Sonntag, 1. Februar 2026

Samstagsplausch KW 05/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCVII

Nachdem ich einen Tag schlichtweg nicht wach wurde, einfach nicht die Augen aufbekam und erst mittags einigermaßen funktionsfähig war, hatte ich zwei Tage, an denen ich gut funktionierte und konzentriert arbeiten konnte. Leider dauerte dieser Zustand eben nur zwei Tage an, schleppe ich mich wieder übermüdet und ohne Konzentration irgendwie durch den Tag. Aber an den beiden Tagen, an denen ich gut funktionierte, arbeitete ich sehr effektiv, schaffte im Büro einiges weg. Da beginnt jetzt die heiße Phase, und zudem wird bei meinem Projekt einiges umstrukturiert, müssen Entscheidungen getroffen werden für die kommenden Jahre. Da sollte ich bei einigermaßen klarem Verstand sein, und das genau fällt mir ja schwer.

Diese Woche hatte ich zwei sehr trubelige Tage im Echtbüro, und ich überlege, ob ich meine Bürotage tausche oder wieder öfter ins Echtbüro fahre. Vielleicht tut mir das gut. Noch kämpfe ich aber damit, dass es morgens noch dunkel ist, wenn ich aus dem Haus muss. Nachmittags merke ich inzwischen, dass es länger hell ist, musste schon öfter die Zeitschaltuhr anpassen. Ich mag ja nicht in ein dunkles, leeres, stilles Haus kommen. Die Zeitschaltuhr sorgt dafür, dass es im Esszimmer hell ist, wenn ich nach Hause komme. Gegen Stille und Leere hilft sie nicht.

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 307.

Ich bin immer noch am liebsten für mich alleine und pflege meine Depression, auch wenn ich weiß, dass das kein Zustand ist. Manchmal kommt ein My von Aktivismus durch, aber der Moment ist meistens schnell wieder vorbei. Dementsprechend verbrachte ich das Wochenende auch wieder strickend im Relax-Sessel. Eigentlich wollte ich heute ins Kino und danach zum Gatten, aber mir fehlt jegliche Kraft.

Kassensturz im Wollsparglas: Im Januar erstrickte ich stolze 33 Euro!

Heute habe ich Kassensturz im Wollsparglas gemacht und stolze 33 Euro für Januar gezählt! Meine Depression ist echt produktiv. Ich bin gespannt, wie viel es am Ende dieses Monats wird. 

Ich habe mich nach langem Überlegen entschlossen, bei der Innocent-Aktion "Das große Stricken" mitzumachen. Gezögert habe ich, weil ich die Idee zwar lustig, aber wenig nachhaltig finde, denn ich vermute, nach dem Kauf werden die Mützchen einfach weggeworfen. Ich habe aber so viele kleine Wollreste, mit denen ich nichts anfangen kann, so dass ich dann doch anfing, Mützchen zu stricken. Ja, ich weiß, ich kann kleine Wollmengen als Füllwatte verwenden, aber ich habe mehr Füllwatte als ich in absehbarer Zeit brauche und will in dem übervollen Haus nicht anfangen, auch noch kleine Wollreste zu sammeln für den Fall, dass ich irgendwann mal Unmengen an Füllwatte brauche. Für ein Mützchen brauche ich übrigens knapp fünf Gramm Wolle. Inzwischen sind sieben Stück fertig. Mal gucken, ob es noch mehr werden. Mein Fokus liegt ja nach wie vor auf Mützen für die Lübecker Seemannsmission. Da sind inzwischen dreizehn fertig. 

Die Mutter einer Freundin wurde beerdigt, und die einer anderen kam gerade zum Sterben nach Hause. Ich merke, dass ich mit der Trauer der anderen noch weniger umgehen kann als mit meiner eigenen. Das ist untypisch für mich. Es wird Zeit, dass die Brut der Freundinnen für Enkel sorgt, dass es wieder neues Leben gibt, aber die Brut ist enkelfaul. Bislang ist nur eine Freundin Großmutter. 

Gestern war der erste Schabbat seit 2014 (sic!) ohne israelische Geiseln in Gaza. Nach 843 Tagen kehrte nun auch die letzte Geisel Ran Gvili nach Hause. Der 24jährige wurde am 7. Oktobers 2023 von der Hamas ermordet. Die Uhr am Tel Aviver Platz der Geiseln abgestellt, die die Zeit zwischen dem Hamas-Überfall und der Rückkehr aller Geiseln zählte, wurde abgestellt. Ich habe inzwischen die gelben Schleifen von meinen Seiten entfernt.

Angesichts des Winters bin ich einmal mehr froh, dass wir eine neue Haustür haben und den Windfang behielten. Ansonsten hätten wir im Hausflur nur knapp zweistellige Temperaturen. Wenn der Winter vorbei ist und ich wieder ein wenig Kraft habe, muss ich mich um die Fenster kümmern, denn es zieht wie Hechtsuppe. Ich werde es erstmal mit neuen Dichtungen versuchen.

Eigentlich hatte ich diese Woche einen Termin bei der örtlichen Rentenberaterin zur Kontenklärung, aber sie wurde krank. Ich muss kommende Woche mal nachhaken, ob sie schon wieder da ist. Ich brauche ihre Hilfe auch bei der Witwenrente, denn die Krankenkasse verschlampte ein Formular. So ist noch immer noch klar, ob ich Witwenrente bekomme und wenn ja, in welcher Höhe. 

Vor einem Jahr begann es dem Gatten immer schlechter zu gehen, so dass mir aktuell jedes WMDEDGT, #12von12 und #PMDD sehr weg tut. Dem Gatten ging es ja schon seit Oktober 2020 gesundheitlich kontinuierlich schlechter, und am 12. Oktober 2020 schrieb ich hier zum ersten Mal darüber. Auch wenn die Erinnerungen schmerzen, habe ich das Gefühl, die drei Reihen helfen mir. Ansonsten habe ich ja jederzeit die Möglichkeit, damit aufzuhören. 

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Sonntag, 25. Januar 2026

Samstagsplausch KW 04/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCVI

Gestern Abend war ich bei Freunden zum Essen eingeladen. Der Abend war schön, aber emotional schwierig. Es gab Raclette / Fondue / heißer Stein, und ich musste an das Treffen denken, als ich vor 25 Jahren den Freunden den Gatten vorstellte. Auch das war ein schöner Abend mit Raclette / heißem Stein. Der Gatte lachte noch Jahre später bei der Erinnerung daran, dass der heiße Stein Feuer fing und er mit zwei von einem Zimmerbrand überforderten Feuerwehrleuten am Tisch saß. Die beiden Freunde feiern im Herbst silberne Hochzeit. Ein halbes Jahr später hätten der Gatte und ich sie feiern können. Nun bin ich alleine. Die Kinder der Freunde sind 24, 22 und 19 Jahre alt. Unsere wären 21 und 19 Jahre alt.

Heute wollte ich eigentlich mit ein paar Deerns aus der Strickgruppe nach Hamburg ins Strickkino, merkte aber noch rechtzeitig, wie sehr mich der gestrige Abend erschöpfte und blieb zu Hause. Immerhin hatte ich die Kraft für eine Abholerin, die eine Menge Umzugskartons mitnahm. So habe ich wieder Platz im Gartenhäuschen. Und ich habe es geschafft, Wäsche zu waschen, bevor ich keine Unterwäsche mehr gehabt hätte. Haushalt und Selbstfürsorge fallen mir schwer. Stattdessen pflege ich meine Depression. Das klappt gut.

Alleinsein, Stille und Leere machen mir weiterhin zu schaffen. Es gibt jeden Tag unzählige Momente, die ich gerne mit dem Gatten teilen würde, unzählige Gedanken an etwas, das ihm sehr gefallen hätte, das er gerne mit mir geteilt hätte. Stattdessen beschäftige ich mich mit Bestattungsvorsorge, Patientenvollmacht, Mitgliedschaft in der DGHS, Einrichtung eines Treuhandkontos für Beerdigungs- und Grabpflegekosten ... Langsam habe ich alles so formuliert und zurechtgebastelt, dass es für mich passt und umgesetzt werden kann bei Notar und Bank. 

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 306. 

Diese Woche habe ich es endlich zum Friedhof geschafft, denn das Grab ist ja schon seit vier Wochen fertig. Es ist sehr schön geworden, und der Gatte hat definitiv regelmäßigen Hasen-Besuch. Ich musste ihm ein Grab mit Hasen-Besuch versprechen und bin froh, dass ich das Versprechen halten konnte. 

Im Büro ist Aufregung, weil sich einige der Böberen sehr wichtig nehmen. So muss jetzt jeder Urlaubsantrag der Amtsleitung vorgelegt werden. Die Dame muss ihre Allmachtsphantasien ausleben. Sie neigt dazu, Mitarbeiter vorzuführen und bloßzustellen, vor allem, wenn sie weiblich und intelligent sind. Ich gehe der Dame weitgehend aus dem Weg, inzwischen seit 13 Jahren, und bin gelassener als die Kolleginnen. Gelassen bin ich auch bei der aktuellen Büro-Situation, denn es soll geprüft werden, ob wir tatsächlich alle Büro-Räume nutzen, die wir haben. Die Abteilung, mit der wir uns die Etage teilen, möchte sich vergrößern. Bis auf zwei Glückliche, die ein Einzelbüro haben (ich bin eine davon), werden eh alle Räume mehrfach genutzt (anders als bei der Nachbarabteilung, wo es nur sehr große Einzelbüros gibt). Die beiden Einzelbüros haben wir nur, weil die Räume zu klein für zwei Schreibtische sind. Ich schätze den Luxus eines Einzelbüros sehr, hätte aufgrund meiner Behinderung auch einen Anspruch darauf, denke mir aber, dass ich zu alt für solchen Scheiß bin - und bis vor 13 Jahren war ich prekär beschäftigt, war es gewohnt, ohne festen Arbeitsplatz oder gar ohne Büro zu arbeiten, war oft froh, wenn an einem Küchentisch noch ein Eckchen frei war. Auch hier sehe ich die Aufregung meiner Kolleginnen sehr entspannt. Bis zur Rente dürften es noch sieben Jahre sein ...

Ansonsten hat sich die Schlagzahl im Büro langsam erhöht, wobei ich mich immer noch langsam wieder in meine Rolle als Projektleitung einfinden muss, mir Konzentration und Schlaf fehlen. Die Schlafstörungen begleiten mich weiterhin. Die Kollegin, mit der ich zusammenarbeite, ist eine tolle Unterstützung, hält alle Fäden nach wie vor in der Hand, behält den Überblick im Gegensatz zu mir, organisiert mein Chaos und ist gleichzeitig froh über jedes Fädchen, das sie abgeben kann. Ich habe zudem die unglaubliche Vorgabe, langsamer zu arbeiten. Das ist mir auch noch nicht passiert und fällt mir sehr schwer. Im Gegenteil: Ich habe immer den Eindruck, nicht schnell genug zu arbeiten.

Eine schöne Überraschung bereitete J. mir diese Woche. Sie fragte, ob ich "ein bisschen Sockenwolle" bräuchte. Nun bin ich gerade in der Ich-kann-keine-Sockenwolle-mehr-sehen-Phase, aber ja, für ein bisschen Sockenwolle findet sich noch ein Plätzchen, und dann sind da ja auch noch die Strickgruppe, die 91jährige dauerstrickende Nachbarin, eine Freundin ... Es kam dann erst die Warnung, es könne doch ein bisschen mehr Wolle werden, gefolgt von einem Fünf-Kilo-Paket! Die Sockenwolle ging dann direkt an die dauerstrickende Nachbarin, der Rest an eine Freundin, und zwei Glitzergarne behielt ich für mich - Glitzer kann man schließlich nicht widerstehen! 

Ich sitze immer noch am liebsten im Relax-Sessel und stricke, aber ich habe es geschafft, eine Balaclava zu stricken, die einen Channel Island Bind Off erfordert. Den zu verstehen, fiel mir sehr schwer, aber ich habe es geschafft! Als nächstes muss mein wattiges, depressives Hirn verschränkte Zunahmen lernen, aber zur Entspannung stricke ich jetzt erstmal eine weitere Fischermütze. Die dauerstrickende Nachbarin machte mir Mut, mein Gestricksel zu verkaufen - es gibt hier einen Laden, der das auf Provisionsbasis macht. Mal schauen.

Schwiegermutter fand jemanden, der ihr Taschentelefon programmierte und ihr die Funktion so erklärte, dass sie es bedienen kann - leider, denn aus irgendeinem Grunde sieht sie angeblich ständig meinen Namen und meine Nummer im Display und ruft mich täglich zu allen möglichen und unmöglichen Zeiten an. Dabei hatte ich mir gerade abgewöhnt, mein Telefon ständig stumm zu schalten ... Der Jemand, der ihr das Telefon einrichtete, hat angeblich auch ein Wundergerät, mit dem Schwiegermutter wieder lesen kann, aber das Gerät ist sehr teuer, darf nur im Regal stehen, weswegen sie gerade Bücher und CDs wegwarf, und sie soll ihren Augenarzt fragen, ob die Krankenkasse einen Teil der Kosten übernimmt. Ich habe nicht weiter nachgefragt, was das für ein Wundergerät ist, denn ihrer Erklärung könnte ich eh nicht folgen. Entweder, das Teil taugt was, oder nicht, und wenn es nichts taugt, ist sie eh keinen vernünftigen Argumenten zugänglich, sie wird wieder mal abgezockt. Ich vermute, letzteres. Ansonsten möchte sie, dass ich jeden Sonntag zu ihr zum Essen komme. Ja, nee, is klaa. Am Grab des Gatten zeigt sie kein Interesse mehr, und beim Haus interessiert sie nur, ob ich das endlich fertig habe, ob das Gästezimmer für sie bezugsfertig ist.

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Sonntag, 18. Januar 2026

Samstagsplausch KW 03/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCV

Diese Woche brachte eine schöne Überraschung: Das neue Kochbuch* von Shermins Magischer Kessel flatterte zur Rezension ins Haus! Ich freue mich schon auf's Nachkochen!

Shermins neues Kochbuch* ist ideal für die Verpflegung an meinen Echtbüro-Tagen.

Ansonsten war die Woche ruhig und ereignislos. Ich kämpfe mit Stille, Leere. Trauer und Schlaflosigkeit. Aktuell schlafe ich bis maximal 0:30 Uhr, liege dann bis fünf Uhr wach, bevor ich so fest einschlafe, dass ich alle Wecker überhöre. Das ist kräftezehrend und trägt nicht gerade zur Arbeitsfähigkeit bei, wo ich ohnehin mit Konzentrationsproblemen kämpfe. Zum Glück ist es immer noch einigermaßen ruhig, und da wir inzwischen angewiesen sind, unsere Klapprechner jeden Tag mit nach Hause zu nehmen, konnte ich mich an einem Echtbüro-Tag krankmelden, ohne am kommenden Heimbüro-Tag außer der Reihe nach Hamburg fahren zu müssen. 

Ich sitze immer noch am Liebsten im Relax-Sessel, stricke und gucke in den Garten. Meine Depression ist also weiterhin produktiv. Ich habe ein Paar Socken für eine der beiden Sandkasten-Freundinnen fertig und einen Drachenschwanzschal. Zumindest ist mein Watte-Hirn wieder in der Lage, Strick-Anleitungen zu verstehen, sieht mein Ergebnis so aus wie das auf der jeweiligen Abbildung.

Zu allen anderen Aktivitäten muss ich mich zwingen. Da ich keine Verabredungen hatten, den einzigen Termin wetterbedingt absagte, konnte ich neben der Arbeit in den Tag hinein leben. Eigentlich wollte ich endlich zum Friedhof, mir das fertige Grab ansehen, aber ich konnte mich einfach nicht aufraffen. Bis heute konnte ich mich immerhin noch mit dem Wetter herausreden, aber seit heute gilt das nicht mehr, muss ich mir eingestehen, dass mir einfach die Kraft fehlt. Der Gatte fehlt mir einfach in jeder Minute.

Die Kraft fehlt mir auch, um mich weiter um den Nachlass des Gatten zu kümmern. Die schiere Masse überfordert mich einfach. Da ist es einfacher, nur im Sessel zu sitzen und zu stricken ... Da sehe ich wenigstens ein Ergebnis.

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 305. 

Der Kammerjäger war zum vorerst letzten Mal da. Ich überlege jetzt, ob ich die Köderboxen regelmäßig beködere, um zu verhindern, dass die Ratten wiederkommen. 

Ich sah durch Zufall, dass der überrechte Nachbar meinen Teil des Weges vor unseren Häusern fegte. Als ich mich bedankte, stellte sich heraus, dass er in den letzten Tagen immer gemeinsam mit dem rechten Nachbarn meinen Teil des Weges vom Schnee befreite, weil der Winterdienst oft erst nachmittags kam! Eigentlich soll der Winterdienst morgens gegen halb acht und abends gegen halb sechs kommen. Da morgens immer schon geräumt war und abends auch irgendwann, ging ich davon aus, dass es bi auf ein, zwei Mal klappt. Die Nachbarn schlugen mir jetzt vor, den Winterdienst zu kündigen, weil sie die paar Meter schnell mitmachen könnten. Ich bin noch nicht sicher, ob ich das möchte. Zumindest werde ich die Nachbarn im Sommer mal zum Grillen einladen. Das wollten wir schon lange machen. Ansonsten habe ich Probleme mit engen nachbarschaftlichen Kontakten, kenne das so nicht. Aber ich bin ja ohnehin ein bisschen soziophob, muss das langsam wieder ablegen. 

Die Einladung zur nächsten Mammographie ist endlich gekommen. Durch den Umzug fiel ich durch's Raster, die Einladung zum zugesagten Termin kam dann auch nicht an, weswegen ich mehrfach telefonierte. Jetzt scheint es aber wieder zu klappen. 

Die Jahresabrechnung der Stadtwerke kam, und wie erhofft, gab es eine Rückzahlung. Es machte sich bemerkbar, dass nicht mehr drölfzich PCs, Kühlschränke und Tiefkühler laufen. Mein Stromverbrauch ist zwar immer noch überdurchschnittlich hoch, vor allem für eine Person, wird sich aber hoffentlich langsam normalisieren. Und irgendwann werde ich hoffentlich auch das geplante Balkonkraftwerk haben. 

In sechs Wochen fahre ich nach Kopenhagen, zusammen mit A., die dankenswerterweise alles organisiert und plant. Ich konnte mich inzwischen immerhin aufraffen, einen Reiseführer zu lesen, um wenigstens ein bisschen was zur Ausgestaltung der Reise beitragen zu können. Das überfordert mich aber total. 

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Freitag, 16. Januar 2026

#12von12 im Januar 2026

Vor einem Jahr begann der Anfang vom Ende: Der 12. Januar 2025 war der Tag, bevor der Gatte in eine neunmonatige Krankenhaus-Odyssee mit acht OPs und einer tödlich verlaufenden Candidozyma auris-Infektion durch mangelnde Krankenhaus-Hygiene startete. 

#1: Ich mag nicht aufstehen müssen.

#2: Dem Gatten Guten Morgen sagen.

#3: Die Spülmaschine will ausgeräumt werden.

#4: Arbeiten.

Caro von "Draußen nur Kännchen" sammelt jeden Monat am 12. des Monats 12 Impressionen des Tages - vielen Dank dafür!

#5: Mir fielen Sterne vor die Füße.

#6: Der Wochenplan will aktualisiert werden.

#7: Ich glaube, da möchte ich jetzt nicht raus. Fotos und Schilderungen in den lokalen Foren zeigten, dass ich gut daran tat, zu Hause zu bleiben. 

#8: Auch dieses Jahr mache ich wieder bei #pollys100tagechallenge2026 mit. Allerdings entschied ich mich erst am 8. Januar dazu, nachdem ich am Vortag Wolle für ein Paar Freundinnen-Socken kaufte. Wolle für Geschenke nehme ich ungern aus dem Stash, sondern kaufe sie lieber neu, passgenau für die Beschenkte.

Heute ist Montag. Eigentlich wollte ich in einer langen Mittagspause schon mal einen Teil des Wocheneinkaufs erledigen, aber da sich die nächste Schlechtwetterfront ankündigt, bleibe ich zu Hause. 

#9: Teezeit mit Apfelpunsch und der halbfertigen zweite Freundinnen-Socke.

#10: Selbstfürsorge, auch wenn sie schwerfällt: Overnight Oats für zwei Tage im Echtbüro und Frühstück für den nächsten Tag.

#11: Abendessen: Flower Mushrooms mit Chinakohl. Das Rezept gibt's demnächst in der Kombüse.

#12: Das Schlafschaf hat sich einen Platz unter den Hasen des Gatten erobert, und natürlich wird vor dem Einschlafen noch etwas lesen*.

Der Blick zurück in die ersten sechs Corona-Jahre: Am 12. Januar 2020 war ich das letzte Mal vor Corona im Theater, nicht ahnend, dass es das letzte Mal sein würde. Am 12. Januar 2021 hatten wir noch die Hoffnung, dass der Gatte wieder gesund wird, hatte ich nach einem Jahr Pause einen grippalen Infekt, machte uns die Psychose meiner Mutter zu schaffen. Am 12. Januar 2022 begannen wir mit dem Renovieren des Schlafzimmers. Hätten wir gewusst, dass wir ein halbes Jahr später Hausbesitzer wären, ein Haus sanieren müssen, hätten wir uns das gespart ... Am 12. Januar 2023 wurde der Gatte nach einem Schlaganfall aus dem Krankenhaus entlassen. Am 12. Januar 2024 waren wir mit einem Jahr Verspätung umgezogen und lebten uns in der alt-neuen Heimat ein. Am 12. Januar 2025 hatte der Gatte noch zehn Monate zu leben. / *Affiliate links

Sonntag, 11. Januar 2026

Samstagsplausch KW 02/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCIV

Wetterbedingt konnte ich die ganze Woche im Heimbüro arbeiten, was mir ganz gut tat, zumal aufgrund der Erkrankung meiner Kollegin auch noch eine Besprechung verschoben wurde. Dafür hätte ich ins Echtbüro fahren müssen, denn dort liegen meine Unterlagen so ganz analog auf meinem Schreibtisch. Auf der anderen Seite fehlte es mir, unter Menschen zu sein. Ich muss mich zwar immer dazu zwingen, weil ich gerne alleine bin, aber ich weiß auch, dass mir das Alleinsein nicht wirklich gut tut. Da auch noch das Stricktreffen wetterbedingt abgesagt wurde, war ich viel für mich.

Stille und Leere im Haus sind schwer zu ertragen. Gegen die Stille lasse ich jetzt im ersten Stock den ganzen Tag das Radio laufen. So ist es, als wäre der Gatte noch da, säße in seinem Zimmer und gucke Harald-Lesch-Videos.

Im Büro ist es zwar ruhig, aber ich müsste mich um einige administrative Sachen kümmern, die an Fristen gebunden sind, müsste wieder meine Funktion als Projektleitung ausfüllen. Dafür fehlt mich aber total die Konzentration. Das wirkt sich auch auf's Bloggen aus. Mehr als im Relax-Sessel sitzen, stricken und in den Garten gucken, ist einfach nicht drin. Hätte der Relax-Sessel nicht nur eine Heizung, sondern auch noch eine Massagefunktion, würde ich vermutlich aus dem Teil nicht mehr aufstehen. Der Gatte hätte auch gerne die Massagefunktion gehabt, aber da hätte er bis zu 18 Wochen auf die Lieferung warten müssen. Als wir den Sessel kauften, war schon klar, dass er nicht mehr so lange leben würde, weswegen wir ein sofort lieferbares Ausstellungsmodell kauften.

Fly me to the moon ... Die Eis-Stalaktiten reichen inzwischen schon bis auf den Balkonboden und glitzern ganz zauberhaft in der Sonne, wenn sie sich denn mal zeigt.

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 304. 

Die Kammerjäger waren da, um die Köderboxen zu kontrollieren, und kommen nächste Woche wieder. Ich vermute ja, dass eher der strenge Winter den Ratten den Garaus macht als die Köder, die nur wenig angefressen waren. Ich hoffe, ich denke daran, die Kammerjäger zu fragen, wie ich Rattenbefall zukünftig vermeiden kann. Im Schuppen, in den sie sich einnisteten, war ja nichts Essbares, und trotzdem kamen sie, waren auch im Hochbeet. Vermutlich ist es das Sinnvollste, den kompletten Garten zu betonieren ... Sobald das Wetter es zulässt, muss ich den Schuppen ausräumen, desinfizieren und das von den Ratten genagte Loch schließen. Die dusseligen Biester nagten sich ja durch's Holz, anstatt die Spalte zu nutzen, die ohnehin da sind. 

Mir fehlt jeder Antrieb, mich weiter mit dem Nachlass des Gatten zu beschäftigen, Verträge zu kündigen oder noch mehr von seinen Sachen zu verkaufen. Diese Woche ging ein großes Paket an Momox, verkaufte ich eine Bandsäge. Ergebnis: Ein leeres Brett im Bücherregal und ein halber Quadratmeter mehr Platz im Keller - bei den Massen, die wir haben, aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. 

Eigentlich sollte auch einiges zum Sperrmüll, aber angesichts des Wetters stornierte ich den Termin am Mittwoch. Die Nebenstraßen sind aktuell kaum befahrbar. Dienstag kam zwar die Müllabfuhr noch durch, dann nicht mehr, und ich hatte keine Lust, den Sperrmüll aus dem Keller an die Straße und wieder zurück zu schleppen. Da die zerlegten Möbel, die zum Sperrmüll sollen, aus Konstruktionslatten gebaut wurden, befürchte ich ohnehin, dass die hiesige Müllabfuhr alles als Baustoff einstuft und nicht mitnimmt. Baustoffe muss ich selbst zum Müllumschlag fahren. Das möchte ich nicht bei der aktuellen Wetterlage.

Die internistische Endokrinologin schickte die Labor-Ergebnisse, mit denen sie zufrieden ist. Das ist sicher gut. Ich bräuchte dringend einen Termin bei der gynäkologischen Endokrinologen, um die Hormon-Ersatz-Therapie zu überprüfen, aber da ist so schnell nichts zu machen. 

Ich telefonierte lange mit Tante und der 91jährigen Nachbarin und kurz mit Schwiegermutter - Prioritäten halt. Tante bat mich, mich um ihren Nachlass und ihre Beerdigung zu kümmern, falls Schwiegermutter nicht mehr dazu in der Lage ist oder vor ihr stirbt. Der zu frühe Tod des Gatten bringt alles durcheinander, denn bislang war vorgesehen, dass der Gatte seine Mutter und seine Tante überlebt und sich darum kümmert. Jetzt ist es an mir, gibt es für die Generalvollmacht viel zu besprechen, müssen wir eine Strategie entwickeln, bei der sich Schwiegermutter nicht ausgebootet fühlt. Ich hoffe, Tante lässt sich Zeit mit dem Ableben, denn ich bin durch die Nachlässe meine Eltern und des Gatten noch mehr als gefordert. 

Gedanken mache ich mir über Generalvollmacht, Patientenverfügung und Co. für mich, denn mir fällt niemanden ein, der diese Verantwortung übernehmen könnte. Aber zumindest einen Krankenhauskoffer kann ich vorbereiten. Die letzten sieben Jahre haben gezeigt, dass man so was schneller braucht als man denkt.  

Die eMails des Gatten landen ja inzwischen in meinem Postfach, und so wurde ich auf diese Weltkarte aufmerksam. Seit zwei Tagen überlege ich, ob ich sie kaufen soll, wenn ja, in welcher Farbe, und ob ich in der Lage bin, sie an die Wand zu bringen. Immerhin schaffte ich es, den Griff des Kaminofens wieder anzuschrauben. Nächstes Projekt ist der Austausch eines Wasserhahn in der Waschküche -  der wartet auch erst seit drei Jahren ... Der Gatte sagte gerne, dass ich vor der Ehe mit Werkzeug umgehen sonnte, einen Werkzeugkasten hatte, aber mit der Unterschrift auf der Heiratsurkunde diese Fähigkeit verlor, und damit hat er recht. Er war handwerklich viel besser als ich, hatte im Gegensatz zu mir Spaß daran. Ich mache es nur, weil ich muss.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.