Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln!
Ich werde gegen vier Uhr kurz wach, schlafe aber schnell wieder ein bis zum Weckerklingeln um sechs Uhr, heißt: Ich habe die dritte Nacht in Folge quasi durchgeschlafen! Scheint, die diversen Tabletten machen endlich, was sie sollen.
Ich beschließe, langsam in den Tag zu starten. Schließlich arbeite ich in Lifestyle-Teilzeit, seitdem der Gatte starb. Eigentlich arbeitete ich auch vorher schon in Lifestyle-Teilzeit, weil ich ganz egoistisch mehr Zeit für meine Hobbies haben wollte, aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr Vollzeit arbeiten wollte, deswegen von Voll- in Teilzeit ging. Dass ich die Teilzeit nutzen würde, um erst meine Mutter und dann meinen Mann zu pflegen, war nicht geplant.
Wenn ich schon in Lifestyle-Teilzeit arbeite, will ich das auch genießen, zumindest heute früh - ich habe ohnehin reichlich Überstunden. Also frühstücke ich in Ruhe, kette Mütze Nummer sieben ab, vernähe die Fäden, gebe zwei Euro für die fertige Mütze ins Wollsparglas und nadle Mütze Nummer acht an, bevor ich ins Arbeitszimmer gehe und den dienstlichen Klapprechner anwerfe.
Die Arbeit gestaltet sich zäh, geht langsam voran, weil das CMS hakt und zickt. Okay, ich habe ohnehin die Anweisung, langsamer zu arbeiten. Nun werde ich zur Entschleunigung gezwungen. Um nicht ewig auf einen Bildschirm voller Fehlermeldungen zu starren, beschließe ich, nebenbei die Betten neu zu beziehen. In Etappen werde ich damit tatsächlich bis zum Feierabend fertig. Und damit sich die Lifestyle-Teilzeit auch richtig lohnt, mache ich eine Stunde früher Feierabend in der Hoffnung, dass sich das zickige CMS bis zum nächsten Tag beruhigt.
Ein bisschen Hausarbeit, soweit die Kraft reicht. Die reicht meistens nur dafür, im Sessel zu sitzen und zu stricken. Immerhin schaffe ich es, ein wenig aufzuräumen, Holz zu holen und den Kaminofen zu säubern, ein paar Sachen für Momox oder Flohmarkt herauszusuchen und abends eine warme Mahlzeit zuzubereiten. Ich bin stolz, weil ich es schaffe, zu Fertigsauce und Fertiggemüse eine frische Paprika zu schnibbeln - und das Vorratsregal ist wieder ein bisschen leerer. Ich bestelle zwei Hasen - als würde der Gatte noch leben. Der liebte Hasen. Das Haus ist voller Hasen (okay, das Haus ist voll mit allem, aber die Hasen werden bleiben dürfen).
Eigentlich müsste ich die Stube besuchsfein machen, denn am Wochenende hat sich Besuch angesagt, aber mir fehlt die Kraft. Vermutlich werde ich das Sonnabend in letzter Minute machen, parallel zum Kuchenbacken. Und wenn dann der Esstisch kuchenfein gedeckt ist, entscheiden wir uns, zum Bäcker oder in eine Lokalität zu gehen, wird der Kuchen eingefroren ... Egal, Hauptsache, ich bin auf alles eingestellt.
Dennoch sitze ich die meiste Zeit rum und stricke. Mütze Nummer acht wird abends bis auf 18 Reihen fertig sein. Ich überlege kurz, sie schnell noch fertig zu stricken, bin aber vernünftig und gehe ins Bett, da sehr müde und erschöpft. Vor dem Einschlafen wird natürlich noch etwas gelesen*. Dass die Konzentration dafür reicht, ist vermutlich ein gutes Zeichen.
Der Blick zurück in die ersten sechs Corona-Jahre: Am 5. Februar 2020 erfasste uns langsam die Coronahysterie in Form von vergriffenen Desinfektionsmittel, ging ich noch davon aus, dass mein Mammutprojekt noch ein paar Monate analog bleibt. Am 5. Februar 2021 gab's schon einen Impfstoff gegen Corona, hatten wir noch die Hoffnung, dass der Gatte gesund wird. Am 5. Februar 2022 wussten wir schon, dass der Gatte nicht mehr gesund wird, waren noch immer mit der Schlafzimmerrenovierung beschäftigt. Am 5. Februar 2023 lebte meine Mutter schon ein halbes Jahr im Pflegeheim, versank immer mehr in Aggression und Wut und nahm langsam vom Leben Abschied. Am 5. Februar 2024 war ich zur Reha. Am 5. Februar 2025 lief der Gatte zum ersten Mal dem Tod davon: In der Nacht, in der er auf die Intensivstation kam, holte der Tod seinen Zimmernachbarn. Der Gatte machte auch zum ersten Mal Bekanntschaft mit der mangelnden Hygiene im hiesigen Krankenhaus, denn er musste nach einer Routine-OP auf die Intensiv-Station, weil er sich einen Krankenhauskeim einfing. Im Oktober 2025 sollte er an einer Candidozyma auris-Infektion sterben, die er sich im Krankenhaus zuzog. / *Affiliate links




















