Samstag, 23. Mai 2020

Samstagsplausch KW 21/20: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten X

"Hast du dein Schnuffelstück?", lautet hier die Frage, wenn jemand das Haus verlässt. Frische Masken hängen griffbereit an der Haustür, so dass man sie nicht übersehen kann. Ich habe ein poshes Chanel-Täschchen mit meinen handgenähten Masken in der Handtasche (und für die getragenen einen weniger poshen Ziplock-Beutel). Dennoch haben wir bei den einfachen Masken aus alten T-Shirts einen unerklärlichen Schwund, muss ich dieses Wochenende eine Nährunde einlegen.

Wir sind inzwischen in der zehnten Woche weitgehend zu Hause. Der Gatte ist in Kurzarbeit, fährt einmal die Woche ins Büro und ist ansonsten auf Abruf. Solange allerdings Theater geschlossen, Konzerte und Festivals unmöglich sind, keine Filme oder Fernsehserien gedreht werden, Freizeitsparks keine aufwändigen Shows zeigen, sieht es bei ihm wie im gesamten Kulturbereich schlecht aus.

Der Kulturbereich gehört zwar auch zu meinem Arbeitsgebiet, aber nur zu einem Drittel, und ich bin krisenfest angestellt. Dass jetzt ein Drittel wegfällt, kompensiert gerade mein Mammutprojekt, mit dem ich momentan ohnehin auch ohne Corona mehr als ausgelastet wäre (und durch Corona fallen gerade massig Überstunden an). Ich müsste mich allerdings jetzt normalerweise parallel um Kartenkontingente für die nächste Spielzeit kümmern, aber das macht aktuell keinen Sinn, weil ja niemand was, wie's in der nächsten Spielzeit aussieht.

Ich kann bis zum 30. Juni zu Hause arbeiten, fahre also nur ins "echte" Büro, wenn persönliche Anwesenheit erforderlich ist. Das war diese Woche einmal der Fall. Ansonsten hatte ich eine Drei-Tage-Woche mit massig Überstunden, die durch meine Teilzeittätigkeit schnell auflaufen.

Diese Woche war sehr anstrengend, weniger wegen der Arbeit als wegen Mudderns. Sie ist gerade wieder in einer schwierigen Phase. Das kenne ich, seit ich denken kann. Es ist also kein Zeichen von Alter oder gar Demenz, sondern ihr normales Verhalten.

Seit Sonntag zickt ihre Heizung, was dazu führte, dass sie über zehn Stunden stündlich anrief, um buchstäblich Wasserstandsmeldungen durchzugeben, denn irgendein Ventil leckt. Zum Glück war sie vernünftig genug, den Notdienst anzurufen, nachdem ich ihr die Nummer heraussuchte.

Der Notdienst kam gegen 18 Uhr. Da Mudderns noch immer einen völlig schrägen Tagesablauf hat, wäre sie zu dieser Zeit schon über eine Stunde im Bett gewesen. Solche Abweichungen von ihrer Routine machen sie völlig fertig, aber zum Glück war der Monteur sehr nett, und in zwei Wochen kommt ohnehin jemand zur Wartung, repariert das Leck. Bis dahin soll Mudderns Wasser nachfüllen - oder auch nicht. Ihre Aussagen dazu ändern sich mehrfach in jedem Gespräch, ebenso wie ihre Fähigkeit, Wasser nachzufüllen. Mal kann sie das selbst, mal muss einer der Nachbarn ran.

Ich schlug ihr schon vor gut vier Jahren vor, einen Hausmeisterservice zu engagieren, der diese vielen kleinen Dinge abnimmt, aber Mudderns beharrt darauf, dass sie das ja noch alles selbst könne. Damit will sie sich von meiner Schwiegermutter abheben, die sich ihrer Meinung nach alles vom Gatten abnehmen lässt. Das stimmt so nicht, was ich ihr auch jedes Mal sage, aber es kommt nicht bei ihr an. Da wir quasi mit Schwiegermutter einen Haushalt bilden, ist der Gatte allerdings öfter bei ihr als ich bei meiner Mutter, und wenn wir für uns einkaufen, bringen wir ihr schwere Sachen wie Getränkekisten eben mit - ist ja ein Weg.

Seit Sonntag also werde ich tagsüber stündlich angerufen, nicht nur wegen der Heizung, sondern auch, um mir mitzuteilen, dass ein Nachbar gerade zu Besuch ist; dass das Nachbarhaus verkauft wurde; dass eine Nachbarin vorschlug, Mudderns solle auch die letzten Rolläden auf Elektroantrieb umstellen; dass demnächst Heizöl geliefert wird; dass ich ihr die Telefonnummer ihres Zahnarztes heraussuchen soll; dass ich ihr Kontoauszüge ausdrucken und zuschicken soll undundund.

Das Telefonat zu den Rolläden war sehr loriotesk, denn Mudderns sprach permanent von einem Rollator, den sie auf Elektroantrieb umrüsten wolle ...

Zu den Dingen, die Mudderns in der letzten Woche ganz alleine erledigen konnte, gehörte die Reaktivierung ihres Mobiltelefons. Das hat sie ja angeblich inzwischen immer eingeschaltet bei sich, vor allem sonntags, wenn sie auf dem Friedhof ist. Dass das nicht stimmt, zeigte sich in dieser Woche: Ihre SIM-Karte wurde schon Anfang März abgeschaltet, weil sie weder telefonierte noch Guthaben auflud, und sie merkte es nicht, weil sie das Telefon eben nicht eingeschaltet hatte.

Drei Tage lang irrte sie von Telefonladen zu Telefonladen, aktivierte einen Nachbarn - alles vergeblich. Ihr könne angeblich niemand helfen, und bei der Telefonnummer des Callcenters, die man ihr gab, wäre nie jemand erreichbar. Außerdem ist das ja eine Hamburger Telefonnummer, sie wohne doch gar nicht in Hamburg, also könne sie da nicht anrufen. Dass sie mich stündlich in Hamburg anruft, geht merkwürdigerweise.

Mittwoch endlich fand ihre Gesellschafterin heraus, bei welchem Anbieter Mudderns ist, denn sie konnte das nicht sagen, weil sie nicht in der Lage war, das aus ihrem Vertrag abzulesen, fummelte die SIM-Karte aus dem Telefon, und dann konnte ich mich "nebenbei" um die Freischaltung ihres Mobiltelefons kümmern.

Nach erfolgreicher Reaktivierung ihres Telefons überlege ich, Mudderns Nummer zu meinem Anbieter portieren zu lassen, denn da muss ich nicht regelmäßig Geld aufladen, damit die Nummer nicht deaktiviert wird. Mudderns Telefon ist aktuell eine zinslose Geldanlage, da sie ja kaum telefoniert, nur alle paar Monate Geld auflädt.

Wenigstens ist Mudderns noch nicht wieder in der Phase, in der sie mich auf dem Mobiltelefon anruft, wenn sie mich über Festnetz nicht erreicht. Dazu müsste ihr Mobiltelefon ja auch aufgeladen und eingeschaltet sein, denn dass man vom Festnetz auch ein Mobiltelefon anrufen kann, hat sie bislang nicht verstanden - zum Glück.

Ansonsten war die Woche entspannt. Wir sind beim Ausräumen von Schwiegermutters Haus einen Schritt weiter, haben einen Lagerraum angemietet, der so groß ist, dass wir dort auch noch ein paar Sachen von uns mit unterbringen können. In den nächsten Wochen wird der Gatte also fleißig Kisten packen und transportieren.

Ich folgte einer spontanen Eingebung und fragte eine Kollegin, ob sie Lust hat, mich zur Hanseatischen Materialverwaltung zu begleiten, Krams für eine Schaufensterdeko abzuholen. Ich zögerte erst, weil ich da natürlich auch alleine hinfahren kann, aber zu zweit macht es einfach mehr Spaß. Die Kollegin quiekte vor Glück.

Sie hilft mir auch bei der Umsetzung der Deko - das Team ging davon aus, dass ohnehin sie die Umsetzung übernimmt, während ich dachte, wenn's meine dumme Idee ist, werde ich sie auch umsetzen, zumal ich sie nicht nach Hilfe fragen konnte, bevor ich die Idee von den Chefs genehmigen ließ.

Den sonnigen Feiertag nutzten der Gatte und ich, um im Garten zu entspannen und in die völlige verwilderte grüne Oase mal wieder etwas Grund hereinzubringen - wir konnten Terrasse und Grünfläche ja vier Jahre nicht nutzen, weil Nachbarsjungs beides als Bolzplatz ansahen.

Jetzt sind die Hochbeete wieder als solche erkennbar und neu bepflanzt, ebenso die Palisade. Ich bin gespannt, ob und was wir ernten werden. Ich fürchte, die Weinstöcke haben den Winter nicht überlebt.

Das Vogelhäuschen wartet auf neue Mieter. Ich wollte dem Gatten ja nicht glauben, dass darin Meisen brüten, aber er hatte recht: Beim Reinigen fand ich ein Gelege mit einer verendeten Meise.

Selbstgemachter Meisenknödel in Kokosnussschale. 
Ich hab's auch endlich geschafft, Meisenknödel aus Vogelfutter und Rindertalg selbst zu machen und musste den Gatten schon zwei Mal daran hindern, sie nicht für Nussplätzchen zu halten und zu essen. Für ihn sehen sie appetitlicher aus als die Meisen, denn die gingen da noch nicht ran. Ich befürchte, unsere Meisen sind Veganer.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea - vielen Dank für's Sammeln! Über's Einkaufen und Kochen in der vergangenen Woche berichte ich in der Kombüse. Bleibt zu Hause, bleibt gesund, passt auf euch und eure Lieben auf.

Donnerstag, 21. Mai 2020

Pulli im Rippenmuster aus Schoppel Admiral Hanf

Im Goodie Bag des letzten Yarncamps war ein Knäuel Schoppel Admiral Hanf in Malachit*, und ich verliebte mich auf Anhieb in Farbe und Garn. Es ist eigentlich ein Sockengarn, aber mir war schnell klar, dass ich daraus lieber einen Pullover stricken möchte. Dabei kommen auch die feinen Farbwechsel besser zur Geltung als bei Socken.

Pulli im Rippenmuster aus Schoppel Admiral Hanf in Malchit.
Das Garn besteht aus 67% Schurwolle (superwash, aus Patagonien), 23% Polyamid (biologisch abbaubar) und 10% Hanf. Ein 100 g Ball hat die für Sockenwolle typische Lauflänge von ca. 420 m. Das Garn ist für Nadelstärke 2 - 3 ausgelegt. Ich verstrickte es mit 3,5 und verbrauchte knapp 600 g.

Muster und Garn im Detail.
Anleitung und Muster stammen aus dem Magazin "Sabrina Special Plus Size S 2338", erschienen im Februar 2015. Daraus strickte ich auch schon diese Jacke.

Noch mal im Detail: Garn und Muster.
Durch das Rippenmuster ist der Pulli sehr luftig und leicht und nicht zu warm. Im Original wird er mit dickerem Garn und Nadelstärke 5 gestrickt. Das wäre mir zu dick und warm gewesen. Das Garn ist angenehm weich auf der Haut.

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Dienstag, 19. Mai 2020

Gehäkelte Herzen

Eine Zeitlang mochte Mudderns allerlei Baumelkrams für ihren Rollator wie diesen Taschenbaumler. Von jeder Reise musste ich ihr einen Schlüsselanhänger mitbringen. Die liebt sie ohnehin und hat sie an jedem Reißverschluss.

Häkelherzen mit Marshmellows.
Zum letzten Valentinstag häkelte ich ihr also zwei "Sweethearts" nach dieser Anleitung von YippieYippieYarn. Da ich die typischen Traubenzuckerbonsche, die zur Anleitung inspirierten, nicht fand, verzichtete ich auf's Besticken (nicht etwa, weil ich's nicht kann, is' klaa, nich?!).

Häkelherzen, zum Verschenken verpackt.
Dafür fand ich Marschmelonen Marshmellows im Glas und hatte damit auch gleich die passende Geschenkverpackung (nachdem ich mich selbstlos opferte und ein paar Marshmellows aß, damit die Häkelherzen Platz haben).

Die Häkelherzen sind prima zur Verwertung von Wollresten, in diesem Falle von dieser Häkelweste und von diesem Schal.

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Samstag, 16. Mai 2020

Samstagsplausch KW 20/20: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten IX

In dieser Woche war ich mehr in diesem Draußen als in den acht Wochen zuvor und merkte, dass mir neue Eindrücke abseits der gewohnten Wege doch fehlten. Wir sind mittlerweile seit neun Wochen weitgehend zu Hause; ich im Homeoffice, der Gatte in Kurzarbeit. Der Gatte ist einmal wöchentlich im "echten" Büro und ansonsten auf Abruf, während ich an meiner zum Schreibtisch umfunktionierten Werkbank arbeite, wenn im "echten" Büro nichts anliegt, was persönliche Anwesenheit erfordert.

Diese Woche war ich zwei mal im "echten" Büro, zufällig auch an dem Tag, an dem es unerwartete Entwicklungen gab. Da war es praktisch, dass wir uns kurz zu viert zusammensetzen und absprechen konnten. Das bedeutete aber auch, dass ich an einer spontanen Videokonferenz aus dem Büro heraus teilnehmen musste, mit dem Dienstrechner, auf dem die Software dafür nicht funktioniert.

Aber ich habe herausgefunden, wie ich mich mit dem Diensttelefon in einer Telefonkonferenz einwählen kann. Ein technikaffiner Kollege scheiterte daran, und deswegen dachten wir, das geht wohl nur auf Leitungsebene (als Sekretärin war das Einwählen in Telkos für die Blaumänner fast mein täglich Brot), aber nicht auf Arbeitsebene. Doch, es geht, wenn man sich erst in die Videokonferenz einwählt und wartet, bis die Software abstürzt. Dann bekommt man eine neue Telko-PIN, mit der die Einwahl klappt. Nimmt man gleich die erste Telko-PIN, klappt es nicht. Technik ist schon toll.

Wir konnten bei der Digitalisierung des Mammutprojekts einige Hürden nehmen, und vorgestern Abend ging ich beruhigt in ein langes Wochenende. Ich versuche aktuell ja, Überstunden abzubauen, aber die kommen schneller zusammen, als ich sie abbauen kann, obwohl eigentlich weniger los ist.

Dass ich zwei Tage im "echten" Büro war, lag am Gatten, denn der wollte unbedingt mal wieder einen Einkaufsbummel machen, und so nahm ich ihn im Auto in die Innenstadt mit, damit er nicht den ÖPNV nutzen musste.

Seit Mittwoch können zwar alle Geschäfte unabhängig von der Größe wieder öffnen, aber nicht alle setzten das so schnell um, und so fand der Gatte den Stadtbummel bedrückend und entnervend. Er musste erstmal eine Stunde überbrücken, denn die Geschäfte öffnen erst um 11 Uhr statt wie sonst um 10 Uhr. Erfolgreich war der Bummel dennoch: Wir haben jetzt das Lego-Minions-Set!

Sonnabend war ich nach acht Wochen das erste Mal wieder im großen Einkaufszentrum. Ich mag Einkaufsbummel schon zu normalen Zeiten nicht, aber jetzt mag ich sie noch weniger. Mich nerven die Schlangen vor den Geschäften, die Einbahnstraßenregelungen im Zentrum und in den Geschäften und das Masketragen. Dennoch ist mir das allemal lieber, als online zu bestellen, was ich möglichst vermeide. Aber Einkaufen bleibt einfach anstrengend (und wird es sicher noch für viele Monate bleiben).

Sonntag waren wir nach 12 Wochen endlich mal wieder bei Mudderns. Das war schön! Sie lehnte bislang alle Besuche wegen der Ansteckungsgefahr ab, wünschte sich jetzt aber, dass wir zum Muttertagsfrühstück kommen. Normalerweise wären wir brunchen gegangen, aber das war noch nicht möglich. So brachten wir dann alles mit. Sie hält sich tapfer. Aber sie ist auch gebrechlicher als vor 12 Wochen.

Schön war auch die Fahrt über Land zu Mudderns, die anderen Eindrücke abseits der gewohnten Wege wie blühende Rapsfelder. Die sehe ich besonders gerne, und die fehlten mir in diesem Jahr.

Der Tapir ist der Maßstab.
Andere Eindrücke gab's auch gestern bei Hagenbeck. Tante wünschte sich einen Zoobummel, nachdem das seit letzter Woche wieder möglich ist. Maximal 2.000 Besucher dürfen gleichzeitig auf's Gelände. Es gibt die Bitte, Nies- und Hustenetikette einzuhalten (was kaum gemacht wurde), Masken zu tragen (was kaum gemacht wurde), Abstand zu halten (Kinder liefen kreuz und quer, rempelten dabei auch gerne mal alles an, was im Weg war, wie die Tante mit dem Rollator). Rücksichtnahme gab's kaum.

Die Restaurants sind geschlossen, aber die Sitzmöbel stehen draußen und wurden ohne Rücksicht auf Abstand belegt. Die Imbisse sind geöffnet, man soll aber im Umkreis von 50 m nichts verzehren, nur stehen da halt auch Sitzmöbel ...

Vor beliebten Attraktionen wie den Elefanten oder dem Eismeer bildeten sich trotz Aufsicht schnell größere Gruppen, und überhaupt waren hauptsächlich Gruppen unterwegs: Befreundete Familien aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein, nach den Gesprächen untereinander anscheinend Eltern mit ganzen Kita-Gruppen. Wer braucht schon Kontaktbegrenzungen auf zwei Haushalte?! Corona ist doch vorbei!

Bei uns läuft aktuell jeden Tag mindestens einmal die Spülmaschine. Wir brauchen mehr Geschirr, weil wir ja den ganzen Tag zu zweit zu Hause sind und weil ich öfter backe als sonst. Das heißt, morgens doppeltes Frühstücksgeschirr (der Gatte frühstückt sonst im Büro), mittags Geschirr (wir essen sonst beide im Büro), nachmittags jeden Tag Teegeschirr (statt sonst nur am Wochenende) und natürlich das übliche Geschirr zum Abendessen.

Gefühlt läuft auch täglich die Waschmaschine, obwohl wir weniger Kleidung brauchen, weil die Freizeitkladage reicht. Aber da ich ohnehin zu Hause bin, lasse ich den Wäscheberg nicht so stark anwachsen wie sonst, denn ich kann zwischendrin ja immer mal eine Maschine waschen. Und ich nutze die Zeit, um Wolldecken oder Vorhänge zu waschen, was ich sonst nur im Urlaub mache.

Der Stepper wurde diese Woche fast täglich genutzt, denn meine Beine bekamen bis auf den Ausflug "nach Hagenbeck" wieder viel zu wenig zu tun. Das Freiluft-Kursabgebot unseres Turnvereins wird mehr, aber bislang passte es noch nicht mit meinen Arbeitszeiten - und dann sind da ja auch noch die gesundheitlichen Einschränkungen durch die seit Januar andauernden Wechseljahrsbeschwerden, die viel Bewegung verhindern.

Das Kursprogramm für die kommende Woche liegt dennoch schon mal ausgedruckt hier, und wenn ich merke, ich kann nicht mehr, kann ich ja gehen. Nur ist da dann das schlechte Gewissen, dass ich einen der raren Plätze beanspruche, ihn dann womöglich nicht komplett ausnutze und ihn jemandem wegnehme, der nicht eingeschränkt ist ... Irgendwas ist ja immer.

Ansonsten schlafen wir noch immer viel und sind grundsätzlich erschöpft, aber in dieser Woche klappte es zumindest einigermaßen mit einem gemeinsamen Tagesablauf. Und ich bekam einen langen handgeschriebenen Brief von einer lieben Freundin, um die ich mir schon Sorgen machte, weil ich weder auf die Oster- noch auf die Geburtstagskarte etwas hörte, was untypisch ist. Aber es ist den Umständen entsprechend alles in Ordnung, und ich werde im Laufe des Wochenendes mit einem langen Brief antworten.

Mit den Strick-Ufos geht's voran. Aktuell stricke ich eine Jacke und merkte beim rechten Vorderteil immerhin schon nach neun Reihen, dass ich gerade ein zweites linkes stricke ... Die Strickliste wächst dennoch unaufhörlich: Ich habe zu viel Zeit zum Stöbern, sehe zu viele neue Projekte, und der Gatte braucht weitere Hütten- und Handschuhe - krankheitsbedingt sind Füße, Beine und Hände auch bei tropischen Temperaturen oft kalt.

Was mir erst diese Woche richtig auffiel, ist der fehlende Flugverkehr. Im Hamburger Westen gehören wir zu Einflugschneise, und insbesondere bei Schwiegermutter merkt man das sehr. Aber seit Wochen ist paradiesische Ruhe. Das ging so weit, dass Tante gestern erstaunt "Was ist das denn für ein Geräusch?!" fragte, als über uns ein Flieger war.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea - vielen Dank für's Sammeln! Über's Einkaufen und Kochen in der vergangenen Woche berichte ich in der Kombüse. Bleibt zu Hause, bleibt gesund, passt auf euch und eure Lieben auf.

Mittwoch, 13. Mai 2020

#12von12 im Mai 2020

Caro von "Draußen nur Kännchen" sammelt wie jeden Monat am 12. des Monats 12 Impressionen des Tages - vielen Dank dafür! Hier kommen meine Mai-Bilder.

#1: First things first: Noch vor dem Frühstück die frischgewaschenen Masken aufhängen.
Ich habe frei, weil ein Ausflug geplant war, der angesichts des Wetters aber verschoben wurde. Ausschlafen ist dennoch nicht, denn der Gatte hat vor Tau und Tag einen Arzttermin. Dafür gibt's Brötchen zum Frühstück.

#2: Frühstück.
#3: Während wir auf dem Balkon frühstücken, verteidigen im Baum gegenüber zwei Amseln ihr Nest gegen ein Eichhörnchen.
Da der Ausflug ausfällt, wird's ein fauler Tag. Mir juckt es immer wieder in den Fingern, zu arbeiten, so sehr bin ich inzwischen die Heimarbeit gewohnt, aber ich lasse das Dienst-Laptop zusammengeklappt.

#4: Mindestens einmal am Tag muss die Spülmaschine aus- und eingeräumt werden. Hier wartet das Geschirr auf die Reinigung.
Aber auch wenn ich eigentlich frei habe, verfolge ich mittags die LPK, weil die Senatsbeschlüsse für mein Mammutprojekt wichtig sind.

#5: Ich fertige stoisch weiter Masken aus alten T-Shirts an.
#6: Ratzfatz gemacht ist eine Maske aus zwei T-Shirt-Ärmeln.
Zwischendrin wasche ich zwei Maschinen Wäsche. Gefühlt laufen täglich jeweils mindestens einmal die Spülmaschine und die Waschmaschine.

#7: Lesen* und dabei ganz sicher kurz wegnicken.
#8: Teezeit. Hier geht's zum Rezept.
#9: Das wird das Abendessen. Hier geht's zum Rezept.
#10: Füße hoch und stricken. Das Oberteil, das ich letzten Dienstag annadelte, kette ich heute ab.
#11: Verblühte Schönheit.
#12: Vorm Einschlafen noch etwas lesen*.
Die Rezepte zum Tag gibt's wie immer in der Kombüse.

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Samstag, 9. Mai 2020

Samstagsplausch KW 19/20: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten VIII

Wir sind inzwischen die achte Woche weitgehend zu Hause. Der Gatte und ich waren je einen Tag im "echten" Büro. Die anderen Tage arbeite ich zu Hause, während der Gatte auf Abruf ist.

Ein gemeinsamer Tagesablauf ist schwierig, denn auch wenn ich zu Hause bin, arbeite ich doch und kann nicht mal eben spontan irgendwohin fahren, einkaufen, spazieren gehen, bummeln, was auch immer. Wenn wir auf den Markt fahren, kann ich die Mittagspause vorziehen, aber mehr eben auch nicht, und Überstunden abbummeln kann ich nur, wenn dem keine dienstlichen Belange entgegenstehen. Das sorgt manchmal für Unverständnis und Gezicke, weil "Du bist doch zu Hause und sitzt nur rum" - ja, am Schreibtisch, um zu arbeiten.

Ich kann gut verstehen, warum eine Kollegin gar nicht erst die Möglichkeit nutzte, zu Hause zu arbeiten, eine zweite schneller als gedacht zurückkehrte, nachdem ihr Mann in Heimarbeit ging, und ein Kollege sich nach sechs Wochen Heimarbeit nebst Kinderbetreuung ebenfalls entschloss, wenigstens die zwei Tage in der Woche im "echten" Büro zu arbeiten, an denen seien Frau sich um die Kinder kümmern kann.

Ich bin aber nach wie vor entschlossen, solange wie möglich so viel wie möglich von zu Hause aus zu arbeiten - momentan bis zum 30. Juni (und vermutlich wenigstens einen Tag pro Woche auch länger, denn ich habe bis auf Weiteres einmal die Woche eine Telefonkonferenz, und selbst das ist mit den Telefonen im "echten" Büro nicht möglich - für die Videokonferenzen nutzen wir ja schon länger die Privatrechner).

Ein ärgerliches Missverständnis gab's mit dem Chef. Wir kommunizierten diese Woche nur im Stille-Post-Prinzip, und dann musste alles schnell, schnell gehen, so dass ich erst merkte, dass wir völlig aneinander vorbeiredeten, als schon fast die Druckmaschinen liefen. Einmal zu dritt miteinander zu sprechen, womöglich noch persönlich, hätte die Kommunikation erheblich vereinfacht. So gab's an vielen Stellen Verärgerung und Mehrarbeit. Das Ergebnis entspricht zwar dem Wunsch von Chef und Chefin, ist aber gelinde gesagt suboptimal. Was soll'. Letztlich bin ich Indianer, nicht Häuptling.

Zum Glück klappt die Kommunikation zum gemeinsamen Projekt mit dem meistens fast 100 km entfernt arbeitenden Kollegen besser. Wir sprechen uns telefonisch darüber ab, was zu tun ist, ich mache einen Entwurf, maile ihm den zu, und dann telefonieren wir wieder. Direkte Kommunikation, keine Stille Post.

Hier sind die verabschiedeten Lockerungen deutlich spürbar. Die Straßen sind voller, ebenso das Parkhaus beim Büro. Ich war völlig verblüfft, dass der Parkplatz direkt am Ausgang, den ich sieben Wochen lang problemlos bekam, plötzlich belegt war, ich ein paar Stockwerke höher fahren und suchen musste, andere Fahrer ebenfalls Runden drehten. Der überteuerte Parktarif ist auch wieder normal, eine Zeitlang war er halbiert.

Die Nachbarskinder spielen wieder haushaltsübergreifend miteinander, nicht mehr alleine oder mit Geschwistern. Da kehrt also auch langsam wieder so was wie Normalität ein, was mich freut, auch, wenn uns jetzt das Vogelgezwitscher fehlt, und man, wenn drei bestimmte Jungs miteinander spielen, sein eigenes Wort nicht mehr versteht, weil die frei drehen. Schon klar, warum ihre Eltern nicht wollen, dass die vor der eigenen Terrasse / dem eigenen Balkon spielen.

Ich fühle mich meistens erschöpft, auch, weil acht Wochen nach der OP das versprochene Ergebnis noch immer ausgeblieben ist, die Beschwerden andauern. Zusammen mit dem, was ich ohnehin schon  an Betreuung wuppen muss, und dem seit vier Wochen heftigem Asthma, das schlaflose Nächte bedeutet, ist mir das einfach zu viel.

Ich überlege, ob ich noch zu einem dritten Arzt gehe, nachdem zwei Ärzte die OP als gelungen betrachten und meinten, die letzten Beschwerden würden sich mit dem Ende der Wechseljahre geben. Nur bis dahin kann es noch bummelig 15 Jahre dauern, und nach fast einem halben Jahr Dauerbeschwerden hätte ich gerne eine finale Lösung, die mir wieder mehr Freizeitaktivitäten ermöglicht als lesen und stricken. Sport wäre auch mal wieder schön. Andererseits, solange eh noch alles geschlossen ist ...

Im Rahmen meiner eingeschränkten Möglichkeiten versuche ich mich an Sport zu Hause, nutze die Videos unseres Sportvereins, so weit es eben geht, und das Theraband, habe auch wieder den Stepper hervorgeholt, denn meine Beine bekommen momentan viel zu wenig zu tun.

Der Gatte redet viel über unseren Jahresurlaub im Herbst, aber ich mag noch gar nicht so weit im Voraus planen. Mallorca haben wir sehr früh gestrichen wegen Schwiegermutters Umzug. Stattdessen soll's nach Dänemark gehen, in ein ganz bestimmtes Haus, aber solange die Grenzen noch dicht sind, können wir nicht buchen. Und dann ist ja auch noch ungewiss, wann Schwiegermutter umzieht.

Ich gehe allerdings nicht davon aus, dass wir in diesem Jahr verreisen können, schon gar nicht außerhalb Deutschlands, sondern rechne mit weiteren Infektionswellen. Mit Ausgangsbeschränkungen und Maskenpflicht habe ich auch keine Lust zum Verreisen, von meinen aktuellen gesundheitlichen Einschränkungen mal abgesehen. Vielleicht sollte wir auch besser die Dänischlehrbücher und mein Dienst-Laptop mit in den Urlaub nehmen - falls die Grenzen wegen einer neuen Infektionswelle wieder geschlossen werden, können wir die Zeit sinnvoll nutzen.

Das Maskengedöns hat sich bei uns ganz gut eingespielt, auch wenn ich gestern kurz überlegte, mich wegen meines Asthmas befreien zu lassen, weil ich kaum Luft bekam. Frische Masken hängen an der Haustür, gebrauchte Masken kommen in einen Stoffbeutel im Bad, und jedes Mal, wenn ich Handtücher wasche, wandert der Beutel mit in die Maschine.

Wir haben zwar aktuell nicht so einen hohen Handtuchverbrauch wie zu den Zeiten, in denen wir zwei Mal in der Woche zum Sport gingen, aber da wir nur eine kleine Maschine und viele Masken haben, geht's. Nebeneffekt: Unsere Stoffbeutel werden endlich mal regelmäßig gewaschen.

Ansonsten: Dankbarkeit anlässlich des gestrigen 75. Jahrestags der Befreiung vom Faschismus, des heutigen 70. Jahrestages der EU und des Umstandes, dass wir Schwiegermutters hohen Geburtstag gemeinsam feiern konnten, wenn auch anders, als geplant.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea - vielen Dank für's Sammeln! Über's Einkaufen und Kochen in der vergangenen Woche berichte ich in der Kombüse. Bleibt zu Hause, bleibt gesund, passt auf euch und eure Lieben auf.

Donnerstag, 7. Mai 2020

Handgenähte Masken

Wie im letzten Samstagsplausch schon beschrieben, fing ich letzte Woche an, Masken mit der Hand zu nähen.

Masken mit Cupcakes.
Der Stoff, ein Gewinn bei Elfis Kartenblog, ist ein richtiger Hingucker und reichte genau für sechs Masken. Auf der Rückseite ist pinkfarbener T-Shirt-Stoff.

Mit dem Nahtband musste ich improvisieren, dann viel Auswahl gab's in den wenigen Geschäften, die Kurzwaren führen, nicht. Das weiße hatte ich noch im Vorrat, ebenso wie die Gummilitze, denn die ist hier auch vergriffen, und die Noodles, die es als Ersatz gibt, halten keine 60°C-Wäsche aus.

Ich habe inzwischen oft gehört und gelesen, dass viele statt Gummilitze Haargummis nehmen, aber entweder haben die andere Ohren oder andere Haargummis - meine Haargummis passen jedenfalls nicht über unsere Ohren.

Die werden uns wohl noch einige Monate begleiten ... 
Mir gefällt dieser Maskentyp am Besten, aber er hat seine Tücken: Die Brille, die ich normalerweise trage, beschlägt, rutscht und fällt von der Nase, wenn ich den Kopf senke. So heißt es also, entweder die Brille mit dem größeren Gestell zu tragen oder das Sportbrillenband verwenden. Damit alles passt, nehme ich die Brille ab, setze die Maske auf und dann die Brille samt Sportbrillenband - es ist jedes Mal ein elendiges Getüddel. Nützt ja nichts.

Dieser Beitrag geht rüber zur Linkparty Du für Dich am Donnerstag. Vielen Dank für's Sammeln!