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| Seit gestern ist die Wolldiät vorbei. Ich habe ganz gut durchgehalten, stricke aktuell aber auch kaum. |
Diesmal war das Kino halb leer, aber trotzdem steuerten zwei Menschen auf die beiden Plätze neben mir zu. Ich erkannte darin eine Nachbarin und ihren Mann. Die Nachbarin ist die Tochter eines schon längst verstorbenen lieben Weggefährten, die ich seit vier Jahren ansprechen möchte, aber immer, wenn ich sie sah, war bei mir irgendwas, so dass ich sie nicht ansprechen konnte. Und sie erkannte mich nach der sehr langen Zeit, die wir uns nicht sahen, verständlicherweise nicht mehr.
Jedenfalls dachte ich, jetzt so drei Stunden neben ihr zu sitzen und ihr nicht zu sagen, wer ich bin, ist auch doof, und sprach sie an. Mich überflutete sofort eine Welle an Wärme und Umarmungen, denen fast unsere Nachos zum Opfer fielen. Sie sprach mich auf den Tod meiner Mutter an, war erschüttert, als sie vom Tod des Gatten erfuhr, bestand darauf, dass wir Telefonnummern austauschten, fragte, ob sie mich ansprechen dürfte, ob ich zu Veranstaltungen mitkommen möchte undundund. Nach dem Kino nahmen beide mich mit im Auto nach Hause (ich wollte zu Fuß gehen, aber keine Chance), und die Dialoge zwischen ihr und ihrem Mann ließen mich sehr an die Szenen einer Ehe zwischen dem Gatten und mir denken.
Heute Mittag klingelte es dann überraschend. Ich pflegte noch Sozialkater und Depression und war noch im Morgenmantel. Vor der Tür stand die besagte Nachbarin mit einem Blumengruß - wie lieb!
Ich würde alles dafür geben, hätte ich mich nach dem Film mit dem Gatten darüber austauschen können. Ich wüsste zu gerne, ob er ihn genauso wunderschön fand oder ob ihm der Film zu klamaukig war, an einen LSD-Trip erinnerte - ich tippe auf letzteres. Der Gatte hätte mir jedes Film-Zitat nennen können, aber weil mir dieses Wissen größtenteils fehlt, konnte ich einfach die schönen bunten Bilder und die Geschichte genießen.
Vorgestern war das monatliche Stricktreffen, das wieder sehr stärkend, empowernd, lustig und einfach schön war. Wir waren zwar wieder "nur" der harte Kern, aber das sind alles nette Frauen.
Ostermontag war ich mit einer der beiden Sandkasten-Freundinnen zum Trauerbesuch bei der anderen, deren Mutter an Karfreitag starb - erwartet, aber dennoch plötzlich und viel zu früh. Die Freundin hat sich sehr über unseren Besuch gefreut, auch wenn wir natürlich lieber einen fröhlicheren Anlass gehabt hätten, um uns wiederzusehen. Ich hatte Kuchen mit und ärgerte mich, dass ich die übrige Hälfte der Torta pasqualina zu Hause vergaß, denn die Freundin ist spindeldürr, kocht nicht selbst und isst viel zu wenig, gerade jetzt.
Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 317.
Die Trauer lähmt mich seit Ostern mehr als sonst schon. Ich bin ein einziges Tränenmeer, sobald ich alleine bin, schaffe es aber zum Glück meistens einigermaßen, mich in der Öffentlichkeit zusammenzureißen. Die Tränen brechen oft einfach ohne Anlass aus mir heraus. Der Gatte liebet diese Jahreszeit, besonders, seitdem wir im alt-neuen Haus leben. Er hätte auch diesen Frühling jede einzelne Hummel oder Biene, jeden Schmetterling, jede Blüte geradezu frenetisch willkommen geheißen. Dass es keinen Frühling mehr für ihn gibt, ist so unfassbar und zerreißt mich schier vor Traurigkeit. Seit Ostern will ich endlich im Garten arbeiten, aber es fehlt die Kraft. Die Kraft fehlt für so ziemlich alles. Ob sich das jemals ändert?
Seit 21 Wochen warte ich auf den Bescheid für die Witwenrente, seit 23 Wochen auf den Erbschein. Mit der zweiten Hausbank meiner Mutter bin ich jetzt klar. Ihr Nachlass ist noch nicht ganz final geregelt, aber ich könnte jetzt schon mal Kräfte sammeln und mich um die Witwenrente kümmern. Ich möchte endlich finanzielle Klarheit haben, um einige Arbeiten am Haus vergeben zu können.
Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.



