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Montag, 28. Oktober 2024

#12von12 im Oktober 2024

Caro von "Draußen nur Kännchen" sammelt jeden Monat am 12. des Monats 12 Impressionen des Tages - vielen Dank dafür! Diesmal bin ich urlaubs- und stressbedingt zu spät für die Party.

#1: Aufstehen!

#2: Am vorletzten Urlaubstag registriere ich, dass wir vom Balkon das Meer sehen können ...

#3: Mal gucken, wann die Postkarten ankommen. 

Heute ist Sonnabend und unser vorletzter Urlaubstag auf Mallorca. Als wir dort zuletzt im September 2022 waren, rechnete ich nicht damit, dass wir nochmal auf der Insel urlauben würden, denn das Klima war zu tropisch für den Gatten. Als er dieses Jahr sagte, er wolle wieder nach Mallorca. entschieden wir uns, im Oktober zu fliegen, weil dann die Wahrscheinlichkeit für tropische Temperaturen geringer ist. Leider ist dann das Wasser kalt - ich wusste nicht, wie kalt 24 Grad sein können ... 

#4: Frühstück. Die Sesamkekse werde ich vermissen. Und: Natürlich gab's vor dem Gebäck noch ein vernünftiges Frühstück.

#5: Obst für den Strandtag schnibbeln. Der Gatte mag zudem hartgekochte Eier. 

Wir haben in den letzten Tag gemerkt, wie gut es uns tut, einfach nur am Strand in der Sonne zu liegen. Dementsprechend entscheiden wir uns auch heute wieder für einen Strandtag. Es passiert also nichts, und das ist ausgesprochen entspannend.

#6: In den kommenden Stunden werde ich mich nicht von der Liege bewegen, diesen Ausblick haben, Wolken gucken und lesen*.

#7: Na gut, vielleicht gucke ich doch mal, ob noch Wasser da ist.

#8: Normalerweise würde ich weit in die Bucht hineinschwimmen, aber momentan ist mir das Wasser einfach zu kalt. Das sind niemals 24 Grad!

#9: Der Strand wurde im Laufe des Tages doch noch etwas voller, aber insgesamt ist es weitaus leerer als August / September, den Monaten, in denen wir in den Vorjahren auf Mallorca waren.

Der Blick in die ersten vier Corona-Jahre: Am 12. Oktober 2020 bekam der Gatte eine schlechte Diagnose. Damals ahnten wir noch nicht, das es nicht die einzige bleiben wird. Damals ahnten wir auch nicht, dass Mudderns Haus und Garten mitsamt Apfelbaum heute uns gehören würden. Am 12. Oktober 2021 wartet der Gatte auf die Verrentung, bin ich malad, gibt es einen Krebsverdacht, der sich zum Glück nicht bestätigt. Am 12. Oktober 2022 hätten wir nicht gedacht, dass wir ein Jahr später immer noch zwischen Wohnung und Haus pendeln, weil die Baustelle nicht fertig wird. Am 12. Oktober 2023 hoffen wir, dass wir bis Ende des Jahres umgezogen sind. 

#10: Abendessen. Cracker gab's außerdem, damit Käse und Wurst eine Grundlage haben.

#11: Zum Geburtstag bekam ich Sockenwolle von meinen Kolleginnen geschenkt, die ich jetzt annadle. Das wird ein Paar im Minecraft-Muster. Wer genau hinguckt, entdeckt im Hintergrund die Halloween-Girlande am Balkongeländer. 

#12: Vor dem Einschlafen noch etwas lesen und dafür ein neues Buch* anfangen.

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Montag, 30. September 2019

Plaça de Sant Joan in Son Servera (Mallorca / Spanien)

Montags gegen Nazis.
Montags erinnere ich daran, was passiert, wenn es mit der Demokratie bergab geht und wie es anfing, denn die Nazis fielen ja nicht 1933 vom Himmel. Die krochen schon Jahre vorher aus ihren Löchern, wurden nicht rechtzeitig aufgehalten, auch, weil man sie nicht ernst nahm, dachte, es wird schon nicht so schlimm.

Wurde es aber.

In loser Folge gibt's hier also montags Kunst und Denkmäler gegen Faschismus, Nationalismus und Rassismus. Orte, die daran erinnern, gibt es nicht nur in unserer Stadt genug, denn wie gesagt: Wir hatten das schon mal.

Gestern holte sich das blaubraune Pack erneut eine Schlappe bei dem Versuch, in Hamburg zu demonstrieren: 68 Rechte trauten sich auf die Straße und sahen sich gut 800 Demokraten gegenüber. Immerhin halten die Blaubraunen ihr Versprechen, viele Menschen auf die Straße zu bringen. 

Wie es zu dieser Beitragsreihe gekommen ist, kannst Du hier nachlesenAlle Beiträge aus dieser Reihe findest Du, wenn Du hier klickst. Mehr Mallorca-Impressionen gibt es hier.


Blick auf das heutige Café S'Oratge. Im Keller des Gebäudes ist 1936 das Hauptquartier der Franquisten.
Son Servera ist eine Gemeinde im Osten Mallorcas. Die gleichnamige Kleinstadt mit knapp 5.000 Einwohner ist neben Son Carrió einer der wichtigsten Schauplätze der Schlacht um Mallorca im Spanischen Bürgerkrieg, eine Frontstadt. Während Son Carrió von Republikanern eingenommen wird, ist Son Servera einer der wichtigsten franquistischen Stützpunkte.

Wir kommen an einem Sonntag nach Son Servera. Der Gottesdienst ist gerade zu Ende, auf dem Kirchplatz, der Plaça de Sant Joan, herrscht noch reges Treiben in den zahlreichen Restaurants, aber ansonsten sind die Straßen wie ausgestorben. Freitags, am Markttag, ist es anders. Da kommen Touristen aus den umliegend Badeorten in Scharen. Heute sind außer den Einheimischen nur ein paar Wanderer und Radfahrer unterwegs.


Die Kirche San Joan in Son Servera.
Die Republikaner versuchen 1936 vergeblich, den Ort einzunehmen und geraten mit 50 Mann in einen franquistischen Hinterhalt. Drei der vier Überlebenden werden in Son Servera hingerichtet. Einzig der aus Barcelona stammende achtzehnjährige Domingo López überlebt die Erschießung. Er kann schwer verletzt fliehen und sich wieder seinem Kommando anschließen.

Die meisten der etwa 900 Einwohner Son Serveras fliehen. Ihre Häuser werden von Militäreinheiten besetzt. Die Republikaner nehmen die das Dorf umgebenen Hügel und Berge ein und bombardieren von dort aus 20 Tage lang beinahe täglich das Dorf, bis sie sich in der Nacht vom 3. auf den 4. September 1936 zurückziehen.


Eine der schmalen Straßen Son Serveras, durch die 1936 die faschistische Siegesparade führte.
Das Hauptquartier der Franquisten befindet sich auf der Plaça de Sant Joan, dem Kirchplatz, im Keller des heutigen Café S'Oratge. Hier findet auch die Siegesparade statt. Zum Anführer der Faschisten macht sich der Italiener Arconovaldo Bonaccorsi, der sich den Kampfnamen "Conde Rossi" gibt.

Bonaccorsi, ein Rechtsanwalt, der sich früh Mussolini  anschließt und 1922 als Anführer der Faschisten aus Bologna am "Marsch auf Rom" teilnimmt, hat einen Hang zur Hochstapelei: Quasi im Alleingang habe er die Republikaner zurückgeschlagen und so die Kriegshandlung für die Franquisten entschieden. 

Bonaccorsi ernennt sich zum General, gibt sich den Titel "Löwe von Son Servera", führt ein Terrorregime, berauscht sich geradezu an Gewalt, wird durch zahlreiche Propaganda-Auftritte in mallorquinischen Dörfern zu einer faschistischen Identifikationsfigur. Aber er macht sich sich Feinde, und so setzen spanische Militärs bei Franco durch, dass Bonaccorsi nach einem halben Jahr Mallorca verlassen muss. Der Personenkult um ihn aber bleibt: Bonacorssi wird in vielen Orten zum Ehrenbürger ernannt, erhält noch 1957 einen Orden von Franco.

Blick auf das heute Café S'Oratge und den Kirchplatz.
Im Zuge der Aufarbeitung des Spanischen Bürgerkriegs setzt auch im Umgang mit Bonaccorsi langsam ein Umdenken ein: Alcúdia entzog ihm Anfang 2017 die Ehrenbürgerschaft.

Heute erinnert in Son Servera kaum etwas an den Spanischen Bürgerkrieg: Gelegentlich finden sich vor Geschäften rostige Granatenhülsen als Türstopper, allerdings nicht, wenn man, wie wir, den Ort an einem Sonntag besucht. In den Wäldern finden sich immer noch verrostete Granaten und Patronenhülsen.

Vor zwei Jahren beginnen Wissenschaftler mit der Aufarbeitung der Batalla da Mallorca, der Schlacht um Mallorca: Sie untersuchen Schützengräben, in denen sich Faschisten und Republikaner zwischen dem 16. August und dem 3. September 1936 gegenüberstanden. Das Projekt soll bis 2022 laufen und wird von einem Blog begleitet

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Montag, 23. September 2019

Die Kirche Sant Miquel in Son Carrió (Mallorca / Spanien)

Montags gegen Nazis.
Montags erinnere ich daran, was passiert, wenn es mit der Demokratie bergab geht und wie es anfing, denn die Nazis fielen ja nicht 1933 vom Himmel. Die krochen schon Jahre vorher aus ihren Löchern, wurden nicht rechtzeitig aufgehalten, auch, weil man sie nicht ernst nahm, dachte, es wird schon nicht so schlimm.

Wurde es aber.

In loser Folge gibt's hier also montags Kunst und Denkmäler gegen Faschismus, Nationalismus und Rassismus. Orte, die daran erinnern, gibt es nicht nur in unserer Stadt genug, denn wie gesagt: Wir hatten das schon mal.

Aktuell will das blaubraune Pack am 29. September eine Demo auf dem Rödingsmarkt. Da gibt es zwar keine wirkliche Versammlungsfläche, aber für das Häuflein reicht eine der Bushaltebuchten - und die demokratische Mehrheit schafft sich schon Platz. Sie trifft sich um 11.30 Uhr an der Ecke Stadthausbrücke / Neuer Wall an historischem Ort: Dem ehemaligen Gestapo-Hauptquartier.

Wie es zu dieser Beitragsreihe gekommen ist, kannst Du hier nachlesenAlle Beiträge aus dieser Reihe findest Du, wenn Du hier klickst. Mehr Mallorca-Impressionen gibt es hier.

Die Kirche von Son Carrió, von 1899 bis 1907 u.a. nach Plänen von Gaudí erbaut.
Son Carrió ist ein kleiner Ort mit etwas über 1.000 Einwohnern im Osten Mallorcas. Wenn man wie wir über die Mittagszeit kommt, wirkt er wie ausgestorben, ist die Kirche, die Hauptattraktion des Ortes, verschlossen. Touristen zieht es nur selten hierher.

Wir machten uns auf den Weg in das Dorf, weil es im Spanischen Bürgerkrieg während der Schlacht um Mallorca der einzige Ort der Insel war, der von den republikanischen Truppen vollständig eingenommen und über eine Woche lang gehalten werden konnte.

Das Rundkreuz zeigt noch sichtbare Beschädigungen, die von Schießübungen der Republikaner stammen sollen.
Löcher in der Fassade, die laut gatten von Einschüssen stammen.
Fällt das schon unter Street Art?
Der Spanische Bürgerkrieg erreicht die Insel am 16. August 1936, als die republikanischen Truppen um Alberto Bayo in Porto Cristo an Land gehen. Sie können nur einen kleinen Teil der Stadt unter ihre Kontrolle bringen, dringen aber weiter ins Hinterland vor.

Nach der Bombardierungen durch Flugzeuge und Schiffsgeschütze am 26. August 1936 räumen die Franquisten ihre Stellungen im Ortskern, in den angrenzenden Hügeln und den östlich gelegenen Windmühlen. Viele Dorfbewohner flüchten nach Son Servera, Sant Llorenç oder Manacor.

Sant Miquel in Son Carrió.
Son Carrió wird von drei Seiten aus eingenommen, aus östlicher Richtung durch einen Verband der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft CNT über die Finca Sa Torre Nova, die später den Republikanern als Feldlazarett dient, von weiteren Militärs auf dem südlichen Landweg aus Porto Cristo und durch etwa 500 Milizionäre auf dem südöstlichen Pfad aus Richtung S’Illot.

Nach der Besetzung werden die Häuser nach Lebensmitteln und Wertgegenständen durchsucht und geplündert - die Versorgung der republikanischen Truppen ist prekär. In der Kirche reißen die anarchistischen Milizionäre die Heiligenfiguren vom Hauptaltar und aus den Seitenkapellen und zerstören sie - der Hass auf die katholische Kirche ist groß.

Sant Miquel in Son Carrió.
Die Republikaner ziehen sich in der Nacht zum 4. September 1936 auf ihre Kriegsschiffe zurück. Kurz darauf rückten die Franquisten wieder ein. Die wenigen Einwohner des Ortes, die nicht vor den Republikanern geflohen sind, werden der Kollaboration verdächtigt und drangsaliert. Die Kirche wird am 13. September neu geweiht. Pfarrer Martín Rosselló hatte auf seiner Flucht Monstranz, Hostienkelch, Pfarrsiegel, Pfarrbücher samt Archiv sowie die Kollekte mitgenommen.

Heute erinnert kaum noch etwas an den Spanischen Bürgerkrieg in Son Carrió, sieht man von Einschusslöchern an einigen Häusern ab und von dem Umstand das Bauern in den Jahrzehnten nach dem Bürgerkrieg Skelette auf ihren Feldern fanden, Kinder kistenweise verrostete Patronen und Granatenhülsen sammelten.

Sant Miquel in Son Carrió.
Am Rundkreuz auf dem Dach der Kirche sind Beschädigungen zu sehen, die von Schießübungen der Republikaner stammen sollen. Vom Loch, das eine Bombe ins Mauerwerk hinter dem Hauptaltar riss, ist nichts mehr zu erkennen, aber der Gatte identifizierte Einschusslöcher.

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Samstag, 14. September 2019

Samstagsplausch KW 37/19: Zwei Wochen Mallorca

Wir haben es tatsächlich auch dieses Jahr hinbekommen, zwei Wochen nach Mallorca zu fliegen. Lange Zeit sah es nicht so aus, als könnte es klappen. Erst, als wir im Flieger saßen, glaubte ich langsam daran, dass es mit dem Urlaub tatsächlich klappt.

Wir mussten ein anderes Hotel als im letzten Jahr wählen, dachten uns aber, so groß wird der Unterschied schon nicht sein.

Ähm, doch.

Wir wussten aus den einschlägigen Bewertungsportalen, dass das gewählte Hotel in die Jahre gekommen war, dass es Renovierungsstau gibt, dass die Einrichtung etwas abgerockt ist, aber so was stört uns normalerweise nicht. Nur: Hier war die Einrichtung nicht nur abgerockt, sondern brüchig und baufällig. Es fing damit an, dass wir viel Spaß im Bett hatten: Die Matratzen wurden anscheinend seit Jahrzehnten nicht erneuert. Wir lagen also direkt auf Sprungfedern und Lattenrosten - allerdings nicht lange, denn auch die Lattenroste wurden seit Jahrzehnten nicht erneuert: Die Latten sprangen aus der ausgeleierten Verankerung, so dass man binnen Minuten auf dem Fußboden lag.

Hotelblick vor dem Unwetter.
Reklamationen blieben folgenlos: Ein Techniker kam und montierte die Latten wieder, aber in der nächsten Nacht wiederholte sich das Spiel. Also schliefen wir mehr schlecht als recht auf den beiden durchgesessenen Sofas im Wohnzimmer - und den Möbelrückgeräuschen aus den Nachbarappartements zufolge waren wir nicht die einzigen. Statt uns nun abends ins gemachte Bett zu legen, worauf wir uns im Hotelurlaub immer sehr freuen, mussten wir nun jeden Abend erst Betten bauen. Nach zwei Nächten überlegten wir, zwei Strandliegen zu entführen, denn darauf lagen und schliefen wir am Besten ...

Der Balkon, die gesamte Fassade, hatte so viele Risse, dass wir uns fragten, was ein Statiker dazu sagt, den Gedanken aber schnell beiseite schoben, denn das Appartement war im sechsten Stock.

Mehrfach fielen Wasser und Strom aus - einmal war das Wasser für mehr als 10 Stunden weg, ohne vorherige Information. Die gab's erst am nächsten Morgen: Angeblich gab's überraschende, dringende Arbeiten an der Wasserversorgung, die zwischen 22 Uhr und 9 Uhr ausgeführt werden mussten. Ähm, ja, nee, is klaa.

Ich kenne Wasserausfälle aus vielen Regionen, allerdings nicht ohne Vorankündigung und nicht als Hotelgast. Nach dem mehrstündigen Wasserausfall füllte ich einen Fünf-Liter-Kanister mit Wasser und deponierte ihn neben der Toilette, damit wir wenigstens spülen können. Den Kanister brauchten wir öfter.

Die Frage, ob Wasser fließt, sorgte für viele spannende Momente. Einmal blieb das Wasser weg, als ich eingeseift unter der Dusche stand, und ich überlegte, ob ich, nackt wie ich situationsbedingt war, in den Aufzug steigen und zum Pool, der gerade mal nicht gesperrt war, fahren sollte ...

Die Stromausfälle traten zum Glück nur nachts auf. Ohne das Beatmungsgerät hätte ich sie vermutlich verschlafen. So merkte ich sie durch das Aussetzen meines CPAP-Gerätes, der einsetzenden Schnappatmung und das Anspringen des laut brummenden Notstromaggregats, das anscheinend auf dem Dach über unserem Appartement stand.

Strom wurde über die Schlüsselkarte geregelt, und als umweltbewusste Hotelgäste nahmen wir das natürlich auch wahr: Wenn wir nicht im Zimmer waren, lief keine Klimaanlage. Das führte dazu, dass uns bei der Rückkehr ein penetranter Güllegeruch aus dem Abfluss der Spüle begrüsste. Wenn's bei uns im sechsten Stock schon so schlimm war, möchte ich nicht wissen, wie's in den Stockwerken darunter war.

Bei Hotelurlauben freuen wir uns auch immer sehr auf's Frühstück. Hier  war das Büfett zwar reichhaltig und abwechslungsreich, aber das Essen war Convenience von nicht allzu bester Qualität und im besten Falle lauwarm. An einem Tag wurde gleich ganz vergessen, die gratinierten Tomaten unter den Salamander zu schieben, so dass kalte Tomatenhälften mit Streukäse auf dem Büfett lagen. Der Kaffee war von so schlechter Qualität, dass ich froh war, dass der Gatte darauf bestand, Pulverkaffee von Zuhause mitzunehmen.

Das Hotelpersonal war selten freundlich und serviceorientiert, was ich angesichts der 14-und-mehr-Stunden-Schichten, die sie zu leisten hatten, zwar verstehen kann, aber dennoch (und ihr Umgang mit dem Gast war teilweise unterirdisch). Immerhin: Die Rezeptionisten und die Zimmermädchen waren freundlich.

Vom Hotel abgesehen, hatten wir einen sehr schönen, erholsamen Urlaub, den wir beide auch dringend brauchten: Viel schwimmen, noch mehr schlafen, wenig essen, gelegentlich ein Ausflug ...

Für's nächste Jahr hoffen wir, dass der Gatte so Urlaub bekommt, dass noch ein Appartement im Hotel vom letzten Jahr frei ist.

Hotelblick während des Unwetters.
Am letzten Urlaubstag bekamen wir noch den ersten Unwettertag mit - seit Dienstag gibt es auf den Balearen und dem spanischen Festland extreme Wetterlagen mit Wasserhosen, hohen Niederschlagsmengen, Sturm. In Decken eingekuschelt auf dem Sofa mit Tee und Kuchen bzw. später Tapas und Wein hatten wir aus dem sechsten Stock einen Panoramablick, denn wir folgten den Hinweisen, im Haus zu bleiben.

Wenn man im ältestens Kurzwarengeschäft Palmas, dem 1685 gegründeten "Ca Donya Àngela", das vergessene Nähzeug kauft, wird es liebevollst verpackt.
Wir hatten großes Glück, denn am nächsten Tag, als wir heim flogen, machte das Unwetter einen Tag Pause. Über Paris wurde es geradezu romantisch: Der Himmel war klar, und unter uns glitzerte die nächtliche Stadt samt Eiffelturm, der aus 10.000 Metern Höhe winzig aussieht.

Momentan versuchen wir, mit den im Vergleich zu Mallorca doch recht kühlen Temperaturen und dem einsetzenden Herbst klar zukommen.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Ein paar kulinarische Mallorca-Impressionen gibt es in der Kombüse. Ein schönes Wochenende und eine gute Woche!

Donnerstag, 29. November 2018

Wandbild "Somiant en trens" von Joan Aguiló in Palma (Mallorca / Spanien)

Am Parkhaus neben dem Bahnhof des Tren de Sóller in Palma gibt es ein 20 Meter hohes Wandbild, das ein mit einer Spielzeugeisenbahn spielendes Kind zeigt.

Wandbild mit dem Titel "Von Zügen träumend", geschaffen von Joan Aguiló.
Das Bild trägt den poetischen Titel "Somiant en trens", "Von Zügen träumend", wurde geschaffen vom mallorquinischen Künstler Joan Aguiló und ist aktuell das größte Wandbild der Insel.

Mehr Mallorca-Impressionen gibt es hier.

Mittwoch, 28. November 2018

Im BiblioJardí der Biblioteca de Cultura Artesana in Palma (Mallorca / Spanien)

Als wir durch Palmas Altstadt streiften, entdeckten wir einen kleinen Park, die BiblioJardí, also die Garten-Bibliothek der Biblioteca de Cultura Artesana.

Ein gut ausgestattete (und gerade mal leere) Kinderbuch-Ecke in der BiblioJardí.
Blick in den Kinder-Bücherschrank.
Hier kann man von Anfang Juni bis Ende September in offenen Bücherregalen stöbern, sich Bücher zum, Mitnehmen aus der Bibliothek ausleihen oder gleich im Garten lesen oder mitgebrachte Bücher und Zeitungen lesen.

Ein Bücherwagen mit Bildbänden und Zeitungen für die Erwachsenen.
Wir holten uns aus einem Café um die Ecke Getränke, suchten uns einen Tisch, nahmen die aus Sóller mitgebrachten Ensaimada aus dem Rucksack und verbrachten eine entspannte Mittagspause im Grünen.

Mehr Mallorca-Impressionen gibt es hier.

Montag, 26. November 2018

Avenida de Alemania / Avinguda d' Alemanya in Palma de Mallorca (Mallorca)

Hamburger Bündnis
gegen Rechts
Montags erinnere ich daran, was passiert, wenn es mit der Demokratie bergab geht und wie es anfing, denn die Nazis fielen ja nicht 1933 vom Himmel. Die krochen schon Jahre vorher aus ihren Löchern, wurden nicht rechtzeitig aufgehalten, auch, weil man sie nicht ernst nahm, dachte, es wird schon nicht so schlimm.

Wurde es aber.

In loser Folge gibt's hier also montags Kunst und Denkmäler gegen Faschismus, Nationalismus und Rassismus. Orte, die daran erinnern, gibt es nicht nur in unserer Stadt genug, denn wie gesagt: Wir hatten das schon mal.

Wie es zu dieser Beitragsreihe gekommen ist, kannst Du hier nachlesen Alle Beiträge aus dieser Reihe findest Du, wenn Du hier klickst. Infos zu den Demonstrationen der demokratischen Mehrheit findest Du u.a. beim Hamburger Bündnis gegen Rechts. Aktuell ist die Nazi-Demo für Dezember abgesagt, wollen die Blau-Braunen bis Februar pausieren. 

In einem früheren Leben arbeitete ich intensiv zu einem Teil-Aspekt des Spanischen Bürgerkriegs. Eigentlich wollte ich darüber auch promovieren, aber das Leben kam anders. Nun, wer weiß, vielleicht mache ich das bald als Rentnerin, denn zu meinem Teil-Aspekt tat sich in den letzten Jahrzehnten in der Forschung nicht viel.

Als klar war, dass unser diesjähriger Herbsturlaub nach Mallorca führt, stöberte ich ein bisschen im Netz und stellte fest, dass in Spanien noch immer um die Aufarbeitung des Themas gerungen wird. Auch auf der Ferieninsel hinterließ der Bürgerkrieg Spuren, die aber kaum sichtbar sind, wenn man nicht gezielt danach sucht. Zwei dieser Orte fanden mich aber auch, ohne dass ich ihnen nachspüren müsste.


Straßenschild an der Avinguda d' Alemanya.
Wenn die Bild-"Zeitung" über eine geplante Straßenumbenennung auf Mallorca berichtet, muss das schon eine ganze besondere Straße sein. Mitte April 2018 regt sich die Postille darüber auf, dass Palmas Bürgermeister die Avinguda d' Alemanya, die "Allee Deutschlands", bei der Bild-"Zeitung" fälschlicherweise als "Allee der Deutschen" übersetzt, umbenennen möchte. Fazit: Auf solche Ideen kommt man nur nach dem Genuss von zu viel Sangria. Hm, dann müsste die Umbenennung doch dem gemeinen Bild-"Leser" und Ballermann-Touri zusagen ...

Die Avingudes sind ein knapp drei Kilometer langer Ring von Alleen um die Altstadt von Palma. Sie verlaufen in etwa dort, wo einst die Stadtmauern waren, die ab 1902 wegen Baufälligkeit abgerissen wurden. Nach einem Wettbewerb wurde der Plan Calvet umgesetzt: Breite Alleen, die Fußgängern Platz zum Flanieren unter Bäumen bieten, die aber auch der Autoverkehr nutzen kann, ohne dass man sich ins Gehege kommt.  

Unter dem spanischen Diktator Franco erhält eine der Alleen den Namen Avenida de Alemania, als Dank für die Unterstützung der Hitler-Deutschen während des Spanischen Bürgerkriegs. Auch nach Portugal und Rom werden 1936 und 1937 Alleen benannt, ebenfalls zum Dank für die Unterstützung der spanischen Faschisten.

Im April diesen Jahres schlägt nun die Stadtverwaltung Palmas die Umbenennung der Avingudes de Portugal und d' Alemanya in Avenida Gran i General Consell vor. Der Große und Allgemeine Rat war das höchste politische und administrative Gremium der Vertretung des Königreichs Mallorca. Die Via Roma soll in Carrer dels Jurats umbenannt werden, also nach einem mittelalterlichen Verwaltungsorgan.

Bislang fand die Umbenennung der Straße keine Mehrheit im Stadtrat, was an den Sozialisten liegt. Sie argumentieren, dass Deutschland und Portugal inzwischen demokratische Länder seien, dass insbesondere Deutschland eine Vorbildfunktion habe.  

So gesehen ... Es gibt allerdings Tage, da fehlt mir die Hoffnung, dass dies auch zukünftig noch gilt.  

Mehr Mallorca-Impressionen gibt es hier.

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Montag, 19. November 2018

Talaia d'Albercutx (Mallorca / Spanien)

Montags gegen Nazis.
Montags erinnere ich daran, was passiert, wenn es mit der Demokratie bergab geht und wie es anfing, denn die Nazis fielen ja nicht 1933 vom Himmel. Die krochen schon Jahre vorher aus ihren Löchern, wurden nicht rechtzeitig aufgehalten, auch, weil man sie nicht ernst nahm, dachte, es wird schon nicht so schlimm.

Wurde es aber.

In loser Folge gibt's hier also montags Kunst und Denkmäler gegen Faschismus, Nationalismus und Rassismus. Orte, die daran erinnern, gibt es nicht nur in unserer Stadt genug, denn wie gesagt: Wir hatten das schon mal.

Wie es zu dieser Beitragsreihe gekommen ist, kannst Du hier nachlesen Alle Beiträge aus dieser Reihe findest Du, wenn Du hier klickst. Infos zu den Demonstrationen der demokratischen Mehrheit findest Du u.a. beim Hamburger Bündnis gegen Rechts.

In einem früheren Leben arbeitete ich intensiv zu einem Teil-Aspekt des Spanischen Bürgerkriegs. Eigentlich wollte ich darüber auch promovieren, aber das Leben kam anders. Nun, wer weiß, vielleicht mache ich das bald als Rentnerin, denn zu meinem Teil-Aspekt tat sich in den letzten Jahrzehnten in der Forschung nicht viel.

Als klar war, dass unser diesjähriger Herbsturlaub nach Mallorca führt, stöberte ich ein bisschen im Netz und stellte fest, dass in Spanien noch immer um die Aufarbeitung des Themas gerungen wird. Auch auf der Ferieninsel hinterließ der Bürgerkrieg Spuren, die aber kaum sichtbar sind, wenn man nicht gezielt danach sucht. Zwei dieser Orte fanden mich aber auch, ohne dass ich ihnen nachspüren müsste.


Blick vom Aussichtspunkt Mirador Es Colomar zum Talaia d'Albercutx.
Von Port de Pollença Richtung Cap de Formentor fahrend, passiert man den Aussichtspunkt Mirador Es Colomar / Mirador del Mal Pas. Kurz vor dem Parkplatz zweigt eine etwa fünf Kilometer lange Straße ab zum Talaia d'Albercutx, einem Wachturm aus dem 16. Jahrhundert, als Mallorca von Piratenüberfällen geplagt wurde. Hier stand ein Wachmann, beobachtete das Meer und sandte bei herannahenden Piratenschiffen eine Warnung.

Im Juli 1936 übernehmen auch auf Mallorca die faschistischen Franquisten die Macht. Eine republikanische Gegenoffensive, die Schlacht um Mallorca, scheitert im September. In der Folge wird die Küstenlinie mit Bunkern und MG-Unterständen zur Verteidigung ausgebaut. Dafür werden auch Straßen benötigt.

In der Nähe von Artà wird das Campament dels Soldats eingerichtet, eines der franquistischen Arbeitslager, die in ganz Spanien errichtet werden (die Zahlen schwanken zwischen über 100 und knapp 200 Lagern; auf Mallorca gab es etwa ein Dutzend). Insgesamt werden auf Mallorca etwa 3.000 Menschen, ehemalige republikanische Soldaten, Zivilisten, Hitler- und Franco-Gegner, inhaftiert. Sie werden überwiegend im Straßenbau eingesetzt, wovon bis heute Mallorquiner und Touristen profitieren, aber auch im Bau von Verteidigungsanlagen.

Die etwa 750 Männer, die bei Artà interniert sind, müssen beim Bau von Verteidigungsanlagen zwischen Port de Pollença und Cap de ses Salines körperliche Schwerstarbeit bei unzureichender Ernährung und mangelndem Arbeitsschutz leisten. In Port de Pollença wird ein (bis heute genutzter) Militärflughafen ausgebaut, auf dem unter anderem die deutsche Legion Condor stationiert ist.


Denkmal für den Straßenbauingenieur Antonio Paretti. Eine Erinnerung für die am Bau beteiligten Zwangsarbeiter fehlt.
Man erinnert sich an den alten Wachturm Talaia d'Albercutx in der Nähe: An keinem anderen Ort kann der Luftraum so gut kontrolliert werden. Zur besseren Erreichbarkeit wird der etwa fünf Kilometer lange Weg zum Turm gepflastert. Billige Arbeitskräfte sind ja vorhanden: Insassen des etwa 50 km entfernten Arbeitslagers werden an die Fuß des Berges, auf dem der Turm steht, verlegt. Auch zum Bau der Straße, die zum Leuchtturm auf Cap de Formentor führt, werden Zwangsarbeiter eingesetzt.

Ihre kargen Unterkünfte müssen die Zwangsarbeiter selbst bauen. Die Ruinen der Baracken existieren bis heute am Fuße des Talaia d'Albercutx. Dem Ingenieur Antonio Paretti, der das Meisterwerk vollbrachte, die Region mit Straßen zu erschließen, wird 1968 am Aussichtspunkt Mirador del Mal Pas / Mirador Es Colomer ein Denkmal gesetzt.

Weiterführende Links:

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Sonntag, 18. November 2018

Aussichtspunkt Mirador Es Colomar / Mirador del Mal Pas (Mallorca / Spanien)

Der Mallorca-Kollege empfahl mir die Fahrt zum Cap de Formentor, und da der Gatte, anders als ich, keine Höhenangst hat, gerne über steile, gewundene Bergstraßen kurvt, machten wir uns auf den Weg. Da wir im September dort waren, konnten wir mit dem Mietwagen fahren. Wir hielten am ersten Aussichtspunkt Mirador Es Colomar. Hier sind einige Impressionen.

Ausblick.
Nächstes Jahr ist das Cap tagsüber zwischen April und Oktober nur mit einem Shuttle-Bus erreichbar, denn pro Tag passieren etwa 7.000 Fahrzeuge die schmale Straße, stauen sich in der Sackgasse am Fuße des Leuchtturms, fahren sich dort nicht selten fest und quälen sich die Straße wieder zurück.

Nicht nur der Ausblick, auch die Wege sind atemberaubend.
Nicht alle haben die Bergfahrerfahrung des Gatten, so dass es zu Unfällen und gefährlichen Situationen kommt. Der Shuttle-Bus bringt Sicherheit und Entlastung. Er ist zudem mit 1,55 € / Fahrt kostengünstig, wird aus der Tourismussteuer finanziert.

Ausblick.
Den Reiseführer-Hinweis, sehr früh oder sehr spät zum Cap de Formentor aufzubrechen, sollte man ernst nehmen. Wir waren gegen 11 Uhr dort, standen im Stau, wendeten entnervt am Fuß des Leuchtturms und fuhren zurück. Der Parkplatz am Aussichtspunkt Mirador Es Colomar, eine Stunde vorher noch einigermaßen leer, war bei der Rückfahrt brechend voll.

Ausblick. Ganz oben rechts ist ein Wachturm aus dem 16. Jahrhundert, der im Spanischen Bürgerkrieg zur Luftbeobachtung genutzt werden sollte. Den Weg dorthin pflasterten Zwangsarbeiter.
Nächstes Jahr nutzen wir dann den Shuttle.

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