Samstag, 31. Oktober 2026

Samstagsplausch KW 44/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXLVI

Ich fahre demnächst mal eben für ein Abendessen nach Berlin. So wie früher. Als ich noch jung war. Und gesund. Da hatte ich einige Freunde in Berlin und fuhr "mal eben" für eine Nacht rüber, oder die Freunde riefen an, dass sie Lust auf einen Reeperbahnbummel haben, sich gleich ins Auto setzen und mich gegen Mitternacht einsammeln. Berlin ist ja quasi auch nur ein Vorort von Hamburg. Am nächsten Vormittag waren wir dann alle wieder im Büro, im Laden, an der Uni.

Irgendwann gingen diese Leichtigkeit und Spontaneität verloren.

Jetzt hatte ich plötzlich ein Hotelzimmer in Berlin, das ich nicht kostenfrei stornieren konnte, als sich der Reise-Anlass verschob. In über 40 Jahren ist mir so was noch nicht passiert. Ich war Touristikerin. Ich buche immer mit Hintertür. Vielleicht dachte ich mir, egal, die neue Kreditkarte hat ja eine Reiseversicherung?! Die würde in diesem Falle aber nicht greifen.

Ich habe ein paar Stunden hin und her überlegt, was mich mehr ärgert: Das viele Geld für ein Hotelzimmer, das ich nicht nutze, oder noch mehr Geld ausgeben für die Bahnfahrt? Und was hält mich davon ab, auch ohne den eigentlichen Anlass zu fahren? Ich erinnerte mich an die frühere Leichtigkeit und Spontaneität, entschied mich, dass ich nicht ein Wochenende zu Hause sitzen und mich über die Stornokosten ärgern will, buchte die Bahnfahrt, gab zwei Berliner Freundinnen Bescheid, dass ich anrolle, und bin nun zum Abendessen und zum Brunch verabredet, sehe eine der "Strickliesels" aus der Reha-Strickgruppe wieder. Zwischendrin bin ich in einem Hotel mit Pool. Mein Gepäck für eine Nacht wird also etwas umfangreicher, weil Bademantel und Schwimm-Hase mit müssen. Vermutlich werde ich für diesen Leichtsinn büßen, weil sensory overload, aber dafür bin ich fest einschlossen, eine gute Zeit zu haben. So wie früher. Als ich noch jung war. Und gesund. 

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 346. Die Trauer bleibt meine Weggefährtin. Sie ist nur erträglich, wenn ich konsequent verdränge, dass der Gatte niemals wiederkommt. Das Leben ohne den Gatten ist unendlich schwer. Er fehlt in jeder Sekunde, bei jedem Atemzug.  

Das Pendeln machte diese Woche sehr anstrengend. Ich habe zwar das Okay der Chefin, in den vier Wochen, in denen keine Regionalzüge zwischen Harburg und Hauptbahnhof fahren, komplett im Heimbüro zu bleiben, aber das möchte ich nur im Notfall. Ich mag mich nicht nur zu Hause einigeln. So fahre ich aktuell vier Stunden, um sechs Stunden zu arbeiten. Zum Glück muss ich das nur zwei Mal in der Woche machen. Putzigerweise protestiert mein entzündeter Fuß vehement gegen das Autofahren. Das hatte ich so auch noch nicht. Ich dachte, das strengt ihn weniger an als Gehen.

Der Tod von Patrick Stewart diese Woche traf mich sehr. Ich bin dankbar, dass ich ihn Dank des Gatten auf der Bühner erleben durfte. Möge ihm die Erde leicht sein! Auch Tim Curry war ein Schauspieler, den der Gatte sehr mochte, und so freute ich mich, dass es gestern Abend die Rocky Horror Picture Show mit anschließender Doku im Fernsehen gab. Den Film mochten wir beide sehr. Ich könnte ihn mir jederzeit auf Super 8 anschauen, was mich dann zu der Frage führt, was ich mit der Super 8-Sammlung des Gatten anfange ... Ich werde Jahre beschäftigt sein, die Sammlungen des Gatten aufzulösen. Andererseits hetzt mich niemand, ist das Haus groß genug.

Aktueller Blick ins Wollsparglas.

Ich habe diese Woche mal einen Blick ins Wollsparglas geworfen. Das tat ich zuletzt im Juli. Seitdem kamen zahlreiche Etiketten und 70 Euro dazu! Da ich aktuell seit Wochen mit dem Lulu Slipover kämpfe, wird sich wohl bis Jahresende nicht mehr so viel tun.

Die der Reha-"Strickliesels", die Anfang August noch überhaupt nicht stricken konnte, hat sich unwahrscheinlich entwickelt! Sie strickt jetzt tatsächlich einen RVO-Pulli. Als ich meinte, das traute ich mich nicht, kam prompt: "Ist ganz einfach! Kann ich dir beibringen!" Ich bin ein kleines bisschen stolz - auf die "Strickliesels" und auf das, was ich angerichtet habe. 

Ansonsten brachte die Woche die Feier von zwei sechzigsten Geburtstagen und einer Silberhochzeit. Das war ein schwerer Tag. Die Freunde, die feierten, heirateten ein halbes Jahr vorm Gatten und mir. Sie kenne ich schon seit meiner Kindheit, ihn kannte der Gatte sehr lange über ein gemeinsames Hobby. Vor zehn Jahren feierten wir noch zusammen ihre fünfzigsten Geburtstage. Der Gatte fehlte mir sehr. Feier und Lokalität hätten ihm sehr gefallen.

Ich war nach drei Wochen Ferien-Pause wieder mit der überrechten Nachbarin schwimmen. Das hat uns beiden gefehlt! Ich fühlte merklich, wie meine Gelenke geschmeidiger wurden, sobald sie im Wasser waren. Beim Abschied meinte die Nachbarin wieder, wenn mir die Decke auf den Kopf fällt und ich klönen möchte, könne ich einfach klingeln. Das ist lieb, und ich schätze es sehr, wie sehr sich die Nachbarn kümmern. Aber so doof es sich anhört: Es ist nicht der Kontakt, der mir fehlt. Es ist der Gatte.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

Freitag, 30. Oktober 2026

#pmdd2026: Der 28. Oktober 2026

An jedem 28. eines Monats ist Picture my Day-Day, kurz pmdd. Ich finde, das ist ein schönes Tagebilderbuch. Mitmachen ist einfach: Fotos vom Tag machen, bloggen oder mit #pmdd2026 auf Instagram einstellen. Gesammelt wird alles auf dieser Seite.  

Noch vor dem Aufstehen bestelle ich eine Rose. Ich habe mir in den Kopf gesetzt, dass Zuhause und auf den Grab je eine Rose mit dem Vornamen des Gatten und von mir wachsen. Die nach Sabine Sinjen benannte Rose ist allerdings meistens vergriffen und geht auch heute binnen Minuten weg. Ich habe Glück und bekomme eine. Fehlen noch zwei. 

Schnuffi mahnt mich, jetzt endlich aufzustehen. Er hat recht. Ich bin spät dran.

Das geht gerade noch so.

Heute darf der Zirkus-Hase mit.

Der Hoptimist ist natürlich auch mit an Bord.

Der Zirkus-Hase ist fleißig.

Der Zirkus-Hase bekam eine Quitte aus dem Garten einer Kollegin geschenkt.
Im Bürohaus sind Bauarbeiten, was lange Wege bedeutet. Damit ich das nicht vergesse, hängt sicherheitshalber ein Zettel am PC.

Das geschah an einem 28. Oktober vor 88 Jahren.

Ich bin gespannt, ob ich die Beseitigung dieser Leckage nochmal erlebe.

Heute ist Mittwoch. Ich bin seit 53 Woche Witwe. Ich versuche noch immer, mich nach 26 gemeinsamen Jahren in das Leben ohne den Gatten einzufinden. 

Zu Hause erwarten mich gar gruselige Gespenster.

Der Blumenhase ist ganz stolz auf die hübsche Chrysantheme.

Dem Gatten guten Abend sagen. Heute Morgen war ich etwas in Eile.

Ein bisschen Halloween-Deko für Drinnen.

Die geschenkte Quitte bringt den Wochenplan ein wenig durcheinander.

Morgen muss ich einiges erledigen.

Heute arbeite ich im Echtbüro. Da gerade zwischen Harburg und Hauptbahnhof keine Züge fahren, fahre ich erst eine Stunde über die Autobahn zu einem Park & Ride und dann mit S-Bahn und Bus ins Büro. So bin ich dann vier Stunden unterwegs, um sechs Stunden zu arbeiten. Ich könnte auch in Harburg in die S-Bahn umstiegen, aber die ist auch ohne bummelig 150.000 zusätzliche Fahrgäste chronisch überlastet und fällt oft aus. Dann sitze ich in Harburg fest und komme von da nicht mehr weg. Bin ich erstmal über die Elbe rüber, ist es einfacher. Die Zeit, die ich im Stau stehe, ist berechenbarer als der ÖPNV.  

Die Spülmaschine will spielen.

Vorbereitungen für's Abendessen.

Ich habe liebe Post bekommen.

Pünktlicher Feierabend und eine schnellere Rückfahrt nach Hause, weil ich vor der Rush Hour auf die Autobahn komme. Für stockenden Verkehr ist dennoch gesorgt, denn es sind Zufahrten und Fahrbahnen gesperrt. Irgendwie muss man die Blechlawine doch zum Stillstand bringen! 

Füße hoch und stricken. Ob ich irgendwann den Lulu Slipover nochmal fertig bekomme?!

Endlich zu Hause, passiert nicht mehr viel. Das Fahren strengt mich an. Zum Glück muss ich es nur zwei Mal in der Woche machen, könnte auch zu Hause arbeiten. Also falle ich direkt nach der Tagesschau ins Bett und werde mehr als zehn Stunden schlafen. 

Gespenstermond.

Der Blick zurück in die ersten sechs Corona-Jahre: Am 28. Oktober 2020 wussten wir zwar schon seit zwei Wochen, dass der Gatte krank ist, ahnten aber noch nicht das ganze Ausmaß, und so arbeitete er noch. Am 28. Oktober 2021 wussten wir um das ganze Ausmaß der Erkrankung des Gatten, wartete er auf seine Verrentung, da er nicht mehr arbeitsfähig war. Am 28. Oktober 2022 hofften wir auf einen baldigen Umzug - vergeblich. Den Adventskalender, den ich an diesem Tag für meine Mutter kaufte, entsorgte ich ein halbes Jahr später immer noch originalverpackt, als wir nach ihrem Tod ihr Zimmer im Pflegeheim ausräumten. Am 28. Oktober 2023 kauften wir die gleichen Süßigkeiten für Halloween wie im Jahr davor, hoffte der Gatte zu recht auf viele klingende Kinder, die er erschrecken wollte. Am 28. Oktober 2024 freute sich der Gatte auf Halloween. Am 28. Oktober 2025 war ich seit einer Woche Witwe, kaufte ein Grab und versuche seitdem, mich nach 26 Jahren Zweisamkeit wieder in das Alleinleben einzufinden.

Dienstag, 27. Oktober 2026

Mützen für die 600-Mützen-Challenge der Lübecker Seemannsmission

In den langen Wochen, die der Gatte im Krankenhaus lag, strickte ich unendlich viele Socken. Die machten sich Ende letzten Jahres gen Augsburg auf, um dort auf Unicef-Basaren verkauft zu werden. 

Vier Mützen warten im Hochsommer darauf, auf die Reise zu gehen.

Nach dem Tode des Gatten mochte ich keine Socken mehr stricken, hatte aber noch gefühlt unendliche Vorräte an Sockenwolle. Da kam mir der Aufruf der Lübecker Seemannsmission gerade recht. Sie rief die 600-Mützen-Challenge aus, mit der sie darum bat, Mützen für die etwa 600 Weihnachtstüten, die jedes Jahr für die Seeleute, die dort in der Weihnachtszeit Station machen, zu stricken. 

Hauptsache bunt ...
Durch Resteverwertung werden die Mützen noch bunter ...

So wurde die restliche Sockenwolle zu einem guten Dutzend Mützen nach dieser Anleitung. Alle Mützen bekamen einen Reflektorstreifen zur Sicherheit, wenngleich die Mützen sicher meistens unter dem Helm getragen werden. Deswegen habe ich auch keine Bommel gemacht oder ausgefallene Muster ausprobiert. Aus den Resten der Sockenwolle wiederum wurden diese Mützchen - es soll ja nichts umkommen. Ab dieser Woche sind die Mützchen vom "großen Stricken" übrigens im Handel. Ich bin gespannt, ob ich hier in der Provinz welche zu sehen bekomme.

Mützen über Mützen.

Schwieriger als das Stricken war es, die Mützen zur Seemannsmission zu bekommen, denn die Paketdienste taten sich schwer damit, den Hafen zu finden ... Mehrfach kamen die Mützen zurück. Da sie beim letzten Versandversuch nicht zurückkamen, bin ich vorsichtig optimistisch, dass sie nun endlich den Weg zur Seemannsmission fanden. 

Das sind ja fast schon dezente Farben.

Dieser Beitrag geht rüber zum Dings vom Dienstag, zum Flickensalat und zum Creativsalat. Vielen Dank für's Sammeln! 

Samstag, 24. Oktober 2026

Samstagsplausch KW 43/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXLV

Die Woche begann im Jüdischen Salon mit einer Lesung aus "Diamanten*" von David Vajda, moderiert von Adriana Altaras, die auch "in echt" so großartig ist wie in Filmen, Büchern* oder auf der Bühne. Vajdas Buch ist auch zu empfehlen, klar.

Wir kamen zu spät zur Lesung, weil wir wie eine Handvoll anderer Leute den Veranstaltungsort nicht fanden. Normalerweise gibt es ja bei allem, was "irgendwie jüdisch" ist, Polizei- und Sicherheitsdienstpräsenz. Die fehlte hier völlig, was mich erst gar nicht irritierte, waren wir doch so beschäftigt damit, herauszufinden, ob die Lesung ausfiel und was passiert sein muss, dass niemand mehr in der Lage war, die angemeldeten Besucher irgendwie zu informieren oder ein Schild an der Tür anzubringen. Die Polizei kam erst nach Veranstaltungsbeginn, als die meisten Wartenden schon enttäuscht gegangen waren. Die Beamten waren genau so perplex wie wir ob des dunklen, leeren Gebäudes. Durch einen Anruf bei der Leitstelle stellte sich heraus, wir waren alle am falschen Veranstaltungsort. Minuten später bekamen wir quasi eine Polizei-Eskorte zum richtigen Veranstaltungsort, der zum Glück ganz in der Nähe war - genaugenommen auf der anderen Straßenseite, verborgen von Baugerüst und Bauplane. Jedenfalls: Polizeigeleit zu einer Veranstaltung hatte ich seit Jahrenden nicht mehr. 

In dieser Woche jährte sich der Todestag des Gatten zum ersten Mal, und ich war froh, dass ich mir die ganze Woche Urlaub nahm. Ich war bis zum Besuchsende von Schwiegermutter komplett neben der Spur. Erst, als Schwiegermutter wieder abgeliefert war, ging's mir besser.

Schwiegermutter erklärte mir ja seit dem Rotgarnelen-Gate letztes Weihnachten mehrfach, das Grab des Gatten ginge sie nichts an, weswegen sie entgegen ihrer ursprünglichen Zusagen nicht die Kosten dafür trage. Da ich meine Schwiegermutter kenne, rechnete ich eh nicht mit der Kostenübernahme. Ich war milde überrascht, als sie zum Geburtstag des Gatten darauf bestand, zum Grab gefahren zu werden. Damals kam ich wegen meiner Reha noch drum herum. Jetzt zum ersten Todestag forderte Schwiegermutter vehement, sie wolle das Grab besuchen und dafür bei mir übernachten, was ich ablehnte. Eine Hotelübernachtung so wie früher lehnte sie ab. Sie will partout ins Haus. Dass es im Haus kein Gästezimmer für sie gibt, ist ihr schon ein Dorn im Auge, seitdem wir ihr im Sommer 2022 sagten, dass wir umziehen. Für unsere Wohnung hatte sie da schon lange keinen Schlüssel mehr, weil es selbst dem geduldigen Gatten irgendwann reichte, dass sie in unserer Abwesenheit die Wohnung nach ihren Vorstellungen ohne Absprache "umgestaltete", alle Schränke durchwühlte etc. Dass seine Mutter bei uns übernachtet, verbat sich der Gatte von Anfang an - nur bei seiner narzisstisch-egozentrischen Mutter kam das einfach nie an. Es gibt ein Gästebett im Eisenbahnzimmer, aber, so der Gatte mal in ungewohnter Klarheit zu seiner Mutter: "Das ist nur für nette Menschen, also nicht für dich."

Jedenfalls saß Schwiegermutter kaum am Tisch, als sie mir auch schon erklärte, sie habe sich überlegt, wie ich das Arbeitszimmer des Gatten umgestalte, damit sie dort jeden Monat ein paar Tage übernachten kann. Sie zahle auch die Umgestaltung, und wenn sie das Zimmer mal nicht nutze, könnte da auch mal jemand anderes übernachten. Ich dürfe auch einen Kleiderschrank dort hineinstellen (ich möchte das Zimmer perspektivisch als "Ankleidezimmer" nutzen und in meinem Arbeitszimmer nur noch Bücherregale haben). Ich bräuchte ihr in das Zimmer keine Küche einzubauen, sie würde meine nutzen (das Zimmer ist knapp 12 qm groß, ein wenig knäpplich für Bett, Kleiderschränke und Küche). Sie würde mich nicht stören, sondern würde für mich kochen, den Haushalt machen, im Garten arbeiten und am Grab sitzen. 

Ja, nee, is klaa. 

Das Grab fand nur bedingt Schwiegermutters Zustimmung. Es ist zu abgelegen, der Stein sieht aus wie Holz (ja, deswegen wählte ich ihn), er sieht je nach Witterung anders aus (ja, deswegen - du weißt schon), der Sitzstein wäre ja ganz nett, aber an ihm fehlt ein Geländer (was die Friedhofsverwaltung wohl zu der Idee sagt?!), die Blumenvase ist ja ganz hübsch, aber zu klein (ich hatte nicht damit gerechnet, dass jemand mit einem Arm voller roter Rosen erscheint), und überhaupt müssen in der Vase das ganze Jahr über rote Plastik-Rosen stehen, denn auf dem Grab fehlt Rot (Kunstblumen sind auf dem Friedhof verboten). 

Ich wiederhole mich: Ja, nee, is klaa. 

Nach dem Grabbesuch fuhr ich Schwiegermutter in die katholische Kirche, wo immerhin die Madonna Gnade vor ihren Augen fand. Die Kirche selbst hingegen fand sie hässlich, aber die hiesigen Bauern wissen es halt nicht besser. 

Nach dem Entzünden eines Lichtermeeres in der Kirche befand Schwiegermutter, jetzt wolle sie nach Hamburg gefahren werden zu Kaffee und Kuchen. Sie zeigte mir die sechs Fotoalben mit Fotos des Gatten und von ihr, die sie gestaltete, und erklärte stolz, in einem wären auch Fotos von mir auf unserer Hochzeit. Ich weiß nicht, wer die Frau auf den drei Fotos ist. Ich bin es nicht. Es sind auch keine Fotos von unserer Hochzeit. Aber es hätte mich ohnehin gewundert, wenn es Fotos von mir gäbe. Der Gatte schenkte seiner Mutter gerne Fotos von uns beiden. Die wurden nie aufgestellt, sondern zeitnah entsorgt. War in einem der Foto-Kalender, die Schwiegermutter und Tante gerne zu Weihnachten bekamen, mal ein Foto, auf dem ich war, wurde das Bild überklebt. Ich bin nun mal nicht die Frau, die Schwiegermutter für ihren Sohn wollte, also werde ich tunlichst ignoriert. 

Schwiegermutter redete seht viel davon, dass ich jetzt ja sofort ihr Gästezimmer in Auftrag gebe könne. Ich müsse sie auch erst wieder anrufen, wenn ich ihr sage, dass ihr Zimmer fertig sei. 

Also nie. 

Eigentlich sollte der Masken-Hase auf der Handtasche sitzen bleiben, aber er ertrotze sich einen Platz am Tisch. Überhaupt war er sehr vorwitztig: Ursprünglich sollte Nelly mitkommen, die einfach die feineren Manieren hat, aber der Masken-Hase sprang einfach in die Handtasche. Optimaler Begleit-Hase wäre ohnehin Portobello gewesen, denn den fand der Gatte weiland in der gleichnamigen Londoner Straße.

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 345. Die Trauer bleibt meine Weggefährtin. Sie ist nur erträglich, wenn ich konsequent verdränge, dass der Gatte niemals wiederkommt. Das Leben ohne den Gatten ist unendlich schwer. Er fehlt in jeder Sekunde, bei jedem Atemzug.

Herr Könnig bereitet das Grammophone vor.

Da der Gatte und ich uns nie wirklich an Jahrestage banden, fand die eigentliche Jahrzeit einen Tag später statt und war sicher mehr im Sinne des Gatten als der Auftritt seiner Mutter: Mit G., die auch der Gatte sehr schätzte, die zudem unser letzter gemeinsamer Besuch war, war ich zum High Tea im Eaton Place. Dort sang Herr Könnig zum Grammophon. Der Gatte redete im letzten Jahr oft davon, wie sehr ihm der Besuch im Museumsbauerhof Wennerstorf gefallen hat und wie gerne er Herrn Könnig nochmal singen hören möchte, aber nicht nur daraus wurde ja nichts mehr. 

Herr Könnig singt zum Grammophon.

Ansonsten erledigte ich diese Woche nicht wirklich viel. Ich bin für diese Saison gegen Grippe und Covid geimpft. Im Grippe-Arm randalierte es gleich nach der Impfung ordentlich, es gab dann aber nur einen blauen Fleck, während sich im Covid-Arm nach zwei Tagen eine hartnäckige Beule bildete. Mal gucken, wann die verschwindet. Jedenfalls bin ich froh, dass Erkältungssymptome ausblieben. Die Apothekerin berichtete, aktuell lassen viele ihre Impftermine verfallen, was doppelt ärgerlich ist, da welche, die sich impfen lassen wollen, dadurch keine Termine bekommen. Die erste Covidwelle ist auch schon durch. Die zweite erwartet sie in drei Wochen, nach den Herbstferien, und im Übrigen verstünde sie nicht, warum nicht wenigstens Menschen mit Erkältungssymptomen Maske trügen, um andere nicht anzustecken ... 

Ich habe es geschafft, das mal wieder seit drei Monaten grundlos gesperrte Konto meiner verstorbenen Mutter wieder zu entsperren. Diese Bank ist wirklich an Kundenunfreundlichkeit nicht zu toppen. Es dauerte ja auch drei Jahre, bis das Konto auf mich übertragen wurde, obwohl alle erforderlichen Vollmachten schon vor dem Tode meiner Mutter vorlagen. Sollte ich irgendwann mal nicht mehr völlig neben der Spur sein, muss ich das Konto mal kündigen (wobei das auch so gut wie unmöglich ist, Kundenunfreundlichkeit galore halt). Ich fände es ganz praktisch, mein Geld auch ausgeben zu können, wenn ich es möchte.

Ich schaffte es nach einer Woche endlich, die Balkonkästen zu bepflanzen. Eigentlich wollte ich auch im Garten und im Haus arbeiten, aber entweder passte das Wetter nicht oder mir fehlte die Kraft. So schiebe ich weiter einen zu erledigenden Berg vor mich her. Ich kann natürlich auch das Gästezimmer für Schwiegermutter fertigmachen lassen und sie Haus und Garten nach ihren Vorstellungen gestalten lassen ... 

Ansonsten gewöhne ich mich an den Gedanken, dass ich in den kommenden vier Wochen mit dem Auto ins Echt-Büro fahren muss, weil die Bahnstrecke zwischen Harburg und Hauptbahnhof kurzfristig gesperrt wird, wie Montag bekannt wurde. Angesichts von ca. 150.000 Leuten, die die Strecke täglich alleine aus Richtung Süden kommend pendeln, ist das, gelinde gesagt, fatal. Die S-Bahn, die als Ersatz genutzt werden soll, ist auch ohne zusätzliche Fahrgäste chronisch überlastet, und wenn sie wie so oft ausfällt, ist der Süden abgeschnitten. Schienen-Ersatz-Verkehr wird es nicht geben - welche Busse sollten auch diese Massen fassen?! Die Situation ist so kritisch, dass über Bahnsteigsperrungen nachgedacht wird. Die Informationslage ändert sich ständig. Heute heißt es, ein paar Züge fahren doch nach Hamburg durch, aber welche es sind, werde von Tag zu Tag entschieden. Die aktuell ersichtlichen Fahrten sind ein Witz. Ich könnte Dienstagmittag ins Büro fahren und Mittwochmorgen zurück. Okay, so komme ich auch auf zwei Mal sechs Stunden, aber meine Chefinnen fänden das nicht so toll. Also fahre ich sehr früh mit dem Auto nach Bahrenfeld und hoffe, dass ich dort noch einen Parkplatz bekomme, um dann möglichst so wieder zurückzufahren, bevor sich der Feierabendverkehr staut. So werde ich dann mindestens vier Stunden mit Auto und ÖPNV unterwegs sein, um sechs Stunden zu arbeiten. Ganz großes Kino.

Der Herbst macht mir weiterhin zu schaffen. Ich bin einfach nicht für dunkle Tage geschaffen. Aber meine entzündete Plantarsehne wird zunehmend besser. Ich bin immer öfter schmerzfrei und erwäge, zu einer anstehenden Festivität mal ordentliche Schuhe zu tragen anstatt der Wanderschuhe, die seit mehr als einem Vierteljahr die einzigen Schuhe sind, in denen ich einigermaßen laufen kann.   

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

Dienstag, 20. Oktober 2026

So was wie Yarnbombing: Eine Hülle für ein Entlüftungsrohr

Im Vorgarten ist ein Entlüftungsrohr, das einfach hässlich ist. Die Nachbarin hat ihres weiß gestrichen, was es aber nicht wirklich besser macht. Unseres ist seit 65 Jahren ochsenrot, nicht gerade meine Lieblingsfarbe.

Gehäkelte Sonnenblumen.

Als ich im Sommer mitten im Sonnenblumenfeld stand, dachte ich irgendwann "Bingo!" Mein Reha-Projekt wurde ein gestrickter Schal für das Entlüftungsrohr, auf den gehäkelte Sonnenblumen aufgesetzt wurden.

Stricken im Zug.

Der Schal ist mit Druckknöpfen befestigt, denn ich hätte ihn nicht als Schlauch über das Rohr ziehen können wegen der Wand-Befestigungen des Rohrs. Außerdem kann ich den Schal so bei Bedarf abnehmen und waschen oder ersetzen. Oben am Rohr wird der Schal von Magneten gehalten, weil ich das Gewicht des Gesamtkunstwerks unterschätzte. Die weißen Magnete vom Foto habe ich inzwischen durch schönere ersetzt. 

Probeliegen der Sonnenblumen auf dem Schal.

Das Farbenspiel des Schals.

Die Sonnenblumen sind mit Druckknöpfen am Schal befestigt. So kann ich sie auch mal abnehmen. Und die Sonnenblumen werden natürlich nicht alleine bleiben. Dazu werden Hummeln, Hasen, Kornblumen, Mohnblumen ... kommen - was mir so einfällt. Aktuell überlege ich, ob ich zu Halloween schnell noch ein paar Gespenster häkle, aber ich habe gerade viel zu viele Projekte. Mächstes Jahr vielleicht.

Passt. Das weiße Rohr daneben gehört der Nachbarin.

Den Schal strickte ich aus Universe New Moon, und die Sonnenblumen häkelte aus Friends Wheel. Den Schal strickte ich ohne Anleitung. Die Sonnenblumen häkelte ich nach dieser Anleitung. 

Die Sonnenblumen auf dem Schal in Großaufnahme.

Die weißen Magnete habe ich inzwischen ausgetauscht. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Dings vom Dienstag, zum Flickensalat und zum Creativsalat. Vielen Dank für's Sammeln!