Freitag, 15. Mai 2026

#12von12 im Mai 2026

Caro von "Draußen nur Kännchen" sammelt wie jeden Monat am 12. des Monats 12 Impressionen des Tages - vielen Dank dafür! Hier kommen meine Mai-Bilder. 

#1: Den Gatten Guten Morgen sagen.

#2: Durch den kleinen Hohlweg zum Bahnhof. Den Weg nahm ich schon als Kind. Lange werde ich ihn nicht mehr gehen können, denn das angrenzende Grundstück wird bebaut. Dadurch fällt der Weg weg.

#3: Im Büro wird erstmal gefrühstückt. 

#4: Auf die Frühstückspause folgt unweigerlich die Mittagspause.

#5: Auf die Mittagspause folgt der Feierabend. Doch, doch, ich habe auch gearbeitet.

Heute ist einer von zwei Echtbüro-Tagen, wobei ein Dienstag meistens deutlich entspannter ist als ein Mittwoch. Heute bin ich sogar alleine im Büro. Der Rest ist krank, hat Urlaub oder arbeitet zu Hause. Es sind Ferien, es ist paradiesisch ruhig. Ich kann wie geplant Feierabend machen und nach Feierabend zu einer Ärzterunde starten. Als Chronikerin muss ich jedes Quartal neue Medikamente haben. Das geht erfreulicherweise alles ganz geschmeidig, so dass ich tatsächlich nur eine Stunde später als sonst zu Hause bin. 

#6: Der Metronom ist bis Mitte Juli voller als sonst. Die S-Bahn fährt nicht zwischen Wilhelmsburg und Neugraben, so dass viele den Regionalexpress nutzen. Außerdem wird der Verkehr nach Hannover zurzeit über meinen Wohnort umgeleitet. Ich habe Glück, dass ich einen Sitzplatz bekomme. 

#7: Als ich am Bahnhof ankomme, ist ein Bus da. Ich nutze die Chance und fahre eine Station mit. Das ist Premiere, denn normalerweise laufe ich die anderthalb Kilometer vom Bahnhof nach Hause, weil das schneller geht als mit dem Bus, der zudem nur alle halbe Stunde fährt. Um ganz bis nach Hause zu fahren, müsste ich jetzt noch auf einen anderen Bus warten. Stattdessen laufe ich den restlichen Weg. 

#8: Der Lieblings-Postbote war da. Irgendwann sprach er mich an, und da zeigte sich, dass er im Ehrenamt einer der Kooperationspartner "meines" Projektes ist. Er nutzt zudem gerne das Fähnchen am Briefkasten, und dadurch weiß ich immer, wann er die Post brachte. 

#9: Die Spülmaschine wartet schon seit dem Morgen darauf, ausgeräumt zu werden.

#10: Blick in den abendsonnigen Garten. Zum Draußensitzen ist es leider zu kalt.

#11: Die Brotdose für den nächsten Tag wird vorbereitet. Sie ist etwas voller als die für heute, da der Tag länger wird. 

#12: Das Kuschel-Rudel will noch etwas lesen*

Der Blick zurück in die ersten sechs Corona-Jahre: Im Mai 2020 war Tante das letzte Mal zu Besuch in Schwiegermutters Haus, bereiteten wir Schwiegermutters Umzug in die Seniorenwohnanlage vor. Im Mai 2021 war der Gatte schon über ein halbes Jahr schwer krank und zum zweiten Mal im Krankenhaus. Im Mai 2022 hatte ich noch die Kraft, vor der Arbeit Schwimmen zu gehen, ergatterten wir Öl, das durch den Ukraine-Krieg kurzfristig sehr knapp und teuer war. Im Mai 2023 bereitete ich mich auf die Trauerfeier für meine Mutter vor. Eigentlich wollten wir schon einige Wochen im alt-neuen Haus sein, wollten, das meine Mutter sieht, was wir aus dem Haus gemacht haben. Im Mai 2024 waren wir umgezogen und warteten auf die neue Küche. Am 12. Mai 2025 mähte der Gatte zum letzten Mal Rasen in dem Garten, den er so liebte. Ich wünschte, wir hätten hier noch viele Jahre miteinander eben dürfen, aber uns war kein halbes Jahr mehr vergönnt. / *Affiliate link

Dienstag, 12. Mai 2026

#WMDEDGT 05/26: Stille und Trauer II

Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln!

Heute ist Dienstag, eigentlich ein Echtbüro-Tag. Als der Wecker um sechs Uhr klingelt, wache ich auf nassen Kissen auf. Anscheinend habe ich in der Nacht viel geweint - Trauerbewältigung im Schlaf, sozusagen. Ich bin völlig zerschlagen und beschließe nach längerem Überlegen, das Angebot meiner Chefin anzunehmen, mich jederzeit abzumelden, wenn's einfach nicht geht. Heute geht's einfach nicht. Heute ginge noch nicht mal Heimbüro. Das wäre meine Wahl gewesen, wenn irgendetwas brennen würde, ich erreichbar sein müsste. 

Ich schaffe es, einigermaßen wach zu bleiben, bis mein Rechner hochfuhr und die Mail ans Büro geschrieben ist, bevor ich wieder ins Bett falle und komatös noch etwas schlafe. 

Irgendwann schaffe ich es, aufzustehen, Kaffee zu kochen und zu frühstücken. Dafür muss ich nur die Brotdose* aus dem Kühlschrank holen, die ich am Vortag für's Büro fertig machte. Gleiches gilt später für's Mittagessen: Im Kühlschrank wartet ein Lunch-Pot* mit Hafermilch-Milchreis und Erdbeeren.

Den größten Teil des Tages verbringe ich eingekuschelt im Relax-Sessel des Gatten, lese* und gucke fernsehen. Der Relax-Sessel ist beheizt. Die Wärme tut gut, denn seit der Beendigung der Hormonersatztherapie weiß ich vor Schmerzen nicht mehr wohin. Die Wärme hilft etwas. Zum Stricken habe ich schon lange keine Kraft mehr. Ich denke zu oft an die Zeit vor einem Jahr, als wir Schwiegermutters 90. Geburtstag an der Ostsee feierten, eine Reise mit einem fürchterlichen Streit, den Schwiegermutter vom Zaun brach. Die Vorwürfe, die sie ihrem Sohn machte, waren einfach unglaublich (und absolut ungerechtfertigt). Ich habe den Gatten noch nie so verletzt und wütend gesehen! Es sollte der letzte Geburtstag sein, den Schwiegermutter mit ihrem Sohn feiern konnte. 

Ich gucke kurz in die Büro-Signal-Gruppe und lese, "meine" Website wäre down. Bevor ich meine Kollegin kontaktieren kann, meldet sie sich selbst in der Gruppe und schreibt, die Website wäre wieder online. Ich freue mich, dass es ohne mich läuft. 

Irgendwann schaffe ich es zumindest, mich soweit aufzuraffen, an den Schreibtisch zu gehen. Ich schaffe es, bei der DRV nach dem Bearbeitungsstand meines Antrags auf Witwenrente zu fragen, den ich vor erst 25 Wochen stellte. Der Antrag ist noch immer nicht final entschieden. Ich wünschte, ich könnte den Antrag einfach ignorieren, aber ebenso wie bei den beiden Lebensversicherungen des Gatten muss ich das alles einmal zum Abschluss bringen, umso mehr, weil es bei der Witwenrente auch darum geht, wie viel Geld ich zukünftig jeden Monat zur Verfügung habe. Ohne Rücklagen wird es schwierig, sofern ich mir nicht abgewöhne, zu essen oder zu trinken (von Luxus wie neuer Kleidung, Hobbies oder Urlaub reden wir gar nicht erst). Natürlich kann ich den Luxus der Lifestyle-Teilzeit aufgeben, aber das möchte ich erst, wenn sicher ist, dass ich es muss. Ich bin faul, ich weiß. 

Ich bekomme endlich den PMDD-Beitrag für April fertiggestellt. Ich schaffe es, die Spülmaschine auszuräumen, und da ausnahmsweise mal kaum Geschirr auf den nächsten Spülgang wartet, starte ich ein Reinigungsprogramm. Ich denke sogar daran, das in den Kalender einzutragen, damit ich mich nächsten Monat nicht wieder frage, wann die Spülmaschine zuletzt gereinigt wurde.    

Zum Abendessen wärme ich Kichererbsen-Kabanossi-Eintopf auf. Ich denke daran, die Lasagne aus dem Tiefkühler nehmen. Sie wird es morgen und Freitag geben. Natürlich muss ich daran denken, wie ich sie Mitte Oktober zubereitete, als letztes Abendessen, das der Gatte in seinem Leben essen sollte. Er schaffte nur ein paar Bissen, konnte nicht mehr richtig schlucken, aber etwas Vanille-Eis mit Amarenasauce konnte er danach noch essen.  

Ich gehe früh ins Bett in der Hoffnung, am kommenden Tag fitter zu sein, und lese* noch etwas länger.

Der Blick zurück in die ersten sechs Corona-Jahre: Am 5. Mai 2020 war der Gatte noch gesund und in Kurzarbeit, während ich durch die Spontan-Digitalisierung meines Mammutprojekts jede Menge Überstunden ansammelte. Am 5. Mai 2021 war der Gatte schon über ein halbes Jahr krank, stand der zweite Krankenhausaufenthalt unmittelbar bevor. Am 5. Mai 2022 konnte ich den Gatten aus dem Krankenhaus abholen, wo er nach einem Sturz im Urlaub zur Beobachtung war. Am 5. Mai 2023 schrieb ich Trauerbriefe. Ich ahne noch nicht, dass ich das anderthalb Jahre später wieder machen muss. Am 5. Mai 2024 sind wir mit der Küchenplanung beschäftigt. Am 5. Mai 2025 machen wir zum letzten Mal alle vier gemeinsam Urlaub. Wir ahnen nicht, dass der Gatte und ich kein halbes Jahr mehr zusammen sein dürfen. 

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Samstag, 9. Mai 2026

Samstagsplausch KW 19/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXXI

"Sie haben vergessen anzugeben, dass Sie zuckerkrank sind!" - "Ich bin zuckerkrank?" - "Sie nehmen Metformin!" - "Ich nehme das off label, weil ich PCOS habe." - "Kenne ich nicht! Sie nehmen Metformin. Sie haben Diabetes." 

Der Dialog mit dem Arzt beim Blutspenden machte mich wieder mal sehr mütend. Die Ärzte, die mir bislang begegneten und PCOS kennen, kann ich an einer Hand abzählen. Es ist einfacher, Diabetes zu diagnostizieren, obwohl meine Blutzuckerwerte vorbildlich sind, und Frauenkrankheiten sind für die Medizin ja ohnehin uninteressant, kommen im Studium allenfalls am Rande vor. Aber immerhin wurde ich trotz dieser Fehldiagnose zum Blutspenden vorgelassen. Beim nächsten Blutspenden muss ich dann das Diabetes-Thema erneut erörtern - oder ich verschwiege zukünftig die Metformin-Einnahme ... 

Nach dem Blutspenden erholte ich mich wie gefordert brav, saß den größten Teil des Nachmittags im Garten und las. Es war schwierig, ohne den Gatten im Garten zu sitzen, aber ich bin fest entschlossen, mir das nicht von der Trauer nehmen zu lassen, anders als meine Mutter und meine Schwiegermutter, die nach dem Tode ihrer Männer nicht mehr alleine im Garten saßen. 

Ansonsten war die Woche das normale Chaos. Dienstag warf mich die Trauer um, ging gar nichts mehr. Seitdem ich keine Hormone bekomme, kämpfe ich zudem mit hartnäckigen Schmerzen. Ohne Schmerztabletten geht's selten. Aber da es laut Gynäkologen nicht sein kann, dass die Schmerzen von den fehlenden Hormonen kommen, muss ich da durch. Mir ist eine Gynäkologin empfohlen worden, die Wechseljahre und Hormone kann. Ich werde kommende Woche mal anrufen, bezweifle aber, dass sie neue Kassenpatienten nimmt. Mal gucken, ob ich einen Selbstzahler-Termin bekommen kann, zumal ich meinen jährlichen Gyn-Termin schon hatte, die Krankenkasse nicht mehr zahlt. 

Das Hotel, in dem Schwiegermutter und Tante urlauben, lieferte wie bestellt einen Blumenstrauß zu Schwiegermutters Geburtstag. Kurzfristig bin ich die beste Schwiegertochter von allen - zumindest bis morgen, wenn Tante auch einen Blumenstrauß zum Geburtstag bekommt und Schwiegermutter merkt, dass der nicht für sie zum Muttertag ist ... Ansonsten findet Schwiegermutter den Urlaub doof, was aber keinesfalls an ihr liegt, sondern an Tante, die alles vergisst und / oder falsch macht, an dem Hotel, das zu voll ist usw. Sie kam zu dem Ergebnis, sie können mit Tante nicht mehr verreisen. Ich hoffe, sie kommt nicht zu dem Ergebnis, zukünftig mit mir verreisen zu wollen. 

Ich habe die Balkonverglasung in Auftrag gegeben, trotz Panik-Attacke wegen des Geldes. Es ist so ungewohnt, ohne Absprache mit dem Gatten etwas zu beauftragen. Andererseits folgt die Balkongestaltung seinem Plan, erfülle ich seinen Wunsch (und meinen, denn gefiele mir die Gestaltung nicht auch, ließe ich sie nicht ausführen, ist hoffentlich klar). Ich habe beschlossen, ich taste jetzt die Rücklagen an, die für die Sanierung vorgesehen sind, auch wenn ich noch immer noch weiß, mit welchem Betrag ich monatlich rechnen kann, weil ich noch keinen Bescheid über die Witwenrente habe. Ich möchte im Haus endlich mal weiterkommen, möchte mich hier soweit zu Hause fühlen können, wie es ohne den Gatten geht, will nicht länger auf einer Baustelle, in einem Provisorium leben. 

Noch lieber als den Balkon hätte ich die Gestaltung des Vorgartens beauftragt, aber wenn der fertig ist, müsste er regelmäßig gegossen werden, und da ich wochenlang zur Reha bin, warte ich mit dem Vorgarten bis zum Herbst oder bis zum nächsten Frühling.

Ich habe bei der DRV angerufen, aber mein Antrag auf Witwenrente ist noch immer nicht bearbeitet. Ich habe ihn ja auch erst vor 25 Wochen gestellt. Die DRV hatte vor drei Wochen eine Nachfrage bei meinem Arbeitgeber, richtete die aber natürlich entgegen meiner Bitte nicht an die von mir genannte Personalsachbearbeiterin, sondern ans Personalamt, wo man für bummelig 70.000 Mitarbeitende zuständig ist. Ich habe meine Personalsachbearbeiterin gebeten, mich zu informieren, wenn sie der DRV antwortete, aber die Kollegin leidet nicht unter Langeweile. Ich bin gespannt, ob sie sich meldet. Dusseligerweise kann ich wie bei den Lebensversicherungen des Gatten das Thema nicht einfach für mich abhaken, sondern muss es einmal zum Abschluss bringen, egal, wie lange es dauert, egal, wie belastend es ist. Vielleicht habe ich nach der Reha die Kraft, einen Anwalt einzuschalten - passend zum ersten Todestag des Gatten.

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 321. 

Durch den Garten streift seit einiger Zeit eine wunderschöne schwarze Katze. Als sie zum ersten Mal an der Terrassentür vorbeischlich, erschrak ich, weil ich dachte, es wäre eine riesige Ratte ... Ich hoffe, die Miez weiß, was sie mit Ratten machen muss, und ich hoffe, der Kammerjäger hat recht damit, dass Katzen keine vergifteten Ratten fressen. Nach zwei Wochen und einem Beratungsgespräch bekam ich zudem das bestellte Rattengift. Da am Haus unser Kaminholz lagert, werde ich dort und im Gartenhäuschen auf jeden Fall ganzjährig ködern. Effektiver sind Schlagfallen, aber die müssten wöchentlich kontrolliert werden, und das kann ich nicht gewährleisten.

Highlight diese Woche war das monatliche Stricktreffen. Danach merkte ich aber wieder mal: Wenn ich nach 21 Uhr ins Bett gehe, schlafe ich ausgesprochen schlecht und unruhig. Ich hoffe, das gibt sich wieder. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

Dienstag, 5. Mai 2026

#pmdd2026: Der 28. April 2026

An jedem 28. eines Monats ist Picture my Day-Day, kurz pmdd. Ich finde, das ist ein schönes Tagebilderbuch. Mitmachen ist einfach: Fotos vom Tag machen, bloggen oder mit #pmdd2025 auf Bluesky, Facebook oder Instagram einstellen. Gesammelt wird alles auf dieser Seite.

Schnuffi ermahnt mich, aufzustehen.

Noch ist es nur zu erahnen: Der alte Apfelbaum, der in den letzten drei Jahren nach kräftigen Rückschritten schmollte, hat reichlich Blüten angesetzt. Durch das warme Wetter soll er drei Tage später geradezu in Blüten explodiert sein. 

Schnuffi sitzt auf seinem Beobachtungsplatz. Seitdem sein Herrchen am 17. Oktober zum letzten Mal aus dem Schlafzimmer ging, hofft er, dass sein Herrchen eines Tages wieder durch die Tür kommt. 

Dem Gatten Guten Morgen sagen.

Die Winterjacke gegen die Wetterjacke wechseln. Um morgens ohne Jacke aus dem Haus zu gehen, ist es noch zu kalt. 

Die Jacke hatte ich anscheinend zuletzt an, als ich mit der Mitarbeiterin der Friedhofsverwaltung nach einer Grabstätte für den Gatten und mich suchte. Es wurde Wunschgrab Nummer 2: Letzte Reihe unter den Bäumen.

Auf den Zug warten und lesen. "Elbnächte*" gefällt mir allerdings nicht sehr. Der einarmige Protagonist nutzt öfter beide Hände, und in Harvestehude kann man einfach in die Elbe springen. Wer braucht schon ein Lektorat? 

Ich werde von der Sperrung der Mönckebergstraße überrascht und muss mit der U-Bahn ins Büro. So komme ich dazu, mal wieder das Mosaik zu sehen, das an die ehemalige Wasch- und Badeanstalt am einstigen Schweinemarkt erinnert.

Erstmal den Kalender aktualisieren.

Während meines Urlaubs gab's einen floralen Unfall.

Endlich wieder ordentlicher Kaffee im Büro. Ich mag aktuell keinen Nescafé mehr und bekam eine Kaffeemaschine aus einem Nachlass. 

Zeit für's Frühstück.

Und schon ist Zeit für's Mittagessen: Gebackener Rhabarber auf Hafermilch-Couscous.

Und schwupps ist schon wieder Feierabend. Lifestyle-Teilzeit ist großartig.

Ich erwische einen Zug früher nach Hause! Wäre ich gerannt, hätte ich auch zwei Züge eher bekommen, aber Rennen verbrennt nur unnötig Kalorien. 

Gleich bin ich zu Hause.

Heute ist Dienstag, Echtbüro-Tag, Routine, ein ruhiger Tag mit einem ruhigen Nachmittag und einem ruhigen Abend. 

Langt dann auch für heute.

Der aktuelle Blumenstrauß. Der Gatte schenkte mir diese zweifarbigen Rosen besonders gerne. Als wir noch in der Wohnung lebten, passten sie farblich zum Sofa und zum Esszimmer. 

Wäsche abnehmen. Seitdem ich alleine bin, trocknet die Wäsche auf dem Balkon oder im Arbeitszimmer des Gatten.

Die Spülmaschine will ausgeräumt werden.

Der Gatte würde sich über den üppig blühenden kleinen Apfelbaum sehr freuen.

An den roten Margeriten kam ich nicht vorbei. Sie sind ein Farbtupfer inmitten der Giersch-Wildnis.

Die üppig blühende Kamelie würde den Gatten freuen. Ich muss sie dringend hochbinden.

Im Moment muss ich wieder Kalorien tracken. Heute passt es einigermaßen. 

Das Frühstück für Morgen vorbereiten. 

Das Abendessen muss zum Glück nur aufgewärmt werden, wie meistens an den Echtbüro-Tagen.

Wasser ins Arbeitszimmer tragen. Den Holzträger fand ich durch Zufall am Straßenrand, als ich am 5. August 2025 aus dem Krankenhaus vom Abendbesuch beim Gatten zurück kam. Der Gatte liebte solche Träger. Wir haben einige davon.

Blick in den Abendhimmel. Ich brauche immer noch sehr viel mehr Schlaf als die ärztlich erlaubten sechs Stunden. 

Wie jeden Tag, liest das Kuschelrudel noch vor dem Einschlafen*

Der obligatorische Blick zurück in die ersten sechs Corona-Jahre: Am 28. April 2020 kam Tante zum letzten Mal zu Besuch in Schwiegermutters Haus, nähte ich die ersten Masken, weil zwei Tage vorher die Maskenpflicht ausgerufen wurde. Am 28. April 2021 trug der kleine Apfelbaum nach dem Umzug in unseren Wohnungsgarten die ersten Blüten. Leider wurden keine Früchte daraus. Jetzt fühlt er sich im Garten des alt-neuen Hauses wohl. Ich wünschte, der Gatte könnte ihn sehen. Am 28. April 2022 feierten wir das dreijährige Zusammensein von Mudderns und ihrer Gesellschafterin. Am 28. April 2023 verabschiedete ich mich von meiner Mutter. Am 28. April 2024 waren wir endlich umgezogen, hatte ich noch Kraft für Gartenarbeit. Am 28. April 2025 hatte der Gatte zwei Arzttermine in zwei Städten, zu denen ich ihn fahren und begleiten musste. Er freute sich sehr auf den Einkaufsbummel nach dem zweiten Arztbesuch, war aber zu schwach, so dass ich alleine einkaufte. Wir sollten keine sechs Monate mehr zusammenleben dürfen. / *Affiliate links


Samstag, 2. Mai 2026

Samstagsplausch KW 18/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXX

Dienstag waren die Blüten am alten
Apfelbaum nur zu erahnen. Vier Tage 
später explodierten sie geradezu.
Das Blütenmeer hätte dem Gatten gefallen.
Er war so traurig, dass der Baum nach dem 
Beschneiden zwei Jahre lang schmollte.
Letzten Freitag, an meinem letzten Urlaubstag, überlegte ich, ob ich meine Kollegin frage, ob ich spontan den Urlaub verlängern kann. Die Zeit zu Hause tat mir gut, ich hatte das Gefühl, ich kam endlich mal auf der Baustelle voran. Den Schwung hätte ich gerne weiter genutzt, aber meine Kollegin war ja lange krank, da wollte ich sie jetzt nicht gleich mit längerem Urlaub überfordern. 

Ich hätte den Urlaub mal verlängern sollen, denn die Woche war ziemlich chaotisch. Ich war froh, dass es nur vier Tage waren. Meine Kollegin hat mich wie gewohnt perfekt vertreten. Für Chaos sorgten eine neue Software und eine Druckerei. Letztere lieferte einen Auftrag ohne jegliche Absprache fast drei Wochen zu früh aus. Das passierte nicht zum ersten Mal, aber angesichts meiner aktuellen Stimmung vermutlich zum letzten Mal. Wir planen unsere Aufträge ja nicht umsonst mit exakten Daten, die die Druckerei mit der Ausschreibung natürlich auch erfährt. Am Druck hängt ein organisatorischer Rattenschwanz dran, gibt es genau abgesprochene Lieferzeitfenster, da kann man nicht einfach ohne Absprache fast drei Wochen früher kommen.

Die neue Software nutzen wir für Bestellungen aller Art. Sie wurde eingeführt, weil sie Bestellungen im Vier-Augen-Prinzip ermöglicht und deswegen besonders revisionssicher ist. Sie ist so revisionssicher, dass sie in meinem Namen Bestellungen genehmigt, auf die ich keinen Zugriff habe, und die ich nicht veranlasste! Als ich den Support fragte, ob das so soll, bejahte man und beschied mir, ich hätte die Schulungsunterlagen nicht verstanden. Ja, nee, is klaa. Ich ließ das ganze über meine beiden Chefinnen eskalieren mit dem Ergebnis, der Prozess ließe sich aus technischen Gründen nicht ändern - Tech-Sprech für "Wir haben es so gründlich vergeigt, dass wir nicht wissen, wie wir das Problem lösen sollen." Ich führe jetzt also eine Excel-Liste mit Bestellungen, die ich genehmigte bzw. nicht genehmigte. Doch, doch, die neue Software erleichtert die Arbeit ungemein. 

Die Kollegen kämpfen immer noch mit den Folgen der aktuellen Infektionen. Dieses Jahr kommt es mir extrem lange vor. Maske trägt natürlich niemand, obwohl fast alle Risikogruppen, aber meine Vertretungskollegin sitzt bei Besprechungen jetzt immer neben mir, weil: "Du hast doch den Luftfilter". Schon schön. 

In dieser Woche hatte ich andauernd das Gefühl, ich müsse den Gatten anrufen oder im wenigstens SMS schicken, damit wir wissen, was bei uns los ist, weil er doch unterwegs ist, wir uns so lange nicht mehr sahen. Aber der Gatte ging ja für immer. 

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 320. 

Schwiegermutter kam gut bei Tante an, und beide Damen kamen gut im Kurort an. Am Hotel gibt es aber etwas zu meckern, denn die Zimmer sind renoviert. Im Einzelzimmer steht das Bett nicht an der Wand, sondern mitten im Zimmer, mit Ablageflächen rechts und links. Die Kleiderschränke stehen jetzt auch irgendwie falsch, und der Balkon ist zu heiß. Heißt: Schwiegermutter geht es gut, denn sie kann meckern. Nichts zu meckern hat sie aktuell über mich - ich bin gerade die beste Schwiegertochter aller Zeiten. Mal schauen, wie lange der Zauber anhält, denn ich habe nicht vor, sie in absehbarer Zeit zu besuchen oder sie zu mir einzuladen.

Vom Nachlassgericht gab's eine weitere Nachfrage wegen des Erbscheins. Von der DRV gibt es auch nach 24 Wochen keinen Bescheid über eine evtl. Witwenrente. Ich habe das jetzt auf wöchentlicher Vorlage, rufe da jetzt jeden Montag an. Eigentlich könnte sich schon lange ein Anwalt darum kümmern, aber dazu habe ich aktuell keine Nerven, weil noch so viel anderes erledigt werden will. 

Heute habe ich es endlich geschafft, etwas im Garten zu arbeiten. Eigentlich sollte ich damit warten, bis die Ratten weg sind, aber ich konnte das Elend nicht mehr sehen. Die Terrasse ist soweit aufgeräumt, dass ich dort gemütlich sitzen kann. Ein Schüttraummeter Holz ist aus dem Häuschen ans Haus transportiert und gestapelt. Der Rasen ist gemäht - eigentlich mache ich das nicht im Mai, aber wie gesagt: Ich konnte das Elend nicht mehr sehen. Der Giersch ist soweit gerodet, dass ich mit Gierschfrei arbeiten kann, sobald die Rasenkanten gesetzt sind. Dusseligerweise beschädigte ich beim Roden das kleine Fliederbeerbäumchen - ich hoffe, es überlebt das.

Der Kammerjäger kam zur Kontrolle und fand wenig Fraßspuren an den Köderboxen. Ob das mit dem Ultraschall-Gerät zusammenhängt, das ich in die Außensteckdose stöpselte? Sollte das tatsächlich wirken? Jedenfalls sah ich länger keine Ratte mehr. In zweieinhalb Wochen kommt der Kammerjäger zur nächsten Kontrolle. Die Terrassentüren halte ich sicherheitshalber weiterhin geschlossen. Ich bin froh über die Klöntür in der Küche, denn so kann ich dort ein Fenster öffnen anstelle der ganzen Tür, und ich bin froh über das neue Fenster im Esszimmer, denn das alte ließ sich nicht öffnen. So habe ich Durchzug im Erdgeschoss. 

Der Deckchair wurde geliefert, muss übermorgen abgeholt werden. Damit ist der schneller da als die Balkonverglasung. Ich werde ihn trotzdem jetzt schon aufstellen, damit ich den Balkon nutzen kann. Vorher muss er allerdings geölt werden. Holzöl fand ich in der Werkstatt des Gatten. Pinsel hätte ich dort vielleicht auch finden können, hätte aber dafür mehr aufräumen müssen, als ich Kraft habe, und kaufte kurzerhand welche. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.