Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln!
Heute ist Donnerstag, Heimbüro-Tag. Der Wecker klingelt wie üblich um sechs Uhr, und eine Viertelstunde später geht automatisch das Licht an. Ich habe auch im Schlafzimmer eine Zeitschaltuhr. Licht soll mir das Aufstehen in der dunklen Jahreszeit erleichtern. Das klappt allerdings bislang nur theoretisch. Immerhin schaffe ich es, so aufzustehen, dass ich vor Arbeitsbeginn Kaffee koche und dusche.
Meine Kollegin erinnert mich daran, dass sie die Tage tauschte, heute frei hat, ich also die Freigabe übernehmen muss. Soll sein.
In einer Pause buche ich zwei Hotelzimmer in Berlin. Diesmal mit kostenfreier Stornierung. Bessa is dat. Wie es mir passieren konnte, ein Hotel zu buchen, das sich nicht kostenlos stornieren lässt, ist mir noch immer ein Rätsel.
Während der donnerstäglichen Videokonferenz räume ich wie üblich Wäsche weg. Ich könnte auch stricken, aber dafür müsste ich das Strickzeugs nach oben holen, und das vergesse ich meistens. Doch, doch, die Videokonferenz ist immens wichtig und spannend ...
Spannender ist der 101. Spacewalk der ISS. Lebte der Gatte noch, hätte er den Livestream mit Begeisterung geschaut.
Nach der Arbeit wartet die Hausarbeit, warte ich auf den Heizungsmonteur. Zumindest der Vorgarten ist jetzt winterfest, das Solar-Bewässerungssystem* ist verstaut. Die Halloween-Geister* könnten auch wieder in den Schuppen, aber ich möchte sie noch über's Wochenende stehen lassen.
Der Heizungsmonteur wartet die Heizung und vermeldet eine defekte Muffenscheibe. Die wird bestellt und irgendwann eingebaut. Bis dahin wird die betroffene Muffe mit einem Lappen umwickelt, damit sie nicht so sehr nässt. Ansonsten kommt das Wasser unter der Heizung von einem fehlenden Kondensatablauf des Schornsteins. Da soll ein Eimer reichen. Am nächsten Tag wird sich zeigen: Es muss ein großer Eimer sein ... Mal sehen, wie sich das entwickelt. Jedenfalls ist die Heizung jetzt so eingestellt, dass sie sich nachts nicht komplett abschaltet, was dazu führen wird, dass ich später zum ersten Mal warmes Wasser zum Zähneputzen haben und nachts nicht frieren werde.
Ein wenig an den Blenden vom Lulu Slipover weiterstricken (ob das Teil jemals fertig wird?!) - normalerweise wäre ich jetzt bei der virtuellen Trauergruppe, aber die fällt leider wieder mal aus.
Dann ist es Zeit, zum Grünkohlessen zu gehen. Unterwegs fängt mich die Nachbarin von hinten gegenüber ab: Meine wilder Brombeere wuchere den ganzen Weg zu, ihre Kinder hätten Angst, ein alter Mann wäre schon hängen geblieben, als er zu meinem Zaun wollte, ein andere wäre gestolpert ... Wow, anscheinend wächst Audrey an meinem Zaun! Ich sagte der Nachbarin zu, mich gleich morgen früh darum zu kümmern und meinte, wenn sie so etwas feststellte, könne sie gerne selbst zur Schere greifen ... Nein, auf keinen Fall, rechtlich sei das meine Aufgabe, die Brombeere sei viel zu stachelig, sie könnte sich verletzten und überhaupt stehe ihre Biotonne ja viel zu weit weg, weil hinten im Garten und so eilig, dass ich das gleich morgen früh machen müsse, sei es ja auch nicht. Ja, nee, is klaa.
Am nächsten Morgen wird die Sache innerhalb von zehn Minuten erledigt sein, steht die Brombeere auf dem Stock. Das Biest ist wirklich stachelig. Ich beschließe, sie zukünftig am Zaun entlang zu führen. Das Biest ist ein effektiverer Einbruchsschutz als jeder Nato-Draht (und hält sicher auch neugierige Nachbarn von meinem Zaun ab).
Das Grünkohlessen wird von einer Socializing-App veranstaltet, die ich seit der Reha installiert habe. Heute bin ich zum ersten Mal bei einem Treffen dabei und gespannt, was mich erwartet. Beim Essen sind ca. 40 Personen, und ich komme ausgerechnet neben einer Schenefelderin zu sitzen - ganz großartig. Ich hatte ganz vergessen, wie arrogant Schenefelderinnen sein können, wenn sie sich die Elbvororte nicht mehr leisten können. Da der Gatte und ich zwanzig Jahre in der Gegend wohnten, der Gatte in Schenefeld arbeitete, könnte sich Gesprächsstoff ergeben, aber Madame goutiert keine Unterhaltung mit jemandem wie mir. Das bin ich gewohnt, und überhaupt bin ich ja zum Essen hier.
Das Essen ist so la-la. Im Grünkohl ist eindeutig zu viel Zucker, und er wurde ohne das Fleisch gekocht. Nein, er ist nicht vegetarisch, denn es sind Schinkenwürfel drin, aber Bauchspeck, Kassler, Pinkel und Kohlwurst wurden nicht mit geschmort. Das schmeckt man. Bei den süßen Kartoffelwürfeln tippe ich zudem auf Convenience. Unterm Strich ist aber alles schmackhaft, und das Preis-Leistungs-Verhältnis ist sehr gut. Neben "Grünkohl satt" gibt es eine Kartoffel-Grünkohl-Suppe und drei verschiedene Desserts. Dafür habe ich allerdings keinen Platz. Zu Hause brauche ich erstmal zwei Hierbas.
Insgesamt war es ein netter Abend, allemal netter als alleine essen zu gehen. Das wird bestimmt nicht das letzte Treffen, zu dem ich gehe. Und on top gab's ein Rezept für veganen Grünkohl mit Räucher-Tofu.
Rechtzeitig zur Tagesschau bin ich wieder zu Hause, stricke noch ein bisschen, gehe verhältnismäßig früh ins Bett, lese noch "Die drei ??? und das kalte Auge*" zu Ende.
Der Blick zurück in die ersten sechs Corona-Jahre: Am 5. November 2020 verzweifle ich an der ketogenen Ernährung, ahnen wir noch nicht das Ausmaß der Erkrankung des Gatten und denken, wir können den Advent ganz normal feiern, beschäftigen uns Corona-Regeln. Am 5. November 2021 wissen wir schon um das Ausmaß der Erkrankung des Gatten. überrascht er mich mit roten Rosen. Am 5. November 2022 war ich zum ersten Mal im Repair Café, waren wir gefrustet, weil im Haus nichts vorwärts geht, obwohl die Baubrigade schon seit Ende September fertig sein sollte, wir schon mitten in den Umzugsvorbereitungen stecken sollten. In denen stecken wir am 5. November 2023. Am 5. November 2024 konnte der Gatte noch alleine zu einem Termin gehen und durch die Stadt stromern. Ein Jahr später war ich seit zwei Wochen Witwe, versuche seitdem, mich in ein Leben ohne den Gatten einzufinden. / *Affiliate links





























