Sonntag, 14. August 2022

#12von12 im August 2022

Caro von "Draußen nur Kännchen" sammelt wie jeden Monat am 12. des Monats 12 Impressionen des Tages - vielen Dank dafür! Hier kommen meine August-Bilder.

#1: Morgenkaffee auf der Terrasse. Unser grünes Paradies werde ich vermissen, wenn wir im alt-neuen Haus leben, denn der Garten ist weitläufiger, die Terrasse nicht so zugewachsen. Vögel, Eichhörnchen, Mäuse. Igel und Siebenschläfer fehlen dort auch.

#2: Es verspricht, eine reiche Traubenernte zu werden. Wo der Wein wohl im nächsten Jahr wächst? Mit Glück sind wir dann schon im alt-neuen Haus, aber wo wir welche Pflanzen unterbringen, wissen wir noch nicht. Vieles aus dem jetzigen Garten kommt aber tatsächlich mit.

Der Tag verspricht, sehr heiß zu werden, und da der Wocheneinkauf ansteht, hätte ich den gerne morgens um sieben erledigt, als es gerade mal 20 Grad hat, aber da der Gatte mitkommt, fahren wir nachmittags los, wenn's weit über 30 Grad sind. Der Gatte darf ausschlafen, denn er schleppte gestern den ganzen Tag Fliesen ins alt-neue Haus und soll sich ausruhen. Für mich beginnt der Tag früh. Ich arbeite zum Glück im Heimbüro, wo es kühler ist als in der Innenstadt.

#3: Bis auf Anlage R ist die Steuererklärung fertig! Anlage R ist neu, denn der Gatte ist erst seit letztem Dezember in Rente. Ich bin gespannt, was wir nachzahlen müssen, denn das letzte Jahr war mit Kurzarbeiter- und Krankengeld knackig.

#4: Arbeiten.

Am frühen Nachmittag geht's zum Einkaufen. Das dauert länger als gedacht, und die Hitze macht uns beide gereizt. Danach ist nur noch irgendwie die Hitze aushalten angesagt. 

#5: Schon mal überlegen, was wir kommende Woche essen können und was wir einkaufen müssen.

#6: Die tierischen Mitschläfer genießen leicht verstört die Sommerfrische. Sie wurden ausquartiert, weil ich die Betten frisch beziehe.

Ein bisschen Hausarbeit, dann das Abendessen zubereiten - ein Kohlrabi-Cabanossi-Eintopf ist nicht das richtige für dieses Wetter, aber nun ja. Abends Sofa und unser Freitagsritual: Gemeinsames "Hubert und Staller"-Gucken. Zu spät ins Bett und vorm Einschlafen noch etwas lesen*.

#7: Pfand und Retoure wegbringen, dann einkaufen. 

#8: Pause mit Wassermelone.

#9: Das Bett ist frisch bezogen, die bisherige Bettwäsche hängt zum Trocknen.

#10: Die beinahe tägliche Spülmaschine.

#11: Das wird das Abendessen. Zwei Kohlrabi wurden allerdings gewürfelt eingefroren, da es sonst einfach zu viel geworden wäre.

#12: Vor dem Einschlafen noch etwas lesen*.

Das Rezept zum Tag gibt's bald in der Kombüse. Der Blick zurück in die ersten beiden Corona-Jahre: Am 12. August 2020 war der Gatte noch gesund, arbeitete in Kurzarbeit, und es war auch sehr heiß. Am 12. August 2021 war der Gatte schon krank, musste in einer Klinik durchgecheckt werden, war Gott sei Dank ohne Befund - und es war sehr heiß. / *Affiliate link

Samstag, 13. August 2022

Samstagsplausch KW 32/22: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CXXVI

Im Garten blühen die Gladiolen.
Handwerkernotstand? Welcher Handwerkernotstand? Wir sind über den Handwerkernotstand hinaus. Es sind schlichtweg keine Termine für die Sanierung des alt-neuen Hauses zu bekommen, weder in diesem noch im kommenden Jahr. Inzwischen ist es soweit, dass der Gatte selbst fliest, Laminat legt und Massen an Holzpaneelen streicht. Letztere sollten eigentlich rausgerissen werden, nur dann müsste tapeziert werden, und ein Maler/Tapezierer ist nicht zu bekommen. Also werden die Paneele geweißt. Das kennen wir aus dänischen Ferienhäusern. Damit haben wir dann quasi ganzjährig Urlaubsgefühl. Außerdem stehen außer im Treppenhaus Bücherregale davor.

Wenn der Gatte damit fertig ist, lernt er auf Youtube Bad- und Sanitärinstallation. Der Installateur für's Bad und marode Bleileitungssystem kann nämlich nicht sagen, ob er es in diesem Jahr noch schafft, überhaupt erstmal einen Kostenvoranschlag abzugeben. Kein Plan, wann die Arbeiten beginnen können. Bis dahin haben wir kein Heißwasser. Ein Lichtblick ist, dass der Installateur auch Heizung kann und befand, die Heizung müsse nicht erneuert werden. Sie darf nur nicht kaputt gehen, denn der Einbau einer neuen Ölheizung ist nicht so einfach. Und er muss uns zum Herbst hin zeigen, wo sie eingeschaltet wird, wie sie funktioniert - möglichst zum Herbst 2022. Während uns bei anderen Gewerken egal wäre, wer kommt, weil wir in der lindgrünen Hölle eh niemanden kennen, möchten wir beim Installateur keine Alternative, denn der jetzige kennt das Haus seit Jahrzehnten.

Ein Energieausweis für die Hypothek ist auf absehbare Zeit nicht zu bekommen. Ob wir ohne Energieausweis die Hypothek bekommen? 

Inzwischen wissen wir, dass der Balkon nicht saniert werden kann, sondern einsturzgefährdet ist. Mit Pech ist auch der Boden des dahinterliegenden Zimmers gefährdet. Als Damsel in Distress und per Gruß von einer Firma an die andere bin ich beim einsturzgefährdeten Balkon zumindest schon so weit, dass sich ein  Bauingenieur das Haus schon mal auf Google Maps anguckte, ich ihm die Bauunterlagen mailen darf. Vor-Ort-Termin? Nächstes Jahr. Okay, vor März könnte der Balkon eh nicht saniert werden, weil Winterpause in der Sanierungsfirma und vorher keine Termine mehr. Muss der Balkon komplett ersetzt werden, sieht's ähnlich aus. Bis zur Balkonsanierung gibt's kein Balkonsolar. Module sind ja aktuell eh nur zu Mondpreisen zu bekommen. 

Wenn der Statiker da ist, guckt er auch, ob eine Tür umgesetzt werden kann. Vielleicht kann er das auch schon anhand der Pläne. Dann könnten wir zumindest schon mal versuchen, einen Maurer zu finden. Und nach dem Umsetzen der Tür passt das Bett ins zukünftige Schlafzimmer, sofern der Boden des Zimmers noch stabil ist, weil davor der marode Balkon hängt und alles aus einem Guss ist. Kragbodenplatte nennt sich das, habe ich gelernt. Ohne umgesetzte Tür passt es nur rein, wenn wir über den einsturzgefährdeten Balkon klettern oder eine Hechtrolle von der jetzigen Tür aus machen.

Wir überlegen, auch dort, wo neu tapeziert werden müsste, auf's Tapezieren zu verzichten oder es irgendwie selbst zu machen, damit es vorwärts geht. Für's Streichen der Paneele kaufte Gatte ohnehin schon ein Profi-Farbsprühsystem. Und vermutlich werden wir monatelang ohne heißes Wasser und ohne richtige Küche leben müssen, wenn wir doppelte Kosten sparen wollen. Der alte Herd funktioniert, das ist viel Wert, außerdem haben wir einen Grill auf der Terrasse. Bis wir einen Elektriker bekommen, der herausfindet, wo in der Küche ein Kabel durchtrennt wurde, können wir die Küche eh nicht neu einrichten. Wir werden versuchen, wenigstens zeitnah einen neuen Durchlauferhitzer montiert zu bekommen. Der jetzige ist seit Jahren defekt, Mudderns wusste schon gar nicht mehr, dass es einen gibt. Dann könnten wir schon einziehen, sanieren Bad, Bleileitungen und Küche halt später. Nicht optimal, aber besser als doppelte Kosten auf unabsehbare Zeit.    

Spaßig wird auch die Demontage des Gartenschuppens aus Asbest. Das steht zwar ganz hinten auf der Liste, und eigentlich sollten es Fachleute machen, aber die sind ja nicht verfügbar. Wo der Schuppen steht, sollen ein neues Fallrohr und eine weitere Regentonne hin, und dadurch rückt es nach vorne. Was ist schon 'ne Asbestose gegen jahrzehntelange Bleivergiftung im Trinkwasser durch alte Rohre?! Dumm nur, dass wir beide Höhenangst haben und deswegen nicht bis zur Dachrinne kommen, um das neue Fallrohr zu installieren, aber 'ne Konfrontationstherapie gegen Höhenangst geht schneller, als einen Handwerker zu bekommen. 

Ich vermute, wenn der Gatte mit allem durch ist, was er jetzt schon selbst machen kann, absolviert er mal eben das Statikstudium für den maroden Balkon. Dafür gibt's bestimmt auch was auf Youtube. Den Kamin könnte er auch jetzt schon selbst setzen, nur braucht es für die Inbetriebnahme einen Schornsteinfeger, und der ist so schnell nicht zu bekommen. Wie lange dauert es eigentlich, Schornsteinfeger zu werden?! Der Gatte könnte uns dann auch selbst den Energieausweis für die Hypothek ausstellen.

Irgendein systematisches Vorgehen habe ich schon lange aufgegeben. Wir sind in allen Räumen gleichzeitig beschäftigt, was mich irre macht, aber momentan ist es die einzige Möglichkeit, vorwärts zu kommen. Wir machen, was wir selbst machen können, und dann warten wir, bis die Handwerker Zeit haben - irgendwann übernächstes Jahr, vielleicht. Letzte Woche war ich optimistisch, dass wir spätestens im nächsten Sommer umgezogen sind. Diese Woche bezweifle ich, dass es bis Ende kommenden Jahres klappt. 

Ich habe Sorge, dass sich der Gatte bei dem ganzen Projekt übernimmt, aber er scheint gut auf sich aufzupassen, arbeitet langsam, teilt seine Kraft ein. Man merkt recht schnell, wenn er überfordert ist. Ich hoffe, alles geht gut, denn ich mag keine weiteren Katastrophen, egal, welcher Art. 2020 hatte Schwiegermutter zwei Schlaganfälle, lösten wir ihren Haushalt auf, zog sie in eine Seniorenwohnanlage, wurde der Gatte schwerkrank. 2021 war dann sicher, dass der Gatte nicht mehr gesundet, berufsunfähig ist. Er ist schwerbehindert und verrentet. 2022 stürzte meine Mutter so schwer, dass sie sich nicht mehr alleine versorgen kann, kam gegen ihren Willen ins Pflegeheim, und das Jahr ist noch nicht vorbei. Ja, ich bin pessimistisch. Die Erfahrung lehrte mich, dass Ruhephasen selten lange andauern. Ich bin mehr als erschöpft und kann nicht mehr, aber ich habe keine Wahl. Ich muss funktionieren.  

In dieser Woche war der Gatte drei Tage im Haus, wovon ich ihn einen Tag begleiten konnte. Ich packte 6 Umzugskisten mit Porzellan, Gläsern und Stehrümchen. Wir entsorgten 8 Müllsäcke, 6 Reisetaschen, 2 Riesen-Plüschtiere, 6 Ikea-Taschen mit Altpapier, 1 Sack Grünabfälle und 7 Müllsäcke voller Textilien. Ein Kleiderschrank ist so leer, dass er zerlegt werden kann, und in den begehbaren Kleiderschrank kommt man schon wieder hinein. Inzwischen sind die Fliesen für den neuen Kellerboden im Keller. Vermutlich zieht der Keller als erstes um, denn der Gatte braucht seine Werkstatt.

Dass es im Haus noch Bleirohre gibt, entsetzte mich sehr. Mudderns ist ja sehr originell darin, ominöse Nebenwirkungen von Medikamenten oder Nahrungsmitteln zu finden (so isst sie keinen Fisch und Kohl, weil beides bei ihr einen Schlaganfall auslöst, und von Vitamin D bekommt sie offene Füße), nimmt ständig wechselnde homöopathisch-esoterische Mittelchen, aber die Bleirohre werden hartnäckig ignoriert. Gleichzeitig trinkt Mudderns ausschließlich Leitungswasser, weil das so eine gute Qualität hat.   

Hier gilt seit mittlerweile 126 Wochen: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause. Es geht uns vergleichsweise gut. Wir halten es gut miteinander aus.

Unsere Kontakte sind normalerweise auf das Notwendigste beschränkt, heißt: Arbeit, Ärzte, Einkaufen, Mütter - und seit dieser Woche auch Handwerker. Ich bin dankbar, dass Corona uns bislang verschonte. Wir sind natürlich geimpft, aber angesichts unserer Vorerkrankungen ist trotz Impfung eine Corona-Infektion wenig ratsam. Angesichts der steigenden Infektionszahlen ist sie aber unvermeidbar, und ich kann nur hoffen, dass es uns dann nicht zu hart trifft. 

Im Büro sind die Ferien zu spüren. Es ist ruhig. Die Kollegin, die mich beim Mammutprojekt unterstützt, ist im Urlaub. Die beiden zuletzt an Corona erkrankten Kolleginnen sind wieder im Dienst. Im Team und auf unserer ganzen Büro-Etage bin ich die einzige, die strikt weiterhin Maske trägt, was gelegentlich für Irritationen sorgt, aber egal. 

Der ÖPNV ist aktuell mal wieder ziemlich anstrengend. Es ist weiterhin brechend voll in Bussen und Bahnen, und das, obwohl ich zu Randzeiten fahre. Zu den Bauarbeiten und coronabedingten Linienverkürzungen / Taktanpassungen kommt die Hitze. Masketragen fällt bei den Temperaturen schwer - es würde niemanden stören, ließe ich sie weg, denn die Maskenpflicht wird kaum kontrolliert, weder von Hochbahn- noch von S-Bahn-Wache, jedenfalls nicht, solange kein Pressetermin ansteht. Aber ich bin vernünftig, klar.

Diesen Monat läuft das 9-Euro-Ticket aus, und ich bin gespannt, wie voll es dann in Bus und Bahn wird. Ich würde mich freuen, wenn es weiterhin ein günstiges Ticket gäbe. Bis zum Umzug fahre ich weiterhin mit Einzelfahrscheinen, das ist günstiger als das Profiticket für über 90 Euro im Monat. Es gibt zwar ein Angebot für 36 Euro / Monat für Neueinsteiger beim Profiticket, aber das gilt nur bei Firmen, die einen Zuschuss zahlen, und das macht mein Arbeitgeber nicht. Der HVV hat eine neue App entwickelt, mit der man nur das günstigste Ticket zahlt, und wie es aussieht, bin ich eine von 1.000 Testerinnen der Beta-Version und fahre zwei Monate kostenlos. Ich bin gespannt, ob ich das richtig verstand und wie ich mit der App zurecht komme.   

Der Gatte war diese Woche zum vierteljährlichen Kontrolltermin und kam mit der erfreulichen Nachricht, dass seine Blutzuckerwerte besser sind, nach Hause. Die Ärztin sagte sogar, so eine deutliche Verbesserung habe sie noch nicht gesehen! Dass der Gatte seine Kohlenhydrate per App berechnen lässt und entsprechend spritzt, zahlt sich also aus, wenngleich es immer wieder schwere Unterzuckerungen gibt, vor allem nachts, so dass wir kaum eine Nacht durchschlafen können. Das ist sehr anstrengend. Der Gatte kann sich am Folgetrag ausruhen, aber ich muss ins Büro, egal, wie kurz die Nacht war. Ernährungsberaterin und Diabetologe sind hier leider nicht hilfreich - im Gegenteil: Folgte der Gatte ihren Anweisungen, spritzte er sich in ein diabetisches Koma.   

Mudderns versucht weiterhin, sich mit dem Pflegeheim zu arrangieren. Sie hat ja auch keine andere Wahl. Leider ist immer noch nicht absehbar, wann sie eines der leerstehenden Einzelzimmer beziehen kann, so dass sie nicht wirklich ankommen, sich nicht einrichten kann. Dass sie permanent unter Menschen ist, ist schwer für sie. Sie ist viel im Haus unterwegs, betrachtet einen Strandkorb im Garten als ihren, sitzt dort gerne und liest. Ich hoffe, dass sie zum Herbst umziehen kann, denn irgendwann wird's zu ungemütlich für den Strandkorb, und sie braucht ein eigenes Zimmer, einen Rückzugsort.

Mudderns erzählte, sie wäre zusammen mit einer Mitbewohnerin spazieren gewesen - ganze 100 Meter außerhalb der sicheren Heimumgebung, das ist ein Erfolg! Sie will sich auch einer Dame anschließen, die regelmäßig spazieren geht. Mudderns bekommt der strukturierte Tagesablauf sehr gut, was an Kleinigkeiten zu merken ist wie dem Wetter angepasste Kleidung. Dass sie regelmäßig isst, tut ihr ebenfalls gut. Ansonsten gibt es klare Momente und weniger klare, und natürlich spielt sie weiterhin ihre Psychospielchen, will, dass ich alles mögliche für sie erledige, auf Abruf parat stehe. Die Erledigungen könnte sie mit ihrer Gesellschafterin selbst machen, aber das will sie nicht. Ein Nein akzeptiert sie nicht. Sie will einfach durchsetzen, dass ich sie pflege. Jedes Gespräch, jede Begegnung kostet mich ungemein viel Kraft, die ich nicht habe.

Ansonsten bleibt das Pflegeheim einfach chaotisch. Inzwischen haben wir immerhin eine korrekte Rechnung. Letzte Woche buchte das Pflegeheim den dreifachen Betrag ab, ich ließ die Buchungen zurückgehen. Jetzt ist das Heim anscheinend so verschreckt, dass es trotz Erlaubnis noch nicht den korrekten Betrag abbuchte ... Das Heim ist einfach ein krasser Unterschied zu Schwiegermutters Seniorenwohnanlage, wo alles durchstrukturiert ist, sie noch vor dem Umzug einen Ordner mit allen wichtigen Infos bekam, eigentlich permanent eine Hausdame da ist, die Fragen beantwortet etc. 

Ich wünschte so sehr, Mudderns könnte geordneter ankommen, aber da sie sich partout dem Gedanken verweigerte, aus dem Haus auszuziehen, wenn es irgendwann nicht mehr geht, ist jetzt alles ruckelig. Ich versuche so gut wie möglich zu entscheiden, was sie vielleicht mitnehmen möchte, denn von Mudderns gibt es dazu keine klare Auskunft. Sie verweigert den Gedanken, dass wir ihren Haushalt auflösen (und das kann ich verstehen, das wäre einfach zu viel für ihre Seele), denkt, wir leben in ihren Sachen, versteht nicht, dass wir Reparaturen vornehmen lassen. 

Ich habe permanent ein schlechtes Gewissen, höre aber von allen Seiten, dass Menschen mit ihren Eltern ähnliches erlebten. Das hilft. Mir ist halt eingetrichtert worden, dass ich eine schlechte Tochter bin, mich nicht genügend kümmere, und ich weiß, dass viele Nachbarn im alt-neuen Haus das gleiche denken.  

Schwiegermutter und Tante geht's gut. Schwiegermutters Bahnfahrt und das Hotel für den gemeinsamen Urlaub sind gebucht. Ich hoffe, der Shuttle von Dachau nach Füssing klappt ebenfalls. Genau wie der Gatte freut sich Schwiegermutter auf den Einzug eines kleinen braunen Hundeviehs nach Umzug ins alt-neue Haus, und wir witzeln schon, dass sie ihre Wohnung in Hamburg aufgibt, um in die leerstehende Wohnung von Mudderns Seniorenwohnkomplex zu ziehen, wo eine Hälfte Betreutes Wohnen, die andere Pflegeheim ist. Dann wäre sie auch nur 220 m von uns entfernt. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

Montag, 8. August 2022

#WMDEDGT 08/22: Milde Panik

Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln!

Wir schlafen unruhig, wie so oft, seitdem wir wissen, dass wir ins alt-neue Haus in der lindgrünen Hölle ziehen. Gestern hatte ich ein erstes Vorgespräch mit der Bank wegen einer Hypothek, und es sieht gut aus, aber jetzt macht es mir Angst, dass ich erstmals Schulden haben werde, die ich nicht auf einen Schlag zurückzahlen kann. Nur: Nützt ja nichts. 

Vom Schlaf hält mich auch Mudderns ab, die gestern ihrer Gesellschafterin gegenüber äußerte, sie wolle nun doch in eine Wohnung ziehen, nicht mehr im Pflegeheim bleiben. Der Gatte und ich sind uns einig, dass sie dafür von uns keinerlei Unterstützung bekommt, denn sie ist schlichtweg nicht mehr in der Lage, sich alleine zu versorgen. Sie kam vor vier Wochen ins Pflegeheim.

Duschen, während der Kaffee kocht, dann mit Mudderns telefonieren. Siehe da: Vom Umzug in eine Wohnung ist keine Rede mehr. Ihre Gesellschafterin fände es zwar toll, wenn Mudderns in einer Wohnung lebte, aber sie selbst fühle sich im Pflegeheim viel wohler. Ja, nee, is klaa. Das Umzugsgerede ist also mal wieder eines ihrer Psychospielchen. Das muss ich aussitzen.

Mudderns ist ängstlich, sich das Pflegeheim nicht leisten zu können (es ist preiswerter als eine Wohnung mit entsprechenden Betreuungsleistungen), und ihre Angst wurde gestern kräftig geschürt, weil das Pflegeheim geschmeidig das Dreifache der Beträge für Juli und August abbuchte. Da weder sie noch ich eine Rechnung für diese Beträge bekamen, auch keine Rechnung über die korrekten Beträge, beschließen wir, dass ich die Abbuchungen zurückgehen lasse, denn im Pflegeheim-Chaos ist kein Ansprechpartner zu finden (und die Abbuchungen erfolgen vermutlich von der Zentrale in Berlin, wo ich erst recht keinen Ansprechpartner habe). Sobald eine Abrechnung vorliegt, werden die korrekten Beträge überwiesen, richte ich einen Dauerauftrag ein, damit das nicht wieder passiert. 

Balkon- und Gartenpflanzen wässern (es scheint hier gestern nicht geregnet zu haben, während in der lindgrünen Hölle ein Unwetter mit Starkregen war), dann ab an den Schreibtisch. Ich arbeite heute zu Hause. Der Tag ist ruhig. Die Ferien sind endlich zu spüren. Ich kann regelmäßige Bildschirmpausen machen und zwischendrin frühstücken. 

Nach der Arbeit werden die Mülltüten aus dem alt-neuen Haus entsorgt, denn wir waren gestern zu schlapp, um sie noch aus den Autos zu holen. Da es nichts ist, was gammeln kann, konnten sie gut über Nacht in den Autos bleiben. Dann geht's zum Fairteiler, Lebensmittel aus dem alt-neuen Haus abgeben, und zu zwei Packstationen. Das Geburtstagsgeschenk für den Gatten ist ebenso da wie die FFP3-Masken für den anstehenden Mallorca-Flug und der Fliesenlack für den Windfang des alt-neuen Hauses. Der Gatte vermisst die bestellte Funkklingel, stellt zu Hause fest, dass er sie noch gar nicht bestellte ... Wir arbeiten also weiter mit einer offenen Haustür und "Bitte eintreten und rufen"-Zettel, wenn wir im alt-neuen Haus sind. 

Die Waschmaschine füttern und dann ein Nickerchen machen. Ich bin einfach sehr erschöpft.  

Telefonat mit Schwiegermutter, Nachfrage, ob ihre Fahrkarte ankam und sie bitten, die Tageszeitungen für uns zu sammeln, damit wir etwas an den Unmengen Packmaterial sparen, die wir für's Entrümpeln brauchen. Sie bestätigt, dass es hier gestern tatsächlich nicht regnete. Schwiegermutter sagt, wir sollten uns keine Sorgen über die Rückzahlung der Hypothek machen, denn das sei erst in zehn Jahren, das könnten wir leicht aus ihrem Erbe machen, sie sei schließlich schon 87 Jahre alt. So viel Realismus macht mich traurig. 

Balkonpause bei Wassermelone und Käseblättchen - wir wollen schließlich wissen, welche Angebote es gibt. Wir kaufen gerne nach Angeboten ein, und aktuell ist einiges dabei, das wir für's alt-neue Haus brauchen können. 

Erstes Sichten des Hypothekenantrages. Die Bankfrau sagte gestern schon, ich solle keinen Schrecken bekommen, weil es viele Unterlagen wären, aber letztlich haben wir schon alles außer Energieausweis, Entwurf des Schenkungsvertrags, aktuellen Grundbuchauszug und Gehaltsnachweise für die letzten drei Monate. Bis auf den Energieausweis sollte das alles bis zum Banktermin zu beschaffen sein, nur Energieausweise sind gerade nicht zu bekommen, weil die Nachfrage so groß ist. 

Hausarbeit, die zweite Waschmaschine auf den Weg bringen, dann ein frühabendliches Telefonat mit Mudderns, die ganz stolz ist, dass sie es endlich schafft, das Telefon alleine zu bedienen! 

Abendessen vorbereiten, dabei "Last Exit Kabul" hören, essen und anschließend gemeinsames Fernsehen - freitags gucken wir gerne "Hubert ohne Staller". Fäden verziehen bei einem Paar Handschuhe, ein neues annadeln - schließlich möchte ich mit möglichst wenig Wolle umziehen. Früh ins Bett - ich bin unwahrscheinlich erschöpft, und morgen muss der Gatte zum Herzsport, also kann ich nicht ausschlafen - und vor dem Einschlafen die letzten Seiten von "Die Erfindung des Jazz im Donbass*" lesen.

Der Blick zurück in die ersten beiden Corona-Jahre: Am 5. August 2020 lebte Mudderns noch in ihrem Haus und ärgerte sich über die linken Nachbarn, mit denen wir auch schon eine unerfreuliche Begegnung hatten. Der Gatte war noch gesund und hatte einen Bürotag in Kurzarbeit. Am 5. August 2021 war der Gatte schon krank, hatte ich noch Kraft, vor der Arbeit schwimmen zu gehen.

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Samstag, 6. August 2022

Samstagsplausch KW 31/22: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CXXV

Habt ihr mal versucht, Massen an Kleiderbügeln zu entsorgen? Viel Spaß! Kleiderbügel, die mit der Kleidung kommen, sind Verpackungsmüll. Metallbügel aus der Reinigung sollen dorthin zurück. Alle anderen sind Hausmüll. Wie soll ich das bei zum Teil 80 Jahre alten Bügeln wissen und mit zum Teil nicht mehr existierenden Geschäften ausdiskutieren?! Die Massen an Bügeln, die wir bei Mudderns im Haus finden, gehen also komplett in den Hausmüll. Aktuell haben wir einen Umzugskarton nur mit Kleiderbügeln, und es sind noch lange nicht alle Schränke auch nur ansatzweise leer ... 

Langsam ahnt man, wer hier wohnt.

Der Hausumbau bestimmt momentan unseren Alltag, und wir fragen uns weiterhin, ob wir das richtige tun. Aber alles andere als selbst in das Haus zu ziehen, macht keinen Sinn. Erste Gespräche mit der Bank wegen der Finanzierung verliefen positiv - was für uns eine Unsumme ist, ist für die Bank unter dem Mindestbetrag, um über eine Hypothek zu reden, wodurch wir eine größere Hypothek aufnehmen, als wir eigentlich möchten. So müssen wir nicht an unsere Rücklagen, haben etwas Puffer für Unvorhergesehenes, und davon gibt es reichlich, weil Mudderns das Haus systematisch verwahrlosen ließ. Letzte Woche war der einsturzgefährdende Balkon die böse Überraschung, diese Woche nicht schließende Kellerfenster - zum Glück waren wir beim Unwetter am Donnerstag vor Ort und bekamen mit, wie die Waschküche langsam voll lief. 

Wenn ich Mudderns darauf anspreche, heißt es: "Ja, das weiß ich. Deswegen gehe ich ja schon lange nicht mehr auf den Balkon." und "Ja, das weiß ich. Das Kellerfenster schließt nicht, damit die Ölheizung atmen kann." Ja, nee, is klaa. Sie hörte anscheinend irgendwann auf, mir zu erzählen, was kaputt ist, weil sie wusste, dass ich mich um Reparaturen kümmern würde, und da sie nur noch das Wohn- und Schlafzimmer nutze, konnte sie alles Defekte ignorieren. Und auch jetzt ignoriert sie, dass wir Reparaturen ausführen müssen, meint, wir würden alles Alte rauswerfen, weil wir dächten, es taugt nicht mehr. Es ist weiterhin schwierig, Informationen von ihr zu bekommen, zumal die klaren Momente selten sind.

Diese Woche nahm sich der Gatte des Heizungskellers an, der seine Werkstatt werden soll und den er deswegen als erstes braucht. In zwei Tagen schaffte er viel, entsorgte vier Ikea-Taschen voller Altpapier und sechs Müllsäcke voller Schlüssel und Schrauben. Irritiert war er von unzähligen einzelnen Schuhen - wir fragen uns, was Mudderns mit den Gegenstücken machte ... Ich war einen Tag da und kümmerte mich um Bücher, Kleidung und Geschirr. Wir haben immer wieder das Gefühl, kein Land zu sehen. Da hilft das Vorher-Nachher-Album, das der Gatte anregte, viel, genau wie meine Müllbeutel-Statistik. Langsam sind wir soweit, dass die dänischen Designklassiker, mit denen das Haus zum Teil eingerichtet ist, in den Verkauf gehen. Findet sich kein Käufer, werden wir das eine oder andere Möbelstück behalten. Im Herbst sind wir hoffentlich soweit, dass alle Schränke und Schubladen leer sind, ein professioneller Entrümpler kommen kann. Wir fanden inzwischen auch einen Altpapierhändler für die Massen an Büchern. Es dauert mich zwar, die wegzuwerfen, vor allem die aus dem 18. und 19. Jahrhundert, aber sie haben trotz ihres Alters keinen antiquarischen Wert.

Ich packe meine Jugendbücher für den Altpapierhändler ein und widerstehe tapfer der Versuchung, sie vorher alle noch einmal zu lesen. 

Ich bin sehr froh, dass der Gatte mir das Wegwerfen abnimmt, denn wie Mudderns neige ich zum Horden und würde bei jedem 50 Jahre alten Schulheft überlegen, ob ich es nicht doch aufbewahren möchte. Der Gatte ist da skrupellos, weiß aber gleichzeitig, dass Mainzelmännchen-Mobile, Kuscheldackel und Puppenstube nicht in den Müll dürfen, und wenn er unsicher ist, fragt er. Er rettete sogar eine Tüte mit Puppenstubenmöbeln!

Hier gilt seit mittlerweile 125 Wochen: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause. Der Gatte wurde im ersten Corona-Jahr schwerkrank, ist inzwischen berufsunfähig verrentet und schwerbehindert. Es geht uns vergleichsweise gut. Wir halten es gut miteinander aus, und gerade in der aktuellen Situation merken wir wieder einmal, welch ein gutes Team wird sind.

Unsere Kontakte sind normalerweise auf das Notwendigste beschränkt, heißt: Arbeit, Ärzte, Einkaufen, Mütter. Ich bin dankbar, dass Corona uns bislang verschonte. Wir sind natürlich geimpft, aber angesichts unserer Vorerkrankungen ist trotz Impfung eine Corona-Infektion wenig ratsam. Angesichts der steigenden Infektionszahlen ist sie aber unvermeidbar, und ich kann nur hoffen, dass es uns dann nicht zu hart trifft. 

Im Büro ist eine von zwei infizierten Kolleginnen wieder fit. Die zweite ist immerhin schon negativ getestet, hat aber noch heftigste Erkältungssymptome und verzweifelt an der Erreichbarkeit der Ärzte. Einen Tag, nachdem wir darüber sprachen, wurde die telefonische Krankschreibung wieder eingeführt, was ihr aber auch wenig hilft, da ihre Ärzte ja nicht telefonisch erreichbar sind. Bei dieser Kollegin lässt sich faszinierenderweise die Infektionskette lückenlos nachvollziehen: Eine Barfrau steckte Gäste an. 

Ansonsten ist es in meinem Bereich im Büro gerade recht ruhig - die Ferien sind endlich spürbar. Vor der Digitalisierung war mit dem ersten Ferientag nichts mehr los, konnte sich meine Vorgängerin um den Einkauf für das Weihnachtsgeschäft kümmern. Mit der Digitalisierung ist kaum noch zu merken, dass Ferien sind, und ich bin froh, dass ich anderes als meine Vorgängerin nur noch das Mammutprojekt habe, nicht mehr drei, wodurch u.a. der Einkauf für's Weihnachtsgeschäft wegfällt. 

Das neue Infektionsschutzgesetz nahmen wir nur am Rande war. Wenn ich es richtig verstehe, wird es ab 1. Oktober schwieriger für uns, essen zu gehen oder auszugehen, weil wir dann einen Test brauchen, denn unsere vierte Impfung liegt länger als drei Monate zurück, und eine fünfte ist ja noch nicht geplant. Tests bleiben kostenpflichtig, die offiziellen Infektionszahlen sollen schließlich niedrig bleiben. Maskenpflicht in einigen Bereichen ist gut, allerdings tragen wir ohnehin immer Maske, wenn wir unter Leuten sind. Heimarbeitspflicht wird's allenfalls geben, um Gas zu sparen, nicht, um Infektionen zu verhindern. Die Maßnahmen sind vermutlich das Maximum, das unter der FPD-Regierung möglich ist, da die anderen Parteien in der Regierungskoalition keine cojones haben. 

Im Pflegeheim, in dem Mudderns seit vier Wochen lebt, zeigen sich immer öfter die negativen Seiten. In dieser Woche wurden Mondbeträge von Mudderns Konto abgebucht, die sich überhaupt nicht nachvollziehen lassen, zumal wir keine Rechnung bekommen haben. Ich ließ erstmal alle Abbuchungen zurückgehen, und sobald ich eine ordentliche Rechnung habe, stelle ich einen Dauerauftrag. Ich bin gespannt, wann diesem Chaos-Haufen die Rückbuchungen auffallen ... Mudderns war angesichts der Höhe der Abbuchungen natürlich sofort panisch, glaubt, sich das Pflegeheim nicht leisten zu können, und will in eine Wohnung ziehen. Ich werde sie nicht daran hindern, aber ich werde sie dabei nicht unterstützen, denn sie ist definitiv nicht mehr in der Lage, alleine zu leben. 

Bislang dachte ich, wenn jemand in einem Pflegeheim lebt, werden die Angehörigen entlastet. Stattdessen kümmere ich mich um Rezepte, Verordnungen, Arzttermine, soll mal eben 80 km fahren, um die Krankenkassenkarte zum Arzt zu bringen - ist das normal? Bei mir sind es nur 80 km - wie machen das Angehörige, die weiter weg sind? Von der Apotheke gelieferte Medikamente verschwinden irgendwo im Heim, genauso wie Post und Zeitungen, und eine richtige Auskunft bekomme ich nicht, auch, weil es keine Ansprechpartner gibt. Ich wüsste beispielsweise gerne, ob ich Mudderns Wäsche etikettieren muss, jetzt, wo sie vollstationär aufgenommen wurde, für sie gewaschen wird, und wann sie in eines der vielen leerstehenden Einzelzimmer umziehen kann. Zum Glück kommt Mudderns Gesellschafterin weiterhin zwei Mal in der Woche, was eine große Unterstützung ist. Mudderns allerdings versucht, uns beide gegeneinander auszuspielen und will durchsetzen, dass ausschließlich ich mich um sie kümmere. Sie verfolgt weiterhin die Idee, dass ich den Gatten ins Heim einweise, meinen Job kündige und zu ihr in ihr Haus ziehe, verkennt, dass da niemand mitspielt.   

Sorge macht, dass Mudderns die falschen Medikamente bekommt, wobei sich nicht sagen lässt, ob das tatsächlich so ist, denn sie kann nicht sagen, welche Tabletten fehlen, außer, dass es "die kleinen" sind. Der Gatte schlug vor, dass wir ihr Wochenboxen fertig machen, aber da sich Mudderns nicht merken kann, welcher Wochentag ist, hilft das nur bedingt. So nahm sie teilweise täglich 20.000 mg Vitamin D, weil sie dachte, es wäre schon wieder Sonntag. Da ist die tägliche Zuteilung durch das Heim sinnvoller - wenn sie denn die richtigen Medikamente bekommt. 

Der Wechsel des Pflegeheims ist keine Alternative. Mudderns akzeptiert nur dieses, weil es als einziges mitten im Dorf ist, sie in der gewohnten Nachbarschaft bleibt, alleine zur Kirche gehen kann, wenn sie es sich wieder zutraut. Momentan verlässt sie das Heim nur in Begleitung, was gut ist, denn so kommt sie nicht auf die Idee, in ihrem ehemaligen Haus vorbeizuschauen. Sie würde einen Schock bekommen, denn sie glaubt, wir leben in ihren Möbeln und Sachen. Gerade verlangte sie nach einem Buch, "das blaue, das rechts auf dem Sofa liegt" - dusseligerweise sind die Bücher schon gepackt. Kommende Woche suche ich die betreffende Bücherkiste durch und hoffe, ich werde fündig.      

Schwiegermutter und Tante geht's gut. Beide machen im September zusammen Urlaub, was Tante aufgrund ihrer Einschränkungen sichtlich mehr fordert als Schwiegermutter. Ich hoffe, die beiden verbringen schöne Tage, obwohl die Reise für Tante sehr anstrengend wird. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

Donnerstag, 4. August 2022

Ausgelesen: Bücher im Juli 2022

Abends lese ich immer
in Gesellschaft.
Diesen Monat las ich zuerst die fünfbändige Reihe um den Hamburger Privatdetektiv Dr. Marten Hendriksen von Ole Hansen*. Seine Jeremias-Voss-Reihe* gefiel mir mit Abstrichen alles in allem ja ganz gut. Die Hendriksen-Reihe* beginnt, wo die Voss-Reihe aufhört, denn Hendriksen übernimmt Voss' Detektei nach dessen Heirat. So bleiben denn auch ein paar Protagonisten wie die Rentner-Gang, die Pathologin Silke Moorbach oder Hund Nero erhalten. 

Ärgerlich fand ich wie bei der ersten Reihe, das schlampig korrigiert wurde - wobei: Einige Fehler hätte schon der Autor merken müssen, selbst, wenn er nicht in Hamburg wohnt. So heißt der Hamburger Stadtteil "Rotherbaum" und nicht "Roter Baum". Und manches ist einfach nur blöd, zum Beispiel die Frage zu einem schwulen Paar, wer von beiden die Frau sei. Darüber sollten wir inzwischen weg sein (und bei dem lesbischen Paar, das ebenfalls vorkommt, wird auch nicht gefragt, wer von beiden der Mann sei). 

Ansonsten ist Hansens Stil gewohnt langatmig und detailliert, womit mein wattiges Hirn gut umgehen kann, und am Schluss folgt Hendriksen seinem Vorgänger, beginnt eine Beziehung zu einer reichen Unternehmerin.  

Mit "Mord auf dem Golfplatz: Falsches Spiel auf Mallorca*" las ich den sechsten Band der Reihe um den kochenden Polizisten Carlos, geschrieben von Carsten Philipp*. Diesmal geht es um einen Golflehrer, der mitten auf dem Golfplatz ermordet aufgefunden wurde. Es gibt keine Zeugen oder Hinweise, und die Frau des Ermordeten hat nicht den geringsten Verdacht, wer ihren Mann umgebracht haben könnte. Auch der Zwillingsbruder des Toten kann Carlos keine Hinweise geben. Doch dann stellt sich heraus, dass der Tote gerne gewettet hat. Hat seine Leidenschaft für Sportwetten etwas mit seinem Tod zu tun? Oder hat vielleicht der Zwillingsbruder etwas mit der Sache zu tun? Carlos muss verschiedenste Spuren verfolgen, um den Mörder zu finden. Laut Klappentext ist am Ende wie immer alles anders, als man denkt, aber tatsächlich ist der Plot vorhersehbar. Wie bei den anderen Bänden gibt es auch hier lange Beschreibungen der Umgebung bzw. der gefahrenen Strecken - nett als Urlaubserinnerung oder für die Urlaubsplanung. Neben den langatmigen Schilderungen muss natürlich auch langatmig begründet werden, warum Carlos selbst fährt, nicht etwa seine Frau, obwohl sie selbstverständlich eine gute Autofahrerin sei - unnötig.

Durch das ukrainische Kinderfest im Rathaus Anfang des Monats landeten drei Bände der Alster-Detektive im Büro. Die Kolleginnen hatten keine Kinder im passenden Alter, also bekam ich sie mit für das Nachbarskind im alt-neuen Haus. Vorher las ich die Bücher natürlich, denn ich will ja wissen, was ich weitergebe. 

In den August gehe ich mit "Die Erfindung des Jazz im Donbass*" von Serhij Zhadan*. Der Klappentext las sich spannend: Herman, ein junger Werbeunternehmer, wird von einem ominösen Anruf aufgeschreckt: Sein Bruder, der am Rande der Steppe eine Tankstelle betreibt, ist spurlos verschwunden. Am Ort des Geschehens trifft Herman auf die Angestellten seines Bruders, verliebt sich in Olga, die eigenwillige Buchhalterin, und versucht, die Tankstelle vor den Attacken eines einheimischen Oligarchen zu retten. Dabei wird ihm klar, dass weit mehr auf dem Spiel steht: nämlich das Glück und der Sinn des Lebens. Allein: Das Buch ist größtenteils so gar nicht mein Geschmack. Ich kämpfe mich Seite für Seite durch. 

Immerhin: Nachdem ich im Juni so genervt war vom eigensinnigen Tolino, bekam ich aus der Stadtbibliothek Köln den Tipp, zum Runterladen aus der Onleihe das Beta-Feature "Tolino Leseerlebnis" zu aktivieren, es zum Lesen aber wieder zu deaktivieren. Das half! Ich konnte 193 Seiten lesen, bevor der Tolino das erste Mal zickte. Bislang schaffte ich kaum 10 Seiten ohne Gerätegezicke. 

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Sonntag, 31. Juli 2022

#pmdd2022: Der 28. Juli 2022

An jedem 28. eines Monats ist Picture my Day-Day, kurz pmdd. Ich finde, das ist ein schönes Tagebilderbuch. Mitmachen ist einfach: Fotos vom Tag machen, bloggen oder mit #pmdd2022 auf Twitter oder Instagram einstellen. Gesammelt wird alles auf dieser Seite.

Heute kein Balkonkaffee als erstes Foto, denn dafür habe ich keine Zeit. Stattdessen reinige ich schnell noch das CPAP-Gerät, während der Kaffee durchläuft.

Schwerbepackt geht's ins Auto. Eine Tasche vergaß ich dennoch. Der Gatte bringt sie später mit.

Ich fühle mich heute wie White Rabbit: Ich bin hinter meinem Zeitplan. Hoffentlich ist die Autobahn leer. 

Die Autobahn war leer, ich bin wieder in der Zeit! Und: Ja, das Karlchen muss dringend geputzt werden, aber während des Entrümpelns lohnt das nun wirklich nicht. 

Im zweiten Zuhause, das hoffentlich bald das erste wird.

Heute bin ich sehr früh unterwegs, muss ins zweite Zuhause in der lindgrünen Hölle, denn es kommt eine Öllieferung, damit wir es im kommenden Winter warm haben. Das gehört zu den vielen neuen Dingen, die auf uns zukommen, jetzt, wo wir plötzlich Hausbesitzer sind ... Eine Nachbarin von Mudderns ist seit vielen Jahren so nett, den Öleinkauf für mehrere Nachbarn zu organisieren, und fragte vor fünf Wochen, als wir noch keine Ahnung hatten, das wir plötzlich Hausbesitzer sein würden, ob sie wie jedes Jahr für uns mit bestellen solle. Natürlich. Wir lassen erstmal so viel wie möglich beim alten.

Wir haben jetzt eine Ölheizung, die heute aufgefüllt wird (und bis zum Winter wissen wir hoffentlich auch, wie sie funktioniert).

Gegen neun Uhr komme ich endlich zu Kaffee und Frühstück.

Der Plan für den Tag. 

Jetzt ist es besiegelt: Mudderns wird vollstationär im Pflegeheim aufgenommen. 

Ich komme zwar etwas später los als geplant, bin aber pünktlich im Haus. Der Öllieferant ist sehr nett und wie Mudderns sagte, wüsste er sogar, wo der Schlüssel für den Tank hängt. Er beliefert Mudderns schon seit Jahren und fragt erstmal, wie es ihr geht. Es spannend, wer sich nach Mudderns erkundigt. Dass sich der Nachbar, der seit Jahren täglich zwei Tageszeitungen von ihr bekam, sich aber zusätzlich jeden Gefallen bezahlen ließ, nicht nach ihr fragt, verwundert nicht, ebenso wenig wie das Ausbleiben der Frage von den linken Nachbarn, die ohne Absprache in ihren Garten eindrangen, dort Kahlschlag machten und dafür einen hohen dreistelligen Betrag von ihr haben wollten (nachdem sie schon Mudderns Apfelbaum zu meucheln versuchten). Zu diesen Nachbarn ziehen wir schnellstmöglich eine Holzpalisade, auch, um ihren Schottergarten mit Plastikpool, Hüpfburg, Plastikblumen und -vögeln nicht sehen zu müssen. Außerdem wird eine Kamera installiert - besser ist das.

Wenn man die Altkleidersäcke einfach die Treppe runterfallen lässt, geht's schneller ...

Kaffeepause mit süßen Teilchen über Too good to go. Der Grill im Hintergrund sollte heute eigentlich zum ersten Mal angeworfen werden, aber es kam anders.

Im neuen Garten wachsen Malven Herbstanemonen. Die dürfen auch nach der anstehenden Umgestaltung auf jeden Fall bleiben.

Der Gatte überlegt, in der lindgrünen Hölle in den Schützenverein einzutreten. Dann stehen bei uns auch solche Gläser ...

Vormittags bin ich bei Mudderns, kommt der Gatte, der auf dem Weg den Einkauf für die kommende Woche erledigte. Arbeitsteilig räume ich im Wohnzimmer die Schränke aus, während er auf dem Dachboden Klamotten in Säcke stopft. Ich erinnere ihn an regelmäßige Pausen und hole immer mal wieder Säcke ab, damit er sich die Treppen spart. Am Ende des Tages werden wir fünf Säcke voller Klamotten, drei Säcke voller Müll, eine Ikea-Tasche voller Elektroschrott und 20 leere Koffer für den Sperrmüll haben, dazu viel Altpapier. Ich bin zehn Stunden mit Entrümpeln beschäftigt, der Gatte acht - langt dann auch.

Der Große Dicke Fette Müffelhase und der Kirmeshase zogen schon ins neue Zuhause ein. Beim Entrümpeln fand der Gatte Schnuffi, meinen Kindheits-Hunde-Hasen, der sich gerade mit beiden anfreundet.


Vor der Heimfahrt den Abwasch erledigen.

Gegen das Gefühl, nichts geschafft zu haben. Die schiere Masse dessen, was entsorgt werden muss, erschlägt uns. 

Gegen das Gefühl, nichts geschafft zu haben. Der Karton ist halbvoll. 

Nachmittags geht's nochmal zu Mudderns ins Heim, den unterschriebenen Vertrag für die Aufnahme in die vollstationäre Pflege abgeben und kurz mit Mudderns plaudern. Es ist schwer für sie. Vor fünf Wochen stürzte sie so schwer, dass klar war, sie kann nicht mehr alleine leben, egal, wie wir das Haus umbauen. Nach zehn Tagen im Krankenhaus kam sie ins Pflegeheim. Dass sie ihr Haus, in dem sie 62 Jahre lebte, so verlassen wird, hätte niemand gedacht. Das Heim ist ganze 220 Meter von ihrem ehemaligen Haus entfernt, aber sie ist tapfer, beschloss, nicht mehr dahin zurückzukehren, will sich vor allem nicht an die fürchterliche Nacht ihres Sturzes erinnern. Sie muss über Stunden hilflos gelegen haben, bis ich sie durch Zufall fand, weil es mir komisch vorkam, dass sie telefonisch nicht erreichbar war. Mudderns glaubt, dass wir schon in ihrem Haus leben, versteht nicht, dass wir frühestens Ende kommenden Jahres einziehen, wenn alles saniert und nach unseren Vorstellungen umgebaut ist. Wenn es so weit ist, wird sie hoffentlich öfter bei uns bei uns sein. Wir lassen ihr auch extra die Bank vor Haus stehen, auf der sie so gerne saß. Aber jetzt, während des Entrümpelns, wäre ein Besuch ein Schock für sie, und wir sind froh, dass sie bislang nicht daran denkt. 

Ein Souvenir meiner Israel-Zeit, das auf jeden Fall im Haus bleibt. 

Wie gut ich mal stricken konnte! Das war ein Gutschein für einen Pulliver für Mudderns. 

Die Schlüssel haben ihren Platz schon gefunden, und der Zettel ist wichtig, weil sich die Klingel hartnäckig jeder Reparatur verweigert. Eine neue ist bestellt. Die Fliesen werden übrigens weiß.

Später als geplant fahren wir zurück und landen dennoch im Stau. Der Gatte ist vor mir zu Hause und trägt die Einkäufe rein, während ich die Textil- und Müllsäcke zu den Mülleimern schleppe. Kurze Balkonpause, dann Einkäufe wegräumen und den Elektrogrill anwerfen. Das Zwiebelbaguette, auf das sich der Gatte so sehr freute, habe ich dusseligerweise im Haus vergessen ... Nach dem Abendessen und etwas Hausarbeit ist nur noch Sofasitzen und frühes Schlafengehen angesagt - ich muss am kommenden Tag wieder ins Büro.   

Es gibt sie noch, die Schleichwege meiner Kindheit, nach 40 Jahren zugewachsen. Ich freue mich schon darauf, sie mit dem Gatten zu gehen.

Gegen das Gefühl, nichts geschafft zu haben. 

Mal gucken, ob die Abholung klappt. [Spoiler: Sie klappte.]

Der Blick zurück in die ersten beiden Corona-Jahre: Am 28. Juli 2020 war der Gatte noch gesund und mit der Haushaltsauflösung seiner Mutter beschäftigt. Zwei Tage später wurde ihr Haus an die Käufer übergeben. Zwei Jahre später ist er mit der Haushaltsauflösung meiner Mutter beschäftigt. Am 28. Juli 2021 war der Gatte schon krank, beschäftigte mich ein ominöser Tumor-Verdacht (der sich ein Vierteljahr später zum Glück nicht bestätigte, da die gefunden Tumore gutartig sind).

Und täglich grüßt die Spülmaschine. In der Lücke vorne stand mein Thermobecher, den ich schon früh morgens rausfischte.

Der Gatte erledigte den Wocheneinkauf, und ich ahne, wir werden an den sechs Kohlrabi mindestens zwei Wochen essen ...

Vor dem Einschlafen noch etwas lesen: "Die Erfindung des Jazz im Donbass*" ist allerdings so gar nicht meins. 

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Samstag, 30. Juli 2022

Samstagsplausch KW 30/22: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CXXIV

Vorgestern habe ich den Vertrag auf vollstationäre Aufnahme von Mudderns ins Pflegheim unterschrieben - damit ist es nun besiegelt, dass sie dort bleibt. Theoretisch hat sie auch schon ein Einzelzimmer. Praktisch scheitert es am Personalmangel, denn niemand ist da, um die freien Zimmer zu renovieren, damit sie neu vergeben werden können. Der Personalmangel ist immer wieder zu spüren und macht mir Sorge, aber die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die da sind, sind einfach zauberhaft. Mal schauen, wie sich das alles entwickelt. 

Es ist eine große Erleichterung, dass sich Mudderns im Heim wohlfühlt, langsam ihre Routinen entwickelt, ankommt, endlich wieder einen strukturierten Tagesanlauf hat und vor allem auch isst. Wenn sie ins Einzelzimmer umgezogen ist, hat sie endlich auch ein paar vertraute Möbel und Erinnerungsstücke, kann richtig ankommen. Dass Mudderns so schwer stürzte, dass klar wurde, sie kann nicht mehr alleine Leben, ist gerade erst fünf Wochen her, und wir sind alle noch dabei, uns in die neue Situation einzufinden. 

Hier gilt seit mittlerweile 124 Wochen: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause. Der Gatte wurde im ersten Corona-Jahr schwerkrank, ist inzwischen berufsunfähig verrentet und schwerbehindert. Es geht uns vergleichsweise gut. Wir halten es gut miteinander aus, und gerade in der aktuellen Situation merken wir wieder einmal, welch ein gutes Team wird sind.

Unsere Kontakte sind normalerweise auf das Notwendigste beschränkt, heißt: Arbeit, Ärzte, Einkaufen, Mütter. Ich bin dankbar, dass Corona uns bislang verschonte. Wir sind natürlich geimpft, aber angesichts unserer Vorerkrankungen ist trotz Impfung eine Corona-Infektion wenig ratsam. Angesichts der steigenden Infektionszahlen ist sie aber unvermeidbar, und ich kann nur hoffen, dass es uns dann nicht zu hart trifft.  

In dieser Woche versuchte ich wieder zu arbeiten. Meine Ärztin hätte mich auch länger aus dem Verkehr gezogen, um ein neuerliches Burn Out zu verhindern, aber ich dachte, ein bisschen Normalität täte mir gut. Ich weiß noch nicht, ob das so eine gute Idee war, denn noch immer kämpfe ich mit karusselfahrenden Bussen und Bahnen oder schwankenden Fußböden, macht mein überlastetes Hirn lustige Sachen. Mal schauen, ob ich bis zum Urlaub in sechs Wochen durchhalte. Meine Vertretung schlug sich wacker, so dass ich auch länger ausfallen könnte, wenn es gar nicht anders geht.

Im Büro haben wir aktuell zwei Coronafälle, und zusammen mit der Ferienzeit führte es letzte Woche dazu, dass phasenweise nur eine Person da war. Zum ersten Mal haben wir den Fall einer symptomlosen Corona-Infektion. Zum Glück ist die Kollegin so vernünftig, im Heimbüro zu arbeiten, und ich hoffe, sie bleibt dort, bis sie negativ getestet ist. Dadurch, dass bei uns Leute fehlen, war ich diese Woche vier Tage im echten Büro statt wie sonst drei. So war sichergestellt, dass das Büro besetzt ist, falls die unzuverlässige Montagskollegin ausfällt.  

Der Große Dicke Fette Müffelhase und der Kirmeshase zogen schon ins neue Zuhause ein. Beim Entrümpeln fand der Gatte Schnuffi, meinen Kindheits-Hunde-Hasen, der sich gerade mit beiden anfreundet.

Das Ausräumen von Mudderns Haus ist emotional und körperlich anstrengend. Sie neigt zum Horden, und so muss extrem viel entrümpelt werden. Der Gatte fuhr gestern etwa 20 Koffer sowie eine volle Ikea-Tasche mit Elektroschrott zum Sperrmüll, darunter ein originalverpacktes ShowView-Gerät samt Kaufbeleg oder ein ebenfalls originalverpackter Infrarotkopfhörer samt Kaufbeleg, beides aus 1995 ... 

Ich ahnte bislang nicht, wie viel Kladage man in vier Kleiderschränken und auf einer Kleiderstange unterbringen kann, aber ein Kleiderschrank ist begehbar, und in den anderen wurden die Klamotten gerollt gelagert, um Platz zu schaffen. Gestern schafften wir es immerhin 5 Müllsäcke zu füllen. Ich habe zufällig Textiltiger entdeckt, eine Firma, die Kleidung kostenlos zu Hause abholt - eine für uns zeit- und geldsparende Erleichterung! Außerdem haben wir diese Woche als Ausbeute einen Umzugskarton voller Kleiderbügel und einen Gelben Sack voller Schutzfolien, denn die Kladage musste ja vor Staub geschützt werden ... Dazu kamen drei Säcke voller Müll und zweieinhalb Umzugskisten voller Porzellan und Stehrümchen - plus das Gefühl, nichts geschafft zu haben. 

Es ist nicht nur die schiere Menge, die uns erschlägt, sondern auch der Umstand, dass Mudderns regelmäßig erzählte, sie habe entrümpelt. Das ist eine der vielen Geschichten, die sie sich ausdachte. Dass sie so gerne Geschichten erzählt, ist aktuell ein wirkliches Problem, denn eigentlich müsste ich beispielsweise nach jedem Arztbesuch dem Arzt hinterher telefonieren, ob das stimmt, was meine Mutter sagte - in den letzten fünf Wochen stimmte da nämlich selten etwas. Allein: Ich habe dazu nicht die Kraft und lasse Dinge laufen, die ich besser nicht laufen lassen sollte, auch, weil Mudderns generell extrem launisch ist. Wenn sie mich heute bittet, etwas zu erledigen, hat sie bis morgen ihre Meinung geändert, muss ich es wieder rückgängig machen. Also wurde ich im Laufe der letzten fünfeinhalb Jahrzehnte sehr gut im Aussitzen. Ich hoffe, sie wird wieder selbstständiger und klarer, denn ich kann nicht immer auf Abruf parat stehen und alles für sie erledigen, was sie selbst erledigen könnte, wenn sie nicht zu bequem wäre. Wenn sie Hilfe braucht, bekommt sie sie natürlich, aber meistens ist es Bequemlichkeit. 

Ich bin sehr dankbar, dass der Gatte bei allem so gut mitzieht. Er hat schon ein schlechtes Gewissen, wenn er einen Tag nicht im Haus war, und ich bremse ihn, damit er sich nicht übernimmt. Ich arbeite immer noch daran, meine Arbeitszeiten so zu legen, dass ich einen Wochentag im Haus sein kann, bis wir dort Internet haben. Momentan bummle ich Überstunden ab, aber das geht nur noch kommende Woche. Corona beeinflusst übrigens auch unsere Umbaupläne: Immer öfter ist bei Unternehmen die Ansage geschaltet, dass das Büro aufgrund der Pandemie unbesetzt ist, man bitte mailen möge. Immerhin klappte es bis auf einmal immer mit einem Rückruf und einem Termin.  

Wenn alle Handwerker da waren und ihre Kostenvoranschläge abgaben, können wir mit der Bank sprechen - ich bin extrem angespannt, ob wir einen ausreichenden Kredit bekommen werden. Nervös machen mich auch die immer weiter steigenden Energiekosten - zu dem sich anscheinend versechsfachten Gaspreis kommt jetzt auch noch die Energiepauschale. Heißt für uns, etwa 500 Euro Mehrkosten pro Monat, und obwohl wir uns bislang finanziell kaum einschränken mussten, kommen wir jetzt an unsere Grenzen. Und dann ist da ja auch noch die Inflation. Wir versuchen, so viel wie möglich selbst zu machen, um Geld zu sparen, und ich hoffe, wir können schon im kommenden Sommer umziehen, nicht erst Ende kommenden Jahres, auch, wenn dann vielleicht noch nicht alle Bauarbeiten abgeschlossen sind. Aber der Umzugstermin hängt nicht von uns ab, sondern von Mudderns Umzug in ein Einzelzimmer und vor allem von der Verfügbarkeit der Handwerker und den Materialien, die sie brauchen. Und die Firmen kämpfen nun mal mit Corona und Lieferschwierigkeiten.   

Schwiegermutter und Tante geht's gut. Die Damen kämpfen gerade damit, dass es keine brauchbare Zugverbindung zwischen Dachau und Bad Füssing gibt, die für zwei gehbehinderte Frauen samt Gepäck machbar ist, und versuchen, einen Shuttle zu buchen. Ich hoffe, das klappt. 

Gestern starb Lisa-Maria Kellermayr, eine österreichische Ärztin, die von Corona-Leugnern, Impfgegnern und Querdenkern massivst bedroht wurde. Mein Mitgefühl gilt ihrer Familie und ihren Freunden. Wieder wird sehr deutlich: Querdenken tötet, Querdenker sind rechtsradikale Terroristen.  

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Ich hoffe sehr, sie passt auf sich auf, so ausgebrannt, wie sie sich fühlt (und an sie denke ich jedes Mal, wenn ich mit den Pflegekräften bei Mudderns spreche, die über ihre Grenzen arbeiten).Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.