Sonntag, 28. Juni 2026

Samstagsplausch KW 26/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXXVIII

Die Hitze raubt mir aktuell jegliche Lust zum Bloggen. Außerdem ist im Büro gerade der Teufel los, und Tante hat Probleme mit ihrer Hilfe. Die Dame ist inzwischen so dreist, dass sie Tante unter Druck setzt, ein Testament zu ihren Gunsten zu unterschreiben. Das alte Testament sei angeblich ungültig, weil es den Gatten bedenkt, der ja nun verstorben ist. Nur ein neues Testament könne außerdem verhindern, dass Tante gegen ihren Willen ins Pflegeheim kommt. Sie hat eine befreundete Notarin ins Boot geholt, die ein Testament zu ihren Gunsten aufsetzte, das Tante nun unterschreiben soll. 

Tante will allerdings nicht unterschreiben. Tante will auch nicht, dass ich nach Dachau komme, um ihr beizustehen. Sie hat Angst, dass sie ihre "Hilfe" verliert, wenn sie nicht unterschreibt. Alles, was die "Hilfe" macht, also schwere Dinge wie Getränke einkaufen und Müll entsorgen, könnte auch jemand anderes erledigen. Ich würde mich darum kümmern, dass alles seriös geregelt wird. Aber Tante will nicht. Sie hat Angst, dass sie ohne diese "Hilfe" verloren ist, womöglich tagelang hilflos in der Wohnung liegt. Dass zwei Mal an Tag der Pflegedienst zu ihr kommt und sie im Ernstfall fände, dass Tante einen Notrufknopf hat, kommt nicht mehr bei ihr an, so groß ist die Angst.

Ihre "Hilfe" kommt sonntags für eine Stunde, nimmt sich eine Flasche Sekt aus dem Kühlschrank, setzt sich damit auf den Balkon und raucht. Ihr Mann sitzt währenddessen bei Tante im Wohnzimmer, daddelt auf dem Taschentelefon und guckt finster. Dann ist der Sekt ausgetrunken, wird der Müll eingesammelt und gegangen, nicht ohne vorher noch zu thematisieren, dass Tante ja bald stirbt und man ihre Wohnung auflösen werde. Auf manchen Gegenständen klebt sogar schon der Name der "Hilfe"!

Mich macht das total wütend, nur ich bin auch mit meinem Latein am Ende. Ich habe schon überlegt, die Polizei einzuschalten, aber es ist ja nichts passiert, und wenn das neue Testament unterschrieben ist, hat Tante das augenscheinlich freiwillig gemacht. Zeugen, dass es anders war, gibt es ja nicht. So bleibt mir nichts anderes übrig, als Tante sehenden Auges in ihr Unglück rennen zu lassen. Tante will nicht, dass ich beim Notar-Termin dabei bin, und sie will auch nicht, dass ich eine wirkliche Hilfe organisiere. 

Ich bin gespannt, ob Tante standhaft bleibt und nicht unterschreibt. 

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 328. Die Trauer bleibt meine Weggefährtin. Sie ist nur erträglich, wenn ich konsequent verdränge, dass der Gatte niemals wiederkommt. Das Leben ohne den Gatten ist unendlich schwer. Er fehlt in jeder Sekunde, bei jedem Atemzug.

Der Großfuß-Hase begleitet mich auf die Fahrt zur Schwiegermutter, die aufgrund eines verunfallten Milchlasters zweieinhalb Stunden statt einer halben Stunde dauerte. Die Rückfahrt ging zum Glück schneller.

Der Besuch bei Schwiegermutter, der diese Woche anstand, war auch wenig erfreulich, denn sie erzählte, dass bei ihr eingebrochen wurde. Ein Tresor wurde ausgeräumt. Das war leichtes Spiel, wer der Schlüssel steckte ... Die Einbrecher müssen aus ihrer Seniorenwohnanlage kommen, denn sie nutzten einen Generalschlüssel. Da zieht Schwiegermutter extra in eine Seniorenwohnanlage, um sicher zu sein, und dann das! 

Ansonsten kümmerte ich mich ein wenig um Schwiegermutters Papierkram. Viel ausrichten kann ich nicht. Sie lebt in ihrer eigenen Wirklichkeit, was durch die Demenz noch verschlimmert wird. Genau so wie Tante hat sie das Gefühl, ihr bleibe nicht mehr viel Zeit. Das ist traurig zu hören, und ich hoffe doch, beide täuschen sich.

Wenig überraschend, gab es auch diese Woche keinen Bescheid über die Witwenrente. An der Verzögerung beim Erbschein bin aktuell ich Schuld, denn ich hatte noch immer keine Kraft, die gewünschten Kopien ans Nachlassgericht zu senden. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse

Sonntag, 21. Juni 2026

Samstagsplausch KW 25/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXXVII

Von wegen, Sturm ist, wenn die Schafe keine Locken mehr haben. Sturm ist, wenn die Uhus vom Baum geweht werden. Kein Witz. Der Vogel guckte so verdutzt wie wir.

Mittelaltermarkt bei stürmischen Wetter mit verwehten Vögeln.

Sonntag war ich mit einer Freundin auf dem Mittelaltermarkt im benachbarten Wildpark, und wir nutzten die Chance, uns auch die Flugschau anzusehen. Der Uhu war nicht der einzige Vogel, der arge Probleme mit dem Sturm hatte. Auch der Weißkopf-Seeadler kam öfter vom Kurs ab. Am Besten kamen noch die beiden Bussarde mit dem starken Wind zurecht. 

Der Sonntag war das Highlight einen ausgesprochen anstrengenden Woche, emotional und überhaupt. 

Meine Kollegin ist inzwischen die dritte Woche krank, und ein Ende ist angesichts der Diagnose Long Covid nicht in Sicht (aber Corona ist ja nur 'ne Erkältung und überhaupt vorbei). Sie ist so schwach, dass ich anders als sonst noch nicht mal mehr mit ihr diskutieren muss, ob sie nicht vielleicht doch ein klitzekleines Bisschen trotz Krankschreibung arbeiten darf. Das Team versucht, sie aufzufangen, und das Team versucht, auch mich aufzufangen, denn ich arbeite aktuell buchstäblich für zwei. Noch schaffe ich es ohne viel Unterstützung, will die Unterstützung nicht überstrapazieren, denn ich falle ja demnächst durch die Reha ein paar Wochen aus. So, wie das Team tickt, wurde mein Vorschlag, die Reha zu verschieben, schneller abgelehnt als ich ihn aussprechen konnte. Wir hoffen alle, dass die Kollegin bald wieder an Bord ist. 

Ich denke aktuell immer an den letzten Sommer des Gatten, den er komplett im Krankenhaus verbringen musste. Das Krankenhaus ist nicht klimatisiert, außerdem war er oft in Isolation, also war kein Durchzug möglich, weil Fenster und Türen geschlossen bleiben mussten. Es gab kaum Verdunkelung, so dass die Hitze auch nicht wirklich draußen bleiben konnte. Er durfte aufgrund seiner diversen Erkrankungen maximal zwei Liter am Tag trinken. Es war eine Quälerei. Ventilatoren und Airflips* machten es etwas erträglich. 

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 327. Die Trauer bleibt meine Weggefährtin. Sie ist nur erträglich, wenn ich konsequent verdränge, dass der Gatte niemals wiederkommt. Das Leben ohne den Gatten ist unendlich schwer. Er fehlt in jeder Sekunde, bei jedem Atemzug.

In dieser Woche löste ich das Bankkonto des Gatten auf und schloss einen Vertrag über die Grabpflege nach meinem Tode ab. Es mag merkwürdig erscheinen, dass mir wichtig ist, wie das Grab nach meinem Tode aussieht, aber mich dauern ungepflegte, vergessene Gräber. Es beruhigt mich zu wissen, dass das Grab gepflegt wird, wenn ich wieder mit dem Gatten zusammen bin. Es mag ein wenig früh erscheinen, dass ich mich schon jetzt darum kümmere, aber Treuhandkonten für Grabpflege, Beerdigung und auch Steinmetzarbeiten sind zumindest nach aktuellen Recht Schonvermögen, dürfen also nicht angetastet werden, wenn Haus und Grund für Pflegekosten etc. gepfändet werden. Deswegen lege ich diese Konten jetzt an, wo noch alles Geld mir gehört. Sobald ich von der Reha zurück bin, werde ich ein Treuhandkonto für die Beerdigung anlegen (und falls notwendig, auch für die Steinmetzarbeiten). 

Die Autoversicherung des Gatten kündigte überraschend den Vertrag und sandte mir einen neuen. Man vergaß, mich darüber zu informieren, dass das passieren würde, weil ich den Wagen des Gatten auf mich ummeldete. Stattdessen sagte man mir, es ändere sich nichts; ein Jahr nach dem Tode des Gatten bliebe alles beim alten, weil ich ja die Versicherung fortführen würde, sie nicht gekündigt hätte. Was man auch vergaß mir zu sagen: Die Versicherung wird jetzt doppelt gezahlt, denn vom Konto des Gatten wurde der Betrag schon im Januar abgebucht. 

Kommende Woche werden endlich zwei Rollläden repariert. Dann habe ich im Arbeitszimmer endlich wieder eine ordentliche Verdunkelung, sind da hoffentlich keine 33 Grad und mehr. Außerdem werde ich nicht mehr durch den Sonnenaufgang wach, denn das Licht aus dem Arbeitszimmer fällt auch ins Schlafzimmer. 

Ich habe vielleicht eine Lösung für die Gartenbewässerung gefunden, die mittels Tank und Solar funktioniert. Ich bin gespannt. Ich möchte schon lange ein Bewässerungssystem, aber Aufwand und Kosten waren mir zu hoch. Wenn's klappt, ist die Bewässerung auch von Balkon und Vorgarten gesichert. Außerdem scheine ich eine unaufwändige Lösung für Solarstrom im Gartenhäuschen gefunden zu haben, die ich zur Rattenabwehr mittels Ultraschall nutzen kann. Auch hier bin ich gespannt. 

Ich habe eine Liste gemacht für die Handwerksarbeiten, die ich nach der Reha durchführen lassen möchte. Dadurch werden zwar weder Keller noch Gästezimmer (oder eines der anderen Chaos-Zimmer) fertig, aber das sind Arbeiten, die mir wichtig sind, und die sich mit relativ wenig Aufwand ausführen lassen. Mir fehlt einfach die Kraft für Keller, Dachboden und Chaos-Zimmer. Vielleicht ist sie nach der Reha da. Wenn nicht, ist es nicht schlimm, denn ich habe ja keinen Termin, bis zu dem alles fertig sein muss. 

Wenig überraschend, gibt es auch diese Woche keinen Bescheid über die Witwenrente. An der Verzögerung beim Erbschein bin aktuell ich Schuld, denn ich hatte noch keine Kraft, die gewünschten Kopien zu machen und ans Nachlassgericht zu senden. 

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Sonntag, 14. Juni 2026

Samstagsplausch KW 23/26 und KW 24/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXXV und CCCXXVI

Die Lifestyle-Teilzeit koste ich voll aus, und so hatte ich nach nur einer Woche Arbeiten schon wieder eine Woche Urlaub! Die eine Arbeitswoche gestaltete sich zudem auch noch ausgesprochen entspannt: Einen halben Tag verbrachte ich in einer Skatehalle, einen ganzen Tag beim Betriebsausflug. Nebenbei sammelte ich auch noch Überstunden, denn die Kollegin, mit der ich mir das Projekt teile, ist krank. Sie ist auch während meiner Urlaubswoche krank, so dass ein Kollege einspringen musste. Und wie das Team so ist, wurde mein Angebot, notfalls aus dem Urlaub heraus einzuspringen, abgelehnt. Ich hoffe, meine Kollegin ist Montag wieder fit. Bei ihr zeigt sich immer wieder, was Corona kann, dass es mitnichten eine Erkältung ist, sondern neurotrop, langfristige Folgen haben kann. Aber die Corona-Zeit ist ja vorbei ...

Wie gut das Team funktioniert, zeigte sich beim Besuch in der Skatehalle, zu dem spontan eine Kollegin mitkam, jede Menge gute Ideen einbrachte, die sie zum größten Teil auch selbst umsetzen wird, und auch noch ungefragt ein Protokoll schrieb, damit nichts vergessen wird! Ich freute mich, dass ich mich überwand, sie zu fragen, ob sie mitkommen mag. Ich bin's gewohnt, Einzelkämpferin zu sein, aber anscheinend bin auch ich lernfähig. 

Das Team bewährte sich auch beim Betriebsausflug. Wir waren in einem Museumsdorf und spielten alte Kinderspiele, gegeneinander in zwei Teams, gedacht als Teambuilding-Maßnahme. Die Museumspädagogin merkte aber schnell, dass es bei uns nichts mehr zu bilden gibt, dass das Team im Großen und Ganzen funktioniert. Beim Einteilen der Gruppen kam kurz das Schulsport-Trauma durch, immer als Letzte gewählt zu werden, weil man mit mir in der Verwandtschaft nur verlieren kann, aber bei uns wurde nichts gewählt, wir teilten uns ohne viel Tamtam einfach auf. Und anscheinend kann man mit mir in einer Gruppe auch gewinnen, denn ich zeigte mir selbst unbekannte Talente im Murmelspielen und Dosenwerfen. 

Nach dem Spielen wurde gepicknickt, und auch hier zeigte sich der Teamgeist: Ohne uns vorher abgesprochen zu haben, gab's genug Besteck, Teller, Servietten und Becher für alle (und eine Tischdecke). Nur Getränke hatten wir vergessen (bzw. ich hatte eine Kanne Tee dabei, die für alle gereicht hätte, aber die anderen wollten lieber Kaffee). Die Picknicktische wurden kurzerhand zusammengeschoben, weil in zwei Gruppen sitzen doof ist. Wir konnten uns kaum vom Picknicktisch lösen, obwohl ja eigentlich noch Kultur angesagt war. Als der Kaffeedurst überhand nahm, schleppten wir uns plauzig ins Museumscafé, wo wieder die Tische zusammengeschoben wurden, weil es sich so besser schnattern ließ. Dabei wurde regelmäßig "Reise nach Jerusalem" gespielt, wenn es jemandem zu sonnig wurde. Geschnattert wurde übrigens nicht über die Arbeit, was ich sehr schätzte. Auf dem Rückweg gab's dann doch noch etwas Kultur, bummelten wir durch einen Museumsabschnitt, bis wir am späten Nachmittag beschlossen, dass es jetzt dann auch mal gut ist mit dem Betriebsausflug, weil der Heimweg der anderen doch recht lang ist (ich wohne eine Viertelstunde entfernt, hatte Heimvorteil). 

Sonnenuntergang über der Ostsee in der Hohwachter Bucht.

Freitag fuhr ich dann für ein paar Tage nach Weißenhäuser Strand. Ich hatte lange überlegt, wie ich meinen ersten Geburtstag als Witwe feiere und dachte, das Beste wäre es, zur Ostsee-Tante zu fahren. Weil ich ihr aber nicht zur Last fallen wollte, buchte ich ein Zimmer mit Meerblick in Weißenhäuser Strand. Da war ich ja gerne mit dem Gatten, und das ist nur eine halbe Autostunde entfernt. Ich wollte auf jeden Fall vermeiden, zusammen mit der Schwiegermutter feiern zu müssen - sie kommt da ja gelegentlich auf seltsame Ideen. 

Stricken mit Ostsee-Blick. Für den Balkon war es leider zu kalt.

Die Auszeit mit Schlafen, Schwimmen, Strandspaziergängen tat mir sehr gut. Der Geburtstag war so gut, wie er unter den aktuellen Umständen sein kann. Die Ostsee-Tante lud den kleinen Cousin ein, so dass es ein schöner Nachmittag war. 

Kaum zurück, buchte ich mich für Weihnachten wieder im Hotel ein. Schwiegermutter möchte ja, dass ich über Weihnachten eine Woche lang zu ihr ziehe, aber das halten meine Nerven ist aus. 

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 326. Die Trauer bleibt meine Weggefährtin. Sie ist nur erträglich, wenn ich konsequent verdränge, dass der Gatte niemals wiederkommt. Das Leben ohne den Gatten ist unendlich schwer. Er fehlt in jeder Sekunde, bei jedem Atemzug.

Beim Erbschein kam jetzt Post vom Nachlassgericht: Man hat das ohnehin offene Testament vom Gatten jetzt offiziell eröffnet und schickte es mir mit Eröffnungsvermerk und Gebührenrechnung. Zwei Tage später kam ein weiterer Brief: Man braucht noch unsere Geburtsurkunden und die Heiratsurkunde. Die liegen zwar schon beim Nachlassgericht, denn die brauchte ich auch für den Erbschein meiner Mutter, aber die Akte einfach aus dem Archiv zu holen und aufzumachen, wäre zu einfach. Also schicke ich wieder Kopien.

Die Lebensversicherung, für die ich den Erbschein beantragte, antwortete mir nach einem halben Jahr, dass ich für die Auszahlung keinen Erbschein brauche, sondern nur eine Unterschrift der Schwiegermutter, das die Versicherung an mich ausgezahlt werden soll. Ich überlegte erst, dem Nachlassgericht mitzuteilen, dass ich den Erbschein nicht mehr brauche, aber vermutlich implodiert das dann. Außerdem bin ich ja theoretisch auch erbberechtigt bei Schwiegermutter und Tante, und wer weiß, ob mir da der Erbschein nicht doch noch nützt. So habe ich dann jetzt eine Verabredung mit Schwiegermutter zwecks Unterschrift, und damit es nicht zu anstrengend wird, kommt die Sandkastenfreundin des Gatten mit. Die Kombi machte ja auch Ostern erträglich.  

Von der Witwenrente gibt es keinen neuen Stand, aber da rechne ich auch nicht mehr mit einem Bescheid in diesem Jahr. Zudem gibt es Pläne, die Witwenrente ganz zu streichen, also erwarte ich hier nichts mehr. 

Drei Handwerker-Termine sind gemacht, und der Heizöl-Kauf ist auch abgemacht. Der Ölpreis hat sich gegenüber dem letzten Jahr fast verdoppelt. Wir kaufen das Öl zusammen mit zwei Nachbarn und überlegten alle drei, ob wir noch warten oder ob wir versuchen, so über den Winter zu kommen, entschieden uns dann aber dagegen, denn wer weiß, wie sich die Situation entwickelt. 

Ich habe ein bisschen was im Garten geschafft, konnte etwas über Kleinanzeigen abgeben, komme in Babysteps vorwärts, muss aber jeden Tag darauf achten, dass ich meine Kräfte sehr gut einteile. Immerhin schaffte ich es zum monatlichen Stricktreffen. 

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Freitag, 12. Juni 2026

#WMDEDGT 06/26: Westwärts, westwärts - bis Scharbeutz!

Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln! 

Heute ist Freitag. Ich weiß nicht, was mich ritt, aber als ich meine Geburtstagsreise nach Weißenhäuser Strand buchte, dachte ich, es wäre eine gute Idee, gleich nach Dienstschluss an die Ostsee zu fahren und abends schon die Füße in den Sand graben zu können. Als ich buchte, hatte es noch Temperaturen um die 30 Grad. Jetzt sind die Temperaturen kaum zweistellig ... Außerdem ist es im Büro gerade stressig, ist meine Kollegin krank, sind eher Überstunden als pünktlicher Feierabend angesagt. Es wäre jetzt entspannter, erst morgen zu fahren, auch wenn's normalerwiese nur zwei Stunden Fahrtzeit sind. Irgendwas ist ja immer. 

Zum Glück wurde ein Donnerstagstermin verlegt, so dass ich gestern schon in Ruhe alles, was ich an Kladage brauche, in den Koffer packen konnte. Der Koffer wurde auch schon im Auto verstaut. Heute muss ich noch Kosmetikzeugs, Strickkrams, Klapprechner, CPAP-Gerät, das Reise-Rudel und sonstiges Gedöns packen. Zu Lebzeiten des Gatten war auch das Scrabble-Spiel wichtig, denn damit saßen wir gerne abends in der Bar. Aber durch den Tod des Gatten fällt das ja nun weg. 

Freitags kommt immer unsere Putzfrau. Die leiste ich mir auch nach dem Tode des Gatten, obwohl ich ja nun aufgrund von Lifestyle-Teilzeit selbst putzen könnte. Aber ich bin eine faule Hausfrau, die ihre Depression pflegt. Es tut mir einfach gut, dass ich einmal in der Woche gezwungen bin, aufzuräumen, damit saubergemacht werden kann. Und unsere Putzfrau ist längst mehr als eine Reinigungskraft, arbeitete schon für meine Mutter, gehört irgendwie zur Familie.

Der Arbeitstag ist ruhig. Normalerweise mache ich ja freitags eine lange Mittagspause, weil die Kooperationspartner meines Projekts freitags gerne mal erst spätnachmittags ankommen, aber heute bestehe ich auf pünktlichen Feierabend. 

Das Auto ist beladen, das Reise-Rudel ist auf dem Beifahrersitz verstaut. Ich bin gerade dabei, abzuschließen, als Schwiegermutter anruft, um mir zum Geburtstag zu gratulieren. Ich versuche ihr beizubringen, dass ich heute noch nicht Geburtstag habe, aber Schwiegermutter irrt sich bekanntlich nicht. Okay, ich heiße Paddington und bin ein Bär, denn Bären haben ja bekanntlich zwei Geburtstage. 

Die Fahrt ist anstrengend, weil Regen, Wolkenbruch, Gewitter, Baustellen, Stau ... Nach zweieinhalb Stunden komme ich an, brauche wie üblich zwei Versuche, bevor ich die richtige Zufahrt zum Hotel finde (alle Zufahrten sind mit Schranken versperrt, es gibt nur eine, die zum Hotel führt), und dann bin ich erstmal entgeistert, weil sich vorm Hotel Busse und Auto stauen! Das kenne ich nicht. Später erfahre ich, dass das Hotel absolut ausgebucht ist, dass etwa 120 Fans einer rheinischen Stimmungskappelle ihr Fan-Wochenende im Strandhotel verbringen und drölfzich Kiddies einer Jugendmusikschule die Räumlichkeiten zum Proben nutzen. Dolle Wurst! 

Ich habe Glück und bekomme einen der letzten Parkplätze einen halben Kilometer vom Hotel entfernt. Andernfalls hätte ich außerhalb parken und mein Gepäck sehr weit schleppen müssen. Das Einchecken dauert weil Fangruppe und Jugendmusikschule, und da ich ein Zimmer mit Meerblick wollte, ist der Weg zum Zimmer auch sehr weit. Nach drei Mal Laufen sind Koffer, zwei Ikea-Taschen, CPAP-Gerät, Klapprechner, Reise-Rudel, Handtasche und ich im Zimmer. Tschakka! 

Erstmal die Balkonmöbel aufstellen, wobei mich gleich die Zimmernachbarinnen begrüßen, dann Kaffee und Muffin mit Ostseeblick genießen. Den Genuss will kurz eine Möwe stören, die versucht, sich auf den Muffin, von dem ich gerade abbeißen will, zu stürzen. Ich halte kurz inne, gucke der Möwe in die Augen und sage: "Glaub' mir, das ist keine gute Idee!" Die Möwe zieht beleidigt guckend ab. Ich weiß ja, dass Möwen frech sind, aber in den Zimmern zur Landseite, die wir bislang hatten, waren die Möwen wohl zurückhaltender. Meine Zimmernachbarinnen lachen und erzählen von ihren Erfahrungen mit den Möwen. 

Nachmittagskaffee mit Ostesee-Blick.

Nach Kaffee und Muffin wird erstmal in Ruhe ausgepackt. Dann ist auch schon Zeit für's Abendessen. Ich habe anders als sonst ohne Halbpension gebucht. Der Gatte schätzte das Büfett, aber ich esse nicht so viel, dass es sich für mich lohnt, und ich möchte die Freiheit haben, auch mal in einem der anderen Restaurants des Ressorts zu essen. 

Beim Abendessen merke ich, dass ich aktuell keinen Alkohol vertrage, dass es nach nur einem Glas Wein keine gute Idee ist, den angedachten Strandspaziergang zu unternehmen. Stattdessen gehe ich auf's Zimmer, setze mich nach der Tagesschau mit Strickzeug auf den Balkon. Die Ostsee ist spannender als das Fernsehprogramm, obwohl ich, anders als zu Hause, zwischen unzähligen Kanälen wählen könnte. Später gucke ich noch das "heute journal", wäre sogar noch wach genug für die "heute show", was lange nicht mehr vorkam, merke aber, dass ich lieber lesen möchte*.

Der Blick zurück in die ersten sechs Corona-Jahre: Am 5. Juni 2020 war der Gatte noch gesund, kämpfte ich im Heimbüro mit den Tücken der Ad hoc-Digitalisierung und später mit den neuen coronabedingten Verhaltensweisen. Am 5. Juni 2021 kämpfte sich der Gatte ganz langsam wieder ins Leben zurück, freuten wir uns, dass er mit Mühe die knapp 500 m von seinem Krankenhauszimmer zum Ententeich und zurück schaffte. Am 5. Juni 2022 freuten wir uns, dass der Gatte bei uns ist. Am 5. Juni 2023 waren wir schon fast ein Jahr mit Baustelle und Doppel-Haushalt beschäftigt. Am 5. Juni 2024 schwebte der Gatte mal wieder in Lebensgefahr, ohne es ernst zu nehmen. Zwei Tage später sollte mich sein Arzt fragen, ob mein Mann wüsste, wie krank er ist. Nein, er ignorierte es nach Kräften, auch noch auf dem Sterbebett. Am 5. Juni 2025 gab es bei den Erkrankungen des Gatten einen kurzen Hoffnungsschimmer. Uns sollten noch fünfeinhalb gemeinsame Monate bleiben. 

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Sonntag, 31. Mai 2026

#pmdd2026: Der 28. Mai 2026

An jedem 28. eines Monats ist Picture my Day-Day, kurz pmdd. Ich finde, das ist ein schönes Tagebilderbuch. Mitmachen ist einfach: Fotos vom Tag machen, bloggen oder mit #pmdd2026 auf Bluesky oder Instagram einstellen. Gesammelt wird alles auf dieser Seite.

Heute weckt mich der Kirmes-Hase. Ich bin aber eh schon mit Sonnenaufgang wach, leide darunter, dass sich das Schlafzimmer aktuell nicht verdunkeln lässt. Früher hat mich das nicht gestört. Im Gegenteil. Da konnte ich im Dunkeln nicht schlafen.

Dem Gatten Guten Morgen sagen. 

Oh Schreck, der Kaffee ist alle!

Nein, das wird nicht das Frühstück.

Nein, auch das ist nicht das Frühstück. Es ist der Mittagsimbiss für den Besuch.

Das ist das Frühstück, ungewohnt luxuriös, aber Reste: Bruschetta, Frischkäse, Lachs, Lauchzwiebel. 

Heute ist Donnerstag. Ich habe Urlaub und bekomme Besuch. Es ist ein ruhiger Tag.

Es ist mal wieder Zeit, die Tiefkühler-Liste zu aktualisieren. 

Ein wenig den Wäscheberg abtragen. Das Wetter ist ja ideal zum Wäschetrocknen.

Füße hoch und stricken.

Ich kann endlich mal wieder etwas Geld ins Wollsparglas einzahlen. 

Den Beitrag zum Friday Flowerday schreiben.

Der Copenhagen Calling-Schal ist fertig. Der Großfußhase muss als Modell herhalten. 

Der Apfelbaum hat sehr üppig Früchte angesetzt. 

Der Blick zurück in die ersten sechs Corona-Jahre: Am 28. Mai 2020 war der Gatte noch gesund und arbeitete, lebte Schwiegermutter noch in ihrem Haus, hatten wir noch die Hoffnung, Corona erledigt sich über den Sommer. Am 28. Mai 2021 war der Gatte schon ein halbes Jahr krank, und wir ahnten nicht, dass er vier Tage später in Lebensgefahr ins Krankenhaus kommen würde. Am 28. Mai 2022 war der Gatte beim Reha-Sport, wohin ich ihn schon seit einem halben Jahr jeden Sonnabend fuhr. Am 28. Mai 2023 war der Gatte noch so fit, dass er vor mir aufstehen und den Frühstückstisch decken konnte, hatten wir gerade meine Mutter beerdigt. Am 28. Mai 2024 freute ich mich über die Posts von Letnapark, Katja Schickel, die nach schwerer Krankheit Mitte März 2025 verstarb. Am 28. Mai 2025 mussten wir alle Urlaubspläner für das Jahr stornieren. Wir ahnten noch nicht, dass der Gatte den letzten Sommer seines Lebens im Krankenhaus verbringen würde, dass uns kein gemeinsames halbes Jahr mehr bleibt.

Abendessen auf der Terrasse.

Füße hoch und stricken. Passend zum Copenhagen Calling-Schal habe ich aus der restlichen Wolle eine Mütze angenadelt. 

Der Blick in den Abendhimmel. Der Mond ist noch nicht ums Haus herumgekommen. 

Vor dem Einschlafen noch etwas lesen*.

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