Samstag, 30. Mai 2026

Samstagsplausch KW 22/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXXIV

Meine Urlaubswoche hatte ich mir irgendwie unaufregender vorgestellt ... Eigentlich wollte ich in Ruhe meine Liste abarbeiten, aber dann machte mir die Hitze einen Strich durch die Rechnung. Ich lag meistens komatös im Relax-Sessel, denn im Garten war es mir zu warm - außer an der Hummel-Rast, die kleine Terrasse, die der Gatte so liebte. Aber die ist noch nicht entwuchert, so dass ich da nicht richtig sitzen kann. Irgendwas ist ja immer. 

Zumindest kam ich so zum Stricken und zum Lesen. Erfreulicherweise reichte dafür die Konzentration wieder. Ich schaffte den Copenhagen Calling-Schal mit passender Mütze und nadelte eine Babydecke an. Außerdem hatte ich die Idee für ein Anti-Stress-Paket für meine Kollegin, die mich im Sommer ja einige Wochen vertreten darf, und mache ich jetzt an die Umsetzung.

Pfingstmontag raffte ich mich auf, einen Teil meiner Liste abzuarbeiten. Ein Punkt sah den Austausch des Autoschlüssels vor, der sich unlängst auflöste. Ich hatte die Hoffnung, dass mit einem neuen Autoschlüssel auch die Zentralverriegelung wieder funktioniert. Allein, der Austausch war nicht so leicht wie in diversen Videos beschrieben. Als klar war, dass ich das alleine nicht schaffe, fragte ich in der örtlichen FB-Gruppe nach einem Autoschlüssel-Schlüsseldienst, denn Google war da gerade nicht mehr Freund. Neben vielen hilfreichen Tipps wie "Das Auto fährt auch ohne Zentralverriegelung!", "Das kannst du selbst machen, dauert nur ein paar Minuten!", "Am Besten ein neues Auto kaufen!", meine ein junges Paar, wenn ich gerade Zeit hätte, solle ich einfach mal vorbeikommen. Sie hätten das schon öfter gemacht, es dauere ja nur ein paar Minuten.

Aus den "paar Minuten" wurden dann 120 Minuten. So ein Opel-Schlüssel ist deutlich hartnäckiger als einer von VW oder Audi, die Fabrikate, die die beiden bislang getauscht hatten. Es war eine sehr nette Begegnung. Meine Zentralverriegelung zickt allerdings weiterhin. Wenn mal wieder eine Reparatur ansteht, lasse ich sie erneuern, denn auf Dauer nervt es. Sie lässt sich nämlich auch nicht immer von innen bedienen, so dass ich nur selten an den Kofferraum komme. Gut, der ist beim Karlchen eh so lütt, dass kaum etwas hereinpasst, aber er ist gelegentlich ganz praktisch.

Dienstag und Mittwoch war ich mit Einkaufen und Haushalt beschäftigt. Die aktuellen Temperaturen sind optimal zum Wäschewaschen. Ich schaffte außerdem ein bisschen Ordnung im Garten und auf der Terrasse, wenngleich ich nicht so viel schaffte wie erhofft, da zu heiß. Aber mich hetzt ja keiner, ich habe ja kein Datum, zu dem ich mit allem fertig sein muss. Und ich habe gelernt, mich mit Kleinigkeiten zu bescheiden, wenn für mehr keine Kraft da ist. 

Donnerstag war einer der seltenen Momenten, in denen ich sprachlos bin: Im Postkasten war der Brief einer Anwaltskanzlei an den verstorbenen Gatten. Es ging um eine Abfindung seines Arbeitgebers, der vor 24 Jahren in die Insolvenz ging. Die Abfindung soll jetzt tatsächlich ausgezahlt werden! Der Gatte hat nichts mehr davon (und ich auch nicht, da nicht vererbbar). Ich frage mich, was der Gatte wohl dazu sagen würde, dass er theoretisch eine Abfindung bekommen hat. Er hatte mit diesem Kapitel zwar abgeschlossen, sprach nur noch gelegentlich von drei Kollegen, die ihm fehlten, zu denen er aber auch andererseits keinen Kontakt hielt, aber dass die Abfindung nicht gezahlt wurde, wurmte ihn. Die Inhaber-Familie brachte ihr Vermögen vor der Insolvenz ins Trockene. Ich hoffe, dass die Summen, die nicht ausgezahlt werden, weil die, die Anspruch darauf hatten, inzwischen verstorben sind, zumindest den überlebenden Kollegen zu Gute kommen, sie etwas mehr Geld bekommen. Die ehemaligen Angestellten werden ohnehin als letzte bedacht, nach allen anderen Gläubigern.

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 324. 

Die Trauer ist ein Marathon, kein Sprint, habe ich letztens in einer Predigt gehört, und das passt sehr gut. Die Trauer ist unendlich, auch wenn ich immer öfter zu hören bekomme, ich hätte den Tod des Gatten ja ganz gut verkraftet. Nein, das habe ich nicht. Er fehlt mir in jeder Sekunde, mit jedem Atemzug. Heute vor einem Jahr mussten wir unseren Dänemark-Urlaub absagen, weil der Gesundheitszustand des Gatten das nicht zuließ. Dass er nicht mehr nach Dänemark kommt, hat den Gatten sehr getroffen. Er hatte sich damit abgefunden, nicht mehr nach Mallorca zu kommen, aber dass er auch Dänemark streichen musste, war unendlich schwer für ihn. Wir ahnten noch nicht, dass er seinen letzten Sommer im Krankenhaus verbringen würde, dass wir nur noch knapp fünf Monate zusammen sein durften. Das Leben ohne den Gatten ist unendlich schwer.

Lieber Besuch war da, der sich spontan in unseren verwilderten Garten schockverliebte! Ich bin gespannt, ob der Garten irgendwann mal so aussehen wird, wie der Gatte und ich ihn uns vorstellten, und ob ich das noch erlebe. Der Besuch tat gut, auch wenn ich immer wieder merke, wie sehr es mich anstrengt, mit Menschen zu interagieren. 

Die Neugestaltung des Vorgartens ist in Auftrag gegeben. Ich bin auf die Umsetzung gespannt und freue mich auf einen "ordentlichen" Vorgarten. 

Die Fortsetzung des Heimwerker-Kurses fällt leider mangels Interesse aus. Wie so oft war die spontane Begeisterung größer und verpuffte schnell. 

Im Dorf eröffnet eine neue Frauenarzt-Praxis. Ich bewarb mich um einen Termin und darf tatsächlich zur Hormonsprechstunde kommen, um die Hormonersatz-Therapie ggf. fortzuführen! Den Termin in Hamburg sagte ich daher ab. Es wäre ein Traum, nicht mehr 80 km zum Gynäkologen fahren zu müssen. Theoretisch hätte ich inzwischen auch die Möglichkeit, die Hausarzt-Praxis zu wechseln, aber ich hänge an der Praxis, bei der ich fast 20 Jahre Patientin bin. Bei akuten Erkrankungen 80 km zu fahren ist zwar doof, aber bislang habe ich das ja immer irgendwie geschafft.

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Freitag, 29. Mai 2026

Friday-Flowerday #22/26: Pfingstrosen

Ich liebe seit Klein auf Pfingstrosen. Seitdem der Gatte in mein Leben trat, sind es meine Geburtstagsblumen, denn sie blühen zuverlässig zu meinem Geburtstag. 

Pfingstrosen zwei Tage nach dem Kauf.

Leider sind Pfingstrosen ausgesprochen kapriziös (wir passen also bestens zueinander) und blühen nicht in unserem Garten. Im Garten des alt-neuen Hauses wachsen sie schon seit Jahrzehnten. Die, die ich in den Hamburger Garten pflanzte, zogen mit um in der Hoffnung, dass sie sich an den alten Pfingstrosen ein Beispiel nehmen. Leider war es umgekehrt: Die alten Pfingstrosen verweigern jetzt das Blühen. 

Als ich sie kaufte, waren die Pfingstrosen noch rosa.

Als ich letzte Woche den Wocheneinkauf erledigte, waren zwei Bunde Pfingstrosen Beifang. Und diese Pfingstrosen verblüfften mich: Sie wechselten ihre Farbe! Anfänglich waren einige rosa, andere dunkelrosa. Am Ende waren alle Blüten gelb!

Dann fingen die ersten Blüten an, ihre Farbe zu ändern.

Tatsächlich gingen auch alle Blüten auf, was nicht immer der Fall war. Aber diesmal spülte ich alle Blüten mit lauwarmen Wasser ab, damit sie sich leichter öffnen können, und stellte die angeschnittenen Stiele in lauwarmes Wasser in die Edelstahl-Vase, die hier genauer zu sehen ist. Ergebnis waren riesige Pompom-Blüten. 

Ganz am Schluss waren pastellgelbe Pompoms in der Vase. Gelegentlich war noch etwas rosa zu ahnen.

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Sonntag, 24. Mai 2026

Samstagsplausch KW 21/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXXIII

Auf dem Balkon steht jetzt der 
Deck-Chair, kann ich in den 
Abendhimmel blicken.
Ich habe tatsächlich seit Donnerstag Urlaub und konnte das zwei, drei Tage gar nicht fassen! 

Montag kam meine Kollegin aus dem Urlaub zurück, und ich schrieb ihr eine Mail, sie könne langsam in die Arbeitswoche starten, es sei alles ruhig. Mittags drehte dann eine Kollegin aus einer anderen Behörde, mit der wir für eine Kampagne zusammenarbeiten müssen, durch - so sehr, dass meine Kollegin mich nach Feierabend panisch anpiepste, es kämen noch immer Mails, ich Teetasse, Kuchenteller und Strickzeug von mir warf, die Treppe hoch raste und den Dienst-Klapprechner anwarf - nur um festzustellen, dass die Dame uns mit einem anderen Projekt verwechselte. Zu dem Schluss kam sie dann auch irgendwann. 

Dienstag sah erst alles gut aus, bis besagte Dame komplett frei drehte, so sehr, dass ich meine aufgelöste Kollegin anderthalb Stunden trösten musste, weil sie sich solche Situationen sehr zu Herzen nimmt, denkt, es wäre ihr Fehler. Die Arme war so sehr neben der Spur, dass ich meinen Urlaub stornierte, denn keine Chefin war erreichbar - eine krank, eine desinteressiert, und die Vertretungen wollten nichts entscheiden, da nicht ihre Baustelle. Schon schön. Jedenfalls war in der Situation keine ordentliche Übergabe möglich, und da ich keine Reise buchte, eh zu Hause bleiben wollte, fiel es mir leicht, den Antrag zurückzunehmen. 

Ich habe sogar eine 
Solar-Lampe, um lesen 
zu können (und das
Weinglas besser zu finden).
Mittwoch war die Chefin dann wieder im Dienst und sehr verärgert ob es Verhaltens der anderen Behörde. Die zweite Chefin kam mit ins Boot, egal, ob sie wollte oder nicht, und wir entwickelten eine Strategie, die die andere Behörde gelinde gesagt überraschte, denn: Doof können wir auch. Plötzlich lief es rund. Mein stornierter Urlaubsantrag wurde storniert. Ich habe tatsächlich zehn Tag frei! Generell bin ich für Notfälle erreichbar, aber den Dienst-Klapprechner nahm ich noch gar nicht aus dem Rucksack und hoffe, er kann dort die ganze Zeit über bleiben. 

Das Pendeln verlief, anders als in der Vorwoche, erstaunlich entspannt. Ich leide aktuell unter Schlaflosigkeit und bekam morgens einen frühen Bummelzug. Die Bummelzüge sind länger das die Schnellzüge, so dass es zu normalen Zeiten schon mehr Platz gibt. Nachmittags arbeitete ich länger, so dass ich auch da einen Bummelzug bekam. Da zu Hause ja niemand mehr auf mich wartet, ist es ja egal, wann ich zurück bin. Die Bummelzüge sind übrigens ganze drei Minuten langsamer als die Schnellzüge ...   

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 323. 

Ich habe es Donnerstag und Freitag geschafft, ein bisschen im Garten zu arbeiten, wenngleich ich nicht so viel schaffte, wie ich dachte. Depression und Trauer sind zentnerschwere Gewichte, die mich zurückhalten. Immerhin war der Gärtner da, um die Gestaltung des Vorgartens durchzusprechen. Mir graut vor den Kosten, aber ich kann das Elend, das die Biologen-Freundin als "wunderschöne Naturwiese" beschreibt, nicht mehr sehen. Ich hätte es aber sicher noch etwas länger ausgehalten, wenn nicht der Zaun, der vor den Mülltonnen steht, so morsch ist, dass er sich nicht mehr flicken lässt. Das Zaunflicken wäre nämlich eines meiner Urlaubsprojekte gewesen. Aber immerhin habe ich jetzt mein eigenes Werkzeugkistchen. 

Ich habe im Hochbeet ein wenig Ordnung gemacht und die ersten Stachelbeeren entdeckt.

Es kam ein Brief von der DRV, und da es ein kleiner, dünner Umschlag war, war schnell klar, dass es nicht der erwartete Bescheid zur Witwenrente ist. Stattdessen war es eine Information darüber, dass diverse Unterlagen neu eingereicht werden müssen, weil sich die Rente zum 1. Juli erhöht und die DRV es bislang nicht schaffte, meinen Antrag zu bescheiden. Ich scheine den einzigen DRV-Sachbearbeiter erwischt zu haben, der ausschließlich analog arbeitet, denn natürlich gehen alle Unterlagen wieder in die Post, wird die Bearbeitung wieder Wochen dauern, auch, weil die Unterlagen nicht direkt an meine Personal-Sachbearbeiterin geschickt werden, sondern an die zentrale Personalverwaltung. Da muss man mich unter ca. 70.000 Leuten erstmal finden, bevor der Brief per Behördenpost die richtige Stelle erreicht. 

Der Rosmarin, der noch aus Schwiegermutters Garten stammt und drei Mal umzog, blüht.

Ich habe bei der DRV mehrfach um digitale Bearbeitung gebeten, was aber verweigert wird. Normalerweise dauert die Bearbeitung sechs bis acht Wochen. Bei mir dauert sie aktuell schon sechs Monate. Zum Jahrestag der Antragsstellung schicke ich dem Sachbearbeiter Konfetti. Immerhin weiß ich dank einer ehrenamtlichen Rentenberaterin inzwischen, welchen Betrag ich maximal zu erwarten habe und kann einigermaßen in die Zukunft planen. Ansonsten sitze ich die Bearbeitung einfach aus und bin dankbar für mein eigenes Einkommen. 

Der Schmetterlingsginster blüht. Der Gatte hätte sich sehr darüber gefreut. 

Trauer und Depression haben mich fest im Griff, aber ich schaffte es endlich mal wieder, zu stricken. Die Socken, an denen ich sage und schreibe drei Monate strickte, sind fertig! Normalerweise brauche ich für ein Paar maximal eine Woche. Ich habe Wolle für eine Babydecke samt Beißring gekauft und Fliesen für ein Upcycling-Projekt (wobei es deutlich preiswerter wäre, einen neuen Tisch zu kaufen, als den alten Lack-Tisch zu upcyclen, aber es geht ja ums Prinzip, und die Fliesen sind traumschön). 

Ich habe meinen eigenen Werkzeugkasten.

Die Chefin fragte, ob ich ihr eine Handtasche fingerstricken könne. Da ich die Technik schon länger ausprobieren wollte, sagte ich zu, sofern sie die passende Wolle besorgt. Auf der Suche nach der passenden Wolle sah die Chefin, was die handgestrickten Taschen kosten, wenn frau sie fertig kauft, und war entsetzt ob des Preises. Knapper Kommentar einer Kollegin: "Na, da weißt du ja, was du Sabine zahlen wirst!" Und: Nein, ich verlange / erwarte in der Regel kein Geld, wenn ich etwas für andere stricke, sofern es Freunde, Verwandte oder nette Kolleginnen sind und ich es selbst anbiete. Ich bin allerdings froh über jede Strickerin, die einen angemessenen Betrag für ihre Arbeit aufruft. 

Vom Heimwerker-Kurs wird es vermutlich schon im Juni eine Fortsetzung nur für unseren kleinen Teilnehmerinnenkreis geben. Das wäre toll! Im November wird der Kurs auch wiederholt, aber soweit mag ich noch nicht planen. 

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Samstag, 16. Mai 2026

Samstagsplausch KW 20/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXXII

Das Pendeln ist aktuell noch anstrengender als sonst, und ich bin heilfroh, dass ich es meistens nur zwei Mal in der Woche machen muss. Die Bahnstrecke nach Hannover wird saniert, so dass der Verkehr für mindestens zehn Wochen über unsere Kleinstadt geführt wird. Der Zug kommt morgens also schon voller als voll hier an. Keine Chance mehr auf einen Sitzplatz, stattdessen knapp eine halbe Stunde stehen. Mittlerweile steht in der DB-App der Hinweis "Zustieg kann nicht garantiert werden". Das werden tolle Wochen bis Mitte Juli. 

Gleichzeitig ist für einige Wochen die S-Bahn-Strecke zwischen Neugraben und Wilhelmsburg gesperrt, was in Harburg zu teils chaotischen Zuständen führt. Zu viele Menschen wollen in zu wenig Züge. Da bin ich dann froh, wenn ich zumindest einen Stehplatz ergattern konnte. Nachmittags gilt das gleiche umgekehrt. Sollte es einen Schienenersatzverkehr geben, dauert der vermutlich länger als die Bahnfahrt und ist ebenfalls überlastet. Kommt es zu den beliebten Oberleitungsschäden, zu Stellwerksstörungen, kurzfristigen Personalausfällen, Reparaturen am Zug oder Polizeieinsätzen, geht gar nichts mehr. Zugausfälle sind in der aktuellen Lage fatal, kommen aber täglich vor. Das Auto ist keine Alternative, es sei denn, ich wäre vor sieben Uhr im Büro. Das muss nun auch nicht sein.  

Dass die Verstärkerzüge schon lange nicht mehr in vollem Umfange fahren, passt zur aktuellen Situation. Immerhin fahren aktuell noch zwei Züge pro Richtung, muss ich nicht ab / bis Bremen oder von einem der kleineren Unterwegsbahnhöfe pendeln, denn da fährt es nur noch einer pro Stunde. Als der Gatte vor vier Jahren entschied, dass er in die lindgrüne Hölle ziehen möchte, fuhren noch drei Züge pro Stunde zwischen Hamburg und Bremen. Gerüchteweise gab es sogar Zeiten, in denen vier Züge pro Stunde fuhren. 

Seitdem ich vor acht Wochen auf ärztlichen Rat das Progesteron absetzte, weiß ich oft nicht, wohin vor Schmerzen. Selbst mit der Höchstdosis an Schmerzmitteln kann ich mich kaum bewegen. Ich habe jetzt einen Termin in der Hormonsprechstunde meiner Frauenarztpraxis und hoffe, die Ärztin, die die Sprechstunde anbietet, kann was. Ich möchte es mit der gewohnten Praxis versuchen, ehe ich versuche, einen Termin in einer anderen zu bekommen. Laut Vita ist sie darauf spezialisiert, Frauen in den Wechseljahren zu begleiten, was immer das heißen mag. Bislang war ich ja bei ihrem Kollegen in Behandlung, der meint, ich müsse mich nur mehr bewegen und weniger essen, wie so viele seiner Kolleginnen in den letzten vier Jahrzehnten. Deswegen wurde meine Hormonstörung nicht behandelt, obwohl erkannt. 

Mir geht es genau so dreckig wie vor sechs Jahren, bevor ich mit der Hormonersatztherapie anfing. Vor allem, dass ich ständig zunehme, macht mir neben den Schmerzen zu schaffen. Angesichts meiner täglichen Kalorienbilanz kann ich nicht zunehmen, nur sieht mein Körper das anders. Mit den Hormonen nahm ich über 40 Kilo ab und hielt das Gewicht. Seitdem ich keine Hormone mehr nehme, nehme ich wieder zu. Ich fühle mich dem wehrlos ausgeliefert und habe einmal mehr keine Kraft. Dazu kommen Migräne, Schlafstörungen und das wieder aufgeflammte Reflux-Syndrom. Das war schon fast weg. Ich schaffe mit Mühe den minimalsten Alltag, aber mehr ist einfach nicht drin, obwohl ich mehr machen möchte. Und dann sind da noch Depression und Trauer, zwei Begleiter, die wie Bremsklötze sind. 

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 322. 

Letztes Wochenende war ich bei einem ganztägigen Heimwerker-DIY-Workshop. Ich war sehr gespannt, ob ich den ganzen Tag durchstehe, denn jede Stubenfliege kann sich besser konzentrieren als ich, und was mich erwartet. Ich befürchtete als Dozenten einen gestandenen Handwerksmeister, den typischen "alten weißen Mann". Dass unter den Teilnehmenden Männer sein würden, hätte mich überrascht, denn kaum ein Mann gibt zu, dass er beim Heimwerken Defizite hat, und war deswegen nicht überrascht, mit lauter Frauen im Kurs zu sein. Der Dozent entpuppte sich als junger, sehr reflektierter Mann, der sich sein komplettes Wissen selbst beigebracht hat. Der gesamte Kurs war ein Glücksgriff! Binnen kurzer Zeit wurde beschlossen, WhatsApp-Gruppe und eMail-Verteiler zwecks gegenseitiger Hilfe einzurichten. Es stellte sich heraus, dass eine Teilnehmerin quasi eine Nachbarin ist und auch verwitwet. Ich muss mal gucken, was ich mit den neuen Kontakten anfange, bin ich doch recht soziophob und unsicher (ja, ich weiß, ich kann das gut überspielen). 

Jedenfalls habe ich durch den Kurs die Scheu vor Werkzeug verloren und mir gestern im Discounter eine Säge gekauft, die per USB aufgeladen wird (sie war so preiswert, dass ich dachte, da mache ich wenig falsch, und es ist eine Bedienungsanleitung dabei). Ich steige nämlich nicht nur durch die Sägen des Gatten nicht durch, sondern auch durch die dazugehörigen Akkus. Ich war schon stolz wie Bolle, als ich es schaffte zu verstehen, welcher Akku in den Rasenmäher passt. 

Außerdem kam lieber Besuch. Ich habe den Deckchair auf den Balkon gewuchtet, wo er sich gut macht. Jetzt warte ich nur noch auf wärme Temperaturen, um ihn nutzen zu können. So war es dann trotz Maladie und Malaisen eine gute Woche.

Bei der Witwenrente ging's einen Schritt weiter: Meine Personalsachbearbeiterin hat drei Wochen ein weiteres Formular ausgefüllt und zurückgesandt. Aktuell scheitert die DRV daran, dass ich nicht jeden Monat den gleichen Betrag verdiene und von meinem Arbeitgeber einen Zuschuss zum Krankengeld bekam. Da weiß man nicht, wie man das anrechnen soll. DRV und Personalsachbearbeiterin sind da unterschiedlicher Meinung. Ich werde Ende Juli, kurz vor Reha-Beginn noch mal bei der DRV nachfragen. Vom Erbschein gibt es nichts neues. Bei der Bankgeschichte aus dem Nachlass meiner Mutter bin ich neu drei Formulare von der endgültigen Kapitalübertragung entfernt. Dann kann ich wenigstens das abhaken. 

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Freitag, 15. Mai 2026

#12von12 im Mai 2026

Caro von "Draußen nur Kännchen" sammelt wie jeden Monat am 12. des Monats 12 Impressionen des Tages - vielen Dank dafür! Hier kommen meine Mai-Bilder. 

#1: Den Gatten Guten Morgen sagen.

#2: Durch den kleinen Hohlweg zum Bahnhof. Den Weg nahm ich schon als Kind. Lange werde ich ihn nicht mehr gehen können, denn das angrenzende Grundstück wird bebaut. Dadurch fällt der Weg weg.

#3: Im Büro wird erstmal gefrühstückt. 

#4: Auf die Frühstückspause folgt unweigerlich die Mittagspause.

#5: Auf die Mittagspause folgt der Feierabend. Doch, doch, ich habe auch gearbeitet.

Heute ist einer von zwei Echtbüro-Tagen, wobei ein Dienstag meistens deutlich entspannter ist als ein Mittwoch. Heute bin ich sogar alleine im Büro. Der Rest ist krank, hat Urlaub oder arbeitet zu Hause. Es sind Ferien, es ist paradiesisch ruhig. Ich kann wie geplant Feierabend machen und nach Feierabend zu einer Ärzterunde starten. Als Chronikerin muss ich jedes Quartal neue Medikamente haben. Das geht erfreulicherweise alles ganz geschmeidig, so dass ich tatsächlich nur eine Stunde später als sonst zu Hause bin. 

#6: Der Metronom ist bis Mitte Juli voller als sonst. Die S-Bahn fährt nicht zwischen Wilhelmsburg und Neugraben, so dass viele den Regionalexpress nutzen. Außerdem wird der Verkehr nach Hannover zurzeit über meinen Wohnort umgeleitet. Ich habe Glück, dass ich einen Sitzplatz bekomme. 

#7: Als ich am Bahnhof ankomme, ist ein Bus da. Ich nutze die Chance und fahre eine Station mit. Das ist Premiere, denn normalerweise laufe ich die anderthalb Kilometer vom Bahnhof nach Hause, weil das schneller geht als mit dem Bus, der zudem nur alle halbe Stunde fährt. Um ganz bis nach Hause zu fahren, müsste ich jetzt noch auf einen anderen Bus warten. Stattdessen laufe ich den restlichen Weg. 

#8: Der Lieblings-Postbote war da. Irgendwann sprach er mich an, und da zeigte sich, dass er im Ehrenamt einer der Kooperationspartner "meines" Projektes ist. Er nutzt zudem gerne das Fähnchen am Briefkasten, und dadurch weiß ich immer, wann er die Post brachte. 

#9: Die Spülmaschine wartet schon seit dem Morgen darauf, ausgeräumt zu werden.

#10: Blick in den abendsonnigen Garten. Zum Draußensitzen ist es leider zu kalt.

#11: Die Brotdose für den nächsten Tag wird vorbereitet. Sie ist etwas voller als die für heute, da der Tag länger wird. 

#12: Das Kuschel-Rudel will noch etwas lesen*

Der Blick zurück in die ersten sechs Corona-Jahre: Im Mai 2020 war Tante das letzte Mal zu Besuch in Schwiegermutters Haus, bereiteten wir Schwiegermutters Umzug in die Seniorenwohnanlage vor. Im Mai 2021 war der Gatte schon über ein halbes Jahr schwer krank und zum zweiten Mal im Krankenhaus. Im Mai 2022 hatte ich noch die Kraft, vor der Arbeit Schwimmen zu gehen, ergatterten wir Öl, das durch den Ukraine-Krieg kurzfristig sehr knapp und teuer war. Im Mai 2023 bereitete ich mich auf die Trauerfeier für meine Mutter vor. Eigentlich wollten wir schon einige Wochen im alt-neuen Haus sein, wollten, das meine Mutter sieht, was wir aus dem Haus gemacht haben. Im Mai 2024 waren wir umgezogen und warteten auf die neue Küche. Am 12. Mai 2025 mähte der Gatte zum letzten Mal Rasen in dem Garten, den er so liebte. Ich wünschte, wir hätten hier noch viele Jahre miteinander eben dürfen, aber uns war kein halbes Jahr mehr vergönnt. / *Affiliate link