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Dienstag, 1. Juli 2025

Ausgelesen: Bücher im Juni 2025

Das Rudel liest immer mit.
Im Juni merkte ich wieder, wie sehr sich meine Lesegewohnheiten durch den Umzug in die lindgrüne Hölle veränderten. 

In Hamburg war ich wohl von der Fülle der Bücherhallen und ihrer Onleihe schier überfordert. Außerdem lief die Technik nicht stabil. Lustig war immer, dass ich auf den ersten zwei, drei Seiten zwar noch wie gefiltert Krimis angezeigt bekam, dann aber Titel, die nur mit Mühe in die Kategorie fielen wie "Kochen mit den Geissens*". 

In der Kleinstadt läuft die Technik stabil, kann ich eBooks verlängern, arbeite regelmäßig die Wunschliste ab, habe mit der Verlaufsfunktion einen Überblick über gelesene Bücher. Gut, die Auswahl ist geringer, aber das merke ich selten.

Zuerst las ich mit "Der Bulle von Hamburg*" und "Der Bulle in der Hafencity*" die Reihe um den Ex-Polizisten Gerd Sehling*, geschrieben von Ben Westphal*, zu Ende. Dann folgten "Ich war Bulle*" und "Bulle bleibt Bulle*", ebenfalls mit Sehling als Protagonisten. Man muss einen langatmigen, staubtrockenen Stil abkönnen, um Genuss an den Büchern zu finden, aber hey, ich arbeite ich einer Behörde, ich kann mit so was um. Was mich aber bis zum Schluss irritierte: Die Bücher bauen aufeinander auf; ich las sie chronologisch, aber dennoch hatte ich das Gefühl, sie wiederholen sich oder es fehlt ein Handlungsstrang. 

Dass es an Handlungssträngen fehlt, kenne ich von Ben Aaronovitch*, denn seine Buchreihen werden ja auch als Comics fortgesetzt. Da komme ich schon lange nicht mehr hinterher. Ich las "Eine Nachtigall in New York*" und "Die schlafenden Geister des Lake Superior*". Auch wenn ich den Eindruck habe, dass Aaronovitch die Ideen ausgehen, er sich in den Handlungssträngen seines unüberschaubaren Universums verheddert. lese ich ihn doch immer noch gerne.

"Wo war ich stehen geblieben? Grübeleien und Geistesblitze*" von Cordula Stratmann* war recht unterhaltsam und bot Stoff zum Nachdenken, aber ich merke immer wieder, dass ich mit solchen Sammlungen wenig anfangen an, sie mich schnell ermüden.

Von "Im Schatten des Turms*" von René Anour* hatte ich mir etwas anderes erwarten, eine Geschichte des "Wiener Narrenturms", der ersten psychiatrischen Heilanstalt der Welt nämlich. Ich bekam einen Schmachtfetzen, der im Wien Ende des 18. Jahrhunderts und während des Russisch-Österreichischen Türkenkriegs spielt. Ich hielt tapfer durch ...

Mein Durchhaltevermögen war auch bei "Kleopatras Grab*" von Constantin Schreiber* gefragt. Ich bin ja wenig wählerisch bei meiner Lektüre, aber dieses Buch ist so richtig, richtig schlecht. So beträgt u.a. die Flugzeit von Alexandria nach Jena 30 Minuten, und aus der Weinsorte Pomerol wurde binnen weniger Seiten ein Primolo, was auch immer das ist. Außerdem wechseln zahlreiche Handelnde alle naslang ihr Geschlecht. Nun ja, immerhin sieht der Autor gut aus. 

"Die Leuchtturm-Schwestern*" von Gill Thompson* hingegen hätte ich in einem Rutsch durchlesen können. Das Buch spielt auf der britischen Kanalinsel Jersey, die am 1. Juli 1940 von den Deutschen besetzt wird. Schon knapp zwei Wochen vorher, mit dem deutschen Überfall auf Frankreich, hat der Krieg das Leben der Schwestern Alice und Jenny Robinson bereits eingeholt. Nachdem Jenny ihren Traum von einem Studium in Cambridge auf Eis legen muss, schließt sie sich mit ihrem Freund Pip dem Widerstand auf der Insel an. Und auch Alice begibt sich in große Gefahr, als sie den jungen deutschen Arzt Stefan kennenlernt und sich immer mehr zu ihm hingezogen fühlt. Alice gehört zu denen, die 1942 nach Deutschland deportiert werden, Jenny nimmt das Risiko auf sich, drei Jahre lang eine jüdische Freundin zu verstecken.

Liebesromane sind nicht so meins, und so war ich von Anfang an skeptisch, ob "Der kleine Strickladen in den Highlands*" von Susanne Oswald* etwas für mich ist - schließlich schwärmen so viele Strickerinnen von der Reihe und der Autorin. Ich wusste schon nach wenigen Seiten, dass ich nicht zu den Schwärmerinnen gehören würde. Die Handlung ist mehr als vorhersehbar, voller Klischees in Bezug auf's Stricken und haarsträubender Verwicklungen ... Ich hielt bis zum Schluss durch, weil ich wissen wollte, ob die Geschichte tatsächlich so vorhersehbar ist wie vermutet und wie die Strickanleitungen sind. Die Strickanleitungen gibt es inzwischen in drei Büchern - wer gerne strickt, ist damit besser bedient.  

"Man sieht sich*" von Julia Karnick* hingegen gefiel mir sehr, auch wenn's ein Liebesroman ist - absolute Lese-Empfehlung! Aus dem Klappentext: Sommer 1988. Friederika hat große Füße und nennt sich Frie. Robert, neu an der Schule und schüchtern, verliebt sich sofort, aber zeigt es nicht. Vielleicht flirtet sie nur zum Spaß mit ihm? Nach dem Abitur trennen sich ihre Wege. Frie wird früh Mutter, Robert erfolgreicher Musiker. Wann immer sie sich begegnen, wird es kompliziert. Sommer 2022. Frie, fast fünfzig und seit dem Auszug der Tochter allein, fährt zum Abitreffen. Mit dabei: all die Erinnerungen an Robert, den sie zwanzig Jahre nicht gesehen hat. Was wird diesmal zwischen ihnen passieren? 

Mit "Astrid Lindgren*" von Susanne Lieder* gehe ich in den Juli.

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Freitag, 5. Juli 2024

Ausgelesen: Bücher im Juni 2024

Im Urlaub wird im Wechsel gehäkelt
und gelesen.
Den Monat begann ich mit den ersten beiden Bänden der dreibändigen Hannah-Bloch-Reihe von Volker Dützer*

"Die Unwerten*" beginnt in Frankfurt am Main im Jahr 1939, als die vierzehnjährige Hannah vor ihren Mitschülern in einem Krampfanfall zusammen bricht. Bisher war es dem jüdischen Mädchen gelungen, ihre Epilepsie zu verheimlichen, doch jetzt meldet ihr linientreuer Lehrer sie bei der Obrigkeit. Hannah gerät ins Visier des NS-Terrorapparates, denn die Nazis haben sich zum Ziel gesetzt, alles „lebensunwerte Leben“ zu vernichten. Hannahs Schicksal liegt nun in den Händen des Gutachterarztes Joachim Lubeck, einem gewissenlosen Opportunisten, der für seine Karriere über Leichen geht.

Hannah überlebt und kehrt nach Frankfurt zurück. In "Die Ungerächten*" fandet die 22jährige 1947 in den Trümmern der Stadt im Auftrag der Amerikaner nach Kriegsverbrechern. Ihre Aufgabe führt sie nach England, wo sie dem Mörder ihres Geliebten auf die Spur kommt. Sie verfolgt ihn quer durch Europa. Auf ihrem Weg lernt sie den ehemaligen KZ-Häftling Pawel kennen, der nur einen Gedanken kennt: Rache. In ihm findet sie einen Gleichgesinnten, doch Pawel hütet ein dunkles Geheimnis. Sein Hass droht nicht nur ihn zu vergiften, sondern auch Hannah. 

Der dritte Band "Die Unerhörten*" warten in der Onleihe auf mich - das ist einer der Vorteile der hiesigen Onleihe: Wenn's nicht passt, kann ich Vormerkungen verschieben. Da ich aktuell so viele digitale und analoge Bücher finde, die ich gerne lesen möchte, habe ich richtigen Lesestress und schiebe einiges auf.   

Auch die Reihe um die junge Polizistin Ida Rabe von Lea Stein* spielt im Nachkriegsdeutschland, in Hamburg. In "Altes Leid*" beginnt die junge Frau ihren Dienst in der neu gegründeten Weiblichen Polizei in der Davidwache, misstrauisch beäugt und gelegentlich auch behindert und schikaniert von den männlichen Kollegen. Und schon bald bekommt sie viel zu tun: Im nachkriegszerbombten Hamburg trifft man das Elend an jeder Ecke – in Form von Bettlern, Prostituierten und stehlenden Kindern. Als eine Frau im Umland tot aufgefunden wird, grausam verstümmelt und mit aufgeschnittenem Unterleib, scheint sich niemand besonders für den Fall zu interessieren. Doch Ida, deren eigene dunkle Vergangenheit mit der Unterwelt Hamburgs verschlungen ist, macht sich auf die Suche nach dem Täter. Bald ist klar: In Hamburg geht ein Monster um. Und um es zu fassen, muss Ida ihm gefährlich nahe kommen ... Die Reihe* umfasst bislang zwei Bände, ein dritter erscheint im Januar.  

"Das Leben ist ein vorübergehender Zustand*" von Gabriele von Arnim* hat mich unwahrscheinlich beeindruckt. Es stand schon länger auf meiner Leseliste, und zufällig sah ich, das es in der Onleihe verfügbar war. Durch einen Schlaganfall ihres Mannes wird aus von Arnim "die Frau des Kranken". In ihrem Text beschreibt sie die Balance, in der Krankheit zu sein und im Leben zu bleiben, den schmal Grat zwischen Fürsorge und Übergriffigkeit, Zuwendung und Herrschsucht, wie leicht Rettungsversuche in demütigender Herabwürdigung enden oder Aufopferung erbarmungslos wird. Ich fand den Gatten und mich in Vielem wieder, bekam viel zum Nachdenken. Der Gatte schenkte mir die Druckausgabe. Ich möchte ganz altmodisch Passagen unterstreichen, möchte es öfter lesen.

Nicht so mein Fall war "Schuld und Unschuld*" von Ralf Schmidt*. Als der pensionierte Hauptkommissar Horst Krämer ermordet wird, übernimmt Jan Schröder die Ermittlungen. Schnell findet er heraus, dass das Opfer an alten ungelösten Kriminalfällen gearbeitet hat. Schröder glaubt an einen Zusammenhang zwischen Krämers Nachforschungen und seiner Ermordung. Er beginnt, die alten ungelösten Verbrechen aufzuarbeiten und stößt dabei auf einen Fall. Der bereits vor vielen Jahren aufgeklärt wurde: Vom Opfer Horst Krämer selbst. 

Die Krimis von Trude Teige* lese ich gerne, und so war ich gespannt, wie mir ihr Roman "Als Großmutter im Regen tanzte*" gefallen würde. Ich war tief beeindruckt und bestellte mir gleich "Und Großvater atmete mit den Wellen*" in der Bücherei vor. Das ist übrigens ein weiterer Unterschied zur Hamburger Bücherhalle: In der örtlichen Bücherei kann ich kostenpflichtige Vorbestellungen machen, ohne das gleich mein komplettes Konto wegen ausstehender Gebühren gesperrt wird. Die Gebühr für die Vormerkung zahlte ich erst, als ich das Buch abholte. Im Gegensatz zu den digitalen Vormerkungen kann ich analoge allerdings nicht verschieben.

Zur Handlung: Als Juni ins Haus ihrer verstorbenen Großeltern auf der kleinen norwegischen Insel zurückkehrt, entdeckt sie ein Foto. Es zeigt ihre Großmutter Tekla als junge Frau mit einem deutschen Soldaten. Wer ist der unbekannte Mann? Ihre Mutter Lilla kann Juni nicht mehr fragen. Das Verhältnis zwischen ihrer Mutter und ihrer Großmutter war immer von etwas Unausgesprochenem überschattet. Die Suche nach der Wahrheit führt Juni nach Berlin und in die kleine Stadt Demmin im Osten Deutschlands, die nach der Kapitulation von der russischen Armee überrannt wurde, wodurch es zu einem Massensuizid kam. Juni begreift, dass es um viel mehr geht als um eine verheimlichte Liebe. Und dass ihre Entdeckungen Konsequenzen haben für ihr eigenes Glück.

"Und Großvater atmete mit den Wellen*" erzählt die Geschichte von Junis Großvater Konrad bis zum Kennenlernen ihrer Großmutter und ihrer Tochter Lilla. Ihr Großvater war immer der Fels in der Brandung für die junge Juni. Doch nie hat er von dem Ort gesprochen, der ihn am meisten geprägt hat. Erst jetzt erfährt Juni, wo ihr liebevoller Großvater gelernt hat, mit den Wellen zu atmen. Im Jahr 1943 wird das norwegische Handelsschiff, auf dem die Brüder Konrad und Sverre, arbeiten, im Indischen Ozean angegriffen. Im Krankenhaus auf Java verliebt sich Konrad in die Krankenschwester Sigrid. Doch ihr Glück ist bedroht: Getrennt geraten sie in Gefangenschaft. Welche Zukunft wartet auf sie hinter dem Meer?

Für beide Bücher gilt: Absolute Lese-Empfehlung!

In "Wo wir zu Hause sind: Die Geschichte meiner verschwundenen Familie*" macht sich der Berliner Autor Maxim Leo* auf, um seine in  England, Israel und Frankreich lebenden Verwandten zu besuchen, und erzählt die unglaublichen Geschichten seiner drei Großtanten: Die von Hilde, der Schauspielerin, die in London zur Millionärin wurde. Die von Irmgard, der Jura-Studentin, die einen Kibbuz auf den Golanhöhen gründete. Die von Ilse, der Gymnasiastin, die im französischen Untergrund überlebte. Und die ihrer Kinder und Enkelkinder, die jetzt nach Berlin zurückkehren, in die verlorene Heimat ihrer Vorfahren. Auf der Suche nach der Vergangenheit seiner Familie findet Maxim Leo eine Zusammengehörigkeit, die keine Grenzen kennt. 

Spannend fand ich die Überlegung, Juden könnten beruhigt nach Deutschland zurückkehren, denn der Faschismus werde nicht zwei Mal in einer Stadt anfangen. Da ist was dran. Diesmal beginnt die Machtübernahme nicht in Berlin, sondern in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt ... 

Die dänische Autorin Anna Grue ist vielen sicherlich durch die Dan Sommerdahl-Krimis im ZDF bekannt. Grue schreibt aber auch eine bislang dreibändige Reihe um die Rentnerin Anne-Maj Mortensen aus der kleinen Stadt Odsherred, die in einem der typisch dänischen Trödelläden, genbrugsen, arbeitet. Dort gibt es eine Reihe mysteriöser Todesfälle. Die Polizei geht von natürlichen Ursachen aus, aber das will die resolute Rentnerin beim besten Willen nicht glauben. Hartnäckig macht sie sich daran, den Fall selbst aufzuklären. Dabei arbeitet die selbsternannte Detektivin unter erschwerten Bedingungen: Ihr Alltag ist mit Gartenarbeit, Hundeerziehung und immer neuen Diätversuchen schon stressig genug. Aber mit Nachdruck und dem richtigen Riecher findet sie schließlich eine heiße Spur. Trotz gelegentlicher Längen gefiel mir "Tod im Trödelladen*" ausgesprochen gut. Ich freue mich auf die beiden Fortsetzungen, die leider noch nicht in der Onleihe sind. 

Leider war mein Hirn zu matschig, um mich auf "Gott spricht Jiddisch: Mein Jahr unter Ultraorthodoxen*" von Tuvia Tenenbom* zu konzentrieren und verschob die Lektüre auf einen besseren Zeitraum - einen Urlaub, zum Beispiel. Das Buch ist so aktuell, dass Tenenbom auch auf das Simchat-Tora-Pogrom eingeht, aber da mir mein matschiges Hirn einen Strich durch die Rechnung machte, kam ich gar nicht erst so weit. Mir fehlt aktuell einfach die Konzentration.

Ärgerlich fand ich "Einer muss den Job ja machen: Hammersteins erster Fall*", den ersten Band einer bislang dreibändigen Reihe um den Hamburger Journalisten Lukas Hammerstein, geschrieben vom Hamburger Journalisten Lars Haider*. Normalerweise gebe ich einem Buch eine Chance von 50 Seiten, bis ich es aufgebe, aber hier war es schon auf Seite 34 so weit (eigentlich war ich schon weit eher total genervt, aber meine 50-Seiten-Regel ...). Der Klappentext liest sich einigermaßen spannend: Hamburg, 2017: Die Elbphilharmonie ist eröffnet, die Rolling Stones spielen im Stadtpark, beim G20-Treffen brennt das Schanzenviertel – und Lukas Hammerstein kann nicht mehr. Der Reporter hat das ganze Jahr durchgearbeitet und freut sich auf ein Sabbatical. Wenn nur Dackeldame Finchen nicht wäre, die Lukas aufgenommen hat, ohne zu ahnen, dass der Hund einen kleinen Schaden hat … Und es kommt noch schlimmer: Ein Journalist wird ermordet, die Polizei ist ratlos. Lukas bleibt keine Wahl, denn: "Einer muss den Job ja machen" – wie es in einem Song seines guten Freundes Udo heißt. 

Der letzte Halbsatz hätte Warnung sein müssen. Das Buch (na ja, die ersten 34 Seiten) besteht aus endlosem Name Droping, man nimmt sich wichtig, umgibt sich mit sich wichtig nehmenden Personen aus der "Haute Volaute", definiert sich über vermeintlichen Luxus - es ist einfach nur ermüdend. Dackel Finchen könnte ein Lichtblick sein, aber ihr begegnete ich nur kurz, weil ich entnervt aufgab.  

Solide Kost und eine sichere Bank hingegen ist "Funkenmord*", der elfte Band der Kluftinger-Reihe von Volker Klüpfel und Michael Kobr. Kluftinger steht vor einem Rätsel: Wie um Himmels Willen funktioniert eine Waschmaschine? Wieso gibt es verschiedene Sorten Waschmittel? Und wie überlebt man eine Verkaufsparty für Küchenmaschinen bei Doktor Langhammer? Weil seine Frau Erika krank ist und zu Hause ausfällt, muss sich Kluftinger mit derartig ungewohnten Fragen herumschlagen. Die Aufgaben im Präsidium sind nicht weniger anspruchsvoll: Der Kommissar will nach über dreißig Jahren endlich den grausamen Mord an einer Lehrerin aufklären. Die junge Frau wurde am Funkensonntag an einem Kreuz verbrannt. Doch das Team des Kommissars zeigt wenig Interesse am Fall "Funkenmord". Nur die neue Kollegin Lucy Beer steht dem Kommissar mit ihren unkonventionellen Methoden zur Seite. Der letzte Brief des Mordopfers bringt die beiden auf eine heiße Spur.

Ich freue mich auf den aktuellen Band "Affenhitze*", den ich bald per Onleihe bekomme, und Ende September erscheint dann auch Band dreizehn*

In den Juli gehe ich mit dem achten Band der Flüsse-von-London-Reihe* von Ben Aaronovitch*. Ich hatte beim Lesen von "Ein weißer Schwan in Tabernacle Street*" mehrfach das Gefühl, dass mir ein Band fehlt, aber es ist einfach zu lange her, dass ich "Die Glocke von Whitechapel*" las - im Juli 2019, damals, als unser Leben noch so ganz anders war ... 

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Freitag, 10. Mai 2024

Ausgelesen: Bücher im April 2024

Das Rudel liest.
In diesem Monat waren die Bücher von Adriana Altaras eine Entdeckung für mich! Eine Mit-Rehabilitandin, eine der wenigen, mit denen ich mich näher unterhielt, hatte mich darauf aufmerksam gemacht, und dabei fiel mir ein, dass "Titos Brille. Die Geschichte meiner strapaziösen Familie*" schon ewig auf meiner Leseliste stand, seitdem ich im DLF mal ein Interview mit Altaras zu dem Buch hörte. 

Als Altaras Eltern Jakob Altaras und Thea Altaras sterben und sie eine Wohnung erbt, die seit 40 Jahren nicht mehr ausgemistet wurde, kämpft sie sich durch kuriose Hinterlassenschaften, bewegende Briefe und uralte Fotos. Dabei kommen nicht nur turbulente Familiengeheimnisse ans Tageslicht. Auch die Toten reden von nun an mit und erzählen ihre eigenen Geschichten. In eindringlichen Episoden erzählt sie von ungleichen Schwestern, von einem Vater, der immer ein Held sein wollte, und von einer Mutter voller Energie und Einsamkeit. 

Angesichts meiner eigenen Familie dachte ich beim Lesen öfter "Endlich normale Leute!" Gleiches galt für "Doitscha: Eine jüdische Mutter packt aus*", ebenfalls von Adriana Altaras*. Leidenschaftlich, mitreißend und witzig erzählt sie mitten aus dem jüdischen Leben heute in Deutschland. Vom jüngsten Sohn, der lieber "Germany`s next Topmodel" sähe, als zuzuschauen, wie sich seine Mutter in Talkshows über die Beschneidung und die "schönen Schmocks" ihrer Söhne auslässt, von tragikomischen Identitäts- und Religionskonflikten, die sich an einer rissigen Salatschüssel entzünden, von unkonventionellen Gedenkreden, vom Erben und Vererben. Die ganze Familie kommt zu Wort, das ganze Tohuwabohu. Ein kluges, faszinierendes und vielstimmiges Porträt jüdisch-deutscher Gegenwart und ein unvergessliches Buch über Familie in all ihren tröstlichen und irrsinnigen Facetten. Wie gesagt: Endlich normale Leute!

In den April ging ich mit dem dritten Band einer Krimi-Reihe um die Kripobeamte Mandy Hanke und Thomas Huber*, die in Pfarrkirchen in Niederbayern spielt, von Hans Weber und Armin Ruhland geschrieben wurde. In "Ausgewildert*" kümmern sich die beiden um Wilderer und klären einen Mord auf. 

Die Reihe um "Dorfkommissarin Mary*" von Marion Stadler* fand ich ganz nett, und so freute ich mich auf den achten Band, in dem Mary erstmals ermittelt, obwohl sie inzwischen aus dem Polizeidienst ausgeschieden ist. In "Mordsbräute*" findet sich ausgerechnet in der Burgruine, in der ihr ältester Sohn eigentlich gerade heiraten wollte, eine Leiche. Der unbekannte Tote gibt Rätsel auf, genauso wie das Verschwinden der Verwaltungsangestellten Swetlana Nemkova, die sich als Täterin herausstellt. Die hübsche Blondine war erst seit Kurzem in Essing heimisch, alles andere als ein Mauerblümchen, und hatte mit einigen Männern ein Techtelmechtel. Nun gilt es herauszufinden, wer der flüchtigen Mörderin Unterschlupf gewährt. Dabei nützt ihr der neue Job beim Lindenwirt, denn die Gerüchteküche am Stammtisch brodelt. 

Im März stieß ich zufällig auf die Reihe "Wahre Verbrechen" aus dem Gmeiner-Verlag. In "Die Schwarze Witwe von Wien*" von Monika Buttler* geht es um Elfriede Blauensteiner. In ärmlichen Verhältnissen geboren und unter ständiger Gewalt aufgewachsen, rächt sie sich auf ihre Weise. Nachdem sie ihren Gatten zu Tode gepflegt und seine Rente im Spielsalon verspielt hat, lockt sie mit Inseraten heiratslustige und reiche Rentner an. Sie will ihren Status festigen. Und was bei einem Mann funktionierte, lässt sich auch auf andere übertragen. Mord wird fortan zu ihrem Überlebensprogramm.

"Die Giftmörderin Grete Beier*" lebte Ende des 19. / Anfang des 20. Jahrhunderts im sächsischen Freiberg. Am 23. Juli 1908 stirbt die 22-jährige Bürgermeistertochter unter dem Fallbeil. Das letzte Todesurteil im Königreich Sachsen ist vollzogen und ein kurzes, dramatisches Leben ausgelöscht. Wer war Grete Beier? Was verleitete sie, ihren vermögenden Bräutigam zu vergiften und ihm kaltblütig in den Kopf zu schießen? War es aus Abscheu gegen eine von den Eltern erzwungene Ehe? War es aus verzweifelter Liebe zu dem anderen Mann in ihrem Leben? Oder ging es um pure Habgier? Kathrin Hanke* spürt diesen Fragen minutiös nach und erzählt die Lebensgeschichte dieser eigenwilligen Frau mit ihren dramatischen Wendepunkten.

Die Reihe um die verwitwete Hauptkommissarin Enna Andersen* und ihr Team von Anna Johannsen* lese ich ausgesprochen gerne. Im sechsten Band, "Enna Andersen und das weite Land*" ermittelt das Team in Butjadingen. Hier werden durch Zufall die sterblichen Überreste von zwei Menschen gefunden. Die DNA-Analyse führt die Polizei zu einem alten Kriminalfall: Vor zwanzig Jahren haben die Ermittler einer SoKo vergeblich versucht, den Großbauer Tjark Feddersen und seine Frau Eefke zu finden. 
Enna Andersen will den Fall gemeinsam mit ihrem Team neu aufrollen. Schnell gerät der Bruder des Opfers erneut unter Verdacht. Der Streit um das Hoferbe stellte seinerzeit das stärkste Motiv für eine mögliche Gewalttat dar. Eine andere Spur führt zu Feddersens politischem Engagement und Korruptionsvorwürfen. Als der verdächtigte Bruder mit Erstickungsanzeichen tot aufgefunden wird, sehen sich die Ermittler plötzlich nicht nur mit dem Cold Case, sondern auch mit einem Mörder in der Gegenwart konfrontiert.

Leichte Kost versprach "Komm zu nix – Nix erledigt und trotzdem fertig: Gute-Laune-Storys*" von Tommy Jaud*, den ich eigentlich ganz gerne lese. In ein paar Geschichten erkannte ich mich auch wieder.

Die Krimis der Zorn-Reihe* von Stephan Ludwig* sehe ich gerne im Fernsehen, aber die Bücher mochte ich gar nicht. Dementsprechend gespannt war ich, wie mir "Der nette Herr Heinlein und die Leichen im Keller*" gefallen würde. Das Buch hat mich wirklich verzückt! Norbert Heinlein, Delikatessenhändler in dritter Generation, legt größten Wert auf Qualität und Tradition. Seine Kundschaft geht ihm über alles, er bedient sie mit ausgesuchter Höflichkeit. So auch seinen neuen Stammkunden Adam Morlok, einen charismatischen Geschäftsmann. Bis Morlok eines Tages durch ein Versehen Heinleins tot zusammenbricht. In seiner Panik lagert Heinlein Morloks Leiche kurzerhand im alten Kühlhaus im Keller zwischen. 
Doch statt einen Weg aus der Sache zu finden, gerät Heinlein immer tiefer hinein. Und es wird nicht bei einer Leiche im Keller bleiben – Morlok bekommt bald Gesellschaft im Kühlhaus …

Der Salzkammergut-Krimi "Tod Aussee*" von Katja Reiland* soll wohl der Auftakt-Band zur Reihe um die Wiener Illustratorin Marie Haslinger sein. Die will in der Reha-Klinik nur ihr Bein auskurieren. Aber als plötzlich eine Leiche im Schwimmbecken treibt, ist es vorbei mit der Ruhe. Und dann ist da auch noch dieser charmante Bezirksinspektor, der Marie mehr den Kopf verdreht, als ihr lieb ist. Mit Hilfe ihrer kartenlegenden Nachbarin macht sich Marie auf die Suche nach dem Mörder und bringt sich dabei selbst in höchste Gefahr. Mich sprach der Titel an, weil ich selbst gerade in der Reha war. Fazit: Ganz nett, aber nicht so nett, dass ich einer Fortsetzung entgegen fiebere. 

Ganz anders war's mit dem fünften Band der Frau Helbing-Reihe* von Eberhard Michaely*. Da freue ich mich jetzt schon auf Band sechs*. Aber erstmal war "Frau Helbing und der Casanova aus Winterhude*" an der Reihe. Mit ihrem Weihnachtsgeschenk, einem Wassergymnastik­Schnupperkurs, hat Frau Helbings Freundin Heide ins Schwarze getroffen. "Aqua Gym" macht nicht nur Spaß, schon nach wenigen Wochen fühlt sich Frau Helbing auch be­weglicher und hat sogar neue Freundinnen gefunden. Wenn nur Wolfgang Hoyer nicht wäre! Ein aufgeblasener Gockel, der nichts anderes im Sinn hat, als alleinstehenden älteren Damen nachzustellen. Seine Liaison mit der ehemaligen Schauspielerin Olga Suditzky scheint gerade erst beendet, da bändelt er schon mit Frau Helbings neuer Freundin Ingeborg Kappel an. Ob sie ein bisschen neidisch auf Ingeborgs zweiten Früh­ling ist?, fragt sich Frau Helbing. Da erhält sie einen Anruf von Olga Suditzky, die sie bittet, eine Tasche von Herrn Hoyer bei ihr abzuholen. Kurz darauf wird Suditzky tot in ihrer Wohnung gefunden – seit vierzehn Tagen liegt sie dort! Hat Wolfgang Hoyer seine Verflossene aus dem Weg geräumt? Wer hat Frau Helbing dann angerufen? Ihr rätselhafter fünfter Fall führt die pensionierte Fleischereifachverkäuferin in den Alsterpavillon und ins Thalia Theater.

In den April gehe ich mit "Mehr als die Ehre*", dem dritten Band der Gut-Mohlenberg-Reihe* von Melanie Metzenthin*, ich ich ja im Großen und Ganzen ganz gerne lese. Diesmal spielt die Handlung auf Gut Mohlenberg im Jahre 1941: Seit der Machtübernahme durch die Nazis ist die psychiatrische Klinik geschlossen und wird von Friederike von Aalen offiziell als Gestüt geführt. Trotzdem beschäftigt sie weiter Menschen mit geistiger Einschränkung, die von Euthanasie bedroht sind. Ein gefährlicher Balanceakt für die Psychiaterin, denn ihre edlen Pferde sind auch bei den Reitern der SS sehr begehrt. Als in den benachbarten Brenner-Hof ein melancholischer, aber tatkräftiger Witwer einzieht, hat Friederike zum ersten Mal seit dem Tod ihres Mannes Bernhard wieder Gefühle für jemanden. Sie wünscht sich nichts mehr, als ihr Leben und ihre Überzeugungen mit einem Mann zu teilen. Doch in diesen Zeiten könnte zu viel Vertrauen lebensbedrohlich sein.

Freitag, 24. November 2023

Ausgelesen: Bücher im Oktober 2023

Eigentlich wollte ich "Erfolg*" von Lion Feuchtwanger zu Ende lesen, aber der Tolino beschloss ab Seite 380, nur noch Zehn-Seiten-weise umzublättern. So komme ich zwar schnell durch das Buch, aber schön ist anders. Aktuell ist es in Kindle Unlimited enthalten - mal gucken, ob ich es mir hole. Momentan tendiere ich eher zu Hörbüchern der Reihe, um nebenbei stricken zu können.

Passenderweise war meine Bestellung von "Die Möglichkeit von Glück*" von Anne Rabe zur Abholung bereit. Lange traf mich kein Buch so sehr in Herz und Seele wie dieses! Absolute Lese-Empfehlung! Vor allem die Mutterfigur erinnerte mich sehr an meine Mutter. Die Schilderungen von physischem und psychischen Missbrauch waren mir sehr bekannt. 

Entspannender waren die Bände zwei bis vier der Reihe um die Rechtsmedizinerin Leona Pirell von Maren Schwarz*. Der vierte Band, "Inselgrauen*" war allerdings so schwach, dass ich mich nur noch durchkämpfte. Es fehlte Spannung, stattdessen gab's ellenlange Abhandlungen, blieb die Handlung hölzern, gab's haarsträubende Wendungen, und zum Schluss ging's Richtung Groschenroman. Den fünften Band, "Inselbrut*", der im März erscheint, werde ich wohl nicht lesen.

Da die Pirell-Reihe ja insgesamt ganz lesbar war, wollte ich mit der Kommissar Lüders-Reihe* weitermachen, die ebenfalls Maren Schwarz* schrieb. Ich bin ja wirklich hart im Nehmen und breche selten ein Buch ab, aber "Grabeskälte*" ging wirklich nicht! Im Mittelpunkt steht Cora Birkner, erfolglose Krimiautorin aus Auerbach. Sie hütet ein schreckliches Geheimnis: Sie ist die einzige Augenzeugin eines grausamen, über zwanzig Jahre zurückliegenden Mordes. Immer wieder von beängstigenden Alpträumen geplagt, entschließt sie sich eines Tages ihr Wissen preiszugeben - in ihrem neuen Kriminalroman. Das Buch findet das Interesse eines Leipziger Verlags. Doch noch bevor es zu einem Treffen kommt, wird die Leiche der Frau unter der berühmt berüchtigten Göltzschtalbrücke aufgefunden. 

Aber so weit kam ich gar nicht erst, ich brach schon im ersten Kapitel ab. An Rechtschreib- und Grammatikfehler bin ich ja gewöhnt, denn kaum noch ein Verlag leistet sich ein Korrektorat, aber hier wurde wieder seitenweise das Trauma der Kinderlosigkeit verarbeitet, ähnlich wie in der Pirell-Reihe. Das ist nichts für mich!

In den November ging ich mit dem ersten Band der bislang dreibändigen Reihe um den Berliner Kommissar Reinike, "Ein böser Kamerad*" von Jörg Reibert*. Die Reihe spielt im Berlin der 1920er Jahre, und Reinike steht Emil Bachmann, ein ehemaliger Frontsoldat, gegenüber. Das Töten ist sein Handwerk. Als er nach Ende des Ersten Weltkriegs nach Berlin zurückkehrt, ist er vollkommen entwurzelt. Mühsam fasst er wieder Fuß im Zivilleben. Doch die Schatten der Vergangenheit lassen ihn nicht los. Als ihn sein Schwager für die SA anwirbt, findet er eine neue Heimat unter den Kameraden. Aber er verstrickt sich in viele Konflikte, und Gewalt ist für ihn die einfachste Lösung. Bald schon wird Mord für ihn zur Gewohnheit.

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Sonntag, 1. März 2020

Ausgelesen: Bücher im Februar 2020

Krankheitsbedingt kann ich momentan in der Freizeit wenig machen außer Lesen und Stricken.

Ich bin oft erschöpft, gehe dementsprechend früh ins Bett, kann aber nicht schlafen und lese dann (zum Stricken bin ich dann zu müde, außerdem schlafe ich beim Lesen automatisch irgendwann ein).

Dementsprechend lese ich zurzeit sehr viel.

Zu Weihnachten schenkte ich Mudderns "Die Villa an der Elbchaussee*" und "Jahre an der Elbchaussee*" von Lena Johannson*, und wie erhofft, gefallen ihr beide Bücher sehr. Außerdem liest sie endlich wieder, verschlingt Bücher geradezu. überlegt sogar, sich einen Bibliotheksausweis zu holen. Ihre Gesellschafterin tut ihr so gut, dass ich Mudderns manchmal kaum wiedererkenne.

"Jahre an der Elbchaussee" fand dann auch seinen Weg zu mir. Das Buch knüpft an den ersten band an, kann aber auch gut alleine gelesen werden. Wie der erste Band ist es ein Herz-Schmer-Schmachtfetzen. Muss man mögen.

Die Handlung setzt im Hamburg der späten 1920er Jahre ein. Frieda, Tochter eines Schokoladenproduzenten, ist überglücklich: Ihre Hochzeit steht kurz bevor, und die Schokoladenmanufaktur feiert immer größere Erfolge. Endlich scheint sie ihren Platz im Familien-Kontor gefunden zu haben.

Ihr Verlobter, der Däne Per, hat sein Verlobungsgeschenk eingelöst und ein Haus an der Elbchaussee gekauft. Eigentlich wollten er und Frieda endlich den Hochzeitstermin festlegen – doch immer kommt etwas dazwischen. Und dann steht plötzlich der Engländer Jason vor ihr, ihre große Jugendliebe. Seit er damals Hals über Kopf Hamburg verlassen hat, um in Übersee das Teekontor seiner Familie weiterzuführen, hat sie ihn nicht mehr gesehen. Mit einem Mal spürt sie, dass noch zu viel Unausgesprochenes zwischen ihnen liegt, als dass sie ihr neues Leben mit Per beginnen könnte. Aber wird ihr Verlobter dafür Verständnis haben?

Auch die sich langsam verändernde politische Stimmung belastet Frieda. Ist doch nicht nur ihre beste Freundin, sondern auch das uneheliche Kind ihres Bruders jüdischer Abstammung. Und dann wird ihre Hoffnung, dass Freunde und Familie in diesen schweren Zeiten noch enger zusammenhalten, jäh enttäuscht.

Die historischen Hintergründe sind einigermaßen sauber recherchiert, und bei einem Schmachtfetzen erwarte ich keine Tiefgründigkeit. Wie beim ersten Band auch störten mich aber ein paar Nachlässigkeiten. Wird im ersten Band der mitteldeutsche Begriff "Nischel" für "Kopf" genutzt, was in Norddeutschland mehr als unüblich ist, ist im zweiten Band permanent von der "Imperator" die Rede. Nun sind generell Schiffe zwar weiblich, aber beim Imperator legte Kaiser Wilhelm II. explizit Wert auf den männlichen Artikel. Das müsste man wissen, wenn man Wert auf historische Genauigkeit legt (und spätestens im Lektorat sollte es auffallen).

Mudderns freut sich auf den im Sommer erscheinenden dritten Band "Die Töchter der Elbchaussee*.

Zu Weihnachten bekam ich einen Tolino, auf den ich mich sehr freute. weil ich endlich wieder die Onleihe nutzen kann, nicht mehr von Amazon abhängig bin. Der alte eReader hat nach neun Jahre einige Macken, kein wlan und keine Beleuchtung, deswegen kam der Wunsch nach einem neuen Gerät auf.

Ich dachte, der Tolino ließe sich ähnlich leicht bedienen wie der Kindle, aber weit gefehlt. Es ist mehr als umständlich, Bücher auf das Gerät zu laden (selbst mein neun Jahre altes No-Name-Gerät ist da schneller), bis sich ein Buch öffnen, dauert es Minuten (selbst mein - na Du weißt schon), Kapitelwechsel dauern ebenfalls, und es bedarf häufiger Neustarts, um lesen zu können. Lesefluss ist was anderes. Ich holpere mehr durch die Bücher und lerne als Schnellleserin ungewollt die Kunst der Entschleunigung.

Lesenachschub will gut geplant sein, vor allem im Urlaub, denn die Zugangsdaten zur Onleihe lassen sich nicht speichern. Um elf Titel herunterzuladen, musste ich mich über ein Dutzend mal einloggen. Wie leicht es doch beim Kindle, sich Lesenachschub zu besorgen! Ich bin zudem gespannt, ob der Lesenachschub im Ausland überhaupt funktioniert - ich wäre nicht überrascht, wenn die Onleihe nur in Deutschland klappt.

Den Tolino weihte ich mit "Der Apfelbaum*" von Christian Berkel ein, der für den autobiographischen Roman über seine Familie seinen Wurzeln nachspürt.

Berkels Eltern begegnen sich erstmals 1932 ind Berlin. Sala und Otto sind dreizehn und siebzehn Jahre alt, als sie sich ineinander verlieben. Er stammt aus der Arbeiterklasse, sie aus einer intellektuellen jüdischen Familie. 1938 muss Sala ihre deutsche Heimat verlassen, kommt bei ihrer Tante in Paris unter, bis die Deutschen in Frankreich einmarschieren.

Während Otto als Sanitätsarzt mit der Wehrmacht in den Krieg zieht, wird Sala bei einem Fluchtversuch verraten und in einem Lager in den Pyrenäen interniert. Dort stirbt man schnell an Hunger oder Seuchen, wer bis 1943 überlebt, wird nach Auschwitz deportiert. Sala hat Glück, sie wird in einen Zug nach Leipzig gesetzt, taucht unter und begegnet Menschen, die ihr helfen, zu überleben.

Kurz vor Kriegsende gerät Otto in russische Gefangenschaft, aus der er 1950 in das zerstörte Berlin zurückkehrt. Auch für Sala beginnt mit dem Frieden eine Odyssee, die sie bis nach Buenos Aires führt. Dort versucht sie, sich ein neues Leben aufzubauen, scheitert und kehrt
zurück. Zehn Jahre lang haben sie einander nicht gesehen. Aber als Sala Ottos Namen im Telefonbuch sieht, weiß sie, dass sie ihn nie vergessen hat.

"Der Apfelbaum" ist eine bewegende Familiengeschichte, ein Lese-Muss. Mir fehlte einzig ein Anhang, in dem näher auf die einzelnen Familienmitglieder eingegangen wird, denn beispielsweise Berkels Schwester Ada bleibt doch sehr am Rande, aber vielleicht gibt es so einen Anhang in den gedruckten Ausgaben oder nicht alle Familienmitglieder wollten ausführlich im Buch erscheinen.

Die Detlefsen und Stappenbek-Reihe von Krischan Koch lese ich schon länger, und jetzt komme ich endlich dazu, den sechsten und siebten Band zu lesen. In "Pannfisch für den Paten*" herrscht Aufruhr im friesischen Dörfchen Fredenbüll: Auf dem Deichvorland werden mehrere Windräder installiert, was die Naturschützer im Dorf auf den Plan ruft. Sogar Oma Ahlbeck unterstützt die eilig gegründete Initiative "Sei (k)ein Frosch e.V.", die sich um die bedrohte Rotbauchunke sorgt.

Eines Morgens steckt in dem noch feuchten Betonsockel eines Windrads ein Toter! Mischt da etwa der mysteriöse Unbekannte mit, der von lauter Männern in dunklen Anzügen bewacht wird? "Dat is BKA", weiß Polizeiobermeister Thies Detlefsen und wittert sofort einen ganz großen Fall.

Es macht einfach Spaß, wieder in Fredenbüll zu sein und die Gang der "Hidden Kist" wieder zutreffen. Nur das Korrektorat war wieder mal nachlässig. Ich weiß, so was kostet Geld, aber dennoch: Fehler wie "Pokerunde" statt Pokerrunde" und "boaring" statt "boring" sind überflüssig.

Der siebte Band, "Mörder mögen keine Matjes*", spielt in Hamburg, denn einer aus der Gang liegt in der Endo-Klinik, wo Telje gerade ein Praktikum macht, und da muss die gesamte Belegschaft aus der "Hidde Kist", inklusive Imbisshund Susi, natürlich zu Besuch kommen. Passenderweise muss Dorfpolizist Thies Detlefsen ebenfalls nach Hamburg, weil in Fredenbüll ein Container mit Elektroschrott an die Küste angeschwemmt wurde: Zwischen Kabelsalat und ausrangierten Bildschirmen taucht ein Toter auf! Alles weist auf Mord hin – und darauf, dass die Tat in Hamburg begangen wurde.

Die Geschichte ist voller herrlich skurriler und verrückter Ent- und Verwicklungen - passt. Einzig dass in einer Knutschzene mal wieder die Zwillinge verwechselt wurde, Tadje Freund in einem Moment mit ihr, im nächsten mit ihrer gerade in Hamburg weilenden Schwester Telje knutscht, muss wohl so sein, dann bei "Backfischalarm*" war das auch schon so.

Ich freue mich auf den gerade erschienenen achten Band, "Friedhof der Krustentiere*".

Anschließend las ich mich durch die bislang fünfbändige Rabbi-Klein-Reihe* von Alfred Bodenheimer. Der Rabbi lebt mit Frau und zwei Töchtern in Zürich und stolpert immer wieder in Kriminalfälle. Das erinnert ein wenig an die Rabbi-Small-Reihe von Harry Kemelman, die in den 1960er Jahren geschrieben wurde, hat aber durchaus Charme.

Die Reihe beginnt mit "Kains Opfer*": Als ein Mitglied seiner Gemeinde ermordet wird, bittet die ermittelnde Kommissarin Klein, hebräische eMails zu übersetzen, da die Polizei-Übersetzerin malad ist. Klein übersetzt bewusst falsch, um ein anderes Gemeindemitglied zu schützen, aber am Schluss fügt sich alles, wenn auch sehr tragisch.

In "Das Ende vom Lied*" wird Klein in einen vermeintlichen Selbstmord verwickelt, und da er das Opfer sehr gut kannte, von der Frau gestalkt wurde, steht plötzlich seine Frau unter Verdacht, das Opfer vor einen Zug gestoßen zu haben. Wie so oft, ist die Wahrheit aber eine ganz andere.

Im Sabbatical will sich Klein eigentlich in Ruhe mit einem historischen Text aus dem 16. Jahrhundert* beschäftigen, aber selbst in Basel, wo er an der Universität arbeitet, stolpert er in einen Mordfall. Das Opfer, ein erfolgreicher Anwalt, Jude und Vorstandsmitglied der Gemeinde, wurde erschossen. Klein lässt sich von einem jungen Kommissar einspannen, um Nachforschungen in der Gemeinde anzustellen. Dabei wird der Zürcher Rabbi mit unterschiedlichsten Formen abgrundtiefen Hasses konfrontiert. "Der Messias kommt nicht*" heißt der dritte Band der Reihe.

Wo der dritte Band endet, beginnt der vierte, "Ihr sollt den Fremden lieben*": Rabbi Klein nimmt an einer Fernsehshow teil, und promt wird der Moderator ermordet. Gegen den Rat seiner Frau Rivka will der Rabbiner das Verbrechen aufklären und trifft dabei auf eine junge Muslimin, einen katholischen Priester, einen Jungunternehmer und dessen atemberaubend schöne Frau. Dazwischen streitet er mit seinen Schabbatgästen, die drastische Ideen zur Bekämpfung der Feindschaft gegen Juden vertreten.

"Im Tal der Gebeine*", der fünfte und bislang letzte Band, verknüpft die Rettung jüdischer Kinder während der Shoah mit dem Heute: Als Kind floh Bianca Himmelfarb aus Nazi-Deutschland über die Schweiz nach England, und Rabbi Kleins Großvater war ihr Fluchthelfer. Später heiratete Bianca einen Industriellen; als er starb, wurde sie Unternehmerin und Kunstmäzenatin.

Immer im Frühjahr residiert sie in ihrer Luxuswohnung am Zürichberg. Dort wird sie, nur wenige Stunden, nachdem Rabbi Klein sie besuchte, tot aufgefunden. Selbstmord, heißt es. Ein Verbrechen, vermutet der Rabbi, Kommissarin Bänziger jedoch glaubt nicht recht daran.

Ich war froh, dass ich alle Bände nacheinander las, denn auch, wenn jeder Fall ineinander abgeschlossen ist, bauen die Bücher doch aufeinander auf. Übrigens gibt es in jedem Band ein Glossar zu den verwendeten hebräischen bzw. jiddischen Begriffen. Mir hätte allerdings ein Glossar zu den schweizerdeutschen Begriffen mehr geholfen. Ansonsten: Die Reihe ist eine Entdeckung für Krimi-Fans, sehr zu empfehlen!

In den März gehe ich mit dem zehnten Band der Angermüller-Reihe von Ella Danz, "Strandbudenzauber*". Ich mag die reihe sehr, es ist einer der wenigen, die ich komplett zu Hause habe, und so freute ich mich sehr über die Fortsetzung.

Kommissar Angermüller gönnt sich eine Auszeit vom Dienst. Doch nach ein paar Wochen Müßiggang mit Reisen, Kochen, im Café sitzen, verspürt er eine gewisse Leere. Da kommt die Idee seiner Freund Derya  gerade recht, ihrer Schulfreundin Wiebke zu helfen, deren erfolgreichem Restaurant von einem Unbekannten übel mitgespielt wird. Offiziell Kellner in der Alten Strandbude, beginnt Angermüller zu ermitteln, hat auch erste Erfolge - da gibt es einen Toten und er gerät gegenüber den Kollegen vom K1 in Erklärungsnot …

Für Fans ein absolutes Muss, auch wegen der Rezepte im Anhang!

Angelesen habe ich "Tiefe Stille*", den ersten Band der Lukas-Zieringer-Reihe von Susanne Rößner (war mir zu klamaukig) und "Das Verbrechen*" aus der Karen-Lund-Reihe von David Hewson (so gar nicht meins, zu düster, zu grausam, aber mit skandinavischen Krimis tue ich mich bei aller Skandinavienliebe seit Jahrzehnten einfach schwer).

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Donnerstag, 31. Januar 2019

Ausgelesen: Bücher im Januar 2019

In den letzten Monaten finde ich immer wieder Bücher in den VHH-Bussen, mit denen ich täglich zur Arbeit fahre. Lange Zeit fand ich da nichts Interessantes, nur Herz-Schmerz-Gedöns. Meine Konsumliteratur sind aber Krimis.

Diese Regale sind wirklich prima, zumal man dort auch die ausgelesenen Bücher wieder abgeben kann. Meine Bücher landen allerdings meistens im Zu-verschenken-Korb in unserem Laden, denn wenn ich Bücher abgeben möchte, erwische ich gerade keinen Bus mit Bücherregal oder er ist so voll, dass ich nicht drankomme. Die Regale sind nämlich so angebracht, dass man sie nur erreicht, wenn die Plätze davor frei sind. Im Mittelteil des Busses wären sie besser platziert.

Gibt es bei Dir auch öffentliche Bücherregale in den Bussen?

Von der Serie "Die drei !!!" hatte ich schon öfter gehört, aber noch nichts gelesen. Ich bin ohnehin Fan von den drei ??? und frage mich, wieso es so einen Mädchen-Abklatsch geben muss. Das frage ich mich auch nach Lektüre von "Die drei !!! Tatort Paris*" und "Die drei !!! Skandal im Studio*".

Die Handlung ist schnell erzählt: Kim, Franzi und Marie, kurz: Die drei !!!, fahren für fünf Tage nach Paris, freuen sich riesig auf den Eiffelturm, leckere Croissants und vor allem auf die süßen französischen Jungs. Doch gleich nach ihrer Ankunft verschwindet der Koffer einer Klassenkameradin – nur, um kurz darauf wieder aufzutauchen. Ganz klar, hier ist was faul! Kim, Franzi und Marie stoßen auf einen internationalen Schmugglerring.

Im Folgeband haben Kim, Franzi und Marie die Chance, mit ihren Klassen an einer Quizshow im Fernsehen teilzunehmen. Marie träumt schon lange von ihrem ersten Fernsehauftritt, aber auch Kim würde gerne einmal ihr Können beweisen. Moderiert wird die Veranstaltung von dem beliebten Fernsehstar Thomas Niedlich. Doch kurz bevor es in die entscheidende Runde geht, verschwindet der Moderator spurlos. Die Polizei geht davon aus, dass er entführt wurde. Ganz klar: Die drei !!! haben einen neuen Fall.

Die Parallelen zu den drei ??? sind offensichtlich, bis zum obligatorischen Überreichen der Visitenkarten, und wenn's gefährlich wird, werden Jungs zur Hilfe geholt - Bücher für starke Mädchen sind anders, finde ich. Aber zumindest ist die Handlung spannend.

"Die Mitte der Welt*" von Andreas Steinhöfel ist ja schon ein Klassiker der Jugendliteratur. Ich las ihn dennoch erst jetzt. Es geht um den 17jährigen Phil, der ein sogenanntes normales Leben nie kennenlernte. Denn so ungewöhnlich wie das alte Haus ist, in dem er lebt, so ungewöhnlich sind auch die Menschen, die dort ein- und ausgehen – seine chaotische Mutter Glass, seine verschlossene Zwillingsschwester Dianne und all die anderen. Und dann ist da noch Nicholas, der Unerreichbare, in den Phil sich unsterblich verliebt.

Mir gefiel das Buch ausgesprochen gut.

Ausgesprochen gut gefiel mir auch "Kim Novak badete nie im See von Genezareth*" von Hakan Nesser. Ich war sehr skeptisch, weil ich mit Nessers van-Veteren-Reihe so gar nichts anfangen konnte, es mich kirre machte, dass nicht klar ist, wo die Krimis spielen. Und mit der Verfilmung tue ich mich schwer, brach jedes Mal nach wenigen Minuten ab. Das Buch gefiel mir aber so gut, dass ich jetzt auch dem Film eine Chance geben werde.

Worum geht's? Das Buch spielt im Schweden in den 1960er Jahren, in einem kleinen Sommerhaus an einem der unzähligen Seen, so wie das, in dem ich in den späten 1970er Jahren manche große Ferien verbrachte, nur mit den Eltern und nicht, wie der 14jährige Erik mit großem Brucher und Freund.

Sie schwärmen von der jungen Aushilfslehrerin Ewa, die aussieht wie Kim Novak. Zwei Tage später findet man die Leiche von Ewas Verlobtem, und Eriks älterer Bruder, der eine Affäre mit Ewa hatte, steht unter Mordverdacht. Der Täter wird jedoch nie gefunden. 25 Jahre später liest der erwachsene Erik zufällig einen Bericht über ungeklärte Verbrechen, und der Sommer von damals bricht mit aller Gewalt über ihn herein. Was ist damals wirklich geschehen?

Inzwischen steht "Die Wahrheit über Kim Novak und den Mord an Berra Albertsson*" auf meiner Leseliste. Ich bin gespannt.

"Lügenmeer*" von Kjell Ola Dahl führt nach Oslo und Kenia. Ausgehend von einer an einer vermeintlichen Überdosis getöteten Frau, deren Leiche in einem Osloer Parkhaus gefunden wird, wird ein Missbrauch von Entwicklungshilfe aufgedeckt. Macht Lust auf mehr!

Richtig festgelesen habe ich mich dann bei Faye Kellerman, die mir bislang entging. Ich fand "Tag der Buße*" und "Du sollst nicht lügen*", den vierten und fünften Band aus der Decker-Lazarus-Reihe*.

Peter Decker arbeitet bei der Polizei in Los Angeles, ist konvertierter Jude, obwohl er eine jüdische Mutter hat (es ist kompliziert ...), geschieden mit einer Tochter, und lernt bei einem Fall die orthodoxe Jüdin Rina Lazarus kennen. Sie ist verwitwet und Mutter zweier Söhne.

Im vierten Band ist das Paar auf Hochzeitsreise in New York. Dann verschwindet ein Jugendlicher. Er ist in Begleitung eines Psychopathen. Schnell ist klar: Aus den Flitterwochen wird nichts. Zudem begegnet Decker auch noch zufällig seiner leiblichen Mutter. Im Mittelpunkt des fünften Bandes steht die Tochter einer berühmten Schauspielerin, die überfallen und vergewaltigt wurde. Natürlich ist nichst, wie es scheint, haben Decker und sein Team ordentlich zu tun, um den Fall zu lösen.

Die Bände bauen aufeinander auf, so dass es schön ist, sie auch nacheinander zu lesen. Nachdem klar war, dass mir die Reihe gefällt, lieh ich die Bände 19 bis 24 für den anstehenden Urlaub aus. Damit bin ich dann die nächsten Wochen erst mal beschäftigt.

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Dienstag, 3. November 2015

Rezension: "Mami, warum sind hier nur Männer?" von Volker Surmann

Um es gleich vorweg zu nehmen: "Mami, warum sind hier nur Männer?"* von Volker Surmann ist für mich eines der Lese-Highlights in diesem Herbst und definitiv ein Buch, das ich in der nächsten Zeit öfter verschenken werde.

Zum Inhalt: Hotelier Helmer Klotz, selbst schwul, verachtet die Klientel, die in seinem Gay-Resort auf Sardinien urlaubt, aus tiefstem Herzen. Dann gewährt er in einer Notsituation Ilka, die gerade ihren notorisch fremdgehenden Mann verließ, mit ihren zwei Kindern Unterkunft.

Damit treffen zwei Welten aufeinander, die unterschiedlicher kaum sein können, denn auf eine Konfrontation mit so viel Heterosexualität sind Helmers Hotelgäste nicht vorbereitet. Die aufgeweckte Kleinfamilie stiftet ordentlich Unruhe und Chaos.

Und doch sind es am Ende ausgerechnet die von der Liebe enttäuschte Frau und ihre Kinder, die dem bärbeißigen Hotelchef vor Augen führen, dass es unter Schwulen durchaus auch liebenswerte Exemplare gibt.

Surmann gelang mit "Mami, warum sind hier nur Männer?" eine liebevolle Zeichnung so ziemlich aller (nicht nur schwulen) Klischees, die mensch sich denken kann. Im Mikrokosmos des schwulen Hotels treffen Tunten, Armani-Schwuppen, Lederkerle, Twinks und getarnte Heten auf die Kleinfamilie, die sich über die Typen-Grenzen hinweg setzt und sich ganz unbefangen ein eigenes Bild macht, abseits von Äußerlichkeiten.

Erzählt wird aus den Perspektiven des Hoteliers Helmer, der Mutter Ilka, ihrer Kinder Thea und Felix sowie ihres Vaters Dennis und verschiedener Hotelgäste. Diese Perspektivwechsel machen großen Spaß, denn natürlich haben alle eine andere Wahrnehmung des Geschehens.

Neben der Situationskomik, die sich zwangsläufig beispielsweise dann ergibt, wenn eine besorgte Mutter sich fragt, was ihr neugieriger Sohn in einem garantiert nicht kindertauglichen Spielzimmer wohl an sexuellen Aktivitäten mitbekam, schlägt Surmann auch immer wieder leise, nachdenkliche Töne an, wenn es beispielsweise um Altwerden inmitten eines immer noch sehr verbreiteten schwulen Jugendwahns geht. Da ist "Mami, warum sind hier nur Männer?" sehr anrührend.

Am Ende fand ich es schade, dass der Lesespaß vorbei und (und dass Surmann nicht verrät, wer "No. 4" ist).

Fazit: Lesen!

Verlagsangaben zum Buch: Volker Surmann: Mami, warum sind hier nur Männer? / Roman / Originalausgabe / Taschenbuch / 288 Seiten / ISBN: 978-3-442-48207-8 / € 8,99 / Verlag: Goldmann

Hier geht's zur Leseprobe, und hier stellt Surmann selbst sein Buch vor.

Danke an Goldmann für das Rezensionsexemplar.

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Montag, 7. September 2015

Ausgelesen: Bücher im August 2015

Im August hatte ich Urlaub und litt unter Schlaflosigkeit. Das ergab viel Zeit zum Lesen. Rechtzeitig zum Urlaub trafen auch einige Rezensionsexemplare ein. Genug Lesefutter für schlaflose Nächte also.

Aus dem Juli nahm ich das Buch "Kurschattenerbe" von Sigrid Neureiter mit. Es spielt wie der Vorgängerband "Burgfrieden"*, in Südtirol, in Meran (das bekam das Lektorat anscheinend nicht immer so ganz mit, denn die Handlung verrutscht schon mal nach Bozen, wo der erste Band spielt).

Die Handlung ist schnell erzählt: "PR-Beraterin Jenny Sommer nimmt an einem Symposium in Meran teil, das sich mit dem Ritter und Minnesänger Oswald von Wolkenstein beschäftigt. Als einer der Wissenschaftler verschwindet, beginnt sie auf eigene Faust zu ermitteln. Noch ahnt sie nicht, dass in unmittelbarer Nähe ein Mord geschehen ist. Haben beide Vorfälle etwas miteinander zu tun? Jenny verfolgt eine Spur, die sie zum Schloss Tirol führt. Die Suche im Schatten des Wahrzeichens von Südtirol führt sie weit in die Vergangenheit", heißt es im Klappentext.

Ich erinnere, dass ich mich schon mit "Burgfrieden" schwer tat und nur am Ball bliebt, weil die Geschichte in Bozen und auf Schloss Runkelstein spielt. Auch bei "Kurschattenerbe" hielt ich nur wegen des Meraner Lokalkolorits durch. Die Handlung entwickelt sich sehr behäbig und gelegentlich nicht immer logisch, zum Schluss hin dann wiederum so rasant, dass ich den Eindruck hatte, Neureiter wolle schnell zum Ende kommen. Mal schauen, ob ich den dritten Band, "Dolomitenrot", lese - vielleicht, wenn er mir in der Onleihe über den Weg läuft.

Schon viel besser gefiel mir "Der Atem Gottes", ein Sherlock Holmes-Pastiche von Guy Adams. Fans der BBC-Serie "Sherlock"  werden den Autor kennen: Er veröffentlichte u.a. ein Faktenbuch zur Serie. Anders als das Pastiche von David Gray las ich dieses mit großem Vergnügen: Adams kennt sich in Doyles' Kanon bestens aus, die Figuren sind klassisch charakterisiert. Weniger klassisch hingegen ist die Handlung: Holmes und Watson werden zu Geisterjägern.

Zum Inhalt: Nach dem Tode seiner Frau zieht Watson wieder bei Holmes ein. Gleichzeitig kommt es in London zu mysteriösen Todesfällen, die nur den Schluss zulassen, dass sie eine übernatürliche Ursache haben. Für einen rational denkenden Menschen wie Holmes ist das natürlich nicht hinnehmbar. Gemeinsam mit Watson macht er sich an die Klärung der Todesumstände (wobei der arme Watson sich im Laufe der Handlung alleine übernatürlichen Phänomenen ausgesetzt sieht, da Holmes abtaucht).

Für Holmes-Puristen ist der Roman mit seiner Mischung aus realen und fiktiven Charakteren, seiner mystisch-esoterischen Handlung sicher zu abgedreht. Mir hat das Buch aber sehr viel Spaß gemacht. Ich konnte es kaum aus der Hand legen, gruselte mich gehörig, habe Lust auf den zweiten Band und darauf, das eine oder andere Buch von H.P. Lovecraft zu lesen. Zum Show Down kommt es übrigens in einer der Londoner U-Bahn-Baustellen, was mir ebenfalls sehr gut gefiel.

Anschließend widmete ich mich einigen Rezensionsexemplaren. Die Rezension zu "Die Geschichte meiner Familie in Äxten und Sägen" ist schon online, die zu "In einer kalten Winternacht" und "Totengedenken"* folgt demnächst. "Totengedenken" gefiel mir so gut, dass ich mir gleich die beiden Vorgängerbände, "Nacht ohne Gesicht" und "Orte der Finsternis" auf's eBook lud.

"Nacht ohne Gesicht" las ich gleich im Anschluss. Es ist der erste Band mit dem Londoner Inspector John Madden, der seelisch schwer gezeichnet ist vom Ersten Weltkrieg. Als im Sommer 1921 in einem Herrenhaus im idyllischen Surrey vier bestialisch zugerichtete Leichen gefunden werden, befürchtet Madden, das es sich nicht um einen Einzelfall handelt. Er soll Recht behalten. Gleichzeitig lernt John die junge, selbstbewusste Ärztin Helen kennen, die sein Leben verändern könnte.

Der ruhige Stil von Rennie Airth, der den Kosmos rund um John Madden erschuf, gefällt mir außerordentlich gut. Airth erzählt spannend, weiß mich zu fesseln, und auch, wenn der Täter etwa auf der Hälfte des Buches feststeht, bleibt seine Überführung spannend. Ich binde es ausgesprochen schade, dass es die beiden ersten Bände der John-Madden-Reihe auf Deutsch bislang zurzeit nur als eBook gibt (die Taschenbuchausgaben sind nur antiquarisch erhältlich).

Ich wollte den August mit der Lektüre der "Frickelbacher Kellergeister" beschließen, aber das Privatdetektivinnen-Duo zog mich nicht so sehr in seinen Bann, so dass ich das Buch beiseite legte und erstmal "Tod in der Hofburg" las. Auch hier folgt demnächst eine ausführliche Rezension.

Und wie war Euer Lese-August?

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Freitag, 14. August 2015

Rezension: "Die Geschichte meiner Familie in Äxten und Sägen" von Levi Henriksen

Mikael Hildonen ist Anfang 30, lebt mit seinen Eltern und seiner Nichte auf einem Waldgrundstück in einem kleinen norwegischen Ort an der schwedischen Grenze und arbeitet für einen Hauspflegedienst. Im Großen und Ganzen verläuft sein Leben ruhig.

Dann aber wird seine 13jährige Nichte vom Jugendamt abgeholt und in eine Pflegefamilie gebracht, weil man glaubt, sie sei bei Großeltern und Onkel nicht gut aufgehoben, nachdem ihre Mutter starb. Der leibliche Vater, Mikaels Bruder, interessiert sich nicht für das Kind, das einem One Night Stand entsprang.

Mikael setzt mit seinen Eltern alles daran, seine Nichte zurück in die Familie zu holen. Im Laufe des Romans erkennt er auch, dass es sich nicht nur lohnt, um seine Nichte zu kämpfen, sondern auch um seine Kollegin Kristine - und um sich selbst. Zu allem Überfluss stehen auch noch vier rabiate Schuldeneintreiber vor seiner Tür.

Plötzlich lastet ganz schön viel auf Mikaels Schultern. Er erkennt, dass es besser ist, sich der Vergangenheit zu stellen, so schmerzhaft sie auch sein mag, um eine Zukunft zu haben.

Bei der Auswahl dieses Buches ging ich nach dem Titel, der so wunderbar skurril ist und sich wie folgt erklärt: "Die anderen Leute im Dorf blätterten gern in morschen Familienbibeln, wenn sie über ihre Herkunft sprachen. Bei Familie Hildonen gab es keine solchen Bücher, dafür hingen an der Scheunenwand die Sägen und Äxte seiner Vorfahren, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreichten."

"Die Geschichte meiner Familie in Äxten und Sägen" von Levi Henriksen ist ein schräger Familienroman mit sympathischen Protagonisten. Henriksen schreibt flüssig, die Geschichte ist mitreißend, kurz: Es macht Spaß, dieses Buch zu lesen!

Fazit: "Die Geschichte meiner Familie in Äxten und Sägen" ist eine wunderbare Lektüre für faule Urlaubstage oder lange Herbst- und Winterabende. Unbedingt lesen!

Verlagsangaben zum Buch: Levi Henriksen / Die Geschichte meiner Familie in Äxten und Sägen / Roman / Originaltitel: Dagen skal komme med blå vind / Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs / Taschenbuch / 384 Seiten / ISBN: 978-3-442-74470-1 / € 9,99 / Verlag: btb

Hier geht's zur Leseprobe.

Vielen Dank an btb für das Rezensionsexemplar!

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Mittwoch, 29. April 2015

Rezension: Claire Hajaj "Ismaels Orangen"

Ismaels Orangen (Front-Cover)Wer so alt ist wie ich, für den sind "Jaffa" und "Orangen" quasi synonym. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde diese Orangensorte in der Hafenstadt Jaffa für den Export angebaut. Die leuchtend orangenen Früchte kamen in Holzkisten, später in Pappkartons, in alle Welt.

Eine Zeitlang arbeiteten Juden und Araber im britischen Mandatsgebiet Palästina gemeinsam in Anbau und Export der Jaffa-Orangen, wurden die Früchte zu einem Symbol positiver arabisch-jüdischer Beziehungen. Damit war spätestens mit dem Israelischen Unabhängigkeitskrieg Schluss. 1950 enteignete der israelische Staat alle Palästinenser, die während des Krieges flohen.

Heute finden sich bei Jaffa keine Orangenhaine mehr, werden die Früchte dort nicht mehr angebaut.

Die Geschichte einer der Familien, die durch den Israelischen Unabhängigkeitskrieg aus Jaffa vertrieben wurde, schildert das Buch "Ismaels Orangen" von Claire Hajaj. Der Vater vom Protagonisten Salim besaß Orangenhaine. Wie für seine Brüder auch, wurde zu Salims Geburt ein Orangenbaum im elterlichen Garten gepflanzt. Im April 1948 freut sich der Siebenjährige darauf, zum ersten Mal die Früchte seines Baumes ernten zu dürfen.

Doch der Krieg bricht aus und treibt die ganze Familie in die Flucht, an der die ohnehin brüchige Ehe von Salims Eltern zerbricht. Der Versuch, den Grundbesitz in Jaffa wiederzukommen, scheitert. Die einstmals wohlhabende Familie verarmt. Salim geht zu seinem älteren Bruder nach London und nimmt ein Studium auf.

Zur selben Zeit wächst Judith als Tochter von Holocaust-Überlebenden in England auf – und sehnt sich danach, irgendwann ein normales und glückliches Leben führen zu dürfen. Als Salim und Judith sich im London der Sechzigerjahre begegnen und ineinander verlieben, nimmt das Schicksal seinen Lauf und stellt ihre Liebe auf eine harte Probe. Angeregt durch seinen jüngeren Bruder, den die Mutter mit nach Beirut nahm, wird ein Traum in Salim geweckt: Eines Tages zu seinem Baum zurückzukehren und im Land seiner Väter zu leben.

"Ismaels Orangen" ist beeinflusst und inspiriert durch die Familiengeschichte von Claire Hajaj: Sie ist die Tochter einer jüdischen Mutter und eines palästinensischen Vaters, wuchs in England und im Nahen Osten auf. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihrer vierjährigen Tochter in Beirut, wo beide für die Vereinten Nationen arbeiten.

Claire Hajaj schildert die Geschichte abwechselnd aus der Perspektive von Salim und Judith und erzählt sehr warmherzig, so dass die Leserin sich in beide Charaktere sehr gut hineinversetzen, für beide Sympathien entwickeln kann. Rasch wird deutlich, dass Juden und Araber durchaus mehr gemeinsam haben, als sie sich oft eingestehen mögen.

Ebenfalls wird deutlich, dass Judith und Salim gesellschaftlich zwischen allen Stühlen sitzen, dass ihre Beziehung nicht in das beschränkte Schubladendenken vieler Menschen passt. Das Paar stößt also nicht nur in der eigenen Familie auf Widerstand, wobei die sich teilweise leichter überwinden lassen als die Abneigung von Kollegen, worunter insbesondere Salim leidet. Aber auch die Kinder tragen schwer am elterlichen Erbe.

Hajaj erzählt warm, herzlich und bunt, mit Pathos und Empathie. Es gelingt ihr, die Leserin in die Welt des Nahen und Mittleren Ostens mitzunehmen. Aus dem Buch atmet der Duft von Orangenblüten, weh eine kühle Meeresbrise, glüht der Wüstensand. Auch wenn das Buch streckenweise Längen hat, bereitet es großes Lesevergnügen.

Vielen Dank an Blogg Dein Buch und Blanvalet für das Rezensionsexemplar.

Verlagsangaben: Claire Hajaj / Ismaels Orangen / Roman / Originaltitel: Ishmael's Oranges / Aus dem Englischen von Karin Dufner / Deutsche Eerstausgabe / Gebundenes Buch mit Schutzumschlag / 448 Seiten / ISBN: 978-3-7645-0516-5 / € 19,99 / Verlag: Blanvalet

Dienstag, 28. April 2015

Rezension: Rebecca Maria Salentin "Schuld war Elvis"

Wenn möglich, lese ich gerne Bücher, die zu meinem Urlaubsort passen. Als klar war, dass ich ein paar Tag ein Bad Nauheim verbringen würde, suchte ich nach einem Buch, das dort spielt, fand auf die Schnelle aber keines.

Aber der amerikanische Musiker Elvis Presley lebte eine Zeitlang in Bad Nauheim, und so wurde "Schuld war Elvis" von Rebecca Maria Salentin mein Bad Nauheim-Buch.

Die in Leipzig lebende Autorin legt einen Familienroman vor, der viele Personen über vier Generationen zwischen Deutschland, Polen und Israel begleitet - ich habe die Namen, die im Stammbaum, der zum Buch gehört, nicht gezählt.

Inmitten einer Eifler Großfamilie, deren Mitglieder ebenso stur wie lebenslustig sind, wird in den siebziger Jahren Hebron Maria Magdalena Hunger geboren. Den eigenwilligen Vornamen verdankt sie ihrem Vater, der sich nach der Zeugung in seine Heimat Israel abgesetzt hat.

Hebrons Mutter Meggy hatte oft Pech mit den Männern: Vom örtlichen Friseur bekommt sie Zwillinge. Der hätte sie gern geheiratet – wäre er nicht bei einem Autorennen ums Leben gekommen. Der Vater ihres Sohnes Francis ist ein katholischer Mönch, und Ben Omars Erzeuger Hadschi ist ein Rastafari mit Hundehaufenfrisur, dem seine Haschplantage wichtiger ist als die Kindererziehung, während Meggy die Familie ernährt.

Die bunte Schar bewohnt ein windschiefes Fachwerkhaus in einem biederen Eifeldorf und ist der Schrecken der Nachbarn. Vor allem die Zwillinge lassen sich nicht bändigen, schon gar nicht von ihrer Schwester, die fast daran zerbricht. Schließlich reist sie nach Israel, um ihren Vater zu finden.

Salentin erzählt die Geschichte von Hebrons Familie in Rückblenden. So erfährt die geneigte Leserin, wie ihre Großeltern väterlicherseits im besetzten Polen die Shoah überlebten und schließlich nach Israel auswandern konnten. Während ihres Überlebenskampfes werden sie unwissentlich mit Hebrons Familie mütterlicherseits verknüpft - beide Familien verbindet mehr, als es auf den ersten Blick den Anschein hat.

Durch die ausführliche Schilderung der Familiengeschichte über mehrere Generationen gerät "Schuld war Elvis" streckenweise etwas langatmig und anstregend.

Das Mädchen Hebron ist die Klammer, die all die unterschiedlichen Biographien und Geschichten zusammenhält, aber manchmal hätte ich mir doch gewünscht, dass der Focus mehr auf der Gefühls- und Gedankenwelt von Hebron liegt. Nachdem Hebron in Israel angekommen ist, hätte ich mir gewünscht, zu erfahren, wie es dort mit ihr und mit der Familie ihres Vaters weiter geht. Vielleicht ist das Stoff für eine Fortsetzung?

Fazit: Ein durchaus lesenswerter Familienroman mit Figuren, die einen so schnell nicht wieder los lassen.

Verlagsangaben zum Buch: Rebecca Maria Salentin / Schuld war Elvis / Roman / Gebundenes Buch mit Schutzumschlag / 512 Seiten / ISBN: 978-3-570-10212-1 / € 19,99 / Verlag: C. Bertelsmann

Hier geht's zur Leseprobe.

Vielen Dank an C. Bertelsmann für das Rezensionsexemplar.

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