Posts mit dem Label Thy werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Thy werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 26. September 2021

#WMDEDGT 09/21: Ankommen

Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln!

Mein Septemberbeitrag kommt urlaubsbedingt verspätet, dafür mit Fotos. 

Es verspricht, ein schöner Spätsommertag zu werden.

Vor einem Jahr hatten wir heute Urlaubshalbzeit und suchten vergeblich nach Kümmel. In diesem Jahr startet der erste Urlaubstag. Durch eine Autopanne kamen wir am Vortag erst sehr spät an, so dass ich nur noch schnell der erschöpften Gatten parkte, das Auto auslud, die Lebensmittel verräumte, für Abendessen für den Gatten sorgte (das mitgebrachte eingefrorene Chili war auch nach 12 Stunden noch ein Eisklumpen, und ich war zu erschöpft zum Essen), unsere Betten bezog und in meines fiel. 

Morgenschwimmen.

Frühstück.

Ich bin früh wach und bekomme auf der Terrasse noch den Sonnenaufgang mit. Es verspricht, ein sonniger Tag zu werden. Den Koffer ist noch unausgepackt. Erstmal ziehe ich auch nur einen Tankini raus und gehe ins Schwimmbad - eine Stunde Schwimmen und Wassergymnastik zum Wachwerden.

Nach dem Schwimmen mache ich Frühstück, warte, dass der Gatte wach wird, und fange an, auszupacken, so leise wie möglich, um den Gatten nicht zu wecken. Nach dem Frühstück und nachdem wir eingerichtet sind, wird erstmal der Einkaufszettel geschrieben und überlegt, was wir essen wollen. Das Abendessen für heute ist aber eh schon klar: Es gibt nochmal Chili. Ansonsten nahmen wir diesmal kaum Lebensmittel mit, müssen also entsprechend viel einkaufen.   

Ich habe vielleicht ein wenig zu viele Oberteile eingepackt ... 

Erstmal das Wohnzimmer umdekorieren. Als ahnte der Gatte das neue Farbkonzept im Haus, passen die mitgebrachten Klemmspots perfekt.

Danach ist erstmal wieder Ausruhen angesagt, erfreulicherweise auf der sonnigen Terrasse. Leider fehlen die Liegen, die es noch im letzten Jahr gab. Ich stricke die Botties* für den Gatten zu Ende und hoffe, dass sie jetzt auch wirklich passen. Inzwischen wurden sie so oft aufgetrennt, dass ich sie eigentlich nur mitnahm, um sie in den Kamin zu werfen, wenn auch dieser Versuch misslingt. 

Ein langer Einkaufszettel.

Nach dem Einkaufen die Sonne auf der Terrasse genießen.

Auch der Abend wird ruhig. Wir spielen Scrabble, reden, der Gatte wirft den Kamin an - und sich zwei Mal hin. Nach langer Zeit stürzt er wieder schwer und wird in den kommenden Tagen auch im Haus wieder auf den Stock angewiesen sein. Ich notiere, dass wir uns nach der Rückkehr um Sturzprophylaxe, Muskelaufbau und Herzsport kümmern müssen, wohlwissend, dass der Gatte keine Lust dazu hat. Also weiter mit Stürzen und Verletzungen leben und hoffen, dass es bei Schürfwunden bleibt. 

Psychedelisches Eis essen.

Teezeit.

An den Botties* weiterstricken in der Hoffnung, dass es diesmal klappt.

Abendschwimmen.

Relativ früh ins Bett, um noch zu lesen. Die Sörensen-Reihe von Sven Stricker macht mir ebenso viel Spaß wie der Film. Damit habe ich nicht gerechnet. Ich lese gerade den zweiten Band, "Sörensen fängt Feuer*", und freue mich auf den dritten Band "Sörensen am Ende der Welt*", der gerade erschien.

* Affiliate links

Sonntag, 19. September 2021

Samstagsplausch KW 37/21: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten LXXVI - LXXIX

Nach einem Jahr waren wir wieder im Urlaub - heiß ersehnt, bis zwei Tage vor Abfahrt auf der Kippe stehend. Hin- und Rückfahrt waren heftig und fast 12 Stunden lang (statt normal mit vielen Pausen maximal sieben), zum einen wegen einer Autopanne, zum anderen wegen chaotischer Umleitungen in Husum, die direkt in Baustellen und Sackgassen führten.

Der Urlaub war anders als sonst, aus vielen Gründen. Normalerweise übernimmt der Gatte Kochen und Haushalt fast komplett, weil ihn das entspannt. Das kann er nicht mehr. Dementsprechend war ich meistens mit Kochen und Haushalt beschäftigt. Ich lernte sogar Feuermachen! Jede Pfadfinderin wäre entsetzt, aber ich hatte es fein warm. Ansonsten ist halt alles von der jeweiligen Tagesform des Gatten abhängig, brauchen wir viel Zeit und Geduld, können nicht wirklich planen. Das sind große Umstellungen für uns beide, aber das werden wir schaffen.

Ich kann Feuer machen! Na ja, zumindest brennt Holz im Kamin, wird das Haus warm.

In der ersten Urlaubswoche stand ungewohnt viel Aktivität an: Das Auto musste repariert werden (das erledigte die örtliche Werkstatt so gut und günstig, dass wir überlegen, nächstes Jahr Inspektion und Urlaub zu verbinden ...), es musste groß eingekauft werden (der Gatte bestand darauf, keine Lebensmittel mitzunehmen, noch nicht mal Grundnahrungsmittel wie Mehl, Reis, Nudeln, und ich war zu müde, es zu diskutieren), es gab ein Treffen mit einer Schweizer Kochfreundin, die zufällig in der Nähe (für dänische Verhältnisse) urlaubte ... Die zweite Woche war bedeutend ruhiger, von einer längeren Tour abgesehen.

Treffen, Restaurantbesuch und Einkaufsbummel zeigten mir, wie sehr ich das vermisste - das hätte ich vorher nicht gedacht! Wieder zu Hause, buchte ich prompt eine Karte für eine Lesung im November. Das wäre dann zum ersten Mal wieder analoge Kultur seit dem 12. Januar 2020! Die Lesung findet unter 2G-Regeln statt, es müssen Masken getragen werden, so dass ich denke, ich kann es wagen. Ich bin gespannt, ob's klappt, denn bis November ist es noch lange hin.

Das Ferienhaus war komplett umgestaltet, was uns überraschte, denn auf den Fotos bei der Buchung war noch alles beim Alten. Ich dachte erst, wir wären im falschen Haus! Das Haus sieht jetzt sehr instagramabel aus ... Wir fühlten uns aber dennoch wohl, klar. Nur werden die Ferienhäuser immer auswechselbarer, wozu auch der Trend, bei Ikea statt bei lokalen Firmen einzukaufen, beiträgt. 

Hier gilt seit mittlerweile 79 Wochen: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause. Unsere Kontakte sind auf das Notwendigste beschränkt, heißt: Arbeit, Ärzte, Einkaufen, Mütter. 

Wir haben einen neuen Mitbewohner.

Dieser Dänemark-Urlaub ist der erste Urlaub seit einem Jahr. Im letzten Jahr hielten wir uns noch sehr von Menschen fern, verzichten auf alle Aufenthalte innen. Das war in diesem Jahr anders, denn in Dänemark sind in der Altersgruppe ab 12 Jahren über 80% geimpft (in der Altersgruppe Ü50 sogar 96%), was Sicherheit gibt. Dennoch war es ungewohnt, sich ohne Maske zu bewegen. Im Gegensatz zum Gatten habe ich nach Anfangsschwierigkeiten schon lange keine Probleme, über Stunden Maske zu tragen, mache ja sogar Sport damit. Jetzt plötzlich gar keine Maske mehr tragen zu müssen, ist für uns beide ungewohnt, war in den ersten Tagen sogar unangenehm. Beim Aufenthalt in großen Menschenmengen bin ich zudem noch immer skeptisch, zumal es in Dänemark praktisch keinen Abstand gibt. In Lokalen sitzt man dann schon mal dicht auf dicht. 

Ruhe, Nordseeluft (und bei mir zwei Stunden täglich Sport) taten uns sehr gut. In der ersten Woche nutzten wir noch nicht mal den Fernseher, sondern saßen lieber lange auf der Terrasse oder spielten Scrabble. Es war schön, endlich mal aus dem permanenten Krisenmodus herauszukommen. Ich genoss auch das Fehlen der täglichen Telefonate mit Mudderns, denn ich richte meinen Alltag schon so ein, dass ich sie täglich zu einer bestimmten Uhrzeit anrufen kann. Vergesse ich das, ist sofort Alarm, telefoniert sie mir hinterher.  

Dadurch, dass ich zur Ruhe kam, merkte ich auch, was mittlerweile 27 Kilo weniger bedeuten. Seit langem guckte ich nicht mehr nach Kladage, weil mir ja eh nichts passte, aber das ist nicht mehr so, und das war verblüffend. Ich kaufte dennoch nichts. Erstmal gehen die zu weiten Klamotten in die Kleiderkammer, und dann wird Bestandsaufnahme gemacht. Es fällt mir schwer, die zu große Kleidung wegzugeben, weil die Angst, plötzlich wieder zuzunehmen, da ist. Sie wird sicher auch bleiben. 

Ich merkte auch, wie fit ich bin. Das liegt weniger an der Gewichtsabnahme als an der endlich behandelten Hormonstörung. Vor einem Jahr konnte ich mich vor Schmerzen kaum bewegen, hielt ich mich nur mit Schmerzmitteln aufrecht. Jetzt ging ich die 47 Meter Stufen des Bulbjergs, also etwa 25 Stockwerke, runter und rauf und dachte nur "War was?!" Ich hoffe, dem Gatten geht's auch bald wieder so!

Am zweiten Tag Rosh haShanah besuchte uns übrigens ein Glücksbote: Der Schornsteinfeger kam, um den Kamin zu warten. Wir lernten: Dänische Schornsteinfeger tragen nicht unbedingt Zylinder, sondern Dreadlocks und Beanie - und sprechen akzentfrei Österreichisch, denn plötzlich erscholl ein kräftiges "Servus!" vom Dach, während wir auf der Terrasse die Sonne genossen. Der junge Mann lernte nämlich in Österreich Deutsch, und sein Auftreten lässt vermuten, dass er dort als Snowboarder war, im Sommer als Surfer unterwegs ist, wenn er keine Schornsteine inspiziert. Es würde zur Gegend passen.

Nach der Rückkehr war ich ziemlich entgeistert über die fehlende Corona-Nachverfolgung. Zwar gab's an der Grenze auf der deutschen Seite den Hinweis, man solle sich auf Corona testen lassen, aber keinen Hinweis auf ein Testcenter in der Nähe. Außerdem bekamen wir eine Bundesregierungs-SMS, dass wir die Test- oder Quarantäneregeln befolgen sollten, aber ob wir das tun, interessiert niemanden. Nun sind wir beide geimpft und machten natürlich einen Test nach Rückkehr, aber das ist sicher nicht die Regel. Und Dänemark ist aktuell kein Risikogebiet, aber bei Reiserückkehrern aus  Risikogebieten wird ja auch nicht überprüft, ob sie sich an die jeweils geltenden Coronaregeln halten.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen in den beiden Urlaubswochen berichte ich demnächst in der Kombüse. 

Montag, 13. September 2021

#12von12 im September 2021

Caro von "Draußen nur Kännchen" sammelt jeden Monat am 12. des Monats 12 Impressionen des Tages - vielen Dank dafür! 

#1: Erstes Frühstück nach dem Schwimmen und Blick in die Weite.

#2: Wäsche waschen. Der Gatte freut sich über ein stark duftendes Waschmittel. Nun ja.

Vor einem Jahr endete an diesem Tag unser Dänemark-Urlaub. In diesem Jahr haben wir gerade Halbzeit. Wir sind im gleichen Haus, am gleichen Ort - sehr entspannend, ein bisschen wie Nachhausekommen. 

#3: Frühstück. Keine Angst, trotz Dauer-Diät gibt es für mich noch mehr als nur Schnittlauch.

#4: Zum ersten Mal seit einer Woche läuft bei uns der Fernseher. Allerdings nicht lange. Ich höre lieber den Bäumen und den Gänsen zu.

Mein Tag beginnt wie üblich früh und im Wasser. Ich genieße es, ein Haus mit Pool zu haben. Jeden Morgen und Abend gibt es eine Stunde Schwimmen und Wassergymnastik. Dann gibt's morgens Kaffee auf der Terrasse. Im letzten Jahr noch kochte der Gatte den Kaffee und machte das Frühstück, während ich schwamm. In diesem Jahr klappt das krankheitsbedingt nur selten. Auch heute koche ich den Kaffee und sitze alleine auf der Terrasse. Der Gatte soll ausschlafen; er hatte eine schlechte Nacht.

#5: Die Strickanleitung aktualisieren.

#6: Die Fliederbeeren sind reif. In Dänemark gilt die "Hutregel": Für den Eigenbedarf darf so viel gepflückt werden, wie in einen Hut passt. Zum Glück ist der Gatte Hutträger.

Es gibt ein spätes Frühstück, vorher wird die Waschmaschine gefüttert. Dann stricken, bis der Gatte sich fit genug fühlt für einen Spaziergang ins Dorf. Dort besorgen wir Kuchen. Holz gibt es praktischerweise nur ein paar Schritte vom Haus entfernt, also kann das Auto heute stehen bleiben.

#7: Sonntagsspaziergang zum købmand zum Kuchenkaufen. Blick von einem der vielen Hünengräber ins Dorf.

#8: Es dauerte fast eine Woche, bis wir die überaktive Fußbodenheizung abgeschaltet bekamen und den Kamin nutzen können.

Auch der Nachmittag wird ruhig. Es gibt Tee und Kuchen. Ich stricke, der Gatte schläft. Irgendwann ist Abendessenszeit. Es gibt Schmorgurken mit Hackbällchen - ich muss heute nicht kochen, sondern wärme nur auf. Vorher war ich noch eine Stunde im Wasser, Schwimmen und Wassergymnastik. 

#9: Zum ersten Mal in diesem Urlaub ist es zu kalt für eine Teezeit auf der Terrasse. Heute gibt es Rådhustærte.

#10: Abendschwimmen.

Der Kamin wird angefeuert, dann gucken wir das heutige Triell - zum ersten Mal seit einer Woche läuft heute wieder der Fernseher. Bislang saßen wir abends auf der Terrasse oder spielten Scrabble.

#11: Dänemark-Gefühl.

#12: Vor dem Einschlafen noch etwas lesen*.

Ich gehe früh ins Bett und lese noch etwas im Krimi "Bittertrauben*" von Karin Joachim. Die Reihe im die Tatortfotografin Jana Vogt und den Kommissar Clemens Wieland spielt im von der Flut zerstörten Ahrtal - also, vor der Zerstörung. Es ist schwer, die Bilder aus dem Buch mit den Bildern der zerstörten Welt in Einklang zu bringen. 

Das Rezept zum Tag gibt's demnächst in der Kombüse. *Affiliate links

Samstag, 19. September 2020

Samstagsplausch KW 38/20: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten XXV

Masken begleiteten uns
auch in den Urlaub.
Der Gatte und ich hatte drei Wochen Urlaub und waren zwei Wochen in Dänemark, in Vestervig / Kærgården auf Thy. 

Zwei Wochen lang genossen wir Ruhe, Abgeschiedenheit und Natur! In der ersten Woche war's sehr sonnig, so dass wir hauptsächlich im Ferienhaus blieben, der Sonne hinterher wanderten und zwischendurch schwimmen gingen, denn ich bestand auf ein Poolhaus. In der zweiten Woche war das Wetter wechselhafter, aber als Hamburger kennt man da ja nichts, so dass wir dennoch meistens auf der Terrasse waren (und zum Aufwärmen gab's Pool und Whirlpool). 

Das Ferienhaus hatte ein riesiges Grundstück, das so bewachsen war, dass wir von den Nachbarn quasi nichts mitbekamen. Das war sehr angenehm, denn in dem Haus, das wir vor drei Jahren mieteten, waren wir kaum ungestört, da u.a. Spazierwege an der Terrasse vorbei führten. Vor neugierigen Blicken waren wir aber auch in diesem Haus nicht gefeit: Uns besuchten eine Ricke mit zwei Kitzen und eine Igelmutter mit drei Jungen. Letztere tobten ab Mittag ohne Scheu durch den Garten.

Während unseres Aufenthaltes gab's einige Volksfeste, die wir normalerweise besucht hätten: Thisted ist die diesjährige Weihnachtsstadt und feierte das mit einem Besuch der Weihnachtsmanngilde. In Vorupør gingen die Weihnachtsmänner dann in der Nordsee baden, und in Hurup wurde ein Troll von Thomas Dambo eingeweiht. Zu viele Menschen, zu wenig Abstand, fehlende Masken, also verzichteten wir darauf genauso wie auf den Besuch eines Kirchenkonzertes in Vestervig und auf die Einkehr in der entzückenden Kaffeestube am Lodbjerg Fyr. Schade, aber better safe than sorry. Es gab auch so genug, was wir unternehmen konnten, ohne zu vielen Menschen zu begegnen.

Nach dem permanenten Krisenmodus der letzten Wochen und Monate taten Ruhe und Zweisamkeit gut. Dem Gatten ging's so gut, dass wir viele Spaziergänge und kurze Wanderungen machen konnten. Meine gesundheitlichen Einschränkungen nahm ich mit in den Urlaub, aber es war aushaltbar. Ich hätte gut noch eine dritte Woche in Dänemark verbringen können, wenngleich ich angesichts der steigenden Infektionszahlen froh bin, dass wir schon wieder eine Woche zu Hause sind (wo die Infektionszahlen leider ebenfalls ungebremst steigen).   

Generell gilt noch immer: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause, inzwischen seit 27 Wochen. Der Gatte ist im sechsten Monat Kurzarbeit. Er ist einen Tag im Büro, ansonsten ist auf Abruf. In der Zeit kümmerte er sich bislang um die Haushaltsauflösung und den Umzug seiner Mutter. Mal gucken, was er zukünftig mit seiner Zeit anfängt, denn die Kurzarbeit wird noch länger andauern. Es gibt allerdings genug zu tun, sowohl bei uns als auch bei Schwiegermutter. 

Ich war 22 Wochen zwei Tage pro Woche im "echten" Büro und arbeitete ansonsten im Heimbüro. Seit Ende der Sommerfreien gilt bei mir allerdings Präsenzplicht, so dass ich jeden Tag ins Büro fahre. Das kostet mich jeden Tag vier bis fünf Stunden durch früheres Aufstehen und einen langen Fahrtweg (theoretisch habe ich maximal 90 Minuten Fahrtweg; praktisch bin ich froh, wenn der HVV die Strecke in drei Stunden schafft). Die drei Projekte, für die ich verantwortlich bin, sind alle auf unterschiedliche Weise von der Pandemie betroffen, aber mein Arbeitsplatz an sich ist sicher, anders als beim Gatten. Da wir die Situation nicht ändern können, hilft nur Gelassenheit.

Das Durchatmen im Urlaub war dringend notwendig, denn nur drei Tage nach der Rückkehr hatte uns der normale Krisenmodus wieder. Der Gatte bekam bei einem Routine-Untersuchung einen schlechten Befund. In drei Wochen wird sich zeigen, ob noch eine OP möglich ist. Nach außen hin ist er gelassen, aber ich vermute, er macht sich auch so seine Gedanken. Hilft aber nichts, da müssen wir durch. Hoffen wir das beste!

Corona war in dieser Woche wieder ganz nah: In Schwiegermutters Seniorenwohnanlage gab's einen Verdachtsfall unter ihrer Tischgruppe. Alle wurden sofort unter Quarantäne gestellt und getestet. Alle Testergebnisse waren Gott sei Dank negativ, so dass die Quarantäne nach zwei Tagen aufgehoben wurde. Eine ihrer Tischnachbarinnen, die von Anfang an beschloss, Schwiegermutter nicht zu mögen, jedes Gespräch auch nur im Ansatz verweigert und sie beflissentlich ignoriert, klebte allerdings einen "Warnhinweis" an Schwiegermutters Wohnungstür, dass sie coronainfiziert wäre. Daraufhin war Stimmung! 

Ansonsten lebt sich Schwiegermutter immer mehr in ihrer Wohnung ein und erkennt / bedauert langsam, was sie alles als vermeintlichen "Sperrmüll" entsorgt haben wollte. Das eine oder andere wird nachgekauft, und alles an materiellem Wert rettete der Gatte. Also nicht tragisch, aber es wäre unnötig gewesen. Aktuell scheint es zudem so, als könne eine weitere OP vermieden werden. Schwiegermutter wirkt zunehmend wieder so wie vor Stürzen, Schlaganfällen und Schädel-Hirn-Trauma. Das ist schön!

In meiner letzten Urlaubswoche hatte ich noch einiges vor, aber Sonntag haute es mich buchstäblich um: Ich konnte plötzlich nicht mehr gerade stehen oder gehen! Kein Hexenschuss, kein Bandscheibenvorfall, sondern Verspannungen. Die kenne ich zwar, seitdem ich in den Wechseljahren bin, aber diesmal halfen weder Ibus noch Wärme, Ruhe, Stufenlage oder Dehnübungen. Mittwoch fuhr mich der Gatte zum Arzt. Da er anschließend selbst zum Arzt musste, konnte er nicht warten, nahm ich ein Taxi zurück. Wer mich kennt, weiß, wenn ich freiwillig Taxi fahre, geht es mir wirklich schlecht. 

Seitdem nehme ich täglich 4.000 mg Novalgin, und seit gestern bin ich wieder einigermaßen beweglich. Ich hoffe sehr auf Hilfe durch die Endokrinologin in der kommenden Woche, denn dass ich seit zwei Jahren quasi durchgehend Schmerzmittel nehme, ist auf Dauer ja kein Zustand. Und diese Dosis toppt alles. Schmerzfrei bin ich dennoch nicht, aber einigermaßen beweglich. Immerhin. 

Zu den vielen schönen Momenten in dieser Woche gehört, dass wir das schöne Herbstwetter nutzten, um im Garten zu arbeiten. Der Gatte beschnitt Hecke und Bäume, während ich im Sitzen alles häckselte. Und gestern, als ich wieder beweglicher war, machte ich die Hochbeete schön. Jetzt warten wir auf Regen, denn eine Forsythie muss ausgegraben und durch den Apfelbaum aus Schwiegermutters Garten ersetzt werden. Die Balkonkästen müssen auch noch herbstfein gemacht werden. Mal schauen, was mir dazu einfällt. In der Schanze ist ein Pflanzenmarkt, da werde ich demnächst mal auf dem Heimweg vorbei schauen.

Zu den schönen Momenten gehörte auch, dass der Gatte die Mitteilung bekam, einem Schwerbehinderten gleichgestellt zu sein. Das ist in Bezug auf die mögliche Suche nach einem neuen Arbeitsplatz wichtig und eine große Erleichterung. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Einkaufen und Kochen im Urlaub berichte ich in der Kombüse. Bleibt zu Hause, bleibt gesund, passt auf euch und eure Lieben auf.

Samstag, 5. September 2020

#WMDEDGT 9/20: Har du karvefrø?

Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln!

Frühschwimmen. Der Gatte bereitet derweil das Frühstück zu.
Der Regen hat sich verzogen, wir können einen Ausflug machen.
Moment, es hatte doch aufgehört zu regnen?!

Diesen Monat gibt's eine Foto-Edition, denn wir sind im Urlaub. Der Tag beginnt regnerisch. Den geplanten Ausflug samt Wanderung brechen wir ab, denn wir haben keine Lust, durch den Regen zu laufen. Im Ferienhaus warten Bücher, Lego und Strickzeug.

Während der Gatte am Lego Steamboat Willie* baut, beschäftige ich mich mit einem Nanoblock Hasen*. Im Vergleich zu Lego (links) sind die Steine winzig.
Wieder warten, dass der Regen aufhört.

Mal gucken, ob der Fjord noch da ist.

Auf der Terrasse weiterlesen*.
Postkarten schreiben.
Nachmittags klart es auf, und nach einem Spaziergang zum Fjord machen wir uns auf, um in diversen Supermärkten nach Schwarzkümmel zu suchen. Vergeblich. Es gibt nur Kreuzkümmel. Wir vermuten, Schwarzkümmel kommt direkt in den Aquavit und nicht in den Verkauf. Der Gatte beschließt, dass dann eben in den Kohleintopf, den er heute kocht, Aquavit kommt. Nun ja.

Dänemark ohne Matilde geht nicht. Die Packung macht mir klar: Wir kennen uns tatsächlich schon 50 Jahre.

Abendschwimmen. Der Gatte bereitet währenddessen das Abendessen zu.
Abendessen.
Kamin gucken.

Der Abend klingt am Kamin aus. Vor uns liegt noch eine Urlaubswoche.

* Affiliate links

Montag, 11. September 2017

Strand-Impressionen aus Agger (Dänemark)

Von unserem Ferienhaus aus erreichten wir die Nordsee in Agger nach einer kurzen Rad- oder Autofahrt. Die Radwege rund um Vestervig sind meistens asphaltiert und lassen sich sehr gut fahren. Selbst dort, wo es nur einen schmalen Streifen an der Straße gibt, fahre ich gerne Rad, denn anders als in Hamburg nehmen die dänischen Autofahrer Rücksicht auf Radfahrer.

Wellen brechen sich an einer Mole.
Strand.
Das Örtchen Agger liegt an der westlichen Einfahrt in den Limfjord und hat etwa 400 Einwohner. Als wir im Juni dort waren, waren noch kaum Touristen da, waren De Sorte Huse ("Die schwarzen Häuser") und das Fischereimuseum noch geschlossen. Uns stand ohnehin der Sinn mehr nach Strand.

Strand.
Strand.
Agger hat Dänemarks längsten Behindertenpfad, ein befestigter Weg, der vom Strand weg entweder ins Naturschutzgebiet Agger Tange oder zum Leuchtturm nach Lødbjerg führt. Für alle, die nicht so gut zu Fuß sind, Rollstuhl oder Rolator nutzen oder Kinderwagen schieben, ist das wunderbar, und auch wir freuten uns über einen einfach zu erreichenden Strand (in Holmsland Klit müssen ja erst mühselig Dünen bezwungen werden, um zum Strand zu gelangen).

Blick über Strand und Behindertenpfad Richtung Agger Tange.
Eine der Figuren von Jens Erik Jeldsen.
So ruhig und beschaulich Agger wirkt, so viele Überraschungen hält der Ort auch bereit: Es gibt viel Kunst, Kultur und Musik. Im Mai findet das Heavy-Metal-Festival statt, im Sommer das Musikfestival "Cold Hawaii" und das Hafenfest. Es gibt Kirchenkonzerte, außerdem trifft man sich zum Singen am Strand, Künstler und Kunsthandwerker wollen entdeckt werden ...

Am Strand.
Blick auf's Meer.
Vor zwei Jahren gab es ein Skulpturenfestival mit internationalen bildenden Künstlern. Einer der Künstler ist Jens Erik Kjeldsen. Die Werke des Grönländers, der überwiegend mit Lemvig-Granit arbeitet, schmücken den Behindertenpfad am Strand. Mir machte es Spaß, immer mal wieder einen Blick auf die Figuren zu werfen.

Kunst an der Mole.
Blick auf's Meer: Denkmal für die Fischer und ihre Familien.
Wie gesagt: Als wir Anfang Juni in Agger waren, war es noch sehr ruhig, hatten wir den Strand phasenweise für uns ganz alleine. Nach dem Strandspaziergang kehrten wir gerne in die Vesterhavshytten auf ein Eis oder einen Hotdog ein, und auf der Heimfahrt hielten wir gerne beim købmand.

Freitag, 4. August 2017

Impressionen aus Vestervig (Dänemark): Klostermøllen - die Klostermühle

Neben der Kirche ist auch die historische Klostermühle eine weithin sichtbare Landmarke Vestervigs. Beide waren uns bei unseren Touren immer wieder Orientierungspunkte und signalisierten, dass wir bald wieder in unserem Ferienhaus sind.

Klostermøllen. Heute betritt man die Mühle durch den Keller (im Wall).
Die Holländerwindmühle gegenüber der Kirche wurde 1860 erbaut und tat bis 1960 ihren Dienst. Anfangs wurde dort ausschließlich das Getreide des Klosters zu Mehl gemahlen, bis die Mühle 1909 verkauft wurde und alle Bauern aus der Umgebung ihr Getreide dorthin bringen konnten. Das Geschäft lief gut; die Mühle wurde vergrößert, Land und ein Futtermittelhandel kamen dazu.

Blick in den ehemaligen Mühlenkeller, heute Museumseingang. Neben allerlei Infoblättern kann man dort auch "Mühlenwein" kaufen, chilenischen Wein mit einem Foto der Mühle.
Die Klostermühle ist ein sogenannter Wallholländer, was heißt, dass die Mühle auf einem Wall erbaut wurde, um den Wind besser ausnutzen zu können. Im Wall ist der Keller, durch den man die Mühle heute betritt. Früher wurde hier das Getreide an- und das Korn ausgeliefert. Es gab keine Durchfahrt, was An- und Auslieferung mühsam machte.

Ausstellungsstück. An bestimmten Tagen wird in der Mühle immer noch gemahlen.
Auf dem ersten Mühlenboden.
1964 wurde die Mühle unter Denkmalschutz gestellt, und ein Jahr später kauften Vesterviger Bürger die Mühle, um sie als Kultur- und Industriedenkmal zu erhalten. Bis zur Restaurierung dauerte es dann nochmal über 20 Jahre, aber seit 1991 ist die Mühle für die Öffentlichkeit zugänglich. Ein Verein kümmert sich um die Mühle und ihren Erhalt.

Klostermøllen.
An besonderen Tagen (zum Bespiel dem dänischen Mühlentag am zweiten Sonntag im Juli) gibt es Veranstaltungen. Wenn der Wind es zulässt, wird dann auch gemahlen und Mehl verkauft. Ansonsten kann man zwischen Juni und August täglich das Innere gegen einen kleinen Obolus betreten und auf eigene Gefahr die einzelnen Böden erkunden.

Klostermøllen und Kirche.
Es gibt kleine, ausführliche Infotafeln. Von den kleinen Fenstern hat man einen wunderbaren Ausblick auf den Fjord. Draußen gibt es einen Picknickplatz (ohne den geht in Dänemark ja irgendwie gar nichts) und umfangreiche Informationstafeln zur Geschichte der Windmühle, des Kloster und der Region.