Samstag, 14. Oktober 2023

Samstagsplausch KW 41/23: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CLXXXVII

Im Garten blühen noch Herbst-Astern.
Sonntag machten wir einen Spaziergang zum Bahnhof, damit der Gatte auch mal weiß, wo der ist. Wir nahmen uns Zeit, guckten den Wildgänsen beim Sammeln zu und gingen durch die Stadt über das Eiscafé zurück - eine Stunde Pause von den Nachrichten des Simchat-Tora-Pogroms, der in den Simchat-Tora-Krieg übergehen sollte.

Montag fuhr ich zum Arbeiten nach Hamburg. Ich tauschte kurzfristig meine Heimbüro-Tage, weil der Gatte gerade nicht in der Lage ist, Handwerkertermine wahrzunehmen, auch, wenn das nur bedeutet, dem Heizungsbauer morgens um 7 Uhr die Tür aufzumachen. Am Vormittag rief der Gatte aufgelöst an: Er hatte einen Auto-Unfall, Gott sei Dank nur Sachschaden, aber er wusste nicht, was er jetzt tun soll. Der Gatte war fast 20 Jahre lang mein Fels in der Brandung. Ihn jetzt so zu erleben, macht mich unendlich traurig. Er berappelte sich etwas, rief den ADAC, der den Wagen in eine Werkstatt schleppte, wo er noch immer ist. Der Gatte lief die fast zwei Kilometer von der Werkstatt zu Fuß nach Hause - ohne Stock, denn den hatte er in der Aufregung zu Hause vergessen, und auf die Idee, sich ein Taxi zu rufen, kam er auch nicht.

Seit Montag Abend denke ich darüber nach, die Reha abzusagen, denn ich weiß nicht, wie es werden soll, wenn der Gatte fünf Wochen alleine zurecht kommen muss.   

Dienstag kamen die Heizungsbauer. Donnerstag waren sie immer noch da. Sie sollten eigentlich nur Ventile und Thermostate tauschen. Stand heute haben wir einen Wasserschaden in der Waschküche. Als ich Donnerstag Nachmittag nach Hause kam, wollte der Heizungsbauer gerade gehen. "Es gibt einen Wasserschaden. Ich habe einen Eimer drunter gestellt und brauche die Daten Ihrer Versicherung, damit die den Schaden übernimmt." Ähm, ja, nee, is klaa oder anders: "Junger Mann, so geht das nicht!" Das Leck war eine halbe Stunde später einigermaßen geflickt, Heizungsbauer und Versicherung müssen nun das weitere Vorgehen besprechen. Mir und unserer Versicherung ist unklar, wieso unsere Versicherung für einen Schaden des Heizungsbauers aufkommen soll, aber es gibt Dinge, die hinterfrage ich nicht mehr, weil keine Kraft mehr. Das sollen jetzt Versicherung und Heizungsbauer klären. Theoretisch ist die Waschküche gefliest und hat einen Abfluss. Praktisch lagert dort die ominöse angeblich wertvolle Briefmarkensammlung meines Vaters. Egal, ich habe einfach keine Kraft mehr. Statt des veranschlagten dreistellige Betrags wird es jetzt ein kräftiger vierstelliger für Ventile und Thermostate. Ganz großartig.

Dienstag Abend kam ein Mitarbeiter vom Umzugsunternehmen für Planung und Kostenkalkulation. Wir haben bummelig 300 Umzugskartons, und normalerweise plant das Unternehmen dafür fünf Wochen. Die habe ich aber nicht. Also quetschen wir fünf Wochen in zwei. An Tag 1 wird gepackt, an Tag 2 fährt die erste Tour. Tag 3 packe ich aus, fahre mit den leeren Kartons abends nach Hamburg, damit an Tag 4 wieder gepackt werden und an Tag 5 die nächste Tour starten kann. An Tag 6 packe ich aus, fahre abends mit den leeren Kartons nach Hamburg ... Du verstehst die Systematik. Der Umzugsunternehmer meinte nur trocken: "Hoffentlich klappen Sie nicht zusammen." Das hoffe ich auch, aber selbst wenn, ich habe keine andere Wahl. Ich muss das vor den Weihnachtsferien bzw. vor Reha-Beginn erledigt haben (sofern ich die Reha nicht absage). 

Nachts konnte ich wegen Herzschmerzen und Panikattacken nicht schlafen.

Mittwoch erstattete ich online vor Tau und Tag Strafanzeige gegen Gärtner III, denn da er sich hartnäckig weigert, den Insolvenzverwalter zu nennen, die Insolvenzbekanntmachung noch immer fehlt, gehe ich von Betrug, nicht von Insolvenz aus. Als ich dazu kam, den ersten Kaffee zu trinken und dabei durch meine Facebook-Timeline scrollte, ging mir auf, dass die Beiträge zu Toten und Vermissten, die meine ehemaligen Gedenkstätten-Kollegen seit Sonntag teilen, nicht einfach nur aus Mitgefühl geteilt werden, sondern weil es israelische Kollegen und ihre Familien sind, die ermordet oder vermisst werden. Vor Rosh haShana verabschiedete man sich noch in Hamburg mit einem "Bis bald!", wollte die gemeinsamen Projekte im kommenden Jahr fortsetzen. Wer von den israelischen Kollegen lebt, ist eingezogen. Meine Gedenken sind auch bei den ehemaligen Touristik-Kollegen, die mit ihren Reisegruppen in Israel festsitzen und die Heimreise organisieren müssen. Ich möchte nicht wissen, wie die Beschwerden der Gäste lauten werden, kann sie mir allerdings aus Erfahrung vorstellen.

In der Team-Besprechung war die Kollegin wieder da, die sich vor drei Wochen mit Corona abmeldete. Im Team waren Grippe- und Corona-Impfungen über den Arbeitgeber ein Thema, und da sagte sie allen Ernstes, sie hätte uns ja gerne infiziert, um uns die Impfung zu ersparen. Nun ja, bei einer Kollegin war sie erfolgreich. Diese Kollegin kämpft mit den Nachwehen - Corona ist neurotrop, und wenn beispielsweise Neuropathie hat, hat man sehr viel Spaß. Es ist halt nicht einfach "nur eine Erkältung". Insgesamt ist es erschreckend, wie die Vernunft meiner Kolleginnen abnimmt. Vor einem halben Jahr wurde nach darauf bestanden, dass man mit Maske in die Besprechung kommt, wenn man erkältet ist, und dass man sich vorher testet. Inzwischen aber wurde Corona offiziell für beendet erklärt, da sitzt man röchelnd, hustend und niesend in den Besprechungen. 

Mittags schaffte ich die Quadratur des Kreises und konnte einen Termin für die Grippe-Impfung in meinen Kalender quetschen. Die Corona-Impfung bekäme ich, wenn ich zwei Tage vor Umzugsbeginn ohnehin beim Lungenarzt bin, aber das ist mir zu riskant, denn ich will nicht ausfallen und reagiere auch gerne mal auf Impfungen. Nach der Grippe-Impfung muss ich direkt in ein Fernsehstudio und hoffe, die Impfreaktion kommt zeitverzögert. Auf die Corona-Impfung werde ich wohl erstmal verzichten.   

Zum Feierabend stand ich vor dem Büro und wusste nicht, in welches Zuhause ich jetzt muss, welche Richtung ich einschlagen muss. In der Wohnung wartete der Gatte mit Tee und Kuchen. Nach dem Umzug können wir theoretisch wieder jeden Tag eine gemeinsame Teezeit machen, denn ich fahre eine Stunde eher los und bin eine Stunde eher zu Hause - wenn die Züge planmäßig fahren. Ich müsste nicht eine Stunde eher losfahren, aber ich brauche den Puffer für Zugausfälle, um auf jeden Fall zu zehn Uhr pünktlich im Büro zu sein.

Donnerstag ging's wieder auf die Baustelle. Mittags traf ich mich mit Mudderns ehemaliger Gesellschafterin im Café. Es war ziemlich surreal. Ich jonglierte nebenbei mit Umzugsunternehmen und Gärtner IV. Dann gab's plötzlich einen Schrei und einen Knall, ein Geräusch, dass ich nur zu gut kannte: Hinterm Tresen war eine Verkäuferin umgekippt. Ich gehe wegen des Gatten ja automatisch in den Notfall-Modus, war total überfordert damit, weder Erstversorgung leisten zu müssen noch den RTW rufen zu müssen, weil das nach einer Schreckminute andere machten. Als nach sehr langer Zeit (das Krankenhaus ist selbst ohne Blaulicht keine 10 Minuten entfernt) der RTW kam, war die junge Frau schon wieder ansprechbar. Ansonsten erklärte ich "mal eben" den Nahostkonflikt, die Strategie der Hamas und das Vorgehen der IDF. Musste ich ewig nicht mehr machen, aber wenn man keine jüdischen Freunde hat, macht man sich nur wenig Gedanken. Die Verabredung tat mir sehr gut. Wir wollen uns öfter treffen, aber in diesem Jahr wird's wohl nichts mehr.

Gärtner IV teilte mit, dass sie gerade dabei sind, die Palisaden in ihrem Lager zu streichen und sie kommende Woche montieren wollen. "Wer streicht eigentlich den Schuppen und die Palisaden, die schon stehen?" "Das werde ich machen müssen." "Ach was, dazu haben Sie doch gar keine Lust!" Lust schon, aber keine Zeit, außer, ich mache es nachts ... Er nannte mir einen Preis, für den ich das nicht selbst machen kann, und hatte den Job. Ich brauche jede Hilfe, die ich bekommen kann, und bin in der glücklichen Lage, alles, was sich mit Geld regeln lässt, mit Geld regeln zu können.  

Für Freitag rief die Hamas einen weltweiten "Tag des Zorns" aus. Es wurden Häuser mit jüdischen Bewohner mit Magen David markiert. Ich habe nicht gedacht, dass ich solche Bilder außerhalb des Shoah-Kontexts zu sehen bekomme. Das betrifft auch die Bilder vom Simchat-Tora-Pogrom. Am 7. Oktober 2023 wurden mehr Juden ermordet wie seit dem Ende der Shoah nicht mehr. Freitag wurde Juden wurde empfohlen, zu Hause zu bleiben und auf religiöse Symbole zu verzichten, weil für ihre Sicherheit nicht garantiert werden könne. Heißt: Keine Schule, keine Synagoge, kein Büro, nicht einkaufen. Ich hätte nicht gedacht, dass "Nie wieder" nur eine hohle Phrase ist. 

Der Hamas-Terror verfängt: Bevor ich mit einer Teppichwäscherei telefonierte, um zu klären, ob sie es schaffen, zwei Orientteppiche kommende Woche aus dem Lager zu holen und Anfang Dezember ins Haus zu liefern, überlegte ich, ob ich nicht lieber eine Firma mit "deutschen" Inhabern suche als eine mit arabischen. Ich fragte mich, ob es eine gute Idee ist, abends zum Döner-Imbiss gegenüber der Moschee zu gehen oder wie ich dem jungen syrischstämmigen Mann gegenübertrete, der für unseren Gärtner arbeitet. 

Es gibt für mich nur wenige Situationen, in denen nur schwarz oder weiß möglich ist, in denen einfache Wahrheiten gelten. Die aktuelle ist so eine. Es ist ganz einfach: Legt die Hamas die Waffen nieder, ist Frieden. Legt Israel die Waffen nieder, gibt es kein Israel mehr. Die Simchat-Tora-Pogrom zeigt außerdem, dass die Hamas keine Gnade kennt: Ermordet wurden Juden, Christen, Araber, Menschen aller Religionen und aus 36 Nationalitäten. Der Gazastreifen ist auch seit 2005 nicht mehr israelisch besetzt. Die Hamas hätte längst für Infrastruktur sorgen können, auch mit Hilfe der arabischen Nachbarländer, die aber seit 1948 kein Interesse haben, die Palästinenser zu unterstützen, lieber Terroristen fördern, eine Zwei-Staaten-Lösung verhindern. Die weltweite Ausrufung des Tags des Zorns zeigt zudem, dass es schon lange nicht mehr darum geht, dass Juden Israel verlassen sollen, sondern dass es generell kein jüdisches Leben mehr geben soll (genau genommen kein Leben, das der Hamas-Ideologie widerspricht, egal, ob jüdisch, christlich, arabisch, was auch immer). 

Freitag kamen die Fliesenleger, acht Wochen nach Auftragserteilung, ein junges Paar aus Ostdeutschland, das für eine Baumarktkette durch die Lande reist. Wir haben nun wieder einen Fliesenspiegel in der Küche. Er sieht richtig schick aus und gefällt sogar dem Gatten - die Fliesen suchte ich ja alleine aus. Beim Abmontieren der Spüle stellte sich heraus, dass es dort schon länger eine Leckage gibt. Wir wusste zwar seit Sommer, dass es leckt, gingen aber davon aus, es lecke nur, wenn die Spüle nicht angeschlossen ist, und wollten das nach dem Umzug machen lassen. Nein, es leckt immer. Ich rief beim Klempner an und fragte, ob er beizeiten mal kommen könne. Eine Stunde später rief ich an und bat um sofortigen Klempner-Einsatz, denn ich hatte eine hübsche Heißwasserfontäne in der Küche, und wir hatten keine Ahnung, wo im Keller der Absperrhahn ist. Es kam der Klempner, der sich auch schon seit Dienstag um unsere Heizung gekümmert hat, und gemeinsam mit dem Gatten fand sich der Haupthahn. Es gibt auch ein Absperrventil fürs Heißwasser, aber das ist, wie sollte es anders sein, defekt. 

Hier gilt seit mittlerweile 187 Wochen: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause. Es geht uns vergleichsweise gut. Wir halten es gut miteinander aus. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall. Er ist schwerbehindert und berufsunfähig verrentet. 

Unsere Kontakte sind normalerweise auf das Notwendigste beschränkt, heißt: Arbeit, Ärzte, Einkaufen, Schwiegermutter und Handwerker. Ich bin dankbar, dass Corona uns bislang verschonte und hoffe sehr, das bleibt so. Weiterhin gibt es im Umfeld reichlich Infektionen. 

Ich kämpfe noch immer mit Schlafstörungen, Schüttelfrost, Halsschmerzen, Husten und immer wieder mit Migräne. Ich bin einfach durch. 

Noch neun acht Wochen bis Umzug. Hoffentlich.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

Dienstag, 10. Oktober 2023

Socktober I: Socken aus myboshi mysocks Pixel

Auf dem letzten Yarncamp lernte ich, dass die Socken für die Aktion Grüne Socke nicht ganz grün sein müssen. "Irgendwie grün" reicht. Praktischerweise waren im Goodie Bag Garne aus der Kategorie "irgendwie grün". 

Meine ersten Socktober-Socken.

Los ging's mit der sechsfädigen Sockenwolle myboshi mysocks Pixel im Grünton Genke* und einem Sockenpaar in Größe 38/39. Beim Stricken dachte ich erst, ich bin irre, weil ich mir nicht erklären konnte, woher der schöne blumige Duft kommt, der langsam auf die anderen Garne in der Goodie Bag übersprang. In der Goodie Bag war nichts, was blumig duftet. Die Yarncamp-Community klärte mich auf: Das myboshi-Garn ist parfümiert! Das ist für Allergiker wie mich, die gerne schon mal Atemnot bekommen, wenn sie beispielsweise nur an die Kerzenabteilung bei Ikea denken, eine mäßig gute Idee. Zum Glück konnte sich meine Allergie mit der Parfümierung halbwegs arrangieren, mochte ich auch den Duft, aber ich überlege, die Socken vor dem Verschicken gründlichst auszulüften oder in einen Ziplock-Beutel zu geben, damit nicht alle Socken duften.

Für den Schaft wählte ich Muster 5 von den Socktober-Socken 2022 von Tanja Steinbach.

Während ihrer Yarncamp-Session zeigte uns Tanja Steinbach die Mustermix-Socktober-Socken 2022, und ehe ich lange nach einem Muster suche oder mir mit meinem wattigen Hirn womöglich noch selbst eines ausdenke, orientierte ich mich an den sechs Mustern ihrer Anleitung. Für den Schaft wählte ich Muster 5. Für den Fuß führte ich die zweite Hälfte des Mustersatzes fort.

Wolle und Muster im Detail.

Dieser Beitrag geht rüber zu Dings vom Dienstag und Creativsalat. Vielen Dank für's Sammeln! 

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Sonntag, 8. Oktober 2023

Ausgelesen: Bücher im September 2023

Lesen klappt auch im Kaffeehaus.
Mit dem vierten Band der Reihe um Kommissarin Katharina von Hagemann*, die in Lüneburg und in der Lüneburger Heide spielt, geschrieben von Kathrin Hanke und Claudia Kröger, ging ich in den September. In "Heideglut*" treibt ein Serien-Brandstifter sein Unwesen, und mit jedem Brand wird auch ein Mensch ermordet.

"Heidezorn*" ist für mich der spannendste Band: Als mehrere Frauen in Lüneburg brutal getötet werden, verdächtigt Katharina von Hagemann ihren ehemaligen Lebensgefährten. Doch er kann nicht der Täter sein, denn er sitzt hinter Gittern. Sie hatte ihn selbst in einem früheren Fall des Mordes überführt. Während Katharina von Hagemann an ihre Grenzen stößt und sich von allen allein gelassen fühlt, mordet der Täter weiter und kommt ihr dabei gefährlich nahe. 

Ich arbeitete mich weiter über "Mordheide*" und "Heidefluch*" weiter zum achten Band "Heideopfer*" (seit dem achten Band schreibt Kathrin Hanke die Reihe übrigens alleine weiter). Bei Abrissarbeiten auf einem Grundstück in Lüneburg finden Arbeiter ein menschliches Skelett. Die forensischen Untersuchungen ergeben, dass es sich um die Leiche eines Mannes handelt, der bereits Anfang der 1990er Jahre keines natürlichen Todes gestorben ist - damit hat das Lüneburger Ermittlerteam um Katharina von Hagemann und Benjamin Rehder seinen ersten Cold Case auf dem Tisch. Wer ist der Tote? Die Ermittlungen gleichen einem Puzzle, das nur zäh und langsam ein verstörendes und ebenso verworrenes Bild ergibt. Gleichzeitig steht die Beziehung der Kommissarin auf dem Spiel.

Ausgerechnet diesen Monat beschloss ich, nicht ständig Kindle und Tolino zwischen Wohnung und Baustelle hin und her zu schleppen. Band neun der "Heidekommissarin" bekam ich nämlich über die Onleihe, als ich auf der Baustelle war, und der Tolino war in Hamburg. Doof das. Band zehn habe ich über die Onleihe der lindgrünen Hölle bestellt und war gespannt, ob die Übertragung auf den Tolino klappt. Als ich den damals für die Hamburger Bücherhallen einrichtete, war ich ja schon sehr genervt, wie kompliziert und umständlich das ist, und ich habe keine Ahnung, ob ich nicht für jede Onleihe ein eigenes Gerät brauche - die Biester sind ja kapriziös. Die Übertragung klappte, nachdem ich mit mehreren Anläufen das Gerät überzeugen konnte, das Buch nicht im Browser lesen zu wollen.

Jedenfalls las ich in der Zwischenzeit "Inselfeuer*" von Maren Schwarz*. Die bislang vierbändige Reihe um die Rechtsmedizinirin Leona Pirell spielt auf Rügen und in Stralsund. Unter den verkohlten Trümmern eines Ferienhauses auf Rügen wird eine Leiche gefunden. Die von Pirell vorgenommene Obduktion ergibt, dass der Tote ermordet wurde. Schon bald gerät dessen Witwe ins Visier der Ermittler. Die Ehe war alles andere als harmonisch, Gewalt war keine Seltenheit. Pirell glaubt jedoch nicht an die Schuld der Witwe und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Damit bringt sie sich in tödliche Gefahr. Abgesehen von den häufigen Verweise auf die traumatische Kinderlosigkeit von Pirell, die sich auch durch die anderen Bände der Reihe ziehen, gefiel mir das Buch gut. 

Es gibt ja Leute, die denken, ich lese nur Krimis. Das ist falsch. Meistens aber ist mein Kopf zu wattig, um mich auf etwas anderes als Konsum-Literatur zu konzentrieren. Auf "Gefilte Fisch und wie es weiterging*" von Max Fürst stieß ich, als ich nach einem Rezept für Schmand mit Glumse suchte. Max Fürst wurde 1905 in Königsberg in eine deutsch-jüdische Familie geboren. Er entschied sich gegen ein bürgerliches Leben, war in der jüdischen und sozial-revolutionären Jugendbewegung aktiv und machte eine Tischlerlehre. In der Jugendbewegung lernte er auch seine spätere Frau Margot Meisel kennen. Fürst wechselte nach Berlin und wurde aufgrund seines politischen Engagements zusammen mit seiner Frau kurz nach der Machtübernahme inhaftiert. Die beiden kleinen Kinder wurden von Freunden umsorgt. Nach der Entlassung aus Gestapo- bzw. KZ-Haft konnte die Familie 1935 nach Palästina emigrieren. 1950 kehrte die Familie nach Deutschland zurück und ließ sich in Stuttgart nieder. Fürst arbeitete zunehmend als Schriftsteller. Von der geplanten dreibändigen Biographie erschienen zwei Bände zu seinen Lebzeiten. Posthum veröffentlichte Margot Fürst "Gefilte Fisch und wie es weiterging*" mit dem unvollendeten dritten Band. Das Buch ließ meine Leseliste kräftig wachsen.

Inzwischen bekam ich auch die nächsten beiden Bände der "Heidekommissarin" aus der Onleihe. In "Totenheide*" treibt ein Mörder mit Pfeil und Bogen sein Unwesen, kriselt es zwischen Katharina von Hagemann und ihrem Lebensgewährten. In "Heideangst*" geht's um Stalking. Das Opfer ist die Hebamme von Katharina von Hagemann, die inzwischen Mutter geworden ist. Ich würde mich freuen, wenn die Reihe fortgesetzt wird.

"Erfolg*" von Lion Feuchtwanger erschien 1930 und ist erschreckend aktuell. Einige Passagen und Aussagen könnten direkt aus dem heutigen Bayern stammen. Im Mittelpunkt steht der Münchner Museumsdirektor Martin Krüger. Er hat Gemälde gekauft, die nicht allen gefallen. Einige Leute wären ihn gerne los. Der Meineid-Prozess, den man ihm anhängt, geht deshalb auch nicht gut für ihn aus und er landet im Gefängnis. Doch er hat Freunde, die seine Unschuld zu beweisen versuchen. 

Mit dem Buch gehe ich auch in den Oktober - 700 Seiten sind eine echte Herausforderung für mein wattiges Hirn, und mit "Erfolg*" lese ich ein Buch mit diesem Volumen schon zum zweiten Mal - "Gefilte Fisch" war auch so dick.  

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Samstag, 7. Oktober 2023

Samstagsplausch KW 40/23: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CLXXXVI

Heute morgen wachte ich mit der Nachricht auf, dass Israel im Kriegszustand ist, dass die Rabbiner am Feiertag und Schabbes dazu aufrufen, Telefone und Waffen in die Hand zu nehmen. Mir ist Angst vor den weiteren Entwicklungen. Eigentlich geht heute Sukkot in Simchat Tora über, sollte morgen fröhlich gefeiert werden. Stattdessen sitzen die Menschen in Safe Rooms und Bunkern, während Terroristen von Tür zu gehen und versuchen, in die Häuser einzudringen, buchstäblich eine Jagd auf Juden abhalten. Nachrichten und Bilder sind schwer auszuhalten, aber wie viel schwerer ist die Situation vor Ort! Meine Gedanken sind gerade in der Herzensheimat.

Für unsere Verhältnisse war die Woche ruhig. Der Gatte blieb auf der Baustelle, während ich für einen Tag nach Hamburg zurück musste, weniger wegen des Präsenztages im Büro, dafür hätte ich den Zug nehmen können, sondern wegen frischer Wäsche und Medikamenten. Dieses Pendeln kostet mich so viel Kraft!

Dienstag schlich sich Gärtner III in den Garten, um nach mehreren Fristsetzungen endlich sein Werkzeug abzuholen. Vieles ließ er allerdings stehend, wohlwissend, dass wir es Freitag entsorgen lassen. Am kommenden Tag teilte er uns mit, dass er Privatinsolvenz angemeldet habe aufgrund von Steuerschulden und einer Kontenpfändung des Finanzamtes. Deswegen sei unsere Vorauszahlung für Materialkosten futsch. Der Insolvenzverwalter würde sich bei uns melden. Da er sich beharrlich weigert, die Kontaktdaten seines Insolvenzverwalters zu nennen, die Insolvenzbekanntmachung fehlt, er zudem mehrere Konten hat, glaube ich ihm diese Geschichte nicht. Die Rechtschutzversicherung prüft gerade, ob sie sich auch für Garten zuständig fühlt oder ob Garten zu Bau gehört, wozu sie sich nicht zuständig fühlt. So oder so, die Sache geht zum Anwalt. Ich muss nur noch gucken, an welchen. Der rechte Nachbar ist zwar Anwalt für Baurecht, aber ich möchte keinen Nachbarn involvieren. So was kommt nicht gut.

Freitag Mittag war endlich der Schutt aus dem Garten weg!

Freitag kam Gärtner IV mit einem jungen Mann, der binnen vier Stunden und zwei Mal fahren Schutt und Schrott aus dem Garten holte! In der kommenden Woche werden Zäune gesetzt, eine Mauer abgerissen, Büsche und Bäume geschnitten. Bislang lässt sich das alles gut an. Die Firma wird auch den Winterdienst übernehmen, und ich war überrascht, dass sogar daran gedacht wurde, dass auch der Weg zu den Mülleimern geräumt und gestreut werden muss. Da wir jetzt einen Winterdienst haben, werden wir sicher einen absolut schnee- und eisfreien Winter haben.

Mittwoch bot mir eine Kollegin an, mir beim Einpacken für den Umzug zu helfen. Ich brauche aber keine Hilfe beim Einpacken, das macht das Umzugsunternehmen. Ich brauche Hilfe beim Wegschmeißen, denn ich neige genau so zum Horten wie meine Mutter, hatte mich schon damit abgefunden, mit dem ganzen Geraffel, das eigentlich weg soll, umzuziehen. Nun kommt die Kollegin im November vom anderen Ende der Stadt für zwei Tage zum Helfen. Wie lieb ist das denn bitte?! Ich versuche aktuell, an jeden Tag, an dem ich in der Wohnung bin, für eine Stunde schon mal auszusortieren, aber das klappt selten, weil mir zu oft die eine Stunde fehlt, ich einfach zu erschöpft bin, um einen Finger zu rühren. Dennoch schaffte ich es Donnerstag, einen ersten Schwung an Büchern und CDs zum Recyclinghof zu bringen. Dort geht es an ein Gebrauchtwarenkaufhaus. In den kommenden beiden Wochen weiß ich nicht, woher ich die tägliche Stunde nehmen soll, weil quasi jede Hamburg-Minute verplant ist, ich nach vier Jahren Tod und Teufel einfach nicht mehr belastbar bin.

Der Gatte kommt mit der Verkabelung der Lampen nur schleppend voran und stimmte endlich zu, dass wir einen Elektriker holen, der Lampen montiert. Beim Gatten wollen Finger und Augen sich nicht mehr richtig koordinieren, und beim Arbeiten über Kopf wird ihm schwindelig. Dann wird er wütend ob seiner eigenen Unzulänglichkeiten und brüllt mich grund- und sinnlos an. Die Wesensveränderungen seit seiner Erkrankung machen mir gerade mal wieder arg zu schaffen. Nach dem Umzug werde ich mich also um einen Termin beim Elektriker kümmern. Bis dahin bleiben die Baufassungen. Die Lampen, die mit umziehen, montiert aber hoffentlich das Umzugsunternehmen, ebenso wie die beiden Deckenventilatoren. Ansonsten arbeitet der Gatte an x Stellen gleichzeitig, was dazu führt, dass ich nichts anfangen kann - geschweige denn zu Ende bringen kann, denn immer wieder hat der Gatte Hilfsbedarf. Das macht mich fertig, denn es gibt so viel zu tun, aber ich komme einfach nicht vom Fleck. 

Montag traf ich mich zu einer späten Mittagspause mit einer der beiden hiesigen Schulfreundinnen. Es ist nett, dass das so einfach geht. Auf dem Rückweg guckte ich im Wollladen vorbei, wo man sich freute dass man sich zukünftig öfter sieht und entgeistert war, dass Mudderns starb. Ich kann ihren Tod ja auch selbst noch immer nicht fassen. Ich kam mit Wolle, Sockenlineal und Sockenbrett nach Hause. Seit dem Yarncamp habe ich zumindest wieder Freude am Stricken und strickte diese Woche zwei Paar Socken. 

In zwei Wochen kommt eine Blog-Freundin zum Baustellenbesuch, worüber ich mich sehr freue, auch wenn die Kraft fehlt. 

Schwiegermutter geht's gut. Sie will jetzt einen Smartphone-Kurs machen. Oh Freude! Sie war mit dem PC komplett überfordert, ist mit Telefon und Mobiltelefon überfordert, da wird es mit dem Smartphone nicht anders sein. Es gibt auch keinen nachvollziehbaren Grund, dass sie sich eines zulegt, außer, dass sie sich immer ärgert, dass "jede Kopftuch-Türkin" eines hat, sie hingegen nicht. Es geht doch nichts über einen gepflegten Rassismus. Tante hat die erste von drei Reha-Wochen hinter sich. Schwiegermutter will zu ihr fahren, wenn sie aus der Reha kommt. Das spricht für eine Reha-Verlängerung ... 

Hier gilt seit mittlerweile 186 Wochen: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause. Es geht uns vergleichsweise gut. Wir halten es gut miteinander aus. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall. Er ist schwerbehindert und berufsunfähig verrentet. 

Unsere Kontakte sind normalerweise auf das Notwendigste beschränkt, heißt: Arbeit, Ärzte, Einkaufen, Schwiegermutter und Handwerker. Ich bin dankbar, dass Corona uns bislang verschonte und hoffe sehr, das bleibt so. Weiterhin gibt es im Umfeld reichlich Infektionen. "Hoffentlich kein Corona" ist die übliche Reaktion auf Krankmeldungen. 

Ich kämpfe noch immer mit Schlafstörungen, Schüttelfrost, Halsschmerzen, Husten und immer wieder mit Migräne. Ich bin einfach durch. 

Freitag, 6. Oktober 2023

#WMDEDGT 10/23: Ein Jahr weiter IV

Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln!

Der Tag beginnt um halb zwei, als ich das erste Mal wach werde. Radio sei Dank schlafe ich schnell wieder ein - bis vier Uhr. Dann bin ich hellwach. Ich bleibe trotzdem noch bis kurz vor sieben liegen, genieße es, dass ich nochmal ein richtiges Bett habe - in den kommenden vier Nächten schlafe ich wieder auf dem Luftbett, und das ist mit einem richtigen Bett nicht zu vergleichen. 

Heute ist Donnerstag, heißt: Wechsel ins alt-neue Haus. Der Morgen wird hektisch. Ich komme noch nicht mal dazu, einen Nescafé zu trinken. Die Kaffeemaschine anzuwerfen, lohnt ohnehin nicht. Muffins backen, einen Termin mit dem Heizungsbauer für das Auswechseln der Ventile abstimmen - langsam wird's wieder Heizungszeit -, Zeitschriften-Abo abschließen für das alt-neue Haus, eine Rechnung bezahlen, Gärtner III eine negative Google-Bewertung da lassen, Sachen zusammensuchen für's Haus, Schlafschaf, CPAP-Gerät und anziehen nicht vergessen. Kurz vor neun hieve ich Rucksack und zwei schwere Taschen durch den strömenden Regen zur Garage und bin klatschnass, als ich dort ankomme. Ich bin froh, dass ich die Taschen mit Pfand, Büchern und CDs gestern schon ins Auto hievte - und dass ich die restlichen Taschen auch noch ins ohnehin schon volle Karlchen bekomme. Tetris spielen zahlt sich aus. 

Ab ins kleine Einkaufszentrum. Die Straßen sind voll, die Parkplätze auch. Ich habe Probleme, einen Platz vorm Einkaufszentrum zu finden. Am Pfandautomat habe ich Glück: Der einzige nicht defekte ist frei und akzeptiert alle Flaschen. Hinter mir bildet sich eine Schlange ... Was sich bei uns aktuell an Pfand ansammelt, ist nicht mehr feierlich. Pfand auszahlen lassen, Brötchen holen, durch den strömenden Regen zur Bücherhalle, eine Vorbestellung* abholen, dann zum Auto und zum Recyclinghof schwimmen. Beim Recyclinghof lasse ich Bücher, CDs und einen CD-Ständer und bekomme gelbe Säcke. Die sind in Niedersachsen Mangelwaren, und so importieren wir, solange wir noch in Hamburg wohnen. Nach dem Umzug werden wir wohl in den sauren Apfel beißen und gelbe Säcke über Amazon kaufen* müssen. Bis vor einem Jahr wusste ich gar nicht, dass man die kaufen kann (und muss).

Um viertel vor zehn bin ich auf der Autobahn und komme trotz viel Verkehrs und langsamer Fahrt (Regen, keine Sicht) eine halbe Stunde später in der lindgrünen Hölle an - keine Ahnung, wie ich das schaffte. Im immer noch strömenden Regen ausladen und auf meinen Stellplatz fahren, da vor dem Haus nichts frei ist - mein Stellplatz ist aber auch nicht frei. Großartig! Wieder zurück, den Wagen in eine Lücke basteln und zum Haus schwimmen. 

Den Gatten wohlauf vorfinden, den Dienstrechner hochfahren und erstmal frühstücken, während ich die ersten Sachen abarbeite. Der Gatte verräumt mittlerweile die Sachen, die ich mitbrachte. Längeres Telefonat mit der Kollegin, die mir assistiert und mich vertritt. Wir besprechen schon mal, was die kommenden Wochen ansteht. Sie soll mich eigentlich auf einer Tagung vertreten, hat aber Terminprobleme. Okay, ist dann so, kein Drama. Im Dezember wird sie mich zwei Wochen vertreten, im Januar und Februar mindestens fünf Wochen - das ist für sie aufregend. Mir ginge es umgekehrt genau so, aber sie wird es schaffen, und die Unterstützung des Teams ist ihr auch sicher. Es ist viel zu tun, und es wird bis zum Sommer so bleiben. 

Die Kollegin kämpft mit den Nachwirkungen ihrer aktuellen Corona-Infektion und ist genervt, dass bei Besprechungen grundsätzlich nicht gelüftet wird. Dadurch ist die Infektionskette bei ihr klar: Sie saß vor zwei Wochen neben einer erkälteten Kollegin, die am nächsten Tag coronapositiv war. Ich saß auf der anderen Seite der Kollegin, aber mit einem guten Meter Abstand, was vermutlich mein Glück war. Seitdem trage ich in den Sitzungen wieder Maske. Meine Kollegin überlegt jetzt, sich wie ich einen mobilen Luftfilter* zu kaufen. Der steht bei mir jetzt immer auf dem Tisch, wenn ich nicht alleine im Büro bin. Ich will nur nicht kein Corona, ich will auch keine Erkältung, kein RSV und was es sonst noch so gibt. Ich bin da inzwischen eigen.

In einer Bildschirmpause in den Garten gehen und Äpfel aufsammeln. Freuen, dass es zwar weniger Äpfel sind als in den Vorjahren, weil der Baum beschnitten wurde, sie aber größer und saftiger sind. 

Eine Blog-Freundin sagt sich für ein langes Wochenende in der lindgrünen Hölle an. Besuch, wie schön! Der Gatte überlegt sofort, wo er das zweite Luftbett aufstellen kann, aber die Freundin ist eher der Hoteltyp und mietet sich in einem Landgasthof ein. Erste Überlegungen für kulturelle Aktivitäten und Ausflüge mit dem Versprechen an den Gatten, dass er zu Hause bleiben kann.

Nachmittags ist es endlich trocken. Nach Feierabend gehen der Gatte und ich in die Stadt. Wir rasten auf Mudderns Bank und denken an sie. Während ich beim Schlachter das Abendessen hole, geht der Gatte zur Trafik. Der Inhaber erkennt ihn, fragt "Wie immer?" Scheint, der Gatte ist im Dorf angekommen.    

Nach der Rückkehr Teezeit. Der Abend wird ruhig. Ich hänge durch die schlaflose Nacht ziemlich in den Seilen, muss mich aufraffen, um wenigstens ein bisschen Hausarbeit zu erledigen. Zum Glück muss ich nicht kochen, sondern nur Lachs-Spinat-Lasagne für mich und Schnitzel mit Kartoffelsalat für den Gatten in die Mikrowelle schieben. Fernsehen und stricken - und das Sofa vermissen. Mit Glück ist es in neun Wochen umgezogen. Ich schaffe es, ein weiteres Paar Socken für die Aktion Grüne Socke fertigzustellen und nadle ein neues Paar an. 

Viel zu spät ins Bett und vor dem Einschlafen noch etwas lesen*. Ich habe noch fünf Tage für 350 Seiten. Das wird arg sportlich.

Der Blick zurück in die ersten drei Corona-Jahre: Am 5. Oktober 2020 war der Gatte noch gesund und fuhr ins Büro, gab's eine Kundgebung für einen jüdischen Studenten, der am Vortag vor der Synagoge niedergeschlagen wurde, wo gerade Sukkot gefeiert wurde. Einzelfall, klar. Am 5. Oktober 2021 beschäftigte mich ein Krebsverdacht, der sich Gott sei Dank als unbegründet herausstellte. Am 5. Oktober 2022 war Yom Kippur. 

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