Samstag, 7. März 2026

Samstagsplausch KW 10/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXII

Diese Woche brachte einen anstrengenden Besuch beim Gynäkologen. Er verweigerte die Überweisung zur gynäkologischen Endokrinologin mit der zauberhaften Begründung, ich wäre doch gerade beim Gynäkologen, und Hormone könne er auch. Ich muss mal schauen, wie ich damit umgehe, denn meine Erfahrungen sind leider andere. Bei der gynäkologischen Endokrinologin sollte überprüft werden, ob die Hormone noch notwendig sind. Das will der Gynäkologe jetzt machen. Übernächste Woche setze ich sie ab und warte gespannt, was passiert. Klar ist: Setzt die Hypermenorrhö wieder ein, hat kein Gynäkologe einen Plan außer Hysterektomie. Gegen die wehre ich mich ja schon, seitdem ich Anfang 20 bin. Und bei Wechseljahrsbeschwerden ist die Hysterektomie ja ohnehin die einzige Lösung, da lukrativ. Alles andere kostet nur und macht Arbeit. Das sind Frauen nicht wert. 

Jedenfalls hoffe ich, dass ich notfalls als Selbstzahlerin einen Termin der der gynäkologischen Endokrinologin bekomme und dass das dann ohne Überweisung funktioniert. Außerdem heißt es Warten auf das Abstrich-Ergebnis. Seit der Krebs-Diagnose im April 2021 bin ich da etwas unentspannt, denn ich weiß nicht, wo sich das Biest versteckt hält. Es füllt sich ein bisschen so an, wie unter einem Damoklesschwert zu leben. Immerhin war beim Blutspenden alles okay, zeigte mein Blut keinerlei Auffälligkeiten. 

Fly me to the moon ... Aktuell guckt der Vollmond ins Schlafzimmer, meistens bei wesentlich klarerem Himmel.

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 312, und die Trauer wird nicht weniger.  

Zwar schaffte es die DRV auch nach vier Monaten nicht, meinen Antrag auf Witwenrente zu bescheiden, aber ich erhielt in Rekordzeit die Bewilligung für fünf Wochen Reha in der Wunschklinik, in der ich vor zwei Jahren war! Darüber freue ich mich sehr! Ostsee-Tante, Ostsee-Cousin und eine Kochfreundin sind in der Nähe, eine Kollegin hat dort ihr Wochenendhaus, ist also auch immer mal da, die Klinik ist mitten in der Natur, es ist ein Gefühl wie Nachhausekommen. Ich hoffe nur, ich bekomme keines der Zimmer zu einem Innenhof! Der Blick auf Park und Wald vor zwei Jahren tat mir sehr gut. Der Blick auf eine Steinwüste, wo noch nicht mal ein Zipfelchen Himmel zu sehen ist, täte mir nicht gut. 

Bis zum Reha-Beginn wird es noch etwa 30 Wochen dauern, das heißt, ich kann den Frühling und Sommer zu Hase verbringen, muss mir keine Gedanken machen, wer Gatten und Garten gießt, kann vielleicht sogar schon etwas im Haus / auf der Baustelle weiterkommen, falls ich bis dahin einen Bescheid über die Witwenrente habe. Knapp wird's wohl mit der Ende November geplanten Dienstreise (samt anschließenden Besuch bei Tante), auf die meine Kollegin und ich uns freuten, aber das lasse ich auf mich zukommen. Die Reha ist mir wichtiger. Ich muss mir auch noch Gedanken machen, wie ich es in meiner Abwesenheit mit der Post organisiere. Ein Nachsendeauftrag scheidet aus, der gilt für sechs Monate. Vermutlich werde ich unsere Putzfrau bitten, einmal in der Woche nach dem Haus zu sehen und ihr frankierte Umschläge für die Nachsendung vorbereiten. Die hiesigen Freundinnen mag ich damit nicht behelligen, die haben so schon reichlich um die Ohren, ebenso die Nachbarn.

Heute fahre ich für eine Woche nach Kopenhagen. Ich bin gespannt, ob ich den Urlaub schaffe, bin ich doch nach wie vor am Liebsten zu Hause. Schlimmstenfalls liege ich eine Woche wimmernd im Appartement. Der Koffer ist voller als voll, Winterklamotten halt. Ich habe die Elbbrücken-Socken angenadelt und bin gespannt, ob ich die Anleitung verstehe. Eigentlich wollte ich als nächstes den Lulu-Slipover stricken, aber ein kleine Projekt wie Socken erschien mir für die Reise per Bahn praktischer. Im Auto nähme ich den halben Hausstand mit.

Schwiegermutters Demenz wird immer schlimmer, was sich gestern mal wieder zeigte, als ich mich für Kopenhagen abmelden wollte. Sie dachte, ich wäre diese Woche schon gefahren und käme jetzt Sonntag zu ihr, obwohl ich ihr die Daten klar nannte und ihr auch sagte, wann ich zu ihr zu Besuch komme, um die Vollmachten für ihre Seniorenresident zu unterzeichnen. Die Infos kamen aber einfach nicht bei ihr an. Sie beschimpfte mich und legte mitten im Gespräch auf. Schon schön. Zum Glück kann ich dank meiner Mutter damit umgehen, lasse es nicht zu sehr an mich heran. Meine Verpflichtungen gegenüber der Seniorenwohnanlage werde ich auf ein Minimum reduzieren. Ich habe keine Kraft mehr, bei Schwiegermutter die gleichen Entscheidungen zu treffen wie bei meiner Mutter oder dem Gatten. 

Durch Zufall entdeckte ich, dass in der Reihe gegenüber eine Hard-Core-Nazi-Familie wohnt. Ich dachte mir schon sowas wegen eines Nummernschildes. Es passt, denn in der Reihe wohnte jahrzehntelang der ehemalige Gau-Leiter, und die lindgrüne Hölle ist ohnehin ein tiefbraunes Nest. Diesen Nachbarn hätte es aber nicht gebraucht. Mir fehlt im Umgang mit der Familie die ruhige analytische Art des Gatten. Die ruhige analytische Art des Gatten fehlt mir auch in Bezug auf den aktuellen Nahost-Krieg, zumal er als Offizier einen anderen Blick hatte.

Gestern war ich auf dem Friedhof. Auf dem Rückweg machte ich Halt in einem Eiscafé. Der Gatte liebte es, bei diesem Wetter im Eiscafé zu sitzen. Es ist einfach unfassbar, dass wir nicht mehr zusammen sind.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

Donnerstag, 5. März 2026

#WMDEDGT 03/26: Zwischen Trauer und Frühling

Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln!

Ich kann bis halb drei durchschlafen, ganze fünf Stunden! Umdrehen, bis um sechs Uhr weiterschlafen, dann ausnahmsweise mal echt wach sein, was eine Erleichterung ist nach der vorherigen Nacht, als mich der stille Reflux und heftiger Kopfschmerz weckten, ich nicht mehr schlafen konnte und mich durch den Tag schleppte.

In Ruhe frühstücken, dann arbeiten. Über Mittag ist die donnerstägliche Wichtig-Wichtig-Videokonferenz, bei der ich in aller Regel nur zuhören muss. Ich muss daran denken, dass der Gatte früher um diese Zeit gerne seinen Mittagsschlaf hielt. Unser Schlafzimmer ist neben meinem Arbeitszimmer, und oft machte sich der Gatte einen Spaß daraus, mit seinem Schlafhasen die Videokonferenz zu kommentieren - zum Glück achte ich immer sehr darauf, dass Kamera und Mikro aus sind. Der Gatte fehlt mir so!

Es ist reichlich zu tun, anders als die letzten drei Tage, und mich deucht, meine Kollegin wird kommende Woche keine ruhige Urlaubsvertretung haben. Ich arbeite etwas länger, auch in Lifestyle-Teilzeit muss die Arbeit erledigt werden, und stelle mich auf Überstunden am kommenden Tag ein. Es hat sich bewährt, freitags länger zu arbeiten. Also werde ich morgen eine lange Mittagspause machen, dann noch zwei, drei Überstunden anhängen, um möglichst viel abzuarbeiten, damit meine Vertretung am Montag keinen Schreck bekommt, wenn sie in unsere Freigabe guckt. 

Nach Feierabend um den Haushalt kümmern. Die Spülmaschine will spielen, der Koffer muss vom Dachboden geholt werden. Auf dem Dachboden kämpfe ich mit den Tränen. Der Gatte wollte hier ein Eisenbahn- und Gästezimmer einrichten, hatte so viele Pläne, war so voller Vorfreude. Geblieben sind ein Durcheinander von begonnenen Bau-Projekten, eine halbfertige Werkstatt, unzählige Modelleisenbahn-Teile. Ich habe keine Ahnung, wie ich mit diesem Durcheinander fertig werden soll, zumal der Keller ebenso aussieht.

Der Wintermantel will ausgelüftet werden, die Wasserspender für die Rosen müssen für den kommenden Urlaub installiert werden, die Gelbe Tonne muss durch den endlich schneefreien Garten gebracht und an die Straße gestellt werden für die Abholung am kommenden Tag, die restlichen Marmorkuchen-Muffins von Sonnabend einfrieren, weil ich doch lieber Kekse zum Tee möchte, die Kombüse auffüllen, Wäsche wegräumen ...

Beim Rausrollen der Gelben Tonne fällt mir wieder mal auf, dass jede Reihe die Tonnen anders zur Abholung aufstellt. Unsere Reihe stellt sie auf die linke Seite, Griffe nach vorne, so dass die Müllwerker sie leicht aufladen können. Die Reihe auf der Gartenseite stellt die Tonnen mittig, so dass der Fußweg blockiert ist, Griffe nach hinten, so dass die Müllwerker die Tonnen erst drehen müssen. Meine Tonne steht links, Griffe nach vorne, denn eine Tonnen-Barrikade finde ich abseits von Straßenkämpfen sinnlos. Mal schauen, ob die Müllabfuhr überhaupt kommt, denn die Firma kämpft selbst im Hochsommer mit Glatteis, eine Metapher für die Personalprobleme, die die Firma seit langem hat. Die wöchentliche Müllabfuhr gleicht einer Lotterie.

Ich nehme den Fruchtgummistrauß auseinander, damit die Gummis nicht hart werden, während ich im Urlaub bin, und bin massiv beeindruckt von der Kunst der Verpackungsingenieure - der Gatte hätte seinen Spaß daran gehabt! Übrigens schmecken die Fruchtgummis sehr gut. 

Ich suche einen kleinen Tesafilm-Abroller, weiß, dass der Gatte ganz viele davon hat, sogar welche für den Finger. Bei der vergeblichen Suche finde ich seine Mundharmonika. Prompt fließen die Tränen in der Erinnerung daran, wie gerne (und wirklich gut!) er darauf spielte.

Zum Abendessen gibt's Kartoffeln und Tomaten aus dem Ofen - beides muss weg, weil ich übermorgen eine Woche in den Urlaub fahre. 

Ich schaffe es nach über zwei Monaten endlich, dem Ostsee-Cousin zu whatsappen und bekomme prompt eine liebevolle Antwort. Es ist immer wieder erstaunlich, wie liebevoll meine Familie jenseits meiner egozentrischen, narzisstischen Mutter ist. Der Ostsee-Familie geht es zum Glück gut, trotz anstehender OPs in der kommenden Woche.

Ich schaffe die letzte Mütze für die 600-Mützen-Challenge der Lübecker Seemannsmission. Eigentlich sollten meine Mützen diese Woche schon auf dem Weg sein, aber dann dachte ich, aus dem restlichen Sockengarn ginge sich noch eine Mütze aus. Es klappte, und drei Mützchen für Innocent sprangen auch noch dabei heraus. Die machen sich auch übernächste Woche auf den Weg. Ich bin nach wie vor skeptisch, ob die Mützchen nach dem Kauf nicht einfach weggeworfen werden, aber ich finde die Idee lustig, und für kleine Wollreste passt es gut. Alternativ würde ich Schlüsselanhänger-Söckchen en gros stricken, aber mit denen wüsste ich momentan auch nichts anzufangen.  

Zu spät ins Bett und vor dem Einschlafen noch etwas lesen*.

Der Blick zurück in die ersten sechs Corona-Jahre: Am 5. März 2020 stand mir eine OP bevor. Fünf Jahre später verweigere ich mich noch immer der Hysterektomie, zu der mich viele Ärzte drängen, weil das ihre einzige Therapie gegen Wechseljahrsbeschwerden ist. Am 5. März 2021 war ich noch bei der Horror-Hormon-Tante in Behandlung - zwei Jahre später gelang endlich der Wechsel zu einer vernünftigen Ärztin. Der Gatte und ich hatten Impftermine und bekamen Atteste, die uns als Angehörige der Risikogruppe 2 zur Impfung berechtigten. Wir hatten noch die Hoffnung, Corona würde sich mit der Impfung quasi erledigen. Am 5. März 2022 beschäftigte uns der Ukrainekrieg. Am 5. März 2023 hatten wir plötzlich ein Haus, bereiteten alles für die Bodenverleger vor, während meine Mutter immer mehr Abschied vom Leben nahm. Am 5. März 2024 waren wir endlich umgezogen und hatten erstmals so was wie Alltag. Am 5. März 2025 hatten wir wieder so etwas wie Alltag. Wir hätten gerne noch viel Alltag miteinander erlebt, aber sieben Monate später sollte der Gatte an Candidozyma auris sterben, viel zu jung, viel zu früh. / *Affiliate links 

Dienstag, 3. März 2026

#pmdd2026: Der 28. Februar 2026

An jedem 28. eines Monats ist Picture my Day-Day, kurz pmdd. Mitmachen ist einfach: Fotos vom Tag machen, bloggen oder mit #pmdd2026 auf Bluesky oder Instagram einstellen. Gesammelt wird alles auf dieser Seite. Ich mag dieses Bilder-Tagebuch sehr.

Ich kann inzwischen länger schlafen, schlafe auch oft wieder eine Nacht durch, aber gegen halb neun besteht Schnuffi dann doch darauf, dass es Zeit ist, aufzustehen.

Damit war schon länger zu rechnen ... 

Dem Gatten Guten Morgen sagen.

Der Espresso, den ich im Sommer kaufte, als der Gatte im Krankenhaus war, und den ich nach seiner Rückkehr einfror, ist alle. Wenn ich aus Kopenhagen zurück bin, wird neuer gekauft. Ich vertrage ihn besser als Filterkaffee. Lifestyle-Teilzeit sei Dank, habe ich morgens auch die Muße, in Ruhe Espresso mit viel Milch zu trinken.

Frühstück.

Tiefkühler-Tetris ... In einer Woche müssen da die Lebensmittel untergebracht werden, die sonst während meines Urlaubs verdürben. Das wird spannend. 

Heute laufen auf unterschiedlichen Kanälen den ganzen Tag Nachrichten.

Die drei Thomas-Beckett-Rosen, die ich nach dem Tode des Gatten kaufte, scheinen den Winter überstanden zu haben! Eine kommt auf den Friedhof, eine an den Lieblingsplatz des Gatten in den Garten und die dritte in den Vorgarten, aus dem der Gatte einen Rosengarten machen wollte.

Auch das geschah an einem 28. Februar.

Die Wäscheberge abtragen. Zum ersten Mal trockne ich heute Wäsche auf dem Balkon.

Es ist Ultimo, also Kassensturz im Wollsparglas. 

Ich habe eigentlich keine Kraft zum Backen, aber ich möchte Kuchen haben, und um zum Bäcker zu gehen, fehlt erst recht die Kraft ... 

Das sieht doch schon mal ganz gut aus. 

Zum ersten Mal den Wollwickler* ausprobieren. Hat was von 'nem Puzzle. 

Doch, ich glaube, das muss so aussehen.

Es hat geklappt!

Heute ist Sonnabend. Der Gatte hat mich vor 17 Wochen verlassen. Ich bin noch immer gelähmt vor Trauer. Dementsprechend ist es ein ruhiger Tag. Ich könnte, müsste, sollte im Garten arbeiten oder den Vorgarten fegen oder den Keller aufräumen oder mich um den Nachlass kümmern oder oder oder, aber mir fehlt jegliche Kraft. 

Teezeit mit frischgebackenen Marmor-Muffins. Ich bin heute so kraftlos, dass ich noch nicht mal stricken mag ... 

Ich habe die Blumen schön. Den Fruchtgummi-Strauß brachte Besuch mit. Langsam sollte ich die Gummis mal essen, damit sie nicht hart werden, aber der Strauß ist doch so hübsch ... 

Blick in den Abendhimmel.

Bloggen fällt mir seit Wochen schwer, da einfach zu wenig Kraft. 

Das Abendessen vorbereiten. 

Auch daraus wird das Abendessen.

Das Abendessen. Ich bin immer wieder stolz, wenn ich es trotz fehlender Kraft schaffe, mir etwas zu kochen.

Ich schaffe es heute tatsächlich noch, die vielen Peppies in Google Maps zu übertragen!

Noch klappt es mit der Wolldiät. Aber noch bin ich auch nicht in Kopenhagen. Auf der Liste stehen mehrere Wollgeschäfte.

Das Ausräumen der Spülmaschine verschiebe ich auf den kommenden Tag.

Im Iran wird jetzt sicher gefeiert, genau wie bei den Exil-Iranern hier. Mal schauen, ob das Land eine demokratische Zukunft hat. Ich bin skeptisch.

Auch nach 17 Wochen hofft Schnuffi jeden Tag auf die Rückkehr seines Herrchens, das durch die Schlafzimmertür ging, um mit dem Treppenlift auf sein Sterbebett zu fahren. 

Mit dem Kuschel-Rudel vor dem Einschlafen noch etwas lesen*.

Der Blick zurück in die ersten sechs Corona-Jahre: Am 28. Februar 2020 war Corona nur eine Erkältung, maximal so schlimm wie eine Grippe (was auch nur Leute sagen können, die noch nie eine richtige Grippe hatten), verlebten wir den letzten Tag unseres Hochzeitstagsurlaubs in Dänemark. Am 28. Februar 2021 hatten wir uns in den Corona-Alltag eingelebt und die (leider vergebliche) Hoffnung, der Gatte würde wieder gesund. Außerdem hatten wir Impftermine und die (ebenfalls leider vergebliche) Hoffnung, mit der Impfung verschwände auch Corona. Am 28. Februar 2022 hatte meine Vertretung ihre Feuertaufe und bestand sie mit Bravour. Es war der erste Arbeitstag nach dem Hochzeitstagsurlaub in Dänemark. Am 28. Februar 2023 hatten wir plötzlich ein Haus, pendelten seit mehr als einem halben Jahr und hofften auf baldigen Umzug. Am 28. Februar 2024 waren wir vier Wochen entfernt von der Übergabe unserer Wohnung und der Beendigung des Hamburg-Kapitels. Am 28. Februar 2025 hatte der Gatte zwei OPs hinter sich und war guter Dinge, weil sie erfolgreich waren. Er ahnte nicht, dass noch sechs weitere OPs anstehen sollten und er keine acht Monate später sterben würde. 

Die Rezepte zum Tag gibt's demnächst in der Kombüse. / *Affiliate links

Sonntag, 1. März 2026

Samstagsplausch KW 09/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXI

Mich erreichten einige Nachfragen, warum die Beantragung der Witwenrente bei mir so schwierig ist. Das weiß ich auch nicht. Der Antrag wurde am 5. Dezember 2025 elektronisch (!) von der zuständigen Sachbearbeiterin bei uns im Rathaus gestellt, ging also direkt bei der Rentenversicherung ein. Zwei Formulare für Arbeitgeber und Krankenkasse bekam ich mit zum Nachreichen. Mein Arbeitgeber füllte das Formular umgehend aus, so dass es zeitnah zur DRV ging. Bei der Krankenkasse liegt das Formular seit Anfang Dezember. Nachfragen werden nicht beantwortet. Ich war daher letzte Woche direkt bei der Krankenkasse, um das Formular auszufüllen und an die DRV zu schicken.

Die DRV brauchte geschlagene drei Monate, bis Anfang Februar, um den Eingang meines Rentenantrags zu bestätigen und festzustellen, dass zwei Formulare fehlen - das vom Arbeitgeber und das von der Krankenkasse. Das vom Arbeitgeber ging anscheinend in den letzten drei Monaten bei der DRV verloren, und das andere lag ja unbearbeitet bei der Krankenkasse. Das Arbeitgeber-Formular habe ich in Kopie eingereicht, das von der Krankenkasse habe ich inzwischen an die DRV schicken können, und jetzt hoffe ich ganz optimistisch, dass ich in den kommenden drei Monaten vielleicht tatsächlich schon blitzschnell einen Bescheid über die Höhe meiner Witwenrente bekomme. Den kann ich dann von einer unabhängigen Rentenberaterin, die sich netterweise über dieses Internetz bei mir meldete, weil sie meinen Blog liest, prüfen lassen. 

Finanziell ist das alles Gott sei Dank noch nicht dramatisch, zumal es mit der Auszahlung der drei vollen Renten, die es nach einem Todesfall zur Überbrückung gibt, problemlos und sehr prompt klappte, aber ich wüsste halt schon ganz gerne irgendwann mal, mit welchem Betrag ich monatlich zurechtkommen muss, ob ich die Rücklagen wie geplant für die Renovierung des alt-neuen Hauses nehmen kann.  

Auch bei den Versicherungen und beim Erbschein heißt es weiterhin warten, warten, warten. Aber wenn ich es richtig verstand, brauche ich keinen Erbschein, um die beiden Autos des Gatten umschreiben zu lassen. Beim Astra fehlt mir ja der Fahrzeugbrief. Vielleicht ist er im Tresor, den der Gatte aus der Wohnung mitnahm, aber der lässt sich nicht öffnen. Entweder, ich bin zu blöd oder die Tür ist verzogen oder beides. Jedenfalls hoffe ich, dass Kaufvertrag, letzter TÜV-Bericht, Testament und Generalvollmacht reichen, um einen neuen Fahrzeugbrief zu bekommen (und um das Karlchen auf mich umschreiben zu lassen). Dann werde ich den Astra schweren Herzens verkaufen. Zwei Autos sind einfach absoluter Blödsinn (von den Kosten ganz zu schweigen). Am Astra hängen aber einfach so, so viele Erinnerungen!

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 311, und die Trauer wird nicht weniger. 

Ansonsten war ich diese Woche endlich mal wieder zum Blutspenden. Ich habe das sehr lange regelmäßig gemacht, bis mein Blut zurückgewiesen wurde, ohne dass man mir einen Grund dafür nannte. Mein Hausarzt fand auch keinen Grund. Ich bin gespannt, ob mein Blut diesmal okay ist. Als ich beim Blutspenden im hiesigen Möbelhaus ankam, war's einigermaßen skurril, denn rechts und links von der Tür lagen erstmal zwei Menschen auf dem Boden. Entweder kamen sie gar nicht erst zum Spenden, weil sie vorher ohnmächtig wurden, oder es erwischte sie auf dem Weg nach Hause. Ich war wohl auch etwas blass um die Nase, denn ich musste noch vor dem Spenden Cola trinken, und nach dem Spenden wurde mir noch im Liegen ebenfalls Cola aufgedrängt. Danach bekam ich buchstäblich eine Extrawurst: Ich mochte weder Mohnkuchen noch Erbsensuppe, wusste aber, dass ich etwas essen muss, und bekam deswegen eine Wurst mit Brötchen ohne Erbsensuppe - und Cola. So viel Cola trank ich ewig nicht mehr. Dass ich nach dem Blutspenden den Wocheneinkauf erledigte, inkl. des Schleppens zweier Wasserkästen, war übrigens nicht meine beste Idee. Ich bin halt schon sehr sehr lange keine 30 mehr - da steckte ich das nach dem Blutspenden locker weg. 

Das Kennenlerngespräch mit Chefin I stand an - sie ist neu im Team. Das Gespräch war wie erwartet problemlos. Sie betonte wieder, dass sie nach Möglichkeiten suchen wird, mich im Team zu halten, wenn ich aufgrund meiner Lifestyle-Teilzeit in finanzielle Schwierigkeiten kommen sollte. Sie prüft eine Einstufung in eine höhere Entgeltgruppe, die ohnehin überfällig wäre, und guckt, ob sich irgendwo 25% auftreiben lassen, damit ich ggf. in Vollzeit arbeiten kann, nicht auf zwei Stellen arbeiten muss - die denkbar schlechteste Lösung. Das finde ich großartig, denn ich möchte gerne in der jetzigen Position und mit dem jetzigen Team weiterarbeiten. Ansonsten bekam ich mal wieder zu hören, dass ich zu schnell und zu viel arbeite - dabei habe ich mein Tempo schon arg gedrosselt, fehlt mir immer noch die Konzentration.  

Durch's Büro galoppieren wieder mal diverse Viren. Eine Kollegin schickten wir schlichtweg nach Hause, damit sie nicht weiter zur Virenschleuder wird, eine andere meldete sich einen Tag nach unserem Vier-Augen-Gespräch krank. Zum Glück tat mein Luftfilter, was er tun soll, denn ich habe keinen Bock auf Erkältung, RSV, Grippe, Corona ... Ich verstehe nicht, dass zwar alle realisieren, dass sie nach analogen Veranstaltungen grundsätzlich erkältet ausfallen, sich aber nicht schützen. Seit drei Jahren höre ich regelmäßig, dass es klug wäre, eine Maske zu tragen, nur außer mir trägt sie keine. Stattdessen nehmen die Kolleginnen die Viren aus den Schulen und Jugendzentren mit, um sie in Büro und Familie weiter zu verteilen, von wo sie wieder in Schulen und Jugendzentren gehen. 

Schwiegermutter erwischte mich zwei Mal auf dem Taschentelefon. Die Gespräche waren total wirr. So soll ich Sterbeurkunden ihres Mannes entwendet haben. Ich weiß schon, warum ich in ihrer Wohnung nicht an irgendwelche Schränke gehe, ohne dass sie neben mir steht ... Da sie mir vorher erzählte, sie habe ihren Schreibtisch aufgeräumt und alles weggeworfen, was sie nicht mehr brauche, kann ich mir vorstellen, wo die Sterbeurkunden landeten. Ihre Demenz schreitet anscheinend rasend schnell voran. Ich habe mir im März einen Tag Urlaub genommen, um zu ihr in die Seniorenwohnanlage zu fahren, um Papierkram für die Räumung der Wohnung nach ihrem Tode zu erledigen. Ansonsten habe ich beschlossen, mich weitgehend herauszuhalten, mich nicht verantwortlich zu fühlen. Ich habe keine Kraft, mich auf eine demente Person einzustellen, und die Verletzungen, die Schwiegermutter mir permanent während meiner Ehe zufügte, habe ich auch nicht vergessen, ebenso wenig wie den Angriff auf den Gatten im Mai 2025 anlässlich ihres 90. Geburtstags. So bösartig, heimtückisch und hinterlistig, wie sie "normal" schon ist, wird das bei Demenz kaum besser. Ich weiß, ich bin eine schlechte Schwiegertochter, aber das bin ich schon seit 26 Jahren. Davon abgesehen, werde ich an eingeübten Ritualen nicht rütteln. So werde ich selbstverständlich zum Osteressen zu Schwiegermutter fahren und natürlich auch einen Rüebli-Kuchen mitbringen - wie in den letzten 26 Jahren auch. 

Eigentlich will Schwiegermutter auch, dass wir einen Notartermin für Patientenverfügung und Testament machen. Sie weigert sich allerdings, unseren Notar zu nehmen, sondern einen nehmen möchte, den die Seniorenwohnanlage empfiehlt. Allerdings ist sie nicht in der Lage, da einen Termin auszumachen und will auch nicht, dass ich das mache. Also drehen wir uns da im Kreis. Wenn ich die Juristerei richtig verstand, ist der Notartermin unnötig, weil ich das Erbe des Gatten antrat und somit automatisch in der Pflicht bin, solange ich das Erbe nicht ausschlage. Ich lasse das alles auf mich zukommen. Für etwas anderes habe ich ohnehin keine Kraft.  

Wie kraftlos ich bin, merke ich daran, dass mich das Dasein an sich komplett überfordert, mich alles aus der Bahn wirft, sei es ein zickendes Taschentelefon, das vermutlich ersetzt werden muss, sei es zwei Blasen, die ich mir lief und mit deren Behandlung ich völlig überfordert bin, sei es die bevorstehende Kopenhagen-Reise ... Immerhin habe ich es geschafft, mir zwei Socken als kleines Reise-Strickprojekt auszusuchen und die Wolle dafür zu wickeln. Ich bin gespannt, ob ich die Strickanleitungen begreife. Außerdem habe ich mir ein Strickprojekt ausgesucht, für das ich in Kopenhagen Wolle kaufen möchte, als Souvenir sozusagen. Sonst bin ich im Wollgeschäft total überfordert und komme wie sonst auch mit Sockenwolle nach Hause.

Kassensturz im Wollsparglas: Im Februar erstrickte ich sagenhafte 63,50 Euro!

Zu den schönen Momenten in dieser Woche gehörten der Klönschnack mit der 91jährigen Strick-Nachbarin, die sich über die geliehenen Gewürz-Bücher freute, und das kurze, aber intensive Treffen mit den beiden Sandkastenfreundinnen. Begegnungen mit Menschen strengen mich einfach sehr an. Ansonsten war ich kaum in der Lage, den Sessel zu verlassen, schaffte es weder zum Friedhof, ins Kino oder in den Garten, schaffte nur mit Mühe den Haushalt und die tägliche Versorgung. Immerhin habe ich es am Wochenende geschafft, die Steuer-Unterlagen für 2024 zusammenzustellen. Das war emotional sehr anstrengend, sah ich dabei doch nochmal das Jahr mit dem Gatten vor mir, den letzten Dänemark-Urlaub, den letzten Mallorca-Urlaub, die vielen schönen Momente ... Jetzt bin ich gespannt, ob ich Steuern nachzahlen muss.  

Die Rosen, die ich für den Gatten kaufte, scheinen den Winter gut überstanden zu haben - alle drei. Die, die am Besten aussieht, kommt nach meinem Urlaub auf's Grab. Die beiden anderen kommen an den Lieblingsplatz des Gatten im Garten und in den Vorgarten, aus dem der Gatte einen Rosengarten machen wollte. 

Jetzt, mit beginnenden Frühling und länger werdenden Tagen wird meine Trauer mitnichten weniger. Im Gegenteil. Jetzt beginnen die Jahreszeiten, die der Gatte besonders liebte. Es geht mir noch schlechter als im Winter. Die Trauer ist einfach unendlich, begleitet mich mit jedem Atemzug, egal, wie unbeschwert ich auf andere wirken mag.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.