Samstag, 11. April 2026

Samstagsplausch KW 15/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXVII

Seit gestern ist die Wolldiät
vorbei. Ich habe ganz gut
durchgehalten, stricke
aktuell aber auch kaum.
Kleinstadt kann manchmal magisch sein: Nachdem ich zwei Mal Kinokarten stornierte, schaffte ich es dann gestern Abend endlich, in "Der Astronaut - Project Hail Mary" zu gehen. Ich reserviere im Kino gerne immer noch den Randplatz, auf dem der Gatte gerne saß, weil er Beinfreiheit verspricht. Die Reihenabstände in unserem Kino sind nicht eng, aber der Gatte hatte lange Beine. Wenn das Kino nicht ausgebucht ist, bleibt der Platz daneben in der Regel leer. 

Diesmal war das Kino halb leer, aber trotzdem steuerten zwei Menschen auf die beiden Plätze neben mir zu. Ich erkannte darin eine Nachbarin und ihren Mann. Die Nachbarin ist die Tochter eines schon längst verstorbenen lieben Weggefährten, die ich seit vier Jahren ansprechen möchte, aber immer, wenn ich sie sah, war bei mir irgendwas, so dass ich sie nicht ansprechen konnte. Und sie erkannte mich nach der sehr langen Zeit, die wir uns nicht sahen, verständlicherweise nicht mehr.

Jedenfalls dachte ich, jetzt so drei Stunden neben ihr zu sitzen und ihr nicht zu sagen, wer ich bin, ist auch doof, und sprach sie an. Mich überflutete sofort eine Welle an Wärme und Umarmungen, denen fast unsere Nachos zum Opfer fielen. Sie sprach mich auf den Tod meiner Mutter an, war erschüttert, als sie vom Tod des Gatten erfuhr, bestand darauf, dass wir Telefonnummern austauschten, fragte, ob sie mich ansprechen dürfte, ob ich zu Veranstaltungen mitkommen möchte undundund. Nach dem Kino nahmen beide mich mit im Auto nach Hause (ich wollte zu Fuß gehen, aber keine Chance), und die Dialoge zwischen ihr und ihrem Mann ließen mich sehr an die Szenen einer Ehe zwischen dem Gatten und mir denken. 

Heute Mittag klingelte es dann überraschend. Ich pflegte noch Sozialkater und Depression und war noch im Morgenmantel. Vor der Tür stand die besagte Nachbarin mit einem Blumengruß - wie lieb!

Ich würde alles dafür geben, hätte ich mich nach dem Film mit dem Gatten darüber austauschen können. Ich wüsste zu gerne, ob er ihn genauso wunderschön fand oder ob ihm der Film zu klamaukig war, an einen LSD-Trip erinnerte - ich tippe auf letzteres. Der Gatte hätte mir jedes Film-Zitat nennen können, aber weil mir dieses Wissen größtenteils fehlt, konnte ich einfach die schönen bunten Bilder und die Geschichte genießen.

Vorgestern war das monatliche Stricktreffen, das wieder sehr stärkend, empowernd, lustig und einfach schön war. Wir waren zwar wieder "nur" der harte Kern, aber das sind alles nette Frauen. 

Ostermontag war ich mit einer der beiden Sandkasten-Freundinnen zum Trauerbesuch bei der anderen, deren Mutter an Karfreitag starb - erwartet, aber dennoch plötzlich und viel zu früh. Die Freundin hat sich sehr über unseren Besuch gefreut, auch wenn wir natürlich lieber einen fröhlicheren Anlass gehabt hätten, um uns wiederzusehen. Ich hatte Kuchen mit und ärgerte mich, dass ich die übrige Hälfte der Torta pasqualina zu Hause vergaß, denn die Freundin ist spindeldürr, kocht nicht selbst und isst viel zu wenig, gerade jetzt. 

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 317. 

Die Trauer lähmt mich seit Ostern mehr als sonst schon. Ich bin ein einziges Tränenmeer, sobald ich alleine bin, schaffe es aber zum Glück meistens einigermaßen, mich in der Öffentlichkeit zusammenzureißen. Die Tränen brechen oft einfach ohne Anlass aus mir heraus. Der Gatte liebet diese Jahreszeit, besonders, seitdem wir im alt-neuen Haus leben. Er hätte auch diesen Frühling jede einzelne Hummel oder Biene, jeden Schmetterling, jede Blüte geradezu frenetisch willkommen geheißen. Dass es keinen Frühling mehr für ihn gibt, ist so unfassbar und zerreißt mich schier vor Traurigkeit. Seit Ostern will ich endlich im Garten arbeiten, aber es fehlt die Kraft. Die Kraft fehlt für so ziemlich alles. Ob sich das jemals ändert? 

Seit 21 Wochen warte ich auf den Bescheid für die Witwenrente, seit 23 Wochen auf den Erbschein. Mit der zweiten Hausbank meiner Mutter bin ich jetzt klar. Ihr Nachlass ist noch nicht ganz final geregelt, aber ich könnte jetzt schon mal Kräfte sammeln und mich um die Witwenrente kümmern. Ich möchte endlich finanzielle Klarheit haben, um einige Arbeiten am Haus vergeben zu können. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

Dienstag, 7. April 2026

#WMDEDGT 04/26: Stille und Trauer

Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln!

Kurz nach Mitternacht ist die Nacht vorbei. Ich ging mal wieder zu spät ins Bett. Ich schlafe seit einiger Zeit nur durch, wenn ich vor 21 Uhr ins Bett gehe. Dann schlafe ich acht, neun Stunden. Da ich aufgrund meiner Depression maximal sechs Stunden schlafen darf, versuche ich immer wieder, später ins Bett zu gehen - und manchmal, so wie gestern, gehe ich auch später ins Bett, weil ich noch etwas vom Abend haben möchte. Aber dann schlafe ich halt nur maximal zwei Stunden am Stück ...

Gegen halb sieben gebe ich auf, stehe auf. Duschen, anziehen, anmalen, die Bialetti aufsetzen, ein paar Scheiben Knäckebrot samt Espresso-Milch frühstücken, dabei Radio hören und lesen*. Ich erschrecke, als ich sehe, dass mein Asthma-Inhalator fast leer ist - heißt, ich muss Dienstag nach der Arbeit gleich zum Arzt, da neues Quartal. Große Freude, als ich beim Herausnehmen der neue Tabletten-Wochenbox noch einen neuen Inhalator entdecke. Da ich nicht mehr in Hamburg wohne, bedeuten Arztbesuche Umwege, für die ich nach Feierabend zunehmend weniger Kraft habe. Ich bin froh, wenn ich einen Echtbüro-Arbeitstag halbwegs überstehe und nicht drei Stunden später als üblich zu Hause bin. 

Gegen neun Uhr arbeite ich meine Liste ab: Auf den Rüeblikuchen müssen noch Puderzucker und Marzipanmöhrchen, die Eierlikör-Muffins müssen in die Hasenförmchen, ich muss noch die Sterbeurkunde des Gatten suchen, die Schwiegermutter für ihr Familienbuch haben möchte ... Außerdem beschließe ich, dass ich für die heutige Autofahrt plüschige Unterstützung brauche: Der Großfuß-Hase muss mit!

Um zehn Uhr mache ich mich auf den Weg zur Schwiegermutter, komme gut durch, finde überraschenderweise einen leeren Besucherparkplatz vor und habe noch eine gute Viertelstunde Zeit zum Lesen*.   

Schwiegermutter öffnet wieder mal nicht die Tür. Ich erinnere mich, wie wütend der Gatte darüber im letzten Jahr war. Er hatte ohnehin keine Lust auf den Osterbesuch bei seiner Mutter, konnte nicht so lange stehen, so dass ich ihn auf einen der Stühle, die zum Glück fast überall in den Fluren der Wohnanlage stehen, parkte, während ich Schwiegermutter überzeugte, die Tür zu öffnen. Auch heute reagiert sie nicht auf das Klingeln. Nächster Schritt: Anrufen. Einzige Reaktion: Der Fernseher wird lauter gestellt. Ich warte eine ruhige Stelle im Oster-Gottesdienst ab und hämmere kräftig gegen die Wohnungstür. Als ich schon überlege, zur Rezeption zu gehen und eine der Hausdamen zu bitten, mir aufzuschließen, reagiert Schwiegermutter endlich auf die zweite Hämmer-Attacke. Zum Glück sind die vier anderen Damen, die mit ihr auf der Etage wohnen, entweder aushäusig oder sehr harthörig, denn meine Aktion war alles andere als leise.

Eine dreiviertel Stunde gucken wir in ohrenbetäubender Lautstärke den Oster-Gottesdienst, dann erinnere ich Schwiegermutter daran, dass wir ins Foyer müssen, weil wir mit der Sandkastenfreundin des Gatten zum Essen verabredet sind. Die Freundin ist schon da. Allgemeine Wiedersehensfreude, wobei mir irgendwann auffällt, dass Schwiegermutter phasenweise nicht weiß, wer ihr da gegenüber sitzt, die Sandkastenfreundin nicht einordnen kann. 

Dank der Sandkastenfreundin wird der Nachmittag sehr angenehm. Wir verabreden stillschweigend, gemeinsam zu gehen. Dass wir noch über eine Stunde auf dem Parkplatz zusammenstehen und reden, muss Schwiegermutter ja nicht wissen. Es ist sehr wohltuend, wie mir der Rücken gestärkt wird für den Umgang mit Schwiegermutter. Die Sandkastenfreundin erzählt, dass sie phasenweise Albträume hatte, weil Schwiegermutter sie als Jugendliche so unter Druck setzte, den Gatten zu heiraten. Sie wusste sehr früh, dass sie das nicht wollte (und der Gatte wollte auch nicht), aber die Wünsche anderer interessierten Schwiegermutter noch nie. Sie versuchte noch während unserer Ehe, den Gatten und mich auseinanderzubringen, lud die Sandkastenfreundin immer wieder ein, versuchte, uns gegeneinander auszuspielen. 

Jedenfalls verstehe ich mich mit der Sandkastenfreundin gut, tat ich von Anfang an, weswegen es mir merkwürdig vorkam, dass der Gatte keinen Kontakt mehr zu ihr haben wollte, genau so wie zu seinen anderen Freunden. Je länger wir zusammen waren, um so weniger pflegte er seine Freundschaften, obwohl ich ihn immer wieder dazu ermunterte, an Geburtstage erinnerte usw.. "Du warst ihm genug", meint die Sandkastenfreundin dazu. Vielleicht war es das, und vielleicht ist das die schönste Liebeserklärung, die der Gatte mir machen konnte, zumal er mich nicht einschränkte, mich bei allem unterstützte. 

Die Rückfahrt verläuft genauso schnell und reibungslos wie die Hinfahrt. Auf dem Weg von der Garage nach Hause zieht der Großfuß-Hase irritierte Blicke Erwachsener auf sich. 

Umziehen, abschminken, mit einem Becher Tee und einem Stück Rüeblikuchen in den Sessel fallen und die Füße hochlegen. Lesen*, bis es Zeit ist, die Schwiegermutter anzurufen. Bevor wir uns vorhin verabschiedeten, erinnerte ich sie noch daran, dass sie mit Tante klären muss, was sie in vier Wochen über ihren Geburtstag macht. Ich will unter allen Umständen die kräftezehrenden Diskussionen verhindern, wenn ich mich weigere, mit Schwiegermutter zwei Wochen nach Travemünde zu fahren. Sie ist ja überzeugt, dass wir zusammen urlauben, wo wir doch jetzt beide verwitwet sind.  

Nach mehreren Versuchen geht Schwiegermutter tatsächlich ans Telefon und hat die erlösende Nachricht: Sie fährt im Mai über ihren und Tantes Geburtstag nach Bayern! Das ist großartig, denn so bin ich aus dem Schneider! Ich bringe ihr gleich bei, dass ich in Wien sein werde, wenn sie zurückkommt, so dass wir uns frühestens im Juni sehen. Dass ich meinen Geburtstag nicht mit ihr verbringen werde, bringe ich ihr dann Anfang Juni bei.

Ich lese in einem Artikel zu Siri Hustvedts* Buch über den Tod ihres Mannes Paul Auster, dass das erste Trauerjahr das härteste ist. Ich überlege, ob ich mir "Ghost Stories*" kaufe, aber ich denke, ich habe noch nicht die Kraft, es zu lesen. Jetzt über die Oster-Tage schlägt die Trauer mit voller Wucht zu, bin ich in Tränen aufgelöst. Ich habe es gerade mal geschafft, die Zeit mit Schwiegermutter ohne Weinen zu überstehen bzw. die Tränen nur dann zuzulassen, wenn ich einen kurzen Moment unbeobachtet war. Ich habe auch keine Kraft, zum Grab zu gehen, obwohl ich es doch so gerne bepflanzen möchte.

Zum Abendessen gibt's ein Butterbrot, danach gucke ich wie üblich den Tatort, habe aber keine Kraft zum Stricken. Ich vergaß, das Licht in Treppenhaus und Flur auszumachen. Die Bewegungsmelder spielen wie üblich verrückt, das Licht geht an und aus - so, als ginge der Gatte wir früher durch's Haus. Vor dem Einschlafen noch etwas lesen*. Die Hoffnung auf eine bessere Nacht wird vergeblich sein.

Der Blick zurück in die ersten sechs Corona-Jahre: Am 5. April 2020 beschäftigten uns die unterschiedlichen Corona-Regeln, eröffneten wir die Balkon-Saison. Am 5. April 2021 war der Gatte schon krank und versuchte, wieder gesund zu werden. Am 5. April 2022 bastelte ich eine Osterkarte. Am 5. April 2023 war ich von der Gesamtsituation erschöpft, hofften wir auf einen Umzug spätestens im Herbst. Am 5. April 2024 waren wir endlich, endlich umgezogen. Am 5. April 2025 war der Gatte im Krankenhaus, hatte gerade die dritte OP überstanden. Wir wussten noch nicht, dass noch fünf weitere folgen sollten. Mir machte die Stille im gattenlosen Haus zu schaffen. Sechs Monate später sollte das Haus durch den Tod des Gatten für immer still werden. / *Affiliate links

Sonntag, 5. April 2026

Samstagsplausch KW 14/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXVI

Die Woche war herausfordernd, denn alles, was mit dem Nachlass des Gatten zu tun hat, ist für mich unwahrscheinlich schwer. Die Trauer ist erträglich, solange ich ausblende, dass der Gatte niemals wieder kommt. Dann kann ich Stille und Leere ignorieren. Wenn ich mich mit dem Nachlass des Gatten beschäftigen muss, schlägt die Trauer mit Wucht zu.

Der neue Fahrzeugbrief ist beantragt, und in zwei Wochen kann ich beide Autos umschreiben lassen. Dann kann ich ab Mai einen Käufer für das Auto des Gatten suchen. Da schlägt die Trauer dann wieder unerbittlich zu. Beim Besuch der Zulassungsstelle fiel mir wieder mal auf, wie nett und freundlich hier alle Mitarbeitenden der Behörden sind, wie unkompliziert manches gehandhabt wird. Ich habe gelernt, dass wir mit unseren Umzug unsere Autos hätten ummelden müssen. Ich hatte den Gatten damals gefragt, ob wir das nicht machen müssten, aber er sagte, das sei nicht mehr notwendig. Nicht mehr notwendig ist die Änderung der Kennzeichen, aber die Ummeldung der Autos ist weiterhin erforderlich. Das hole ich in zwei Wochen dann auch gleich nach.  

Der Bank-Termin zur Übernahme des letzten Konten meiner Mutter war erfolgreich. Theoretisch müsste ich jetzt Zugriff auf alle Konten haben, aber ich hatte noch nicht den Kopf dafür, mich um Software und App zu kümmern. Ich lag zwei Tage erschöpft herum. Jedenfalls war von dieser ominösen Bescheinigung, dass ich meine Mutter bin und mit ihrem Tode ihren Namen in meinen änderte, keine Rede mehr. Plötzlich scheint alles ganz unkompliziert zu sein. Morgen muss ich mich dringend um App und Software kümmern, denn der nächste Bank-Termin steht an. Dann sollte aber alles laufen. Ich merke, dass mich Themen wie Aktien, Depots und Wertpapiere komplett überfordern, aber ein bisschen muss ich mich jetzt damit auseinandersetzen, damit alles läuft.

Seit 20 Wochen warte ich auf den Bescheid für die Witwenrente, seit 22 Wochen auf den Erbschein. Wenn ich mit der zweiten Hausbank meiner Mutter klar bin, ihr Nachlass also final geregelt ist, muss ich mal gucken, dass ich Kräfte sammle und mich um die Witwenrente kümmere. Ich möchte endlich finanzielle Klarheit haben, um einige Arbeiten am Haus vergeben zu können. 

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 316, und die Trauer bleibt. 

Der Osterbesuch war unerwartet schön, denn die Sandkastenfreundin des Gatten fragte, ob sie mitkommen dürfe. So war ich dann nur eine Stunde mit Schwiegermutter alleine und konnte zusammen mit der Freundin gehen, plauschte dann noch zwei Stunden mit der Freundin, die mir unwahrscheinlich viel wohltuende Wärme entgegen bringt. Das tat gut. Ansonsten ist Schwiegermutter kräftezehrend und war natürlich sauer, dass ich nicht den ganzen Sonntag mit ihr verbrachte. Sie geht auch weiterhin davon aus, dass ich über ihren Geburtstag mit ihr nach Travemünde fahre, während ich weiterhin davon ausgehe, dass ich das nicht mache. Mit der Sandkastenfreundin entwarf ich Strategien zum Umgang mit Schwiegermutter - sehr hilfreich.

Morgen steht ein Trauerbesuch an. Vorgestern gab es einen Trauerfall im Freundeskreis. Der Tod kam weder plötzlich noch unerwartet, aber selbst, wenn man darauf vorbereitet ist, kommt der Tod immer plötzlich und unerwartet. Ich merke wieder mal, wie sehr ich in der eigenen Trauer gefangen bin, so sehr, dass ich keine Worte für die Trauer anderer habe.

Eigentlich wollte ich Ostern auf den Friedhof, endlich die Rose einpflanzen, aber mir fehlte jegliche Kraft dazu. Dass ich es morgens schaffe aufzustehen, ist schon viel. Ich hatte auch keine Kraft, eine Kinokarte zu stornieren, geschweige denn, ins Kino zu gehen, obwohl ich mich so auf den Film freute.

Durch's Büro toben mal wieder die Viren. Es ist so vorhersehbar, denn die Frühjahrsferien waren zu Ende, dann kamen viele Veranstaltungen mit vielen Menschen in zum Teil ungelüfteten fensterlosen Räumen, und ein paar Tage später fällt eine Kollegin, ein Kollege nach dem anderen aus. Faszinierend finde ich immer wieder, dass sie jedes Mal das Prinzip erkennen, dass sie jedes Mal zu mir sagen, dass ich ja so selten Erkältungen habe, weil ich bei Veranstaltungen auf Maske oder Luftfilter setze, vor allem in fensterlosen Räumen, dass sie selbst es aber nicht machen, obwohl chronisch krank und Risikogruppe. Stattdessen beklagen sie sich jedes Mal, dass die aktuelle Erkältung, Grippe, Corona-Variante heftiger sei als die davor. Das alles ist so berechenbar, dass ich schon im Voraus weiß, wann ich quasi alleine im Büro bin. Wie gesagt: Faszinierend. 

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Sonntag, 29. März 2026

Samstagsplausch KW 13/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXV

Wie verpeilt ich aktuell bin, merkte ich am Donnerstag. Ich hatte beim Kaffeeröster Espresso zur Abholung in der Filiale bestellt und bekam am Vortag eine Mail, dass der zur Abholung bereit ist. Gleichzeitig klingelte der Paketbote und brachte ein Paket von ebendiesem Kaffeeröster. Darin war ein Hasenbecher, den ich nicht bestellt hatte, den ich zwar bestellen wollte, es aber aus Vernunftgründen nicht tat. Ich zerbrach mir einen Tag das Hirn, wie das zusammengeht. Als ich dann Donnerstag aufräumte, mir den Lieferschein nochmal ganz genau anguckte, sah ich, dass der Hasenbecher ein Geschenk eines lieben Menschen ist - wie schön ist das denn bitte?!

Vorbereitung auf den Versponnenen Salon.

Gestern nahm ich zum ersten Mal an Shermins Versponnenen Salon teil. Der findet seit Corona virtuell statt, was dazu führte, dass sich gestern Frauen aus Berlin und Hamburg zusammenfanden. Die über drei Stunden Plauderei und Frickelei mit den jungen Frauen waren sehr inspirierend und empowernd, für mich alte Frau aber auch sehr fordernd, weil Technik. Jedenfalls war die Zeit so intensiv, dass der Fuß der Elbbrücken-Socken länger wurde als er sollte ... Heißt: Ich hatte endlich wieder Kraft zum Stricken.

Eigentlich wollte ich dieses Wochenende ins Kino und zum Friedhof, eine der Thomas Beckett-Rosen einpflanzen, außerdem im Garten den kleinen Apfelbaum freischneiden und Rasenkanten setzen, aber mit fehlte einfach die Kraft. Das regnerische, stürmische Wetter half auch nicht. Zumidnest bekam ich den Apfelbaum freigeschnitten, nachdem ich sah, dass die Biotonne aufgrund des Feiertags schon morgen abgeholt wird und fast leer ist. 

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 315, und die Trauer bleibt. 

In diesen Kriegszeiten fehlt mir der Gatte besonders mit seiner ruhigen, besonnenen Art. Auch die aktuelle politische Situation mit Demokratieabbau und Ebnen des Weges für eine AfD-Regierung wäre gemeinsam leichter zu ertragen. Andererseits: Dem Gatten wird eine Deportation erspart bleiben. 

Die Woche war unwahrscheinlich anstrengend. Der Eisenhöker öffnete den verzogenen Tresor, der wider Erwarten leer war. Das heißt, es fehlt nicht nur der Fahrzeugbrief des Gatten, sondern auch einiges andere, von dem der Gatte mal sagte, es wäre im Tresor. Das ist sehr irritierend. Der Gatte zog also mit einem leeren Tresor um, warum auch immer. Ich fand die fehlenden Unterlagen auch nicht im Wandtresor, den der Gatte gerne nutzte, seitdem wir das Haus haben. Es hätte ja theoretisch sein können, dass der Gatte den Tresor aufstemmte und leerte und es nicht erwähnenswert fand. Jedenfalls sparte mir der Eisenhöker durch seinen spontanen Einsatz von Schraubendreher und Hammer in der Mittagspause einige Hundert Euro, die der professionelle Tresoröffnungsdienst haben wollte. Der Eisenhöker wollte nur Spritgeld. Darüber hinaus bekam ich die Bestätigung, dass ich handwerklich wohl nicht so unbegabt bin, denn der Eisenhöker öffnete den Tresor genau so, wie ich dachte, dass es gehen müsste. Netterweise nahm der Eisenhöker den Tresor auch mit, so dass ich mir die Fahrt zum Schrotthändler sparte.

Kommende Woche habe ich also einen Termin für einen neuen Fahrzeugbrief und hoffe, ich bekomme den ohne Erbschein, denn der lässt natürlich weiterhin auf sich warten, ebenso wie der Bescheid für die Witwenrente. Ich frage mich, wie Menschen, die kein eigenes Einkommen samt Rücklagen haben, die Wartezeit finanziell überbrücken. 

Der Schornsteinfeger war da, und ich musste daran denken, wie gern der Gatte diesen Termin wahrnahm. Da kam sein Hausbesitzerstolz durch. Mir war nie klar, wie sehr es ihn belastete, Mieter zu sein, denn bis wir das Haus meiner Mutter übernahmen, war Hausbesitz nie ein Thema für uns. Das Haus seiner Mutter wollte der Gatte nicht haben, auch, weil ich mich ehevertraglich verpflichten musste, dort nicht einzuziehen, wir uns also hätten trennen müssen, damit der Gatte ins Haus ziehen kann - einer der vielen vergeblichen Versuche meiner Schwiegermutter, uns auseinanderzubringen. Nach dem Umzug betonte der Gatte immer wieder, wie froh er sei, nicht mehr zur Miete zu wohnen. Nun war unser letzter Vermieter auch sehr speziell, gelinde gesagt. 

Jedenfalls ist mit der Heizung und dem Kaminofen alles okay, und der Schornsteinfeger vermerkte auch gleich, dass der Kaminofen nächstes Jahr geputzt werden muss. Ich bin ja immer noch froh über alles, was ich delegieren kann. 

Ich schaffte es endlich, den neuen Sprüharm der Spülmaschine zu montieren. Nach einer Grundreinigung hoffe ich, dass sie wieder richtig spült. Ansonsten weiß ich auch nicht weiter. 

Der Autoschlüssel für's Karlchen zerlegte sich. Nach einem Panik-Moment, weil in der Nähe ja keine Opel-Werkstatt ist, die für Ersatz sorgen könnte, überlegte ich, dass ich ja eigentlich nur ein neues Gehäuse für den Schlüssel bräuchte, und siehe da, so etwas gibt es tatsächlich. Jetzt muss ich nur noch die Kraft finden, das Gehäuse zu tauschen. Ich hoffe, das klappt. Lustig wäre, wenn sich dann auch noch herausstellt, dass die defekte Zentralverriegelung gar nicht defekt ist, sondern nur eine wackelige Taste schuld war. 

Im Büro schient nach über drei Monaten endlich das Problem mit meinen zickigen Dienstrechner gelöst zu sein. Ich bekam mit schönster Regelmäßigkeit die Meldung, dass mein PC gesperrt wird, weil ich mich weigerte, eine App auf meinem privaten Taschentelefon zu installieren, und ich musste mich jeden Tag an jedem Programm extra anmelden. Die Meldung löschte regelmäßig ein IT-Mitarbeiter und behauptete jedes Mal, das wäre es jetzt gewesen. Nur: Das war es nie. Mittwoch war es dann soweit, dass ich nicht mehr aufgefordert wurde, eine App zu installieren, sondern mich mittels QR-Code oder SMS zu identifizieren. Da eskalierte ich dann mal kurz. Der arme junge Mann, der meinen Unmut abbekam, stellte fest, dass mein Dienstrechner einfach nicht mehr erkannt wird, weil er im Herbst ausgesteuert, aber nach meiner Rückkehr nicht wieder "eingesteuert" wurde. Es ist ja nicht so gewesen, dass ich mein meiner Rückkehr fragte, ob der Rechnung vor einem großen Update nicht erst mal wieder "eingesteuert" werden müsse, weil er doch ausgesteuert war. in den Folgewochen bei jedem IT-Telefonat darauf hinwies ... Jetzt stellte sich heraus, dass die Aussteuerung mit anschließendem Aufspielen eines Updates tatsächlich die Ursache war (und bei dem jungen Mann bat ich natürlich um Entschuldigung). 

Meine Kollegin ist nach einer Woche Urlaub seit zwei Wochen krank, und diese Woche merkte ich ihre Abwesenheit sehr schmerzlich. Mir fehlt der Austausch mit ihr, und mir fehlen die beiden Tage, an denen sie mir den Rücken freihält für administrative Aufgaben. Trotz Lifestyle-Teilzeit fühle ich mich gerade im Büro überlastet ... 

Von Schwiegermutter und Tante habe ich nichts gehört. Schwiegermutter wollte sich nach einem Arztbesuch melden, tat es aber nicht und war auch telefonisch nicht erreichbar (bzw. hörte das Telefon nicht). Das ist dann halt so. Wäre etwas passiert, würde ich es erfahren.

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Samstag, 21. März 2026

Samstagsplausch KW 12/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXIV

Gestern nahm ich mir einen Tag Urlaub, um zu Schwiegermutter zu fahren und endlich die Vollmachten für die Seniorenwohnanlage zu unterschreiben. Schwiegermutters Demenz war deutlich zu merken. Sie hatte die Unterlagen wieder verlegt, zum xten Male (und sie bekam schon x neue Vordrucke von der Verwaltung), fand sie dann aber doch wieder - unter der Tischdecke vom Esstisch. Ich füllte sie aus, und auf dem Weg ins Restaurant gaben wir sie gleich im zuständigen Büro ab. Ich hätte sie Schwiegermutter nicht überlassen, denn sie erzählte, was sie alles wegwarf, was sie an unmöglichen Orten wiederfand, und ich konnte mich selbst von ihrer "Ordnung" überzeugen. So legte sie mit einem Brief von mir ihre Impfnachweise aus dem Jahr 1941 ab. Ich bin gespannt, wann sie behauptet, ich hätte ihr die geschickt. Die Sterbeurkunde ihres Mannes, die ich ihrer Meinung nach mitgenommen haben soll, fand sich gestern im Familienbuch wieder. 

Es fand sich auch der Grabbrief, den Schwiegermutter lange suchte, samt Beleg, dass das Grab bis 2035 bezahlt ist. Schwiegermutter war schon seit zwei, drei Jahren panisch, das Grab ihres Mannes und ihrer Mutter könne aufgelöst werden, ehe sie dazu kommt. Schwiegermutter sagt, sie habe jetzt alles in einem Schrankfach, das sie mir auch zeigte, verstaut, und ich hoffe, die Sachen sind dann im Ernstfall wirklich dort. Dass ich im Ernstfall noch weiß, in welcher blauen Handtasche der Tresorschlüssel versteckt ist, bezweifle ich allerdings. Vermutlich werde ich mit dem Tresor genau so viel Spaß haben wie mit dem Tresor des Gatten. Für den ist zwar der Schlüssel da, aber er ist so verzogen, dass sich die Tür nicht öffnen lässt (oder ich bin zu blöd dazu). Ich habe diese Woche zwei Firmen wegen der Tresor-Öffnung angeschrieben. Wenn sich da jemand findet, kann ich vielleicht die Kosten für einen neuen Fahrzeugbrief für das Auto des Gatten sparen, denn die letzte Chance, den Fahrzeugbrief zu finden, ist der Tresor.

Schwiegermutter bestand darauf, dass sie künftig einmal im Monat ein paar Tage zu Besuch kommt, um ans Grab zu gehen und Haus und Garten auf Vordermann zu bringen. Sie war sehr ungehalten, dass ich das Gästezimmer noch nicht fertig habe und will jetzt dort schlafen, egal, wie es aussieht. Oh Freude! Die steile Treppe zum Gästezimmer samt der Zustand des Gästezimmers würden in Rekordzeit dazu führen, dass ich die gerade unterschriebenen Vollmachten bräuchte, denn für jemanden, der dement, halbblind und fast taub ist, ist das Gästezimmer nicht geeignet. Dass wir Schwiegermutter immer im Hotel unterbrachten, hing ja nicht nur damit zusammen, dass der Gatte sie nicht im Hause haben wollte. Jetzt will sie in unserem Bett oder auf dem Sofa schlafen. Ganz, ganz großartig. Sie legte übrigens auch fest, welche Bilder aus dem Nachlass des Gatten ich wo im Haus aufhängen soll. Ganz großartig.

Schwiegermutter verplante Tante und mich außerdem schon mal für alle Feiertage und Geburtstage. Als ich sagte, ich werde Weihnachten nicht mit Tante und ihr feiern, sondern hätte eine Woche Wellness an die Ostsee gebucht, rief sie erfreut: "Oh, wie schön, dann fahren wir Weihnachten alle an die Ostsee!" Das wüsste ich aber. Vorerst ist sie damit beschäftigt, die Geburtstagsreise für Tante und sich im Mai nach Bad Birnbach zu buchen. Ich bin gespannt, ob das was wird, ob sich Tante breitschlagen lässt. Alternativ will Schwiegermutter nach Travemünde - mit mir. Das sehe ich noch nicht. Allenfalls komme ich für zwei Nächte mit, damit sie an ihrem Geburtstag nicht alleine ist, aber das wird ihr nicht reichen. Das gibt kräftezehrende Diskussionen. Schwiegermutter ist nun mal der Meinung, dass wir jetzt, wo wir beide verwitwet sind, immer zusammen in den Urlaub fahren. Ja, nee, is klaa.

Die leidige Diskussion um den Notar-Termin und ein neues Testament beendete eine Mitbewohnerin von Schwiegermutter: Sie rief kurzerhand bei einer der Notarinnen, mit denen die Wohnanlage zusammenarbeitet, an, besprach die Angelegenheit und mailte einen Text-Entwurf. Jetzt warten wir auf einen Termin zur Unterschrift. Ich weiß noch nicht, was günstiger ist: Wenn ich Schwiegermutter begleite oder die Mitbewohnerin. Das hängt sicher auch davon ab, wie lange der enge Kontakt der beiden anhält, denn Schwiegermutter verprellte bislang jeden freundlichen Kontakt in der Wohnanlage.

Interessant war, dass sich Schwiegermutter nun doch wieder für das Grab ihres Sohnes interessierte, nachdem sie Weihnachten plötzlich sagte, das Grab ginge sie nichts an. Sie wirft ihrem Sohn aber immer noch vor, dass der nicht in das Grab mit seinem Vater und seiner Großmutter (und mit seiner Mutter) mochte, sondern sich dafür entschied, mit mir zusammen begraben zu werden. Das stellte der Gatte schon kurz nach unserer Hochzeit klar, denn in dem Grab wäre kein Platz für mich, aber Schwiegermutter kann das natürlich nicht akzeptieren. Soll ich doch sehen, wo ich bleibe, komme ich doch eh aus dem falschen Stall, habe weder Stil noch Klasse, war die falsche Wahl für ihren Sohn. Das ließ sie mich auch gestern immer wieder spüren in den Phasen, in denen sie vergessen hatte, dass der Gatte und ich 26 Jahre lang ein Paar waren und wie sie im Hamburger Westen lebten. Sie erklärte mir allen Ernstes, was "die" Einkaufsstraße in Othmarschen ist, wo "man" in Blankenese einkauft usw., denn "du kommst ja vom Dorf und kennst Hamburg nicht". Ah ja. 

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 314, und die Trauer bleibt.  

Die Woche war sehr anstrengend, die kommenden beiden werden es auch bzw. werden eher noch schlimmer. Ich überlege, ob ich mir Mitte April eine Woche Urlaub nehme, um zu Hause etwas zu schaffen, denn ich merke, dass ich am Wochenende dazu keine Kraft habe. Die Kraft reicht noch nicht mal mehr zum Stricken.

Ich habe mich zu Heimwerkerkursen von Frauen für Frauen angemeldet, um kleinere Reparaturen im Hause selbst durchführen zu können. Der Gatte scherzte gerne, als er mich kennenlernte, hatte ich einen Werkzeugkoffer und eine Bohrmaschine und konnte mit beidem umgehen. Das habe er selbst gesehen. Mit Unterschrift auf der Heiratsurkunde hätte ich diese Fähigkeiten jedoch schlagartig verloren. Das stimmt. Dem Gatten machte Heimwerken Spaß. Er war darin so viel besser als ich. Ich konnte das gut an ihn abgeben, bis er seinen Schlaganfall bekam. 

Jetzt stehe ich hier mit zwei voll eingerichteten Werkstätten für Tischler- und Elektronik-Arbeiten und kann mit keiner etwas anfangen (und der riesige Maschinenpark, den der Gatte in den letzten beiden Jahren anschaffte, ist dank mangelnder Kraft ja auch noch da ...). Ein paar kleinere Arbeiten könnte ich selbst ausführen. Bevor der Gatte im letzten Jahr final ins Krankenhaus ging, wollte er mir zeigen, wie ich mit der Stichsäge arbeite, damit ich endlich die Holzfliesen auf dem Balkon verlegen kann. Seit dem Schlaganfall konnte er solche Arbeiten zwar nicht mehr selbst ausführen, aber er konnte mir noch erklären, wie ich es machen muss, und das Werkzeug bereit legen. Aufgrund der vielen angefangenen Arbeiten der letzten vier Jahre sind die Materialien und Werkzeuge allerdings überall im Haus verteilt, müssten erst mal wieder zusammengetragen werden.

Der Bescheid zur Witwenrente kam auch diese Woche nicht, ebenso wenig wie der Erbschein. Ich habe es aber geschafft, einen Termin bei der zweiten Hausbank meiner Mutter zu machen, um nochmal zu versuchen, ihre Konten zu übernehmen. Klappt es diesmal wieder nicht, weil die Bank auf der unsinnigen Bescheinigung besteht, dass ich meine Mutter bin, schalte ich einen Anwalt ein. Bei den vier Versicherungen, deren Verträge ich ändern musste, bin ich etwas weiter. Bei einer ist der Vertrag auf mich umgeschrieben, die zweite ist dabei, und die dritte schickte allerlei Formulare, allerdings die falschen. Da muss ich hinterher telefonieren. Die vierte meldete sich auch nach sechs Wochen nicht. So gesehen, habe ich dann doch ein bisschen geschafft ... Babysteps halt.

Von der Ostsee-Tante kam ein herzerwärmender Brief. Das tat gut.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse