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Samstag, 24. Oktober 2026

Samstagsplausch KW 43/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXLV

Die Woche begann im Jüdischen Salon mit einer Lesung aus "Diamanten*" von David Vajda, moderiert von Adriana Altaras, die auch "in echt" so großartig ist wie in Filmen, Büchern* oder auf der Bühne. Vajdas Buch ist auch zu empfehlen, klar.

Wir kamen zu spät zur Lesung, weil wir wie eine Handvoll anderer Leute den Veranstaltungsort nicht fanden. Normalerweise gibt es ja bei allem, was "irgendwie jüdisch" ist, Polizei- und Sicherheitsdienstpräsenz. Die fehlte hier völlig, was mich erst gar nicht irritierte, waren wir doch so beschäftigt damit, herauszufinden, ob die Lesung ausfiel und was passiert sein muss, dass niemand mehr in der Lage war, die angemeldeten Besucher irgendwie zu informieren oder ein Schild an der Tür anzubringen. Die Polizei kam erst nach Veranstaltungsbeginn, als die meisten Wartenden schon enttäuscht gegangen waren. Die Beamten waren genau so perplex wie wir ob des dunklen, leeren Gebäudes. Durch einen Anruf bei der Leitstelle stellte sich heraus, wir waren alle am falschen Veranstaltungsort. Minuten später bekamen wir quasi eine Polizei-Eskorte zum richtigen Veranstaltungsort, der zum Glück ganz in der Nähe war - genaugenommen auf der anderen Straßenseite, verborgen von Baugerüst und Bauplane. Jedenfalls: Polizeigeleit zu einer Veranstaltung hatte ich seit Jahrenden nicht mehr. 

In dieser Woche jährte sich der Todestag des Gatten zum ersten Mal, und ich war froh, dass ich mir die ganze Woche Urlaub nahm. Ich war bis zum Besuchsende von Schwiegermutter komplett neben der Spur. Erst, als Schwiegermutter wieder abgeliefert war, ging's mir besser.

Schwiegermutter erklärte mir ja seit dem Rotgarnelen-Gate letztes Weihnachten mehrfach, das Grab des Gatten ginge sie nichts an, weswegen sie entgegen ihrer ursprünglichen Zusagen nicht die Kosten dafür trage. Da ich meine Schwiegermutter kenne, rechnete ich eh nicht mit der Kostenübernahme. Ich war milde überrascht, als sie zum Geburtstag des Gatten darauf bestand, zum Grab gefahren zu werden. Damals kam ich wegen meiner Reha noch drum herum. Jetzt zum ersten Todestag forderte Schwiegermutter vehement, sie wolle das Grab besuchen und dafür bei mir übernachten, was ich ablehnte. Eine Hotelübernachtung so wie früher lehnte sie ab. Sie will partout ins Haus. Dass es im Haus kein Gästezimmer für sie gibt, ist ihr schon ein Dorn im Auge, seitdem wir ihr im Sommer 2022 sagten, dass wir umziehen. Für unsere Wohnung hatte sie da schon lange keinen Schlüssel mehr, weil es selbst dem geduldigen Gatten irgendwann reichte, dass sie in unserer Abwesenheit die Wohnung nach ihren Vorstellungen ohne Absprache "umgestaltete", alle Schränke durchwühlte etc. Dass seine Mutter bei uns übernachtet, verbat sich der Gatte von Anfang an - nur bei seiner narzisstisch-egozentrischen Mutter kam das einfach nie an. Es gibt ein Gästebett im Eisenbahnzimmer, aber, so der Gatte mal in ungewohnter Klarheit zu seiner Mutter: "Das ist nur für nette Menschen, also nicht für dich."

Jedenfalls saß Schwiegermutter kaum am Tisch, als sie mir auch schon erklärte, sie habe sich überlegt, wie ich das Arbeitszimmer des Gatten umgestalte, damit sie dort jeden Monat ein paar Tage übernachten kann. Sie zahle auch die Umgestaltung, und wenn sie das Zimmer mal nicht nutze, könnte da auch mal jemand anderes übernachten. Ich dürfe auch einen Kleiderschrank dort hineinstellen (ich möchte das Zimmer perspektivisch als "Ankleidezimmer" nutzen und in meinem Arbeitszimmer nur noch Bücherregale haben). Ich bräuchte ihr in das Zimmer keine Küche einzubauen, sie würde meine nutzen (das Zimmer ist knapp 12 qm groß, ein wenig knäpplich für Bett, Kleiderschränke und Küche). Sie würde mich nicht stören, sondern würde für mich kochen, den Haushalt machen, im Garten arbeiten und am Grab sitzen. 

Ja, nee, is klaa. 

Das Grab fand nur bedingt Schwiegermutters Zustimmung. Es ist zu abgelegen, der Stein sieht aus wie Holz (ja, deswegen wählte ich ihn), er sieht je nach Witterung anders aus (ja, deswegen - du weißt schon), der Sitzstein wäre ja ganz nett, aber an ihm fehlt ein Geländer (was die Friedhofsverwaltung wohl zu der Idee sagt?!), die Blumenvase ist ja ganz hübsch, aber zu klein (ich hatte nicht damit gerechnet, dass jemand mit einem Arm voller roter Rosen erscheint), und überhaupt müssen in der Vase das ganze Jahr über rote Plastik-Rosen stehen, denn auf dem Grab fehlt Rot (Kunstblumen sind auf dem Friedhof verboten). 

Ich wiederhole mich: Ja, nee, is klaa. 

Nach dem Grabbesuch fuhr ich Schwiegermutter in die katholische Kirche, wo immerhin die Madonna Gnade vor ihren Augen fand. Die Kirche selbst hingegen fand sie hässlich, aber die hiesigen Bauern wissen es halt nicht besser. 

Nach dem Entzünden eines Lichtermeeres in der Kirche befand Schwiegermutter, jetzt wolle sie nach Hamburg gefahren werden zu Kaffee und Kuchen. Sie zeigte mir die sechs Fotoalben mit Fotos des Gatten und von ihr, die sie gestaltete, und erklärte stolz, in einem wären auch Fotos von mir auf unserer Hochzeit. Ich weiß nicht, wer die Frau auf den drei Fotos ist. Ich bin es nicht. Es sind auch keine Fotos von unserer Hochzeit. Aber es hätte mich ohnehin gewundert, wenn es Fotos von mir gäbe. Der Gatte schenkte seiner Mutter gerne Fotos von uns beiden. Die wurden nie aufgestellt, sondern zeitnah entsorgt. War in einem der Foto-Kalender, die Schwiegermutter und Tante gerne zu Weihnachten bekamen, mal ein Foto, auf dem ich war, wurde das Bild überklebt. Ich bin nun mal nicht die Frau, die Schwiegermutter für ihren Sohn wollte, also werde ich tunlichst ignoriert. 

Schwiegermutter redete seht viel davon, dass ich jetzt ja sofort ihr Gästezimmer in Auftrag gebe könne. Ich müsse sie auch erst wieder anrufen, wenn ich ihr sage, dass ihr Zimmer fertig sei. 

Also nie. 

Eigentlich sollte der Masken-Hase auf der Handtasche sitzen bleiben, aber er ertrotze sich einen Platz am Tisch. Überhaupt war er sehr vorwitztig: Ursprünglich sollte Nelly mitkommen, die einfach die feineren Manieren hat, aber der Masken-Hase sprang einfach in die Handtasche. Optimaler Begleit-Hase wäre ohnehin Portobello gewesen, denn den fand der Gatte weiland in der gleichnamigen Londoner Straße.

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 345. Die Trauer bleibt meine Weggefährtin. Sie ist nur erträglich, wenn ich konsequent verdränge, dass der Gatte niemals wiederkommt. Das Leben ohne den Gatten ist unendlich schwer. Er fehlt in jeder Sekunde, bei jedem Atemzug.

Herr Könnig bereitet das Grammophone vor.

Da der Gatte und ich uns nie wirklich an Jahrestage banden, fand die eigentliche Jahrzeit einen Tag später statt und war sicher mehr im Sinne des Gatten als der Auftritt seiner Mutter: Mit G., die auch der Gatte sehr schätzte, die zudem unser letzter gemeinsamer Besuch war, war ich zum High Tea im Eaton Place. Dort sang Herr Könnig zum Grammophon. Der Gatte redete im letzten Jahr oft davon, wie sehr ihm der Besuch im Museumsbauerhof Wennerstorf gefallen hat und wie gerne er Herrn Könnig nochmal singen hören möchte, aber nicht nur daraus wurde ja nichts mehr. 

Herr Könnig singt zum Grammophon.

Ansonsten erledigte ich diese Woche nicht wirklich viel. Ich bin für diese Saison gegen Grippe und Covid geimpft. Im Grippe-Arm randalierte es gleich nach der Impfung ordentlich, es gab dann aber nur einen blauen Fleck, während sich im Covid-Arm nach zwei Tagen eine hartnäckige Beule bildete. Mal gucken, wann die verschwindet. Jedenfalls bin ich froh, dass Erkältungssymptome ausblieben. Die Apothekerin berichtete, aktuell lassen viele ihre Impftermine verfallen, was doppelt ärgerlich ist, da welche, die sich impfen lassen wollen, dadurch keine Termine bekommen. Die erste Covidwelle ist auch schon durch. Die zweite erwartet sie in drei Wochen, nach den Herbstferien, und im Übrigen verstünde sie nicht, warum nicht wenigstens Menschen mit Erkältungssymptomen Maske trügen, um andere nicht anzustecken ... 

Ich habe es geschafft, das mal wieder seit drei Monaten grundlos gesperrte Konto meiner verstorbenen Mutter wieder zu entsperren. Diese Bank ist wirklich an Kundenunfreundlichkeit nicht zu toppen. Es dauerte ja auch drei Jahre, bis das Konto auf mich übertragen wurde, obwohl alle erforderlichen Vollmachten schon vor dem Tode meiner Mutter vorlagen. Sollte ich irgendwann mal nicht mehr völlig neben der Spur sein, muss ich das Konto mal kündigen (wobei das auch so gut wie unmöglich ist, Kundenunfreundlichkeit galore halt). Ich fände es ganz praktisch, mein Geld auch ausgeben zu können, wenn ich es möchte.

Ich schaffte es nach einer Woche endlich, die Balkonkästen zu bepflanzen. Eigentlich wollte ich auch im Garten und im Haus arbeiten, aber entweder passte das Wetter nicht oder mir fehlte die Kraft. So schiebe ich weiter einen zu erledigenden Berg vor mich her. Ich kann natürlich auch das Gästezimmer für Schwiegermutter fertigmachen lassen und sie Haus und Garten nach ihren Vorstellungen gestalten lassen ... 

Ansonsten gewöhne ich mich an den Gedanken, dass ich in den kommenden vier Wochen mit dem Auto ins Echt-Büro fahren muss, weil die Bahnstrecke zwischen Harburg und Hauptbahnhof kurzfristig gesperrt wird, wie Montag bekannt wurde. Angesichts von ca. 150.000 Leuten, die die Strecke täglich alleine aus Richtung Süden kommend pendeln, ist das, gelinde gesagt, fatal. Die S-Bahn, die als Ersatz genutzt werden soll, ist auch ohne zusätzliche Fahrgäste chronisch überlastet, und wenn sie wie so oft ausfällt, ist der Süden abgeschnitten. Schienen-Ersatz-Verkehr wird es nicht geben - welche Busse sollten auch diese Massen fassen?! Die Situation ist so kritisch, dass über Bahnsteigsperrungen nachgedacht wird. Die Informationslage ändert sich ständig. Heute heißt es, ein paar Züge fahren doch nach Hamburg durch, aber welche es sind, werde von Tag zu Tag entschieden. Die aktuell ersichtlichen Fahrten sind ein Witz. Ich könnte Dienstagmittag ins Büro fahren und Mittwochmorgen zurück. Okay, so komme ich auch auf zwei Mal sechs Stunden, aber meine Chefinnen fänden das nicht so toll. Also fahre ich sehr früh mit dem Auto nach Bahrenfeld und hoffe, dass ich dort noch einen Parkplatz bekomme, um dann möglichst so wieder zurückzufahren, bevor sich der Feierabendverkehr staut. So werde ich dann mindestens vier Stunden mit Auto und ÖPNV unterwegs sein, um sechs Stunden zu arbeiten. Ganz großes Kino.

Der Herbst macht mir weiterhin zu schaffen. Ich bin einfach nicht für dunkle Tage geschaffen. Aber meine entzündete Plantarsehne wird zunehmend besser. Ich bin immer öfter schmerzfrei und erwäge, zu einer anstehenden Festivität mal ordentliche Schuhe zu tragen anstatt der Wanderschuhe, die seit mehr als einem Vierteljahr die einzigen Schuhe sind, in denen ich einigermaßen laufen kann.   

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

Samstag, 26. September 2026

Samstagsplausch KW 39/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXLI

Die Woche war sehr abwechslungsreich. Ich muss mich erst wieder daran gewöhnen, dass meine Tage wieder durchgetaktet sind. Durchgetaktet waren die Tage in der Reha zwar auch, aber anders, ich musste mich nicht ums Kochen kümmern, und es gab viele Ausfälle und Leerlauf durch Urlaube oder Krankheiten. So hatte ich manchmal den ersten Termin um 13 Uhr oder nur zwei Termine, einen um halb acht und den nächsten um 17 Uhr ...

Am Seerosenteich im kleinen Museumsdorf.

Sonnabend war ich mit einer der beiden Sandkasten-Freundinnen zum World Wide Spin in Public Day im kleinen Freilicht-Museum. Natürlich kam Wolle mit nach Hause, und zwar ganz besondere: Heil- oder Lanolinwolle. Sie steckt noch voller Wollfett. Daraus werden Handstulpen für die beiden Freundinnen (und vielleicht reicht es auch noch für ein Paar für mich). Beide haben Probleme mit trockenen Händen, eine auch mit den Gelenken. Bei beidem soll die Wolle helfen. Ich bin schon sehr gespannt, wie sich die Wolle verstricken lässt. Beim Wickeln merkte ich jedenfalls schon den pflegenden Effekt.

Die spinnen doch!

Außerdem gab es viele Beispiele für Pflanzen- bzw. Solarfärbungen. Das wollte ich schon im letzten Jahr ausprobieren, aber dann verbrachte ich den Sommer ja mit dem Gatten im Krankenhaus. Diesen Sommer verbrachte ich in der Reha-Klinik, also wird es ein Projekt für den kommenden Sommer.

Pflanzengefärbte Wolle in unterschiedlichen Intensität.

Die kräftigen Farben mag ich natürlich am liebsten. Es gab sogar ein ziemlich knalliges Blau!

Diese Farben waren mir ein wenig zu pastellig. Es ist faszinierend, wie sich Farben je nach Menge der verwendeten Pflanzen verändern. 

Praktischerweise war im Museum auch Backtag, so dass wir uns nicht nur an frischem Butterkuchen labten, sondern auch ein frisch gebackenes, noch warmes Sauerteig-Brot mit nach Hause nahmen. Das Haus roch ein paar Tage nach frischem Brot und den Äpfeln, die ich bei uns im Garten erntete. 

Heilwolle mit bunten Einsprengseln.

Den Sonntag verbrachte ich mit der Planung von Freizeit-Gestaltung: Ich buchte eine Karte für "Die Stadt der träumenden Bücher", eine Ausfahrt zum Weihnachtsmarkt auf der Festung Bourtange und verabredete mich für eine Stricknacht im Nachbardorf. Zusammen mit einer der beiden Sandkasten-Freundinnen wurde ein Gutschein für die dritte im Bunde gebastelt, die bald einen runden Geburtstag feiert. Wir wollen sie mit einem Wellness-Tag samt Essengehen überraschen und hoffen, sie freut sich. 

Ich buchte eine Veranstaltung anlässlich des ersten Todestag des Gatten, die ihm sehr gefallen hätte. Am Todestag des Gatten kommt allerdings Schwiegermutter. Nachdem sie mir monatelang erzählte, das Grab ihres Sohnes ginge sie nichts an, wirft sie mir inzwischen vor, ich würde es ihr vorenthalten. Ja, nee, is klaa. Außerdem beschwerte sie sich dann doch wieder darüber, dass sie nicht bei mir übernachten kann, weil ich kein Gästezimmer habe. Ich war zu perplex, um zu entgegnen, dass sie doch selbst verfügte, den Innenausbau zu stoppen, weil der Gatte nichts mehr davon habe.

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 341. Die Trauer bleibt meine Weggefährtin. Sie ist nur erträglich, wenn ich konsequent verdränge, dass der Gatte niemals wiederkommt. Das Leben ohne den Gatten ist unendlich schwer. Er fehlt in jeder Sekunde, bei jedem Atemzug.

Tante wurde von falschen Handwerkern, die sie spät abends überrumpelten, bestohlen. Sie ist tief getroffen, und dass Schwiegermutter sie beschimpfte, machte die Sache nicht besser. Ich habe Schwiegermutter nicht daran erinnert, dass ihr das auch zwei, drei Mal passiert ist, also sie noch in ihrem Haus wohnte (und da war sie wesentlich jünger als Tante). Schwiegermutter macht ja keine Fehler. 

Die Arbeitswoche war intensiv, denn im Moment liegt viel an. Das Pendeln war nicht ganz so entspannt, denn nachmittags fielen viele Züge aus. Die wenigen, die fuhren, waren logischerweise komplett überfüllt. 

Mit der Vertretungskollegin sprach ich lange über ihre gesundheitliche Situation. Sie kämpft immer noch mit den Folgen der letzten Infektion im März, kommt buchstäblich nicht wieder richtig auf die Beine und hat Angst vor der kommenden Erkältungssaison. Dass eine Kollegin diese Woche völlig verrotzt und fiebernd (und natürlich maskenlos) zur Arbeit kam, machte es nicht besser. Sie hat Angst vor der nächsten Infektion, möchte aber auch gleichzeitig wieder einen normalen Alltag haben, zur Arbeit fahren oder in den Urlaub ... Es ist ein Elend. Seit dem Sommer ist die Kollegin in der Wiedereingliederung, und ich hoffe, sie zieht die bis zum Jahresende durch. Sie möchte nämlich so schnell wie möglich wieder voll einsteigen. Leider sieht ihr Körper das anders. Wir freuten uns so, gemeinsam im November auf eine Tagung zu fahren, aber dahin werde ich wohl alleine fahren, denn für sie ist das noch zu anstrengend. 

Ein Willkommensgruß von der Vertretungskollegin: Buch, Tee und symbolische Blumen. Den Gruß wollte sie mir schon in die Reha schicken, aber ihr fehlte die Kraft.

Diese Woche startete auch meine Online-Trauergruppe. Sie ließ sich gut an. Lachen musste ich nur, als ich kurz vor Beginn an mir herunter guckte. Sie Therapeutin arbeitet auch als Suchttherapeutin und sagte, sie lege aus der Suchttherapie viel Wert darauf, dass die Klienten nicht im Schlafanzug am Klapprechner sitzen. Nun ja, der Termin ist an einem meiner Heimbüro-Tage. Ich sorgte also schnell noch dafür, dass ich straßenfein aussehe - zumindest oberhalb der Jogginghose.

Diese Woche startete ich auch mit meinem privaten Reha-Sport-Programm: Zusammen mit der überrechten Nachbarin gehe ich eine Stunde zum Frauenschwimmen. So war ich nach 45 Jahren zum ersten Mal wieder im örtlichen Schwimmbad. Ich weiß immer noch nicht, was die angepriesene "feminine Atmosphäre" sein soll, aber ich weiß, dass ich beim nächsten Mal nicht mehr nackicht vom Duschen zur Umkleide schlappen sollte, wenn ich nicht wieder einem Mann in die Arme laufen will, denn Geschlechtertrennung beginnt hier erst ab der Dusche ... In unserem Hamburger Sportverein waren die Geschlechter schon ab der Umkleide getrennt, so dass ich nackt von der Dusche zum Umkleiden gehen konnte. Ich rechnete nicht damit, dass es irgendwo anders sein könnte, nahm es auch beim Weg ins Bad nicht wahr, weil ja um mich herum nur Frauen waren.

Ich habe die Reise gebucht, die ich mir zum runden Geburtstag schenke. Auf der zweiten Hälfte begleitet mich hoffentlich ein lieber Mensch. Ansonsten wird es sehr spannend zu sehen, wie ich damit umgehe, erstmals alleine in einem dänischen Ferienhaus zu sein.  

Mit den "Strickliesels" aus der Reha bin ich noch immer im Kontakt. Mich beeindruckte wieder vor allem diejenige, die als Linkshänderin stricken komplett neu lernte. Sie übte jetzt das Stricken linker Maschen, um mehr Muster und andere Strickstücke stricken zu können. Bislang konnte sie nur rechts stricken, fertigte krause Schals oder rundgestrickte Loops. Mit den linken Maschen wird Stricken nun unendlich. Es ist schön zu sehen, wie sie mit jeder Masche besser wird. Als nächstes möchte sie häkeln lernen, denn ihre beiden Kinder möchten Temperaturdecken. Es bleibt spannend! 

Die politische Lage beobachte ich als Historikerin fasziniert. Als Mensch, Demokratin und Antifaschistin bin ich erschrocken und besorgt und frage mich, wo mein Reisepass ist, für den Fall der Fälle. Der Ausgang der Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und vor allem in Berlin ist erfreulich, aber unerfreulich ist, wie die Rechten und Konservativen darauf reagieren. Da wird Antisemitismus vorgeschoben, um Großkonzerne zu schützen und eine Mehrheit für ein AfD-Verbotsverfahren zu verhindern. Chaim Guski analysiert da fundierter und eloquenter als ich. Gleichzeitig baut die AfD das parlamentarische System in Sachsen-Anhalt um, bereitet sich die CDU auf eine Koalition mit der Partei vor, untersagt man gemeinsam im sächsischen Heidenau die Verlegung von Stolpersteinen, plant die AfD unverhohlen ein Zentrum für "Remigration" aka Deportation in Magdeburg. Wie gesagt: Als Historiker ist es faszinierend, den Aufstieg des Faschismus live mitzuerleben. Als Mensch, Demokratin und Antifaschistin könnte ich sehr gut darauf verzichten. Immerhin kann man den Faschisten nicht vorwerfen, dass sie nichts aus der Geschichte gelernt haben. Im Gegenteil. Sie nutzen sie als Blaupause.

Das Wochenende und die kommende Woche wieder anstrengend, da voller Verabredungen. Ich bin gespannt, was meine Soziophobie dazu sagt.

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Sonntag, 6. September 2026

#WMDEDGT 09/26: Aukruger Hafentage

Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln!

Ich bin in meiner letzten Reha-Woche. Heute ist Sonnabend. Die dusselige Plantarsehnen-Entzündung, die sich durch drei Wochen Nordic Walking ordentlich verschlimmerte, kostet mich so viel Kraft, dass ich schon länger keine Kraft mehr für Freizeitgestaltung habe, obwohl ich mir einiges für die Reha-Wochenenden vornahm. Aber heute mobilisiere ich meine Kräfte, denn ich möchte zu den Aukruger Hafentagen von den Störpiraten. Die finden seit 2012 zum Saisonende im Freibad Aukrug statt. 

Der Himmel kann Drama: Blick auf die große Hafenanlage der Aukruger Hafentage.

Normalerweise verschlafe ich sonnabends das Frühstück und frühstücke unterwegs bei einem Bäcker oder in einem Café, aber heute treffe ich mich mit den "Strickliesels". Es regnet in Strömen und sieht so aus, als fielen die Hafentage buchstäblich ins Wasser. Ich will also meinen Tagesplan überdenken, und das geht am Besten in der Gruppe (wobei ich problemlos allein sein kann, aber ich übe weiter tapfer, meine Soziophobie abzulegen).

Hier wird Schüttgut verladen.

Ein Teil schlägt vor, nach Friedrichsstadt zu fahren. Verlockend, aber ich weiß, ich kann nicht mithalten, denn sie werden länger unterwegs sein als ich Kraft habe. M. und ich entscheiden uns für das Designer-Outlet in Neumünster. Dahin wollte ich eigentlich ohnehin, um Chucks zu kaufen, aber da meine entzündete Plantarsehne immer schlimmer wurde, kann ich bis auf Weiteres keine Chucks tragen. Alleine wäre ich also nicht gefahren, aber ich habe nichts dagegen, in Gesellschaft durch die Geschäfte zu bummeln. Außerdem könnte ich eine neue, hochseetaugliche Winterjacke gebrauchen.

Ein Teil der Hafenanlage im Detail.

Wir starten am späten Vormittag. Durch die Sperrung der Bundesstraße ist der Weg ein wenig abenteuerlich, aber wir kommen an. Ich muss daran denken, wie ich mit dem Gatten hier war. Er liebte es ja, durch Geschäfte zu bummeln und einzukaufen, anders als ich. 

Containerbrücken mit Lkw-Zubringern.

Ich finde tatsächlich eine neue Winterjacke.

Ein Containerschiff hat angelegt.

Am frühen Nachmittag ist das Wetter einigermaßen stabil, so dass wir uns überlegen, zu den Hafentagen zu fahren und zu gucken, wie es dort aussieht. Wir bummeln über das Gelände. Ich bin beeindruckt von der Anlage, die im Wasser geschaffen wurde. Und natürlich fließt beim Gedanken an der Gatten auch die eine oder andere Träne. Er hatte darauf gehofft, seine Schiffe in der lindgrünen Hölle fahren zu können, befand den Rathausteich ideal dafür. Leider sollte es anders kommen.

Noch ein Blick auf die umfangreiche Hafenanlage.

Nach dem Besuch der Hafentage fahren wir noch in die Alte Kaffeewirtschaft, einem entzückenden Café mit riesigen Kuchenstücke. Zum Glück hatte ich nur ein Softeis als Mittagessen, und das ist auch schon länger her.

Eine der kleinen Stuben der "alten Kaffeewirtschaft". Die Tische bleiben nicht lange leer.

Zurück in der Klinik verabreden wir uns zum Abendessen, wobei ich nur meiner Begleitung Gesellschaft leiste, denn mein Abendessen wird ein mitgebrachtes Fischbrötchen sein. 

Waldi der Erste ist fertig. Fehlen noch zwei, denn ich brauche insgesamt drei Türstopper.

Ich stelle den ersten Türstopper-Dackel fertig - ironischerweise passend zum 50. Jahrestag des Münchner Olympia-Attentats. Der Türstopper-Dackel ist nämlich in den Farben des Olympia-Maskottchens Waldi, entworfen von Otl Aicher, gehalten. Der Gatte hatte das Maskottchen als Kuscheltier und sprach noch als Erwachsener davon. Als der Schornsteinfeger bei Abnahme des Kamins befand, wir müssten dafür sorgen, dass die Stubentür immer offen bleibt, meinte der Gatte, wir bräuchten einen Zugluft-Dackel für den Türgriff. So kam die Idee für den Türstopper-Dackel. Schnell war klar, dass die Farbgebung dem legendären Waldi nachempfunden wird.

Der Abend wird ruhig. Nach einem Tag in Gesellschaft brauche ich abends social detox.

Der Blick zurück in die ersten sechs Corona-Jahre: Am 5. September 2020 urlaubten wir in Dänemark, waren auf der Suche nach Kreuzkümmel, war der Gatte noch gesund. Am 5. September 2021 waren der inzwischen kranke Gatte und ich zum ersten Mal seit seiner Erkrankung im Urlaub und ruhten uns am ersten Urlaubstag nach einer anstrengenden Anreise aus. Am 5. September 2022 bereiteten wir uns auf die juristische Übernahme des alt-neuen Hauses vor. Am 5. September 2023 waren wir noch immer nicht umgezogen, hatten mal wieder Probleme mit einem betrügerischen Handwerker und suchten vergeblich einen Dachdecker. Am 5. September 2024 war der Gatte noch fit genug, um selbst zu Fuß zum Arzt zu gehen. Am 5. September 2025 wusste der Gatte, dass er bald sterben würde. 

Mittwoch, 31. Dezember 2025

#pmdd2025: Der 28. Dezember 2025

An jedem 28. eines Monats ist Picture my Day-Day, kurz pmdd. Ich finde, das ist ein schönes Tagebilderbuch. Mitmachen ist einfach: Fotos vom Tag machen, bloggen oder mit #pmdd2025 auf Instagram einstellen. Gesammelt wird alles auf dieser Seite.

Die Nacht war ruhig, das Reiserudel freut sich auf die Rückfahrt.

Gestern ging der Koffer noch zu ...

Heute ist Tag des Rühreis, und selbstverständlich gibt es welches zum Frühstück.

Wer am Vorabend zu faul war, das Auto abzudecken, darf jetzt Eis kratzen.

Das Reiserudel ist abfahrbereit. Jeder hat seine Aufgaben: Der Großfußhase hält immer eine Pfote zum Drücken bereit, Schnuffi passt auf Portemonnaie und Taschentelefon / Navi auf, und Schlafhase zwei sieht süß aus.

Scheibenreinigung bei einer Pause. Früher übernahm das der Gatte. Er war dabei sehr viel sorgfältiger als ich.

Tee und Kekse.

Das Navi ist optimistisch, dass ich bald zu Hause bin. Leider dauert die Fahrt zwei Stunden länger als geplant.

Ab der Rhön gibt es Nebel, ab Göttingen stehe ich im Stau.

Der heutige Tag ist eine Wiederholung des 28. Dezember 2021 und des 28. Dezembers 2024. Wieder bin ich auf der Rückreise von Dachau und übernachtete in Hammelburg. Gravierender Unterschied: Ich reise alleine. Der Gatte starb vor neun Wochen. Seitdem ist nichts mehr gut.

Wieder zu Hause erwarten mich Grüße von den Nachbarn. Die fürchterlichen Fliesen will ich auch erst seit drei Jahren lackieren ... 

Und noch ein Gruß eines lieben Menschen.

Das Reiserudel kam auch gut an.

Die Spikes kaufte ich am 5. November 2024. Heute brauche ich sie zum ersten Mal, denn die Straße vorm Haus ist spiegelglatt. Irritierenderweise finde ich sie auf Anhieb.

Dem Gatten Guten Abend sagen. 

Alles ist ausgeladen. Ich ziehe meinem Mickey-Mouse-Onesie über, den der Gatte so mochte, und heize erstmal ein. Das Haus ist nicht so kalt wie befürchtet, aber warm ist es halt auch nicht.

Vitamine, flüssig und fest.

Ein paar flüssige Mitbringsel.

Dank Tante habe ich einen bunten Teller. 

Während der letzten Woche sammelte sich ein bisschen was für's Wollsparglas an. Ein Bild mit dem Kassensturz findest du hier.

Yippieh, es gibt keine Feiertagsverschiebung bei der Müllabfuhr, ich muss heute nicht noch die Tonne füllen und an die Straße schieben.

Abendessen.

Die Spülmaschine wäre fertig, wird aber erst morgen ausgeräumt.

Das Rudel ist wieder komplett und liest vor dem Einschlafen noch etwas*.

Der Blick zurück in die ersten fünf Corona-Jahre: Am 28. Dezember 2020 ist der Gatte gerade aus dem Krankenhaus entlassen worden und noch sehr schwach. Wir wissen noch nicht, dass noch einige Krankenhausaufenthalte bevorstehen sollen, dass er nicht wieder gesund wird, dass er sich 2025 schließlich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris anstecken und daran sterben wird. Am 28. Dezember 2021 waren wir auf dem Rückweg von Tante, mit der wir Weihnachten verbrachten. Das war eigentlich auch für den 28. Dezember 2022 geplant, aber dann kamen uns Mudderns Sturz und die Übernahme meines ehemaligen Elternhauses dazwischen. Dafür kam Tante wieder zu uns. Am 28. Dezember 2023 waren wir endlich umgezogen. Am 28. Dezember 2024 wusste der Gatte, dass er bald ins Krankenhaus soll, hoffte, nach einer OP wieder gehen zu können. Es sollten acht OPs und monatelange Krankenhausaufenthalte werden, die letztlich zu seinem Tode führten. Übrigens bekam ich vor einem Jahr doch kein Strafmandat, denn nicht ich wurde geblitzt, sondern ein anderer Wagen, der schneller fuhr als ich. / *Affiliate link

Samstag, 28. Oktober 2023

Samstagsplausch KW 43/23: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CLXXXIX

Sonnabend und Sonntag hatten wir Besuch. Ich hatte so von der alt-neuen Heimat geschwärmt, dass eine Blog-Freundin meinte, dieses Bullerbü wolle sie sich gerne mal selbst ansehen. Der Regen warf unsere Planung komplett um, und manches Mal mussten wir improvisieren.

Sonnabend besuchten wir die Kunststätte Bossard. Solange es nur nieselte, schauten wir uns die Außenanlagen an, anschließend die Innen-Ausstellungen. Seit mehr als zwei Jahren gibt es eine Kontroverse zur politischen Einstellung der Bossards, und inzwischen liegt ein erstes Gutachten vor. So sehr ich die Arbeit des IfZ normaalerweise schätze, hier habe ich den Eindruck, es wird alles getan, um nachzuweisen, dass die Bossards unmöglich von Antisemitismus und NS-Geist beeinflusst sein könnten. Gut, man fand in seiner Symbolik zwar ein Hakenkreuz, aber das war sicher nur Zufall. Okay, Bossard war Anhänger der Ariosophie und Lebensreform, propagierte Rassenreinheit, äußerte sich antisemitisch, aber deswegen kann man doch nicht davon ausgehen, dass er Antisemit war. Merke: Wenn etwas quakt wie eine Ende und watschelt wie eine Ente, ist es sicher keine Ente, wenn's um einige Millionen Euro Förderung für einen Museumsneubau geht. 

Im Heide-Erlebniszentrum wird erklärt, wie Wolle hergestellt wird, warum Schäfer stricken und dass australische Wolle schon seit 1850 den heimischen Markt kaputt macht. Ich dachte, das ging erst viel später los.  

Sonntag sollte es einigermaßen trocken sein, also fuhren wir ins Büsenbachtal zum Wandern. Kaum waren wir aus dem Auto ausgestiegen, fing es an zu nieseln. Nach keinem Kilometer wurde aus dem Nieseln ein kräftiger Regen. Also zurück zum Auto. Die einzige Drinnen-Aktivität in der Nähe, die zu dieser Zeit schon geöffnet war, war das Heide-Erlebniszentrum, eine Empfehlung der örtlichen Facebook-Gruppe. Wir hatten keine Erwartungen und wurden mehr als positiv überrascht! Die Ausstellung ist super! Dazu gibt's beizeiten einen Extra-Beitrag. Danach bummelten wir ein bisschen durch das bezaubernde Heidedörfchen Undeloh. Zur Heideblüte bekommt man hier keinen Fuß auf den Boden, aber an diesem Wochenende mit unklarem Wetter war's einigermaßen leer. Anschließend gingen wir noch ein Stück des Heidelehrpfads, bis ich schwächelte.

Auf dem Heide-Lehrpfad.

So schön Besuch über's Wochenende war, so sehr strengte es mich doch auch an. So viel Gesellschaft, frische Luft und Bewegung bin ich seit Jahrenden nicht mehr gewohnt. Zum Glück kennt die Gästin so was und war nicht böse, als ich Sonntag Abend signalisierte, ich bräuchte Ruhe.

"Trinkst du noch Tee mit mir?" frug der Gatte, als wir Montag Nachmittag nach meinem Feierabend in die Stadt gingen. Klar blieb ich noch zum Tee, ehe ich mich nach Hamburg in die Wohnung aufmachte. Das Gependel fällt uns schwer. Vor allem der Gatte verträgt die Trennung schlecht, mag nicht alleine sein. Dienstag Abend waren wir dann wieder zusammen.

Dienstag und Mittwoch waren heftige, lange Arbeitstage mit viel Trubel. Ich bin froh, dass ich tolle Kollegen habe - und dass ich seit heute eine Woche Urlaub habe. In meinem Projekt gibt es spannende Entwicklungen, im Team insgesamt ebenfalls. Die Entwicklungen in meinem Projekt hätte ich stoppen können, aber ich fand, das Projekt dürfe nicht darunter leiten, dass die Projektleitung malad ist. Die Kollegin, die mit mir im Projekt arbeitet, und die Chefs tragen das zum Glück mit, und der Rest des Teams ebenfalls. Es ist unwahrscheinlich beruhigend, dass ich mir in dem ganzen Chaos zumindest beruflich keine Sorgen machen muss. 

Ich hatte keine Kraft, diese Woche zur Grippe-Impfung zu gehen und sagte den Termin ab. Zufällig sah ich, dass die letzte Corona-Impfung schon im Oktober ein Jahr her ist, nicht erst im Dezember, und nun habe ich kommende Woche einen Termin für eine kombinierte Grippe-Corona-Impfung - in der Apotheke. Ich bin gespannt - auf den Ablauf und wie mein Körper damit umgeht. Der Gatte bekam diese Woche seine Grippe-Impfung und spürte diesmal die Nachwehen 24 Stunden später, als wir schon gar nicht mehr damit rechneten. Letztes Jahr kippte er gleich in der Arztpraxis um ... Gegen Corona lässt er sich nicht mehr impfen, denn nach jeder Impfung lag er eine Woche flach. Nicht auszudenken, wie es würde, bekäme er tatsächlich Corona. Beim Arzt erfuhr der Gatte, dass sich seine Kaliumwerte schon etwas verbesserten. Der Stress mit der kaliumarmen Ernährung lohnt sich also. Kommende Woche schon gibt's neue Werte. Meine Blutwerte hingegen werden kontinuierlich schlechter - zu viel Fertigfutter und belegte Brötchen in der Mittagspause, weil ich keine Kraft habe, mir Oats zu machen.  

In der Hoffnung, dass wir tatsächlich in sieben Wochen mit dem Umzug beginnen, fingen wir langsam an, auszusortieren. Dabei fand ich das Reisetagebuch meiner ersten Israelreise 1988 wieder! Ansonsten freue ich mich über jeden Gegenstand, den ich entweder wegwerfe oder zum Recyclinghof bringe. Kommende Woche wird ein Teil des Lagers ausgeräumt, ziehen die Schiffsmodelle des Gatten schon mal um. 

Auf der Baustelle waren die Gärtner fleißig, und das Ergebnis sieht gut aus. Der Chef war gestern da und befand, das eine oder andere müsse nachgebessert werden. Das macht insgesamt einen guten Eindruck, auch, wenn sich die Arbeiten wieder mal ziehen - hoher Krankenstand. Es fehlt noch die Regenrinne, und Gartenhaus und ein paar vom Vorgänger gesetzte Zaunelemente müssen noch gestrichen, Bäume geschnitten werden. 

Ich muss mich um einen anderen Dachdecker kümmern, denn Dachdecker II meldete sich nicht mehr. Ich habe keine Lust, dem Kostenvoranschlag hinterher zu telefonieren, denn so, wie er beim Ortstermin die Montage von Trittstufen zum Schornstein schilderte, wird es kompliziert und teuer. Ihm waren die Dachfenster zu dicht am Schornstein, weswegen er hinter dem Haus ein Gerüst aufstellen will, um auf dem Dach Trittstufen von hinten nach vorne über das Dach und zurück um den Schornstein herum zu verlegen ... Ich habe beschlossen, erstmal abzuwarten, bis der Kamin tatsächlich eingebaut und angeschlossen ist, und dann nochmal zu hören, was der Schornsteinfeger nun wirklich will. Im September 2022 wollte er Trittstufen zum Kaminkehren, im April 2023 nicht. 

Wegen des defekten Wasserrohrs in der Waschküche diskutieren Heizungsbauer und Versicherung noch immer, wer den Schaden eigentlich verursachte. Solange der Keller trocken ist, sollen sie meinswegen diskutieren. Die Rechnung für den Austausch von Heizungsthermostaten und -ventilen verursachte Schnappatmung. Nur: Nützt ja nichts. Zum Teil waren die Ventile noch von 1961, das konnte ja nicht so bleiben. Dass der Kohleofen aus dem System genommen wurde, war sofort zu merken: Im Heizungskeller, der Werkstatt des Gatten, ist es deutlich kühler. Insgesamt sind wir sehr dankbar, dass jetzt fast überall die Heizungen wieder funktionieren. "Ein warmes Haus hat ja nicht jeder", sagte der Gatte gestern, als wir wieder ins Haus, nach Hause, kamen. Im Gästebad zickt die Heizung noch, aber das lassen wir erstmal so, denn der Gatte meint, dort sei es warm genug. Er nutzt es zurzeit, weil er im Eisenbahn- bzw. Gästezimmer schläft. Wir warten jetzt mal ab, wie es den Winter über ist, und ggf. muss ich mich im Frühjahr um die Heizungsreparatur kümmern.

Hier gilt seit mittlerweile 189 Wochen: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause. Es geht uns vergleichsweise gut. Wir halten es gut miteinander aus. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall. Er ist schwerbehindert und berufsunfähig verrentet. 

Unsere Kontakte sind normalerweise auf das Notwendigste beschränkt, heißt: Arbeit, Ärzte, Einkaufen, Schwiegermutter und Handwerker. Ich bin dankbar, dass Corona uns bislang verschonte und hoffe sehr, das bleibt so. Weiterhin gibt es im Umfeld reichlich Infektionen. 

Der Gatte kommt immer wieder auf unseren Zahnarzt zu sprechen, der im August plötzlich und viel zu früh an einem Hirntumor verstarb. Der Zahnarzt war zwei Jahre jünger als der Gatte, bei dem der Schock tief sitzt. Er überlegt, zukünftig in der alt-neuen Heimat zum Zahnarzt zu gehen. Ich zögere noch, denn ich war knapp 35 Jahre Patientin in der Praxis. Der hiesige Zahnarzt wäre aber kaum fünf Gehminuten entfernt. Wir werden sehen. 

Schwiegermutter geht es gut, Tante hoffentlich auch - Neuigkeiten von ihr bekommen wir nur über Schwiegermutter, und die redet mehr über sich selbst oder schimpft nur über Tante, mit der sie einmal wöchentlich telefoniert. Für uns ist es schwierig, Tante zu erreichen, so dass wir nur hoffen können, dass es ihr gut geht, ihr die Reha nach ihr Schulter-OP gut tut. Schwiegermutter hat sich in den Kopf gesetzt, dass Tante Weihnachten nach Hamburg kommt. Wir sind gespannt, ob das klappt. Unter anderen Umständen hätten wir nicht dagegen, Weihnachten zu Tante nach Dachau zu fahren, aber in diesem Jahr werden wir dann noch mitten im Umzug sein. 

Ein Teil von mir ist seit drei Wochen permanent in Israel. Mittwoch beginnt in Hamburg die Schule wieder, und für die jüdischen Schülerinnen und Schüler wird die Situation wenig kommod. Jüdinnen und Juden machen sich seit drei Wochen so unsichtbar wie möglich. Feierten wir nicht gerade erst 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland?! Es macht mich wütend, dass aufgrund von Sicherheitsbedenken Gottesdienste nicht stattfinden können, Kinder nicht in die Schulen können. Das Ausmaß an Antisemitismus, das sich allerorten zeigt, macht mich sprachlos. Wütend machen mich auch die Forderungen nach einem Waffenstillstand. Die Täter-Opfer-Umkehr, die nach dem Simchat-Tora-Massaker einsetzte, ist unglaublich. Es gibt keine Anstrengungen, die Hamas zur Freilassung der über 200 Geiseln zu bewegen (oder wenigstens Visiten durch das Rote Kreuz zuzulassen) oder zum Aufgeben zu bewegen. Es gibt keinen Druck auf die Unterstützerstaaten der Hamas. Einzig Israel soll eine Waffenruhe einhalten. Wie wahnsinnig diese Idee ist, zeigt sich schon daran, dass die Hamas in den letzten drei Wochen über 8.000 Raketen auf Israel abfeuerte. Die Hamas ist wohlhabend und gut ausgestattet, lebt in sicheren Staaten, während die palästinensische Zivilbevölkerung in Gaza leidet - und sich doch nicht gegen die Hamas wendet, sondern einzig gegen Israel. Es ist ganz klar, dass nur die Hamas ein Ende des Krieges in der Hand hat, nur da sie und ihre Unterstützerstaaten das Ende allen jüdischen Lebens wollen, und zwar nicht nur in Nahost, ihnen niemand Einhalt gebietet, wird es so schnell kein Ende des Krieges geben. Hier sind übrigens die Namen und Fotos der über 200 Kinder, Frauen und Männer zu sehen, die seit drei Wochen in Hamas-Geiselhaft sind: Bring them home now. Die jüngste Geisel ist 9 Monate alt, die älteste 85 Jahre. 

Noch sieben sechs Wochen bis Umzug. Hoffentlich.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

Samstag, 11. Juni 2022

Samstagsplausch KW 23/22: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CXVII

Eigentlich gilt hier seit mittlerweile 117 Wochen: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause. Unsere Kontakte sind normalerweise auf das Notwendigste beschränkt, heißt: Arbeit, Ärzte, Einkaufen, Mütter. 

In dieser Woche waren wir aber oft auf dem Swutsch, erst in der Haseldorfer Marsch, dann zu den Glücksstädter Matjeswochen. In die Marsch fuhren wir mit dem Auto, da es nur eine ÖPNV-Verbindung mit 45minütigem Fußweg gab, aber nach Glückstadt nahmen wir den ÖPNV, schließlich soll mein 9-Euro-Ticket ja ausgenutzt werden, hat der Gatte aufgrund seiner Behinderung ohnehin ein bundesweit gültiges Jahresticket.

Die Züge waren gut ausgelastet, und auf dem Hinweg rief der Schaffner nur lakonisch durch den Waggon: "9-Euro-Ticket, 9-Euro-Ticket, 9-Euro-Ticket - irgendjemand ohne 9-Euro-Ticket?!" Ohne 9-Euro-Ticket wären wir mit dem Auto nach Glückstadt gefahren, denn das kostet weniger als ein reguläres Ticket und geht doppelt so schnell. Angesichts steigender Coronazahlen wäre es auch die sichere Alternative gewesen. So hoffen wir, dass uns die FFP2-Masken schützten. 

In der Haseldorfer Marsch.

Momentan häufen sich die Coronafälle im Umfeld. Nach dem langen Pfingstwochenende meldeten sich Dienstag zwei Kollegen krank, darunter auch meine Urlaubsvertretung, denn ich hatte diese Woche frei. Beide gehören zu den Risikopatienten, beide hat es ziemlich erwischt, denn auch ein milder Verlauf ist kein Zuckerschlecken. Ich bin dankbar, dass Corona uns bislang verschonte. Wir sind natürlich geimpft, aber angesichts unserer Vorerkrankungen ist trotz Impfung eine Corona-Infektion wenig ratsam. Vermutlich ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis es uns auch erwischt.

Wir haben diese Woche oft an die Zeit vor einem Jahr gedacht, als der Gatte im Krankenhaus war, unsicher war, wie es weitergehen würde. In dieser Woche gab es wieder ein kleines Stückchen Normalität, als der Gatte nicht nur an meinen Geburtstag dachte, sondern dafür sorgte, das er mit den in seiner Familie üblichen Ritualen gefeiert wurde - das war fast wie früher, als der Gatte noch gesund war! Und das war sehr schön!

Heute zeigte sich allerdings, dass die Woche schlichtweg zu viel für ihn war, denn am Tag nach unserem Ausflug in die Marsch musste der Gatte seine Mutter in einer völlig sinnlosen Aktion einen ganzen tag durch die Gegend chauffieren - eigentlich wollte er nur eine Besorgung bei ihr abgeben, was sie gleich ausnutzte. Er schaffte es kaum noch nach Hause. Da wäre es besser gewesen, wir wären gestern zu Hause geblieben, aber das wollte der Gatte nicht. Gestern Abend war er auch noch quietschfidel, aber heute beim Herzsport bekam er dann prompt die Quittung, und ich war froh, dass ich meinem Instinkt traute und ihn fuhr. Ich hoffe, er kann sich morgen ausruhen und muss nicht zu seiner Mutter. Aber so erschöpft der Gatte auch ist, so sehr zeigt sich doch, dass die Kontrolle seiner Kohlenhydrate greift. Noch vor zehn Tagen hätte er die Anstrengungen nicht durchgestanden. 

Mudderns Gesellschafterin hat zwei Wochen Urlaub, und so war ich diese Woche bei Mudderns. Sie ist dazu übergegangen, mich alles, was mit Kranken- und Pflegekasse zu tun hat, erledigen zu lassen, und da lief einiges auf. Es wäre einfacher, die Briefe gingen direkt an mich, aber das ist Mudderns nicht recht. Sie lässt sich zunehmend gerne bedienen und vieles abnehmen, was sie selbst noch kann. Mal schauen, wie sich das entwickelt - und: Nein, ich nehme ihr nichts ab, was sie noch selbst kann. Ich habe genug zu tun.

Schwiegermutter ist wie gewohnt schwierig, und Tante geht's gut. Beide wollen im Herbst einen Wellness-Urlaub machen. Die Organisation ist, gelinde gesagt, chaotisch, und wir sind gespannt, ob's etwas wird.

Diese Woche bescherte mir ein neues Taschentelefon. Mit neuer Technik tue ich mich immer schwer, und so gewöhnen wir uns nur langsam aneinander. Allerdings funktioniert endlich der Schrittzähler, was mich jeden Tag freut. Beim alten Taschentelefon konnte ich Kilometer um Kilometer laufen, ohne dass ein Schritt angezeigt wurde. Das war frustrierend. Kommende Woche werde ich dann mal herausfinden, ob die App auch funktioniert, wenn das Telefon in der Handtasche getragen wird oder nur, wenn's in der Hosentasche mitläuft.

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Sonntag, 5. Juni 2022

Samstagsplausch KW 22/22: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CXVI

"Heute Morgen konnte ich noch Auto fahren. Heute Abend kann ich gar nichts mehr!", verzweifelte der Gatte zu Wochenbeginn, und das brach mir das Herz. 

Diese Feststellung zeigt, wie der Zustand des Gatten von einem Moment auf den anderen kippen kann. Plötzlich geht dann gar nichts mehr, kippt der Gatte um und kommt buchstäblich nicht mehr auf die Beine. Polyneuropathien sind großes Kino, vor allem, wenn noch andere Erkrankungen dazu kommen. Eine Verbesserung oder gar ein Gesundwerden sind illusorisch. Einzig Symptome können gelindert werden - manchmal. 

Für den Rest der Woche stabilisierte sich der Zustand des Gatten etwas, und gestern bei der Herzsportgruppe konnte er sogar mit den anderen Fußball spielen, ohne umzukippen. Noch nachmittags redete er davon, wieviel Spaß ihm das machte! Seit Wochen redet der Gatte zudem davon, nicht nur meins, sondern beide Fahrräder wieder flott zu machen, weil er gerne wieder Radfahren möchte. Da er mit Gleichgewichtsstörungen kämpft, werden wohl zumindest für die Anfangszeit Stützräder fällig, auch, wenn der Gatte die lächerlich findet. Nur: Ohne stürzt er, denn er kann sich nicht abfangen. Ein eBike wäre sinnvoll, aber das möchte er nicht. Stattdessen überlegt er, in die "Indoor-Cycling"-Seniorensportgruppe unseres Vereins zu gehen, um etwas sicherer zu werden, bevor es auf die Straße geht. Mal sehen. 

Hier gilt seit mittlerweile 116 Wochen: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause. Der Gatte wurde im ersten Corona-Jahr schwerkrank, ist inzwischen berufsunfähig verrentet und schwerbehindert. Es geht uns vergleichsweise gut. Wir halten es gut miteinander aus.

Unsere Kontakte sind normalerweise auf das Notwendigste beschränkt, heißt: Arbeit, Ärzte, Einkaufen, Mütter. Ich bin dankbar, dass Corona uns bislang verschonte. Wir sind natürlich geimpft, aber angesichts unserer Vorerkrankungen ist trotz Impfung eine Corona-Infektion wenig ratsam.

Diese Woche war die Kollegin, die vier Wochen wegen Corona ausfiel, wieder im Büro. Sie ist froh, dass sie wieder fit ist, und überraschte uns alle mit einer Runde Franzbrötchen. Die beiden Kinder des Kollegen sind auch wieder fit, und die Eltern schafften es tatsächlich, sich nicht anzustecken. 

Im Büro war's anstrengender als gedacht, vor allem Freitag, denn unser Ukraine-Projekt nimmt Fahrt auf, und bei einem erst Donnerstag von der Stadt beschlossenen Projekt spielt mein Mammutprojekt eine tragende Rolle. Da ich kommende Woche Urlaub habe, musste ich Freitag meine Vertretung briefen, damit sie weiß, was auf sie zukommt. Sie war trotz freien Tags zufällig online und rief an, als sie die ersten Mails, in denen sie cc gesetzt war, sah. Es tut mir leid, dass sie keinen ruhigen Vertretungsdienst haben wird, aber ich brauche ein paar Tage zu Hause, so dass ich nicht meinen Urlaub absagen möchte. Und ich weiß, sie wird von Chefs und Kolleginnen unterstützt. Für mich ist es ungewohnt zu sagen, dass das Büro ohne mich zurecht kommen muss. 

Diese Woche durfte ich mit einer Kollegin durch die Stadt laufen - das sind die Momente, in denen ich meinen Job noch mehr mag als sonst. Die Kollegin hat für den Sommer wieder eine Themen-Rallye entwickeln lassen, und die musste nun auf Plausibilität geprüft werden. Das machte viel Spaß! Ich hatte erst Angst, dass ich zu viel meckere, weil die Konzeption von Stadtrundgängen früher mein Job war, aber die Kollegin konnte gut damit umgehen, und die, die Rallyes konzipierten, meinten, ich solle zukünftig immer die Überprüfung mitmachen. Och nö, ich bin ganz froh, dass das nicht mehr mein täglich Brot ist. Es tat aber gut zu merken, dass ich es noch kann.  

"Sachma, täuscht das oder wirst du immer weniger?" frug Chef I diese Woche. Momentan täuscht das, denn nach 30 Kilo Abnahme halte ich mein Gewicht, aber da ich mich diese Woche mal wieder im Fernsehen und in einigen Insta-Stories sah, registrierte auch ich, wie viel ich abnahm. Es dürfte gerne mehr werden, aber momentan ist nicht die Zeit dafür. 

Dass ich nicht nur letzten Freitag auf dem Swutsch war, sondern auch noch zwei lange Tage im echten Büro, bekam dem Gatten gar nicht. Für den Rest der Woche organisierte ich mich so, dass ich viel Zeit für ihn hatte, und die gemeinsame Zeit war sehr schön. Wir konnten ohne die Brüll- und Bolz-Blagen auf der Terrasse sitzen und bummelten durchs große Einkaufszentrum. Wir ließen die vergangenen zwei Jahre Revue passieren und überlegten, wie schön es gewesen wäre, an diesem langen Wochenende in London zu sein. 

Nach meinem Urlaub müssen wir mal gucken, wie wir uns so organisieren, dass der Gatte besser damit zurecht kommt, dass ich zwei, drei Tage jeweils zehn bis zwölf Stunden weg bin, denn dass ich nur noch zu Hause bin, ist keine Lösung, wollen wir beide nicht, so gut wir es auch miteinander aushalten. Zu den schönen Momenten diese Woche gehörte auch, dass der Gatte mal vor mir wach war, Kaffee kochte und mir welchen ans Bett brachte. Früher war das an Wochenenden die Regel, aber seit der Erkrankung kommt das nur noch sehr selten vor. 

Tante rief letzten Sonntag an, um sich für die Fotos aus dem Kurzurlaub mit Schwiegermutter zu bedanken, und wir sprachen lange miteinander. Es ist immer wieder schön, mit ihr zu reden. Es wäre schön, sie in der Nähe zu haben.

Mudderns geht's gut, aber sie neigt wieder dazu, mir ihre Entscheidungen und Handlungen aufzuhalsen, wird unselbständiger. Paradoxerweise wird das schlimmer, seitdem ihre Gesellschafterin zwei Mal in der Woche kommt. Das muss sich ändern. Es war okay für mich, dafür zu sorgen, dass sie Hilfsmittel und Nachzahlungen der Krankenkasse bekommt, weil das ziemlich komplex war, aber sie ist durchaus noch in der Lage, ihre Alltagsgeschäfte zu erledigen. Natürlich ist es bequemer, wenn ich das mache, aber das Leben ist kein Ponyhof. 

Mittwoch wartete der Gatte gespannt auf meine Erfahrungen mit dem 9-Euro-Ticket, aber hier war der Auftakt unspektakulär. Morgens war der Bus sogar leerer als sonst, fehlten die Kinderwagen, Hackenporsche und Gehwagen, die sonst am Markttag für einen vollen Bus sorgen. Ich bin jetzt tatsächlich öfter als früher mit dem ÖPNV unterwegs, aber das liegt nicht am 9-Euro-Ticket, sondern daran, dass ich seit März 2020 zum ersten Mal wieder eine Monatskarte habe. Da ich maximal drei Tage im echten Büro bin, sind zwölf Tageskarten nämlich preiswerter. 

Der Tankrabatt, auf den der Gatte hoffte, weil er aufgrund seiner Behinderung oft aufs Auto angewiesen ist, entpuppte sich als schlechter Witz. Den Rabatt müssen die Mineralölkonzerne ja noch nicht mal an die Verbraucher weitergeben! In manchen Interviews war zu merken, dass die Konzernsprecher sich kaum das Lachen verkneifen konnten. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.