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Mittwoch, 15. Januar 2020

#12von12 im Januar 2020

Caro von "Draußen nur Kännchen" sammelt wie jeden Monat am 12. des Monats 12 Impressionen des Tages - vielen Dank dafür! Hier kommen meine Januar-Bilder.

#1: Mit der Spülmaschine spielen.
#2: Mit der Waschmaschine spielen.
#3: Bloggen.
#4: Salat schleudern.
#5: den Salat gibt's mit 'n büschen was dazu in der kommenden Arbeitswoche.
#6: Theaterfein machen.

#7: Mit dem Auto brauche ich 22 Minuten ins Theater, mit dem HVV 46 Minuten plus Verspätung. Da ich weiß, dass ich einen Parkplatz vor der Tür haben werde, nehme ich das Auto.
#8: Gleich beginnt ein schöner Abend auf dem Theaterschiff.
#9: 30 Minuten nach der Vorstellung gibt es Abendessen.
#10: Das aktuelle Strickstück.
#11: Betthupferl.
#12: Vor dem Einschlafen noch etwas lesen*.
Wie immer gibt es die Rezepte zum Tag in der Kombüse.

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Samstag, 12. Oktober 2019

Samstagsplausch KW 41/19: Weißer Raum

Montag freue ich mich, als ich einen Radfahrer mit Kippa sehe. Seit dem antisemitischen Angriff auf einen Rabbiner in Hamburg im Juni sehe ich gefühlt mehr Kippot im Straßenbild und freue mich über jede einzelne.

Mittwoch, Yom Kippur, höre ich auf dem Weg von einer Besprechung zur anderen kurz vom antisemitischen Anschlag mit zwei Toten in Halle. Mir fehlen die Worte. Und Gin. Ich brauche im Büro unbedingt Notfall-Gin.

Donnerstag stecken mir die Nachrichten aus Halle noch in den Knochen und ich überlege morgens tatsächlich kurz, ob ich wie jeden Tag das Armband mit dem Magen David tragen soll. Ich bin auf dem Weg zu meinem aus Palästina stammenden Augenarzt. In der Praxis sind Menschen, deren Vorfahren vor langer oder kurzer Zeit mal aus Russland, der Türkei, dem Mittleren Osten oder von sonst woher kamen, Menschen, die in Hamburg geboren wurden oder auch nicht, Frauen, die Kopftuch tragen oder auch nicht - und ich mit meinem Magen David. Ich möchte in keine andere Augenarzt-Praxis.

Gott sei Dank müssen meine Augen im Moment nicht gelasert werden. Meine aktuellen Sehstörungen kommen vom Stress. Ach was.

Um meine Nerven und mich zu beruhigen, treffe ich mich zu Karamell-Kaffee und Lütticher Waffel mit Kollegin I, denn der Augenarzt ist praktischerweise neben dem alten Büro. Kollegin I schüttet ihr Herz aus, und ich bin froh, dass ich mich vor zwei Jahren entschied, mir einen anderen Job zu suchen, denn Kollegin II mobbt weiterhin jeweils die Person, die meine alte Funktion innehat, ohne dass die Chefs dagegen vorgehen. Dabei befand meine Ex-Chefin doch, Ursache für die schwierige Situation im Büro sei ich, müsste doch alles gut sein, seit ich weg bin ....

Meine ehemalige Stelle ist inzwischen zum zweiten Mal nachbesetzt, und ich bin gespannt, wie lange es bis zur nächsten Ausschreibung dauert. Wenn die Chefs klug sind, verhindern sie, dass meine aktuelle Nachfolgerin geht, denn aufgrund ihrer Erfahrung auf gleicher Stelle in einem anderen Bundesland ist sie ein Sechser im Lotto.

Abends sehe ich "Weißer Raum" im Ernst Deutsch Theater.



Kurz zum Inhalt: Ein Sicherheitsmann rettet eine Frau vor einem vermeintlichen Vergewaltiger. Der mutmaßliche Täter ist ein geflüchteter Marokkaner. Er stirbt. Die Gerettete ist Journalistin. Sie wittert eine Story und wirft dem Sicherheitsmann Rassismus vor, denn es ist nicht das erste Mal, dass er einen Zuwanderer schlägt. Für die Nachbarschaft wird er zum Helden, schützt doch endlich mal jemand deutsche Frauen. Sein Sohn, ein Rechtsextremer, sitzt wegen eines rassistischen Angriffs im Gefängnis und sorgt dafür, dass der Vater Kontakt zu Rechtsextremen bekommt. Schnell wird der Vater ihr Sprachrohr.

Das Stück von Lars Werner zeigt eindrücklich, wie weit Nazis und Rassisten schon wieder in die Mitte von Gesellschaft, Verwaltung, Kirche und Politik vorgedrungen sind, wie sehr sie unsere Gesellschaft vergiften. Angesichts des Terroranschlags in Halle am Vortag erhält die zurückhaltende, moderne Inszenierung noch mehr Aktualität. Leider war das Theater nur zu einem Drittel gefüllt. Ich kann nur sagen: Guckt euch diese Inszenierung an! Unbedingt!

Das Ensemble, allen voran Rune Jürgensen als Sohn, der seinen Vater zu den Rechtsextremisten bringt, ist ausgezeichnet. Viele Monologe der kargen, modernen Inszenierung gehen unter die Haut. Bei der subtil rechts-rassistisch vergifteten Grabrede, die der Sicherheitsmann am Grab des durch seine Hand gestorbenen Marokkaner halten darf, dachte ich noch, das sei Fiktion.

Gestern wird die Gedenkveranstaltung für die Toten des antisemitischen Anschlags in Halle unterbrochen, damit ein Vertreter des blaubraunen Packs, ein geistiger Brandstifter des Attentäters, dort reden darf. So schnell wird die Fiktion zur Realität.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Frau Karminrot. Vielen Dank für's Sammeln! Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und eine gute Woche!

Samstag, 5. Oktober 2019

Samstagsplausch KW 40/19: Herzlich willkommen

Das Altonaer Theater.
Mit Beginn der Theaterspielzeit könnte ich mich klonen, denn viele Produktionen muss ich beruflich sehen, manche möchte ich privat sehen, und das führt dazu, dass ich aktuell jeden Abend ins Theater gehen könnte.

Aber natürlich wähle ich aus, kann mir die Theaterbesuche mit einer Kollegin teilen (wen wir nicht gemeinsam gehen) und denke manchmal, das Stück läuft hoffentlich noch länger, das gucke ich später.

Zu den Produktionen, auf die ich mich wirklich freute, gehört "Herzlich willkommen", der vierte Teil der Kempowski-Saga im Altonaer Theater. Da war ich am Mittwoch, und wie beim dritten Teil, den ich im April sah, lautet mein Fazit: Hin da!

Das Stück setzt da ein, wo "Ein Kapitel für sich" endet. Walter Kempowski wurden nach acht Jahren Haft aus dem Gefängnis in Bautzen entlassen und geht zu seiner Mutter Grethe nach Hamburg. In Rückblenden wird der Gefängnisalltag in Bautzen beschrieben, wo Bruder Robert noch immer einsitzt.

Während Grethe Kempowski sich schnell einlebt, tut sich Walter schwerer. Ohne Ausbildung, ohne Ziel und Geld fühlt er sich von den Menschen, mit denen er es zu tun hat, nicht anerkannt und als Bürger zweiter Klasse. Er beginnt sein Studium, doch die Jahre in Bautzen haben ihre Spuren hinterlassen. Immer wieder erliegt er Anfällen von Melancholie. Doch in Göttingen, seiner Studienstadt, findet er die Frau fürs Leben und eine berufliche Perspektive: Er wird Dorfschullehrer und ist damit in jener Gesellschaft angekommen, die ihn als Ex-Häftling am Anfang keineswegs herzlich willkommen heißen wollte.

Axel Schneider ist eine unwahrscheinlich dichte und facettenreiche Darstellung der Nachkriegszeit gelungen, ohne Längen und mit viel Tempo. Das Ensemble um Johann Richter, der Walter Kempowski verkörpert, ist grandios. Schade nur, dass so wenig Besucher den Weg in diese ausgezeichnete Inszenierung finden. Ich wiederhole mich: Hin da! In zwei Wochen gibt es das Kempowski-Wochenende, eine gute Gelegenheit, alle vier Stücke nacheinander zu sehen.

Ansonsten habe ich mich über die Kollegin, die stets verneint, geärgert, denn sie fiel vor einem Vierteljahr wieder in ihr altes Verhaltensmuster zurück und ist entweder krank oder im Urlaub oder im Urlaub krank. Jetzt hatte ihre Laden-Kollegin elf Tage Urlaub, und prompt machte sie sich seit Wochen verrückt, weil sie im Laden vertreten müsse. Sie fühlt sich dadurch total gestresst und befürchtet, die Vertretung nicht zu schaffen.

Ich habe mal nachgerechnet: Von den 11 Urlaubstagen der Kollegin sind 5 Wochenende / Feiertag; 1 Tag hat die Kollegin frei wg. Teilzeit (Ladendienst: ich) und an 5 Tagen hat sie regulär ohnehin Ladendienst, egal, ob die andere Kollegin da ist oder nicht. Vertretungstage für sie: 0.

Die Kollegin zog es allerdings vor, krank zu werden, so dass das Team sie vertreten musste. Immerhin, gestern gesundete sie wieder, so dass Chef mich morgens ansmste, ich könne zu Hause bleiben.

Ich mag die Kollegin sehr gerne, aber das ist einfach unwahrscheinlich anstrengend. Ich habe absolutes Verständnis für Krankheit, falle zurzeit selbst viel aus, weil meine Migräne Party feiert, aber bei der Kollegin ist einfach ein Muster zu erkennen, das sie seit Jahren durchzieht. Hinzukommt, dass sie gegen die Beschwerden, die sie tatsächlich hat, nichts macht, weil sie jede Behandlungsform außer Bachblüten und Globuli ablehnt. Nun ja, ihre Verrentung in zwei Jahren ist einigermaßen absehbar.

In Planung unseres Februar-Urlaubs guckte ich gestern nach dem kleinen Häuschen in Bjerregård, in dem wir viele Jahre gerne urlaubten. Es hat nur wenig Komfort und ist winzig, aber für uns ist es einfach das schönste Ferienhaus. Wir fühlen uns dort zu Hause, und da der Gatte meinte, er könne sich ein Haus ohne Whirlpool vorstellen, suchte ich jetzt gezielt nach dem Haus - vergeblich: Im letzten Sommer ist das Haus abgebrannt, bis auf die Grundmauern.

Ich bin traurig, denn selbst, wenn dort wieder ein Haus gebaut wird, wird es sicher nicht mehr das alte hyggelige Häuschen sein, sondern zeitgemäßen Komfort bieten.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Ein schönes Wochenende und eine gute Woche!

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Montag, 29. Juli 2019

Otto Gröllmann und das Archiv der Bästlein-Jacob-Abshagen-Gruppe

Montags gegen Nazis
Montags erinnere ich daran, was passiert, wenn es mit der Demokratie bergab geht und wie es anfing, denn die Nazis fielen ja nicht 1933 vom Himmel. Die krochen schon Jahre vorher aus ihren Löchern, wurden nicht rechtzeitig aufgehalten, auch, weil man sie nicht ernst nahm, dachte, es wird schon nicht so schlimm. 

Wurde es aber.

In loser Folge gibt's hier also montags Kunst und Denkmäler gegen Faschismus, Nationalismus und Rassismus. Orte, die daran erinnern, gibt es nicht nur in unserer Stadt genug, denn wie gesagt: Wir hatten das schon mal.

Wie es zu dieser Beitragsreihe gekommen ist, kannst Du hier nachlesenAlle Beiträge aus dieser Reihe findest Du, wenn Du hier klickst. 

Theater sind nicht unpolitisch, was immer wieder dazu führt, dass alte und neue Faschisten versuchen, Einfluss auf sie zu nehmen. Nicht nur mit der "Hamburger Erklärung der Vielen" setzen sich Künstler und Kulturschaffende gegen die aktuellen Nazis zur Wehr.


Das Thalia Theater in Hamburg.
Am Thalia Theater arbeitet 1933 Otto "Otje" Gröllmann als Atelier- bzw. Ausstattungsleiter und Bühnenbildner. Der 31jährige Hamburger hat eine bewegte Biographie: Als 20jähriger wird er Mitglied der KPD, steht in engem Kontakt zu Willi Bredel und Ernst Thälmann. Ein Jahr, 1923, später nimmt Gröllmann am Hamburger Aufstand teil. Ziel ist ein Umsturz nach dem Vorbild der russischen Oktoberrevolution. Der Aufstand wird sofort niedergeschlagen.

Konsequenterweise engagiert sich Gröllmann früh gegen die Nationalsozialisten, ahnt, was es bedeutet, sollten sie an die Macht kommen. Als sie an der Macht sind, darf Gröllmann seinen Beruf als Ausstattungsleiter nicht mehr ausüben, bleibt aber weiter als Bühnenbildner am Thalia. Ende 1933 wird Gröllmann aufgrund seines Widerstands verhaftet und zu 17 Monaten Gefängnis verurteilt.

Nach der Entlassung hält er sich mit Arbeiten am Theater und auf dem Bau über Wasser und schließt sich wieder seinen Genossen an, darunter auch Robert Abshagen. Gröllmann setzt seine Widerstandstätigkeit als Teil der Bästlein-Jacob-Abshagen-Gruppe fort. Mit etwa 300 Mitgliedern in etwa 30 Betrieben und Werften, die über die ganze Stadt verteilt sind, ist es die größte Widerstandsgruppe in Hamburg. Die Männer und Frauen kannten sich untereinander nicht alle, sondern waren über Kontaktleute miteinander verbunden. So soll verhindert werden, dass die ganze Gruppe aufflog, wenn ein Mitglied verhaftet wurde. 

1938 wird Gröllmann Atelierleiter und Bühnenbilder am Thalia Theater und bringt dort das Archiv der Widerstandsgruppe unter. Bis Oktober 1942 bleibt es im Theaterversteck. Kurze Zeit später wird Gröllmann erneut verhaftet, bei Verhören schwer gefoltert und im März 1943 ins Untersuchungsgefängnis eingeliefert. Hier erlebt er den Hamburger Feuersturm im Juli 1943. Im darauffolgenden Chaos, das auch vor den Behörden nicht Halt macht, wird der 41jährige vorübergehend entlassen, wollte nach Schweden oder in die Schweiz fliehen, was beides misslingt. 

Gröllmann bleibt weiterhin im Widerstand aktiv: Er schließt sich einer Gruppe an, die bis zur Befreiung im Mai 1945 Flugblätter gegen das NS-Regime herausgibt. In der ganzen Zeit ist er ohne festen Wohnsitz, lebt im Wald, gelegentlich in einer Jugendherberge, kommt manchmal bei Genossen unter. So kann er sich einer erneuten Verhaftung entziehen.

Die Gedenktafel am Thalia-Theater für Otto Gröllmann und die Bästlein-Jacob-Abshagen-Gruppe.
Nach der Befreiung arbeitet Gröllmann wieder am Thalia-Theater, heiratet die Theaterfotografin Gertrud, von der nur wenig Informationen vorliegen. Am 5. Februar 1947 bringt Gertrud Gröllmann Tochter Jenny zur Welt. Sie wird später Schauspielerin. 1949 übersiedelt die Familie in die SBZ, die spätere DDR. Otto Gröllmann arbeitet weiterhin an Theatern in Schwerin und Dresden. 

Auch in der DDR ist er kein Bequemer, übt wiederholt Kritik am Honecker-Regime, erhält aber dennoch den Vaterländischen Verdienstorden und kann im April 1988 zur Enthüllung der Gedenktafel am Thalia-Theater nach Hamburg reisen. 

Zwei Wochen vor zwei 98. Geburtstag stirbt Otto Gröllmann am 12. Juli 2000 in Berlin.

Freitag, 5. Juli 2019

#WMDEDGT 7/19: "Sie dürfen ruhig wieder mitsingen!"

Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln! Das Rezept zum Tag gibt's wie üblich in der Kombüse.

Heute muss ich eine Stunde später im Büro sein, denn ich bin xfache Urlaubs- und einfache Krankheitsvertretung und im Laden eingesetzt - die Kollegin, die stets verneint, ist krank. Ihre Vertretung hat Urlaub, deswegen bin ich wenig überrascht, denn dass sie dann krank ist, ist üblich. Da beide Chefs heute frei haben, rechne ich zudem mit der Krankmeldung der Montagskollegin - zu recht, wie sich später zeigt, als ich im Büro bin. Auch das ist üblich. Was wohl wäre, fiele ich auch aus? Stattdessen komme ich einfach nur eine Stunde später, um nach der Arbeit direkt ins Theater zu gehen.

Geplant war, dass ich früh aufstehe, vormittags ein bisschen Hausarbeit mache (der Gatte und ich sind immer noch so eingespannt, dass zu viel liegen bleibt, wir mehr als erschöpft sind), aber ich verschlafe und hätte auch noch weiter geschlafen, hätte mich der Gatte nicht geweckt, als er zu Arbeit ging.

So schaffe ich es nur noch, die Wäsche auf der Leine zu wechseln, nach den Rotkehlchen zu gucken, die Terrassenmöbel so umzustellen, dass das Nest einigermaßen katzensicher ist (gestern musste ich eine Katze verscheuchen, die das Nest ausräubern wollte) und einen Dip für die Mittagspause zu machen.

Die Fahrt ins Büro ist weniger anstrengend als in den Tagen davor. Ich bekomme sogar einen Sitzplatz in beiden Bussen, und die S-Bahn fällt nicht aus. Am Bahnhof kaufe ich Fiscelle für den Dip und ein Marzipan-Croissant. Ich habe noch nicht gefrühstückt. Dementsprechend kaufe ich mehr, als ich essen kann.

Im Büro gehe ich kurz die eMails durch, mache mir Tee, denn im Laden gibt es aktuell nichts zu trinken (zum Glück ist es nicht mehr heiß), und dann muss ich auch schon in den Laden. Die Lieblings-Laden-Kollegin verschlief und trudelt exakt zur Ladenöffnung ein, als ich gerade überlegte, ob ich in ihrer Abteilung nachfragen soll, was mit ihr ist. Wir gestalten uns die Ladenzeit gemütlich, haben gut zu tun und müssen, wie so oft freitags, die Kunden zum Ladenschluss mit sanftem Nachdruck zum Gehen bewegen.

Während die Kollegin sich noch um ihre Abrechnung kümmert, gehe ich zurück ins Büro, um noch drei Stunden zu arbeiten. Wie am Freitag üblich, bin ich als einzige noch um diese Uhrzeit da. Es wird länger. Ich muss mich sputen, damit ich rechtzeitig bei der Verabredung bin und trotzdem noch den benötigten Reißverschluss kaufen kann.

Abendessen beim Italiener, dann ab ins Thalia Theater zu Bodo Wartkes "Ödipus". Vor dem Theater steht eine Bettlerin. Ich frage sie, ob sie das zu viel gekaufte Brot oder das Marzipan-Croissant haben möchte. Sie entscheidet sich für das Croissant - "Ist leichter zu essen, die Zähne ..." - aber erst, nachdem sie sich vergewisserte, dass sie mir auch ja nichts weg nimmt. Verkehrte Welt.

"Ödipus" ist großartig. Wartke ist sicht- und hörbar nervös ob des großes Hauses, schafft es aber, das Publikum mitzureißen und zum Mitsingen zu animieren.

Unkomplizierte Heimfahrt, wenngleich Bangen in Altona, ob mein Anschluss womöglich ausfällt, da er plötzlich von der Anzeige verschwindet. Aber der Bus kommt dennoch. Die Busfahrerin weist sehr energisch auf den SEV hin, denn seit dem Beginn einer Streckensperrung vor eine Woche sind die Linienbusse so überfüllt, das reguläre Fahrgäste kaum noch mitkommen, während die SEV-Busse oft leer fahren.

Zwei Minuten vor Mitternacht steige ich an der heimischen Bushaltestelle aus. Nach Hause werde ich erst nach Mitternacht kommen.

Sonntag, 23. Juni 2019

Samstagsplausch KW 25/19: Glücklichkeiten

Die letzten vier Wochen waren unwahrscheinlich arbeitsintensiv, und gleichzeitig knockte mich das Wetter immer wieder aus. Meine Migräne feierte Parties. Meine Konzentration reichte maximal für's Büro, weswegen es im Blog etwas ruhiger war.

Das Mammutprojekt ist geschafft, kostete mich aber vermutlich zwei Zähne - mal gucken, was der Zahnarzt übermorgen sagt. Aber es ist geschafft, und ich kann mir selbst auf die Schulter klopfen.

Es gab viel Lobhudelei, und beim Pressetermin eine Elegie meines Ex-Chefs darüber, dass er es oft bedauere, dass ich nicht mehr für ihn arbeite, er sich aber freue, dass das Mammutprojekt jetzt in professionellen Händen sei. Ein Pressevertreter jammerte mir die Ohren voll, dass es im Büro nicht mehr rund liefe, seitdem ich nicht mehr da bin, was ich natürlich auch gerne hörte, aber einzuordnen weiß.

Blaumann I hatte sichtlich Spaß, und am Schluss gingen viele kleine und große Menschen glücklich nach Hause. Viele, die das Projekt seit Jahren begleiten, waren erstaunt, wie anders so ein Pressetermin ablaufen kann, wenn man einfach mal die Zielgruppe einlädt, für die das Produkt ist.

Einen Tag, bevor die Druckmaschinen anliefen, schloss ich die Zeitplanung für das nächste Jahr ab, begannen wir damit, die Neukonzeption in die Wege zu leiten. Momentan bin ich dabei, die Neukonzeptionen für die beiden anderen Projekte, die ich betreue, in die Wege zu leiten. Langweilig wird's also nicht.

Seit diesem Monat ist das Team wieder komplett: Die Nachbesetzung meiner Stelle konnte endlich zu uns versetzt werden. Sie scheint nett zu sein, ist zudem beim FC St. Pauli engagiert und ein Antifa-Urgestein - besser könnte es nicht kommen. Mein Themenbereich wird bei ihr in guten Händen sein, was mich freut.

Der Kollegin, die stets verneint, schmeckt das so gar nicht, denn was bei mir nur im Raum schwebte, aber nicht umgesetzt wurde, wird nun wahr: Sie bekommt eine direkte weisungsbefugte Vorgesetzte. Sie meldete sich prompt krank. Dabei will ihr niemand etwas böses, im Gegenteil, sie wird entlastet, aber das ist nun auch wieder verkehrt. Immerhin: Sie hielt fast ein Jahr tapfer durch! Ich hoffe sehr, dass sie sich wieder fängt.

Diese Woche waren wir zwei Tage auf einer Messe - die Montagskollegin meldete sich prompt für die gesamte Woche krank, wie üblich parallel zur Kollegin, die stets verneint. Da ich in den letzten anderthalb Jahren lernte, ohnehin nicht mit ihr zu rechnen, überraschte es mich nicht (und auch sonst niemanden). Insgesamt war es aber recht entspannt, nur die Abteilung, mit der wir uns den Stand teilten, sorgte für Chaos. Unsere Angebote wurden gut angenommen, und es war einfach schön, engagierte Jugendliche zu erleben.

Dienstag klingte die Nachbarin und brachte mir "Mehr als die Erinnerung*" von Melanie Metzenthin*. Das Paket lag seit Tagen bei ihr, weil der Zusteller keine Nachricht hinterließ, und ich wunderte mich schon, wo es bleibt. Das Rezensionsexemplar ist ausgesprochen liebevoll verpackt, und ich gehöre zu den Glücklichen, bei denen die Hortensie heil blieb. Ich bin schon sehr gespannt auf das Buch!

"Mehr als die Erinnerung*" von Melanie Metzenthin*
Mittwoch Abend ging's in das Musical "Carrie" im First Stage Theater. Ich kenne weder das Buch noch den Film (für mich ist "Bambi" schon ein Horrorfilm, da ist Stephen King erst recht nichts), wusste nur, dass das Thema "Mobbing" im Mittelpunkt steht, nicht der Horror, und war gespannt, was mich erwartet. Die Produktion ist einfach nur großartig! Hin da!



Freitag hatte ich eine rührende Begegnung in der S-Bahn: Mir gegenüber saßen vier Mädchen auf HVV-Rallye und aßen Futter vom Schotten, als ein Bettler durch die Wagen ging. Eines der Mädchen ging zu ihm und gab ihm einen Burger. Er war sichtlich gerührt, blieb verdattert stehen und sagte "Ich würde viel lieber euch etwas geben, ich hab' nur nichts." Die Mädchen freuten sich über seine Freude. Das war einfach schön.

Als er weiter gegangen war, überlegten die Mädchen, was sie noch an Essen dabei haben und weitergeben können, rechneten zusammen, wie viel Geld sie dabei haben, wie viele Brötchen sie dafür kaufen können, kamen auf vier Brötchen und acht Euro und beschlossen, jedem Bettler, den sie unterwegs treffen, etwas zu essen zu geben. Das rührt doch das Herz!

Gestern konnten wir endlich zwei Wochen Mallorca buchen! Es geht wieder nach Port d' Alcúdia, allerdings in ein anderes Hotel. Wir freuen uns beide schon sehr! Ich hätte bis letztes Jahr nie gedacht, wie gut uns ein Badeurlaub tut. Abends waren wir in "Rotkäppchen und der böse Wolf" von Martin Mosebach im Schauspielhaus. Mein Stück war's nicht, aber es war schön, mal wieder mit dem Gatten unterwegs zu sein und danach noch lange mit ihm draußen zu sitzen - wir mögen diese langen, hellen und lauen Nächte sehr.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Ich wünsche Dir eine gute Woche!

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Samstag, 27. April 2019

Samstagsplausch KW 17/19: Zwischen Entspannung und Spannung

Die Ostertage waren sehr erholsam und eine willkommene Pause.

Den letzten Sonnabend begannen wir mit einem entspannten Frühstück für zwei im Café Melange. Das machten wir Weihnachten schon mal, und es gefiel uns so gut, dass ich für Ostern wieder vorschlug - der Gatte und ich haben ja sonst einfach zu wenig Wir-Zeit.

Blick vom Balkon des Café Melange auf den Rathausmarkt.
Das Café war trotz der frühen Stunde übervoll - unglaublich, wie viele Touristen in der Stadt unterwegs waren! Wir genossen das Frühstück, guckten einer Möwe zu, die verbissen einen Ponton gegen Tauben verteidigte, fragten uns, ob Möwen Tauben fressen, verteilten Brotkrumen an neugierige Spatzen und schlenderten anschließend durch die Geschäfte - im Gegensatz zu mir liebt der Gatte Einkaufsbummel.

Ostersonntag beginnt wie alle Feiertage mit einem Brunch mit Mudderns im Lim's. Mudderns war wieder so fit, dass sie alleine dort hin kam und schon auf uns wartete. Abends ging's zu Schwiegermutter, wo wir lange auf der Terrasse saßen und den lauen Abend genossen.

Ostermontag nahm ich allen Mut zusammen und zerschnitt die Ferse von Filzpuschen, die zu groß waren. Keine Ahnung, was da schief lief, denn aus dem Garn hatte ich schon ein Paar für Mudderns gemacht, und da schrumpfte die Wolle wunschgemäß. Bei meinem Paar verfilzte sie zwar, schrumpfte aber nicht, auch nicht drei drei Runden in der Waschmaschine (die letzte sogar bei 60°C!).

Nach vielem Grübeln überlegte ich mir, dass der Filz kaum aufribbeln würde, also schnitt ich einige Zentimeter an der Ferse ab und nähte die Puschen passend zusammen. Es klappte!

Dienstag bis Freitag wurde gearbeitet. Mein Überstundenkonto wuchs. Aber bei meinem Mammutprojekt ist ein Ende in Sicht: Noch neun Werktage bis zur Abgabe an die Druckerei. Das Setting für die Pressekonferenz steht, die Pressemitteilung ist geschrieben - kann also beides abgehakt werden.

Es ist aber schon merkwürdig, plötzlich seine eigene Pressekonferenz zu organisieren, nachdem ich das viereinhalb Jahre für andere machte. Die Arbeitsabläufe sind die gleichen, Aufregung und Anspannung auch, nur kann ich mich nicht mehr mit dem Argument, ich wäre die Sekretärin vor Kamera und Mikrophon drücken. Ich hab' ja mehr so das Radiogesicht und muss gucken, dass ich Ende Mai wenigstens noch zum Friseur komme, wenn sich schon die Schönheits-OP nicht mehr ausgeht.

Donnerstag ging's ins Ernst-Deutsch-Theater in die Premiere von "Demokratie" von Michael Frayn. Das Stück thematisiert die Kanzlerschaft Willy Brandts bis zu seinem Rücktritt wegen der Guillaume-Affäre. Neben den zeitgeschichtlichen Ereignissen stehen vor allem die Motivationen der Politiker im Mittelpunkt. Auch wenn die Inszenierung Längen hat, ist es ein unwahrscheinlich intensives Stück. Unbedingt sehen!

Freitag endete die Woche, wie sie begann: Im Café Melange. Diesmal gab's allerdings kein Frühstück, sondern ein Arbeitsessen am Abend.

Dieser Beitrag wandert rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende und eine gute Woche!

Samstag, 13. April 2019

#12von12 im April 2019

Caro von "Draußen nur Kännchen" sammelt wie jeden Monat am 12. des Monats 12 Impressionen des Tages - vielen Dank dafür! Hier sind meine.


#1: Bushaltestellen-Warteblick, ab April meist ohne Pferde.
Der Arbeitstag beginnt eine Stunde später als sonst, denn vorm ersten und einzigen Termin lohnt es sich nicht, erst ins Büro zu fahren. schon gar nicht, weil ich baustellenbedingt gerade mal wieder deutlich über eine Stunde in die Stadt brauche. Dafür blieb ich am Vortag zwei Stunden länger. Mein Überstundenkonto wächst gerade enorm.


#2: Arbeiten.
Nach dem Termin laufe ich im Sonnenschein an der Alster entlang ins Büro, hole unterwegs noch was bei Douglas ab und kaufe ein Brötchen als Mittagessen.


#3: Noch mehr arbeiten.
Freitags ist es im Büro immer sehr leer. Kurzer Austausch mit der einzigen Kollegin, die außer mir noch da ist, und dem Chef, dann ein Anruf an die Laden-Kollegin, damit sie weiß, dass in der Verwaltung noch jemand bis Ladenschluss erreichbar ist (und länger ...).


#4: Noch eine Liste für die kommende Woche machen, dann ist endlich Wochenende.
Auf dem Heimweg will ich nur noch kurz bei Mylys reinspringen, um Nadelspiele zu kaufen, aber wie jeden Tag, fallen S-Bahnen aus.


#5: Richtung Westen geht gerade mal wieder gar nichts. 


#6: Endlich am Bahnhof Sternschanze angekommen.
#7: Verbeugen und innehalten.
#8: #supportyourlys
Für den Heimweg nehme ich den Bus. Es ist wenig Verkehr. Viele scheinen schon in den Osterurlaub aufgebrochen zu sein. Kaum bin ich zur Tür durch, ruft Mudderns an. Zurzeit ist der Stresslevel im Büro so hoch, dass ich schon wieder vergaß, sie vor Feierabend anzurufen, und sie geht immer noch mitten am Tag ins Bett.

#9: Das Abendessen, weder saisonal noch regional, aber es geht gerade nicht anders.
Kochen, Abendessen, Füße hochlegen, Beute sichten, das Strickjournal aktualisieren, stricken.

#10: Fette Beute.
#11: Entspannen.
Rechtzeitig zum Mitternachtskrimi geht's ins Bett, und bevor das Hörspiel anfängt, wird noch etwas gelesen.

#12: Lesen*.
Das war der 12. April, und wie immer darf an dieser Stelle die Klage nicht fehlen, dass das Jahr viel zu schnell voranschreitet. Macht was draus!

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Samstag, 6. April 2019

Samstagsplausch KW14/19: Theater, Theater

Heidi Kabel vor dem Ohnsorg-Theater.
Beruflich gehe ich ins Theater und mache Ferien. Diese Woche begann mit Theater, genauer gesagt mit dem dritten Teil der Kempowski-Saga im Altonaer Theater, "Ein Kapitel für sich".

Das Stück spielt nach der Befreiung in Rostock. Walter Kempowski und seine Mutter schlagen sich durch, warten auf die Rückkehr von Bruder Robert und den Vater, der aber den Krieg nicht überlebt.

Robert baut die Familien-Reederei wieder auf und wird Zeuge, wie die sowjetischen Besatzer Güter als Reparationen außer Landes schaffen. Walter setzt sich 1947 mit den entsprechenden Frachtbriefen in den Westen ab und kooperiert mit einem amerikanischen Geheimdienst. im folgenden Jahr besucht er seine Familie in Rostock, wird verhaftet, wegen Spionage angeklagt un in Bautzen inhaftiert. Bruder und Mutter werden ebenfalls verhaftet und verurteilt.

Die Inszenierung ist trotz einiger Längen sehr intensiv und packend - unbedingt sehenswert! Ich will noch die beiden ersten Teile nachholen, fragt sich nur, wann.

Schwierig war's für mich, ins Theater zu kommen, denn wie üblich hatte ich meine Büro-Tasche dabei und dusseligerweise nicht daran gedacht, zusätzlich meine Abendtasche einzustecken. Die Büro-Tasche durfte ich nicht mit in den Saal nehmen, weil, so die Garderobiere: "Ihre Tasche ist ein Evakuierungshindernis!" Ich sah sie nur an: "Gucken Sie mich an, gucken Sie meine Tasche an. Wer von uns beiden ist da wohl das größere Evakuierungshindernis - meine Tasche oder ich?!"

Half nichts, ich musste Notizbuch, Portemonnaie, Taschentücher, Asthmaspray, Kamera, Telefon, die Unterlagen für die Begleitung, Programmheft, Eintrittskarten und Bonsche anderwärts verstauen. Dusseligereise trug ich eine Kladage ohne Taschen. Es geht doch nichts über große Körbchen ...

Ein bisschen unangenehm war's der Garderobiere, weil "Sie sind von der Presse, oder?" Ähm, ja, aber die Pressekarte spiele ich nicht aus, die Garderobiere setzt ihre Anweisungen um, und die machen ja im Notfall Sinn, Presse hin oder her. Bislang dachte ich, die Mitnahme der Abendtasche wäre überflüssig, aber seit Sonntag weiß ich, das macht schon Sinn, will ich mein Geraffel nicht im BH transportieren.

Da meine Büro-Tasche feuerrot ist, empfahl der Gatte, das nächste Mal einfach einen unserer Auto-Feuerlöscher einzupacken und zu behaupten, ich wäre Feuerwehrfrau im Undercover-Einsatz. Ob das zieht?

Dienstag und Freitag standen dann jeweils Spielzeit-Pressekonferenzen auf dem Plan. Da müsste ich zwar nicht unbedingt hingehen, meinen die Kollegen, aber ich lerne nebenbei viele meine Ansprechpartner endlich mal persönlich kennen und bekomme Informationen, die ich sonst mühselig zusammensuchen müsste. Chef ist zum Glück meiner Meinung.

So hatte ich nach zwei Stunden schon die Grundlage für das kommende Jahr, quasi nebenbei - plus Stoff für die Montags-Reihe. Meine ehemaligen Chefredakteure wären stolz auf mich, predigten sie doch immer, man solle mit mindestens zwei Geschichten vom Termin zurückkommen.

Diese Woche sollte eigentlich der Pflegedienst bei Mudderns anfangen, aber der rief Donnerstag an und sagte krankheitsbedingt ab. Mudderns ging trotzdem in die Stadt, mit Hilfe der Nachbarin. Ganz langsam geht's bei ihr also wieder ein bisschen bergauf. Ich hoffe, der Pflegedienst kommt nächsten Donnerstag. Der Termin für die Beurteilung durch den Medizinischen Dienst steht auch. Das ging diesmal richtig schnell.

Mudderns wollte prompt absagen, weil "Mir geht's doch wieder besser", aber ich wurde sehr deutlich. Ich habe nicht mehr die Kraft, sie immer wieder aus der Depression zu holen, zumal sie das nicht will. Momentan hat die Nachbarin einen guten Einfluss auf sie, kann vieles anschieben, was ich jahrelang vergeblich versuchte, zum Beispiel, dass ein Geländer an der Eingangstreppe angebracht wird, damit Mudderns Halt findet.

Freitag und heute habe ich den zweiten Monat des Verspätungsschals gestrickt. Den aktuellen Stand zeige ich Dir nächsten Sonnabend; ich kam noch nicht zum Fotografieren. Es ist wieder viel Orange-Rot. Letzten Freitag war S-Bahn-Chaos, ich weiß gar nicht mehr, warum. Zum Glück konnte mich der Gatte auflesen.

Diesen Dienstag gab's dann technische Probleme am Gleis, was immer das heißt, vermutlich bröckelnde Bahnsteige, weswegen zwischen Poppenbüttel und Berliner Tor nichts fuhr - blöd, wenn man zum Flughafen wollte. Am anderen Ende der Strecke gab's in Hochkamp einen Liegenbleiber und in Sülldorf eine defekte Weiche, weswegen der Zugverkehr dann auch in meine Richtung eingestellt wurde. Ich hatte Glück und kam noch bis Othmarschen, wo ich eh umsteigen muss. Der Bahnsteig war so voll, dass ich kaum aus der Bahn kam, und auf dem Bussteig sah's nicht besser aus, aber zumindest kam ich an.

Gestern kam ich glücklich bis Altona, bevor der S-Bahn-Verkehr ganz eingestellt wurde wegen eines Polizei-Einsatzes am Hauptbahnhof. Zum Glück kann ich von Altona aus mit dem Bus nach Hause fahren. Das dauert zwar, fütterte aber das Sparschwein mit einem Euro Entschädigung für eine Verspätung über 20 Minuten. Na ja, und von den beinahe täglichen Signalstörungen rede ich gar nicht erst.

Ab Montag gibt es zu den S-Bahn-Störungen auch noch Umleitungen auf meiner Buslinie bis Ende des Monats. Das wird spaßig.

Heute Abend bescherte der Gatte uns unverhoffte "Wir-Zeit" und beschloss, dass wir zum Griechen essen gehen. Wir sahen uns unter der Woche kaum, und so war's schön, mal eine Stunde zusammenzusitzen und zu reden.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Ich wünsche Dir eine gute Woche!

#WMDEDGT 4/19: Bekenntnis zur Vielfalt

Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln!

Beim Holen des Morgenkaffees nehme ich das Huhn für das Abendessen aus dem Tiefkühler, dann geht's an den Schreibtisch, um Mails an Vermieter und Versicherung zu schreiben. Die Bolzblagen Nico und Luca üben inzwischen regelmäßig gezielte Torschüssen auf eines unserer Fenster, und es ist klar, dass das nicht lange gut gehen kann. Also, uns ist das klar, zumal Luca vor einem Jahr die Tür vom Block gegenüber zerschoss. Vermieter und Eltern der Blagen interessiert es nicht, und die Väter der Blagen spielen ja selbst mit.

Wir setzen dem Vermieter eine Frist zur Aufstellung eines Zaunes (er ist ja nicht in der Lage, das Fußballverbot durchzusetzen, also erscheint uns der Zaun als einzige Lösung, nachdem Gespräche in den letzten Jahren nichts brachten) und informieren prophylaktisch schon mal die Versicherung über erhöhte Einbruchsgefahr, wenn die Jungs erfolgreich waren.

Der Gatte macht sich auf den Weg ins Büro. Ich gucke, wie lange ich zum ersten Termin des Tages brauche, addiere dann 20 Minuten dazu für ausgefallene Busse und S-Bahnen. So oder so habe ich noch Zeit und frühstücke. Dann anziehen, Lächeln ins Gesicht malen und ab zum Bus.

Erstaunlicherweise klappen alle Anschlüsse, habe ich noch Zeit zum Rumbutschern in meiner alten Büro-Heimat. Natürlich halte ich kurz beim Feuersturm-Denkmal inne. Aber ich entdecke auch Neues: Den Schallplatten- und Filme-Laden Norma Jean. Das ist ein richtiges Stöberparadies! Hin da!

Mein einziger Termin des Tages ist die Spielzeit-Pressekonferenz des Ernst-Deutsch-Theaters. Die kommende Spielzeit verspricht spannend zu werden. Der Spielplan ist ein klares Bekenntnis für die Vielfalt, gegen Faschismus, Rechtspopulismus und AfD. Sehr sympathisch! Ich bin vor allem auf "Weißer Raum" von Lars Werner gespannt.

Nach der PK flitze ich direkt ins Büro. Am Gänsemarkt kommen mir Schülerinnen und Schüler der heutigen Fridays for Future-Demo entgegen. Ich gebe noch kurz die Mängelanzeige an den Vermieter als Einschreiben auf und hole mir zwei Börek.

Im Büro ist meine Sechs-Wochen-Assistenz schon fleißig und holt Druckfreigaben ein. Für mich ist es total ungewohnt, Unterstützung zu haben (in den letzten vierzehn Jahren war ich die Assistenz), und so sitze ich bei einer Tasse Tee fünf Minuten verwirrt da und überlege, was ich tun könnte. Dabei fällt mir auf, dass mein Schreibtisch gestern geputzt wurde. Meine Papierberge sind dank Assistenz so geschrumpft, dass sich der Putzmann das wieder traute. Normalerweise mache ich das freitags selbst, damit die Papierberge nicht durcheinander kommen, aber er ist damit nicht glücklich, weil es schließlich doch sein Job ist.

Die nächsten vier Stunden telefoniere ich mit der Beschaffungsabteilung, die optimistisch ist, dass ich noch vor Ostern eine Druckerei für mein Mammutprojekt haben werde, mache die Vorausplanung für 2020 für ein anderes meiner drei Projekte, erfasse Korrekturen bei meinem Mammutprojekt und fange mit dem Inhaltsverzeichnis für die Broschüre dazu an. Ich fluche. Die starre Arbeitsweise meiner Vorgängerin hat einen entscheidenden Vorteil: Das Inhaltsverzeichnis der Broschüre brauchte sie selten zu aktualisieren, weil fast immer alles gleich blieb.

Meine Lektorin meldet sich. Sie wird bis Montag mit dem zweiten Korrekturgang des Mammutprojekts durch sein und könnte mir dann den bezwungenen Papierberg übergeben. Wir verabreden uns zur Mittagspause beim Italiener. Der Layouter bestätigt den Termin zur Einarbeitung der Korrekturen. Läuft also.

Bevor meine Assistenz geht, besprechen wir kurz, wie viel sie schaffte, und beschließen, dass ich den größten Stapel an Druckfreigaben selbst übernehme, sie sich um die zahlreicheren kleinen Kapitel und um die Adressdateien kümmert. Ich habe Angst, dass mir die Zeit davon läuft, und meine Assistenz ist nur ein paar Stunden pro Woche da, weil sie eigentlich studiert.

Freitags bin ich nachmittags die einzige im Büro. Mir macht es nichts aus, später Feierabend zu machen, denn dafür kann ich mir meistens morgens länger Zeit lassen. Heute wird es sogar noch früher leer, weil Urlaube, Freizeitausgleich, Teilzeit und überhaupt. Zum Glück war eine Kollegin so nett, ihre Arbeitstage zu tauschen, denn sonst hätte ich vormittags nicht zur PK gehen können.

Ich telefoniere mit Mudderns. Das mache ich inzwischen am frühen Nachmittag, weil mich das weniger unter Druck setzt, als wenn ich nach Hause hetzen muss, um sie noch zu erreichen, bevor sie am späten Nachmittag ins Bett geht. Ihr Tag-Nacht-Rhythmus ist immer noch gestört. Bei ihr ist sonst alles in Ordnung, sie ist gut drauf. In der  kommenden Woche kommt dann hoffentlich auch der Pflegedienst. Diese Woche fiel der Termin aus.

Kurz vor Ladenschluss frage ich die Ladenkollegin telefonisch, ob bei ihr alles okay ist oder ob sie Hilfe bei der Abrechnung braucht. Sie verneint, also kann ich ohne Umweg über den Laden nach Hause.

Der Heimweg gestaltet sich mal wieder schwierig. Die S-Bahn hat wie so oft technische Probleme, und als ich in Altona bin, wird der S-Bahn-Verkehr aufgrund eines Polizeieinsatzes ganz eingestellt. Ich steige in den Bus um und bin mit 21 Minuten Verspätung zu Hause. Das Sparschwein darf sich über 1 € Verspätungsentschädigung freuen.

Zu Hause sind erfreulicherweise noch alle Fenster heil. Ich suche trotzdem schon mal die Telefonnummer der zuständigen Polizeiwache raus und hänge sie an die Pinnwand, damit sie schnell zur Hand ist, wenn Luca und Nico in ihrer Zerstörungswut erfolgreich waren und wir eine Sachbeschädigung anzeigen müssen.

Der Gatte ist noch unterwegs. Ich schäle schon mal die Kartoffeln für's Abendessen, und als ich damit fertig bin, kommt der Gatte mit den noch fehlenden Wurzeln. Das Abendessen wandert in den Ofen. Ich beginne mit dem nächsten Abschnitt des Verspätungsschals.

Abendessen, stricken, Krimi und Heute Show gucken, dann mit dem Mitternachtskrimi im Radio ins Bett, und das war's dann auch schon wieder mit diesem Tag. Das erste Vierteljahr 2019 ist schon wieder vorbei - viel zu schnell.

Das Rezept zum Tag gibt's wie üblich in der Kombüse.

Samstag, 19. Januar 2019

Samstagsplausch KW 03/19: Hear Wor(l)d - Lessingtage im Thalia Theater

In den letzten Monaten kam ich nicht dazu, am Samstagsplausch bei Andrea teilzunehmen. Mal schauen, ob ich das ändern kann.

Teil der "Hear Wor(l)d"-Installation.
Gestern Mittag war ich auf dem Gerhart-Hauptmann-Platz zur Vorstellung des Schüler-Kunstprojekts "Hear Wor(l)d", das im Rahmen der Lessingtage des Thalia Theaters stattfindet. 

Detail.
1.500 Schülerinnen und Schüler von der 3. bis zur 13. Klasse aus Hamburg und umzu haben Biographien von Gleichaltrigen aus aller Welt recherchiert und geben ihnen auf Spiegelfolie eine Stimme.

Blick auf eine der Ausstellungstafeln.
Bis Anfang Februar bleibt die Installation stehen. Sie findet sicher das Interesse vieler Passanten. Gefreut habe ich mich, dass am Tage der Eröffnung das Wetter aufklarte. Es war kalt und sonnig, ein schöner Unterschied zu dem Dauerregengrau der letzten Wochen. Und durch die Sonne, die sich in den Spiegel bricht, bekommt die Installation gleich noch mehr Aufmerksamkeit.

Nach einer kurzen Eröffnungsansprache brachten Jugendliche Aufkleber mit Zitaten an den Stelltafeln an.
Ansonsten wurde Dienstag mal wieder mein linkes Auge gelasert. Das war nicht ganz so arg wie beim rechten in der Vorwoche, nahm mich aber trotzdem mehr mit, vielleicht, weil das Auge schon so oft gelasert wurde. Mein Hausarzt hatte mir in der Vorwoche K.o.-Tropfen verschrieben, die echt was brachten (nein, das mit den K.o.-Tropfen ist kein Scherz). Der Augenarzt brauchte für den Eingriff in der Vorwoche dennoch 12 Minuten statt der üblichen 3, aber am Dienstag schlug ich mich ganz wacker, fand ich. Zumindest konnte der Arzt in einem Zug durchlasern.

Gott sei Dank hatte ich bei beiden Terminen Begleitung. Die war auch schon aufgrund der K.o.-Tropfen notwendig - ich lallte und war taumelig. Dienstag kam eine liebe Freundin mit, und als der Augenarzt nach der OP mitbekam, dass sie mal wieder zu einem müsste, meinte er trocken: "Tauschen Sie mal die Plätze". Schwupps untersuchte er sie, soweit es in der Laser-Praxis ging und gab ihr einen Termin zum Besuch in seiner regulären Praxis mit. So schnell kann man zu einem Facharzttermin kommen!

Donnerstag buchten der Gatte und ich eine Woche Ferienhaus-Urlaub, wieder in Bjerregård, diesmal in erster Dünereihe, direkt an einem Aufgang. Da sollte sogar ich den Weg an den Strand finden, wenn ich mal alleine los möchte. Wir freuen uns sehr, denn die freien Tage zwischen Weihnachten und Silvester waren nur wenig erholsam.

Montag, 17. Dezember 2018

Das ehemalige Jüdische Gemeinschaftshaus in der Hartungstraße 9 - 11

Montags gegen Nazis.
Montags erinnere ich daran, was passiert, wenn es mit der Demokratie bergab geht und wie es anfing, denn die Nazis fielen ja nicht 1933 vom Himmel. Die krochen schon Jahre vorher aus ihren Löchern, wurden nicht rechtzeitig aufgehalten, auch, weil man sie nicht ernst nahm, dachte, es wird schon nicht so schlimm. 

Wurde es aber.

In loser Folge gibt's hier also montags Kunst und Denkmäler gegen Faschismus, Nationalismus und Rassismus. Orte, die daran erinnern, gibt es nicht nur in unserer Stadt genug, denn wie gesagt: Wir hatten das schon mal.

Wie es zu dieser Beitragsreihe gekommen ist, kannst Du hier nachlesenAlle Beiträge aus dieser Reihe findest Du, wenn Du hier klickst. Aktuell pausiert das blau-braune Pack. Meinswegen kann es das auch für die nächsten 85 Jahre - mindestens.


Heute die Hamburger Kammerspiele, einst Sitz einer jüdischen Loge und des Jüdischen Kulturbunds.
Seit der Befreiung 1945 ist das Gebäude in der Hartungstraße 9 bis 11 fest mit den Hamburger Kammerspielen verbunden - und, zumindest für mich, auch mit der Schauspielerin und Intendantin Ida Ehre. Ich hatte das große Glück, sie dort noch auf der Bühne erleben zu dürfen und von ihrer Idee des "Theaters der Menschlichkeit", das im Zeichen der Versöhnung steht, geprägt zu werden. Sie fehlt. Sehr.

Anfang des 20. Jahrhunderts befindet sich in der einstigen Pfennigschen Villa die jüdische Henry-Jones-Loge. An sie erinnert bis heute der historische Logensaal in den Kammerspielen. Die Loge wird schnell der Mittelpunkt des jüdischen Lebens der Hansestadt. 


Etwas versteckt im Foyer: Die Gedenktafel für das ehemalige Jüdische Gemeinschaftshaus.
Als Folge der Weltwirtschaftskrise wird das Gebäude 1930 an den Bau-Verein Hamburger Anthroposophen verkauft. Mit der Machtübernahme 1933 wird die Anthroposophie verboten. Das Gebäude wird geräumt und versiegelt und soll verkauft werden, aber durch die Belastung mit einer Hypothek findet sich kein Käufer. Die Gestapo verkauft das Gebäude 1937 an die Jüdische Gemeinde. Der Jüdische Kulturbund zieht ein.

Der Jüdische Kulturbund ist für die meisten jüdischen Hamburgerinnen und Hamburger die einzige Möglichkeit, am Kulturleben teilzunehmen, denn der Besuch von Kino. Theater, Oper wird ihnen sukzessive verboten. Den jüdischen Künstlerinnen und Künstlerin wird es ebenso schrittweise verboten, mit Nichtjuden aufzutreten. Es dürfen ausschließlich Werke jüdische Autorinnen und Autoren aufgeführt werden.


Im Treppenhaus und im historischen Logensaal informiert eine Ausstellung über die jüdische Geschichte des Hauses. 
Die Bedeutung des Jüdischen Kulturbundes ist kaum zu überschätzen: Die dort stattfindenden Veranstaltungen sind weinige Möglichkeiten der Begegnung, Zerstreuung und Unterhaltung für die jüdischen Hamburgerinnen und Hamburger inmitten einer ihnen meistens feindlich eingestellten Umwelt, inmitten von Verfolgung und Tod. 

Zwei Jahre später wird der Jüdische Kulturbund in Hamburg von den NS-Behörden aufgelöst, wiederum zwei Jahre später, im September 1941, auch reichsweit. Vier Wochen später beginnen die Deportationen jüdischer Deutscher in Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager. In den Räumlichkeiten der Hartungstraße wird eine Proviant- und Versorgungsstelle für die Deportationen eingerichtet. Im Juli 1942 ist hier auch der Sammelpunkt für eine Deportation (hier klicken für weitere Informationen). Ein Jahr später zieht das Thalia-Theater ein, nachdem sein Gebäude von Bomben getroffen wurde.


Unübersehbare Erinnerung an zwei, die die Kammerspiele prägten.
Am 3. Mai 1945 befreien die Briten Hamburg. Sieben Tage später beschlagnahmen sie das ehemalige Jüdische Gemeinschaftshaus, und bald gelingt es Ida Ehre, das Gebäude zu pachten. Am 10. Dezember 1945 eröffnen die Hamburger Kammerspiele mit dem Stück "Leuchtfeuer" von Robert Ardrey. Zwei Jahre später wird das Heimkehrerdrama "Draußen vor der Tür" von Wolfgang Borchert uraufgeführt - ein Meilenstein der Theatergeschichte. 

Aber das ist eine andere Geschichte.


Stolpersteine erinnern an die Deportation von Charlotte Gurwitsch, Benjamin Helfer, Brunhilde Helfer, Charlotte Levi, Richard Levi und Kurt Silberstein am 15. Juli 1942 aus der Hartungstraße nach Theresienstadt. 
Ausführliche Darstellung der Geschichte des Hauses Hartungstraße 9 - 11.

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