Donnerstag, 29. November 2018

Wandbild "Somiant en trens" von Joan Aguiló in Palma (Mallorca / Spanien)

Am Parkhaus neben dem Bahnhof des Tren de Sóller in Palma gibt es ein 20 Meter hohes Wandbild, das ein mit einer Spielzeugeisenbahn spielendes Kind zeigt.

Wandbild mit dem Titel "Von Zügen träumend", geschaffen von Joan Aguiló.
Das Bild trägt den poetischen Titel "Somiant en trens", "Von Zügen träumend", wurde geschaffen vom mallorquinischen Künstler Joan Aguiló und ist aktuell das größte Wandbild der Insel.

Mehr Mallorca-Impressionen gibt es hier.

Mittwoch, 28. November 2018

Im BiblioJardí der Biblioteca de Cultura Artesana in Palma (Mallorca / Spanien)

Als wir durch Palmas Altstadt streiften, entdeckten wir einen kleinen Park, die BiblioJardí, also die Garten-Bibliothek der Biblioteca de Cultura Artesana.

Ein gut ausgestattete (und gerade mal leere) Kinderbuch-Ecke in der BiblioJardí.
Blick in den Kinder-Bücherschrank.
Hier kann man von Anfang Juni bis Ende September in offenen Bücherregalen stöbern, sich Bücher zum, Mitnehmen aus der Bibliothek ausleihen oder gleich im Garten lesen oder mitgebrachte Bücher und Zeitungen lesen.

Ein Bücherwagen mit Bildbänden und Zeitungen für die Erwachsenen.
Wir holten uns aus einem Café um die Ecke Getränke, suchten uns einen Tisch, nahmen die aus Sóller mitgebrachten Ensaimada aus dem Rucksack und verbrachten eine entspannte Mittagspause im Grünen.

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Dienstag, 27. November 2018

Mit der historischen Eisenbahn von Sóller nach Palma und zurück (Mallorca / Spanien)

Der einzige Grund, nach Mallorca zu reisen, war für mich immer eine Fahrt mit der historischen Eisenbahn von Sóller nach Palma. Als stellte ich beim Gatten die Bedingung, dass wir, wenn er mich schon auf die Insel verschleppt, einen Tag für die Zugfahrt reservieren.

Einfahrt in Bunyola.
Im Bahnhof von Sóller.
Im Bahnhof von Sóller.
Im Zug.
Im Tunnel.
Der Plan war, den Morgenzug von Sóller nach Palma zu nehmen, dort bis zum Nachmittag durch die Altstadt zu bummeln und mit dem Nachmittagszug wieder zurück nach Sóller zu fahren.

Die Fahrt führt quasi durch die Bauernhöfe, durch Haine voller Oliven-, Mandel- und Zitrusbäume.
Landschaft.
Dramatischer Himmel.
Dann kamen wir aber später los als geplant und fanden in Sóller erst nicht den Bahnhof. So blieb für Palma weniger Zeit als gedacht. Dafür bummelten wir durch Sóllers Markthalle und nach der Zugfahrt noch ein wenig durch Sóller.

Einfahrt in Palma. Der Autoverkehr ruht, solange die historische Schmalspurbahn vorbeizuckelt.
Im Bahnhof von Palma.
Erinnerungstafel an die Elektrifizierung der Bahnlinie Sóller - Palma im Bahnhof von Palma.
Vorfahrt für den Bummelzug.
Hier sind ein paar Impressionen von der Fahrt. Auf der 27 km langen Strecke werden knapp 500 Höhenmeter mithilfe von 13 Tunneln und einem Viadukt überwunden. Die Strecke wurde zwischen 1905 und 1911 angelegt, ein Jahr später offiziell eingeweiht. Die Züge wurden 1927 elektrifiziert, nachdem der Dampf der Lokomotiven in den vielen Tunneln doch ein wenig lästig war. Die ursprünglichen Fahrzeuge sind noch heute im Einsatz.

Die abwechslungsreiche Landschaft der Serra de Tramuntana ist faszinierend. 
Man könnte auch auf die Berge steigen ... 
Weiter Blick.
Begegnung.
Das ganze Technikgedöns sagt mir nichts, das kannst Du viel besser bei Wikipedia nachlesen. Mir gefiel vor allem, dass die Rückenlehnen der Sitzbänke verstellbar sind. Ich bin ja oft schon mit Kleinigkeiten glücklich.

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Montag, 26. November 2018

Avenida de Alemania / Avinguda d' Alemanya in Palma de Mallorca (Mallorca)

Hamburger Bündnis
gegen Rechts
Montags erinnere ich daran, was passiert, wenn es mit der Demokratie bergab geht und wie es anfing, denn die Nazis fielen ja nicht 1933 vom Himmel. Die krochen schon Jahre vorher aus ihren Löchern, wurden nicht rechtzeitig aufgehalten, auch, weil man sie nicht ernst nahm, dachte, es wird schon nicht so schlimm.

Wurde es aber.

In loser Folge gibt's hier also montags Kunst und Denkmäler gegen Faschismus, Nationalismus und Rassismus. Orte, die daran erinnern, gibt es nicht nur in unserer Stadt genug, denn wie gesagt: Wir hatten das schon mal.

Wie es zu dieser Beitragsreihe gekommen ist, kannst Du hier nachlesen Alle Beiträge aus dieser Reihe findest Du, wenn Du hier klickst. Infos zu den Demonstrationen der demokratischen Mehrheit findest Du u.a. beim Hamburger Bündnis gegen Rechts. Aktuell ist die Nazi-Demo für Dezember abgesagt, wollen die Blau-Braunen bis Februar pausieren. 

In einem früheren Leben arbeitete ich intensiv zu einem Teil-Aspekt des Spanischen Bürgerkriegs. Eigentlich wollte ich darüber auch promovieren, aber das Leben kam anders. Nun, wer weiß, vielleicht mache ich das bald als Rentnerin, denn zu meinem Teil-Aspekt tat sich in den letzten Jahrzehnten in der Forschung nicht viel.

Als klar war, dass unser diesjähriger Herbsturlaub nach Mallorca führt, stöberte ich ein bisschen im Netz und stellte fest, dass in Spanien noch immer um die Aufarbeitung des Themas gerungen wird. Auch auf der Ferieninsel hinterließ der Bürgerkrieg Spuren, die aber kaum sichtbar sind, wenn man nicht gezielt danach sucht. Zwei dieser Orte fanden mich aber auch, ohne dass ich ihnen nachspüren müsste.


Straßenschild an der Avinguda d' Alemanya.
Wenn die Bild-"Zeitung" über eine geplante Straßenumbenennung auf Mallorca berichtet, muss das schon eine ganze besondere Straße sein. Mitte April 2018 regt sich die Postille darüber auf, dass Palmas Bürgermeister die Avinguda d' Alemanya, die "Allee Deutschlands", bei der Bild-"Zeitung" fälschlicherweise als "Allee der Deutschen" übersetzt, umbenennen möchte. Fazit: Auf solche Ideen kommt man nur nach dem Genuss von zu viel Sangria. Hm, dann müsste die Umbenennung doch dem gemeinen Bild-"Leser" und Ballermann-Touri zusagen ...

Die Avingudes sind ein knapp drei Kilometer langer Ring von Alleen um die Altstadt von Palma. Sie verlaufen in etwa dort, wo einst die Stadtmauern waren, die ab 1902 wegen Baufälligkeit abgerissen wurden. Nach einem Wettbewerb wurde der Plan Calvet umgesetzt: Breite Alleen, die Fußgängern Platz zum Flanieren unter Bäumen bieten, die aber auch der Autoverkehr nutzen kann, ohne dass man sich ins Gehege kommt.  

Unter dem spanischen Diktator Franco erhält eine der Alleen den Namen Avenida de Alemania, als Dank für die Unterstützung der Hitler-Deutschen während des Spanischen Bürgerkriegs. Auch nach Portugal und Rom werden 1936 und 1937 Alleen benannt, ebenfalls zum Dank für die Unterstützung der spanischen Faschisten.

Im April diesen Jahres schlägt nun die Stadtverwaltung Palmas die Umbenennung der Avingudes de Portugal und d' Alemanya in Avenida Gran i General Consell vor. Der Große und Allgemeine Rat war das höchste politische und administrative Gremium der Vertretung des Königreichs Mallorca. Die Via Roma soll in Carrer dels Jurats umbenannt werden, also nach einem mittelalterlichen Verwaltungsorgan.

Bislang fand die Umbenennung der Straße keine Mehrheit im Stadtrat, was an den Sozialisten liegt. Sie argumentieren, dass Deutschland und Portugal inzwischen demokratische Länder seien, dass insbesondere Deutschland eine Vorbildfunktion habe.  

So gesehen ... Es gibt allerdings Tage, da fehlt mir die Hoffnung, dass dies auch zukünftig noch gilt.  

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Dienstag, 20. November 2018

Schal in Meerestönen aus den Vielgefachten (Anleitung Schachenmayr S10119)

Als ich diesen Schal sah, wusste ich, den wollte ich in Meerestönen stricken.

Mein Mallorcaschal mit den Maßen 25 x 210 cm.
Der Schal im Detail.
Die Farben suchte ich mir im Wollpalast aus, als ich mal wieder mit Mudderns unterwegs war, und war überglücklich, als ich am Aussichtspunkt Mirador Es Colomar merkte: Das sind wirklich Mallorca-Meeresfarben!

Mein Wunschwickel.
Der gewickelte Schal.
Die Anleitung kannst Du hier herunterladenDer Beitrag geht rüber zu den Linkparties CreadienstagDienstagsDingeHandmade on TuesdayWomen on Fire und Maschenfein.

Montag, 19. November 2018

Talaia d'Albercutx (Mallorca / Spanien)

Montags gegen Nazis.
Montags erinnere ich daran, was passiert, wenn es mit der Demokratie bergab geht und wie es anfing, denn die Nazis fielen ja nicht 1933 vom Himmel. Die krochen schon Jahre vorher aus ihren Löchern, wurden nicht rechtzeitig aufgehalten, auch, weil man sie nicht ernst nahm, dachte, es wird schon nicht so schlimm.

Wurde es aber.

In loser Folge gibt's hier also montags Kunst und Denkmäler gegen Faschismus, Nationalismus und Rassismus. Orte, die daran erinnern, gibt es nicht nur in unserer Stadt genug, denn wie gesagt: Wir hatten das schon mal.

Wie es zu dieser Beitragsreihe gekommen ist, kannst Du hier nachlesen Alle Beiträge aus dieser Reihe findest Du, wenn Du hier klickst. Infos zu den Demonstrationen der demokratischen Mehrheit findest Du u.a. beim Hamburger Bündnis gegen Rechts.

In einem früheren Leben arbeitete ich intensiv zu einem Teil-Aspekt des Spanischen Bürgerkriegs. Eigentlich wollte ich darüber auch promovieren, aber das Leben kam anders. Nun, wer weiß, vielleicht mache ich das bald als Rentnerin, denn zu meinem Teil-Aspekt tat sich in den letzten Jahrzehnten in der Forschung nicht viel.

Als klar war, dass unser diesjähriger Herbsturlaub nach Mallorca führt, stöberte ich ein bisschen im Netz und stellte fest, dass in Spanien noch immer um die Aufarbeitung des Themas gerungen wird. Auch auf der Ferieninsel hinterließ der Bürgerkrieg Spuren, die aber kaum sichtbar sind, wenn man nicht gezielt danach sucht. Zwei dieser Orte fanden mich aber auch, ohne dass ich ihnen nachspüren müsste.


Blick vom Aussichtspunkt Mirador Es Colomar zum Talaia d'Albercutx.
Von Port de Pollença Richtung Cap de Formentor fahrend, passiert man den Aussichtspunkt Mirador Es Colomar / Mirador del Mal Pas. Kurz vor dem Parkplatz zweigt eine etwa fünf Kilometer lange Straße ab zum Talaia d'Albercutx, einem Wachturm aus dem 16. Jahrhundert, als Mallorca von Piratenüberfällen geplagt wurde. Hier stand ein Wachmann, beobachtete das Meer und sandte bei herannahenden Piratenschiffen eine Warnung.

Im Juli 1936 übernehmen auch auf Mallorca die faschistischen Franquisten die Macht. Eine republikanische Gegenoffensive, die Schlacht um Mallorca, scheitert im September. In der Folge wird die Küstenlinie mit Bunkern und MG-Unterständen zur Verteidigung ausgebaut. Dafür werden auch Straßen benötigt.

In der Nähe von Artà wird das Campament dels Soldats eingerichtet, eines der franquistischen Arbeitslager, die in ganz Spanien errichtet werden (die Zahlen schwanken zwischen über 100 und knapp 200 Lagern; auf Mallorca gab es etwa ein Dutzend). Insgesamt werden auf Mallorca etwa 3.000 Menschen, ehemalige republikanische Soldaten, Zivilisten, Hitler- und Franco-Gegner, inhaftiert. Sie werden überwiegend im Straßenbau eingesetzt, wovon bis heute Mallorquiner und Touristen profitieren, aber auch im Bau von Verteidigungsanlagen.

Die etwa 750 Männer, die bei Artà interniert sind, müssen beim Bau von Verteidigungsanlagen zwischen Port de Pollença und Cap de ses Salines körperliche Schwerstarbeit bei unzureichender Ernährung und mangelndem Arbeitsschutz leisten. In Port de Pollença wird ein (bis heute genutzter) Militärflughafen ausgebaut, auf dem unter anderem die deutsche Legion Condor stationiert ist.


Denkmal für den Straßenbauingenieur Antonio Paretti. Eine Erinnerung für die am Bau beteiligten Zwangsarbeiter fehlt.
Man erinnert sich an den alten Wachturm Talaia d'Albercutx in der Nähe: An keinem anderen Ort kann der Luftraum so gut kontrolliert werden. Zur besseren Erreichbarkeit wird der etwa fünf Kilometer lange Weg zum Turm gepflastert. Billige Arbeitskräfte sind ja vorhanden: Insassen des etwa 50 km entfernten Arbeitslagers werden an die Fuß des Berges, auf dem der Turm steht, verlegt. Auch zum Bau der Straße, die zum Leuchtturm auf Cap de Formentor führt, werden Zwangsarbeiter eingesetzt.

Ihre kargen Unterkünfte müssen die Zwangsarbeiter selbst bauen. Die Ruinen der Baracken existieren bis heute am Fuße des Talaia d'Albercutx. Dem Ingenieur Antonio Paretti, der das Meisterwerk vollbrachte, die Region mit Straßen zu erschließen, wird 1968 am Aussichtspunkt Mirador del Mal Pas / Mirador Es Colomer ein Denkmal gesetzt.

Weiterführende Links:

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Sonntag, 18. November 2018

Aussichtspunkt Mirador Es Colomar / Mirador del Mal Pas (Mallorca / Spanien)

Der Mallorca-Kollege empfahl mir die Fahrt zum Cap de Formentor, und da der Gatte, anders als ich, keine Höhenangst hat, gerne über steile, gewundene Bergstraßen kurvt, machten wir uns auf den Weg. Da wir im September dort waren, konnten wir mit dem Mietwagen fahren. Wir hielten am ersten Aussichtspunkt Mirador Es Colomar. Hier sind einige Impressionen.

Ausblick.
Nächstes Jahr ist das Cap tagsüber zwischen April und Oktober nur mit einem Shuttle-Bus erreichbar, denn pro Tag passieren etwa 7.000 Fahrzeuge die schmale Straße, stauen sich in der Sackgasse am Fuße des Leuchtturms, fahren sich dort nicht selten fest und quälen sich die Straße wieder zurück.

Nicht nur der Ausblick, auch die Wege sind atemberaubend.
Nicht alle haben die Bergfahrerfahrung des Gatten, so dass es zu Unfällen und gefährlichen Situationen kommt. Der Shuttle-Bus bringt Sicherheit und Entlastung. Er ist zudem mit 1,55 € / Fahrt kostengünstig, wird aus der Tourismussteuer finanziert.

Ausblick.
Den Reiseführer-Hinweis, sehr früh oder sehr spät zum Cap de Formentor aufzubrechen, sollte man ernst nehmen. Wir waren gegen 11 Uhr dort, standen im Stau, wendeten entnervt am Fuß des Leuchtturms und fuhren zurück. Der Parkplatz am Aussichtspunkt Mirador Es Colomar, eine Stunde vorher noch einigermaßen leer, war bei der Rückfahrt brechend voll.

Ausblick. Ganz oben rechts ist ein Wachturm aus dem 16. Jahrhundert, der im Spanischen Bürgerkrieg zur Luftbeobachtung genutzt werden sollte. Den Weg dorthin pflasterten Zwangsarbeiter.
Nächstes Jahr nutzen wir dann den Shuttle.

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Donnerstag, 15. November 2018

#12von12 im November 2018

Endlich ist es Herbst. Der 12. November 2018 präsentiert sich regnerisch. Hier meine 12 Impressionen von diesem Tag für das Blog-Event bei Caro. Danke für's Sammeln!

#1: Bushaltestellen-Warteblick. Die Haltestelle ist gerade verlegt, deswegen gibt es mehr Weide zu sehen, heute sogar mit Polo- oder Polizei-Pferden.
Mit der Kombi Bus-Bus-Bahn-Bus bin ich trotz der tägliche S-Bahn-Störung schnell im Büro. Heute ist ein Schreibtisch-Tag.

#2: Erst mal für Durchblick sorgen.
#3: Genug trinken ist wichtig. Heute gibt's Schlehensirup.
#4: Mittagspause.
#5: Als körperliche Betätigung erst mal mit der Altpapiertonne kämpfen.
#6: Belohnungskuchen.
#7: Papierkrams.
Auf dem Heimweg erwischt mich wieder eine S-Bahn-Störung. Eigentlich wäre es erwähnenswerter, wenn die S-Bahn mal ungestört liefe ...

#8: Warten und lesen*, lesen und warten.
Zu Hause erwartet mich schon der Gatte. Ich verziehe mich gleich mit dem Strickzeug auf's Sofa. Da verbringe ich momentan viel Zeit, denn fünf Weihnachtsgeschenke müssen fertig werden, und ich habe erst eins.

#9: Stricken und in den Büchern aus dem Yarncamp-Goodie-Bag schmökern. 
Im Laufe des Abends bekomme ich das zweite Weihnachtsgeschenk fertig und kann ein drittes annadeln. Zwischendrinn gibt's aber Abendessen.

#10: Mit dem Gatten gemeinsam das Abendessen machen. Es gibt Blätterteigtaschen. 
#11: Der Schal ist fertig, eine neue Maschenprobe ist angeschlagen.
Ich komme erst sehr spät ins Bett. Schuld ist das Strickzeug.

#12: Noch etwas lesen*.
Die Rezepte zum Tag gibt's in der Kombüse.

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Montag, 12. November 2018

100 Jahre Ende des Ersten Weltkriegs: Das Hamburger Ehrenmal auf dem Rathausmarkt

Montags gegen Nazis.
Montags erinnere ich daran, was passiert, wenn es mit der Demokratie bergab geht und wie es anfing, denn die Nazis fielen ja nicht 1933 vom Himmel. Die krochen schon Jahre vorher aus ihren Löchern, wurden nicht rechtzeitig aufgehalten, auch, weil man sie nicht ernst nahm, dachte, es wird schon nicht so schlimm.

Wurde es aber.

In loser Folge gibt's hier also montags Kunst und Denkmäler gegen Faschismus, Nationalismus und Rassismus. Orte, die daran erinnern, gibt es nicht nur in unserer Stadt genug, denn wie gesagt: Wir hatten das schon mal.

Wie es zu dieser Beitragsreihe gekommen ist, kannst Du hier nachlesenAlle Beiträge aus dieser Reihe findest Du, wenn Du hier klickst. Infos zu den Demonstrationen der demokratischen Mehrheit findest Du u.a. beim Hamburger Bündnis gegen Rechts.

Relief des Hamburger Ehrenmals: Trauernde mit Kind.
Gestern vor 100 Jahren endete der Erste Weltkrieg. Dass ihm bald ein zweiter folgen würde, ahnte man damals nicht. Ich hoffe, ihm folgt kein dritter, aber ich bin bei allem Optimismus nicht nur Pazifistin, sondern auch Realistin.

Das offizielle Gefallenendenkmal der Stadt steht an prominenter Stelle auf dem Rathausmarkt, an der Treppe zur Kleinen Alster. Der Platz ist bewusst gewählt, bricht er doch den Postkartenblick zur Alster. Die schlichte, 21 Meter hohe Muschelkalk-Stele wird am 2. August 1931 eingeweiht. Schon seit der Planungsphase war es bei Kriegerverbänden, Deutschnationalen, Rechtskonservativen und Nationalsozialisten umstritten, stellt es doch die Trauer der Hinterbliebenen in den Mittelpunkt.

Blick auf das Ehrenmal und das Rathaus.
So zeigt das Denkmal keinen Soldaten, der vermeintlich heroisch für Volk und Vaterland fällt, sondern eine trauernde Schwangere, die ein Kind tröstet: "Trauernde Mutter mit Kind" heißt das von Ernst Barlach geschaffene Relief.

"Vierzig Tausend Söhne der Stadt ließen ihr Leben für Euch" lautet die schlichte Inschrift, die von den kriegstreiberischen Rechten als Kampfansage verstanden wurde - zu recht. Den Zusatz "für Euch" wollte die SPD verhindern, sah sie in ihm doch ein Zugeständnis an die Rechten. Mit einer Konsequenz, die die SPD heute oft vermissen lässt, wird parallel zur Errichtung der Stele das Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I. vorm Rathausmarkt entfernt (es steht heute am Sievekingplatz).

Blick auf das Ehrenmal und die Alsterarkaden.
Barlach, der 1914 erst kriegsbegeistert ist, dann 1915 selbst zum Kriegsdienst einberufen und ab 1916 zum Pazifisten wird, thematisiert oft seine Kriegserlebnisse in seinen Werken. Dabei stehen neben dem Leiden der Hinterbliebenen auch die Situation der Soldaten im Felde im Mittelpunkt. Heroische Beschönigung ist nicht Barlachs Sache. Er zeigt den Krieg mit all seinem Leid, seiner Grausamkeit.

Barlachs Entwurf für das Hamburger Ehrenmal wird zuerst abgelehnt. Auf Intervention von Oberbaudirektor Schumacher kommt des zu einer Zusammenarbeit zwischen Barlach und dem Architekten Klaus Hoffmann, der die Stele entwarf.

In den frühen Morgenstunden des 3. August 1931 wird das Ehrenmal klammheimlich enthüllt, ohne großes Tamtam oder Publikum - der sozialliberale Senat fürchtet rechtskonservative, nationale Proteste (Konsequenz, Mut und SPD gehen nun mal nur selten zusammen).

Barlach gerät spätestens seit 1932 immer öfter in das Visier nationalsozialistischer Kunstkritiker. Seine Werke passen nicht in ihr Kunst- und Weltbild. Außerdem wendet er sich öffentlich und mit deutlichen Worten gegen Einengung und ideologische Beschränkung der künstlerischen und geistigen Freiheit, protestiert gegen den Ausschluss von Käthe Kollwitz, mit der er eng befreundet ist, und Heinrich Mann aus der Akademie der Künste, lehnt die Einladung, Vorstandsmitglied im nationalsozialistischen Künstlerbund zu werden, ab.

Bewusst zerstörter Postkartenblick.
Der Künstler ist kein Bequemer, auch, wenn er in einem Akt der Verzweiflung 1934 den "Aufruf der Kulturschaffenden", ein Goebbels-Manifest, unterschreibt. Mit der Entfernung seiner Werke aus Museen, Galerien und dem öffentlichen Raum wird bereits im März 1933 begonnen. Seine Theaterstücke dürfen nicht mehr aufgeführt werden oder werden abgesetzt, seine Bücher werden beschlagnahmt, sein Austritt aus der Preußischen Akademie der Künste erzwungen.

Barlach gilt als "entarteter Künstler", wird diffamiert, bekommt keine öffentlichen Aufträge mehr, erhält ein Ausstellungsverbot. Da er die Mitgliedschaft im NS-Künstlerbund ablehnt und als entartet gilt, ist es ihm zunehmend unmöglich, Arbeitsmaterialien zu beschaffen.

Im Spätsommer 1938 lassen die Nazis das Relief vom Hamburger Ehrenmal entfernen. Der 68jährige Künstler erfährt noch davon, ist aber schon schwer krank. Ernst Barlach stirbt am 24. Oktober 1938 in einer Rostocker Privatklinik.

Inschrift des Hamburger Ehrenmals.
Das Barlach-Relief "Trauernde Mutter mit Kind" ersetzen die Nazis durch ein von Hans Martin Ruwoldt geschaffenes Relief, das einen aufsteigenden Phönix darstellen soll, viele Betrachter aber eher an eine Friedenstaube erinnert, wie dieses Bild zeigt. Die umgestaltete Stele wird am 10. November 1939 enthüllt.

Vier Jahre nach der Befreiung, 1949, rekonstruiert der Steinmetz Friedrich Bursch das Barlach-Relief. Wieder wird es in aller Stille enthüllt, diesmal an Totensonntag. Das Denkmal erinnert nun an die Toten beider Weltkriege. Gleichzeitig verfügt Max Brauer, der damalige Erste Bürgermeister, dass fortan jedes Jahr zu Totensonntag offiziell den Toten der Weltkriege mit stillen Kranzniederlegungen gedacht wird.

Inzwischen werden an diesem Tag Kränze außer dem Ehrenmal auch an der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, dem Bergedorfer und Ohlsdorfer Friedhof niedergelegt.