Sonntag, 15. Februar 2026

Samstagsplausch KW 07/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCIX

Dass der Februar durch den Tod des Gatten ein schwerer Monat würde, war mir schnell klar. Im Februar vor 26 Jahren haben wir uns offiziell verlobt - inoffiziell, nur für uns sagten wir schon ein Vierteljahr früher Ja zu einander, ganz kurz nach unserem Kennenlernen. Im Februar vor 24 Jahren heirateten wir. Im Februar ist Valentinstag. Alle drei Tage zelebrierte der Gatte liebevollst mit Blumen, Geschenken, Essenseinladungen. Da wir vor 24 Jahren aus beruflichen Gründen keine Hochzeitsreise machen konnten, uns gerade mal für ein langes Wochenende frei nehmen konnten, fuhren wir jedes Jahr über unseren Hochzeitstag weg, wenigstens für ein langes Wochenende. Damit hörten wir erst 2023 auf, nachdem der Gatte einen Schlaganfall hatte und wir mit dem alt-neuen Haus beschäftigt waren.

Der Abendhimmel auf dem Friedhof kann Drama.

Ich bin froh, dass ich gestern und letzten Sonntag lieben Besuch hatte, um mir die schweren Februarwochen etwas zu erleichtern, mich auch zum Friedhof zu begleiten und mit mir zu weinen. Blumen, Schnobkram und selbstgebackenen Kürbisstuten brachte der Besuch auch noch mit!

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 309. 

Die DRV meldete sich endlich zum Antrag auf Hinterbliebenen-Rente. Der Antrag ist also nach gut einem Vierteljahr in Bearbeitung. Es fehlen zwei Formulare. Eines verschlampte die DRV, das zweite ging zwei Mal bei der Krankenkasse, die es ausfüllen muss, verloren. Kommende Woche habe ich einen Termin bei der Krankenkasse, um das Formular in meinem Beisein ausfüllen zu lassen. Bei dem anderen hoffe ich, dass der DRV eine Kopie reicht, sonst muss ich meinen Arbeitgeber nochmal damit behelligen. 

Ich schlafe seit bummelig zwei Wochen etwas besser, was heißt, dass ich mehr Energie für meinen Alltag habe. Das führte dazu, dass ich es inzwischen schaffte, alle Versicherungen vom Tode des Gatten zu unterrichten und einige Mitgliedschaften zu kündigen. Mal gucken, wann das alles abgewickelt ist. Das hängt auch maßgeblich davon ab, wann ich den Erbschein bekomme. Ich hoffe, das klappt noch in diesem Jahr.

An der Tür zu meinem Arbeitszimmer hängt jetzt eine Pinnwand mit vielen Zetteln der Vorgänge, die ich im Auge behalten muss, und die Vorgänge liegen hübsch sortiert auf der Bettseite des Gatten - da ist einfach am meisten Platz. Ich versuche, jeden Tag ein paar Minuten die Unmengen von CDs, Videospielen und Büchern des Gatten zu sichten für das nächste Momox-Paket. Das kostet unwahrscheinlich viel Kraft. Für die Großbaustellen Keller und Dachboden ist erst recht keine Kraft da. Auch wenn ich besser schlafe, bin ich doch immer noch froh über jeden Tag, an dem ich es schaffe, aufzustehen. 

Im Büro ist viel zu tun, ich muss alles an Kraft und Konzentration aufbringen, was ich finden kann. Die neue Chefin (Chefin I, wir haben jetzt zwei Chefinnen) ist sehr bemüht und fürsorglich. Als sie hörte, dass meine Kollegin und ich arge Technik-Probleme mit unserem CMS haben, kam sie sofort, um sich das CMS samt technischer Tücken demonstrieren zu lassen. Das ist neu! Ergebnis: Wir kümmern uns um ein neues CMS! So schnell fallen bei uns selten Entscheidungen. Außerdem befand Chefin I, ich könne unmöglich mit dem alten Monitor arbeiten, an dem ich arbeite, sondern bräuchte zwei große Bildschirme, um meine Augen zu entlasten. Mit so viel Fürsorge kann ich nur schlecht umgehen. 

Ich versuche, mich auf die bevorstehende Kopenhagen-Reise zu freuen. Im Moment überwiegt das Gefühl, das wird endlos anstrengend. Deswegen fahre ich auch nicht über unseren Hochzeitstag weg - die Kraft fehlt. Eine Wien-Reise ist im Gespräch, worüber ich mich freue, aber auch hier überwiegt aktuell die Sorge, dass die Kraft nicht reichen könnte. Von der angedachten Jordanien-Reise rede ich gar nicht erst. Richtig in die Urlaubsplanung starten kann ich ohnehin erst, wenn ich weiß, wann meine Reha beginnt (falls überhaupt) und wie langfristig meine Finanzen aussehen werden.

Diese Woche musste ich auch zur zweijährlichen Brustkrebsvorsorge. Durch den Umzug kam ich etwas aus dem Takt, musste dem Termin hinterher telefonieren. Dafür fand das Screening jetzt in der Kleinstadt statt, konnte ich ganz kommod zu Fuß gehen und danach noch einen Teil des Wocheneinkaufs erledigen. Hier findet das Screening nicht in einem riesigen Zentrum statt, sondern kuschelig in einem Bus, wo ich zusammen mit fünf anderen Frauen wartete. Wir bekamen alles voneinander mit - Datenschutz wird überschätzt. Ich bin gespannt auf das Mammographie-Ergebnis, lebe ich doch seit April 2021 mit einer Krebs-Diagnose, ohne zu wissen, wo in meinem Körper dieses Biest schlummert.

Schwiegermutter versinkt immer schneller in der Demenz. Aktuell werde ich zwischen ihr und Tante aufgerieben. Tante möchte ja, dass ich mich um ihren Nachlass kümmere, wenn Schwiegermutter dazu nicht mehr in der Lage sein sollte. Das bekam diese ominöse Hilfe mit, die sich mit ihrem Mann um Tante kümmert. Und diese ominöse Hilfe realisierte auch erst jetzt, dass ich Weihnachten dafür sorgte, dass sie nicht als erstes in Tantes Wohnung darf, sobald Tante stirbt. Der Plan dieser Hilfe ist nämlich, sich alle Wertsachen unter den Nagel zu reißen, und das sagt sie auch ganz unverblümt. Weihnachten sorgte ich dafür, dass Schwiegermutter und ich erst den Nachlass sichten, bevor diese Hilfe etwas verkaufen und das Haus ausräumen kann. Das ist mit der Dame auch so in ihrem Beisein abgesprochen, aber sie realisierte das erst jetzt. Ich vermute, dass sie zumindest die Bankkonten leerräumen wird, bis wir da sind. Jetzt will diese Person sich nicht mehr um Tante kümmern, und die ist verzweifelt, weil sie Hilfe braucht. Man könnte eine andere Lösung finden als diese Dame, aber das will Tante nicht.

Jedenfalls habe ich abwechselnd Schwiegermutter und Tante am Telefon. Schwiegermutter unterstellt Tante bösartig zu sein, nur mir gegenüber freundlich zu tun. Ich habe Tante in den letzten 26 Jahren nie anders als lieb und freundlich kennengelernt, was auch dem Empfinden des Gatten entspricht, der sie ja 64 Jahre lang kannte. Sie war ihm immer lieber als seine eigene Mutter. Insofern traue ich eher dem Gatten und mir. Ich weiß, wie bösartig und hinterhältig Schwiegermutter sein kann, auch bei klarem Verstand.

Bei Schwiegermutter kommt jetzt noch eine fürchterliche Weinerlichkeit hinzu, weil sie Angst hat, mich zu verlieren. Ich kenne das von meiner Mutter, grenze mich ab, aber das kostet unwahrscheinlich viel Kraft. Ich hatte gehofft, ich könnte den Tod des Gatten in Ruhe verarbeiten und langsam so etwas wie ein eigenes Leben entwickeln, aber nicht mir dieser Schwiegermutter, die versucht, sich an mich zu klammern. 

Seit heute scheint zumindest bei Tante ein wenig Ruhe eingekehrt zu sein. Ich führte ein längeres Telefonat mit ihr, die dieser Dame ausredete, einen Anwalt einzuschalten, um gegen Schwiegermutter und mich vorzugehen, und besprach mit ihr, wie sie diese Dame notfalls loswerden kann. Tante hat ja einen Pflegedienst, und die Aufgaben, die diese ominöse Hilfe für sie erledigt, kann auch eine Haushaltshilfe vom Pflegedienst übernehmen - gegen Bezahlung, aber ihre komische Hilfe arbeitet ja auch nicht umsonst, sondern zockt Tante kräftig ab. Ich sagte Tante zu, dass ich mich kümmern werde, wenn ihre komische Hilfe tatsächlich abspringt, notfalls gerne ein paar Tage zu ihr fahre, um vor Ort alles zu regeln, und hoffe, das beruhigt sie etwas. 

Aktuell geht es Tante zwar nicht gut, aber generell ist sie quietschfidel. Dass diese Hilfe permanent in Tantes Beisein darüber redet, was sie mit Tantes Sachen macht, wenn sie erst mal tot ist, finde ich, gelinde gesagt, geschmack- und anstandslos. Sie hat sogar auf einige Dinge schon Aufkleber mit ihrem Namen geklebt! Wenn ich könnte, wie ich wollte, hätte ich Weihnachten schon sehr deutliche Worte gefunden. Aber ich mache natürlich nichts, was Tante schadet. 

Zum Glück ruft Schwiegermutter ausschließlich über das Taschentelefon an, und das ist die meiste Zeit über stumm. So kann ich wenigstens entscheiden, wann ich zurückrufe. Schwiegermutter redet inzwischen so wirr, dass ich Mühe habe, ihr zu folgen. Ich bin gespannt, wie lange das noch gut geht. Noch ist keine Demenz diagnostiziert, gilt Schwiegermutter nur als speziell - und das ist sie schon ihr ganzes Leben ... 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

Freitag, 13. Februar 2026

#12von12 im Februar 2026

Caro von "Draußen nur Kännchen" sammelt wie jeden Monat am 12. des Monats 12 Impressionen des Tages - vielen Dank dafür! Hier kommen meine Februar-Bilder. 

#1: Schnuffi und ich halten nichts vom Aufstehen bei Dunkelheit. Es will gefühlt morgens einfach nicht früher hell werden, und das Dauergrau hebt auch nicht gerade die Laune.

#2: Dem Gatten guten Morgen sagen.

#3: Lifestyle-Teilzeit leben und langsam in den Arbeitstag starten mit Strickzeug, Milchkaffee und Marmeladenbrot.

#4: Nach dem Krebs gucken. Ich habe seit April 2021 eine Krebs-Diagnose, weiß aber nicht, wo im Körper sich das Biest versteckt.

#5: Erste Frühlingsboten zwischen dem Streusand.

#6: Letzten Mittwoch bestellte ich einen Hasen-Leuchter für den Gatten. Heute konnte ich ihn abholen. Ich hoffe, er gefällt ihm.

#7: Bunte Blumen gegen das Dauergrau.

#8: Mittagspause mit Granola nach einem Rezept aus Shermins neuem Kochbuch*.

#9: Ich halte die Wolldiät bis auf eine Ausnahme eisern ein.

#10: Auf zum Stricktreffen. Jedes Mal, wenn ich die Münzen für den Teilnahmebeitrag suche, muss ich daran denken, wie der Gatte mir im Sommer drei Euro aus seiner Kleingeldsammlung gab und verschmitzt lächelnd meinte, ich solle mir einen schönen Abend machen. Das war ein Vierteljahr vor seinem Tod.

#11: Vor dem Stricktreffen war ich noch schnell einkaufen. Es glitzert, und es zeigt Minnie Mouse - das Brillen-Etui musste einfach mit!

#12: Vor dem Einschlafen noch etwas lesen*. Schnuffi fehlt im Bild. Er hält immer noch Aussicht nach seinem Herrchen, das am 16. Oktober 2025 zum letzten Mal durch die Schlafzimmertür ging. Schnuffi denkt noch immer, dass sein Herrchen doch irgendwann wieder zurückkommen muss. 

Der obligatorische Rückblick in die ersten sechs Corona-Jahre: Am 12. Februar 2020 beschäftigen mich meine Wechseljahrsprobleme, stand eine OP an. Fünf Jahre später bin ich immer noch mit den Wechseljahren beschäftigt. Am 12. Februar 2021 machte ich meinen ersten Corona-Test. Am 12. Februar 2022 waren die Tests schon Routine ... Dabei hoffte ich so sehr, spätestens mit der Impfung würden wir diese Moppelkotze los. Am 12. Februar 2023 war ich vom Pendeln erschöpft, arbeitete noch an der Nesteldecke für meine inzwischen verstorbene Mutter. Die Decke ist inzwischen aufgeribbelt und wurde zu Socken und Mützen. Am 12. Februar 2024 war ich in der Reha. Am 12. Februar 2025 war der Gatte guter Dinge, hatte er doch zwei schwere OPs und einen Krankenhaus-Keim überstanden. Er wusste nicht, dass noch sechs schwere OPs, diverse Infektionen mit Bakterien, Keimen und letztlich tödlichen Pilzen auf ihn warteten und er nur noch acht Monate zu leben hatte. / *Affiliate links

Sonntag, 8. Februar 2026

Samstagsplausch KW 06/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCVIII

Aktuell lebe ich in einer Warteschleife. Dass mich parallel die Trauer lähmt, ist eine doofe Kombination und willkommene Ausrede, antriebs- und energielos zu sein.

Ich warte auf den Entscheid zum Reha-Antrag, der endlich gestellt ist und von meiner Hausärztin mit Dringlichkeit weitergeleitet wurde. Ich hoffe, dass ich wieder nach Aukrug oder Bad Segeberg komme, wobei Aukrug mein Favorit ist. Beide Kliniken kenne ich, bei beiden ist die Ostsee-Familie in der Nähe. 

Solange der Reha-Antrag nicht entscheiden ist, kann ich keinen Urlaub planen oder berufliche Projekte terminieren. Beruflich spränge natürlich meine Kollegin ein, aber sie schulterte das Projekt schon im letzten Jahr überwiegend alleine. Sie würde das klaglos auch nochmal machen, nur wenn sie es nicht muss, ist sie auch nicht böse.

Ich warte auf die Entscheidung, ob ich Hinterbliebenen-Rente bekomme. Davon hängt ab, ob ich mir weiterhin trotz Lifestyle-Teilzeit solchen überflüssigen Luxus wie Lebensmittel, Freizeit, Kleidung und Urlaub leisten kann.  Aktuell zahle ich das aus Rücklagen. Die sind aber eigentlich dazu bestimmt, das Haus fertigzustellen. Da ich nicht weiß, wie sich meine finanzielle Lage entwickelt, kann ich momentan auch keine Handwerker beauftragen. Das Haus zu verkaufen und in eine Mietwohnung zu ziehen, ist aus diversen Gründen keine Option. 

Ich richte mich sicherheitshalber darauf ein, mir einen Zweitjob oder eine Vollzeitstelle zu suchen, wobei ich aktuell nicht fit genug bin, mich in neue Arbeitsfelder einzuarbeiten, und meine Chefinnen mich ungern gehen ließen. Aber meine Stelle ist nur auf 75% angelegt, kann nicht ohne Weiteres in eine 100%-Stelle umgewandelt werden. Das ginge nur, wenn jemand anderes aus dem Team 25% weniger arbeiten möchte und mir diese Anteile zugeschlagen werden. Ansonsten gibt es aktuell bei uns in der Abteilung keine freien Stellenanteile. Auch wenn die Christus-Dachte-Umgekehrt-Partei mangels Sachverstands etwas anderes behauptet: Man kann nicht überall beliebig von Voll- in Teilzeit oder zurück wechseln. 

Ich warte auf den Erbschein. Solange der nicht vorliegt, kann ich mich um einige Sachen des Gatten nicht kümmern, von denen auch die Entwicklung meiner finanziellen Situation abhängt. Der Erbschein ist seit November beantragt, und ich hoffe, dass er schon im Laufe dieses Jahres ausgestellt wird.

Ich warte auf das Ende des Winters. Eis und Schnee und grauer Himmel kosten mich extrem viel Kraft, die ich ohnehin aktuell nicht habe. Sie liefern andererseits aber auch einen willkommenen Grund, das Haus nicht zu verlassen ... Seit ein paar Tagen zwitschern morgens immerhin schon wieder die Vögel. Ich habe die Hoffnung, dass mit dem Frühling vielleicht auch etwas Energie zurückkommt.

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 308.

Hier kommen noch immer Krankenhaus-Rechnungen für den Gatten an, was jedes Mal Wunden neu aufreißt. Diese Woche kamen Rechnungen aus dem Juni. Fehlen noch die Monate Juli bis September.

Schwiegermutters sonntägliche Anrufe lasse ich aktuell ins Leere laufen, was einfach ist, da sie sich weigert, mich auf dem Festnetz anzurufen und das Taschentelefon meistens stummgeschaltet ist. Ich habe keine Lust, ihr Sonntagsclown zu sein. Sie erklärte mir im letzten Telefonat, die Sonntage seien für sie von klein auf unerträglich, weil sie da nicht im Mittelpunkt stand. Die Eltern zogen sich zurück, das Kindermädchen hatte frei, die Freundinnen waren bei ihren Familien ... Tragisch, aber nicht mein Problem. Ich sehe nicht ein, ihrem Wunsch nachzukommen und jeden Sonntag zu ihr zu fahren. Mich verletzt zudem nachhaltig, dass Schwiegermutter befand, das Grab des Gatten, ihres Sohnes, ginge sie nichts an, damit habe sie nichts zu tun. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse

Freitag, 6. Februar 2026

#WMDEDGT 2/26: Grau in Grau II

Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln! 

Ich werde gegen vier Uhr kurz wach, schlafe aber schnell wieder ein bis zum Weckerklingeln um sechs Uhr, heißt: Ich habe die dritte Nacht in Folge quasi durchgeschlafen! Scheint, die diversen Tabletten machen endlich, was sie sollen. 

Ich beschließe, langsam in den Tag zu starten. Schließlich arbeite ich in Lifestyle-Teilzeit, seitdem der Gatte starb. Eigentlich arbeitete ich auch vorher schon in Lifestyle-Teilzeit, weil ich ganz egoistisch mehr Zeit für meine Hobbies haben wollte, aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr Vollzeit arbeiten wollte, deswegen von Voll- in Teilzeit ging. Dass ich die Teilzeit nutzen würde, um erst meine Mutter und dann meinen Mann zu pflegen, war nicht geplant. 

Wenn ich schon in Lifestyle-Teilzeit arbeite, will ich das auch genießen, zumindest heute früh - ich habe ohnehin reichlich Überstunden. Also frühstücke ich in Ruhe, kette Mütze Nummer sieben ab, vernähe die Fäden, gebe zwei Euro für die fertige Mütze ins Wollsparglas und nadle Mütze Nummer acht an, bevor ich ins Arbeitszimmer gehe und den dienstlichen Klapprechner anwerfe. 

Die Arbeit gestaltet sich zäh, geht langsam voran, weil das CMS hakt und zickt. Okay, ich habe ohnehin die Anweisung, langsamer zu arbeiten. Nun werde ich zur Entschleunigung gezwungen. Um nicht ewig auf einen Bildschirm voller Fehlermeldungen zu starren, beschließe ich, nebenbei die Betten neu zu beziehen. In Etappen werde ich damit tatsächlich bis zum Feierabend fertig. Und damit sich die Lifestyle-Teilzeit auch richtig lohnt, mache ich eine Stunde früher Feierabend in der Hoffnung, dass sich das zickige CMS bis zum nächsten Tag beruhigt. 

Ein bisschen Hausarbeit, soweit die Kraft reicht. Die reicht meistens nur dafür, im Sessel zu sitzen und zu stricken. Immerhin schaffe ich es, ein wenig aufzuräumen, Holz zu holen und den Kaminofen zu säubern, ein paar Sachen für Momox oder Flohmarkt herauszusuchen und abends eine warme Mahlzeit zuzubereiten. Ich bin stolz, weil ich es schaffe, zu Fertigsauce und Fertiggemüse eine frische Paprika zu schnibbeln - und das Vorratsregal ist wieder ein bisschen leerer. Ich bestelle zwei Hasen - als würde der Gatte noch leben. Der liebte Hasen. Das Haus ist voller Hasen (okay, das Haus ist voll mit allem, aber die Hasen werden bleiben dürfen). 

Eigentlich müsste ich die Stube besuchsfein machen, denn am Wochenende hat sich Besuch angesagt, aber mir fehlt die Kraft. Vermutlich werde ich das Sonnabend in letzter Minute machen, parallel zum Kuchenbacken. Und wenn dann der Esstisch kuchenfein gedeckt ist, entscheiden wir uns, zum Bäcker oder in eine Lokalität zu gehen, wird der Kuchen eingefroren ... Egal, Hauptsache, ich bin auf alles eingestellt.

Dennoch sitze ich die meiste Zeit rum und stricke. Mütze Nummer acht wird abends bis auf 18 Reihen fertig sein. Ich überlege kurz, sie schnell noch fertig zu stricken, bin aber vernünftig und gehe ins Bett, da sehr müde und erschöpft. Vor dem Einschlafen wird natürlich noch etwas gelesen*. Dass die Konzentration dafür reicht, ist vermutlich ein gutes Zeichen.

Der Blick zurück in die ersten sechs Corona-Jahre: Am 5. Februar 2020 erfasste uns langsam die Coronahysterie in Form von vergriffenen Desinfektionsmittel, ging ich noch davon aus, dass mein Mammutprojekt noch ein paar Monate analog bleibt. Am 5. Februar 2021 gab's schon einen Impfstoff gegen Corona, hatten wir noch die Hoffnung, dass der Gatte gesund wird. Am 5. Februar 2022 wussten wir schon, dass der Gatte nicht mehr gesund wird, waren noch immer mit der Schlafzimmerrenovierung beschäftigt. Am 5. Februar 2023 lebte meine Mutter schon ein halbes Jahr im Pflegeheim, versank immer mehr in Aggression und Wut und nahm langsam vom Leben Abschied. Am 5. Februar 2024 war ich zur Reha. Am 5. Februar 2025 lief der Gatte zum ersten Mal dem Tod davon: In der Nacht, in der er auf die Intensivstation kam, holte der Tod seinen Zimmernachbarn. Der Gatte machte auch zum ersten Mal Bekanntschaft mit der mangelnden Hygiene im hiesigen Krankenhaus, denn er musste nach einer Routine-OP auf die Intensiv-Station, weil er sich einen Krankenhauskeim einfing. Im Oktober 2025 sollte er an einer Candidozyma auris-Infektion sterben, die er sich im Krankenhaus zuzog. / *Affiliate links

Sonntag, 1. Februar 2026

Samstagsplausch KW 05/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCVII

Nachdem ich einen Tag schlichtweg nicht wach wurde, einfach nicht die Augen aufbekam und erst mittags einigermaßen funktionsfähig war, hatte ich zwei Tage, an denen ich gut funktionierte und konzentriert arbeiten konnte. Leider dauerte dieser Zustand eben nur zwei Tage an, schleppe ich mich wieder übermüdet und ohne Konzentration irgendwie durch den Tag. Aber an den beiden Tagen, an denen ich gut funktionierte, arbeitete ich sehr effektiv, schaffte im Büro einiges weg. Da beginnt jetzt die heiße Phase, und zudem wird bei meinem Projekt einiges umstrukturiert, müssen Entscheidungen getroffen werden für die kommenden Jahre. Da sollte ich bei einigermaßen klarem Verstand sein, und das genau fällt mir ja schwer.

Diese Woche hatte ich zwei sehr trubelige Tage im Echtbüro, und ich überlege, ob ich meine Bürotage tausche oder wieder öfter ins Echtbüro fahre. Vielleicht tut mir das gut. Noch kämpfe ich aber damit, dass es morgens noch dunkel ist, wenn ich aus dem Haus muss. Nachmittags merke ich inzwischen, dass es länger hell ist, musste schon öfter die Zeitschaltuhr anpassen. Ich mag ja nicht in ein dunkles, leeres, stilles Haus kommen. Die Zeitschaltuhr sorgt dafür, dass es im Esszimmer hell ist, wenn ich nach Hause komme. Gegen Stille und Leere hilft sie nicht.

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 307.

Ich bin immer noch am liebsten für mich alleine und pflege meine Depression, auch wenn ich weiß, dass das kein Zustand ist. Manchmal kommt ein My von Aktivismus durch, aber der Moment ist meistens schnell wieder vorbei. Dementsprechend verbrachte ich das Wochenende auch wieder strickend im Relax-Sessel. Eigentlich wollte ich heute ins Kino und danach zum Gatten, aber mir fehlt jegliche Kraft.

Kassensturz im Wollsparglas: Im Januar erstrickte ich stolze 33 Euro!

Heute habe ich Kassensturz im Wollsparglas gemacht und stolze 33 Euro für Januar gezählt! Meine Depression ist echt produktiv. Ich bin gespannt, wie viel es am Ende dieses Monats wird. 

Ich habe mich nach langem Überlegen entschlossen, bei der Innocent-Aktion "Das große Stricken" mitzumachen. Gezögert habe ich, weil ich die Idee zwar lustig, aber wenig nachhaltig finde, denn ich vermute, nach dem Kauf werden die Mützchen einfach weggeworfen. Ich habe aber so viele kleine Wollreste, mit denen ich nichts anfangen kann, so dass ich dann doch anfing, Mützchen zu stricken. Ja, ich weiß, ich kann kleine Wollmengen als Füllwatte verwenden, aber ich habe mehr Füllwatte als ich in absehbarer Zeit brauche und will in dem übervollen Haus nicht anfangen, auch noch kleine Wollreste zu sammeln für den Fall, dass ich irgendwann mal Unmengen an Füllwatte brauche. Für ein Mützchen brauche ich übrigens knapp fünf Gramm Wolle. Inzwischen sind sieben Stück fertig. Mal gucken, ob es noch mehr werden. Mein Fokus liegt ja nach wie vor auf Mützen für die Lübecker Seemannsmission. Da sind inzwischen dreizehn fertig. 

Die Mutter einer Freundin wurde beerdigt, und die einer anderen kam gerade zum Sterben nach Hause. Ich merke, dass ich mit der Trauer der anderen noch weniger umgehen kann als mit meiner eigenen. Das ist untypisch für mich. Es wird Zeit, dass die Brut der Freundinnen für Enkel sorgt, dass es wieder neues Leben gibt, aber die Brut ist enkelfaul. Bislang ist nur eine Freundin Großmutter. 

Gestern war der erste Schabbat seit 2014 (sic!) ohne israelische Geiseln in Gaza. Nach 843 Tagen kehrte nun auch die letzte Geisel Ran Gvili nach Hause. Der 24jährige wurde am 7. Oktobers 2023 von der Hamas ermordet. Die Uhr am Tel Aviver Platz der Geiseln abgestellt, die die Zeit zwischen dem Hamas-Überfall und der Rückkehr aller Geiseln zählte, wurde abgestellt. Ich habe inzwischen die gelben Schleifen von meinen Seiten entfernt.

Angesichts des Winters bin ich einmal mehr froh, dass wir eine neue Haustür haben und den Windfang behielten. Ansonsten hätten wir im Hausflur nur knapp zweistellige Temperaturen. Wenn der Winter vorbei ist und ich wieder ein wenig Kraft habe, muss ich mich um die Fenster kümmern, denn es zieht wie Hechtsuppe. Ich werde es erstmal mit neuen Dichtungen versuchen.

Eigentlich hatte ich diese Woche einen Termin bei der örtlichen Rentenberaterin zur Kontenklärung, aber sie wurde krank. Ich muss kommende Woche mal nachhaken, ob sie schon wieder da ist. Ich brauche ihre Hilfe auch bei der Witwenrente, denn die Krankenkasse verschlampte ein Formular. So ist noch immer noch klar, ob ich Witwenrente bekomme und wenn ja, in welcher Höhe. 

Vor einem Jahr begann es dem Gatten immer schlechter zu gehen, so dass mir aktuell jedes WMDEDGT, #12von12 und #PMDD sehr weg tut. Dem Gatten ging es ja schon seit Oktober 2020 gesundheitlich kontinuierlich schlechter, und am 12. Oktober 2020 schrieb ich hier zum ersten Mal darüber. Auch wenn die Erinnerungen schmerzen, habe ich das Gefühl, die drei Reihen helfen mir. Ansonsten habe ich ja jederzeit die Möglichkeit, damit aufzuhören. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse