Dass der Februar durch den Tod des Gatten ein schwerer Monat würde, war mir schnell klar. Im Februar vor 26 Jahren haben wir uns offiziell verlobt - inoffiziell, nur für uns sagten wir schon ein Vierteljahr früher Ja zu einander, ganz kurz nach unserem Kennenlernen. Im Februar vor 24 Jahren heirateten wir. Im Februar ist Valentinstag. Alle drei Tage zelebrierte der Gatte liebevollst mit Blumen, Geschenken, Essenseinladungen. Da wir vor 24 Jahren aus beruflichen Gründen keine Hochzeitsreise machen konnten, uns gerade mal für ein langes Wochenende frei nehmen konnten, fuhren wir jedes Jahr über unseren Hochzeitstag weg, wenigstens für ein langes Wochenende. Damit hörten wir erst 2023 auf, nachdem der Gatte einen Schlaganfall hatte und wir mit dem alt-neuen Haus beschäftigt waren.
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| Der Abendhimmel auf dem Friedhof kann Drama. |
Ich bin froh, dass ich gestern und letzten Sonntag lieben Besuch hatte, um mir die schweren Februarwochen etwas zu erleichtern, mich auch zum Friedhof zu begleiten und mit mir zu weinen. Blumen, Schnobkram und selbstgebackenen Kürbisstuten brachte der Besuch auch noch mit!
Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 309.
Die DRV meldete sich endlich zum Antrag auf Hinterbliebenen-Rente. Der Antrag ist also nach gut einem Vierteljahr in Bearbeitung. Es fehlen zwei Formulare. Eines verschlampte die DRV, das zweite ging zwei Mal bei der Krankenkasse, die es ausfüllen muss, verloren. Kommende Woche habe ich einen Termin bei der Krankenkasse, um das Formular in meinem Beisein ausfüllen zu lassen. Bei dem anderen hoffe ich, dass der DRV eine Kopie reicht, sonst muss ich meinen Arbeitgeber nochmal damit behelligen.
Ich schlafe seit bummelig zwei Wochen etwas besser, was heißt, dass ich mehr Energie für meinen Alltag habe. Das führte dazu, dass ich es inzwischen schaffte, alle Versicherungen vom Tode des Gatten zu unterrichten und einige Mitgliedschaften zu kündigen. Mal gucken, wann das alles abgewickelt ist. Das hängt auch maßgeblich davon ab, wann ich den Erbschein bekomme. Ich hoffe, das klappt noch in diesem Jahr.
An der Tür zu meinem Arbeitszimmer hängt jetzt eine Pinnwand mit vielen Zetteln der Vorgänge, die ich im Auge behalten muss, und die Vorgänge liegen hübsch sortiert auf der Bettseite des Gatten - da ist einfach am meisten Platz. Ich versuche, jeden Tag ein paar Minuten die Unmengen von CDs, Videospielen und Büchern des Gatten zu sichten für das nächste Momox-Paket. Das kostet unwahrscheinlich viel Kraft. Für die Großbaustellen Keller und Dachboden ist erst recht keine Kraft da. Auch wenn ich besser schlafe, bin ich doch immer noch froh über jeden Tag, an dem ich es schaffe, aufzustehen.
Im Büro ist viel zu tun, ich muss alles an Kraft und Konzentration aufbringen, was ich finden kann. Die neue Chefin (Chefin I, wir haben jetzt zwei Chefinnen) ist sehr bemüht und fürsorglich. Als sie hörte, dass meine Kollegin und ich arge Technik-Probleme mit unserem CMS haben, kam sie sofort, um sich das CMS samt technischer Tücken demonstrieren zu lassen. Das ist neu! Ergebnis: Wir kümmern uns um ein neues CMS! So schnell fallen bei uns selten Entscheidungen. Außerdem befand Chefin I, ich könne unmöglich mit dem alten Monitor arbeiten, an dem ich arbeite, sondern bräuchte zwei große Bildschirme, um meine Augen zu entlasten. Mit so viel Fürsorge kann ich nur schlecht umgehen.
Ich versuche, mich auf die bevorstehende Kopenhagen-Reise zu freuen. Im Moment überwiegt das Gefühl, das wird endlos anstrengend. Deswegen fahre ich auch nicht über unseren Hochzeitstag weg - die Kraft fehlt. Eine Wien-Reise ist im Gespräch, worüber ich mich freue, aber auch hier überwiegt aktuell die Sorge, dass die Kraft nicht reichen könnte. Von der angedachten Jordanien-Reise rede ich gar nicht erst. Richtig in die Urlaubsplanung starten kann ich ohnehin erst, wenn ich weiß, wann meine Reha beginnt (falls überhaupt) und wie langfristig meine Finanzen aussehen werden.
Diese Woche musste ich auch zur zweijährlichen Brustkrebsvorsorge. Durch den Umzug kam ich etwas aus dem Takt, musste dem Termin hinterher telefonieren. Dafür fand das Screening jetzt in der Kleinstadt statt, konnte ich ganz kommod zu Fuß gehen und danach noch einen Teil des Wocheneinkaufs erledigen. Hier findet das Screening nicht in einem riesigen Zentrum statt, sondern kuschelig in einem Bus, wo ich zusammen mit fünf anderen Frauen wartete. Wir bekamen alles voneinander mit - Datenschutz wird überschätzt. Ich bin gespannt auf das Mammographie-Ergebnis, lebe ich doch seit April 2021 mit einer Krebs-Diagnose, ohne zu wissen, wo in meinem Körper dieses Biest schlummert.
Schwiegermutter versinkt immer schneller in der Demenz. Aktuell werde ich zwischen ihr und Tante aufgerieben. Tante möchte ja, dass ich mich um ihren Nachlass kümmere, wenn Schwiegermutter dazu nicht mehr in der Lage sein sollte. Das bekam diese ominöse Hilfe mit, die sich mit ihrem Mann um Tante kümmert. Und diese ominöse Hilfe realisierte auch erst jetzt, dass ich Weihnachten dafür sorgte, dass sie nicht als erstes in Tantes Wohnung darf, sobald Tante stirbt. Der Plan dieser Hilfe ist nämlich, sich alle Wertsachen unter den Nagel zu reißen, und das sagt sie auch ganz unverblümt. Weihnachten sorgte ich dafür, dass Schwiegermutter und ich erst den Nachlass sichten, bevor diese Hilfe etwas verkaufen und das Haus ausräumen kann. Das ist mit der Dame auch so in ihrem Beisein abgesprochen, aber sie realisierte das erst jetzt. Ich vermute, dass sie zumindest die Bankkonten leerräumen wird, bis wir da sind. Jetzt will diese Person sich nicht mehr um Tante kümmern, und die ist verzweifelt, weil sie Hilfe braucht. Man könnte eine andere Lösung finden als diese Dame, aber das will Tante nicht.
Jedenfalls habe ich abwechselnd Schwiegermutter und Tante am Telefon. Schwiegermutter unterstellt Tante bösartig zu sein, nur mir gegenüber freundlich zu tun. Ich habe Tante in den letzten 26 Jahren nie anders als lieb und freundlich kennengelernt, was auch dem Empfinden des Gatten entspricht, der sie ja 64 Jahre lang kannte. Sie war ihm immer lieber als seine eigene Mutter. Insofern traue ich eher dem Gatten und mir. Ich weiß, wie bösartig und hinterhältig Schwiegermutter sein kann, auch bei klarem Verstand.
Bei Schwiegermutter kommt jetzt noch eine fürchterliche Weinerlichkeit hinzu, weil sie Angst hat, mich zu verlieren. Ich kenne das von meiner Mutter, grenze mich ab, aber das kostet unwahrscheinlich viel Kraft. Ich hatte gehofft, ich könnte den Tod des Gatten in Ruhe verarbeiten und langsam so etwas wie ein eigenes Leben entwickeln, aber nicht mir dieser Schwiegermutter, die versucht, sich an mich zu klammern.
Seit heute scheint zumindest bei Tante ein wenig Ruhe eingekehrt zu sein. Ich führte ein längeres Telefonat mit ihr, die dieser Dame ausredete, einen Anwalt einzuschalten, um gegen Schwiegermutter und mich vorzugehen, und besprach mit ihr, wie sie diese Dame notfalls loswerden kann. Tante hat ja einen Pflegedienst, und die Aufgaben, die diese ominöse Hilfe für sie erledigt, kann auch eine Haushaltshilfe vom Pflegedienst übernehmen - gegen Bezahlung, aber ihre komische Hilfe arbeitet ja auch nicht umsonst, sondern zockt Tante kräftig ab. Ich sagte Tante zu, dass ich mich kümmern werde, wenn ihre komische Hilfe tatsächlich abspringt, notfalls gerne ein paar Tage zu ihr fahre, um vor Ort alles zu regeln, und hoffe, das beruhigt sie etwas.
Aktuell geht es Tante zwar nicht gut, aber generell ist sie quietschfidel. Dass diese Hilfe permanent in Tantes Beisein darüber redet, was sie mit Tantes Sachen macht, wenn sie erst mal tot ist, finde ich, gelinde gesagt, geschmack- und anstandslos. Sie hat sogar auf einige Dinge schon Aufkleber mit ihrem Namen geklebt! Wenn ich könnte, wie ich wollte, hätte ich Weihnachten schon sehr deutliche Worte gefunden. Aber ich mache natürlich nichts, was Tante schadet.
Zum Glück ruft Schwiegermutter ausschließlich über das Taschentelefon an, und das ist die meiste Zeit über stumm. So kann ich wenigstens entscheiden, wann ich zurückrufe. Schwiegermutter redet inzwischen so wirr, dass ich Mühe habe, ihr zu folgen. Ich bin gespannt, wie lange das noch gut geht. Noch ist keine Demenz diagnostiziert, gilt Schwiegermutter nur als speziell - und das ist sie schon ihr ganzes Leben ...
Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.














