Samstag, 21. März 2026

Samstagsplausch KW 12/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXIV

Gestern nahm ich mir einen Tag Urlaub, um zu Schwiegermutter zu fahren und endlich die Vollmachten für die Seniorenwohnanlage zu unterschreiben. Schwiegermutters Demenz war deutlich zu merken. Sie hatte die Unterlagen wieder verlegt, zum xten Male (und sie bekam schon x neue Vordrucke von der Verwaltung), fand sie dann aber doch wieder - unter der Tischdecke vom Esstisch. Ich füllte sie aus, und auf dem Weg ins Restaurant gaben wir sie gleich im zuständigen Büro ab. Ich hätte sie Schwiegermutter nicht überlassen, denn sie erzählte, was sie alles wegwarf, was sie an unmöglichen Orten wiederfand, und ich konnte mich selbst von ihrer "Ordnung" überzeugen. So legte sie mit einem Brief von mir ihre Impfnachweise aus dem Jahr 1941 ab. Ich bin gespannt, wann sie behauptet, ich hätte ihr die geschickt. Die Sterbeurkunde ihres Mannes, die ich ihrer Meinung nach mitgenommen haben soll, fand sich gestern im Familienbuch wieder. 

Es fand sich auch der Grabbrief, den Schwiegermutter lange suchte, samt Beleg, dass das Grab bis 2035 bezahlt ist. Schwiegermutter war schon seit zwei, drei Jahren panisch, das Grab ihres Mannes und ihrer Mutter könne aufgelöst werden, ehe sie dazu kommt. Schwiegermutter sagt, sie habe jetzt alles in einem Schrankfach, das sie mir auch zeigte, verstaut, und ich hoffe, die Sachen sind dann im Ernstfall wirklich dort. Dass ich im Ernstfall noch weiß, in welcher blauen Handtasche der Tresorschlüssel versteckt ist, bezweifle ich allerdings. Vermutlich werde ich mit dem Tresor genau so viel Spaß haben wie mit dem Tresor des Gatten. Für den ist zwar der Schlüssel da, aber er ist so verzogen, dass sich die Tür nicht öffnen lässt (oder ich bin zu blöd dazu). Ich habe diese Woche zwei Firmen wegen der Tresor-Öffnung angeschrieben. Wenn sich da jemand findet, kann ich vielleicht die Kosten für einen neuen Fahrzeugbrief für das Auto des Gatten sparen, denn die letzte Chance, den Fahrzeugbrief zu finden, ist der Tresor.

Schwiegermutter bestand darauf, dass sie künftig einmal im Monat ein paar Tage zu Besuch kommt, um ans Grab zu gehen und Haus und Garten auf Vordermann zu bringen. Sie war sehr ungehalten, dass ich das Gästezimmer noch nicht fertig habe und will jetzt dort schlafen, egal, wie es aussieht. Oh Freude! Die steile Treppe zum Gästezimmer samt der Zustand des Gästezimmers würden in Rekordzeit dazu führen, dass ich die gerade unterschriebenen Vollmachten bräuchte, denn für jemanden, der dement, halbblind und fast taub ist, ist das Gästezimmer nicht geeignet. Dass wir Schwiegermutter immer im Hotel unterbrachten, hing ja nicht nur damit zusammen, dass der Gatte sie nicht im Hause haben wollte. Jetzt will sie in unserem Bett oder auf dem Sofa schlafen. Ganz, ganz großartig. Sie legte übrigens auch fest, welche Bilder aus dem Nachlass des Gatten ich wo im Haus aufhängen soll. Ganz großartig.

Schwiegermutter verplante Tante und mich außerdem schon mal für alle Feiertage und Geburtstage. Als ich sagte, ich werde Weihnachten nicht mit Tante und ihr feiern, sondern hätte eine Woche Wellness an die Ostsee gebucht, rief sie erfreut: "Oh, wie schön, dann fahren wir Weihnachten alle an die Ostsee!" Das wüsste ich aber. Vorerst ist sie damit beschäftigt, die Geburtstagsreise für Tante und sich im Mai nach Bad Birnbach zu buchen. Ich bin gespannt, ob das was wird, ob sich Tante breitschlagen lässt. Alternativ will Schwiegermutter nach Travemünde - mit mir. Das sehe ich noch nicht. Allenfalls komme ich für zwei Nächte mit, damit sie an ihrem Geburtstag nicht alleine ist, aber das wird ihr nicht reichen. Das gibt kräftezehrende Diskussionen. Schwiegermutter ist nun mal der Meinung, dass wir jetzt, wo wir beide verwitwet sind, immer zusammen in den Urlaub fahren. Ja, nee, is klaa.

Die leidige Diskussion um den Notar-Termin und ein neues Testament beendete eine Mitbewohnerin von Schwiegermutter: Sie rief kurzerhand bei einer der Notarinnen, mit denen die Wohnanlage zusammenarbeitet, an, besprach die Angelegenheit und mailte einen Text-Entwurf. Jetzt warten wir auf einen Termin zur Unterschrift. Ich weiß noch nicht, was günstiger ist: Wenn ich Schwiegermutter begleite oder die Mitbewohnerin. Das hängt sicher auch davon ab, wie lange der enge Kontakt der beiden anhält, denn Schwiegermutter verprellte bislang jeden freundlichen Kontakt in der Wohnanlage.

Interessant war, dass sich Schwiegermutter nun doch wieder für das Grab ihres Sohnes interessierte, nachdem sie Weihnachten plötzlich sagte, das Grab ginge sie nichts an. Sie wirft ihrem Sohn aber immer noch vor, dass der nicht in das Grab mit seinem Vater und seiner Großmutter (und mit seiner Mutter) mochte, sondern sich dafür entschied, mit mir zusammen begraben zu werden. Das stellte der Gatte schon kurz nach unserer Hochzeit klar, denn in dem Grab wäre kein Platz für mich, aber Schwiegermutter kann das natürlich nicht akzeptieren. Soll ich doch sehen, wo ich bleibe, komme ich doch eh aus dem falschen Stall, habe weder Stil noch Klasse, war die falsche Wahl für ihren Sohn. Das ließ sie mich auch gestern immer wieder spüren in den Phasen, in denen sie vergessen hatte, dass der Gatte und ich 26 Jahre lang ein Paar waren und wie sie im Hamburger Westen lebten. Sie erklärte mir allen Ernstes, was "die" Einkaufsstraße in Othmarschen ist, wo "man" in Blankenese einkauft usw., denn "du kommst ja vom Dorf und kennst Hamburg nicht". Ah ja. 

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 314, und die Trauer bleibt.  

Die Woche war sehr anstrengend, die kommenden beiden werden es auch bzw. werden eher noch schlimmer. Ich überlege, ob ich mir Mitte April eine Woche Urlaub nehme, um zu Hause etwas zu schaffen, denn ich merke, dass ich am Wochenende dazu keine Kraft habe. Die Kraft reicht noch nicht mal mehr zum Stricken.

Ich habe mich zu Heimwerkerkursen von Frauen für Frauen angemeldet, um kleinere Reparaturen im Hause selbst durchführen zu können. Der Gatte scherzte gerne, als er mich kennenlernte, hatte ich einen Werkzeugkoffer und eine Bohrmaschine und konnte mit beidem umgehen. Das habe er selbst gesehen. Mit Unterschrift auf der Heiratsurkunde hätte ich diese Fähigkeiten jedoch schlagartig verloren. Das stimmt. Dem Gatten machte Heimwerken Spaß. Er war darin so viel besser als ich. Ich konnte das gut an ihn abgeben, bis er seinen Schlaganfall bekam. 

Jetzt stehe ich hier mit zwei voll eingerichteten Werkstätten für Tischler- und Elektronik-Arbeiten und kann mit keiner etwas anfangen (und der riesige Maschinenpark, den der Gatte in den letzten beiden Jahren anschaffte, ist dank mangelnder Kraft ja auch noch da ...). Ein paar kleinere Arbeiten könnte ich selbst ausführen. Bevor der Gatte im letzten Jahr final ins Krankenhaus ging, wollte er mir zeigen, wie ich mit der Stichsäge arbeite, damit ich endlich die Holzfliesen auf dem Balkon verlegen kann. Seit dem Schlaganfall konnte er solche Arbeiten zwar nicht mehr selbst ausführen, aber er konnte mir noch erklären, wie ich es machen muss, und das Werkzeug bereit legen. Aufgrund der vielen angefangenen Arbeiten der letzten vier Jahre sind die Materialien und Werkzeuge allerdings überall im Haus verteilt, müssten erst mal wieder zusammengetragen werden.

Der Bescheid zur Witwenrente kam auch diese Woche nicht, ebenso wenig wie der Erbschein. Ich habe es aber geschafft, einen Termin bei der zweiten Hausbank meiner Mutter zu machen, um nochmal zu versuchen, ihre Konten zu übernehmen. Klappt es diesmal wieder nicht, weil die Bank auf der unsinnigen Bescheinigung besteht, dass ich meine Mutter bin, schalte ich einen Anwalt ein. Bei den vier Versicherungen, deren Verträge ich ändern musste, bin ich etwas weiter. Bei einer ist der Vertrag auf mich umgeschrieben, die zweite ist dabei, und die dritte schickte allerlei Formulare, allerdings die falschen. Da muss ich hinterher telefonieren. Die vierte meldete sich auch nach sechs Wochen nicht. So gesehen, habe ich dann doch ein bisschen geschafft ... Babysteps halt.

Von der Ostsee-Tante kam ein herzerwärmender Brief. Das tat gut.

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Dienstag, 17. März 2026

#12von12 im März 2026

Caro von "Draußen nur Kännchen" sammelt jeden Monat am 12. des Monats 12 Impressionen des Tages - vielen Dank dafür!

#1: KpH und Schnuffi, das Reise-Rudel, bestehen darauf, dass ich aufstehe, um Kopenhagen zu erkunden.

#2: Appartement-Pflichten: Abwaschen nach dem Frühstück.

Ich bin für eine Woche in Kopenhagen. Heute ist der vorletzte Tag, den ich mit moderner Kunst verbringe - und im Luxus-Kaufhaus Magasin du nord, wo mich dänisches Design mal wieder absolut flasht.

#3: Heute wird's wild.

#4: Verstörende Kunst: Installation "Beyond the Horizon" von A.A. Murakami

#5: Natur als Ausgleich für verstörende Kunst.

#6: Mittagessen.

#7: Schon wieder verstörende Kunst: "Wabbit" von Marion Peck.


#8: Ein bisschen Touristik-Programm zum Runterkommen.

#9: Reicht dann auch für heute.


#10: Abendessen (reicht für zwei Tage).

#11: Stricken und Krimi gucken zur Entspannung.

#12: Vor dem Einschlafen noch etwas lesen*.


Der Blick zurück in die ersten sechs Corona-Jahre: Am 12. März 2020 ahnte ich noch nicht, dass ich vier Tage später für lange Zeit aus dem Heimbüro arbeiten würde. Ich erholte mich von einer OP und bin bis heute froh, dass ich mich der Hysterektomie, zu der mich die Ärzte seit Jahrzehnten drängen, verweigerte. Am 12. März 2021 hatten der Gatte und ich unsere erste Corona-Impfung hinter uns und die irrige Hoffnung, dass wir diese Moppelkotze mit der Impfung los würden. Der schon erkrankte Gatte ging davon aus, dass er eines Tages wieder arbeitsfähig sein würde und dann wieder Vollzeit arbeitet, weil Corona dank Impfstoff ja bald vorbei ist. Er starb im Oktober 2025. Am 12. März 2022 kehrte ich in meinem Job wieder in die Präsenzpflicht zurück. Am 12. März 2023 hatten wir seit einem dreiviertel Jahr ein Haus, in dem wir eigentlich schon seit ein paar Wochen wohnen wollten ... Ein Jahr später war's dann tatsächlich so weit. Der Gatte wartete am 12. März 2025 ungeduldig auf eine weitere OP, nach der er wieder gehen können sollte, ahnte nicht, dass noch sechs folgen sollten, dass er kaum noch ein halbes Jahr zu leben haben würde. Er fehlt mir unendlich, mit jedem Atemzug, in jeder Sekunde. / *Affiliate links

Sonntag, 15. März 2026

Samstagsplausch KW 11/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXIII

Der erste Urlaub ohne den Gatten führte nach Kopenhagen. In der Stadt waren wir nie gemeinsam, so dass wir keine gemeinsamen Erinnerungen daran haben, anders bei der Weihnachtsreise nach Hammelburg und Dachau. Wir hatten zwar öfter überlegt, gemeinsam nach Kopenhagen zu fahren, denn durch die direkte Bahnverbindung von Hamburg aus ist das ja sehr kommod, aber seit unserer Reise nach Prag im Oktober 2017 war klar, dass eine Städtereise für den Gatten aufgrund seiner fortschreitenden Gehbehinderung zu anstrengend ist. Gleiches galt für Wanderreisen, weswegen wir auch nicht mehr nach Südtirol oder Bayern fuhren. 

Der Touristen-Hotspot Nyhavn in Kopenhagen.

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 313, und die Trauer bleibt.  

Aus dem Haus zu gehen, ohne vom Gatten verabschiedet zu werden, nach Hause zu kommen, ohne vom Gatten willkommen geheißen zu werden, fühlt sich noch immer fremd an, vor allem bei einer Reise. Auch wenn der Gatte mich schon länger nicht mehr zur Bahn bringen oder abholen konnte, so verabschiedete oder empfing er mich doch liebevoll an der Haustür. Daran muss ich jedes Mal denken, wenn ich weggehe oder nach Hause komme - in ein Haus, das für immer still, einsam und leer bleiben wird. 

Kopenhagen war abwechslungsreich und inspirierend. Ich habe viel gesehen, und ich habe endlich eine Mesusa gefunden. Seitdem wir ein eigenes Haus haben, soll endlich auch eine Mesusa angebracht werden. Das wird leider noch etwas warten müssen, denn erst muss das Zugangssystem installiert werden, und solange ich noch nicht weiß, wo Klingel und Kamera angebracht werden, möchte ich nicht die Mesusa anbringen. 

Zurück zu Hause erwartete mich allerlei Post, aber noch nichts zur Witwenrente, so dass ich immer noch nicht verlässlich über meine Finanzen Bescheid weiß. Dafür hat sich nach fünf Wochen endlich die zweite der vier Versicherungen gemeldet, die ich wegen des Tods des Gatten anschrieb. Den anderen beiden muss ich beizeiten hinterhertelefonieren, aber ohne Erbschein werde ich da vermutlich ohnehin keine Auskunft bekommen, denn mit den beiden Versicherungen hatte ich nie etwas zu tun. Den Erbschein bekomme ich hoffentlich im Laufe diesen Jahres. Die Rentenversicherung erledigte auch die Kontenklärung, so dass ich jetzt Gewissheit über meine Altersrente habe. Nun, es wäre finanziell immer noch lukrativer, jetzt arbeitsunfähig verrentet zu werden, als noch zehn Jahre zu arbeiten ... Ich muss das Rentensystem nicht verstehen. 

Ansonsten habe ich angefangen, mich endlich wieder um den Nachlass meiner Mutter zu kümmern. Da habe ich ja seit Jahren Probleme mit einer Bank, die die unsinnige Bescheinigung möchte, dass ich meine Mutter bin, die ihren Namen in meinen Namen änderte. Alle rechtsrelevanten Dokumente wie Bankvollmacht, die meine Mutter mir schon zu Lebzeiten gab, Testament oder Erbschein werden nicht akzeptiert. Ich versuche es jetzt noch einmal im Guten zu klären, bevor ich die Sache einem Anwalt übergebe und schnellstmöglich alle Konten bei diesen unfähigen Bank auflöse. Die Bank ist für fehlende Kundenfreundlichkeit bekannt; ich kenne mittlerweile einige ähnliche haarsträubende Geschichten. 

Die Thomas-Beckett-Rosen haben alle drei sowohl Winter als auch Urlaub überstanden! Am kommenden Wochenende kann ich die erste auf den Friedhof pflanzen. Ich muss noch so ein Wildabwehr-Spray besorgen, aber bis die ersten Knospen kommen, dauert es sicher noch etwas. Ich muss ohnehin langsam mal herausfinden, welche Gärtnerausrüstung ich für den Friedhof brauche, aber das hat vielleicht noch etwas Zeit.

Die Mützen für die Lübecker Seemannsmission sind gepackt und können sich auf den Weg machen. Es sind tatsächlich 21 Stück geworden! Für die Innocent-Mützen-Challenge wurden es 15 Stück. Auch die machen sich im Laufe der Woche auf den Weg. Die angefangene Elbbrücken-Socke musste ich wieder aufribbeln, weil sie für meine Wade zu eng war und weil ich zu blöd für eine Bumerang-Ferse bin. Ich arbeite das Muster jetzt so um, dass ich eine Käppchen-Ferse stricken kann, meine Lieblingsferse.  

Mit "Balagan*" von Mirna Funk* las ich im Urlaub ein unwahrscheinlich intensives Buch, das noch lange nachhallt. 

Ein bisschen Sperrmüll steht an der Straße und wird hoffentlich morgen abgeholt - die Müllabfuhr ist hier ja eine Lotterie, und ich weiß auch nicht, ob alles, was ich an die Straße stellte, als Sperrmüll angesehen wird oder als Bauabfall. Den muss ich dann selbst zum Müllumschlag fahren und teuer bezahlen. Jedenfalls ist es weniger Sperrmüll als gedacht, weil ich nur das an die Straße stellte, was ich sicher als Sperrmüll identifizieren konnte. Was ich evtl. noch verkaufen kann, lasse ich erstmal stehen. Trotzdem ist es zumindest in der Kellerküche leerer geworden. Es tat weh, Dinge, die der Gatte möchte, mit denen er sich viel Mühe beim Bauen gab, an die Straße zu stellen, darunter auch die Reste der letzten Küche, die er baute und die aus unbekannten Gründen mit umzogen. Vermutlich wollte der Gatte einiges davon weiterverwenden. 

Bei Schwiegermutter meldete ich mich zurück. Sie hatte immerhin behalten, dass ich verreist war, wusste aber nicht mehr, dass ich sie besuche. Ich bin gespannt, ob sie es Freitag noch weiß ... Trauer und Demenz setzen ihr sehr zu. Bei Tante meldete ich mich ebenfalls zurück. Der Verfall ihrer Cousine setzt ihr sehr zu. Ich bezweifle, dass die beiden nochmal zusammen urlauben werden. Schwiegermutter ist aufgrund der Demenz nicht mehr reisefähig, und Tante ist körperlich dazu nicht mehr in der Lage.

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Samstag, 7. März 2026

Samstagsplausch KW 10/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXII

Diese Woche brachte einen anstrengenden Besuch beim Gynäkologen. Er verweigerte die Überweisung zur gynäkologischen Endokrinologin mit der zauberhaften Begründung, ich wäre doch gerade beim Gynäkologen, und Hormone könne er auch. Ich muss mal schauen, wie ich damit umgehe, denn meine Erfahrungen sind leider andere. Bei der gynäkologischen Endokrinologin sollte überprüft werden, ob die Hormone noch notwendig sind. Das will der Gynäkologe jetzt machen. Übernächste Woche setze ich sie ab und warte gespannt, was passiert. Klar ist: Setzt die Hypermenorrhö wieder ein, hat kein Gynäkologe einen Plan außer Hysterektomie. Gegen die wehre ich mich ja schon, seitdem ich Anfang 20 bin. Und bei Wechseljahrsbeschwerden ist die Hysterektomie ja ohnehin die einzige Lösung, da lukrativ. Alles andere kostet nur und macht Arbeit. Das sind Frauen nicht wert. 

Jedenfalls hoffe ich, dass ich notfalls als Selbstzahlerin einen Termin der der gynäkologischen Endokrinologin bekomme und dass das dann ohne Überweisung funktioniert. Außerdem heißt es Warten auf das Abstrich-Ergebnis. Seit der Krebs-Diagnose im April 2021 bin ich da etwas unentspannt, denn ich weiß nicht, wo sich das Biest versteckt hält. Es füllt sich ein bisschen so an, wie unter einem Damoklesschwert zu leben. Immerhin war beim Blutspenden alles okay, zeigte mein Blut keinerlei Auffälligkeiten. 

Fly me to the moon ... Aktuell guckt der Vollmond ins Schlafzimmer, meistens bei wesentlich klarerem Himmel.

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 312, und die Trauer wird nicht weniger.  

Zwar schaffte es die DRV auch nach vier Monaten nicht, meinen Antrag auf Witwenrente zu bescheiden, aber ich erhielt in Rekordzeit die Bewilligung für fünf Wochen Reha in der Wunschklinik, in der ich vor zwei Jahren war! Darüber freue ich mich sehr! Ostsee-Tante, Ostsee-Cousin und eine Kochfreundin sind in der Nähe, eine Kollegin hat dort ihr Wochenendhaus, ist also auch immer mal da, die Klinik ist mitten in der Natur, es ist ein Gefühl wie Nachhausekommen. Ich hoffe nur, ich bekomme keines der Zimmer zu einem Innenhof! Der Blick auf Park und Wald vor zwei Jahren tat mir sehr gut. Der Blick auf eine Steinwüste, wo noch nicht mal ein Zipfelchen Himmel zu sehen ist, täte mir nicht gut. 

Bis zum Reha-Beginn wird es noch etwa 30 Wochen dauern, das heißt, ich kann den Frühling und Sommer zu Hase verbringen, muss mir keine Gedanken machen, wer Gatten und Garten gießt, kann vielleicht sogar schon etwas im Haus / auf der Baustelle weiterkommen, falls ich bis dahin einen Bescheid über die Witwenrente habe. Knapp wird's wohl mit der Ende November geplanten Dienstreise (samt anschließenden Besuch bei Tante), auf die meine Kollegin und ich uns freuten, aber das lasse ich auf mich zukommen. Die Reha ist mir wichtiger. Ich muss mir auch noch Gedanken machen, wie ich es in meiner Abwesenheit mit der Post organisiere. Ein Nachsendeauftrag scheidet aus, der gilt für sechs Monate. Vermutlich werde ich unsere Putzfrau bitten, einmal in der Woche nach dem Haus zu sehen und ihr frankierte Umschläge für die Nachsendung vorbereiten. Die hiesigen Freundinnen mag ich damit nicht behelligen, die haben so schon reichlich um die Ohren, ebenso die Nachbarn.

Heute fahre ich für eine Woche nach Kopenhagen. Ich bin gespannt, ob ich den Urlaub schaffe, bin ich doch nach wie vor am Liebsten zu Hause. Schlimmstenfalls liege ich eine Woche wimmernd im Appartement. Der Koffer ist voller als voll, Winterklamotten halt. Ich habe die Elbbrücken-Socken angenadelt und bin gespannt, ob ich die Anleitung verstehe. Eigentlich wollte ich als nächstes den Lulu-Slipover stricken, aber ein kleine Projekt wie Socken erschien mir für die Reise per Bahn praktischer. Im Auto nähme ich den halben Hausstand mit.

Schwiegermutters Demenz wird immer schlimmer, was sich gestern mal wieder zeigte, als ich mich für Kopenhagen abmelden wollte. Sie dachte, ich wäre diese Woche schon gefahren und käme jetzt Sonntag zu ihr, obwohl ich ihr die Daten klar nannte und ihr auch sagte, wann ich zu ihr zu Besuch komme, um die Vollmachten für ihre Seniorenresident zu unterzeichnen. Die Infos kamen aber einfach nicht bei ihr an. Sie beschimpfte mich und legte mitten im Gespräch auf. Schon schön. Zum Glück kann ich dank meiner Mutter damit umgehen, lasse es nicht zu sehr an mich heran. Meine Verpflichtungen gegenüber der Seniorenwohnanlage werde ich auf ein Minimum reduzieren. Ich habe keine Kraft mehr, bei Schwiegermutter die gleichen Entscheidungen zu treffen wie bei meiner Mutter oder dem Gatten. 

Durch Zufall entdeckte ich, dass in der Reihe gegenüber eine Hard-Core-Nazi-Familie wohnt. Ich dachte mir schon sowas wegen eines Nummernschildes. Es passt, denn in der Reihe wohnte jahrzehntelang der ehemalige Gau-Leiter, und die lindgrüne Hölle ist ohnehin ein tiefbraunes Nest. Diesen Nachbarn hätte es aber nicht gebraucht. Mir fehlt im Umgang mit der Familie die ruhige analytische Art des Gatten. Die ruhige analytische Art des Gatten fehlt mir auch in Bezug auf den aktuellen Nahost-Krieg, zumal er als Offizier einen anderen Blick hatte.

Gestern war ich auf dem Friedhof. Auf dem Rückweg machte ich Halt in einem Eiscafé. Der Gatte liebte es, bei diesem Wetter im Eiscafé zu sitzen. Es ist einfach unfassbar, dass wir nicht mehr zusammen sind.

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Donnerstag, 5. März 2026

#WMDEDGT 03/26: Zwischen Trauer und Frühling

Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln!

Ich kann bis halb drei durchschlafen, ganze fünf Stunden! Umdrehen, bis um sechs Uhr weiterschlafen, dann ausnahmsweise mal echt wach sein, was eine Erleichterung ist nach der vorherigen Nacht, als mich der stille Reflux und heftiger Kopfschmerz weckten, ich nicht mehr schlafen konnte und mich durch den Tag schleppte.

In Ruhe frühstücken, dann arbeiten. Über Mittag ist die donnerstägliche Wichtig-Wichtig-Videokonferenz, bei der ich in aller Regel nur zuhören muss. Ich muss daran denken, dass der Gatte früher um diese Zeit gerne seinen Mittagsschlaf hielt. Unser Schlafzimmer ist neben meinem Arbeitszimmer, und oft machte sich der Gatte einen Spaß daraus, mit seinem Schlafhasen die Videokonferenz zu kommentieren - zum Glück achte ich immer sehr darauf, dass Kamera und Mikro aus sind. Der Gatte fehlt mir so!

Es ist reichlich zu tun, anders als die letzten drei Tage, und mich deucht, meine Kollegin wird kommende Woche keine ruhige Urlaubsvertretung haben. Ich arbeite etwas länger, auch in Lifestyle-Teilzeit muss die Arbeit erledigt werden, und stelle mich auf Überstunden am kommenden Tag ein. Es hat sich bewährt, freitags länger zu arbeiten. Also werde ich morgen eine lange Mittagspause machen, dann noch zwei, drei Überstunden anhängen, um möglichst viel abzuarbeiten, damit meine Vertretung am Montag keinen Schreck bekommt, wenn sie in unsere Freigabe guckt. 

Nach Feierabend um den Haushalt kümmern. Die Spülmaschine will spielen, der Koffer muss vom Dachboden geholt werden. Auf dem Dachboden kämpfe ich mit den Tränen. Der Gatte wollte hier ein Eisenbahn- und Gästezimmer einrichten, hatte so viele Pläne, war so voller Vorfreude. Geblieben sind ein Durcheinander von begonnenen Bau-Projekten, eine halbfertige Werkstatt, unzählige Modelleisenbahn-Teile. Ich habe keine Ahnung, wie ich mit diesem Durcheinander fertig werden soll, zumal der Keller ebenso aussieht.

Der Wintermantel will ausgelüftet werden, die Wasserspender für die Rosen müssen für den kommenden Urlaub installiert werden, die Gelbe Tonne muss durch den endlich schneefreien Garten gebracht und an die Straße gestellt werden für die Abholung am kommenden Tag, die restlichen Marmorkuchen-Muffins von Sonnabend einfrieren, weil ich doch lieber Kekse zum Tee möchte, die Kombüse auffüllen, Wäsche wegräumen ...

Beim Rausrollen der Gelben Tonne fällt mir wieder mal auf, dass jede Reihe die Tonnen anders zur Abholung aufstellt. Unsere Reihe stellt sie auf die linke Seite, Griffe nach vorne, so dass die Müllwerker sie leicht aufladen können. Die Reihe auf der Gartenseite stellt die Tonnen mittig, so dass der Fußweg blockiert ist, Griffe nach hinten, so dass die Müllwerker die Tonnen erst drehen müssen. Meine Tonne steht links, Griffe nach vorne, denn eine Tonnen-Barrikade finde ich abseits von Straßenkämpfen sinnlos. Mal schauen, ob die Müllabfuhr überhaupt kommt, denn die Firma kämpft selbst im Hochsommer mit Glatteis, eine Metapher für die Personalprobleme, die die Firma seit langem hat. Die wöchentliche Müllabfuhr gleicht einer Lotterie.

Ich nehme den Fruchtgummistrauß auseinander, damit die Gummis nicht hart werden, während ich im Urlaub bin, und bin massiv beeindruckt von der Kunst der Verpackungsingenieure - der Gatte hätte seinen Spaß daran gehabt! Übrigens schmecken die Fruchtgummis sehr gut. 

Ich suche einen kleinen Tesafilm-Abroller, weiß, dass der Gatte ganz viele davon hat, sogar welche für den Finger. Bei der vergeblichen Suche finde ich seine Mundharmonika. Prompt fließen die Tränen in der Erinnerung daran, wie gerne (und wirklich gut!) er darauf spielte.

Zum Abendessen gibt's Kartoffeln und Tomaten aus dem Ofen - beides muss weg, weil ich übermorgen eine Woche in den Urlaub fahre. 

Ich schaffe es nach über zwei Monaten endlich, dem Ostsee-Cousin zu whatsappen und bekomme prompt eine liebevolle Antwort. Es ist immer wieder erstaunlich, wie liebevoll meine Familie jenseits meiner egozentrischen, narzisstischen Mutter ist. Der Ostsee-Familie geht es zum Glück gut, trotz anstehender OPs in der kommenden Woche.

Ich schaffe die letzte Mütze für die 600-Mützen-Challenge der Lübecker Seemannsmission. Eigentlich sollten meine Mützen diese Woche schon auf dem Weg sein, aber dann dachte ich, aus dem restlichen Sockengarn ginge sich noch eine Mütze aus. Es klappte, und drei Mützchen für Innocent sprangen auch noch dabei heraus. Die machen sich auch übernächste Woche auf den Weg. Ich bin nach wie vor skeptisch, ob die Mützchen nach dem Kauf nicht einfach weggeworfen werden, aber ich finde die Idee lustig, und für kleine Wollreste passt es gut. Alternativ würde ich Schlüsselanhänger-Söckchen en gros stricken, aber mit denen wüsste ich momentan auch nichts anzufangen.  

Zu spät ins Bett und vor dem Einschlafen noch etwas lesen*.

Der Blick zurück in die ersten sechs Corona-Jahre: Am 5. März 2020 stand mir eine OP bevor. Fünf Jahre später verweigere ich mich noch immer der Hysterektomie, zu der mich viele Ärzte drängen, weil das ihre einzige Therapie gegen Wechseljahrsbeschwerden ist. Am 5. März 2021 war ich noch bei der Horror-Hormon-Tante in Behandlung - zwei Jahre später gelang endlich der Wechsel zu einer vernünftigen Ärztin. Der Gatte und ich hatten Impftermine und bekamen Atteste, die uns als Angehörige der Risikogruppe 2 zur Impfung berechtigten. Wir hatten noch die Hoffnung, Corona würde sich mit der Impfung quasi erledigen. Am 5. März 2022 beschäftigte uns der Ukrainekrieg. Am 5. März 2023 hatten wir plötzlich ein Haus, bereiteten alles für die Bodenverleger vor, während meine Mutter immer mehr Abschied vom Leben nahm. Am 5. März 2024 waren wir endlich umgezogen und hatten erstmals so was wie Alltag. Am 5. März 2025 hatten wir wieder so etwas wie Alltag. Wir hätten gerne noch viel Alltag miteinander erlebt, aber sieben Monate später sollte der Gatte an Candidozyma auris sterben, viel zu jung, viel zu früh. / *Affiliate links