Samstag, 13. Mai 2017

Samstagsplausch KW 19: Alles, was geschieht, geschieht

Zurzeit sind die Wochen einfach pickepacke vollgepackt, und die Zeit vergeht im Fluge. Für uns ungewöhnlich ist, dass wir sonnabends viel vor haben. Normalerweise ist das der Tag, an dem wir außer Einkaufen nichts machen. In den letzten beiden und in den nächsten drei Wochen geht's aber gerade sonnabends rund. Zum Glück muss der Gatte wenigstens seit Ostern Anfang Mai nicht mehr an den Wochenenden arbeiten. Es sind alles schöne Verpflichtungen, die wir sonnabends vorhaben (und vorhatten), aber anstrengend ist es doch irgendwie.

Letzten Sonnabend fuhr ich mal eben so nach Kühlungsborn und zurück. Schwiegermutter, Tante und die beiden Hunde wollen dort urlauben. Nun ist Schwiegermutter seit längerer Zeit nicht mehr fahrtüchtig, sieht das aber nur selten ein (was bin ich froh, dass meine Mutter nach dem Schlaganfall gleich Konsequenzen zog und ihr Auto verkaufte!). Als der Gatte hörte, dass die Fahrt nach Kühlungsborn ansteht, bot er gleich an, alle zu fahren. Es gab dann ein ewiges Hin und Her, weil Schwiegermutter es ihrem überarbeiteten Sohn nicht zumuten und stattdessen ihre Hilfskraft engagieren wollte. Die Hilfskraft allerdings erwies sich als gelinde gesagt schwierig.

Ostern konnten wir dann endlich Schwiegermutter überzeugen, dass der Gatte chauffiert. Nun ist sein Auto zu klein für einen Rollator, zwei Damen, zwei Hunde und drei Schrankkoffer. Und Schwiegermutter wollte nicht, dass der Gatte den langen Weg von Kühlungsborn nach Hamburg alleine zurückfährt, aber für mich wäre erst recht kein Platz mehr im Wagen gewesen. Also sagte ich, ich führe mit dem Zug vorweg, nähme den dritten Schrankkoffer, der ausschließlich für die beiden Hunde ist, mit und führe dann anschließend mit dem Gatten zurück. Am Abreisetag machen wir es dann umgekehrt.

Früher, als ich noch jung und gesund war, machten mir solche Spritztouren nichts aus, aber seit sechs Jahren bin ich halt nun mal nicht ganz gesund, strengen mich solche Eskapaden durch das dusselige Burn Out, das sich immer mal wieder meldet, mehr an als einen gesunden Menschen. Ich war gespannt, wie ich den Ausflug verkrafte.

Tatsächlich wurde es ein sehr schöner Sonnabend, obgleich das dusselige Burn Out immer mal wieder aufflackerte. Die Entscheidung, in der ersten Klasse zu reservieren, war goldrichtig, denn der Zug war Zubringer für zwei AIDA-Kreuzfahrtschiffe in Rostock und Warnemünde und sehr voll. In meinem Abteil im letzten Waggon saß außer mir aber nur ein Paar, das sich auf seine erste Kreuzfahrt freute. Über mein Strickzeug kamen wir schnell ins Gespräch, denn die Frau strickt auch, allerdings mit der Strickmaschine, eine für mich bis dahin unbekannte Welt. Bei der Fahrkartenkontrolle fand es der Schaffner bei uns so kommod, dass er sich kurzerhand ein Viertelstündchen dazu setzte und mit uns über's Verreisen plauderte. Ich hatte lange schon nicht mehr eine so vergnügliche Zugfahrt!

Mein persönlicher Höhepunkt aber war die Fahrt von Bad Doberan nach Kühlungsborn mit Molli. Dazu werde ich demnächst noch mal gesondert bloggen.

In Kühlungsborn wartete dann der Gatte am Bahnhof, froh, mich zu sehen. Ich hatte definitiv den entspannteren Part. Wir waren noch mit Schwiegermutter, Tante und den beiden Hunden konditorn, dann ging's auch schon wieder nach Hamburg zurück. Die Fahrt führte durch gelbe Rapsfelder, durch Wälder und Wiesen, was wir beide sehr genossen. Wir haben momentan einfach zu wenig Zeit zu zweit.

Als mein Chef bei der obligatorischen Freitagsfrage nach den Wochenendplänen von meinem Vorhaben erfuhr, überlegte er, spontan zwei Fernsehteams zur Begleitung zu organisieren, denn: "Das ist so absurd, das toppt jede scripted reality!" Aber wir waren nicht die einzigen, die Mütter und Koffer nach Kühlungsborn kutschierten: Als ich gerade Damen, Rollator, Hunde und Gatten in die Konditorei bugsierte, klopft mir jemand auf die Schulter: Ein Kollege. Er kam gerade mit seiner Mutter, die er nach Kühlungsborn gebracht hatte, aus der Konditorei und war quasi schon wieder auf dem Rückweg nach Hamburg.

Die Woche selbst war nicht minder anstrengend. An einem Tag musste ich vormittags beide Kolleginnen vertreten und nachmittags ins Vorstellungsgespräch für die Stelle, auf die ich mich im April bewarb. Eigentlich sollte ich dazwischen auch noch ein Beratungsgespräch zu meinem Versetzungsantrag haben, aber das wurde kurz vorher verlegt.

In ein paar Wochen weiß ich, wie ich mich im Vorstellungsgespräch schlug, sprich: Die Entscheidung fällt unmittelbar vor dem geplanten Start in den Urlaub. Bei einer Zusage ist der obsolet, denn ich kann von einer Minute auf die nächste das Büro wechseln, da es der gleiche Arbeitgeber ist. Viel Chancen rechne ich mir aber nicht aus, denn die Bewerberlage auf die Stelle ist sehr gut. Nun ja, es kommt, wie es kommt.

Nach dem Vorstellungsgespräch traf ich mich mit zwei Freundinnen - ein schöner Tagesabschluss. Sollte ich die Stelle bekommen, könnten wir uns öfter sehen, denn ich würde dann in ihrer Nachbarschaft arbeiten.

Schließlich gab's ein weiteres Gespräch mit Kollegin II und der Chefin. Es verlief überraschend, allerdings weniger für mich. Ich bin inzwischen so wütend und genervt, dass ich ganz ruhig bin. Sonst neige ich dazu, vor Wut und Verletztheit zu weinen. Über dieses Stadium bin ich hinaus. Ich habe der Kollegin klar die Grenzen aufgezeigt. Das kennt sie nicht von mir, das hat sie nicht erwartet, das hat sie mir sicher auch nicht zugetraut.

Das Ergebnis des Gesprächs macht Kollegin II sichtbar zu schaffen. Sie ist mir gegenüber einsilbig, wenn sie es nicht vermeiden kann, mit mir zu sprechen, und kann mir nicht in die Augen gucken. Wir sind von einem professionellen Umgang weit entfernt. Dieses zwischenmenschliche Hickhack zusammen mit dem anstrengenden Job bringt mein dusseliges Burn Out immer wieder zum Aufmucken. So bin ich kaum versucht zu sagen, dass es auf der aktuellen Position wieder eine Perspektive für mich gibt, weil ich weiß, es bleibt anstrengend, und gucke mich weiter um.

Wie gesagt: Es kommt, wie es kommt. In diesem Sinne wünsche ich Dir ein schönes Wochenende und schaue bei Andrea und den anderen Samstagsplauscherinnen vorbei.


Kommentare:

  1. Das ist wirklich toll die ganzen Tage singe ich immer ein Lied.. Rate mal welches. Doris Day.
    Bei Dir ist es auch garnicht langweilig. Ich drücke Dir ganz doll die Daumen mit der neuen Stelle. Das ist nicht schön. Dir ein schönes Wochenende herzlichen Gruß
    Sylvia

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    1. Dieses Lied begleitet mich schon viele Jahre und war auch unser Hochzeitswalzer. Ich mag's sehr.

      Ich hoffe, Du hattest eine schöne Woche und wünsche Dir ein schönes Wochenende, liebe Sylvia.

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  2. Alles Gute mit der Bewerbung! Wir planen auch, meine Eltern in die Ferien zu fahren, wenn sie es nicht mehr alleine schaffen. Liebe Grüsse von Regula

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    1. Danke, liebe Regula! So eine gemeinsame Fahrt mit den Eltern in die Ferien kann ja auch eine schöne gemeinsame Zeit sein. Wir dachten bislang gar nicht darüber nach, aber jetzt werden wir es sicher öfter machen, auch, wiel die beiden Damen sonst kaum gemeinsam urlauben können.

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  3. Que Sera Sera, so ist das Leben. Dein kleiner Einblick in die vergangenen Aktivitäten ließen Stoff zurück für ein herrliches Büchlein;-)
    Schmunzelgrüße Petra

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  4. Hui, das klingt wirklich ein bisschen nach Scripted Reality! Wie schön, dass dein Mann und du da trotzdem Positives draus ziehen konntet.

    Liebe Grüße,
    Sabrina

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  5. Auf der Zufahrt, wäre ich gerne Mäuschen gewesen. Das war bestimmt nett. Schwiegermütter können ganz schön anstrengend sein. Und eigensinnig.
    Dieses dusselige Burnout, kenne ich auch gut. Wahrscheinlich ist es das, was mir das bloggen vermiest. Ich fege es jetzt einfach mal weg, denn bloggen macht Spaß, solange man sich nicht unter Druck setzt. Dann besuche ich euch eben erst im Laufe der Woche...
    Zweisamkeit haben wir uns wieder angewöhnt. Das ist richtig schön.
    Ich drück dir die Daumen, dass es mit der Stelle klappt!
    Andrea

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    1. Bloggen sollte in erster Linie Spaß machen, zumindest, wenn es ein Hobby ist (okay, als Beruf sollte es auch Spaß machen, aber dann hat man auch keinen Jon "nebenbei"). Deswegen versuche ich immer, mich nicht selbst und Druck zu setzen. Irgendwelche Kooperationen kann ich dadurch nicht eingehen, denn neben dem Beruf fehlen mir da einfach Kraft und Zeit.

      Danke für's Daumendrücken, liebe Andrea!

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