Der erste Urlaub ohne den Gatten führte nach Kopenhagen. In der Stadt waren wir nie gemeinsam, so dass wir keine gemeinsamen Erinnerungen daran haben, anders bei der Weihnachtsreise nach Hammelburg und Dachau. Wir hatten zwar öfter überlegt, gemeinsam nach Kopenhagen zu fahren, denn durch die direkte Bahnverbindung von Hamburg aus ist das ja sehr kommod, aber seit unserer Reise nach Prag im Oktober 2017 war klar, dass eine Städtereise für den Gatten aufgrund seiner fortschreitenden Gehbehinderung zu anstrengend ist. Gleiches galt für Wanderreisen, weswegen wir auch nicht mehr nach Südtirol oder Bayern fuhren.
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| Der Touristen-Hotspot Nyhavn in Kopenhagen. |
Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 313, und die Trauer bleibt.
Aus dem Haus zu gehen, ohne vom Gatten verabschiedet zu werden, nach Hause zu kommen, ohne vom Gatten willkommen geheißen zu werden, fühlt sich noch immer fremd an, vor allem bei einer Reise. Auch wenn der Gatte mich schon länger nicht mehr zur Bahn bringen oder abholen konnte, so verabschiedete oder empfing er mich doch liebevoll an der Haustür. Daran muss ich jedes Mal denken, wenn ich weggehe oder nach Hause komme - in ein Haus, das für immer still, einsam und leer bleiben wird.
Kopenhagen war abwechslungsreich und inspirierend. Ich habe viel gesehen, und ich habe endlich eine Mesusa gefunden. Seitdem wir ein eigenes Haus haben, soll endlich auch eine Mesusa angebracht werden. Das wird leider noch etwas warten müssen, denn erst muss das Zugangssystem installiert werden, und solange ich noch nicht weiß, wo Klingel und Kamera angebracht werden, möchte ich nicht die Mesusa anbringen.
Zurück zu Hause erwartete mich allerlei Post, aber noch nichts zur Witwenrente, so dass ich immer noch nicht verlässlich über meine Finanzen Bescheid weiß. Dafür hat sich nach fünf Wochen endlich die zweite der vier Versicherungen gemeldet, die ich wegen des Tods des Gatten anschrieb. Den anderen beiden muss ich beizeiten hinterhertelefonieren, aber ohne Erbschein werde ich da vermutlich ohnehin keine Auskunft bekommen, denn mit den beiden Versicherungen hatte ich nie etwas zu tun. Den Erbschein bekomme ich hoffentlich im Laufe diesen Jahres. Die Rentenversicherung erledigte auch die Kontenklärung, so dass ich jetzt Gewissheit über meine Altersrente habe. Nun, es wäre finanziell immer noch lukrativer, jetzt arbeitsunfähig verrentet zu werden, als noch zehn Jahre zu arbeiten ... Ich muss das Rentensystem nicht verstehen.
Ansonsten habe ich angefangen, mich endlich wieder um den Nachlass meiner Mutter zu kümmern. Da habe ich ja seit Jahren Probleme mit einer Bank, die die unsinnige Bescheinigung möchte, dass ich meine Mutter bin, die ihren Namen in meinen Namen änderte. Alle rechtsrelevanten Dokumente wie Bankvollmacht, die meine Mutter mir schon zu Lebzeiten gab, Testament oder Erbschein werden nicht akzeptiert. Ich versuche es jetzt noch einmal im Guten zu klären, bevor ich die Sache einem Anwalt übergebe und schnellstmöglich alle Konten bei diesen unfähigen Bank auflöse. Die Bank ist für fehlende Kundenfreundlichkeit bekannt; ich kenne mittlerweile einige ähnliche haarsträubende Geschichten.
Die Thomas-Beckett-Rosen haben alle drei sowohl Winter als auch Urlaub überstanden! Am kommenden Wochenende kann ich die erste auf den Friedhof pflanzen. Ich muss noch so ein Wildabwehr-Spray besorgen, aber bis die ersten Knospen kommen, dauert es sicher noch etwas. Ich muss ohnehin langsam mal herausfinden, welche Gärtnerausrüstung ich für den Friedhof brauche, aber das hat vielleicht noch etwas Zeit.
Die Mützen für die Lübecker Seemannsmission sind gepackt und können sich auf den Weg machen. Es sind tatsächlich 21 Stück geworden! Für die Innocent-Mützen-Challenge wurden es 15 Stück. Auch die machen sich im Laufe der Woche auf den Weg. Die angefangene Elbbrücken-Socke musste ich wieder aufribbeln, weil sie für meine Wade zu eng war und weil ich zu blöd für eine Bumerang-Ferse bin. Ich arbeite das Muster jetzt so um, dass ich eine Käppchen-Ferse stricken kann, meine Lieblingsferse.
Mit "Balagan*" von Mirna Funk* las ich im Urlaub ein unwahrscheinlich intensives Buch, das noch lange nachhallt.
Ein bisschen Sperrmüll steht an der Straße und wird hoffentlich morgen abgeholt - die Müllabfuhr ist hier ja eine Lotterie, und ich weiß auch nicht, ob alles, was ich an die Straße stellte, als Sperrmüll angesehen wird oder als Bauabfall. Den muss ich dann selbst zum Müllumschlag fahren und teuer bezahlen. Jedenfalls ist es weniger Sperrmüll als gedacht, weil ich nur das an die Straße stellte, was ich sicher als Sperrmüll identifizieren konnte. Was ich evtl. noch verkaufen kann, lasse ich erstmal stehen. Trotzdem ist es zumindest in der Kellerküche leerer geworden. Es tat weh, Dinge, die der Gatte möchte, mit denen er sich viel Mühe beim Bauen gab, an die Straße zu stellen, darunter auch die Reste der letzten Küche, die er baute und die aus unbekannten Gründen mit umzogen. Vermutlich wollte der Gatte einiges davon weiterverwenden.
Bei Schwiegermutter meldete ich mich zurück. Sie hatte immerhin behalten, dass ich verreist war, wusste aber nicht mehr, dass ich sie besuche. Ich bin gespannt, ob sie es Freitag noch weiß ... Trauer und Demenz setzen ihr sehr zu. Bei Tante meldete ich mich ebenfalls zurück. Der Verfall ihrer Cousine setzt ihr sehr zu. Ich bezweifle, dass die beiden nochmal zusammen urlauben werden. Schwiegermutter ist aufgrund der Demenz nicht mehr reisefähig, und Tante ist körperlich dazu nicht mehr in der Lage.
Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse. / *Affiliate links































