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Montag, 17. Juni 2024

#12von12 im Juni 2024

Caro von "Draußen nur Kännchen" sammelt wie jeden Monat am 12. des Monats 12 Impressionen des Tages - vielen Dank dafür! Hier kommen meine Juni-Bilder. 

#1: Ich habe wieder nicht daran gedacht, das Verdunkelungsrollo herunterzuziehen und werde zum Sonnenaufgang wach, bleibe aber noch etwas liegen.

#2: Im Wechsel Himmel und Ostsee gucken, lesen* und häkeln.

#3: Der Gatte ist wach, wir können frühstücken.

#4: Das fertige Windlicht wieder aufribbeln. Das zweite häkelte ich mit einer halben Nadelstärke weniger, was mir einfach besser gefällt. 

Wir sind im Dänemark-Urlaub, der aufgrund des aktuellen Gesundheitszustands des Gatten noch ruhiger ist als es unsere Dänemark-Urlaube ohnehin sind.

#5: Die Runde um den Nordborgsø wäre für den Gatten zu lang, aber ein wenig können wir doch am Ufer spazierengehen.

Nachmittags müssen wir einkaufen und wagen einen kleinen Spaziergang.

#6: Teezeit. 

#7: Sonne und Wolken gucken.

#8: Ich kann jetzt Marmelade in den Baum hängen.

Wieder im Ferienhaus, genießen wir die Abendsonne auf der Terrasse, sitzen so lange wie möglich draußen.

#9: Das Abendessen vorbereiten. Das Rezept gibt es demnächst in der Kombüse.

#10: Der zweite Regenbogen binnen einer Woche!

#11: Schlafzimmerblick in den Abendhimmel.

#12: Vor dem Einschlafen noch etwas lesen*

Der Blick zurück in die ersten vier Corona-Jahre. Am 12. Juni 2020 waren wir anlassbedingt essen, zum ersten Mal unter Corona-Regeln. Am 12. Juni 2021 hatte der Gatte gerade seinen dritten Krankenhausaufenthalt binnen einen halben Jahres hinter sich, war noch sehr schwach und kämpfte zudem mit Impfreaktionen. Am 12. Juni 2022 genoss ich einen ruhigen Sonntag in der Wohnung und im Garten, nicht ahnend, dass es für lange Zeit der letzte im Garten der Wohnung sein sollte. Am 12. Juni 2023 hatten wir schon seit 11 Monaten ein Haus und pendelten zwischen Wohnung und Baustelle. / *Affiliate links

Sonntag, 16. Juni 2024

Samstagsplausch KW 24/24: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCXXII

"Das Leben ist ein vorübergehender Zustand*" heißt ein Buch von Gabriele von Arnim*, das ich im Urlaub binnen eines Tages las. Es stand schon länger auf meiner Leseliste, und zufällig sah ich, das es in der Onleihe verfügbar war. Durch einen Schlaganfall ihres Mannes wird aus von Arnim "die Frau des Kranken". In ihrem Text beschreibt sie die Balance, in der Krankheit zu sein und im Leben zu bleiben, den schmal Grat zwischen Fürsorge und Übergriffigkeit, Zuwendung und Herrschsucht, wie leicht Rettungsversuche in demütigender Herabwürdigung enden oder Aufopferung erbarmungslos wird. Ich fand den Gatten und mich in Vielem wieder, bekam viel zum Nachdenken und setzte das Buch auf meine Wunschliste. Das möchte ich einfach gedruckt haben, möchte ganz altmodisch Passagen unterstreichen, möchte es öfter lesen.

Neben zauberhaften Sonnenaufgängen sahen wir auch an zwei Abenden Regenbögen!

Ich bekam den Gatten heil ins Ferienhaus und auch heil wieder nach Hause, ohne Notarzt oder Krankenhaus - Gott sei Dank! Im Laufe des Urlaubs ging's ihm sogar langsam besser. Wir konnten auch zwei, drei kleine Spaziergänge machen, denn er kann inzwischen mehr als 50 Meter ohne Pause gehen. Die Entscheidung für ein Ferienhaus und gegen das Hotel in Weißenhäuser Strand war rückblickend goldrichtig, denn im Hotel hätte der Gatte weniger Ruhe bekommen (wenngleich im Notfall RTW und Krankenhaus in der Nähe gewesen wären, anders als im Ferienhaus, aber Gott sei Dank brauchte er ja beides nicht). Morgen ist der Gatte wieder beim Arzt. Mal gucken, was der sagt. Vielleicht kommt der Gatte ums Krankenhaus herum.

So gesehen war die eine Woche Dänemark sehr erholsam. Ich saß viel rum und las oder häkelte, guckte in die Wolken oder auf die Ostsee oder sah den Spatzen zu und genoss es, eine Woche lang mal keine Kopfschmerzen zu haben. Es tat uns auch einfach gut, eine Woche lang mal keine Umzugskartons zu sehen und eine voll ausgestattete Küche zu haben. Das Ferienhaus war so lichtdurchflutet, dass wir regelmäßig zur Sonnenaufgangszeit aufwachten (doch, es gab Verdunkelungen, aber die vergaßen wir regelmäßig), dass wir die langen hellen Abende genossen. Dadurch fiel uns nicht auf, wie dunkel das Huas im Winter wäre, denn Lampen waren Mangelware. Die Wandlampe im Flur brannte durchgehend zwei Tage und Nächte, ehe uns auffiel, dass sie versehentlich eingeschaltet war ... 

Die Heimfahrt war sehr anstrengend, dauerte sieben statt drei Stunden. Zum ersten Mal fuhren wir in die alt-neue Heimat zurück anstatt die Autobahn in Bahrenfeld zu verlassen. Bislang fiel es mir immer schwer, ein Ferienhaus zu verlassen, bedeutete es doch, zurück ins laute Hamburg zu fahren. Seitdem sich die Nachbarschaft 2016 grundlegend änderte, konnten wir Terrasse oder Balkon kaum noch nutzen. Auch schon davor galt wegen der ständig irgendwo stattfindenden Bau- oder Renovierungsarbeiten, dass ich wegfahren musste, um zur Ruhe zu kommen, mich zu erholen. Dieses Gefühl war jetzt komplett weg. Das tat gut!

Hier gilt seit mittlerweile 222 Wochen: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall. Er ist schwerbehindert und berufsunfähig verrentet. Es geht uns dennoch vergleichsweise gut. Wir halten es gut miteinander aus, wenngleich die Erkrankungen und der Schlaganfall des Gatten zu Wesensveränderungen führten, die ein Zusammenleben manchmal sehr schwer machen. 

Unsere Kontakte sind normalerweise auf das Notwendigste beschränkt, heißt: Arbeit, Ärzte, Einkaufen, Schwiegermutter und Handwerker. Ich bin dankbar, dass Corona bislang Gatten, Schwiegermutter und Tante verschonte und hoffe sehr, das bleibt so. 

Natürlich nahmen wir trotz Urlaubs den Ausgang der Europawahl wahr. Es ist erschreckend, dass etwa ein Drittel der Deutschen faschistisch eingestellt ist. Damit unterstützt zwar eine Mehrheit nach wie vor die Demokratie, aber die Geschichte hat gezeigt, dass ein Drittel Faschisten reicht, um die Demokratie mit demokratischen Mitteln abzuschaffen. Spätesten im Herbst, wenn es die ersten AfD-Regierungen in Ost-Deutschland gibt, wird es bitter. Die Konversion im Eiltempo zu Ende bringen und auswandern ist leider keine Alternative mehr. Den kranken Gatten kann ich nicht nach Israel verpflanzen. Ich ertappte mich bei dem Gedanken, dass ich unbedingt "Machtübernahme: Was passiert, wenn Rechtsextremisten regieren | Eine Anleitung zum Widerstand*" lesen muss, bevor es verboten wird. 

Morgen wird unsere neue Küche geliefert - in 143 Paketen. Ich habe keine Ahnung, wo wir die bis zum Aufbau übermorgen lagern sollen. Der Vorgarten scheidet leider aus, weil Regen angesagt ist, aber falls es nicht anders geht, muss zumindest ein Teil der Pakete mit einer Plane abgedeckt dort gelagert werden. Im Haus sieht es jetzt noch wilder aus als sonst - ich hätte nicht gedacht, dass das geht. Eine Grundausstattung an Geschirr, Besteck, Töpfen, Gläsern und Bechern steht auf dem Terrassentisch. Für den Abwasch legen wir einfach einen Tab drauf, und der Regen erledigt den Rest. Kaffeemaschine, Wasserkocher und Toaster stehen einigermaßen vor Regen geschützt an der Hauswand unter der Markise - ich bin gespannt, wann wir die wieder trocken bekommen. Zwei Schränke warten vor dem Haus auf den Sperrmüll in zehn Tagen. Im Vorratskeller steht eine Mikrowelle, damit wir uns Fertigfutter aufwärmen können. Gleichzeitig haben wir uns auf Essen vom Lieferdienst bzw. Imbiss eingestellt. 

Angesichts der Serie von Pleiten, Pech und Pannen, die uns seit zwei Jahren beim Hausumbau begleiten, gehe ich nicht davon aus, dass wir am Mittwoch wieder eine funktionierende Küche haben werden. Ich hoffe, dass wenigstens die TK-Kombi und die Spülmaschine weitergenutzt werden können - sonst muss ich den Abwasch auf der Terrasse erledigen (oder komplett auf Einweg-Geschirr umsteigen) und alles aus der TK-Kombi irgendwie im Vorratskeller unterbringen.   

Schwiegermutter und Tante geht's gut. Schwiegermutter wird allerdings sehr wirr und immer egozentrischer, narzisstischer. Mal gucken, wie sich das entwickelt. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

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Sonntag, 27. Februar 2022

Samstagsplausch KW 8/22: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CII

Die letzte Woche verbrachten wir in Dänemark, auf Als, in Vinkelbæk, um unseren 20. Hochzeitstag zu feiern. Es war eine ruhige Woche, in der wir gelegentlich an den letzten Februar-Urlaub vor zwei Jahren zurückdachten, als die Corona-Moppelkotze begann. Jetzt hat sich nicht nur Dänemark entschlossen, die Pandemie für beendet zu erklären.

Da das Wetter meistens regnerisch-stürmisch war und wir keine Lust hatten, die Schlagloch-Buckelpiste zum Ferienhaus öfter als unbedingt notwendig zu fahren, kuschelten wir uns im Ferienhaus ein. Das hatte zwar einige Macken und Reparaturbedarf, und irgendwie wurden wir mit dem Haus insgesamt nicht richtig warm, aber Ruhe und Seeluft taten uns gut. Grunderschöpft bin ich allerdings immer noch.   

Hier gilt seit mittlerweile 102 Wochen: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause. Unsere Kontakte sind auf das Notwendigste beschränkt, heißt: Arbeit, Ärzte, Einkaufen, Mütter. 

Der Gatte wurde im ersten Corona-Jahr schwerkrank, ist inzwischen berufsunfähig verrentet und schwerbehindert. Es geht uns vergleichsweise gut. Wir halten es gut miteinander aus, kommen mit den Corona-Einschränkungen einigermaßen zu recht, vermissen aber dennoch die Zeit vor Corona sehr und hätten gerne wieder Normalität, Spontaneität. Beides hätten wir nun zwar im Urlaub haben können, denn in Dänemark sind alle Coronabeschränkungen aufgehoben, aber wir sind lieber vorsichtig und blieben lieber für uns.

"Hulk" von Ole Lorin Rasmussen in der Augustiana.

In den Regenpausen fuhren wir unter anderem nach Augustenborg, um durch den Schlosspark zu spazieren. Dort trafen wir den Hulk und hatten zudem eine entzückende Hundebegegnung - wie sehr wir das Leben mit Hund vermissen! 

Beim Vergleich der Bilder von letzter Woche und von vor vier Jahren fällt auf, wie sehr der Gatte körperlich beeinträchtigt ist. Aber er kämpft tapfer und trainiert. Dennoch: Den langen Spaziergang entlang der Felder um das Ferienhausgebiet musste ich alleine machen, da zu lang und zu anstrengend. Mir tat's gut, mich mal wieder auszupowern, und der Gatte freute sich, in Ruhe in der Sonne auf der Bank am Kleinen Belt sitzen zu können. Als ich durchgefroren wiederkam, wartete er mit Kaminfeuer, Tee und Kuchen auf mich - auch mal schön.

Natürlich haben wir auch im Urlaub die Entwicklungen in der Ukraine mitverfolgt. Sie machen uns sprach- und ratlos.

Wieder zu Hause, kann ich mich über Schneeglöckchen, Krokusse und Narzissen im Garten freuen. Letztes Jahr setzte ich alle Zwiebeln aus den Narzissentöpfen in den Garten, rechnete aber eher damit, dass die Wühlmäuse sie sich holen. Irrtum, sie wuchsen an und blühen! Auch der im letzten Jahr gesetzte Bärlauch kommt langsam wieder, ebenso die Pfingstrosen, die eigentlich gar nicht mehr im Garten sein sollten. Aber einige übersah ich beim Ausräumen des Hochbeets. Mal schauen, ob sie an ihrem neuen Platz blühen. 

Weniger erfreulich ist, dass die Nachbarskinder mal wieder Garten und Terrasse als Bolzplatz nutzten, wobei mal wieder einiges kaputt ging. Die Stürme der letzten Tage richteten keinen Schaden an, die Bolz-Blagen hingegen schon. Es wird Zeit, dass der Gatte die hier liegende Wildkamera installiert, und vielleicht erlaubt uns der Vermieter dann endlich, einen Zaun zu ziehen, wenn er die gesammelten Schäden samt Verursachern sieht. Gespräche mit den Erzeugern der Brut bringen seit 2016 nichts.

Mudderns geht's gut. Ihr gibt Stabilität, dass der Sonntagsgottesdienst hybrid stattfindet, sie also wieder in die Kirche kann. Eine Anfrage bei der Krankenkasse ergab, dass sie tatsächlich ohne Begutachtung Pflegestufe 2 bekam, und jetzt gucken wir mal, was wir daraus machen können. Theoretisch könnte ich mir jetzt sogar ihre Betreuung auf die Rente anrechnen lassen, aber dann müsste ich meine Arbeitszeit auf vier Tage legen, und ich glaube, das wird mir zu anstrengend (abgesehen davon sind im Büro ohnehin zu wenig Kollegen, die fünf Tage arbeiten). 

Schwiegermutter ist weiterhin schwierig, übergriffig, beleidigend, aber sie überwand sich immerhin, uns zum Hochzeitstag anzurufen. Der Gatte ist wegen ihres Verhaltens ziemlich angefasst und freute sich umso mehr über Mudderns liebevolle Karte.

Inzwischen weiß ich, dass ich nicht alleine von der Facebook- und Instagram-Sperre betroffen sind, sondern dass sie einige Blogs trifft, ohne dass es Gemeinsamkeiten gibt oder eine Möglichkeit, gegen die Sperre vorzugehen. Das ist insofern beruhigend, weil ich weiß, dass es kein gezieltes Vorgehen gegen meine Person ist, denn als systematisch alle Beiträge seit 2009 gesucht und gelöscht wurden, war ich schon besorgt. Doof bleibt es dennoch. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

Mittwoch, 30. Mai 2018

Historiecenter Dybbøl Banke / Geschichtszentrum Düppeler Schanzen (Sønderborg / Dänemark)

"Preußen wollte Schleswig-Holstein haben, und deswegen überfielen die Preußen Dänemark", bringt der Gatte den Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 auf den Punkt. Der Krieg tobte zwischen Februar und Oktober 1864, war aber im Prinzip nach zehnwöchiger Belagerung der Düppeler Schanzen schon im April entschieden.

Dänisches Nationaldenkmal: Die Düppeler Mühle gegenüber dem Geschichtszentrum.
Der Eingang ins Geschichtszentrum.
Die Schanzen sicherten den Übergang über den Alsensund nach Sønderborg auf die Insel Als. Die Dänen rechneten nicht damit, dass die Preußen die Schanzen stürmen würden. Bis heute hat sich die Niederlage tief in das kollektive Gedächtnis der Südjütländer eingegraben.

Das Historiecenter Dybbøl Banke erinnert an die Schlacht und setzt dabei viele Elemente der Living History und des Reenactments ein. Die Museumspädagogen sind wie dänische Soldaten gekleidet und gehen so sehr in ihrer Rolle auf, dass ich in fast 50 Jahren Dänemark zum ersten Mal Deutschenfeindlichkeit wahrnahm (die anderen Mitarbeiter waren allerdings sehr herzlich).

Im Soldatendorf.
Anders als die Homepage ist die sehr ausgewogene Ausstellung mehrsprachig, und für die Filme gibt es Übersetzungen (an der Kasse nach Kopfhörern fragen, falls Ihr die nicht ohnehin gleich in die Hand gedrückt bekommt).

Blick von den rekonstruierten Schanzen auf das Ausstellungsgebäude.
Die Außenanlage des Museums besteht aus originalgetreu nachgebauten Schanzen und einem Soldatendorf, das anschaulich die damaligen Lebensumstände zeigt. Ein Gedenkstein erinnert an zwei neutrale Beobachter der Kampfhandlungen, quasi die ersten Rotkreuz-Delegierten.

Blick über die Anlage.
Gegenüber des Museums steht die Düppeler Mühle, ein dänisches Nationalsymbol. Die Holländermühle war in zwei Kriegen wegen ihrer Lage mitten im Kriegszentrum strategisch bedeutsam. So wurde beispielsweise die Stellung der Flügel genutzt, um Nachrichten zu übermitteln.

1914 brachten dänische Patrioten hier in der Nacht vor dem 50. Jahrestag zudem eine Marmortafel an, die mit einem Gedicht an die dänischen Gefallenen erinnerte. Kurz bevor der preußische Jubiläumszug an der Mühle vorbeimarschierte, wurde die Tafel entdeckt und entfernt. Die Müllersfamilie bewahrte sie auf und brachte sie nach der Volksabstimmung 1920 wieder an.

Pfannkuchenbacken wie 1864.
Bis 1990 in Betrieb, beherbergt die Mühle heute eine Ausstellung (und einen sehr schönen Laden mit Getreide, Honig aus der Umgebung und anderen Souvenirs).

Gegenüber des Museums sind auch die Ruinen des einstigen Denkmals, das die Preußen errichteten, zu sehen. Als Südjütland ab 1920 wieder dänisch wurde, sollte das 20 Meter hohe Sandsteindenkmal fallen, aber die dänischen Behörden konnten noch nichts unternehmen. Stattdessen wurden auf dem einstigen Schlachtfeld etwa 100 kleine Gedenksteine für gefallene dänische Soldaten errichtet - ein stiller Protest, eine Dänisierung des Geländes.

Einer der etwa 100 Gedenksteine für die gefallenen dänischen Soldaten.
Eine Woche nach der Befreiung, am 13. Mai 1945, wurde das Denkmal von dänischen Widerstandskämpfern gesprengt. Die dänische Polizei ermittelte - vergeblich. Ein paar Fundamentreste sind noch zu sehen, aber die Trümmer wurden in einer nahegelegenen Mergelgrube vergraben. Den Besitzern, auch zukünftigen, wurde es untersagt, sie jemals auszugraben.

Was vom Preußentum übrig blieb. 
Die einstigen Dimensionen der Düppeler Schanzen lassen sich auf einer Wanderung zwischen Alsensund und Sønderborg erahnen. An vielen Stellen informieren Tafeln über die Geschehnisse zwischen Februar und April 1864.

Mehr Südjütland-Impressionen gibt es hier. Mehr zu den Düppeler Schanzen einst und jetzt gibt es in diesem DLF-Feature.

Dienstag, 29. Mai 2018

Der Augustiana-Skulpturenpark (Augustenborg / Dänemark)

Ich mag die unkomplizierte dänische Art, mit Kunst umzugehen. So führt dann auch ein Teil des Augustenborgstien durch den Augustiana-Skulpturenpark, und wer mag, kann anschließend die Galerie im einstigen Prinzenpalais besuchen.

Das Prinzenpalais im Skulpturengarten.
Und welche deutsche Galerie empfiehlt schon seinen Besuchern, Badesachen einzupacken, damit man den Kunstgenuss mit einem Sprung in den Fjord verbinden kann?! Die kleine historische Badeanstalt unmittelbar am Ende des Skulpturengartens steht unter Denkmalschutz.

Henriette Lorentz, Dobbeldt udsyn. 
Vibeke Fonnesberg, Penalty.
Der Skulpturengarten ist das ganze Jahr über rund um die Uhr geöffnet und frei zugänglich. Die ausgestellten Kunstwerke spiegeln etwa 100 Jahre Kunstgeschichte wider, wobei der Schwerpunkt eindeutig auf zeitgenössischer Kunst liegt.

Ei, was guckt denn da? Schmitterlinks von Larry McLaughlin. 

Ausgangspunkt einer 1200 km langen Ameisenstraße durch Dänemark, Deutschland und die Schweiz: Die Skulptur des Schweizer Jörg Rohner. 
Die Grenzen zwischen Kunst und Kunsthandwerk sind für mich fließend, und manchmal war ich mir nicht sicher, ob's eine Skulptur ist oder ein Wäschegerüst, aber Kunst entsteht ja ohnehin im Auge des Betrachters.

Jørn Rønnau, Augustiana træet.
Hier treffen sich des Nachts bestimmt Elfen und Feen zum Tanz: Sigrid Lütken, Døbefond.
Mir gefiel vor allem die Installation "Den blå skov" der Künstlergruppe AZUR. Die blauen Baumstämme sind oft am Wald und am Ufer dies- und jenseits des Fjords zu sehen.

Ole Lorin Rasmussen, Killerzone.
Mit Badesachen und Picknick ausgerüstet, lässt sich im Sommer gut und gerne ein entspannter Tag zwischen Barock, moderner Kunst, Wald und Fjord verbringen.

Natur schafft die schönsten Kunstwerke.
Mehr Südjütland-Impressionen gibt es hier.

Sonntag, 27. Mai 2018

Verschwörer unter Eichen, Dichter unter Linden: Impressionen vom Augustenborgstien (Augustenborg / Dänemark)

Augustenborg ist eine mit über 3.000 Einwohner eine der größeren Städte auf Als und wird von einem wunderschönen Barockschloss beherrscht. Dabei handelt es sich ganz nebenbei um die größte geschlossene Barockanlage in Süddänemark. Falls Du also ein Faible für Barock hast, lohnt sich ein Bummel durch die Schlossanlagen und durch die Stadt, in der noch viele Bauten des sogenannten Augustenborger Stils erhalten sind.

Abstieg vom Schlosspark auf den Augustenborgstien.
Blick zum Hafen.
Blick von der Hans-Christian-Andersen-Eiche zum Schloss.
In Augustenborg gibt es viel Kunst, Galerien und kleine Museen. Es gibt aber auch viel Natur. Wir liefen den sieben Kilometer langen Augustenborgstien entlang, der alles miteinander verbindet.

Der Wanderweg führt vom Hafen bzw. dem Schloss am Fjord entlang durch den Wald zurück in die Stadt. Bei entsprechenden Temperaturen lohnt sich die Mitnahme von Badezeug, denn es gibt unterwegs immer mal wieder kleine Badestellen.

Blick auf den Fjord.
Der Park ist voller Geschichte: Der ursprünglich barocke Garten wurden im 19. Jahrhundert in einen Landschaftspark nach englischem Vorbild geformt. Auf typische Elemente wie Grotten oder Tempel wurde allerdings verzichtet. Dafür behielt man Alleen, ein wichtiges Element der barocken Gartenarchitektur bei, und verzichtete darauf, Baumdenkmäler zu fällen.

Eine der Alleen des einstigen Barockgartens.
Zu den Baumdenkmälern gehören auch De Tre Edsege, die drei Eichen. Dort trafen sich 1674 der Gouverneur von Norwegen, Ulrik Frederik Gyldenløve, Kanzler Frederik Ahlefeldt und Kammersekretär Konrad Biermann, um für Herzog Ernst Günther von Augustenborg, den mächtigsten Mann in der dänischen Monarchie, Kanzler Peder Griffenfeld, zu stürzen. Der weigerte sich nämlich, des Herzogs Tochter zu heiraten und entschied sich stattdessen für eine Französin. Zwei Jahre später gelang der Sturz Griffenfelds.

Die Künstlergruppe AZUR interpretiert die Barockallee: Oft trifft man am Augustenborgstien auf blaue Bäume, den blå skov, den blauen Wald.
Die Geschichte des Geheimtreffens unter den drei Eichen wurde von Generation zu Generation weitererzählt. Als Hans Christian Andersen fast zwei Jahrhunderte später das Schloss besuchte, zeigte man ihm eine der Lampen, mit denen die Verschwörer einst den Weg zu den drei Eichen fanden. 1920 zierten die drei Eichen einen Geldschein.

Blick auf die Augustiana mit dem Skulpturenpark.
Die letzte der drei Eichen fiel 1994 einem Sturm zu Opfer. Eine Tafel erinnert an den Ort, wo sie einst standen (und ein umgefallener Baum, aber der Stamm hat einen so kleinen Durchmesser, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass er zu einer über 300jährigen Eiche gehört).

Mehr Südjütland-Impressionen gibt es hier.

Mittwoch, 23. Mai 2018

Statue für den Fischer "Martin" in Lavensby Strand (Dänemark)

Beim Spaziergang vom Ferienhausgebiet Vinkelbæk zum Campingplatz Lavensby passiert man eine leicht zu übersehende Holzstatue, die den Fischer Christian "Martin" Lorentsen zeigt.

So unspektakulär die Statue sein scheint, so spektakulär ist doch die Geschichte dahinter. Der 1835 geborene Martin lebte in Vinkelbæk, bis die Sturmflut von 1872 sein Haus zerstörte. Er baut sich ein neues Haus am Arnbjergvej 51, direkt neben dem Platz, wo heute sein Denkmal steht. Das Geld für das Haus leiht er sich bei seinen Nachbarn, von denen nicht alle glauben, dass der Fischer es zurückzahlen werde. Aber Lorentsen begleicht seine Schulden.

Der Fischer Christian "Martin" Lorentsen.
Zahlreiche Geschichten und Anekdoten belegen, dass Martin kein einfacher Mensch gewesen ist. Als seine Frau stirbt, verwahrlost er zusehends. Hilfe lehnt er ab, auch, als die Ratten das Regiment in seinem Haus übernehmen.

Als der erste Weltkrieg beginnt, gehört Als zu Preußen und zum Deutschen Reich. Für die dänisch gesinnten Jütlander bedeutet es, dass sie, die nach dem Deutsch-Dänischen Krieg 1864 als Reichsfeinde gelten, ihre dänische Kultur ablegen oder verleugnen müssen, zum deutschen Militär eingezogen werden und gegen Dänemark kämpfen müssen.

Das Denkmal für den Fischer Christian "Martin" Lorentsen wurde von Jørgen Schmidt und Vester Sottrup geschaffen und 1982 in Vinkelbæk aufgestellt.
Der mittlerweile 80jährige Martin hilft den jungen Männern, die nicht gegen ihre Heimat kämpfen wollen, in dem er sie mit seinem Fischerboot nach Fünen, das zu Dänemark gehört, übersetzt. Das geschah unter den Augen der Grenzwachen, die Martins Haus, das direkt an der Küste steht, besetzt hatten. Fast wäre er aufgeflogen, aber Nachbarn halfen ihm aus der Klemme.

Martin starb 1920. Ob er noch an der Volksabstimmung teilnehmen konnte, erlebte, dass Als wieder dänisch wurde?

Seit 1982 steht Martin nun neben seinem ehemaligen Haus und blickt auf's Meer, das ihm einst seinen Lebensunterhalt gab, auf dem er sich in Lebensgefahr brachte, in dem er jungen Männern, die nicht für eine Besatzungsmacht kämpfen wollten, zur Flucht verhalf.

Mehr Südjütland-Impressionen gibt es hier.

Dienstag, 22. Mai 2018

Vinkelbæk-Impressionen (Lavensby Strand / Dänemark)

Anfang Mai waren wir eine Woche in Dänemark, an der Ostsee, auf der Insel Als, in der kleinen Siedlung Vinkelbæk, die zum Dörfchen Lavensby  mit etwa 300 Einwohnern gehört. Hier kann man schöne lange Spaziergänge oder Radtouren machen, Natur und Ruhe genießen.

In Vinkelbæk hat der Himmel einen Hang zum Drama: Abendlicher Terrassenblick.
Rechts ist der Strand, links ist das Land, und dazwischen kann man im Sommer Brombeeren pflücken.
Sonnenuntergang am letzten Urlaubsabend.
Nachts ist der Himmel sternenklar, quaken hunderte und aberhunderte Frösche an einem der zahlreichen kleinen Seen und Tümpel. Verstummen sie, beginnt das Vogelzwitschern in den Hecken und Knicks. Wie gesagt: Hier kann man Ruhe und Natur genießen.

Weg zum Strand.
Am Strand.
Am Strand.
Am Strand.
In der Saison gibt es auf dem etwa zehn Gehminuten entfernten Campingplatz einen kleinen Supermarkt, außerhalb der Saison bekommt man alles nötige im etwa drei Kilometer entfernten Nordborg.

Am Strand.
Einzig die Versorgung mit Kaminholz gestaltet sich schwierig. Wenn also der nette, Platt sprechende Man vom Traktormuseum an die Tür Deines Ferienhauses klopft und fragt, ob Du Kaminholz brauchst, tust Du gut daran, Ja zu sagen.

Auf einem Strandspaziergang begleiteten uns drei Schwäne.
Mehr Südjütland-Impressionen gibt es hier.