Sonntag, 2. August 2026

Samstagsplausch KW 31/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXXXIII

Die Woche war, gelinde gesagt, abwechslungsreich. 

Der Termin in der neuen Frauenarztpraxis war so erfolgreich, dass sich spontan drei weitere Frauen aus meinem Umfeld dort Termine holten. Die Ärztin war sehr wertschätzend, fand es klug, dass ich wieder Hormone nahm, als ich vor Schmerzen nicht mehr weiter wusste, und verordnete mir weiterhin Hormone, wenn auch andere Präparate, als ich bisher bekam. Bislang scheinen sie gut wirken. Zusammen mit den Therapien in der Reha bin ich hoffnungsvoll, bald wieder richtig gehen zu können, die Entzündung im rechten Fuß ein wenig ausheilen zu können.

Ich meldete mich von der über 90jährigen Strick-Nachbarin ab, brachte ihr einen Sonnenblumenstrauß mit, über den sie sich sehr freute. Ihr setzten die Hitzewellen sehr zu - unsere gemeinsame Putzfrau warnte mich schon vor, dass sie sehr schwach ist. Die kommende Hitzewelle machte ihr dann auch Angst, setzt ihr nicht nur körperlich zu. Es war schwer, diese lebenslustige, agile Frau, die kaum zu bremsen war, so schwach zu sehen. Ich hoffe, es geht ihr bald wieder besser. Eigentlich wollte sie ins Betreute Wohnen ziehen, wenn sie nicht mehr alleine leben kann, aber selbst davon ist aktuell keine Rede mehr. 

Die Reha lässt sich gut an, wenngleich ich ein wenig mit den äußeren Umständen hadere. Prompt gewann ich als neue Diagnose eine Anpassungsstörung. Dass ich das als Kompliment auffasste, war anscheinend irgendwie falsch,

Ich hätte Werkzeugkasten und Elektriker mitbringen sollen, um mein (renoviertes) Zimmer nutzbar zu machen. Die Haustechnik liebt mich bereits ... Ich wischte auch erstmal Staub. Wer mich irl kennt, weiß: Dann ist es wirklich dreckig. Im Zimmer fehlte auch ein Sitzmöbel. Das soll angeblich so, denn meine Depression heile anscheinend sofort, wenn ich mich außerhalb meines Zimmers unter Menschen aufhalte (normalerweise steht in jedem Zimmer ein Sessel). Ich bin anderer Meinung und organisierte mir ein Sitzmöbel. Ich bin gespannt, wann das auffällt. Sobald ich den nächsten Baumarkt fand, kaufe ich einen Inbus, um eine Stehlampe zu reparieren, und einen Elektromarkt für einen Fön finde ich sicher auch noch. Ich brachte keinen mit, weil die Zimmer mit einem Fön ausgestattet sind - nur der ist halt defekt, und die Haustechnik hat anderes zu tun. Bei der Nachttischlampe half mir mein Zimmernachbar, denn der Info, dass die Lampe über den Notrufknopf zu bedienen ist, wollte ich nicht trauen. Das ist aber tatsächlich so. Dafür lässt sie im Gegensatz zu allen anderen Lampen nicht mit dem Zimmer-Hauptschalter ausschalten.

Ich hadere auch mit der Aussicht. Beim letzten Mal war ich im Altbau untergebracht, genoss freie Sicht auf Wolken und Wald. Den Altbau gibt es nicht mehr. Aus allen Zimmern genießt man jetzt nur noch freie Sicht auf Klinker- und Fensterfronten. Wenn ich mich aus dem Fenster lehne, kann ich zumindest ein Stückchen Wald sehen. Ansonsten sieht das Therapiekonzept halt vor, so wenig Zeit wie möglich im Zimmer zu verbringen. 

An Bewegungsmangel jenseits der Sporttherapie leide ich nicht. War früher der Wasserspender in einem der Hauptflure im Erdgeschoss untergebracht an einer Stelle, an der jeder vorbei musste, befindet er sich nun auf jeder Etage im "neuen" Neubau. Wenn man wie ich aber im "alten" Neubau untergebracht ist, muss man erst ins Erdgeschoss, dann durch einen Verbindungsbau und einen provisorischen Verbindungsgang in mindestens die erste Etage des "neuen" Neubaus, wenn man vergessen hat, sich zu den Essenszeiten mit Wasser zu versorgen, heißes Wasser braucht oder außerhalb der Öffnungszeiten des Cafés einen Kaffee möchte. 

Bei der Ergotherapie muss ich wieder ausdruckszentriert arbeiten, denn produktive Ergotherapie gibt es nur für Rehabilitanden aus medizinischen Berufen. Also knete ich brav Monster und tanze meinen Namen. Meine Einzeltherapeutin ist sehr, also wirklich sehr jung - ich war versucht, mir ihr Diplom zeigen zu lassen ... Mal schauen, wie sich das anlässt. Die Reha-Ärztin ist sehr esoterisch, hört aber zu, wie ich am Therapieplan merkte.

Trotz kleiner Nickeligkeiten bin ich wild entschlossen, die Zeit hier zu genießen und das Beste daraus zu machen.  

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 333. Die Trauer bleibt meine Weggefährtin. Sie ist nur erträglich, wenn ich konsequent verdränge, dass der Gatte niemals wiederkommt. Das Leben ohne den Gatten ist unendlich schwer. Er fehlt in jeder Sekunde, bei jedem Atemzug.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! In der Kombüse ist gerade Pause.

Dienstag, 28. Juli 2026

Ein "Überlebenspaket" für meine Kollegen

Meine Kollegin wird mich demnächst für mindestens fünf Wochen vertreten. Im letzten Jahr vertrat sie mich schon mehrere Monate. Inzwischen hat sie alles in unserem Arbeitsbereich einmal durchgespielt und steckte mich locker in die Tasche, traute sie sich mehr zu. Wir ergänzen uns großartig. Wo ich nur die halbe Information erfassend und "Avanti Dilettanti!" rufend vorwärts presche, kommt sie sorgsam überlegend und alles abwägend hinterher und fängt mich notfalls wieder ein.

Ein "Überlebenspaket" mit allerlei Süßem für die Kollegen, die mich in den nächsten Wochen vertreten werden.

Da meine Kollegin selbst auch chronisch krank ist, gerade wieder für längere Zeit ausfiel und Angst hat, die Vertretungszeit nicht durchzustehen, wird sie bei Bedarf von zwei weiteren Kollegen unterstützt. So ist unser Team halt: Wir halten uns bei Problemen nicht mit der Suche nach Schuldigen auf, sondern finden Lösungen. Fast alle von uns arbeiten in Teilzeit, kennen das tägliche Jonglieren mit chronischer Erkrankung, Kindern, zu pflegenden Angehörigen, einem Tag, der hartnäckig nur 24 Stunden hat usw. Wir lamentieren nicht. Wir lösen. 

Häkelblumen erinnern meine Kollegen daran, dass sie bitte meine Blumen gießen mögen.

Ich habe meinen Kollegen ein kleines "Überlebenspaket" gestaltet mit Geld für Eis für kühle Köpfe; Keksen, falls ihnen jemand auf den Keks geht; Studentenfutter, falls harte Nüsse geknackt werden müssen; Brausepulver, falls ihnen zum Aufbrausen ist; Geld für Kaffee für wache Köpfe, Ingwer-Immun-Shots für alle Fälle und einen Häkelblumenstrauß mit der Bitte, meine Büro-Flora nicht zu vergessen. 

In der Kaffee-Tasse ist neben Schokolinsen Geld für die eine oder andere Tasse Kaffee. Ich wollte keinen Gutschein für ein Café kaufen, damit meine Kollegen frei wählen können, wohin sie gehen möchten.

Meine Kollegin bekommt außerdem noch ein Paar Socken, damit sie weiß, dass sie keine kalten Füße bekommen muss. 

Bananensocken für die meistens kalten Füße meiner Kollegin.

Ich hoffe, alle haben Spaß an dem "Paket". 

Auch in der Eistüte ist neben Schokolinsen Geld für Eis für kühle Köpfe. Auch hier wollte ich meine Kollegen nicht auf einen bestimmten Eisladen festlegen und verschenkte deswegen keinen Gutschein.

Die Verpackung ist übrigens Upcycling: Der Karton der letzten Wollbestellung wird umhüllt von einem Plakatmuster unserer aktuellen Kampagne. Die Plakate wollte ich eigentlich entsorgen, aber da hagelte es Proteste. Eines der Plakate wurde ganz sorgfältig wieder auseinander gefaltet, gebügelt (das ist kein Scherz!) und an die Wand gehängt. Am liebsten hätten die Kollegen es an die Wand gegenüber meinem Büro gehängt, aber das wäre ohne bauliche Veränderungen nicht möglich gewesen. So kam es an die Wand neben dem Büro meiner Kollegin. Passt bestens. Ein regennasses und arg knittriges Plakat, das ich zufällig nach einem Termin im Auto mit nach Hause nahm, wurde nach dem Trocknen zur Ummantelung des Päckchens.

Dieser Beitrag geht rüber zum Dings vom Dienstag, zum Flickensalat und zum Creativsalat. Vielen Dank für's Sammeln!

Sonntag, 26. Juli 2026

Samstagsplausch KW 30/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXXXII

In dieser Woche schaffte ich es endlich, den Wagen des Gatten zu verkaufen. Der Abschied fiel aufgrund vieler Erinnerungen schwer. Der Ankäufer war zum Glück empathisch, und ich schaffte es, eine Freundin zu fragen, ob sie mich begleiten kann. Sie hatte Zeit, kam sogar mit ihrem Wagen, so dass wir zusammen zurückfahren konnten (und auf dem Hinweg übernahm sie die Führung, als sie merkte, dass wir uns verfuhren - sonst hätte ich den Autohändler nicht gefunden).

Jetzt ist wieder etwas verschwunden, das dem Gatten viel bedeutet. Ich versuche mich daran aufzubauen, dass ich systematisch die Schritte gehe, die wir in den letzten Lebenswochen des Gatten gemeinsam besprachen, aber das ist kein Trost. 

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 332. Die Trauer bleibt meine Weggefährtin. Sie ist nur erträglich, wenn ich konsequent verdränge, dass der Gatte niemals wiederkommt. Das Leben ohne den Gatten ist unendlich schwer. Er fehlt in jeder Sekunde, bei jedem Atemzug.  

In dieser Woche kamen sowohl die Nachricht über die Hinterlegung des Erbscheins beim Notar als auch ein herzerwärmender Brief der Ostsee-Tante mit Geburtstagsfotos an. Während der Reha werde ich die Ostsee-Tante besuch, so ist zumindest der Plan, und nach der Reha hole ich den Erbschein vom Notar ab. Bei dem Termin lasse ich auch gleich meine Patientenverfügung aufsetzen. Dann ist das auch erledigt, kann ich hoffentlich beruhigt abtreten. 

Im Büro hätte ich meinen Vertretungen gerne einen sauberen Schreibtisch übergeben, aber wir erleben bei zwei Kooperationspartnern gerade Dramen, weil sich ein 78jähriger und ein 77jähriger um eine 42jährige streiten. Das führt dazu, dass ich, ausgerechnet ich, in dieser Woche sehr oft Sätze begann mit: "Um das Gespräch mal wieder auf die Sachebene zu holen ..." Mittlerweile sind Juristen involviert. Damit sind wir eigentlich raus, aber das sieht einer der beiden Kooperationspartner anders. Vorgestern spätnachmittags eskalierte es nochmal. Ich bin gespannt, was meine Kolleginnen nach meiner Rückkehr erzählen (sie wissen, dass ich während der Reha auch jederzeit erreichbar bin, aber erfahrungsgemäß nutzen sie das nicht, und ich lasse den Dienstrechner zu Hause). 


Marina Weisband sagt treffend: "Der Islamismus braucht die AfD und die AfD braucht den Islamismus. Beide sind sich darin einig, dass Frauen, Queere und andere einfach weniger wert sind. Beide nehmen dankbar an, dass ihre Mitglieder durch den anderen radikalisiert werden." Meine Gedanken sind bei den Opfern, Angehörigen und Freunden des Attentats in Berlin. Wer weiß, wie dicht wir beim zweiten CSD in der lindgrünen Hölle einem Anschlag waren, denn am Rande der Veranstaltung wurden zwei Jugendliche mit Messern verhaftet, die die Veranstaltung störten. Und ich bezweifle, dass die "Queers for Palestine", die dort sprachen, nach dem gestrigen Anschlag in Berlin zu Verstand kommen. Es ist faszinierend, wie man so voller Antisemitismus sein kann, dass ausblendet, das Homosexualität in Gaza mit dem Tode bestraft wird. 

Schwiegermutter und Tante geht's den Umständen entsprechend gut. Schwiegermutter ist fünsch, weil ich nicht so wollte wie sie, und warf wieder mal wütend den Telefonhörer auf die Gabel. Zum Glück bin ich durch meine Mutter trainiert im Umgang mit Narzissten. Sorgen mache ich mir um die über 90jährige Strick-Nachbarin, die immer schwächer wird. 

Im Laufe der Woche klappte ich zusammen, konnte vor Schmerzen nicht weiter, obwohl vollgepumpt mit Schmerzmitteln. Zum Glück stand das Karlchen in der Tiefgarage, so dass ich tatsächlich 500 m mit dem Auto fuhr - zu Fuß hätte ich es nicht mehr geschafft. Zum weiteren Glück bekam ich einen Parkplatz beim Haus. Am nächsten Tag kramte ich den Rest Hormone hervor, den ich noch hatte, und nahm eine Tablette. Abends brauchte ich schon keine Schmerztabletten mehr, und nach jetzt vier Tagen bin ich quasi komplett schmerzfrei. Ich hoffe sehr, dass die neue Gynäkologin die Hormonersatztherapie fortführt. Ansonsten werde ich mir zwangsläufig ein Präparat aus Yamswurzel bestellen und eine Hormonersatztherapie ohne ärztliche Begleitung machen. Schön ist anders, aber die Schmerzen machen mich kirre (und ständig hochdosierte Schmerzmittel einnehmen zu müssen, ist ja nun auch nicht unbedingt gesund).

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

Dienstag, 21. Juli 2026

Mützchen für "Das große Stricken"

Ich habe lange überlegt, ob ich bei "Das große Stricken" eines Smoothie-Herstellers mitmachen, denn die Aktion ist wenig nachhaltig. Ich bezweifle, dass die Mützchen weitergenutzt werden. 

Die kleinen Mützchen entstanden aus Bordmitteln, also mit dem, was gerade da war: Wollreste und Knöpfe. So musste ich nichts neu kaufen.

Dann hatte ich aber so viele kleine Wollreste über, dass ich mich doch entschloss, Mützchen zu stricken. Alternativ hätte ich die Kleinmengen als Füllwatten-Ersatz nehmen können. Insgeamt entstanden aus diversen Reste 15 Mützchen.

Viele, viele bunte Mützchen ...

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Sonntag, 19. Juli 2026

Samstagsplausch KW 29/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXXXI

Als ich diese Woche abends mit dem Karlchen aus Hamburg nach Hause fuhr, war es noch hell genug, um am Blumenfeld am Autobahn-Kreisel zu halten und Sonnenblumen mitzunehmen. Das war allerdings leichter gesagt als getan, denn in vielen Blüten schliefen Hummeln! Das war wirklich ultraniedlich! Die Hummeln ließen sich auch gar nicht stören. Ich fand schließlich fünf Sonnenblumen ohne Schläfer. Ich hätte auch Gladiolen nehmen können, denn die standen anders als vor drei Wochen auch schon in voller Blüte, aber mir war noch nicht nach Herbst.  

Generell war die Woche ziemlich nervenaufreibend für mich Sensibelchen. Ich kaufte anscheinend ein E-Bike, das in der Reha auf mich wartet. Ich wollte eigentlich nur eins für die Dauer der Reha ausleihen und erst im kommenden Jahr beim hiesigen Händler ein kleines Lastenrad mit Platz für einen Wasserkasten und einen kleinen Hund kaufen. Jetzt hat es sich so ergeben, dass in der Reha ein imolarotes Kompaktrad mit genau diesen Anforderungen auf mich wartet. Es wird spannend, das Rad nach der Reha nach Hause zu bekommen. Der Händler ist sich sicher, dass es samt Gepäck in mein Karlchen passt. Ich bin mir sicher, dass es nicht in mein Karlchen passt, schon gar nicht samt Gepäck.

Sollte ich recht behalten, bringt es mir der Händler vorbei, wenn er einen hier in der Nähe wohnenden Kumpel besucht. Die Übergabe erfolgt dann autobahnnah in einer Dorfkneipe ... Ich vermute, ich lasse das Rad lieber per Spedition liefern. 

Jedenfalls freue ich mich wahnsinnig auf das Rad. Der Gatte hatte ohnehin den Plan, nach dem Umzug E-Räder zu kaufen, weil sie für die Distanzen in der lindgrüne Hölle einfach ideal sind, er weniger Autofahrten machen wollte. In der Reha gibt es einige Touren, die ich schon beim letzten Mal lieber mit dem Rad gemacht hätte als mit dem Karlchen, aber im Winter wollte ich kein Rad leihen. 

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 331. Die Trauer bleibt meine Weggefährtin. Sie ist nur erträglich, wenn ich konsequent verdränge, dass der Gatte niemals wiederkommt. Das Leben ohne den Gatten ist unendlich schwer. Er fehlt in jeder Sekunde, bei jedem Atemzug.

Kommende Woche wird das Auto des Gatten verkauft. Der Termin steht. Das wird ein sehr schwerer Tag. Ich wollte den Verkauf unbedingt noch vor Reha-Beginn hinter mich bringen. Je länger ich zögere, um so schwerer wird es. Dabei weiß ich, dass der Gatte viel sachlicher, weniger emotional an das Thema herangegangen wäre. Ich versuche mir das immer wieder in Erinnerung zu rufen, auch, wenn es schwer fällt. Der Gatte wollte nach dem Umzug einen Wagen verkaufen, aber ich bin mir sehr sicher, dass er lieber das Karlchen verkauft hätte als seinen Wagen, denn der bietet mehr Stauraum. Für mich alleine brauche ich aber nicht so viel Stauraum. Was nicht ins Karlchen passt, wird geliefert. 

Schwiegermutter und Tante geht es den Umständen entsprechend gut. Tante hat inzwischen den Wohnungsschlüssel von ihrer "Hilfe" zurückbekommen und an den Pflegedienst übergeben. Das ist in jeder Hinsicht sinnvoll. Seitdem die "Hilfe" weiß, dass sie nicht erben wird, kommt sie nicht mehr, will auch nicht mehr Tantes Wohnung auflösen und das Geld davon haben. Aber klar, um's Geld ist es ihr nie gegangen ... Ein Nachbar bot Tante an, ihr Getränke mitzubringen. Er fährt ohnehin einmal in der Woche zum Getränkehändler und muss mit seinen Kisten an Tantes Wohnung vorbei. Ansonsten gibt es direkt in Tantes Straße einen Getränkehandel, der auch liefert. Schwiegermutter ist inzwischen nahezu blind. Das ging dann jetzt doch rasend schnell. Sie wird zudem immer verwirrter. Mal gucken, was das wird. Vorerst trägt sie mit Fassung, dass ich am Geburtstag des Gatten nicht mit ihr ans Grab fahren werden, weil ich in der Reha bin. 

Im Büro ist Ferienruhe, was ganz gut tut. So kann meine Kollegin nach längerer Krankheit langsam anfangen, muss nicht sofort in die Vollen gehen, kann viele Pausen machen. Alle schwierigen Themen haben wir vor meiner Reha soweit erledigt, dass Entscheidungen erst nach meiner Rückkehr getroffen werden müssen. Zwei Kollegen stehen zudem zur Unterstützung meiner Kollegin bereit. 

Ansonsten steht meine Urlaubsplanung für's kommende Jahr weitgehend. Ich habe da wohl einen gewissen Nachholbedarf ... 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse