgen zu können.

Seit dem ersten Fall ist einige Zeit verstrichen, konnte das vierköpfige Team zusammenwachsen und einige internationale Wirtschaftsdelikte aufklären. Das legte auch "Sibirischer Wind" nahe, so dass ich dachte, die Kiran-Mendelsohn-Reihe würde sich in Richtung kulinarischer Politthriller entwickeln.

Albrecht hat mich hier positiv überrascht (nichts gegen kulinarische Politthriller), denn das Team, das immer dann gerufen wird, wenn andere Bundesländer oder Nationen in einen Fall involviert sind, geht nun nach Xanten, wo es benötigt wird, weil eine amerikanische Austauschschülerin tot aufgefunden wird. Obwohl die Wahl des Opfers eher zufällig erscheint, glaubt Mendelsohn, dass er es hier mit einem hochgradig gestörten Täter zu tun hat, denn vor dem Tod ist das Mädchen auf eiskalte und grausame  Weise malträtiert worden.

Der Verdacht des Fallanalytikers und Psychologen bestätigt sich, als eine Abfrage in den Datenbanken des FBI Verbindungen zu zwei identischen Morden innerhalb des letzten Jahres in den US-Bundesstaaten Georgia und Virginia herstellt.

Das Horrorszenario eines nach Deutschland emigrierten Serienmörders und die lang gefürchtete Wiederbegegnung mit der FBI-Hauptquartier in Quantico vor Augen, reist Mendelsohn in die USA, während sein Partner Bolko Blohm und der Rest des Teams parallel in Deutschland weiter ermitteln. Für Mendelsohn ist die Rückkehr in die USA durchaus traumatisch, und so nutzt er die Chance, neben der Arbeit am aktuellen Fall sich gleichzeitig auch seiner Vergangenheit zu stellen.

Die Lage in Deutschland spitzt sich zu, als in Niedersachsen der zweite Mord auf deutschem Boden geschieht und der Mörder via Chat mit einer Ermittlerin Kontakt aufnimmt. Während sie ihm mit Hilfe des inzwischen zurückgekehrten Mendelsohn Informationen entlocken will, ermittelt das Team unter Hochdruck weiter.

Albrecht schreibt flüssig, erzählt temporeich und spannend - so spannend, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen wollte, auch wenn ich schon recht früh eine Ahnung hatte, wer der Serienkiller sein könnte. Sicher konnte ich mir aber nicht sein, denn Albrecht beherrscht auch das Spiel mit Szenenwechseln und unerwarteten Entwicklungen, so dass ich immer wieder dachte, ich liege falsch.

Unter die Haut gehen vor allem die Momente, in denen das Geschehen aus der Sicht des Mörders geschildert wird. Sie sind erschreckend, blutig, grausam, packend und verstörend. Da empfand ich die gelegentlichen Längen, beispielsweise, als Mendelsohn in einem Indianerreservat Geister beschwört, geradezu erholsam. Diese Szenen haben nichts mit der eigentlichen Handlung zu tun, treiben sie nicht vorwärts, haben aber ihre Berechtigung (und eine gewisse Komik).

Ich hoffe auf eine Fortsetzung der Kiran-Mendelsohn-Reihe und bin gespannt, welche Richtung Albrecht dann einschlägt. 

Fazit: Absolute Leseempfehlung!

Verlagsangaben zum Buch: Ilja Albrecht / "Kalter Zorn" / Thriller / 320 Seiten / Verlag: Blanvalet / Taschenbuch / ISBN: 978-3-7341-0073-4 / Preis 8,99 €.

Zur Leseprobe geht's hier. Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar.

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