Montag, 6. Juli 2026

#WMDEDGT 07/26: Stille und Trauer III

Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln! 

Diese Tage sind unendlich schwer. Vor einem Jahr lieferte ich den Gatten als Notfall ins Krankenhaus ein. Er kam direkt ins OP. Damals wütete schon Candida glabrata in seinem Körper, unerkannt, unbehandelt. Das letzte Vierteljahr seines Lebens sollte beginnen. Vor einem Jahr war der Gatte noch hoffnungsfroh, dass man ihn im Krankenhaus aufpäppeln würde, er eine weitere schwere OP überstehen müsste und dann wieder gehen könnte. Die Hoffnung trog.

Der Gatte fehlt mir, jeden Tag, auch heute, mit jedem Atemzug.

Die Nächte sind aktuell unruhig. Ich schlafe schlecht, habe Albträume, der stille Reflux macht mir zu schaffen. So wache ich zerschlagen auf, schlappe runter in die Küche und setze Kaffee auf. Währen der Kaffee durchläuft, räume ich die Spülmaschine aus und starte das monatliche Reinigungsprogramm. Wieder nach oben, anziehen, denn noch bin ich hoffnungsfroh, heute etwas in Haus und Garten zu schaffen. Gestern schaffte ich nichts außer Häkeln. Nun, so ist die Depression zumindest produktiv.

Frühstücken, dabei streamen und häkeln. Ich stelle ein kleines "Überlebenspaket" für die Kollegen zusammen, die mich während der Reha vertreten, und um Gutscheine für's Café und für's Eiscafé zu verpacken, häkelte ich eine Kaffeetasse und eine Eistüte. Damit sie daran denken, meine Blumen zu gießen, habe ich einen Blumenstrauß gehäkelt. Der muss noch mit einer Heißklebepistole zusammengeklebt werden, aber dazu fehlt mir heute die Konzentration. 

Nachdem die Kaffeetasse fertiggestellt ist, verräume ich alles an Strick- und Häkelgedöns, das sich auf dem Sofa ansammelte. Das Sofa nutze ich seit dem Tode des Gatten kaum noch. Sofasitzen war nur mit dem Gatten schön. Stattdessen sitze ich die meiste Zeit in seinem Relax-Sessel. Der ist beheizt und so groß, dass sich das Sitzen darin wie eine tröstende Umarmung des Gatten anfühlt. 

Nach oben ins Arbeitszimmer an den Schreibtisch, den Fragebogen für die Reha ausfüllen, den Nachsendeservice für die Reha-Dauer bestellen, den aktuellen Samstagsplausch fertigstellen und einiges andere erledigen. Es ist ein schreckliches Gefühl, bei den Reha-Unterlagen keinen Angehörigen, keinen Ansprechpartner für den Notfall anzugeben, aber da ist ja niemand mehr, der sich im Notfall um mich kümmern würde.

Das Mittagessen lasse ich ausfallen. Ich habe heute einfach keinen Appetit. Ich mag noch nicht mal Schokolade. Das ist ungewöhnlich. 

Im Keller versuche ich vergeblich, die Werkstatt des Gatten so weit zu entchaotisieren, dass die Handwerker an das Kellerfenster können. Das soll nämlich einen neuen Lichtschacht bekommen, und wenn ich das Prinzip richtig verstehe, hat das Gitter auf dem Lichtschacht eine Diebstahlsicherung, die nur von innen entriegelt werden kann. Würde ja Sinn machen. Der Gatte hat in der Werkstatt allerdings das Kellerfenster so zugebaut, dass ich keine Ahnung habe, wie ich seine Einbauten zurück bauen kann. Die Handwerker werden wohl eine Räuberleiter machen müssen ... Wir werden sehen.

Im Garten schaffe ich es, das Ultraschallgerät zur Rattenvergrämung samt Solarpanel anzubringen und bin total stolz auf mich, schließlich schaffte ich es, die Akkus richtig ins Gerät einzusetzen und das Panel zu befestigen. Alle Kontrollleuchten leuchten hübsch vor sich hin, das Gerät sendet regelmäßig Blitze aus - so soll das wohl sein. Wie weit es mit meiner Konzentration ist, zeigt sich daran, dass ich es buchstäblich im Handumdrehen schaffte, den Karabiner, der die Häuschentür sichert, zu verlegen. Ich finde Ersatz. In den kommenden Tagen wird sich zeigen, ob das Solarpanel genug Licht bekommt oder ob ich eine USB-Verlängerung basteln muss. Ich bin gespannt, ob das Gerät wirklich etwas bringt. Der kleine Cousin jedenfalls meint, es hilft zumindest gegen Marder im Auto ... 

Jedenfalls bin ich von mir so begeistert, dass ich das gleiche Gerät samt Solarpanel für die Terrasse bestelle. Da steckt nämlich seit Wochen ein Gerät in der Außensteckdose, das nur für den Innengebrauch zugelassen ist. Die Ecke mit der Steckdose ist zwar normalerweise trocken, aber wohl ist mir dennoch nicht dabei (und mir fehlt die Außensteckdose). Zu spät fällt mir ein, dass ich die gleiche Konstruktion auch für den Vorgarten bestellen könnte, aber dann beschließe ich, erstmal abzuwarten, bis die Arbeiten dort abgeschlossen sind. 

Ich gucke schon mal nach Wolle, denn wenn der Vorgarten fertig ist, will ich das hässliche Entlüftungsrohr für den Öltank mit einem grünen Mäntelchen versehen. Darauf kommen dann gehäkelte Sonnenblumen - fröhlich, bunt und verspielt, das passt zu mir. 

Teezeit mit gekauften Karamell-Käsekuchen. Ich merke einmal mehr, dass mir der poshe lose Schwarztee, den ich mir kaufte, weil ich dachte, ich müsse ja nicht immer den Lieblingstee des Gatten trinken, sondern könne gucken, was mir schmeckt, einfach nicht schmeckt. Der Lieblingstee des Gatten schmeckt mir besser. Der ist kräftiger. Also bleibe ich dabei und trage die Peinlichkeit mit Fassung, auf die Frage nach der Teesorte "Beuteltee von Aldi!" zu antworten. 

Jetzt ist es hohe Zeit, Tante anzurufen und zu fragen, wie das Gespräch mit ihrer "Hilfe" war. Der wollte sie heute sagen, dass es kein neues Testament zu ihren Gunsten geben wird. Tante ist wie erwartet aufgewühlt. Das Gespräch war aufregend, die "Hilfe" war wütend und aufgebracht, will nie wieder einen Handschlag für Tante machen, aber Tante überstand alles gut. Die "Hilfe" hat auch erstmal weiterhin einen Schlüssel, denn den hatte sie angeblich nicht dabei, als sie zu Tante kam. Nun denn. Aktuell hat Tante keine Hilfebedarfe, will erstmal abwarten, wie es sich entwickelt, was sie an Hilfe braucht und was sie alleine schafft. Ich habe sicherheitshalber schon Adressen für Getränke-Heimdienst und Hausmeister-Dienstleistungen herausgesucht. Die Kontaktdaten ihres Pflegedienstes liegen eh schon hier.

Nachdem ich ewig hin und her überlegte, ob ich für die Kaffeetasse im Überlebenspaket für die Kollegen noch eine Untertasse häkle oder nicht, hole ich den Lulu-Slipover aus der Projekttasche und stricke den weiter. Am Donnerstag ist wieder Stricktreffen, da sollen die Mädels mal drüber gucken, ob ich alles richtig machte. Ich bezweifle, dass ich die Anleitung richtig verstehe und dass das Rückenteil so aussehen soll, wie es aussieht. Ich bin aber fest entschlossen, das Teil zu stricken, egal, wie oft ich anfangen muss!

Nach mehreren Anläufen erreiche ich Schwiegermutter. Sie beschwert sich, weil ich zuerst mit Tante telefonierte anstatt mit ihr, und ich hätte ihre Anrufe weggedrückt. Ich habe keine Ahnung, bei wem sie anrief, jedenfalls nicht bei mir, aber das ist ihr nicht beizupulen. Jedenfalls hatte sie ein ellenlange Telefonat mit Tantes "Hilfe", in dem die "Hilfe" versuchte, Schwiegermutter und Tante gegeneinander auszuspielen. Die "Hilfe" kennt Schwiegermutter schlecht! Ausgerechnet die Meisterin der Manipulation manipulieren zu wollen, ist ein gewagtes Vorhaben, an dem schon ganz andere scheiterten. Ich muss mich bemühen, nicht schallend zu lachen. 

Ansonsten ist Schwiegermutter stocksauer, weil ich es wage, über den Geburtstag des Gatten auf Reha zu sein. Sie dachte, ich hole sie für ein paar Tage zu mir, damit sie zum Grab kann. Das täte ich unter normalen Umständen, aber ich kann ja die Reha nicht unterbrechen,. Außerdem erklärt Schwiegermutter mir seit Weihnachten bei jeder Gelegenheit, das Grab ihres Sohnes ginge sie nichts an. Ich weiß noch nicht, wie ich es Schwiegermutter ermögliche, am Gatten-Geburtstag zum Grab zu kommen, ohne meine Reha abzubrechen. Das möchte ich auf keinen Fall. Der Geburtstag ist leider an einem Wochentag - am Wochenende fiele es vermutlich nicht weiter auf, wenn ich mal über Nacht weg bin.

Außerdem litaneit Schwiegermutter über die Frechheit, dass der Gatte nicht zu seinem Vater, seiner Großmutter und ihr ins Grab kam, sondern dass ich darauf bestand, ihn bei mir zu begraben. Das war mitnichten meine Idee. Der Gatte sagte ihr schon vor unserer Hochzeit, also vor 24 Jahren, dass er nicht ins Familiengrab möchte, weil es dort keinen Platz für mich gibt, sondern dass er mit mir zusammen begraben werden möchte. Aber natürlich ist das meine Schuld. 

Die beiden Telefonate mit Tante und Schwiegermutter dauerten sehr lange und raubten mir viel Kraft. Eigentlich wäre jetzt Zeit für's Abendessen, aber ich habe keinen Appetit. Ich versuche ein paar Bissen Nudeln mit Ricotta-Zitronen-Sauce, lasse es dann aber schnell sein. Später esse ich eine Handvoll Salzbrezeln, um wenigstens auf die Kalorien zu kommen, die meine Medikamente verlangen. 

Dass ich keinen Hunger habe, ist angesichts meines Kampfgewichts nicht weiter tragisch, macht mir aber Sorgen, weil es bei der Blutuntersuchung in dieser Woche eine Auffälligkeit gab, die die ominöse Krebs-Diagnose, die ich vor fünf Jahren bekam, stützt. Ich versuche, gelassen zu bleiben. Für die Grabpflege nach meinem Ableben ist ja bereits ein Treuhandkonto eingerichtet. Für meine Beerdigung richte ich nach der Reha ein Treuhandkonto ein. Dann kommt auch die Patientenverfügung inklusive Festlegungen über das sozialverträgliche Ableben. Wenn das alles organisiert ist, darf der Krebs zuschlagen. Vor Oktober darf also nicht gestorben werden. Ich hoffe, der Krebs hält sich daran. 

Stricken und fernsehen bis zum heute journal, dann ins Bett und vor dem Einschlafen noch etwas lesen*

Der Blick in die ersten sechs Corona-Jahre: Am 5. Juli 2020 war ich mit Steuern beschäftigt, verbrachten wir den letzten Sonntag in Schwiegermutters Haus und ihrem traumhaften Garten, nahm der noch gesunde Gatte Abschied von seinem Elternhaus. Am 5. Juli 2021 findet sich der inzwischen kranke Gatte in sein neues Leben ein, während Mudderns mit den Folgen eines Sturzes kämpfte. Sie behauptete immer wieder hartnäckig, sie stürze nicht, aber sie stürzte in den letzten Jahren so oft, dass ich ein Jahr später froh darüber war, ich sie im Pflegeheim zu wissen. Am 5. Juli 2022 dämmerte uns, dass wir ein Haus haben und auf's Land ziehen. Damals rechnete ich anderthalb Jahre bis zum Umzug und war  sicher, dass meine Mutter unseren Umzug noch erleben würde, ließ sich die erste Zeit im Pflegeheim doch ausgesprochen gut an. Am 5. Juli 2023 pendelten wir seit einem Jahr. Ich wünschte, ich hätte am 5. Juli 2024 sagen können, wir seien angekommen, aber wir lebten immer noch zwischen Umzugskartons. Am 5. Juli 2025 kämpfte der Gatte im Krankenhaus. Dort sollte er neun Wochen lang bleiben. Wir sollten noch etwa 18 gemeinsame Wochen zusammenbleiben dürfen. / *Affiliate link

Samstag, 4. Juli 2026

Samstagsplausch KW 27/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXXIX

Die Woche war unwahrscheinlich anstrengend - so anstrengend, dass ich mich nach zwei Gläsern alkoholfreiem Sekt am nächsten Tag fühlte, als hätte ich einen Kater. Oder anders: Einen Arbeitstag verbrachte ich in einer Skatehalle, einen anderen beim Eisessen, auf einem Stadtspaziergang und beim jährlichen Vor-dem-Urlaub-Umtrunk der Chefin mit Sekttrinken (alkoholfreiem, echt!). Zwischendrin kauften wir auch noch Strand. Eine ganz normale Arbeitswoche also.

Der Großfußhase durfte wieder als Support-Bunny mitkommen und mich daran erinnern, dass ich auf dem Rückweg noch zum Baumarkt muss. Außerdem durfte er auf dem Rückweg auf Sonneblumen aufpassen.

Das Wochenende wird nicht weniger anstrengend. Kommende Woche wird der Vorgarten neu gemacht, und da auch zwei Lichtschächte der Kellerfenster erneuert werden müssen, muss ich die Werkstatt des Gatten so weit freiräumen, dass die Handwerker ans Kellerfenster können. Das ist emotionaler anstrengender als körperlich, denn alles atmet den Geist des Gatten. Es ist, als wäre er nur mal eben kurz weg. 

Nach dem Pflücken der Sonnenblumen hatte ich einen Beifahrer mehr. Zu Hause angekommen, flog Marini in den Garten.

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 329. Die Trauer bleibt meine Weggefährtin. Sie ist nur erträglich, wenn ich konsequent verdränge, dass der Gatte niemals wiederkommt. Das Leben ohne den Gatten ist unendlich schwer. Er fehlt in jeder Sekunde, bei jedem Atemzug.

Es ist jetzt ein Jahr her, dass der Gatte als Notfall ins Krankenhaus kam. Damals wütete schon Candida glabrata in sein Körper, unerkannt, unbehandelt. Der Gatte entschied sich nach der Notfall-OP für eine große OP, für die er erst aufgepäppelt werden musst, da sein Körper angesichts über einem halben Dutzend Infektionen, die er verkraften musste, zu geschwächt war. Die hygienischen Zustände im hiesigen Krankenhaus sind nun mal nicht für Kranke gemacht und führten letztlich zum viel zu frühen Tode des Gatten. Vor einem Jahr hatte er aber noch die Hoffnung, nach einer weiteren OP endlich wieder gehen zu können. 

Das Pendeln könnte weniger anstrengend sein, wenn die ICEs, die gelegentlich außerplanmäßig an unserem Dorf-Bahnhof halten, um anderen Zügen Vorfahrt zu gewähren, die wartenden Fahrgäste mit nach Hamburg nehmen dürften. Aber die Türen blieben natürlich verschlossen. 

Vielleicht lenkt mich Gartenarbeit ein bisschen von der Trauer ab. Ich will dem Giersch zu Leibe rücken, ein paar schwere Pflanztöpfe umsetzen, Platten und Palisaden vor's Haus bringen (die brauchen die Gärtner im Vorgarten) und Wildwuchs bändigen. Zum Glück soll es kommende Woche nicht so warm werden. Ich hatte schon überlegt, dem Gärtner anzubieten, die Arbeiten zu verschieben, wenn's bei ihm gepasst hätte. Mir eilt es ja nicht. Auf jeden Fall habe ich ausreichend Wasser, Apfelschorle und Eis da.

Begehbare Kunst von Ólafur Elíasson.

Tante bekam den Entwurf für das neue Testament, das ihre "Hilfe" veranlasste, von der Notarin per Post zugeschickt und rief mich total wütend an. Der Inhalt war wie befürchtet: Ihre "Hilfe" will sich alles sichern, schnüffelte in Tantes Abwesenheit auch in der Wohnung herum, so dass sie über die Vermögensverhältnisse bestens informiert ist. Tantes Original-Testament ist inzwischen an einem sichern Ort verwahrt, außerhalb jeglicher Reichweite ihrer "Hilfe". Mit beim Testament ist ein aktuelles ärztliches Attest über Tantes Zurechnungsfähigkeit, falls jemand daran zweifeln sollte. Schwiegermutter und ich haben inzwischen Wohnungsschlüssel. 

Im Gängeviertel: Paradigmenwechsel von Smilla Sund. 

Morgen will Tante ihrer "Hilfe" sagen, dass sie das neue Testament auf keinen Fall unterschreibt. Wenn die "Hilfe" damit nicht einverstanden ist, soll sie den Wohnungsschlüssel abgeben. Ich bin gespannt. Mein Angebot, über's Wochenende zu ihr zu fliegen und dabei zu sein, wenn die "Hilfe" kommt, lehnte Tante ab. Sie will es alleine schaffen, und es ist ja auch nicht damit getan, dass ich zu ihr fliege, denn dann fühlt Schwiegermutter sich ausgebootet, weil sie nicht mitkommt, hat Tante nicht nur mit ihrer "Hilfe" Stress, sondern auch noch mit Schwiegermutter ... Es ist einfach eine blöde Gemengelage. Tante ist damit einverstanden, dass das, was ihre "Hilfe" bislang machte, zukünftig über ihren Pflegedienst gemacht wird, denn der bietet auch hauswirtschaftliche Entlastung an. Tante weiß, dass ich gerne zu ihr komme, um mich darum zu kümmern, dass das alles klappt, aber sie möchte es alleine schaffen, und das respektiere ich natürlich.   

Die Queen im Gängeviertel. 

Im Haus kam ich ein bisschen weiter. Die Rollläden sind ja schon repariert, so dass ich nicht mehr durch Helligkeit geweckt werde (dafür wecken mich jetzt wieder die Schlafstörungen). Der Balkon hat jetzt endlich die Milchglasscheiben, die sich er Gatte so sehr wünschte. Ich hoffe, sie gefallen ihm. 

Doch, doch, ich sitze den ganzen Tag am Schreibtisch ...

Der Bescheid zur Witwenrente fehlt natürlich immer noch. Vom Nachlassgericht gab's auch noch keinen Erbschein, aber ich habe inzwischen alle fehlende Dokumente nachgereicht. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse

Freitag, 3. Juli 2026

Friday-Flowerday #27/26: Geburtstagsblumen

Da ich meinen Geburtstag in Weißenhäuser Strand verbrachte, mit der Ostsee-Tante und ihrer Familie zusammen war, rechnete ich gar nicht mit Geburtstagsblumen. Es gab dann aber doch zwei Sträuße: Einen Wiesenstrauß von den Kolleginnen und diesen, mit dem mich F. überraschte, mit einer kleinen Sonnenblume, der es auf's Foto schaffte. Sonnenblumen sind nach dem Verblühen der Pfingstrosen meine Lieblingsblumen.

Einer meiner beiden diesjährigen Geburtstagssträuße.

Die Vase ist die Edelstahl-Vase, die sich zu meiner Universalvase entwickelte. Da der Strauß der Kolleginnen, der es nicht auf das Foto schaffte, auf dem Stubentisch stand, fand dieser Strauß seinen Platz auf dem Kamin. So habe ich ihn beim Stricken immer im Blick.

Strauß und Vase.

Dieser Beitrag geht rüber zum Friday-Flowerday. Vielen Dank für's Sammeln!

Sonntag, 28. Juni 2026

Samstagsplausch KW 26/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXXVIII

Die Hitze raubt mir aktuell jegliche Lust zum Bloggen. Außerdem ist im Büro gerade der Teufel los, und Tante hat Probleme mit ihrer Hilfe. Die Dame ist inzwischen so dreist, dass sie Tante unter Druck setzt, ein Testament zu ihren Gunsten zu unterschreiben. Das alte Testament sei angeblich ungültig, weil es den Gatten bedenkt, der ja nun verstorben ist. Nur ein neues Testament könne außerdem verhindern, dass Tante gegen ihren Willen ins Pflegeheim kommt. Sie hat eine befreundete Notarin ins Boot geholt, die ein Testament zu ihren Gunsten aufsetzte, das Tante nun unterschreiben soll. 

Tante will allerdings nicht unterschreiben. Tante will auch nicht, dass ich nach Dachau komme, um ihr beizustehen. Sie hat Angst, dass sie ihre "Hilfe" verliert, wenn sie nicht unterschreibt. Alles, was die "Hilfe" macht, also schwere Dinge wie Getränke einkaufen und Müll entsorgen, könnte auch jemand anderes erledigen. Ich würde mich darum kümmern, dass alles seriös geregelt wird. Aber Tante will nicht. Sie hat Angst, dass sie ohne diese "Hilfe" verloren ist, womöglich tagelang hilflos in der Wohnung liegt. Dass zwei Mal an Tag der Pflegedienst zu ihr kommt und sie im Ernstfall fände, dass Tante einen Notrufknopf hat, kommt nicht mehr bei ihr an, so groß ist die Angst.

Ihre "Hilfe" kommt sonntags für eine Stunde, nimmt sich eine Flasche Sekt aus dem Kühlschrank, setzt sich damit auf den Balkon und raucht. Ihr Mann sitzt währenddessen bei Tante im Wohnzimmer, daddelt auf dem Taschentelefon und guckt finster. Dann ist der Sekt ausgetrunken, wird der Müll eingesammelt und gegangen, nicht ohne vorher noch zu thematisieren, dass Tante ja bald stirbt und man ihre Wohnung auflösen werde. Auf manchen Gegenständen klebt sogar schon der Name der "Hilfe"!

Mich macht das total wütend, nur ich bin auch mit meinem Latein am Ende. Ich habe schon überlegt, die Polizei einzuschalten, aber es ist ja nichts passiert, und wenn das neue Testament unterschrieben ist, hat Tante das augenscheinlich freiwillig gemacht. Zeugen, dass es anders war, gibt es ja nicht. So bleibt mir nichts anderes übrig, als Tante sehenden Auges in ihr Unglück rennen zu lassen. Tante will nicht, dass ich beim Notar-Termin dabei bin, und sie will auch nicht, dass ich eine wirkliche Hilfe organisiere. 

Ich bin gespannt, ob Tante standhaft bleibt und nicht unterschreibt. 

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 328. Die Trauer bleibt meine Weggefährtin. Sie ist nur erträglich, wenn ich konsequent verdränge, dass der Gatte niemals wiederkommt. Das Leben ohne den Gatten ist unendlich schwer. Er fehlt in jeder Sekunde, bei jedem Atemzug.

Der Großfuß-Hase begleitet mich auf die Fahrt zur Schwiegermutter, die aufgrund eines verunfallten Milchlasters zweieinhalb Stunden statt einer halben Stunde dauerte. Die Rückfahrt ging zum Glück schneller.

Der Besuch bei Schwiegermutter, der diese Woche anstand, war auch wenig erfreulich, denn sie erzählte, dass bei ihr eingebrochen wurde. Ein Tresor wurde ausgeräumt. Das war leichtes Spiel, wer der Schlüssel steckte ... Die Einbrecher müssen aus ihrer Seniorenwohnanlage kommen, denn sie nutzten einen Generalschlüssel. Da zieht Schwiegermutter extra in eine Seniorenwohnanlage, um sicher zu sein, und dann das! 

Ansonsten kümmerte ich mich ein wenig um Schwiegermutters Papierkram. Viel ausrichten kann ich nicht. Sie lebt in ihrer eigenen Wirklichkeit, was durch die Demenz noch verschlimmert wird. Genau so wie Tante hat sie das Gefühl, ihr bleibe nicht mehr viel Zeit. Das ist traurig zu hören, und ich hoffe doch, beide täuschen sich.

Wenig überraschend, gab es auch diese Woche keinen Bescheid über die Witwenrente. An der Verzögerung beim Erbschein bin aktuell ich Schuld, denn ich hatte noch immer keine Kraft, die gewünschten Kopien ans Nachlassgericht zu senden. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse

Sonntag, 21. Juni 2026

Samstagsplausch KW 25/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXXVII

Von wegen, Sturm ist, wenn die Schafe keine Locken mehr haben. Sturm ist, wenn die Uhus vom Baum geweht werden. Kein Witz. Der Vogel guckte so verdutzt wie wir.

Mittelaltermarkt bei stürmischen Wetter mit verwehten Vögeln.

Sonntag war ich mit einer Freundin auf dem Mittelaltermarkt im benachbarten Wildpark, und wir nutzten die Chance, uns auch die Flugschau anzusehen. Der Uhu war nicht der einzige Vogel, der arge Probleme mit dem Sturm hatte. Auch der Weißkopf-Seeadler kam öfter vom Kurs ab. Am Besten kamen noch die beiden Bussarde mit dem starken Wind zurecht. 

Der Sonntag war das Highlight einen ausgesprochen anstrengenden Woche, emotional und überhaupt. 

Meine Kollegin ist inzwischen die dritte Woche krank, und ein Ende ist angesichts der Diagnose Long Covid nicht in Sicht (aber Corona ist ja nur 'ne Erkältung und überhaupt vorbei). Sie ist so schwach, dass ich anders als sonst noch nicht mal mehr mit ihr diskutieren muss, ob sie nicht vielleicht doch ein klitzekleines Bisschen trotz Krankschreibung arbeiten darf. Das Team versucht, sie aufzufangen, und das Team versucht, auch mich aufzufangen, denn ich arbeite aktuell buchstäblich für zwei. Noch schaffe ich es ohne viel Unterstützung, will die Unterstützung nicht überstrapazieren, denn ich falle ja demnächst durch die Reha ein paar Wochen aus. So, wie das Team tickt, wurde mein Vorschlag, die Reha zu verschieben, schneller abgelehnt als ich ihn aussprechen konnte. Wir hoffen alle, dass die Kollegin bald wieder an Bord ist. 

Ich denke aktuell immer an den letzten Sommer des Gatten, den er komplett im Krankenhaus verbringen musste. Das Krankenhaus ist nicht klimatisiert, außerdem war er oft in Isolation, also war kein Durchzug möglich, weil Fenster und Türen geschlossen bleiben mussten. Es gab kaum Verdunkelung, so dass die Hitze auch nicht wirklich draußen bleiben konnte. Er durfte aufgrund seiner diversen Erkrankungen maximal zwei Liter am Tag trinken. Es war eine Quälerei. Ventilatoren und Airflips* machten es etwas erträglich. 

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 327. Die Trauer bleibt meine Weggefährtin. Sie ist nur erträglich, wenn ich konsequent verdränge, dass der Gatte niemals wiederkommt. Das Leben ohne den Gatten ist unendlich schwer. Er fehlt in jeder Sekunde, bei jedem Atemzug.

In dieser Woche löste ich das Bankkonto des Gatten auf und schloss einen Vertrag über die Grabpflege nach meinem Tode ab. Es mag merkwürdig erscheinen, dass mir wichtig ist, wie das Grab nach meinem Tode aussieht, aber mich dauern ungepflegte, vergessene Gräber. Es beruhigt mich zu wissen, dass das Grab gepflegt wird, wenn ich wieder mit dem Gatten zusammen bin. Es mag ein wenig früh erscheinen, dass ich mich schon jetzt darum kümmere, aber Treuhandkonten für Grabpflege, Beerdigung und auch Steinmetzarbeiten sind zumindest nach aktuellen Recht Schonvermögen, dürfen also nicht angetastet werden, wenn Haus und Grund für Pflegekosten etc. gepfändet werden. Deswegen lege ich diese Konten jetzt an, wo noch alles Geld mir gehört. Sobald ich von der Reha zurück bin, werde ich ein Treuhandkonto für die Beerdigung anlegen (und falls notwendig, auch für die Steinmetzarbeiten). 

Die Autoversicherung des Gatten kündigte überraschend den Vertrag und sandte mir einen neuen. Man vergaß, mich darüber zu informieren, dass das passieren würde, weil ich den Wagen des Gatten auf mich ummeldete. Stattdessen sagte man mir, es ändere sich nichts; ein Jahr nach dem Tode des Gatten bliebe alles beim alten, weil ich ja die Versicherung fortführen würde, sie nicht gekündigt hätte. Was man auch vergaß mir zu sagen: Die Versicherung wird jetzt doppelt gezahlt, denn vom Konto des Gatten wurde der Betrag schon im Januar abgebucht. 

Kommende Woche werden endlich zwei Rollläden repariert. Dann habe ich im Arbeitszimmer endlich wieder eine ordentliche Verdunkelung, sind da hoffentlich keine 33 Grad und mehr. Außerdem werde ich nicht mehr durch den Sonnenaufgang wach, denn das Licht aus dem Arbeitszimmer fällt auch ins Schlafzimmer. 

Ich habe vielleicht eine Lösung für die Gartenbewässerung gefunden, die mittels Tank und Solar funktioniert. Ich bin gespannt. Ich möchte schon lange ein Bewässerungssystem, aber Aufwand und Kosten waren mir zu hoch. Wenn's klappt, ist die Bewässerung auch von Balkon und Vorgarten gesichert. Außerdem scheine ich eine unaufwändige Lösung für Solarstrom im Gartenhäuschen gefunden zu haben, die ich zur Rattenabwehr mittels Ultraschall nutzen kann. Auch hier bin ich gespannt. 

Ich habe eine Liste gemacht für die Handwerksarbeiten, die ich nach der Reha durchführen lassen möchte. Dadurch werden zwar weder Keller noch Gästezimmer (oder eines der anderen Chaos-Zimmer) fertig, aber das sind Arbeiten, die mir wichtig sind, und die sich mit relativ wenig Aufwand ausführen lassen. Mir fehlt einfach die Kraft für Keller, Dachboden und Chaos-Zimmer. Vielleicht ist sie nach der Reha da. Wenn nicht, ist es nicht schlimm, denn ich habe ja keinen Termin, bis zu dem alles fertig sein muss. 

Wenig überraschend, gibt es auch diese Woche keinen Bescheid über die Witwenrente. An der Verzögerung beim Erbschein bin aktuell ich Schuld, denn ich hatte noch keine Kraft, die gewünschten Kopien zu machen und ans Nachlassgericht zu senden. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse. / *Affiliate link