Samstag, 19. August 2017

Sieben Sachen Sonntag KW 32/17

Jüngst blickte der Gatte in den Vorratsschank und befand, es sei alles da für ein englisches Frühstück. Mit dem starteten wir in den Sonntag.

#1: Frühstück und Reiseplanung.
Die Regenpause nutzten wir dafür, endlich mal im Garten ein bisschen klar Schiff zu machen. Der Gatte war beim Beschnitt der Koniferen so gründlich, dass er gleich die sich dahinter in der Sommerfrische befindende Schefflera mit kürzte. Nun gut, die kann das ab.

#2: Grünschnitt.
Die Regenpause wurde auch genutzt, um endlich mal wieder Wäsche draußen zu trocknen. Darunter war auch das Häkelkleid, das nach acht Wochen fertig ist.

#3: Das Häkelkleid trocknet.
Mich verschlug's in die Küche zum Kuchenbacken. Eigentlich hätte ich auch noch Büro-Mittagessen vorbereiten müssen, aber ich bin momentan so ausgebrannt, dass mir Lust und Kraft fehlen. Kuchenbacken ist Anstrengung genug.

#4: Vorbereitungen für's Kuchenbacken.
Zum Abendessen gab's die Reste vom Vortag, und danach ging's auf's Sofa.

#5: Endlich mal die Label an's Selbstgemachte nähen.
Ich schrieb jeweils eine Postkarte an Denis Yücel (das Gedicht "Ich hatte einst ein Vaterland" von Heinrich Heine) sowie an  Meşale Tolu und ihren zweijährigen Sohn Serkan (über die Pferdeschwemme an der Alster). Wie diesem aktuellen ND-Artikel zu entnehmen ist, kommen tatsächlich Postkarten durch und machen Mut.

#6: Postkarten schreiben.
Kurz vorm Schlafengehen sammle ich noch alles zusammen, um aus der Dänemark-Wolle Filzpuschen für Mudderns zu stricken. Die sind inzwischen auch schon fertig, warten auf das Filzen und Verziertwerden.

#7: Planung des nächsten Filzprojekts.
Dieser Beitrag geht rüber zum Sieben Sachen Sonntag bei Frau Grinsestern. Die Rezepte gibt es wie immer in der Kombüse.

Freitag, 18. August 2017

Ausgelesen: Bücher im Juni und Juli 2017

Dadurch, dass wir den halben Juni im Urlaub waren, startete ich erst mal mit zum Urlaubsland passender Lektüre: "Lesereise Dänemark: Von Wikingern und Brückenbauern*" von Barbara Denscher.

Kein Ort Dänemarks ist weiter als etwa fünfundfünfzig Kilometer von der Küste entfernt. Denscher hat auf ihrer Reise durch das Königreich, dessen Bewohner sich immer noch gerne als stolze Wikinger sehen, vielfache Bezüge zum Meer gefunden: So etwa im Norden Jütlands, wo Ost- und Nordsee aufeinandertreffen, wo man eine versunkene Kirche entdecken und auf riesigen Sanddünen wandern kann, oder auf der kleinen Insel Samsø, die mit ihrem Ökologiekonzept international Beachtung findet.

Über die längste Hängebrücke Europas führt der Weg auf das idyllische Fünen. Und selbst der pulsierenden Hauptstadt Kopenhagen, in der Tradition und Moderne eine perfekte Einheit bilden, verleiht gerade ihre Lage am Meer einen besonderen Reiz.

Das Büchlein war sehr unterhaltsam und ratzfatz durchgelesen. Für Dänemark-Fans und alle, die sich auf eine Reise in das Land einstimmen wollen, ist es genau richtig.

Da wir im Urlaub auch gerne kochen, lud ich mir "Dänisch kochen. Gerichte und ihre Geschichte*" von Charlotte Noer auf den eReader, nur, um wieder mal zu merken, dass ich Kochbücher immer noch am Liebsten als Print lese. Ich muss da einfach blättern können, muss sie auf der Arbeitsplatte liegen haben, möchte auf den Seiten Notizen machen und Peppies anbringen können. Kurzum: Nach dem Urlaub kaufte ich mir die Printausgabe.

Schäfchen und Hase Toffee lesen meistens mit.
Außerdem als ich die Krimireihe rund um "Birne"weiter, die ich mit "Alpendöner*" von Willibald Spatz im Mai anfing. Viele verrissen das Buch ja. Ich fand's ganz okay, aber die folgenden Bände waren dann auch nicht mehr meins.

Im zweiten Band, "Alpenlust*", ist Birne frisch gebackener Polizist in Augsburg. Das geht einfach so, ohne Ausbildung, einfach, weil jemand beschloss, ihn als Mitarbeiter haben zu wollen. Nun ja.

Ähnlich haarsträubend ist der Plot: Am Hauptbahnhof soll Birne verdächtige Personen, die Sprengstoffattentate planen könnten, observieren. Doch die sommerliche Hitze macht ihm einen Strich durch die Rechnung - Birne erleidet einen Kreislaufzusammenbruch und landet im Krankenhaus. Auch seine stümperhaften Versuche, zusammen mit seiner attraktiven Kollegin Tanja einen Serienentführer zu stellen, werden nicht von Erfolg gekrönt. Wer Splatter-Filme mag, hat an der Geschichte vielleicht seinen Spaß.

Während im zweiten Band am Laufenden Meter Menschen in die Luft gesprengt werden, wird im dritten Band nur gesoffen und gekotzt. Mit "Alpenkasper*" stieg ich aus der Reihe aus. In diesem Band ist Birne plötzlich mit Katharina verlobt und hat einen Bruder. Woher beide plötzlich kommen, bleibt unklar, wie die meisten Figuren blass bleiben.

Jakob, Birnes Bruder, macht sich auf die Suche nach dem Verschwundenen. Doch seine einzige heiße Spur ist schnell kalt: Ein Rentner, zu dem Birne zuletzt Kontakt hatte, wird vor seinen Augen ermordet. Als auch noch Birnes Kollegen von der Polizei auf einem Schützenfest in der voralpenländischen Provinz fast gelyncht werden, scheint es kaum noch Hoffnung zu geben.

Zumindest ich fand Birne hoffnungslos. Die übrigen beiden Bände der Reihe werde ich mir nicht mehr antun.

Richtig Spaß machte es,  "Kohle, Karnickel und ein Koffer voller Geld*" von Peter Kersken zu lesen. Das Buch spielt im Juli 1952 im Ruhrpott. Die Förderräder drehen sich wieder, die Schlote rauchen. Der junge Journalist Hermann Leschinski ist in diesem heißen Sommer jeden Tag mit seinem Moped im Kohlenpott unterwegs.

Als er von sechzigtausend Mark erfährt, die angeblich in einem Pappkoffer am Ruhrufer gefunden wurden, vermutet er ein Verbrechen hinter der Geschichte. Doch erst ein Mord im Essener Gruga-Park und sein Besuch in einer Duisburger Zechensiedlung bringen ihn auf die richtige Fährte ...

Kersken gelingen atmosphärisch dichte Einblicke in das Ruhrgebiet der 1950er Jahre. Ich ahnte, das Buch ist das ideale Geburtstagsgeschenk für Mudderns, kennt sie doch viele der erwähnten Schauplätze. Mudderns tat sich mit dem Anfang ein bisschen schwer (Leschinski blickt zum Ende seiner Berufszeit zurück auf deren Beginn), war dann aber so begeistert, dass sie mir regelmäßig von ihren Lesefortschritten erzählte. Wie schön!

Im Anschluss la ich "Altherrenjagd*", den zweiten Band aus der Sanktus-Reihe von Andreas Schröfl. Beim Erstling, "Brauerehre*", tat ich mich erst ein wenig schwer mit dem lakonischen Stil, in dem Schröfl die Erlebnisse seines Protagonisten schildert, aber dann fand ich Gefallen an der Figur des Bierbrauers und Ex-Polizisten, der lange im Ausland lebte und nun wieder in München ist.

Zwei Alte Herren einer Münchner Studentenverbindung verschwinden spurlos. Der einzige Hinweis auf ihren Aufenthaltsort sind E-Mails, die Koordinaten enthalten. Dr. Engler, der ebenfalls Mitglied der Studentenverbindung ist, bittet den Sanktus um Hilfe. In einer rasanten Geocachingjagd durch München versuchen die beiden, die Opfer zu befreien und den Mörder zur Strecke zu bringen. Eine Jagd auf Leben und Tod beginnt. "Altherrenjagd" ist solide Unterhaltung, die München-Sehnsucht weckt.

Von München aus ging's nach London: "Das Geheimnis des weißen Bandes*" ist ein Sherlock-Holmes-Pastiche von Anthony Horowitz. Am Abend eines ungewöhnlich kalten Novembertages im Jahr 1890 betritt ein elegant gekleideter Herr die Räume von Sherlock Holmes‘ Wohnung in der Londoner Baker Street 221b. Er wird von einem mysteriösen Mann verfolgt, in dem er den einzigen Überlebenden einer amerikanischen Verbrecherbande erkennt, die mit seiner Hilfe in Boston zerschlagen wurde. Ist der Mann ihm über den Atlantik gefolgt, um sich zu rächen?

Als Holmes und Watson den Spuren des Gangsters folgen, stoßen sie auf eine Verschwörung, die sie in Konflikt mit hochstehenden Persönlichkeiten bringen wird und den berühmten Detektiv ins Gefängnis, verdächtigt des Mordes. Zunächst gibt es nur einen einzigen Hinweis: Ein weißes Seidenband, befestigt am Handgelenk eines ermordeten Straßenjungen …

Das Buch zog mich schnell in seinen Bann - so sehr, dass ich überlege, die Hörspielfassung zu kaufen, und das will bei mir was heißen, denn bei Hörspielen schlafe ich oft sehr schnell ein.

Ich blieb erst mal in London mit "Der Galgen von Tyburn*", dem sechsten Band der Flüsse-von-London-Reihe um Peter Grant von Ben Aaronovitch. Grant schuldet Lady Ty noch einen Gefallen, seit sie ihm von Erdmassen befreite. Diesen Gefallen fordert sie nun ein, denn ihre Tochter steckt in Schwierigkeiten: Auf einer Drogenparty gab's einen Todesfall.

Als klar ist, dass Magie mit im Spiel ist, wird das Folly, die für Magie zuständige Einheit der Londoner Polizei, eingeschaltet. Grant und sein Chef Nightingale ermitteln nun also auch offiziell.

Für Fans ist auch dieser Band ein Muss. Ich war allerdings froh, dass ich die Reihe von Anfang an las, denn sonst wäre mir der Einstieg schwer gefallen. Aaronovitch setzt voraus, dass die Leser sich in seiner Welt auskennen. Ist das der Fall, ist "Der Galgen von Tyburn" ein solides Stück Urban Fantasy.

Auf "Sie kam aus Mariupol*" von Natascha Wodin war ich seit Februar, als ich eine Rezension im DLF hörte, gespannt. Jetzt bekam ich es zum Geburtstag von meinen Kollegen. Der Autorin geht dem Leben ihrer ukrainischen Mutter nach, die aus der Hafenstadt Mariupol stammte und mit ihrem Mann 1943 als "Ostarbeiterin" nach Deutschland verschleppt wurde. Sie erzählt beklemmend, ja bestürzend intensiv von der Zwangsarbeit im Dritten Reich.

Ihre Mutter, die als junges Mädchen den Untergang ihrer Adelsfamilie im stalinistischen Terror miterlebte, bevor sie mit ungewissem Ziel ein deutsches Schiff bestieg, tritt wie durch ein spätes Wunder aus der Anonymität heraus, bekommt ein Gesicht, das unvergesslich ist.

Es ist ein unwahrscheinlich intensives Lese-Erlebnis. Absolute Kaufempfehlung!

Danach brauchte ich wieder leichtere Kost und tauchte mit "Cirrus Flux: Der Junge, den es nicht gab*" von Matthew Skelton in das London des Jahres 1783 ein. In einem Findelheim entdeckt der 12jährige Waisenjunge Cirrus Flux einen silbernen Anhänger. Es ist ein Miniaturglobus, und der Junge kann es kaum glauben: Er hat einst seinem Vater gehört! Doch plötzlich sind Mitglieder einer wissenschaftlichen Gilde hinter Cirrus her und jagen ihn quer durch die brodelnde Metropole London. Nicht nur der Mann aus der Luft mit seinem brennenden Mondsegel verfolgt ihn, sondern auch die furchterregende Hypnotiseurin Mme Orrery. Aber was genau suchen sie? Welches Geheimnis verbirgt sich hinter dem silbernen Anhänger? Cirrus schwebt in größter Gefahr. Und die Jagd hat gerade erst begonnen ...

Der Einstieg ist sehr zäh, es dauerte lange, bis Figuren und Handlung mich halbwegs gefangen nahmen. Vor allem die Sprünge in der Zeit störten. Viele Figuren blieben blass, Handlungsstränge führten ins Nichts ... Schade, von diesem Titel hatte ich mir mehr versprochen!

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Montag, 14. August 2017

#12von12 im August 2017

Wie in jedem Monat sammelt Caro von Draußen nur Kännchen unsere 12 Impressionen vom 12. Am Vortag endeten für mich drei Wochen Vertretungsdienst. Ich war sehr erleichtert. Außerdem kam ich am letzten Sonnabend auf die Idee, in die Tablettenbox für freitags und sonnabends die doppelte Dosis Magnesium zu geben, damit ich ohne Verspannungen aufwache. Das klappte prima. 

#1: Overnight Oats mit Melone (und Kaffee).
#2: Den Wochenplan schreiben.
#3: Auf zum Einkaufen! Und: Ja, der Gatte hat einen schlechten Biergeschmack. Aber der ist groß, der darf das. 







Unter der Woche stehe ich anscheinend so unter Strom, dass ich zu verspannt bin, um mich weiter zu verspannen. An den Wochenenden kann ich mich dann kaum bewegen. An der Ursache kann ich nichts ändern, aber wenn sich die Symptome eindämmen lassen, bin ich froh.


#4: Seitdem das Büro nicht mehr im Einkaufszentrum ist, ist sonnabends der Geldautomat der erste Stop auf dem Einkaufsweg. Sonst gibt's die Woche über kein Bargeld.

Heute muss ich mir keine Gedanken ums Frühstück machen, denn am Vortag aß ich im Büro kein Mittagessen. Ich hatte einfach keinen Hunger. Dafür habe ich nun Overnight Oats mit Melone - lecker!


#5: Kein vorbildlicher Einkauf, ich weiß. 
#6: Die Packstation.
Der Dauerregen macht uns einen Strich durch die Rechnung, denn eigentlich wollten wir früh in den Tag starten, auf den Markt, in den Garten und abends auf den Energieberg nach Wilhelmsburg, Sternschnuppen gucken. Das fällt buchstäblich ins Wasser. 


#7: Blutampfer ernten für das Abendessen.
Also lungern wir rum, starten erst nachmittags zum Einkaufen. Der Gatte muss nicht arbeiten, deswegen haben wir keinen Zeitdruck. Es geht erst zur Bank, dann in einen Backshop, wo ein Paket liegt, in den Supermarkt, zur Packstation und in einen Drogeriemarkt. Danach ist bei mir erst mal ein Nickerchen angesagt.


#8: Postkarten an die in der Türkei inhaftierten Journalisten Deniz Yücel und Meşale Tolu. Die Mainzelmännchen, so sie denn ankommen, machen hoffentlich Tolus zweijährigem Sohn Serkan Freude. Er ist mit ihr inhaftiert.
Der Abend besteht aus dem Kochen des Abendessens, aus Häkeln (tschakka, mein Kleid ist nach acht Wochen fertig!), einem Telefonat mit Mudderns und dem Schreiben von Postkarten an die in der Türkei inhaftierten Journalisten Deniz Yücel und Meşale Tolu. 


#9: Das Kleid zusammenhäkeln.
#10: Die Änderungen an der Häkelanleitung notieren, falls ich das Kleid nochmal mache.
Aus dem früheren Engagement für Amnesty International weiß ich, wie wichtig solche Post ist. Auch, wenn sie nicht immer bei den Gefangenen ankommt, beschäftigt sie viele Behördenmitarbeiter, zeigt ihnen, dass die Gefangenen nicht vergessen sind. Das ist eine durchaus effektive Form, Sand ins Getriebe zu streuen. 


#11: Ab ins Bett. Das Shirt brachte mir der Gatte letzten Sonnabend aus der Stadt mit. 
#12: Noch etwas lesen: "Verdammte Deutsche!*" von Gerhard Seyfried.
Ich will das Häkelkleid unbedingt fertig bekommen, damit ich es Ende der Woche tragen kann. Dementsprechend komme ich zu spät ins Bett. 

Die Rezepte zum Tag gibt's wie immer in der Kombüse.

Samstag, 5. August 2017

WMDEDGT 08/17

Jeden Monat am 5. fragt Frau Brüllen "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT?

Bei mir war der heutige Tag geprägt von den Nachwehen des Vertretungsdiensts. Kollegin I und Kollegin II hatten letzte Woche beide Urlaub, ich musste also zwei Vertretungsdienste übernehmen. Das ist für mich ziemlich anstrengend, zumal ich damit rechnen muss, dass Kollegin II mich Montag wieder in Grund und Boden brüllt, weil ich ihrer Meinung nach alles falsch mache.

Da ich um 11 Uhr mit terschies verabredet bin, um nach ihrem Umzug nochmal zum Recyclinghof zu fahren, stelle ich mir den Wecker, denn zurzeit bin ich so erschöpft, dass ich an den Wochenenden bis mittags schlafe.

Heute liege ich allerdings schon seit vier Uhr wach. Erst, als der Wecker klingelt, schlafe ich noch mal für eine halbe Stunde ein. Als ich um halb neun aufstehe, bin ich so verspannt, dass bei einer falschen Bewegung ein Hexenschuss droht. Dementsprechend bewege ich mich langsam und vorsichtig.

Zum Glück kommt der Gatte mit zu terschies - sein Wagen hat Sitzheizung, die tut meinem Rücken gut. Wie beim Laminattransport ist bei terschies alles bestens organisiert. Und auch die Jungs von Recyclinghof haben die samstägliche Schlange gut im Griff. Nur an Pinnebergern* scheitern sie, denn das Drive-Through-Prinzip des Recyclinghofs ist für Pinneberger zu kompliziert.

Anstatt mit dem Wagen an den Container zu fahren, auszuladen und weiterzufahren, bleibt der PI-Döspaddel vor uns direkt nach der Einfahrt mittig auf der Fahrspur stehen, und sein Beifahrer trägt jedes Teil einzeln zu den jeweiligen Containern ...

Bevor der Gatte die Pinneberger in einen Restmüll-Container stopft, drücke ich ihm die paar Regalteile in die Hand und nehme selbst das Altmetall. Wir laufen kurzerhand zu den passenden Containern, und als wir wieder am Auto sind, konnten die Müllmänner die Pinneberger gerade überzeugen, ihren Bulli an die Seite zu fahren - angesichts der wütenden Warteschlage dahinter war das für alle Beteiligten gesünder.

Der Gatte setzt mich zu Hause ab und macht sich dann wieder auf den Weg in die Innenstadt. Ich kümmere mich derweil ein bisschen um den Haushalt, mache mir was zu essen und kühle einen Bluterguss. Den holte ich mir zwar schon gestern, als ich auf der (vergeblichen) Suche nach dem Ehering von Blaumann II kopfüber in Müllcontainern hing, aber erst heute macht er sich bemerkbar.

Während der Gatte sich durch die Innenstadt shoppt, erledige ich das Gleiche online. Für mein Häkelkleid fehlen mir zwei, drei Knäuel, und um die Versandkosten zu sparen, bestelle ich gleich das Material für eine Tasche mit, die eh auf der Wunschliste steht. Dann brauchen diese Turnschuhe*** dringend ein neues Zuhause, denn meine Lieblingsneaker fallen mir schon von den Füßen.

Schließlich gucke ich nach Hotel- und Zug- bzw. Flugverbindungen für Berlin, Belgrad und Prag, denn es scheint, als hätten der Gatte und ich in diesem Jahr noch drei gemeinsame Tage Urlaub.

Gegen 15 Uhr lege ich mich ein bisschen hin, lese ein bisschen in "Verdammte Deutsche!***" und schlafe ein, was nicht am Buch liegt, sondern daran, dass mir beim Lesen im Bett immer die Augen zufallen. Gegen halb fünf ist der Gatte wieder da, hat Mühe, mich zu wecken und Geschenke für mich mitgebracht, darunter Edamame.

Wir trinken zusammen Kaffee und besprechen den Wochenplan, bevor wir das Auto mit Pfand beladen und zum Wocheneinkauf starten. Der Einkauf ist schnell erledigt, wir brauchen nicht viel. Auf der Fahrt sprechen wir über die Urlaubsplanung und entscheiden uns für Prag. Jetzt muss übernächste Woche nur noch mein Urlaubsantrag genehmigt werden.

Wieder zu Hause, wird die Spülmaschine zum zweiten Mal an diesem Tag aus- und wieder eingeräumt. Wir hatten das die Woche über verpeilt, deswegen arbeitet die Maschine heute im Akkord. Der Gatte kümmert sich ums Abendessen (Würstchen und Kartoffelsalat), ich bringe den Müll raus, was sich schwierig gestaltet, da irgendwelche Vollpfosten Altkleider und Decken in den Verpackungsmüll stopften.

Die Stadtreinigung weigert sich, die Tonne zu leeren, bis der Müll sortiert ist. Die beiden anderen Mülltonnen quellen auch über - nur einen Tag nach Leerung. Das Theater haben wir jeden Sommer, wenn die ausländischen Soldatenfamilien im Block wechseln und die Bundeswehr ihre Hinterlassenschaften entsorgt.

Vor dem Abendessen schaffe ich es noch, mit Mudderns zu telefonieren. Danach falle ich auf's Sofa, gucke Fernsehen, häkle, blättere durch "Israel***", dem aktuellen Kochbuch von Mirko Reeh***, und durch das Veranstaltungsprogramm des kommenden Halbjahres im Heidbarghof, dem Kulturzentrum umme Ecke. Vorm Einschlafen lese ich wieder ein bisschen in "Verdammte Deutsche!***".

* Für Nicht-Hamburger I: Mit dem Autokennzeichen PI fahren hier Führerscheinneulinge und Menschen, die ihren Führerschein auf dem Dom** gewonnen haben.

** Für Nicht-Hamburger II: Der Dom ist ein großes Volksfest.

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Freitag, 4. August 2017

Impressionen aus Vestervig (Dänemark): Klostermøllen - die Klostermühle

Neben der Kirche ist auch die historische Klostermühle eine weithin sichtbare Landmarke Vestervigs. Beide waren uns bei unseren Touren immer wieder Orientierungspunkte und signalisierten, dass wir bald wieder in unserem Ferienhaus sind.

Klostermøllen. Heute betritt man die Mühle durch den Keller (im Wall).
Die Holländerwindmühle gegenüber der Kirche wurde 1860 erbaut und tat bis 1960 ihren Dienst. Anfangs wurde dort ausschließlich das Getreide des Klosters zu Mehl gemahlen, bis die Mühle 1909 verkauft wurde und alle Bauern aus der Umgebung ihr Getreide dorthin bringen konnten. Das Geschäft lief gut; die Mühle wurde vergrößert, Land und ein Futtermittelhandel kamen dazu.

Blick in den ehemaligen Mühlenkeller, heute Museumseingang. Neben allerlei Infoblättern kann man dort auch "Mühlenwein" kaufen, chilenischen Wein mit einem Foto der Mühle.
Die Klostermühle ist ein sogenannter Wallholländer, was heißt, dass die Mühle auf einem Wall erbaut wurde, um den Wind besser ausnutzen zu können. Im Wall ist der Keller, durch den man die Mühle heute betritt. Früher wurde hier das Getreide an- und das Korn ausgeliefert. Es gab keine Durchfahrt, was An- und Auslieferung mühsam machte.

Ausstellungsstück. An bestimmten Tagen wird in der Mühle immer noch gemahlen.
Auf dem ersten Mühlenboden.
1964 wurde die Mühle unter Denkmalschutz gestellt, und ein Jahr später kauften Vesterviger Bürger die Mühle, um sie als Kultur- und Industriedenkmal zu erhalten. Bis zur Restaurierung dauerte es dann nochmal über 20 Jahre, aber seit 1991 ist die Mühle für die Öffentlichkeit zugänglich. Ein Verein kümmert sich um die Mühle und ihren Erhalt.

Klostermøllen.
An besonderen Tagen (zum Bespiel dem dänischen Mühlentag am zweiten Sonntag im Juli) gibt es Veranstaltungen. Wenn der Wind es zulässt, wird dann auch gemahlen und Mehl verkauft. Ansonsten kann man zwischen Juni und August täglich das Innere gegen einen kleinen Obolus betreten und auf eigene Gefahr die einzelnen Böden erkunden.

Klostermøllen und Kirche.
Es gibt kleine, ausführliche Infotafeln. Von den kleinen Fenstern hat man einen wunderbaren Ausblick auf den Fjord. Draußen gibt es einen Picknickplatz (ohne den geht in Dänemark ja irgendwie gar nichts) und umfangreiche Informationstafeln zur Geschichte der Windmühle, des Kloster und der Region.