Samstag, 9. November 2019

Samstagsplausch KW 45/19: Wollkenkratzer in Frankfurt (Yarncamp 2019)

Letztes Wochenende war ich in Frankfurt auf dem diesjährigen Yarncamp, einem Treffen von Strickbekloppten. Ein paar Impressionen gibt es auf meinem Instagram-Account - diesmal blogge ich nicht zu den beiden Tagen (hier die Impressionen vom ersten Tag und vom zweiten Tag aus dem letzten Jahr).

Entlang der Wollkenkratzer fährt auch ein Bus. 
Ein weiteres liebevolles Wollkenkratzer-Detail.
Katz und Maus.
Bis zur Abfahrt des Zuges war nicht klar, ob ich tatsächlich fahren kann oder ob mir Wechseljahre und Mütter einen Strich durch die Rechnung machen, und Sonnabend überlegte ich, früher zurückzufahren, aber dann konnte ich doch noch den zweiten Tag bleiben (und sogar mit einer lieben Bekannten bis fast ganz nach Hamburg zusammen zurückfahren).

Das Projekt im Überblick. Es ist 13 Meter lang.
Noch ein Gesamtblick. Auf dem flatternden weißen Plakat stehen sämtliche URL des Projekts. 
Der Zeppelin trägt die Aufschrift "Wollkenkratzer" und hat unten auf der Straße ein eigenes Verkehrsschild "Achtung, Zeppelin".
Absoluter Höhepunkt des diesjährigen Yarncamps war das Projekt Wollkenkratzer, ein Yarn Bombing, für das die Idee während einer Session mit Elke von Gassenmaschen im letzten Jahr geboren wurde. Ursprünglich wollte ich bei dem Projekt mitmachen, aber Mammutprojekt und Mütter fressen momentan alle Kapazitäten.

Straße und Wollkenkratzer.
"Wollkratzer" ist ein ca. 13 Meter langes Strick-Graffiti vor dem Café der Schirn Kunsthalle mitten auf dem Römer in der Neuen Altstadt. Das komplett gehäkelte und gestrickte Bild zeigt eine Straßenzene mit Wolkenkratzern, Autos, Hunden, Fahrrädern, Zeppelin, Straßenschildern, Eiswagen, Wollgeschäft, Bäumen ...

Groß und Klein gucken ganz genau hin. 
Busspur und Regenbogenzebrastreifen dürfen nicht fehlen.
Alles ist aus dem robusten und wetterfesten Acrylgarn Schachenmayr Bravo gehäkelt oder gestrickt. Als im letzten Jahr die Idee zu einem Yarncamp-Yarn Bombing geboren wurde, erklärte sich Schachenmayr sofort bereit, die Wolle zu sponsorn. Die einzelnen Teile sind mittels Kabelbinder auf wetterfest lackierten, mit Strick überzogenen Holzplatten  befestigt, und die Wolkenkratzer wurden um die Säulen herum genäht. Alles lässt sich rückstandsfrei entfernen. Einer der Initiatoren schaut täglich vorbei und hat ein Auge auf den Zustand des Projekts.

Blick von unten auf den Zeppelin.
Eine weitere Straßenszene.
Schlangestehen, um alles zu sehen.
In der Nacht zum 1. November wurde das Strick-Graffiti angebracht - beim strömendem Regen. Auch am nächsten Tag blieb der Himmel grau, aber jedem, der an der Installation vorbeikam, wurde ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Das war auch am Sonntag so, als ich ein Viertelstündchen dort saß und einfach nur den Menschen zusah, wie sie das Strick Graffiti betrachteten.

Es gibt ein neues Verkehrsschild: "Achtung, Wolle".
Der Henninger Turm.
Natürlich darf auch ein Wollgeschäft nicht fehlen - für das absolute Wollgefühl.
Da bildeten sich Schlagen, weil alle an dem Straßenzug vorbei wollten, da bildeten sich Staus, wenn jemand ein Detail ganz genau betrachten sollte, da wurden Selfies gemacht, und als jemand mitbekam, dass die Graffiti-Gestalter vor Ort waren, stand eine italienische Reisegruppe an, um jedem die Hand zu geben. Da waren Vater und Sohn, die einmal das ganze Projekt abgingen, um jedes Detail anzusehen, dann umkehrten und sich ein zweites Mal einreihten, um Fotos zu machen ... 

Detail.
Anfassen erlaubt.
Detail.
Überhaupt, die Männer: Die waren von dem Strick Graffiti völlig fasziniert, mehr noch als die sie begleitenden Frauen - und die Männer waren sicher nicht alle Modellbauer (die erkennt 'ne Modellbauer-Gattin auf den ersten Blick). Die Detailtreue zog Männer geradezu magisch an.

Alle fotografieren. Übrigens sind die Hochhausfenster unterschiedlich gestaltet. Auch da gibt es viel zu entdecken.
Die Autos sehen so knuffig aus! Einige haben sogar Gesichter, scheint's.
Dieser Beitrag geht zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Ein schönes Wochenende und eine gute Woche!

Dienstag, 5. November 2019

#WMDEDGT 11/19: Ponyhof

Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln!

Ich habe heute einen Termin eine Stunde vor meinen regulären Dienstbeginn und dann auch im Norden Hamburgs, also muss ich anderthalb Stunden eher aufstehen, mich beeilen und auch anderthalb Stunden eher los, um Bus- und S-Bahn-Ausfälle aufzufangen.

Der Bus ist pünktlich, ausnahmsweise mal ein Gelenkbus, so dass ich trotz der Fülle einen Sitzplatz finde. Die S-Bahn ist mal wieder gestört. Ich beglückwünsche mich zu meinem halbstündigen Puffer. Am Dammtor zeigen mir meine Wechseljahre zum ersten Mal, wer hier heute das Sagen hat. Schnell ist klar: Irgendwie den Vier-Stunden-Termin durchstehen und dann ab nach Hause.

Bis ich am Ziel bin, schmilzt der halbstündige Puffer auf fünf Minuten zusammen, aber die reichen noch, um schnell ein Rosinenbrötchen zu kaufen und zu essen, während ich mit einem Kollegen auf den Chef warte, damit wir gemeinsam auftreten können. Als Chef da ist, melde ich mich gleich schon mal nach dem Termin ab. "Warum hast du nicht abgesagt?" - Öhm, ich bin die einzige, die weiß, wie sie das Projekt haben will. Wenn ich ausfalle, müssen wir einen neuen Termin mit sechs Leuten finden, und die Zeit läuft uns eh schon weg - wie kann ich da absagen, solange ich noch irgendwie in die Senkrechte komme?!

Beim Projekt bin ich in der Ponyhof-Phase: Ich sage, was ich will, und alle anderen gucken, wie sie es umsetzen. Das sorgt beim Gesprächspartner für Freude, denn der arbeitet mit einer Ponyhof-Wunschliste. Darauf notiere ich jetzt alles, was mir für das Projekt einfällt und lege den Zettel meinem Kollegen hin, der sich um die technische Umsetzung kümmern darf.

Ich bringe den Termin hinter mich, irgendwie - in drei Stunden statt der eingeplanten vier. Später höre ich, ich wäre mega professionell gewesen. Wie gesagt: Es ist mein Projekt, es steht und fällt mit mir. Schwächeln ist nicht. jedenfalls nicht vor der Pressekonferenz im Sommer nächsten Jahres. Für den Tag danach steht allerdings schon sicherheitshalber "Nervenzusammenbruch" in meinem Terminkalender.

Anderthalb Stunden später bin ich wieder zu Hause, mache mir ein Brot, freue mich, dass mir der Gatte noch Kaffee in der Thermoskanne ließ, werfe die Waschmaschine an und lege mich hin. Kurz bevor der Gatte nach Hause kommt, wache ich wieder auf. Ich tausche die Wäsche in der Maschine, hänge die erste Ladung auf und mache es mir mit Strickzeug vor dem Fernseher bequem.

Der Gatte ist zu Hause, erzählt von seinem Tag, wir machen in der Küche klar Schiff und freuen uns, dass das Abendessen schon fertig ist: Es gibt den Eintopf vom Vortag.

Der Dienstag gehört dem Doctor, also fernsehen, stricken und früh ins Bett, denn der nächste Tag wird lang, zumindest, wenn meine Wechseljahre Ruhe geben.

Donnerstag, 31. Oktober 2019

Wassermelonensocken aus Farbverlaufsgarn der Garnmanifaktur

Passend zum Wassermelonen-Tuch bestellte ich mir auch die Sockenwolle. Ich war skeptisch, ob die Menge auch bei mir reicht, denn wegen meiner fetten Waden stricke ich die Socken ja über 96 M statt 64 M, und deswegen entschied ich mich sicherheitshalber für die Garnmenge, die ab Größe 42/43 empfohlen wird. Das reichte bei mir geradeso für Größe 40.

Wassermelonensocken.
Anders als es die Anleitung vorsieht, strickte ich den Bund mit 2 re / 2 li und arbeitete eine klassische Käppchenferse mit Hebenmaschen. Die sitzt bei mir einfach am Besten.

Immer noch die Wassermelonensocken.
Außerdem schlug ich, wie schon erwähnt, 96 M an, arbeitete den Schaft nach 20 Rd Bundmuster über 100 Rd und begann ab Rd 10 in jeder 10 Rd 1 M re zusammenzustricken, bis es insgesamt noch 64 M waren. So haben meine Waden Platz und am Fuß sitzen die Socken trotzdem gut.

Die Socken gegen rüber zur Linkparty "Du für Dich am Donnerstag". Vielen Dank für's Sammeln!

Dienstag, 29. Oktober 2019

Der Verspätungsschal im September

Ich hänge mit den Beiträgen zum Verspätungsschal noch immer mächtig hinterher. Irgendwie schaffe ich es zurzeit selten, Fotos bei gutem Licht zu machen - gutes Licht und meine Tagesabläufe passen seit Wochen nur selten zueinander. Der Oktoberbeitrag wird ebenfalls noch etwas auf sich warten lassen, denn ich schaffe es momentan einfach nicht Rocailles für die Verspätungen ab 21 Minuten zu besorgen - und die gibt es zurzeit reichlich.

Wie ich zu dem Projekt kam, kannst Du hier nachlesen. Alle Beiträge zu dem Projekt findest Du hier.

Im September hatte ich Urlaub und war oft malad, deswegen kam ich nur auf 18 Fahrten mit 84 Minuten Verspätung, also 4,67 Minuten pro Fahrt. Die längste Verspätung waren 12 Minuten. Zusammen mit dem Mai war's bislang der entspannteste HVV-Monat. Das lag auch daran, dass ich an kritischen Tagen (Stadtderby, Fridays for Future-Großdemo mit anschließenden S-Bahn- bzw. Straßenblockaden) entweder mit dem Schnellbus statt mit der S-Bahn fuhr oder ohnehin bis spät abends arbeiten musste - bis dahin hatten sich die Blockaden erledigt.

Im September zeigt der Verspätungsschal nur hellgelbe, gelbe und orange Streifen, keine roten. Die Verspätungen hielten sich also im Rahmen.
Als ich mich mit einer normalerweise radfahrenden Kollegin über den HVV unterhielt, war ich wieder froh, das Geld für einen Parkplatz am Flughafen ausgegeben zu haben, anstatt die Strecke mit S-Bahn und Bus zu fahren. Die Kollegin brauchte nämlich am späten Abend aufgrund der Kofferwartezeit am Flughafen, diverser Streckensperrungen und SEV für den Flug Lissabon - Hamburg genau so lang wie für die ÖPNV-Fahrt von Fuhlsbüttel nach St. Pauli.

Dieser Beitrag geht rüber zu den Linkparties Dings vom Dienstag und Handmade on Tuesday. Danke an alle für's Sammeln!

Montag, 28. Oktober 2019

Der Gotenhof (Steckelhörn 12)

Montags gegen Nazis.
Montags erinnere ich daran, was passiert, wenn es mit der Demokratie bergab geht und wie es anfing, denn die Nazis fielen ja nicht 1933 vom Himmel. Die krochen schon Jahre vorher aus ihren Löchern, wurden nicht rechtzeitig aufgehalten, auch, weil man sie nicht ernst nahm, dachte, es wird schon nicht so schlimm.

Wurde es aber.

In loser Folge gibt's hier also montags Kunst und Denkmäler gegen Faschismus, Nationalismus und Rassismus. Orte, die daran erinnern, gibt es nicht nur in unserer Stadt genug, denn wie gesagt: Wir hatten das schon mal.

Wie es zu dieser Beitragsreihe gekommen ist, kannst Du hier nachlesen. Alle Beiträge aus dieser Reihe findest Du, wenn Du hier klickst.

In der enge Straße Steckelhörn kommt das Kontorhaus "Gotenhof" gar nicht so richtig zur Geltung. Der gerundete massige Bau mit der kunstvoll expressionistisch gestalteten Klinkerfassade verdiente eine breitere Straße.

Das zwischen 1929 und 1930 erbaute Kontorhaus "Gotenhof".
Ursprünglich standen hier Fachwerkauten, Wohnhäuser und Speicher, teils noch aus dem Mittelalter, die abgerissen werden, damit der "Gotenhof" zwischen 1929 und 1930 nach Plänen des Architekten Karl Stuhlmanns erbaut werden kann. Angesichts der Wirtschaftskrise kann nur ein kleiner Teil des Kontorhauses vermietet werden. Die Erbauergesellschaft gerät in finanzielle Schwierigkeiten, das Gebäude wird zwangsversteigert und von der Stadt gekauft. 1931 ziehen das Statistische Landesamt und die Jugendbehörde ein - ersteres hat dort bis heute seinen Sitz.

Ab 1933 kommt dem Jugendamt eine maßgebliche Rolle bei der Vorbereitung und Umsetzung der NS-Euthanasie bzw. der rassenhygienischen Fürsorge in Hamburg zu. Es ist beispielsweise für die Entscheidung  über Einweisung von sogenannten "unerziehbaren" Jugendlichen in ein Jugend-KZ zuständig, entscheidet aber mit Stellungnahmen auch die die Sterilisation von Kindern und Jugendlichen. Verweigern sich die Angehörigen einer Sterilisation, werden sie umgangen, indem das Jugendamt den Antrag stellt und das Gesundheitsamt alles weitere veranlasst.

Mit Regierungsrat Paul Ellerhusen verfügt die Behörde ab 1934 über einen leitenden Angestellter, der als ehemaliger Kommandant des KZ Fuhlsbüttel durch Folter bekannt wird - so bekannt, dass die Staatsanwaltschaft einschaltet und Ellerhusen ins Jugendamt versetzt. 1950 wird der 63jährige zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt, muss die Strafe aber nicht vollständig verbüßen, sondern wird vorzeitig entlassen.

Im Oktober 1936 entwirft mit dem 36jährigen Heinrich Lottig ein Leitender Oberarzt der Behörde eine "Wertungstabelle" mit sechs Kategorien als Grundlage für die Entscheidungsfindung zur Sterilisierung. Diese "Wertungstabelle" wird von anderen Kommunen übernommen. Lottig meldet sich 1940 an die Front und fällt ein Jahr später.

1938 wird der 52jährige Paul Prellwitz Direktor des Jugendamtes. Der Antisemit tritt bereits 1925 in die NSDAP ein und macht nach der Machtübernahme schnell Karriere. Prellwitz führt das Amt hierarchisch, wird schnell zum Senatsdirektor befordert und schließlich ständiger Vertreter des Präsidenten der Fürsorgebehörde. 1945 wird Prellwitz im Alter von 59 Jahren aus dem Staatsdienst entlassen. Juristisch wird er nicht belangt. 

Im "Gotenhof" erinnert heute nichts mehr an die Zeit, als hier darüber entschieden wurde, welche Menschen ein Recht auf Leben haben und welche nicht.

Donnerstag, 24. Oktober 2019

Wassermelonentuch aus einem Farbverlaufsbobbel der Garnmanufaktur

Tücher, vor allem dreieckige, sind nicht so meins. Ich mag lieber Schals. Aber dieses Tuch sieht aus wie eine Scheibe Wassermelone, da musste ich einfach schwach werden. Und halbrund ist ja schließlich nicht dreieckig, nich?

Wassermelonentuch mit Herbstlaub vor Konifere.
Das Tuch in voller Breite.

Gespannt.
Anleitung und Garn sind aus "Stricken mit Farbverlaufs-Bobbeln Vol. 4*". Die Anleitung passte auch für meine Konfektionsgröße. Ich strickte insgesamt 212 Reihen - zwei, drei weniger hätten auch gereicht.

Das Tuch im Werden am 6. Juli 2019.
Das Tuch im Werden am 12. Juli 2019.
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Dienstag, 22. Oktober 2019

Schnelle Abschiedskarte für eine kochbegeisterte Kollegin

Aus der Reihe "Was Sekretärinnen können, können nur Sekretärinnen oder warum frau immer Einwegbesteck am Platz haben sollte":

Die Abschiedskarte mit Einwegbesteck.
"Du, sachma, die G. feiert doch nachher ihren Abschied. Hamwa da eigentlich 'ne Karte zum Geschenk?"

"Öhm, keine Ahnung, ich hab' mich um nichts gekümmert, nur Geld für's Geschenk gegeben."

"Das ist jetzt blöd. Kannste schnell runter, eine kaufen? Ist sonst keiner da."

"Nee du, ich kann hier auch nicht weg, muss da was im Blick behalten. Aber warte mal, ich hab' da 'ne Idee. Bin gleich bei dir."

Die Kollegin, die verabschiedet wurde, kocht gerne (und traumhaft gut) und bekam zum Abschied eine Auswahl an Essig- und Ölsorten sowie Gewürzen.

Messer und Gabel vorsichtig durchbohren und eine Musterbeutelklammer durchstecken.
Im Büro ist meine Werkzeugauswahl auf Inbusschlüssel, Schere, Locher, Tacker, Brieföffner und Nagelfeile beschränkt. Das Loch durch Messer und Gabel bohrte ich mit einer Schere, steckte mit einer Musterbeutelklammer alles zusammen, faltete ein Stück 160g-DinA4-Papier zur Hälfte, bohrte vorsichtig ein Loch mittig durch die Vorderseite und steckte das Besteck hinein.

Das Besteck in die gewünschte Position bringen und in die Vorderseite der Karte stecken.
Während ich bastelte, suchte die Kollegin noch eine nette Zeichnung für die Innenseite, um das Loch mit der Musterbeutelklammer zu verdecken, und einen Abschiedsspruch. Fertig war die Grußkarte.

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Montag, 21. Oktober 2019

Stolperstein für Claudius Gosau in der Woltmanstraße 14

Montags erinnere ich daran, was passiert, wenn es mit der Demokratie bergab geht und wie es anfing, denn die Nazis fielen ja nicht 1933 vom Himmel. Die krochen schon Jahre vorher aus ihren Löchern, wurden nicht rechtzeitig aufgehalten, auch, weil man sie nicht ernst nahm, dachte, es wird schon nicht so schlimm.

Wurde es aber.

In loser Folge gibt's hier also montags Kunst und Denkmäler gegen Faschismus, Nationalismus und Rassismus. Orte, die daran erinnern, gibt es nicht nur in unserer Stadt genug, denn wie gesagt: Wir hatten das schon mal.

Wie es zu dieser Beitragsreihe gekommen ist, kannst Du hier nachlesen. Alle Beiträge aus dieser Reihe findest Du, wenn Du hier klickst.

Ein Zeitlang blickte ich von meinem Bürofenster direkt auf eine in den 1860er Jahren erbaute Häuserzeile in der Woltmanstraße. Vorm Eingang von Nummer 14 liegt ein Stolperstein für Claudius Gosau. Über ihn (und seine Familie) ist verhältnismäßig wenig bekannt.

Blick auf die (eigentlich denkmalgeschützten) Häuser der Woltmanstraße, die zwar die Bombardierungen des Zweiten Weltkriegs überlebten, nicht aber die aktuelle Baupolitik.
Gosau wird 1892 in Dithmarschen geboren und lebt bis 1938 in Heide. Er leistet Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg, wird mehrfach schwer verwundet, verdient in der Weimarer Republik sein Geld meistens als Bauarbeiter, ist seit 1915 mit Marianne Hansen verheiratet und Vater zweier Kinder.

Der Stolperstein für Claudius Gosau in der Woltmanstraße 14.
In den 1920er Jahren wird Gosau KPD-Mitglied und leitet den Musikzug der Partei. 1930 wird er aus der Partei ausgeschlossen, aber dessen ungeachtet nach Machtübernahme der Nazis im April 1933 aus politischen Gründen verhaftet, scheint aber nicht im organisierten politischen Widerstand aktiv zu sein.

1938 zieht die Familie nach Hamburg, in die Woltmanstraße 14. Vermutlich hofft sie, in der anonymeren Großstadt weniger aufzufallen als im kleinen Heide, wo die politische Einstellung von Claudius Gosau hinlänglich bekannt ist.

Blick auf den Hauseingang Woltmanstraße 14.
Der 22jährige Sohn Wilhelm bleibt in Heide, wo er als Landarbeiter tätig ist. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wird Wilhelm Gosau "aus erzieherischen Gründen" verhaftet und im Juli 1943 in Auschwitz ermordet.

Claudius Gosau findet Arbeit als Lokführer bei der Firma Gottlieb Tesch in Bremen-Farge. Der Betrieb errichtet dort ab 1938 ein unterirdisches Tanklager, unterhält ein eigenes Lager, in dem Zivilarbeiter wie Gosau, aber auch Häftlinge eines Gestapo-Arbeitserziehungslager untergebracht sind. Auf dem Gelände befinden sich mehrere Lager, u.a. auch ein Außenlager des KZ Neuengamme (das Gelände ist heute Teil des Denkortes Bunker Valentin).

Gosau führt mit seinen Kollegen offene Gespräche über den Kriegsverlauf und macht aus seiner politischen Einstellung keinen Hehl. Am 17. September 1943 wird der 51jährige nach Denunziation festgenommen und wegen Hochverrats sowie Wehrkraftzersetzung vor dem Volksgerichtshof angeklagt. Am 11. Februar 1944 wird Claudius Gosau zum Tode verurteilt und am 6. März 1944 in Brandenburg-Görden hingerichtet. 1946 wird seine Urne im Ehrenhain Hamburger Widerstandskämpfer auf dem Ohlsdorfer Friedhof beigesetzt.

Dienstag, 15. Oktober 2019

HSV-Handstulpen im Nilpferd-Glas (Upcycling)

Zwei Jahre lang arbeitete ich mit einem eingefleischten HSV-Fan zusammen, und als die Kollegin den Aufgabenbereich wechselte, wünschte sie sich Handstulpen und einen Aschenbecher für die Raucherecke im neuen Büro.

Handstulpen mit der typischen HSV-Raute.
Der Aschenbecher ist ein altes Schraubdeckelglas - irgendwann bekam ich mal mit, dass der Raucherclique das bisher genutzte Glas abhanden gekommen war, weil irgendjemand es samt Kippen wegwarf, und brachte ihnen ein leeres Glas mit, denn die gibt es bei uns reichlich.

Ein leeres Schraubdeckelglas wird zum Aschenbecher umfunktioniert - und woher zur Geschenkverpackung).
Da die Kollegin nicht nur den HSV mag, sondern auch Nilpferde, ziert den Aschenbecher ein rauchendes Nilpferd. Und um das Upcycling perfekt zu machen, nutzte ich den Aschenbecher auch gleich noch als Geschenkverpackung für die Stulpen.

Beide Handstulpen. Und: Ja, Farbwechsel beim Musterstricken kann ich immer noch nicht ordentlich.
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Montag, 14. Oktober 2019

Fischertwiete 1 und 2: Chilehaus A und B

Montags gegen Nazis.
Montags erinnere ich daran, was passiert, wenn es mit der Demokratie bergab geht und wie es anfing, denn die Nazis fielen ja nicht 1933 vom Himmel. Die krochen schon Jahre vorher aus ihren Löchern, wurden nicht rechtzeitig aufgehalten, auch, weil man sie nicht ernst nahm, dachte, es wird schon nicht so schlimm.

Wurde es aber.

In loser Folge gibt's hier also montags Kunst und Denkmäler gegen Faschismus, Nationalismus und Rassismus. Orte, die daran erinnern, gibt es nicht nur in unserer Stadt genug, denn wie gesagt: Wir hatten das schon mal.

Wie es zu dieser Beitragsreihe gekommen ist, kannst Du hier nachlesen. Alle Beiträge aus dieser Reihe findest Du, wenn Du hier klickst.

Das Chilehaus, seit 2005 Unesco-Weltkulturerbe, ist fester Bestandteil von Stadtrundfahrten und vieler Stadtführungen, eines der weltweit am meistens fotografierten Architekturmotive und eines der Hamburger Wahrzeichen. Erbaut wird das Kontorhaus zwischen 1922 und 1924 für den Unternehmer Henry B. Sloman nach Plänen des Architekten Fritz Höger. Es ist eines der prägnantesten Beispiele für den Backstein-Expressionismus der 1920er Jahre.

Das Chilehaus (Detail).
Schon die schieren Daten sind beeindruckend: 4,8 Millionen Bockhorner Klinker und 750 Güterwagen Zement werden für den Bau, der auf über 1.000, bis zu 16 Meter langen Eisenbetonpfeilern mit einer Gesamtlänge von 18.000 Metern ruht, benötigt. Das Gebäude hat eine Grundfläche von fast 6.000 qm², ist 10 Etagen hoch und hat 2.800 Fenster.

Erbaut wird das Chilehaus auf zwei Grundstücken links und rechts der Fischertwiete, übrigens die älteste noch erhaltene Straße Hamburgs, die bogenförmig überbaut wird. Bis 1922 befindet sich hier eines der Gängeviertel der Stadt, wo Menschen unter prekären Bedingungen auf engstem Raum leben. Sie werden umgesiedelt.

Das Chilehaus verfügt über drei Eingänge, die das Gebäude in die Komplexe A, B, und C gliedern. In allen drei Eingängen, die zu regulären Bürozeiten geöffnet sind, finden sich noch die alten Hinweistafeln auf die ursprünglichen Mieter.

Blick auf den Eingang in den Komplex Chilehaus B, Fischertwiete 1.
Im siebten Stock des Chilehaus B (Fischertwiete 1) befindet sich 1933 das Architekturbüro Dyrssen & Averhoff. Friedrich Dyrssen ist Vorsitzender des Hamburger Landesgruppe des Bundes Deutscher Architekten und setzt ab 1933 die sogenannte Gleichschaltung des Landesverbandes um, d. h. das Berufsverbot für jüdische Architekten. 1934 schied Dyrssen aus dem Amt, bleibt aber als Architekt tätig und orientiert sich gemäß NS-Vorgabe an Stil der Heimatschutzarchitektur.

Historische Übersicht der Mieter mit den Buchstaben A bis K im Chilehaus B.
Das Büro Dyrssen & Averhoff ist maßgeblich an Planungen für das "neue Hamburg", das nach dem "Endsieg" der Nationalsozialisten entstehen soll, beteiligt sowie mit Instandsetzungen und Bau von Hochbunkern beschäftigt. Dyrssen & Averhoff werden zu "Vertrauensarchitekten" der Deutschen Arbeitsfront ernannt und dem Wohnungsbauunternehmen SAGA als Berater in städtebaulichen und technischen Fragen zur Seite gestellt. Nach der Befreiung erhält das Büro von der SAGA Aufträge für Wiederaufbau und Neubau.

Historische Übersicht der Mieter mit den Buchstaben L - Z im Chilehaus B.
Im November 1944 befindet sich gemäß unterlagen der Behörde für Ernährung und Landwirtschaft ein Zwangsarbeitslager der Firma Völker / Walter Rohrleitungsbau im Chilehaus B. Verzeichnet sind 22 Essensteilnehmer. Das Lager ist eines von über 1.100 Lagern, verstreut über das gesamte Hamburger Stadtgebiet, in denen zwischen 1939 und 1945 bis zu 500.000 Männer, Frauen und Kinder Zwangsarbeit in der Hamburger Kriegswirtschaft leisten müssen.

Gegenüber, in der Fischertwiete 2, befindet sich das Büro des 1895 geborenen und 1993 verstorbenen Ricardo Slomans, eines der vier Kinder des Bauherren des Chilehauses, und seiner Frau Renata Hilliger. Der Kaufmann ist ein Antisemit, der mit seinen Schriften dazu beiträgt, den Geist des Nationalsozialismus zu verbreiten und sein Gedankengut mit Titeln wie "Selbstmord der weißen Kulturvölker" bis in die späten 1950er Jahre verbreitet. Seine Thesen finden sich bis heute in den Schriften der neu-alten Nazis wieder.

Sonntag, 13. Oktober 2019

#12von12 im Oktober 2019

Caro von "Draußen nur Kännchen" sammelt wie jeden Monat am 12. des Monats 12 Impressionen des Tages - vielen Dank dafür! Hier kommen meine Oktober-Bilder. 


#1: Auswärtsfrühstück.
Während es im letzten Jahr noch so warm war, dass wir den Arbeitstag auf dem Balkon ausklingen lassen konnten, ist es in diesem Jahr kalt und regnerisch.


#2: Eigentlich möchte ich Bücher zurückgeben, aber ich lerne, dass man im Bücherbus nur Bücher ausleihen darf, zur Rückleihe dann in die Bücherhalle muss. Doof, das.
Wir müssen einige Erledigungen im Einkaufszentrum machen und beschließen, dort auch gleich zu frühstücken. 


#3: Der Wocheneinkauf. Im Laufe der Woche wird nur noch Brot gekauft.
Danach geht's zum Wocheneinkauf und schließlich nach Hause, zum Ausruhen. Uns beiden steckt die Woche in den Knochen, und wir schlafen beide nicht gut, aus unterschiedlichen Gründen. Dementsprechend sind wir erschöpft und platt.


#4: Ausruhen*.
#5: Aus alt ...
#6: ... wird neu. Ich habe die verblühten Rosen im Blumenstrauß der letzten Woche ausgetauscht. 
Eigentlich müsste viel im Haushalt getan werden, aber morgen ist auch noch ein Tag ... 


#7: Ein bisschen bloggen.
#8: Das obligatorische Spülmaschinenfoto.
#9: Ein neues Sockenpaar annadeln. 
#10: Den Wochenplan festhalten. Ich habe tatsächlich mal wieder eine Woche ohne Abendtermine.
#11: Drei Stunden später sieht es schon ein bisschen nach Socke aus. 
#12: Vorm Einschlafen noch etwas lesen*.

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