Hamburger Arroganz
Mein Blog über Hamburg und die Welt.
Samstag, 21. März 2026
Samstagsplausch KW 12/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXIV
Dienstag, 17. März 2026
#12von12 im März 2026
Caro von "Draußen nur Kännchen" sammelt jeden Monat am 12. des Monats 12 Impressionen des Tages - vielen Dank dafür!
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| #1: KpH und Schnuffi, das Reise-Rudel, bestehen darauf, dass ich aufstehe, um Kopenhagen zu erkunden. |
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| #2: Appartement-Pflichten: Abwaschen nach dem Frühstück. |
Ich bin für eine Woche in Kopenhagen. Heute ist der vorletzte Tag, den ich mit moderner Kunst verbringe - und im Luxus-Kaufhaus Magasin du nord, wo mich dänisches Design mal wieder absolut flasht.
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| #3: Heute wird's wild. |
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| #4: Verstörende Kunst: Installation "Beyond the Horizon" von A.A. Murakami |
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| #5: Natur als Ausgleich für verstörende Kunst. |
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| #6: Mittagessen. |
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| #7: Schon wieder verstörende Kunst: "Wabbit" von Marion Peck. |
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| #8: Ein bisschen Touristik-Programm zum Runterkommen. |
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| #9: Reicht dann auch für heute. |
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| #10: Abendessen (reicht für zwei Tage). |
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| #11: Stricken und Krimi gucken zur Entspannung. |
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| #12: Vor dem Einschlafen noch etwas lesen*. |
Sonntag, 15. März 2026
Samstagsplausch KW 11/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXIII
Der erste Urlaub ohne den Gatten führte nach Kopenhagen. In der Stadt waren wir nie gemeinsam, so dass wir keine gemeinsamen Erinnerungen daran haben, anders bei der Weihnachtsreise nach Hammelburg und Dachau. Wir hatten zwar öfter überlegt, gemeinsam nach Kopenhagen zu fahren, denn durch die direkte Bahnverbindung von Hamburg aus ist das ja sehr kommod, aber seit unserer Reise nach Prag im Oktober 2017 war klar, dass eine Städtereise für den Gatten aufgrund seiner fortschreitenden Gehbehinderung zu anstrengend ist. Gleiches galt für Wanderreisen, weswegen wir auch nicht mehr nach Südtirol oder Bayern fuhren.
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| Der Touristen-Hotspot Nyhavn in Kopenhagen. |
Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 313, und die Trauer bleibt.
Aus dem Haus zu gehen, ohne vom Gatten verabschiedet zu werden, nach Hause zu kommen, ohne vom Gatten willkommen geheißen zu werden, fühlt sich noch immer fremd an, vor allem bei einer Reise. Auch wenn der Gatte mich schon länger nicht mehr zur Bahn bringen oder abholen konnte, so verabschiedete oder empfing er mich doch liebevoll an der Haustür. Daran muss ich jedes Mal denken, wenn ich weggehe oder nach Hause komme - in ein Haus, das für immer still, einsam und leer bleiben wird.
Kopenhagen war abwechslungsreich und inspirierend. Ich habe viel gesehen, und ich habe endlich eine Mesusa gefunden. Seitdem wir ein eigenes Haus haben, soll endlich auch eine Mesusa angebracht werden. Das wird leider noch etwas warten müssen, denn erst muss das Zugangssystem installiert werden, und solange ich noch nicht weiß, wo Klingel und Kamera angebracht werden, möchte ich nicht die Mesusa anbringen.
Zurück zu Hause erwartete mich allerlei Post, aber noch nichts zur Witwenrente, so dass ich immer noch nicht verlässlich über meine Finanzen Bescheid weiß. Dafür hat sich nach fünf Wochen endlich die zweite der vier Versicherungen gemeldet, die ich wegen des Tods des Gatten anschrieb. Den anderen beiden muss ich beizeiten hinterhertelefonieren, aber ohne Erbschein werde ich da vermutlich ohnehin keine Auskunft bekommen, denn mit den beiden Versicherungen hatte ich nie etwas zu tun. Den Erbschein bekomme ich hoffentlich im Laufe diesen Jahres. Die Rentenversicherung erledigte auch die Kontenklärung, so dass ich jetzt Gewissheit über meine Altersrente habe. Nun, es wäre finanziell immer noch lukrativer, jetzt arbeitsunfähig verrentet zu werden, als noch zehn Jahre zu arbeiten ... Ich muss das Rentensystem nicht verstehen.
Ansonsten habe ich angefangen, mich endlich wieder um den Nachlass meiner Mutter zu kümmern. Da habe ich ja seit Jahren Probleme mit einer Bank, die die unsinnige Bescheinigung möchte, dass ich meine Mutter bin, die ihren Namen in meinen Namen änderte. Alle rechtsrelevanten Dokumente wie Bankvollmacht, die meine Mutter mir schon zu Lebzeiten gab, Testament oder Erbschein werden nicht akzeptiert. Ich versuche es jetzt noch einmal im Guten zu klären, bevor ich die Sache einem Anwalt übergebe und schnellstmöglich alle Konten bei diesen unfähigen Bank auflöse. Die Bank ist für fehlende Kundenfreundlichkeit bekannt; ich kenne mittlerweile einige ähnliche haarsträubende Geschichten.
Die Thomas-Beckett-Rosen haben alle drei sowohl Winter als auch Urlaub überstanden! Am kommenden Wochenende kann ich die erste auf den Friedhof pflanzen. Ich muss noch so ein Wildabwehr-Spray besorgen, aber bis die ersten Knospen kommen, dauert es sicher noch etwas. Ich muss ohnehin langsam mal herausfinden, welche Gärtnerausrüstung ich für den Friedhof brauche, aber das hat vielleicht noch etwas Zeit.
Die Mützen für die Lübecker Seemannsmission sind gepackt und können sich auf den Weg machen. Es sind tatsächlich 21 Stück geworden! Für die Innocent-Mützen-Challenge wurden es 15 Stück. Auch die machen sich im Laufe der Woche auf den Weg. Die angefangene Elbbrücken-Socke musste ich wieder aufribbeln, weil sie für meine Wade zu eng war und weil ich zu blöd für eine Bumerang-Ferse bin. Ich arbeite das Muster jetzt so um, dass ich eine Käppchen-Ferse stricken kann, meine Lieblingsferse.
Mit "Balagan*" von Mirna Funk* las ich im Urlaub ein unwahrscheinlich intensives Buch, das noch lange nachhallt.
Ein bisschen Sperrmüll steht an der Straße und wird hoffentlich morgen abgeholt - die Müllabfuhr ist hier ja eine Lotterie, und ich weiß auch nicht, ob alles, was ich an die Straße stellte, als Sperrmüll angesehen wird oder als Bauabfall. Den muss ich dann selbst zum Müllumschlag fahren und teuer bezahlen. Jedenfalls ist es weniger Sperrmüll als gedacht, weil ich nur das an die Straße stellte, was ich sicher als Sperrmüll identifizieren konnte. Was ich evtl. noch verkaufen kann, lasse ich erstmal stehen. Trotzdem ist es zumindest in der Kellerküche leerer geworden. Es tat weh, Dinge, die der Gatte möchte, mit denen er sich viel Mühe beim Bauen gab, an die Straße zu stellen, darunter auch die Reste der letzten Küche, die er baute und die aus unbekannten Gründen mit umzogen. Vermutlich wollte der Gatte einiges davon weiterverwenden.
Bei Schwiegermutter meldete ich mich zurück. Sie hatte immerhin behalten, dass ich verreist war, wusste aber nicht mehr, dass ich sie besuche. Ich bin gespannt, ob sie es Freitag noch weiß ... Trauer und Demenz setzen ihr sehr zu. Bei Tante meldete ich mich ebenfalls zurück. Der Verfall ihrer Cousine setzt ihr sehr zu. Ich bezweifle, dass die beiden nochmal zusammen urlauben werden. Schwiegermutter ist aufgrund der Demenz nicht mehr reisefähig, und Tante ist körperlich dazu nicht mehr in der Lage.
Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse. / *Affiliate links
Samstag, 7. März 2026
Samstagsplausch KW 10/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXII
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| Fly me to the moon ... Aktuell guckt der Vollmond ins Schlafzimmer, meistens bei wesentlich klarerem Himmel. |
Donnerstag, 5. März 2026
#WMDEDGT 03/26: Zwischen Trauer und Frühling
Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln!
Ich kann bis halb drei durchschlafen, ganze fünf Stunden! Umdrehen, bis um sechs Uhr weiterschlafen, dann ausnahmsweise mal echt wach sein, was eine Erleichterung ist nach der vorherigen Nacht, als mich der stille Reflux und heftiger Kopfschmerz weckten, ich nicht mehr schlafen konnte und mich durch den Tag schleppte.
In Ruhe frühstücken, dann arbeiten. Über Mittag ist die donnerstägliche Wichtig-Wichtig-Videokonferenz, bei der ich in aller Regel nur zuhören muss. Ich muss daran denken, dass der Gatte früher um diese Zeit gerne seinen Mittagsschlaf hielt. Unser Schlafzimmer ist neben meinem Arbeitszimmer, und oft machte sich der Gatte einen Spaß daraus, mit seinem Schlafhasen die Videokonferenz zu kommentieren - zum Glück achte ich immer sehr darauf, dass Kamera und Mikro aus sind. Der Gatte fehlt mir so!
Es ist reichlich zu tun, anders als die letzten drei Tage, und mich deucht, meine Kollegin wird kommende Woche keine ruhige Urlaubsvertretung haben. Ich arbeite etwas länger, auch in Lifestyle-Teilzeit muss die Arbeit erledigt werden, und stelle mich auf Überstunden am kommenden Tag ein. Es hat sich bewährt, freitags länger zu arbeiten. Also werde ich morgen eine lange Mittagspause machen, dann noch zwei, drei Überstunden anhängen, um möglichst viel abzuarbeiten, damit meine Vertretung am Montag keinen Schreck bekommt, wenn sie in unsere Freigabe guckt.
Nach Feierabend um den Haushalt kümmern. Die Spülmaschine will spielen, der Koffer muss vom Dachboden geholt werden. Auf dem Dachboden kämpfe ich mit den Tränen. Der Gatte wollte hier ein Eisenbahn- und Gästezimmer einrichten, hatte so viele Pläne, war so voller Vorfreude. Geblieben sind ein Durcheinander von begonnenen Bau-Projekten, eine halbfertige Werkstatt, unzählige Modelleisenbahn-Teile. Ich habe keine Ahnung, wie ich mit diesem Durcheinander fertig werden soll, zumal der Keller ebenso aussieht.
Der Wintermantel will ausgelüftet werden, die Wasserspender für die Rosen müssen für den kommenden Urlaub installiert werden, die Gelbe Tonne muss durch den endlich schneefreien Garten gebracht und an die Straße gestellt werden für die Abholung am kommenden Tag, die restlichen Marmorkuchen-Muffins von Sonnabend einfrieren, weil ich doch lieber Kekse zum Tee möchte, die Kombüse auffüllen, Wäsche wegräumen ...
Beim Rausrollen der Gelben Tonne fällt mir wieder mal auf, dass jede Reihe die Tonnen anders zur Abholung aufstellt. Unsere Reihe stellt sie auf die linke Seite, Griffe nach vorne, so dass die Müllwerker sie leicht aufladen können. Die Reihe auf der Gartenseite stellt die Tonnen mittig, so dass der Fußweg blockiert ist, Griffe nach hinten, so dass die Müllwerker die Tonnen erst drehen müssen. Meine Tonne steht links, Griffe nach vorne, denn eine Tonnen-Barrikade finde ich abseits von Straßenkämpfen sinnlos. Mal schauen, ob die Müllabfuhr überhaupt kommt, denn die Firma kämpft selbst im Hochsommer mit Glatteis, eine Metapher für die Personalprobleme, die die Firma seit langem hat. Die wöchentliche Müllabfuhr gleicht einer Lotterie.
Ich nehme den Fruchtgummistrauß auseinander, damit die Gummis nicht hart werden, während ich im Urlaub bin, und bin massiv beeindruckt von der Kunst der Verpackungsingenieure - der Gatte hätte seinen Spaß daran gehabt! Übrigens schmecken die Fruchtgummis sehr gut.
Ich suche einen kleinen Tesafilm-Abroller, weiß, dass der Gatte ganz viele davon hat, sogar welche für den Finger. Bei der vergeblichen Suche finde ich seine Mundharmonika. Prompt fließen die Tränen in der Erinnerung daran, wie gerne (und wirklich gut!) er darauf spielte.
Zum Abendessen gibt's Kartoffeln und Tomaten aus dem Ofen - beides muss weg, weil ich übermorgen eine Woche in den Urlaub fahre.
Ich schaffe es nach über zwei Monaten endlich, dem Ostsee-Cousin zu whatsappen und bekomme prompt eine liebevolle Antwort. Es ist immer wieder erstaunlich, wie liebevoll meine Familie jenseits meiner egozentrischen, narzisstischen Mutter ist. Der Ostsee-Familie geht es zum Glück gut, trotz anstehender OPs in der kommenden Woche.
Ich schaffe die letzte Mütze für die 600-Mützen-Challenge der Lübecker Seemannsmission. Eigentlich sollten meine Mützen diese Woche schon auf dem Weg sein, aber dann dachte ich, aus dem restlichen Sockengarn ginge sich noch eine Mütze aus. Es klappte, und drei Mützchen für Innocent sprangen auch noch dabei heraus. Die machen sich auch übernächste Woche auf den Weg. Ich bin nach wie vor skeptisch, ob die Mützchen nach dem Kauf nicht einfach weggeworfen werden, aber ich finde die Idee lustig, und für kleine Wollreste passt es gut. Alternativ würde ich Schlüsselanhänger-Söckchen en gros stricken, aber mit denen wüsste ich momentan auch nichts anzufangen.
Zu spät ins Bett und vor dem Einschlafen noch etwas lesen*.
Der Blick zurück in die ersten sechs Corona-Jahre: Am 5. März 2020 stand mir eine OP bevor. Fünf Jahre später verweigere ich mich noch immer der Hysterektomie, zu der mich viele Ärzte drängen, weil das ihre einzige Therapie gegen Wechseljahrsbeschwerden ist. Am 5. März 2021 war ich noch bei der Horror-Hormon-Tante in Behandlung - zwei Jahre später gelang endlich der Wechsel zu einer vernünftigen Ärztin. Der Gatte und ich hatten Impftermine und bekamen Atteste, die uns als Angehörige der Risikogruppe 2 zur Impfung berechtigten. Wir hatten noch die Hoffnung, Corona würde sich mit der Impfung quasi erledigen. Am 5. März 2022 beschäftigte uns der Ukrainekrieg. Am 5. März 2023 hatten wir plötzlich ein Haus, bereiteten alles für die Bodenverleger vor, während meine Mutter immer mehr Abschied vom Leben nahm. Am 5. März 2024 waren wir endlich umgezogen und hatten erstmals so was wie Alltag. Am 5. März 2025 hatten wir wieder so etwas wie Alltag. Wir hätten gerne noch viel Alltag miteinander erlebt, aber sieben Monate später sollte der Gatte an Candidozyma auris sterben, viel zu jung, viel zu früh. / *Affiliate links














