Posts mit dem Label Reisebericht werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Reisebericht werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 20. Oktober 2024

Samstagsplausch KW 40/24 bis KW 42/24: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCXXXVIII - CCXL

In den ersten beiden Oktoberwochen waren wir auf Mallorca. Der Urlaubsbeginn war sehr unschön: Wir verpassten ohne unsere Schuld den Hinflug und wurden vom Reiseveranstalter, bei dem wir Flug, Transfer und Hotel buchten, hängen gelassen!

Am Strand von Port d' Alcùdia.

Wir hatten für den gehbehinderten Gatten eine DRK-Begleitung am Flughafen gebucht, da der Weg vom Schalter durch die Sicherheitskontrollen zum Gate sonst zu lang für ihn gewesen wäre. Normalerweise bekommt man kurz vor Boarding-Beginn einen Transfer direkt zum Gate mit gesonderter Sicherheitskontrolle, muss nirgendwo Schlange stehen, denn lange Stehen ist neben Gehen auch ein Problem für den Gatten.

Wir checkten mehr als drei Stunden vor Abflug ein. Das muss so wegen des Transfers. Die Fluggesellschaft informierte das DRK um 11:30 Uhr über den Transfer für den Flug um 14:50 Uhr. In der DRK-Wartezone war ein Flughafenmitarbeiter, der die Transfers im Blick hatte. Während wir warteten, klappte es bei den anderen Passagieren auch gut. Dann ging's gründlich schief. Der Check-in begann um 14:20 Uhr und endete um 14:35 Uhr. Das DRK kam um 14:10 Uhr mit zwei Rollstühlen für insgesamt 8 angemeldete Passagiere, die samt Begleitpersonen um 14:50 Uhr fliegen wollten. 

Da es dem DRK nicht gelang, bis zum Abflug einen Transfer zu organisieren, strandeten wir mit fünf weitern Passagieren und verpassten den Flug. Das DRK sagte erst, wir sollten uns keine Sorgen machen, man käme mit weiteren Rollstühlen, wir würden unseren Flug sicher erreichen, war dann nicht mehr erreichbar. Ich informierte die TUI darüber, dass wir unseren Flug verpassten, bat um Umbuchung, Information des Hotels und Organisation eines Transfers für den neuen Flug. Innerhalb von fünf Stunden fand sich niemand bei der TUI bereit, uns irgendwie zu helfen. Man fühlte sich weder verantwortlich noch zuständig.

Zum Glück half unsere Fluggesellschaft - bei Eurowings kannte man es schon, dass das DRK Reisende im Stich lässt. Neu war, dass sich der Reiseveranstalter nicht verantwortlich fühlte. Am kommenden Tag hörten wir über die Fluggesellschaft, das DRK wäre mit den Transfers zwei Stunden im Rückstand gewesen, und überhaupt gäbe es für den ganzen Flughafen nur sechs Rollstühle. Zudem habe man keine Leute, da schlecht gezahlt wird. Da sind Profis am Werk.  

Wir bekamen von Eurowings eine Übernachtung samt Shuttle ins Hotel und Abendessen, wurden am kommenden morgen mit dem ersten Shuttle vom Hotel zum Flughafen gebracht. Das Geld holt sich die Fluggesellschaft vom DRK zurück. Wir verzichteten morgens auf den DRK-Transfer, gingen ganz langsam durch die Sicherheitskontrolle zum Gate, hatten ja noch fast zwei Stunden Zeit. Eurowings schaffte es sogar, in Palma einen Flughafen-Transfer zu bekommen - wir waren kaum gelandet, da saß der Gatte im Rollstuhl. In Palma ist das top organisiert, denn da ist nicht das Rote Kreuz verantwortlich, sondern der Flughafen. 

Da es der TUI nicht gelang, uns auf einen der Transferbusse zu buchen - es fühlte sich ja niemand zuständig, auch nicht am nächsten Morgen - fuhren wir mit dem Taxi ins Hotel. Die Reiseleitung vor Ort sagte uns zwar wenigstens die Übernahme der Transferkosten zu, aber ohne Anwalt wird das nichts, denn auch nach der Rückkehr fühlt sich bei der TUI niemand zuständig.

Im Hotel Alcudia Garden, in dem wir nicht zum ersten Mal waren, wurden wir sehr freundlich empfangen. Ich hatte das Hotel am Vorabend darüber informiert, dass wir erst am nächsten Morgen anreisen, denn die TUI war dazu ja nicht in der Lage. Da ich auch den Grund für den verpassten Flug nannte, wusste man um die Behinderung des Gatten. Man entschied sich spontan, uns ein Upgrade ins Haupthaus mit Lift zu geben! Da waren gerade viele Zimmer leer, und man dachte sich, der Gatte wisse den Lift zu schätzen. Der war überglücklich! Sonst wären wir etwa 250 m vom Haupthaus entfernt in einem Nebenkomplex untergebracht gewesen.

Die folgenden Urlaubstage waren dann einfach nur entspannend. Ich schlief endlich mal mehr als sechs Stunden am Stück, wachte nicht alle zwei Stunden auf. Wir hatten zwar einen Mietwagen, hatten aber keine Lust, viel zu fahren. Wir wollten nur am Strand liegen und die Sonne genießen. Dementsprechend bin ich tatsächlich mal braungebrannt aus dem Urlaub gekommen. Dem Gatten ging's die meistes Zeit über sehr gut, so dass ich auch endlich mal zur Ruhe kommen konnte. Das tat so gut!

Wieder zu Hause, landeten wir im Chaos. Ich hatte mir den Dienstag noch frei genommen, wollte in Ruhe ankommen, aber als wir in der Nacht in Haus kamen, hatte der Kühlschrank einen Kurzschluss (mehr dazu in der Kombüse). Da war sie hin, die Ruhe.

Mittwoch und Donnerstag hatte ich dann Vierzehn-Stunden-Tage. Dadurch, dass wir zwei Wochen weg waren, mussten so viele Termine wie möglich in die Tage nach unserer Rückkehr gequetscht werden. Freitag nahm ich mir kurz einen Nervenzusammenbruch, als der Vermieter meines Stellplatzes mir mitteilte, dass er mir den leider kündigen muss. Das ist nicht tragisch, war aber der berühmte Tropfen. 

Immerhin waren meine vierteljährlichen Labor-Ergebnisse einigermaßen gut. Allerdings ist jetzt klar, dass der "stille Reflux", unter dem ich seit Monaten leide, ein Souvenir der Covid-Infektion ist. Das verpiepste Virus ist einfach ein Überraschungsei. Das Sodbrennen ist schmerzhaft - ich kann phasenweise nicht schlucken, in schlimmen Phasen tut sogar ein Schluck Wasser höllisch weh - und lästig. Meine Stimme ist in Mitleidenschaft gezogen, ich kann nicht lange sprechen, bin Dauer-Heiser, habe ständig Halsschmerzen. Nützt nichts, ich muss mich damit arrangieren, denn Besserung oder Heilung ist nicht zu erwarten. Dusseligerweise habe ich in der Speiseröhre zwei Tumore, die durch das Sodbrennen natürlich auch tangiert sind, und Sodbrennen kann Krebs auslösen. Wie gesagt: Nützt ja nichts. Im Dezember steht die dreijährige Magenspiegelung, das Tumorgucken an. Ich hoffe, sie sind nicht gewachsen und weiterhin gutartig. Die Blockaden in der Speiseröhre, die ich merke, sprechen aber dafür, dass zumindest ein Tumor wuchs.

Der Gatte schaffte diese Woche erstmals die Bahnfahrt von Hamburg nach Buchholz! Ich hatte einfach keine Kraft, ihn nach einem sehr frühen Arzttermin wieder nach Hause zu fahren, um dann nach Hamburg ins Büro zurückzufahren, und bat ihn, es einfach mal mit dem Zugfahren zu versuchen. Dass es ihm auf Mallorca so gut ging, gab ihm viel Selbstvertrauen, und so stimmte er zu. Er war sehr stolz, dass er den Weg schaffte, den richtigen Zug erwischte, an der richtigen Haltestelle ausstieg, nicht am Bahnsteig stürzte usw.! Eine Geh- und Sehbehinderung reicht ja nicht für einen Transportschein aus, und die Taxikosten sind so hoch, dass wir sie möglichst sparen wollen. 

Die Grippe-Impfung erledigte ich diese Woche auch noch, und als der MFA sagte, ich solle mich in den nächsten Tagen schonen, konnte ich nur hysterisch auflachen. 

Hier gilt seit mittlerweile 240 Wochen: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall. Er ist schwerbehindert und berufsunfähig verrentet. Es geht uns dennoch vergleichsweise gut. Wir halten es gut miteinander aus, wenngleich die Erkrankungen und der Schlaganfall des Gatten zu Wesensveränderungen führten, die ein Zusammenleben manchmal sehr schwer machen. 

Unsere Kontakte sind normalerweise auf das Notwendigste beschränkt, heißt: Arbeit, Ärzte, Einkaufen, Schwiegermutter und Handwerker. Ich bin dankbar, dass Corona bislang Gatten, Schwiegermutter und Tante verschonte und hoffe sehr, das bleibt so.   

Ich bin sehr froh, dass wieder mehr Menschen Maske tragen. Auf dem Rückflug war ich nicht die einzige, und im ÖPNV oder beim Einkaufen begegnen mir auch immer wieder Menschen mit Maske. So doof die Dinger sind, sie sind ein einfaches und effektives Mittel, sich gegen Viren aller Art zu schützen. 

Schwiegermutter und Tante geht's gut, wenngleich Schwiegermutter inzwischen so narzisstisch ist, dass sie nichts außerhalb ihrer Hemisphäre mehr wahr nimmt. Gespräche sind kaum möglich. Das ist erschreckend. 

Meine Urlaubsvertretung leistete ganze Arbeit, ließ mich während des Urlaubs komplett in Ruhe. Ich freute mich wieder mal, dass sie so gut eingearbeitet ist, dass ich von Anfang an darauf bestand, dass sie alles können muss, was ich kann. Diese Woche gab sie ihr erstes Interview und meisterte auch das mit Bravour! Sie sorgte auch dafür, dass ich zumindest im Büro in Ruhe ankommen konnte - es ist aktuell so viel zu tun, dass ich zwei Tage brauchte, um meine eMails zu sichten, jede Menge Überstunden machte. 

Mir macht einmal mehr der Herbst zu schaffen, denn nach der Rückkehr aus Mallorca war der Kontrast einfach heftig. Ich versuche mich damit zu trösten, dass die Tage bald wieder länger werden. Im Haus macht es sich aber bemerkbar, dass wir uns noch nicht um die Beleuchtung kümmerten. Der Gatte hängt da seinen Plänen ja zwei Jahre hinterher ... Vor dem Urlaub kaufte ich reichlich Bewegungsmelder, um nicht ständig zu stolpern, aber das ist natürlich keine Dauerlösung.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

Montag, 7. Oktober 2024

Fanø Strik: Impressionen aus Rindby (Dänemark)

Die kleine Insel Fanø besteht aus vier größeren Orten: Sønderho, Rindby, Fanø Bad und Nordby.

Unser Ferienhaus war sehr instagramabel ausgestattet mit vielen Stehrümchen und dänischem Design. Zum Glück muss ich nicht putzen.

In Rindby war das Ferienhaus, in dem wir während des Strickfestivals Fanø Strik wohnten. In dem Gebiet sind wohl die meisten Ferienhäuser und Campingplätze der Insel. Die Infrastruktur ist auf Touristen ausgelegt. 

Schon von Weitem ist sichtbar, dass hier was mit Wolle stattfindet.

Überall auf der Wiese wuchsen wollige Blumen. Ich bin versucht, welche für unseren unwilligen Vorgarten zu stricken.

Rindby hat keinen Ortskern. Vereinzelt gibt es alte Gehöfte, auch die Kapelle zeugt davon, dass es Leben abseits des Tourismus gibt. Ansonsten fiel es mir schwer, mich zu orientieren. Es gab so keinen Orientierungspunkt. 

Ein bisschen unscheinbar kommt die Fanø Standgalleri daher. Das täuscht.

Während des Strickfestivals fanden Veranstaltungen im Hofladen "Fanø Angus & Merino" und im "Kunstladen" sowie ein Strick-Häkel-Kunstprojekt zum Mitmachen in der Fanø Standgalleri. Es gab auch Veranstaltungen im Versammlungshaus, aber dazu gab es keinen Hinweis auf der Website des Strickfestivals, und deswegen waren wir nicht dort. 

In der Galerie gab's Strickkunst: Die aus T-Shirt-Garn gestrickte Spinne braucht noch ein Netz, das viele fleißige Hände häkelten. 

Das sieht doch schon nach Netz aus ... Ich bin gespannt, wie das Kunstwerk fertig aussieht.

Ansonsten finden sich neben der Galerie an der Hauptstraße Kirkevejen zahlreiche Lokale, ein Supermarkt und andere Geschäfte sowie Fahrradvermietungen. Die Straße ist auch die Zufahrt zum Strand, der übrigens mit dem Auto befahren werden kann. In der Hochsaison führt sogar eine Buslinie über den Strand! 

Irgendwie vertorfte ich es, mir die anderen Kunstwerke der Galerie anzusehen, aber diese drei Stühle verzauberten mich.

Super-Grobi!

Ein Stuhl für eine Stadt.

Kulinarische Fanø-Impressionen gibt es in der Kombüse. Mehr Impressionen zum Festival Fanø Strik gibt es hier.

Mittwoch, 25. September 2024

Fanø Strik: Impressionen aus Sønderho (Dänemark)

Die kleine Insel Fanø besteht aus vier größeren Orten: Sønderho, Rindby, Fanø Bad und Nordby. 

Überall im Dörfchen hängen Girlanden.

Die gestrickten Häuschen sind aus leeren Tetrapacks gefertigt.

Unschwer zu erkennen, dass es mir diese Girlande besonders angetan hat. Ich überlege, sie nachzuarbeiten.

Das Strickfestival Fanø Strik fand in allen Orten statt, wobei meinem Eindruck nach das meiste in Sønderho los war. Das kann aber auch daran liegen, dass nicht alle Programmpunkte veröffentlicht auf der Website des Festivals wurden. Vieles erfuhren wir eher zufällig. Das war schade und könnte nächstes Jahr verbessert werden.

Zentrum des Strickfestivals in Sønderho war das Versammlungshaus neben der Feuerwehr.

Sønderho hat knapp 300 Einwohner, gilt als schönstes Dorf Dänemarks und ist so entzückend, dass es schon kitschig ist. Hier lässt sich gut Zeit verbringen, gibt es doch einige kleine Museen. Darunter ist auch das Fanø Kunstmuseum, das in einem ehemaligen Kaufmannshaus Werke von Fanø-Künstlerinnen und Künstlern von 1849 bis heute zeigt. Ein Besuch ist sehr zu empfehlen. Das gilt auch für die anderen Museen wie das Mini-Citroën-Museum oder Hannes Hus, das Haus eines Seemanns, in dem die Zeit Ende des 19. Jahrhunderts stehen blieb. Wer meine Biographie kennt, weiß, ich habe ein Herz für kleine Museen. Außerdem gibt es in Sønderho spannende Galerien. 

Vor dem Mini-Citroën-Museum steht eine rote Ente mit einer Strickerin. Im Hof des Museums wurde fleißig gestrickt.

Den Zaun des Museums schmückte natürlich eine Girlande mit gestrickten Enten-Wimpeln. 

Los ging's in Sønderho am 12. September mit einem Garn-Banko, also einem Woll-Bingo. Die offizielle Eröffnung fand mit einem Chili-Jazz-Abend statt, wobei das Chili von der Feuerwehr gekocht wurde. Beide Veranstaltungen schenkte ich mir, denn ich war zu platt. Ich schaffte aber ein kulinarisches Konzert - Jazz mit gutem Essen. Gerne hätte ich auch das Konzert mit Mittagessen im Kro besucht, aber das war leider schon ausverkauft. 

Ein wunderbares Jazz-Konzert mit schönen Klassikern.

Ich muss ganz schnell ganz viel Dänisch lernen, denn dieses Oberteil von Marianne Østergaard tat es mir so an, dass ich die Anleitung kaufte. Die ist halt auf Dänisch.

Ich verbrachte zudem einen wunderbaren Nachmittag bei einem Jazz-Konzert im Garten des Hofladens Uldsnedskeren, gefolgt von einem Orgel-Strickkonzert in der Kirche. Am letzten Festival-Tag gab's in der Kirche auch einen Strick-Gottesdienst, aber mein Dänisch ist so rudimentär, dass ich nicht daran teilnahm. 

Die Kirche von Sønderho mit der größten Sammlung an Votivschiffen Dänemarks.

Im Gegensatz zur Kirche ist die Orgel recht neu. Sie wurde erst 2006 gebaut.

Ungewöhnlich für einen christlichen Friedhof: Steine auf einem Grabstein. Ich wüsste zu gerne, was dahinter steckt. 

Außerdem bummelte ich gerne durch das Dorf. Es gibt viele spannende Läden. Anlässlich des Strickfestivals waren viele Häuser, Mauern oder Hecken mit phantasievollen Girlanden oder Wimpeln geschmückt. Ein paar Gärten waren geöffnet. Dort standen Stühle und Kaffee bereit, konnte man ein paar Reihen stricken und plaudern.  

Einige Häuser in Sønderho scheinen leer zustehen wie dieses hier. Ich hätte am Liebsten die Äpfel aufgesammelt. 

Weithin sichtbar ist die restaurierte Holländermühle aus dem Jahr 1895.

Wo ein Wollfest ist, sind natürlich Schafe nicht weit. Diese hier fanden sich vor der Mühle von Sønderho.

Kulinarische Fanø-Impressionen gibt es in der Kombüse.

Samstag, 21. September 2024

Samstagsplausch KW 38/24: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCXXXVI

Die kleine Auszeit auf der Nordseeinsel Fanø tat gut. Zum Strickfestival auf  der Insel wollte ich schon länger, aber es ging sich nicht aus. Letztes Jahr fand das Festival zum letzten Mal als "Nordby Wooldays" statt, dann beschlossen, die bisherigen Veranstalter, die "Wooldays" zukünftig in Hurup zu veranstalten. Nun kenne ich die Gegend dort gut, hätte auch nichts gegen zwei Wochen Thy im Herbst einzuwenden gehabt, aber für ein langes Wochenende war's mir einfach zu weit. Fanø liegt für uns gut für einen Kurzurlaub - die Strickgruppe, in der ich seit letztem Monat bin, befand sogar, frau könne die Strecke an einem Tag schaffen ... Wie auch immer, es ist schön, dass es mit Fanø Strik weiterhin ein Strickfestival auf der Insel gibt.

Wir stricken Kunst: In der Fanø Standgalleri hängt eine riesige gestrickte Spinne aus T-Shirt-Garn von der Decke, für die ein Netz gehäkelt wird.

Früher waren die Veranstaltungen anscheinend auf Nordby konzentriert, während sie jetzt in allen vier Inselorten stattfanden. Das bedeutete viel Fahrerei, entweder mit dem Inselbus, dem Fahrrad oder mit dem Auto. Die Entfernungen sind allerdings kurz, und ein Bus-Pendelverkehr war organisiert. 

Ich fragte die Veranstalterinnen im Vorfeld, ob es Sinn macht, als nicht Dänischsprachige teilzunehmen und bekam zur Antwort, das wäre okay, es käme viele, die kein Dänisch sprechen, frau könne sich auf Deutsch oder Englisch verständigen. In der Praxis war's aber nicht so einfach. Vor allem bei den Workshops wurde nicht oder nur ganz selten übersetzt. Da ich früher selbst Dozentin war, dachte ich es mir schon. Übersetzen hält auf und verkompliziert alles. Dementsprechend suchte ich mir keine Workshops aus, bei denen es auf die Sprache ankommt (und mit dem Indigo-Workshop klappte es ja nicht, weil die Dozentin auf die Online-Buchung bestand, die mit meiner Kreditkarte nicht kompatibel war).

Freitag und Sonnabend präsentierte sich etwa 40 Ausstellerinnen in der Mehrzweckhalle in Nordby auf dem Faserfestival.

Das Programm war vielfältig, aber was wo stattfand, ob überhaupt etwas stattfand, war nicht immer leicht herauszufinden. Als ich Sonntag zum Abschiednehmen am Strand in Fanø Bad war, stellte ich fest, dass es sich durchaus gelohnt hätte, dort vorbei zu schauen, weil es dort auch viele Austeller und Angebote gab. Auf der Website war davon nichts ersichtlich. Gleiches gilt für das Versammlungshaus in Rindby, auf das wir auch nur zufällig aufmerksam wurden, weil es dort Fanø Chokolade zu kaufen gab. Auf der Website war dazu nichts zu finden. Ich hätte auch gerne Fanø Gin gekauft, wurde aber beim Tasting hartnäckig ignoriert. Dann halt nicht. Ich kurbelte auch so die lokale Wirtschaft kräftig an ... 

Für's nächste Strickfestival auf Fanø wäre es schön, wenn die Website so gestaltet wird, dass sich das Programm auf einen Blick sehen lässt, dass frau sich nicht von Ort zu Ort durchklicken muss und wenn alle Programmpunkte und Veranstaltungsorte spätestens zu Festivalbeginn auf der Website veröffentlicht wären. 

Ansonsten war es einfach zauberhaft, wie viele von der Insel beim Strickfestival mitmachten: Die freiwillige Feuerwehr kochte Chili zum Auftaktabend, viele öffneten ihre Gärten, schmückten die Dörfer mit Wimpeln, sorgten für Smørrebrød, machten Musik ... Kurz: Ich genoss den Aufenthalt. Es war auch nett, sich an einen gedeckten Frühstückstisch zu setzen, weil die Begleitung dafür sorgte, und ich schlief zwei Nächte mehr als neun Stunden durch. Das war eine angenehme Abwechslung zu dem Zwei-Stunden-Rhythmus, in dem ich normalerweise schlafe. 

Ausbeute vom Fasterfestival, der Ausstellung in Nordby: Wundervolles handgefärbtes Sockengarn von Apmezga aus Litauen; Guldsalve, eine intensive Handcreme mit wilder dänischer Schafsgarbe und Johanniskraut, wunderbar für meine trockenen Hände und Fingerspitzen, und 2,75er Zing- Stricknadeln, die ich schon länger kaufen wollte.

Der Gatte hielt sich tapfer, außer am Rückreisetag, wo ich nicht verstand, dass ich ihn auch morgens anrufen sollte - er bat darum, zwei Mal täglich zu telefonieren, was für uns untypisch ist. Er fing sich aber wieder, als ich abends wohlbehalten zu Hause war. Ansonsten hatte er Tabletteneinnahme, Diabetes und Selbstversorgung sehr gut im Griff. Davon war vorher nur bedingt auszugehen, denn die Tabletteneinnahme klappte meistens nur, wenn ich danebenstand. Jetzt denkt der Gatte von selbst daran, scheint begriffen zu haben, dass ihm die Medikamente helfen. Die neue Medikation scheint ihm auch gut zu bekommen. Der neue Hausarzt reduzierte ja eine Reihe von Medikamenten. 

Leider erledigte der Gatte keines der Projekte, die er sich vornahm, denn er wollte eigentlich endlich den Fernseher im Wohnzimmer anschließen. Stattdessen beschloss er, sich einen neuen PC zu kaufen und sich um dessen Verkabelung zu kümmern. Schön ... Heißt: Ich muss mich um einen Fernsehtechniker kümmern, denn ich möchte nach einem Jahr endlich wieder im Wohn- und Schlafzimmer fernsehen. Angesichts der Schwierigkeit, Handwerker zu finden, wird sicher noch ein Jahr ins Land ziehen, bis das möglich ist. Egal, es ist, wie es ist.

Hier gilt seit mittlerweile 236 Wochen: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall. Er ist schwerbehindert und berufsunfähig verrentet. Es geht uns dennoch vergleichsweise gut. Wir halten es gut miteinander aus, wenngleich die Erkrankungen und der Schlaganfall des Gatten zu Wesensveränderungen führten, die ein Zusammenleben manchmal sehr schwer machen. 

Unsere Kontakte sind normalerweise auf das Notwendigste beschränkt, heißt: Arbeit, Ärzte, Einkaufen, Schwiegermutter und Handwerker. Ich bin dankbar, dass Corona bislang Gatten, Schwiegermutter und Tante verschonte und hoffe sehr, das bleibt so.   

Wieder zu Hause, hatte mich schnell der Alltag wieder. Mich freute, dass meine Kollegin endlich mal einen ruhigen Vertretungsdienst hatte. Da ich in zwei Wochen wieder in den Urlaub gehe, ist viel zu tun, denn ich will möglichst viel für meine Kollegin vorbereiten - desto näher die Herbstferien rücken, umso unruhiger wird es. 

In der Nachbarabteilung ist gerade eine Schülerpraktikantin, die sich an einem meiner Echtbüro-Tage langweilte, ohne Anleitung war und bei mir strandete, als ich gerade 200 Päckchen packte. Mit ihrer Hilfe war das im Handumdrehen fertig. Es stellte sich heraus, dass sie hier in der lindgrünen Hölle im Nachbardorf lebt, immerhin das Dorf mit Bahnanschluss. Sie erzählte frisch von der Leber weg. Jugend auf dem Dorf ist noch genauso bescheiden wie vor 42 Jahren, als ich in ihrem Alter war. Es gibt keine vernünftige Infrastruktur, und die meisten ihrer Mitschüler unterstützen die AfD. Ich hoffe, sie macht ihren Weg, und erzählte ihr von den Veränderungen, die ich wahrnahm, die Mut machen. Aber es ist schon schwer, als junge Frau in einem konservativen Nest zu leben. Da hilft nur eins: Beine in die Hand nehmen und weg, wenigstens für 40 Jahre.  

Nach anfänglichem Zögern war der Gatte damit einverstanden, dass ich vorgestern zum monatlichen Stricktreffen gehe. Ich sorgte dafür, dass er während meiner Abwesenheit alles hat, was er braucht. Der Termin passte auch mir nicht so wirklich, aber ich wollte den Kontakt nicht gleich wieder abreißen lassen. Es gab eine Überraschung: Die Gastgeberin lebt in einem kleinen dänisch gestalteten Paradies! Das war wie ein kleiner Kurzurlaub nach dem Kurzurlaub. Außerdem gab's viele neue Strickideen, und unerklärlicherweise war ich am Ende des Abends um ein paar durchsichtige UGG-Gummistiefel und einen Häkel-Adventskalender reicher ... 

So nett der Abend war, war ich doch vier Stunden weg, und die musste ich wieder einholen. Mein Tag ist ja von 6 Uhr früh bis 22 Uhr abends durchstrukturiert, und da ist keine Zeit für Vergnügungen. Ich hänge immer meinem Aufgabenplan hinterher, egal, wie schnell ich bin, und wenn ich dann auch noch vier Stunden auf dem Swutsch bin, muss ich noch mehr aufholen. Aber ich brauche die soziale Interaktion mit anderen Menschen. Dem Gatten würde das auch gut tun. 

Als ich wieder zu Hause war und die Post sichtete - der Gatte leerte den Briefkasten, öffnete aber nichts - waren auch die Einstufung durch den Medizinischen Dienst und die Unterlagen für mich als Pflegeperson dabei. Das eigentliche Gutachten wurde putzigerweise vergessen, musste ich anmahnen, aber aus den Unterlagen ging hervor, dass der Gatte Pflegegrad 2 hat und der Medizinische Dienst eine Reha veranlasst! Der Gatte muss nichts weiter machen, als seine Ärzte von der Schweigepflicht zu entbinden. Das tat er, wenn auch zähneknirschend, denn nach anfänglicher Freude über die Reha überwiegt nun wieder das Gefühl, ich wolle ihn abschieben. Dass ich ihn selbstverständlich in die Reha fahren werde, die ersten Tage zur Eingewöhnung bei ihm bleibe und ihn jedes Wochenende besuche, ändert daran nichts. Das Gefühl hat er seit seinen häufigen Krankenhausaufenthalten ab Dezember 2020. Ich hoffe, die Reha-Klinik liegt so, dass es mit den Besuchen auch wirklich klappt, sonst wird es hart für den Gatten. 

Ansonsten wurden dem Gatten Physio- und Ergotherapie sowie Funktionstherapie und Sturzprophylaxe verordnet - alles, was er spätestens nach dem Schlaganfall hätte bekommen sollen, aber nicht bekam, weil es hieß, er wäre ja nicht mehr berufstätig und hätte deswegen keinen Anspruch darauf. Nach unserem Urlaub werde ich mich darum kümmern müssen. Erstmal beginnt er kommende Woche mit medizinischer Fußpflege. Das verschafft ihm hoffentlich auch Erleichterung. 

Schwiegermutter und Tante geht es gut. Ich hatte gehofft, ihnen diese Woche schon die Fotos aus Travemünde zusenden zu können, aber die Abzüge verspäten sich um eine Woche. So muss ich es kommende Woche vor unserem Urlaub schaffen. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

Donnerstag, 29. September 2022

#12von12 im September 2022

Caro von "Draußen nur Kännchen" sammelt jeden Monat am 12. des Monats 12 Impressionen des Tages - vielen Dank dafür! 

#1: Sonnenaufgang.

#2: Morgenkaffee vor dem richtigen Frühstück, heute mal mit Keksen für den Gatten, der Probleme mit entgleisendem Diabetes hat.

#3: Der erste Abwasch des Tages. Im Hintergrund sind die umfunktionierten Kosmetikfläschen und -döschen mit Balsamico, Olivenöl, Essig, Zucker und Pfeffer zu sehen. Für's Salz habe ich einen winzigen Streuer. In die Tupper kommt die Strandverpflegung.

Dieser 12. September ist quasi eine Wiederholung des 12. September 2018, denn wir sind wieder in Alcúdia - endlich! Damals war der Gatte noch gesund, was mir beim Ansehen der Bilder wieder schmerzlich bewusst wird. 

#4: Einen Fiat 500 habe ich irgendwie anders in Erinnerung ... Wir haben ein Upgrade bekommen, über das wir uns blöderweise nicht freuen, da wir gerne Fiat 500 gefahren wären.

#5: Wieder im Appartement, gucken wir nach interessanten Touren.

An diesem 12. September leidet der Gatte sehr unter der ungewöhnlichen Tropenhitze, weswegen wir uns nur aus dem klimatisierten Appartement wagen, um den Mietwagen abzuholen und einen größeren Einkauf zu machen. Es wird also ein sehr ruhiger Tag. 

#6: Mittagsschläfchen.

#7: Der Gatte prüft mild-panisch den Sicherungskasten, weil er denkt, wir sind an einem Stromausfall schuld. Nein, der betrifft das ganze Hotel, und wir haben auch gar nicht genug Geräte mit, um das Stromnetz zu überlasten.

Ich lese und schlafe viel. Die Ruhe tut mir gut, und ich habe keine Lust, alleine auf den Swutsch oder an den Strand zu gehen. 

#8: Der regelmäßige Blick auf den Wetterbericht mit der (vergeblichen) Hoffnung, dass es endlich regnet und etwas kühler wird.

#9: Der zweite Abwasch des Tages. In einem Topf war ein Gemüseragout, den zweiten nutze ich als Bratpfannenersatz für Gambas.

#10: Das aktuelle Strickstück. Leider komme ich mit den Stricknadeln* nicht zurecht. Ich kann einfach mit Kunststoff nicht mehr stricken.

#11: Das Hotel bittet um Mülltrennung. Wir sammeln im Netz und nehmen den Müll mit, wenn wir morgens zum Frühstück gehen. 

#12: Vor dem Einschlafen noch etwas lesen*.

Der Blick zurück in die ersten beiden Corona-Jahre: Am
12. September 2020 war unser Dänemark-Urlaub zu Ende, war der Gatte noch gesund. Am 12. September 2021 machten wir den ersten Urlaub seit Erkrankung des Gatten und waren im gleichen Ferienhaus wie im Vorjahr.

*Affiliate links

Samstag, 5. September 2020

#WMDEDGT 9/20: Har du karvefrø?

Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln!

Frühschwimmen. Der Gatte bereitet derweil das Frühstück zu.
Der Regen hat sich verzogen, wir können einen Ausflug machen.
Moment, es hatte doch aufgehört zu regnen?!

Diesen Monat gibt's eine Foto-Edition, denn wir sind im Urlaub. Der Tag beginnt regnerisch. Den geplanten Ausflug samt Wanderung brechen wir ab, denn wir haben keine Lust, durch den Regen zu laufen. Im Ferienhaus warten Bücher, Lego und Strickzeug.

Während der Gatte am Lego Steamboat Willie* baut, beschäftige ich mich mit einem Nanoblock Hasen*. Im Vergleich zu Lego (links) sind die Steine winzig.
Wieder warten, dass der Regen aufhört.

Mal gucken, ob der Fjord noch da ist.

Auf der Terrasse weiterlesen*.
Postkarten schreiben.
Nachmittags klart es auf, und nach einem Spaziergang zum Fjord machen wir uns auf, um in diversen Supermärkten nach Schwarzkümmel zu suchen. Vergeblich. Es gibt nur Kreuzkümmel. Wir vermuten, Schwarzkümmel kommt direkt in den Aquavit und nicht in den Verkauf. Der Gatte beschließt, dass dann eben in den Kohleintopf, den er heute kocht, Aquavit kommt. Nun ja.

Dänemark ohne Matilde geht nicht. Die Packung macht mir klar: Wir kennen uns tatsächlich schon 50 Jahre.

Abendschwimmen. Der Gatte bereitet währenddessen das Abendessen zu.
Abendessen.
Kamin gucken.

Der Abend klingt am Kamin aus. Vor uns liegt noch eine Urlaubswoche.

* Affiliate links