Samstag, 8. August 2020

Samstagsplausch KW 32/20: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten XXI

Seit dem 17. März arbeite ich weitgehend zu Hause, bin normalerweise nur an zwei Tagen zu Wochenbeginn und Wochenende im "echten" Büro. Da war's diese Woche eine Umstellung, wieder drei Tage in Folge im "echten" Büro zu sein, so richtig mit Vertretungsdiensten, Besprechungen und Überstunden, wie vor dem Lockdown. 

Zum ersten Mal seit 21 Wochen bereitete ich mir Sonntagabend also drei Mahlzeiten für die Mittagspausen zu. Neudeutsch heißt das Meal Prep, und ich finde es ausgesprochen zeitsparend und praktisch (und lecker). Klar könnte ich mir auch rund ums Büro etwas kaufen, aber dazu bin ich meistens zu geizig. Praktisch war, dass ich den Rechner nicht mitschleppen musste, denn der stand vom letzten Freitag, als ich spontan ins "echte" Büro musste, noch da. Bisher aß ich an den beiden Tagen im "echten" Büro kein Mittag, weil ich rechtzeitig Feierabend machen konnte, um zu Tee und Kuchen beim Gatten zu sein.

So nett die drei Bürotage in Folge auch waren, so sehr waren sie mir doch viel zu viel Normalität, und auch bei den Arbeitswegen frage ich mich wieder verstärkt, ob ich tatsächlich weiterhin Bus und Bahn fahren will oder ob ich nicht lieber in den sauren Apfel beiße und an meinen beiden Bürotagen für's Parkhaus zahle. Das wäre auf jeden Fall virensicherer (aber ökologisch und finanziell unsinnig). Radfahren kommt leider nicht in Frage. 

In Bus und Bahn tragen viele Menschen keine Maske. Mit dem Ende der Sommerferien steigt die Zahl der Fahrgäste (und die der Infizierten). Morgens war es in den Ferien zumindest in einer Linie noch einigermaßen leer, aber nachmittags sind beide Linien proppenvoll. Da fühle ich mich zunehmend unsicherer. Seit vorgestern will der HVV die Maskenpflicht mit verstärkten Durchsagen, Videoclips und Kontrollen durchsetzen - mal gucken. Durchsagen und Videoclips waren bislang nach meinen Beobachtungen wirkungslos, und Maskenmuffel werden die Masken nur so lange tragen, wie die Kontrolleure im Bus sind. 

Der Gatte und ich sind seit 21 Wochen weitgehend zu Hause, der Gatte inzwischen im fünften Monat Kurzarbeit. Er ist zwei Tage im Büro und ansonsten auf Abruf, kümmert sich in dieser Zeit um Haushaltsauflösung und Umzug seiner Mutter in eine Seniorenwohnanlage. So gesehen ist die Kurzarbeit des Gatten fast schon ein Segen.

Ich bin ebenfalls normalerweise zwei Tage pro Woche im "echten" Büro und arbeite ansonsten im Heimbüro. Die drei Projekte, für die ich verantwortlich bin, sind alle auf unterschiedliche Weise von der Pandemie betroffen, aber mein Arbeitsplatz an sich ist sicher, anders als beim Gatten. Bei meinem Arbeitgeber gilt inzwischen wieder Präsenzpflicht, so dass ich wohl bald wieder täglich im "echten" Büro arbeiten muss. Mal schauen. Aus diversen Gründen habe ich nämlich einen Heimarbeitsplatz, den ich aber erst seit 17. März nutze. Davor dachte ich, wenn familiär nichts anliegt, täte es mir ganz gut, täglich raus zu müssen, aber inzwischen sehe ich das anders. 

Nachdem Schwiegermutters Haus letzte Woche übergeben wurde, schlossen wir Wetten ab, wie lange es dauert, bis sich die unfreundliche Käuferin mit den Nachbarn überwirft. Schwiegermutter und Gatte geben ihr kein halbes Jahr, ich neun Monate, denn vor Weihnachten werden die geplanten Umbauarbeiten kaum abgeschlossen sein, wird die Familie nicht einziehen. Und erst zum Frühjahr hat sie Gelegenheit, sich über grillende Nachbarn, spielende Kinder und streunende Nachbarskatzen zu beschweren. Mal schauen, was die ehemaligen Nachbarn in ein paar Monaten berichten.

Apropos spielende Kinder: Wir mussten uns wieder beim Vermieter darüber beschweren, dass unsere Terrasse zum Bolzplatz umfunktioniert ist, Fenster und Türen als Tore herhalten, Pflanzen und Mobiliar zerstört werden, und wieder baten wir vergeblich um Aufstellung eines Zaunes vor unserer Terrasse, um die Situation zu entspannen. Zwar ist das Fußballspielen auf dem schmalen Grünstreifen zwischen den beiden Wohnblöcken aus gutem Grund seit Jahr und Tag verboten, aber daran hält sich seit 2016 niemand mehr (es gibt übrigens ausreichend geeignete Bolzflächen in unmittelbarer Nähe).

Der Vermieter lehnt einen Zaun nach wie vor ab, und wir dürfen auch keinen auf unsere Kosten aufstellen, weil das Gesamtbild der Wohnanlage dadurch beeinträchtigt ist. Zerschossene Haustüren beeinträchtigen das Gesamtbild allerdings nicht, wie sich in der Vergangenheit zeigte. Dennoch scheint es nach unserer aktuellen Beschwerde einen Brief der Vermieter gegeben zu haben, denn diese Woche klingelten plötzlich zwei Kinder an der Tür und fragten, ob sie in den Garten dürften, um ihren Frisbee zu holen, anstatt einfach durch die Hecke und über's Mobiliar zu laufen. Geht doch.

Nachbarn aus den umliegenden Wohnblöcken, die nicht zu unserem Vermieter gehören, scheinen sich hingegen über die Lautstärke der spielenden Kinder beschwert zu haben, denn seit einigen Tagen sind die deutlich ruhiger. Wir empfinden spielende Kinder nicht als Lärmfaktor, aber diese Kinder sind wirklich laut. Oft höre ich sie schon, wenn ich spätnachmittags an der 300 m entfernten Bushaltestelle an einer vierspurigen, viel befahrenen Straße aussteige. Ich kenne Schulhöfe, auf denen es in den großen Pausen leiser zugeht; ich habe jahrelang neben einer Schule und einem Kindergarten gewohnt - kein Vergleich zur Lautstärke der aktuellen Nachbarskinder. 

Aber jetzt stehen keine Kinder mehr da und kreischen wie am Spieß, aus purer Freude am Kreischen (falls mal Sirenen ausfallen: Ich hätte Ersatz). Sie räumen manchmal abends ihr Spielzeug weg. Phasenweise kamen wir kaum aus dem Haus, weil vor der Tür kreuz und quer Tretroller, Fahrräder, Springseile und Sandspielzeug lagen. Auf den Grünstreifen stört's ja nicht, aber auf den Wegen und in den Eingängen, die schlecht beleuchtet sind, sind's Stolperfallen.

Auch stehen die Kinder nicht mehr vor den Häusern und brüllen bins in den dritten Stock gegen die geschlossenen Fenster an, um zu fragen, ob Freunde zum Spielen runter kommen oder die Eltern Wasserflaschen und Eis runter werfen, sondern sie nutzen die Gegensprechanlage. Sie sind sogar in der Lage, leere Flaschen oder leeres Eispapier im Müll zu entsorgen - gelegentlich. Zeitweise sieht's hier aus wie auf einer wilden Müllkippe, auch, weil irgendwelche Düffeldaffel den Müll hartnäckig neben die Tonnen stellen. Vorgestern kam eine Nachbarin mit ihren beiden Töchtern nach Hause, schimpfte, weil wieder Müll auf dem Grünstreifen lag, und sammelte ihn ein. Immerhin. Nachhaltiger wär's, wenn die Töchter, die den Müll verursachten, ihn auch einsammelten, aber nun ja. 

Könnte man die Eltern auch noch überzeugen, dass es unklug ist, Kindern Zündschlüssel zu geben, damit sie sich sonntagmittags ins Auto setzen, um stundenlang zu hupen, während andere Kinder kreischend darum herum stehen; könnten die Eltern ihren Kindern auch noch beibringen, nicht stundenlang mit abgebrochenen Ästen auf Zäune oder Büsche einzuprügeln, wäre es fast wieder wie vor 2016. Spielende Kinder gab's hier schon immer reichlich, die Siedlung ist ideal für Familien, aber einige, die seit 2016 einzogen, sind sehr speziell.

Für den Gatten ist es auch nach der Hausübergabe noch nicht wirklich ruhiger geworden. Nach dem Umzug war ja noch so viel Krams in Schwiegermutters Haus, den sie in ihrer Verwirrtheit als Sperrmüll bezeichnete, während sie Sperrmüll mit umziehen ließ, dass wir ein zweites Lager anmieteten, um das Haus zur Übergabe leer zu bekommen. Inzwischen ist Schwiegermutter wieder so fit, dass sie mit dem Gatten einen Blick ins Lager werfen konnte, er es nun gemeinsam mit ihrer Gesellschafterin auflösen kann. Mit Glück sind wir diese zusätzlichen Kosten bald los. 

Und ich vermute, wenn das Lager aufgelöst ist, taucht auch die verschwundene Brieftasche des Gatten wieder auf. Meine verschwundene Kamera fand sich jedenfalls inzwischen in Schwiegermutters Wohnung wieder an, wo sie der Gatte geistesgegenwärtig rettete, ehe Schwiegermutter sie entsorgen konnte. Sie entsorgt zurzeit alles, womit sie nichts anfangen kann.

Aus den ganzen Ereignissen der letzten Monate haben wir gelernt, dass wir, vor allem ich, zukünftig öfter und rigoroser ausmisten müssen. Und solltet ihr alte Eltern haben, die von einem Haus in eine Wohnung / Seniorenwohnanlage umziehen, schaltet euch rechtzeitig ein, selbst wenn eure Eltern normalerweise strukturiert sind. Der Umzug überforderte Schwiegermutter, die ihr Leben sonst im Griff hat, total, was sie sich aber nicht eingestehen konnte und deswegen keine Hilfe annahm. Sollte es bei uns irgendwann mal so weit sein, hoffe ich, dass wir uns rechtzeitig Hilfe und Unterstützung holen werden.

Mediterrane Köstlichkeiten auf der Terrasse.

Ansonsten versuchen wir, uns ruhige Momente zu schaffen, bis wir endlich in den Urlaub fahren können. Wir genießen die langen Abende auf der Terrasse, schafften es Sonnabend zum Markt, wo wir uns mit allerlei mediterranen Köstlichkeiten eindeckten, oder fläzten uns gemeinsam zum Fernsehen auf dem Sofa. Uns beiden fehlt der diesjährige Mallorca-Aufenthalt, und wir hoffen, dass wir nächsten September wieder bedenkenlos dort hin fliegen können.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Einkaufen und Kochen in der vergangenen Woche berichte ich in der Kombüse. Bleibt zu Hause, bleibt gesund, passt auf euch und eure Lieben auf.

Mittwoch, 5. August 2020

#WMDEDGT 8/20: Bewegung

Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln!

Der Tag beginnt gegen eins, als ich wach werde, weil der Gatte in der Küche kruschtelt - verspäteter Mitternachtsimbiss. Schlag 5 werde ich wieder wach - Asthma. Wieder mal der Eindruck, dass das schlimmer ist als in den Vorjahren. Schlafen kann ich nicht mehr, aber aufstehen mag ich auch nicht. Ich bleibe bis zum Weckerklingeln liegen.

Kaffee, Knäckebrot, Zeitung lesen, duschen, anziehen, kurz den Gatten wecken, um mich zu verabschieden, dann ab zur Bushaltestelle, denn heute bin ich im "echten" Büro. Ein Bus ist noch einigermaßen leer, obwohl Markttag ist. Da fahren normalerweise viele Rentner mit Gehwagen und Einkaufsrollern mit. Der zweite Bus ist dafür proppenvoll, inklusive einer Frau, die darauf besteht, dass in einem überfüllten Bus der Mindestabstand eingehalten werden muss. Die Menschen werden immer bekloppter.

Pünktlich im Büro - seitdem es die Busverbindung gibt, klappt das fast immer. Die S-Bahn hingegen ist wie meistens verspätet, wie mir die App, die ich nach wie vor nutze, mitteilt. 

Wie erwartet, ist die Ladenkollegin immer noch krank, aber meine Kollegen haben ihre Vertretung schon unter sich ausgemacht. Prima, dann kann ich vermutlich pünktlich Feierabend machen. 

Teamsitzung, Konzeptbesprechung für's Mammutprojekt, Austausch mit Kollegen. Vermutlich werde ich zukünftig wieder täglich ins "echte" Büro fahren müssen, denn es gilt wieder Präsenzpflicht. Ich hingegen finde es im Heimbüro ganz kommod. Vielleicht finden wir eine Mischregelung, denn immerhin habe ich einen echten Heimarbeitsplatz und damit das recht, einen Teil der wöchentlichen Arbeitszeit zu Hause abzuleisten. Aber so lange weder Mutter noch Gatte betreut werden müssen, bin ich flexibel; und mein Arbeitgeber ermöglicht es mir ebenso flexibel, spontan von Zuhause aus zu arbeiten, wenn's die Situation erfordert (und ich den Dienstrechner zu Hause habe, denn ohne kann ich nicht arbeiten). 

Während des Mittagessens mit Mudderns telefonieren. Sie regt sich über ihre neuen Nachbarn auf, die bis weit nach 22 Uhr lautstark das Haus modernisieren, und schildert nochmal detailliert die Zerstörung ihres Apfelbaums. Nachdem die Nachbarn auch schon den Flieder und eine Efeuhecke zerstörten, würde ich am liebsten eine Anzeige machen. So viel Falschheit wie die der neuen Nachbarn macht mich fassungslos. Mudderns kennt die Frau seit Jahren, weil sie die Altenpflegerin der inzwischen verstorbenen Nachbarin war. Sie war immer sehr nett und hilfsbereit zu Mudderns, aber seitdem sie das Haus der verstorbenen Nachbarin übernahm, zeigt sie ihre wahres Gesicht. 

Mit der Chefin absprechen, dass ich in den kommenden beiden Tagen auf Abruf zu Hause bin, um ggf. die erkrankte Ladenkollegin zu vertreten, dann pünktlicher Feierabend. 

Entspannte Heimfahrt. 

Zu Hause dann ein Schreckmoment, denn der Wagen des Gatten steht mitten auf der Kreuzung! So würde er nie parken, noch nicht mal kurz. Vom Gatten ist weit und breit nichts zu sehen. Dass er nicht ohnmächtig im Auto liegt, ist schon mal gut, und Gott sei Dank finde ich ihn gesund und munter zu Hause. Er ist von der Position des Wagens völlig überrascht, denn natürlich parkte er ihn nicht mitten auf der Kreuzung. Es ist ein Rätsel, wie der Wagen auf diese Position kam. 

Der Gatte setzt seinen Wagen um und berichtet vom vergeblichen Versuch, bei meinem Wagen ein Leuchtmittel zu wechseln. Ich versuche den Wechsel unter seiner Anleitung, ebenfalls vergeblich. Also Termin bei der Werkstatt machen. Irritierenderweise meint der Gatte, es habe gar keinen Fehlercode zum Wechseln des Leuchtmittels gegeben. In der Tat: Als ich den Wagen zurück in die Garage fahren will, ist der Fehlercode verschwunden, leuchtet das Abblendlicht. Also der Werkstatt wieder absagen.

Endlich auf dem Balkon sitzen, ankommen können und mit dem Gatten den bisherigen Tag Revue passieren lassen. Eigentlich wollte ich noch einen Kuchen backen, eigentlich müsste ich mich um den Haushalt kümmern, zumindest um den Teil, den der Gatte noch nicht erledigte, aber im Moment ist einfach die Luft raus.

Die Pflanzen auf dem Balkon und im Garten mit Wasser versorgen, dann ein wenig im Internetz stöbern. Mir kommt mal wieder dieses Tuch unter. Ich lese mich ins Illusionsstricken ein und beschließe, das Tuch im anstehenden Urlaub zu arbeiten. Eigentlich bin ich ja auf Wolldiät, aber momentan habe ich wenig Lust auf die Stash-Projekte.

Abendessen, dann zum Fernsehen und Häkeln auf's Sofa, immer wieder unterbrochen vom Gatten. Registrieren, wie schrecklich früh es schon wieder dunkel wird. Relativ spät ins Bett, aber ich kann morgen ausschlafen, denn ich arbeite zu Hause. Lesen*, noch etwas Radio hören und dabei einschlafen. 

An Tagen wie diesen fehlt mir übrigens das Fräulein von der grünen Insel sehr. Ich hoffe, es geht ihr gut, wo auch immer sie ist.


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Samstag, 1. August 2020

Samstagsplausch KW 31/20: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten XX

Ist euch auch schon aufgefallen, wie viel früher es jetzt abends dunkler wird? Der Sommer geht in den Endspurt! Ich mag die Zeit, wenn es abends noch warm ist, wir draußen sitzen, und es so früh dunkel wird, dass wir Kerzen auf Balkon oder Terrasse aufstellen können. Das haben wir zumindest heute Abend vor; eine kleine Auszeit nach dem Stress der letzten Wochen. Bis zum Urlaub dauert es ja leider noch etwas, obwohl der schon jetzt sehr notwendig wäre.

Sonntagsessen: Wiener Schnitzel und Salzburger Bier im Servus bei Lippls.
Der Gatte und ich sind seit 20 Wochen weitgehend zu Hause, der Gatte inzwischen im fünften Monat Kurzarbeit. Er ist zwei Tage im Büro und ansonsten auf Abruf, kümmert sich in dieser Zeit um Haushaltsauflösung und Umzug seiner Mutter in eine Seniorenwohnanlage. So gesehen ist die Kurzarbeit des Gatten fast schon ein Segen.

Ich bin ebenfalls zwei Tage pro Woche im "echten" Büro und arbeite ansonsten im Heimbüro, wenn nichts anderes erforderlich ist. Die drei Projekte, für die ich verantwortlich bin, sind alle auf unterschiedliche Weise von der Pandemie betroffen, aber mein Arbeitsplatz an sich ist sicher. Kurzarbeit ist kein Thema, im Gegenteil: Ein Projekt brachte bis vor zwei Wochen endlose Überstunden mit sich.

Bei Schwiegermutters Haushaltsauflösung sind wir einen Schritt weiter: Die Schlüssel wurden übergeben. Dabei trafen wir auch auf die Käufer, die sich als ausgesprochen unangenehm entpuppten. Es zeigte sich mal wieder, dass Geld und gutes Benehmen nicht zwangsläufig Hand in Hand gehen. Die Käuferin benahm sich derart respektlos, dass es selbst ihrer Mutter irgendwann sichtbar unangenehm war. Klarer Fall von selbst Schuld. Ich überlegte kurz, Tacheles mit dem verwöhnten Gör zu reden, aber dann entsann ich mich, wer die Käufer sind, aus welchem Stall sie kommen, warum ich ihre Welt, die einst auch meine war, verließ, und blieb ruhig.

Immerhin: Das Kapitel "Haus" können wir jetzt abhaken. Es kostete viel Kraft, vor allem den Gatten. Allerdings: Auch nach drei Wochen ist Schwiegermutters Umzug noch nicht abgeschlossen. Schwiegermutter verstand irgendwann nicht mehr, dass sie nicht mehr in ihr Haus zurückkehren wird, ließ so viel als vermeintlichen Sperrmüll zurück, dass wir irgendwann ein zweites Lager anmieteten, um alles unterzubringen, weil uns klar war, dass sie das nicht alles entsorgen möchte. Inzwischen ist der Gatte auch dabei, Schwiegermutters ganzen Papierkram durchzugehen, denn es ist unklar, welche Verträge gekündigt werden müssen etc. Das wird ihn noch eine Weile beschäftigen.

In klaren Momenten ist Schwiegermutter froh über das Lager, fragt, warum dieses oder jenes denn nicht mit kam, kann der Gatte sagen, er holt dieses oder jenes mal eben aus dem Lager. In anderen Momenten beharrt Schwiegermutter darauf, sie brauche den ganzen Plunder nicht mehr. Wir warten jetzt noch mal etwas ab, bevor wir das Lager räumen lassen.

Man kann zwar wieder zusammenhängende Gespräche mit Schwiegermutter führen, aber ihre Aussagen haben keine lange Gültigkeit. Was in einem Moment richtig war, ist im nächsten Moment grundverkehrt. Mal schauen, wie sich das entwickelt. Schwiegermutter ist auch noch immer nicht richtig in der Seniorenwohnanlage angekommen, obwohl sie sich so auf ihre Wohnung und das Leben dort freute. Aber sie hatte ja auch noch keine Gelegenheit zur Ruhe zu kommen.

Immerhin konnten wir diese Woche wieder mit Schwiegermutter essen gehen - ein schöner Abend! Und ich schaffte es, mir kleine Auszeiten zu nehmen: Ich hatte Zeit für den Garten, stellte endlich Handschuhe für den Gatten fertig (aufgrund seiner Erkrankung braucht er auch im Sommer welche), konnte gestern Abend zwei Mallorca-Features im Fernsehen gucken und fing einen Häkel-Rucksack für den kommenden Urlaub an. Häkeln ist nach wie vor ein Kampf für mich, weswegen ich unsicher bin, ob ich die Anleitung richtig umsetze, aber bislang sieht das Ergebnis immerhin beutelig aus (wenngleich ich weiß, ich habe ein paar Maschen zu wenig, obwohl das nicht sein kann).

Außerdem ging ich endlich zum Hausarzt, um eine zweite Meinung wegen meiner Wechseljahrsbeschwerden einzuholen. Ich habe seit etwa 30 Jahren eine Hormonstörung, die immer nur mit der Empfehlung, weniger zu essen, behandelt wurde. Wie wenig ich esse, wurde mir nie geglaubt, weil: "Wenn Sie wirklich so wenig essen, wären Sie nicht so dick." Ich gab irgendwann auf, bis die Beschwerden durch das wechseljahrsbedingte zusätzliche, normale Hormonchaos unerträglich wurden.

Ich habe jetzt einen Termin bei einer endokrinologischen Gynäkologin, die eng mit Ernährungsmedizinern zusammenarbeitet, knackte beim vorab zugeschickten Anamnese-Fragebogen gleich den Highscore, versuche aber, mir nicht zu viele Hoffnungen zu machen, denn vermutlich bekomme ich wieder nur zu hören, dass ich weniger essen soll. In acht Wochen bin ich klüger.

Bei Mudderns stellte sich endlich heraus, wer ihre Bäume frevelte: Die neue Nachbarin, die erst so sympathisch daher kam, die sie schon lange kennt, weil sie die Pflegerin der alten Dame war, der das Nachbarhaus früher gehörte. Mudderns sprach die Nachbarin auch schon direkt darauf an, als der Flieder zerstört wurde, aber da stritt sie es ab. Jetzt wurde Mudderns Apfelbaum vom Grundstück der Nachbarin aus so angeschlagen, dass er eigentlich nur noch gefällt werden kann, und zu dem Grundstück hat ja nun nur die Nachbarin Zutritt, also ist die Verursacherin klar. Da ist Tacheles fällig. Zum Glück wird das erstmal Mudderns Gesellschafterin übernehmen. Und dann müssen wir mal schauen, wie sich die Lage entwickelt.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Einkaufen und Kochen in der vergangenen Woche berichte ich in der Kombüse. Bleibt zu Hause, bleibt gesund, passt auf euch und eure Lieben auf.

Freitag, 31. Juli 2020

Ausgelesen: Bücher im Juli 200

Da ich Mudderns zu ihrem Geburtstag besuchen würde und sie dringend Büchernachschub benötigt, weil der örtliche Bücher-Tausch-Tisch noch immer coronabedingt nicht zugänglich ist, konzentrierte ich mich in diesem Monat auf analoge Bücher - digitale kann ich ja nicht an sie weitergeben.

Ich begann mit "Dezembermord*" von Jochen Frech. Es ist der zweite Band mit dem Ermittler Moritz Kepplinger. Den ersten Band, "Hochsommermord*", kannte ich nicht, was aber nicht so tragisch ist, denn man kommt auch so in die Handlung. Der Kriminalroman spielt im winterlichen Stauferland. Wer ist der unbekannte Mann, der im Göppinger Stauferbrunnen ertränkt wurde? Es gibt keine Zeugen, und die wenigen Spuren führen in eine Sackgasse. Dann wird ein zweiter Toter gefunden, auch er starb durch Ertrinken. Auf den ersten Blick haben die beiden Fälle nichts miteinander zu tun, doch schon bald droht der ehemalige SEK Ermittler Moritz Kepplinger in einem Strudel unvorstellbarer Gewalt unterzugehen. Kann er den nächsten Mord verhindern?

Bei Gelegenheit werde ich mal den ersten Band lesen. Schade, dass Frech bislang keine weiteren Bücher schrieb.

"Kältezone*" von Arnaldur Indriðason hatte ich schon vor einiger Zeit angelesen, dann aber zur Seite gelegt, nicht, weil das Buch mir langweilig war, sondern weil eines mit Leihfrist dawischen kam (ohne, dass ich noch weiß, welches). Islandkrimis kommen ja meist etwas behäbig, ruhig daher. Das muss man mögen. Ich mag's. Ich bin gespannt, ob Mudderns, an die ich das Buch weitergab, es auch mag.

In einem See südlich von Reykjavík wird ein Toter entdeckt. Der Wasserspiegel hatte sich nach einem Erdbeben drastisch gesenkt und ein menschliches Skelett sichtbar werden lassen, das an ein russisches Sendegerät angekettet ist. Ein natürlicher Tod ist ausgeschlossen. Hat man sich hier eines Spions entledigt? Erlendur, Elínborg und Sigurður Óli von der Kripo Reykjavík werden mit der Lösung des Falls beauftragt. Ihre Nachforschungen führen sie in das Leipzig der Nachkriegsjahre, wo eine tragische Geschichte um Liebe, Verlust und berechnender Grausamkeit ihren Anfang nahm ...

Irgendwann sollte ich auch mal die Reihe um Erlendur Sveinsson in chronologischer Folge lesen.

Ohne Krimi geht nicht nur
die Mimi nie ins Bett.
Ich mag die in den späten 1980er und frühen 1990er Jahren erschienen Ariadne Krimis und freue mich immer, wenn ich welche in den Stilbruch-Bücherregalen im Bus entdecke. Seit diesem Monat fahre ich ja wieder mit dem HVV, aber bislang hatte ich noch kein Bücherfundglück (oder die Busse waren zu voll, um an das Regal zu gelangen).

"Kreuzfeuer*" von Katherine V. Forrest ist der sechste Fall mit der Polizistin Kate Delafield. Die "Polizeifamilie" von Los Angeles krankt am Trauma des Rodney-King-Debakels, auch O.J. Simpson hat Spuren hinterlassen. Argwohn prägt die Stimmung zwischen den Revieren. Die allseits verhasste Abteilung 'Internal Affairs', die Polizei der Polizei, spürt jeder Disziplinschwäche nach und bringt kompromisslos Cops zur Strecke. Nun soll die Kommissarin Kate Delafield, die gerade eine Schusswunde aukuriert, einem kriminellen Streifenpolizisten beistehen. Das bringt ihr nicht gerade Pluspunkte bei den anderen Cops.

Leider sind nicht mehr alle Bücher der Reihe erhältlich, weder auf Deutsch noch auf Englisch, sonst würde es mir auch hier Spaß machen, sie mal chronologisch zu lesen.

In der Folge las ich einige analoge Romane an, konnte mich aber auf keines richtig konzentrieren und legte sie auf den Urlaubsstapel. Mudderns ist inzwischen auch wieder gut mit Lesestoff versorgt, da ich einiges an Büchern aussortierte und sie auch welche zum Geburtstag bekam. Also wieder Krimis. Bei denen kann ich der Handlung auch im größten Stress folgen.

"Prost, auf die Wirtin*" von Friedrich Kalpenstein ist der erste band einer Reihe um Hauptkommissar Tischler, der sich aus München in die Chiemgauer Alpen, seine alte Heimat, versetzen ließ. Ausgerechnet am Sonntag, noch vor seinem offiziellen Dienstantritt, wird die Wirtin des idyllischen Orts Brunngries im nahe gelegenen Wäldchen tot aufgefunden.

Je tiefer der Kommissar in die vermeintliche Dorfidylle eintaucht, umso klarer wird es, dass sich hinter der freundlichen Fassade des Ferienortes noch sehr viel mehr verbirgt.

Die Reihe scheint Potential zu haben. Der zweite Band erscheint im kommenden Juni.

Da ich immer noch Spaß daran habe, ganze Krimireihen chronologisch zu lesen, lud ich mir alle zehn Bände der Sandra-Mohr-Reihe von Claudia Rossbacher* herunter, die in der Steiermark spielt.

Dabei merkte ich wieder mal, wie nutzerfreundlich der Kindle im Vergleich zum Tolino ist - bei letzterem ist ein ein K(r)ampf, erst zur Onleihe zu finden und dann dort jeweils einzeln die Bücher herunterzuladen. Ich leihe die Bücher am Desktop aus, denn das über der Tolino zu machen, ist eine Zumutung. Hinzu kommt, dass sich der Tolino sehr überraschend verhält. Ich weiß nie, was ich mit einem Tastendruck auslöse - wenn der Tolino überhaupt reagiert. Alle Naslang muss das gerät zudem neugestartet werden. Das hatte ich mir anders vorgestellt.

Bei der Sandra-Mohr-Reihe war ich skeptisch, ob ich die Bücher nicht ständig mit den TV-Verfilmungen vergleiche, aber das geht. In rascher Folge las ich "Steirerblut*", "Steirerherz*" und "Steirerkind*". Mit "Steirerkreuz*" gehe ich in den August. Ich hatte gehofft, die Serie auch noch im Urlaub lesen zu können, aber die ersten Bände sind so dünn, dass sich das kaum ausgehen wird. Vielleicht finde ich ja, passend zum Reiseziel, eine Krimireihe, die in Jütland spielt. Irgendwelche Empfehlungen?

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Mittwoch, 29. Juli 2020

#pmdd2020: Der 28. Juli 2020

In diesem Jahr ist an jedem 28. eines Monats Picture my Day-Day, kurz pmdd. Mitmachen ist einfach: Fotos vom Tag machen, bloggen oder mit #pmdd2020 auf Twitter oder Instagram einstellen. Gesammelt wird alles auf dieser Seite.


Heute wird zu Hause gearbeitet.
Wäsche abnehmen.
Everything stops for tea. Das kleine Teesäckchen ist ein kulinarisches Mitbringsel aus St. Petersburg.
Noch mehr Wäsche abnehmen.
Die Spülmaschine ausräumen.
Ich arbeite heute im Heimbüro. Das ist mäßig spannend. Zum Glück sind die Wochen, in denen ich vor Arbeit kaum wusste, wohin, vorbei, kann ich kurz Luft holen, bevor's wieder hektisch wird. Der Gatte ist derweil immer noch, wieder mal, mit der Haushaltsauflösung seiner Mutter beschäftigt. Zum Glück steht der Termin zur Übergabe des Hauses unmittelbar bevor. Dann könnte es ruhiger werden.


Teezeit mit dem Gatten.
Die Engelsfigur aus Schwiegermutters Garten ist inzwischen bei uns eingezogen. Mal gucken, wie lange es dauert, bis sie von den Bolzblagen zerschossen wird. Die fußballspielenden Nachbarskinder nutzen trotz der dichten Hecke unseren Garten als Spielfläche, Fenster und Mobiliar als Tore.
Auch Schwiegermutters Tessin-Engel ist inzwischen bei uns eingezogen. Eigentlich sollte er auf ihren Balkon in der Seniorenwohnanlage, aber das überlegte sie sich inzwischen anders.
Der Apfelbaum des Gatten musste unbedingt aus Schwiegermutters Garten mit. Hoffentlich wächst er bei uns an, wird nicht von den Bolzblagen als Tor missbraucht.
Es scheint, als könnten wir tatsächlich Zucchini ernten.
Nach der Arbeit kann ich mich endlich mal wieder um unseren Haushalt und Garten kümmern. Im Garten gibt's einiges neues, denn Schwiegermutters Haus wird ja verkauft, und da der Garten von den Käufern platt gemacht, komplett umgestaltet wird, retteten wir einiges zu uns (leider nicht so viel, wie wir gerne möchten, aber unser Garten ist halt winzig, vor allem im Vergleich zum parkähnlichen Grundstück von Schwiegermutter).


Ein neuer Mitbewohner im Hochbeet.
Wenn ich im Heimbüro arbeite, bekomme ich zu wenig Bewegung, also ab auf den Stepper.
Im Moment sind wir so viel unterwegs, dass es nicht reicht, die Masken nur am Wochenende zu waschen.
Abendessen.
Dieser Dienstag gehört nach langer Zeit mal wieder dem Doctor.
Nach dem Abendessen steht wie meistens in diesen Zeiten, in denen ich eigentlich nur zu Hause bin, Stricken auf dem Sofa an. Endlich werden die Handschuhe für den Gatten fertig, an denen ich schon seit gefühlten Ewigkeiten stricke. 


Die Handschuhe für den Gatten sind bis auf das Fädenverziehen endlich fertig. Normalerweise brauche ich dafür keine Woche, aktuell fast einen Monat ...

Noch etwas lesen* und dann schlafen.
Relativ spät ins Bett, noch etwas lesen*, und dann war's das auch schon mit dem 28. Juli 2020.

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Samstag, 25. Juli 2020

Samstagsplausch KW 30/20: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten XIX

Schwiegermutter, die letzten Sonnabend operiert wurde, ist wieder in ihrer Wohnung - Gott sei Dank! Von dem Sturz vor dreizehn Wochen, aber auch von verschiedenen nachfolgenden Stürzen hatte sie subdurale Hämatome, die entfernt wurden - reine Routine, das kommt bei alten Menschen öfter vor, erklärte eine gelassene Ärztin dem entsetzten Gatten. Dazu kamen dann im Krankenhaus auch noch zwei Schlaganfälle.

Es ist schon erstaunlich, was minimalinvasive Chirurgie kann: Seitdem die Hämatome entfernt sind, ist Schwiegermutter weniger verwirrt und wieder halbwegs ansprechbar. Die Erinnerungen kommen langsam wieder, gelegentlich sind auch wieder zusammenhängende Gespräche möglich. Eine Reha braucht sie angeblich nicht, soll nur drei Wochen Bettruhe halten, aber selbst das lehnt Schwiegermutter ab. Und ihre Tabletten sollte sie endlich wieder nehmen, aber die entsorgte sie in ihrer Verwirrtheit, und da der Hausarzt ohne Vertretung noch zwei Wochen im Urlaub ist, gibt's vorerst keine neuen. Das wird spannend.

Viele Unterlagen verschwanden in den Wochen ihrer Verwirrtheit, was die anstehende Hausübergabe spannend macht. Immerhin haben wir inzwischen den Namen des Maklers, dem Schwiegermutter das Haus verkaufte, in Erfahrung gebracht. Wir sind alle froh, wenn dieses Kapitel Ende der kommenden Woche hoffentlich abgeschlossen ist, und hoffen, wir können dann endlich alle etwas zur Ruhe kommen. Aber bis dahin ordnet sich alles Schwiegermutters Haushaltsauflösung und der Einrichtung ihrer Wohnung in einer Seniorenwohnanlage unter.

In den letzten Wochen konnte Schwiegermutter Wichtiges nicht mehr von Unwichtigem unterscheiden. Es war reiner Zufall, dass ich das, was sie für den Sperrmüll bestimmte, noch mal durchsah und dadurch u.a. den Fahrzeugbrief des Gatten rettete. Der verlor nämlich in dem ganzen Chaos auch noch sein Portemonnaie mit sämtlichen Papieren, entsorgte es vermutlich in einem der unzähligen Müllsäcke, die wir auch letztes Wochenende noch packten. Zwar haben wir die genauso durchsucht wie drei Mülltonnen und den vermeintlichen Sperrmüll, für den wir einen extra Lagerraum anmieteten, aber vergeblich.

Also ist der Gatte zusätzlich zum ganzen Mutterstress auch noch damit beschäftigt, neue Papiere zu beantragen. Abwarten, ob jemand das Portemonnaie findet, konnte er nicht, denn ohne Personalausweis kommt er nicht zu seiner Mutter. Coronabedingt muss er ihn im Krankenhaus und in der Wohnanlage vorlegen, um Zutritt zu bekommen. Ich kann nicht einspringen, denn Schwiegermutter hat mir keine Vollmacht erteilt. Als sie das einen Tag vor dem Schlaganfall machen wollte, wusste ich, es stimmt etwas nicht mit ihr, denn sie hält mich nicht für vertrauenswürdig, wäre bei klarem Verstand nie auf so eine Idee gekommen, und lehnte ab. Aber ich sorgte dafür, dass sich der Gatte im Krankenhaus von seiner Mutter eine Vorsorgevollmacht unterschreiben ließ (und dabei fiel mir ein, dass wir die für uns auch mal ausstellen sollten ...).

Der Gatte ist seit vier Monaten in Kurzarbeit, muss nur zwei Tage ins Büro, ist ansonsten auf Abruf und hat daher Zeit, sich um seine Mutter zu kümmern. Ich bin ebenfalls zwei Tage pro Woche im "echten" Büro und arbeite ansonsten im Heimbüro, wenn nichts anderes erforderlich ist. In dieser Woche war ich sogar nur einen Tag im "echten" Büro, wollte am zweiten Bürotag dem Gatten beistehen und arbeitete von Zuhause aus.

Als wir auf der Suche nach dem Portemonnaie die 5 Kubikmeter "Sperrmüll" im Lager ausräumten, machte ich auch gleich eine Liste, was darin lagert. Die ging der Gatte inzwischen mit seiner Mutter durch, und es bestätigte sich, was wir uns schon dachten: Das, was Schwiegermutter entsorgen wollte, ist mitnichten Sperrmüll. Das sind alles Dinge, die sie in den drei Wochen zwischen Umzug und Hausübergabe selbst in die Wohnung transportieren wollte - 5 Kubikmeter Gedöns, transportiert im Gucci-Handtäschchen im HVV-Bus. Ja, nee, is klaa.

In dem ganzen Chaos feierten wir Mudderns Geburtstag, und das war wirklich ein schöner, für unsere Verhältnisse entspannter Tag! Und dass wir zusammen Geburtstag feiern können, war ja auch nicht immer absehbar. Mudderns Gesellschafterin kam überraschend zum Gratulieren vorbei und hatte ihre Dackeline mit - endlich wieder Hundeknuddeln! Ich vermisse das kleine braune Hundevieh, das letzten Oktober starb, so sehr.

In den kommenden Tagen müssen letzte Sachen im Haus erledigt werden, und ich muss aufpassen, dass mir der Gatte beim Kümmern um seine Mutter nicht komplett zusammenklappt. Außerdem hoffe ich, dass ich endlich mal wieder etwas Selbstfürsorge schaffe: Ich muss endlich mal zu meinem Hausarzt, um eine zweite Meinung bezüglich meiner Wechseljahrsbeschwerden zu bekommen, möglichst auch eine Überweisung zum Endokrinologen, damit endlich mal eine ordentliche Hormonuntersuchung gemacht wird, denn mit meiner Gyn komme ich da ja nicht weiter. Vielleicht sollte ich auch mal die Gyn wechseln ... Ich halte mich seit Monaten mit Schmerztabletten aufrecht, aber das ist keine Dauerlösung, und bis zum Ende der Wechseljahre sind noch 12,13 Jahre (wenn ich nach meiner Mutter komme, sogar knapp 20 - Gott bewahre).

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea - vielen Dank für's Sammeln! Über's Einkaufen und Kochen in der vergangenen Woche berichte ich in der Kombüse. Bleibt zu Hause, bleibt gesund, passt auf euch und eure Lieben auf.

Samstag, 18. Juli 2020

Samstagsplausch KW 29/20: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten XVIII

Wir wohnen an einer der Hauptverkehrsadern des Hamburger Westens, zwischen mehreren Feuerwachen und zwei Krankenhäusern. Sirenen sind also gewohntes Begleitgeräusch.

Dennoch ist es ein sehr merkwürdiges Gefühl, zu wissen, dass die Sirenen, die ich gerade auf die Kreuzung zufahren höre, gleich links abbiegen und zu Schwiegermutter fahren werden. Kurze Zeit später hören wir die Sirenen zurückkommen, rechts abbiegen, auf dem Weg ins Krankenhaus, mit Schwiegermutter an Bord.

Schwiegermutter kam gestern Mittag ins Krankenhaus, nachdem sie den Notruf ihrer Wohnanlage aktivierte. Der Gatte wurde telefonisch darüber informiert. Wir überlegten, dem RTW hinterher zu fahren, aber dann fiel uns ein, dass wir wegen Corona ja gar nicht ins Krankenhaus dürfen. Die Schwester, die die Einlieferung veranlasste, meinte, der Gatte sollte sich in zwei, drei Stunden melden, vorher wisse man eh nichts.

Es dauerte dann über sechs Stunden, bis der Gatte wusste, was mit seiner Mutter ist. Nachdem er sich in Warteschleifen verhedderte, Telefonate immer wieder unterbrochen wurden, Rückrufe nicht erfolgten, fuhr er dann doch ins Krankenhaus, wo man erst seine Mutter nicht fand, er dann aber doch endlich eine Ärztin sprechen konnte, eine Diagnose bekam. Zu ihr durfte er nicht - Corona.

Schwiegermutters Verwirrtheit der letzten beiden Wochen war keine Folge von Überlastung angesichts Haushaltsauflösung und Umzug, sondern der vor zwölf Wochen übersehenen Gehirnerschütterung und diverser nachfolgender Stürze. Heute wird sie operiert, und wir können nur hoffen, beten, dass die Ärztin damit recht behält, dass es ein Routine-Eingriff ist, Schwiegermutter Montag wieder in ihrer Wohnung ist, wenn alles gut geht. Nachmittags soll uns ein Anruf über das OP-Ergebnis informieren und darüber, ob wir Schwiegermutter trotz Corona besuchen dürfen.

Der Gatte und ich sind seit 18 Wochen weitgehend zu Hause, der Gatte inzwischen im vierten Monat Kurzarbeit. Er ist zwei Tage im Büro und ansonsten auf Abruf, kümmert sich in dieser Zeit um Haushaltsauflösung und Umzug seiner Mutter in eine Seniorenwohnanlage. So gesehen ist die Kurzarbeit des Gatten fast schon ein Segen.

Ich bin ebenfalls zwei Tage pro Woche im "echten" Büro und arbeite ansonsten im Heimbüro, wenn nichts anderes erforderlich ist. Die drei Projekte, für die ich verantwortlich bin, sind alle auf unterschiedliche Weise von der Pandemie betroffen, aber mein Arbeitsplatz an sich ist sicher. Ich konnte mich bis Mitte dieser Woche vor Überstunden kaum retten. Seit Mitte dieser Woche ist es im Büro endlich etwas ruhiger, aber noch lange nicht so ruhig wie sonst um diese Zeit.

Wir sind auch diese Woche nur mit der Auflösung von Schwiegermutters Haushalt beschäftigt gewesen. Sonntag waren ich so fertig, dass ich meine Kamera verlor und Feinwäsche bei 60 Grad wusch, jetzt neue Büro-Kladage brauche (und wohl auch eine neue Kamera).

Das, was Schwiegermutter als "Sperrmüll" im Haus zurückließ, ist inzwischen gesichtet. Der wirkliche Sperrmüll wurde abgeholt. Alles andere sah der Gatte durch, sortierte rigoros aus, fuhr wiederholt zum Recyclinghof, und mietete dann kurz entschlossen einen weiteren Lagerraum an, denn aktuell wissen wir nicht, wohin mit den Koffern und Kisten, die Schwiegermutter als "Sperrmüll" zurückließ, deren Inhalt sie aber ganz sicher nicht entsorgt haben möchte. Es macht keinen Sinn, das alles jetzt in die neue Wohnung transportieren zu lassen, denn es sind noch nicht mal alle Umzugskisten ausgepackt.

Uns läuft die Zeit davon, denn die Übergabe des Hauses an die Käufer steht bevor, und aktuell wissen wir nicht, wo Schwiegermutter die dafür erforderlichen Unterlagen hat. Sie war in den letzten Wochen so verwirrt, dass sie überall sein können. Rund um das Haus ist auch noch einiges zu tun, und es ist noch nicht alles vom vermeintlichen Sperrmüll im Lager.

Während der Gatte gestern im Haus arbeitete, um sich abzulenken, kümmerte ich mich nach Feierabend aus den gleichen Gründen um Haushalt und Garten. Letzteren musste ich in den letzten Wochen sehr vernachlässigen. Der Mangold fiel den Schnecken zum Opfer; die Radieschen produzierten nur Kraut (ich verzichtete darauf, daraus Suppe, Pesto oder Salat zu machen), aber der Neuseeländer Spinat ist erntereif und kommt demnächst auf den Teller.

Das Kasseler Strünkchen braucht noch etwas - gerade zwei Pflanzen überlebten. Sie fielen ganz sicher nicht den Schnecken zum Opfer. Ich vermute eher, das zarte Grün schmeckte den Vögeln. Die Hortensie, die der Gatte schon aufgab, blüht prächtig. Die Pfingstrosen produzieren seit zwei, drei Jahren nur Grün und werden wohl entsorgt, mal schauen.

Die Engelskulptur mit Pflanzschale zog inzwischen aus Schwiegermutters Garten in unseren um und wartet darauf, bepflanzt zu werden. Drei Rosen, ein Apfelbäumchen, ein Vogelhäuschen und einiger Kleinkram muss noch umziehen. Für den Apfelbaum muss erst noch Platz geschaffen werden, aber dafür hat der Gatte jetzt keine Zeit. Das Bäumchen kommt also erst mal in einen Topf, bis zum Herbst. Wir hoffen, es übersteht das alles, denn der Zeitpunkt zum Verpflanzen ist gerade ungünstig, aber es geht halt nicht anders.

Und überhaupt: Momentan gibt es wichtigeres.

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