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Montag, 1. Oktober 2018

Die Georgsburg, das ehemalige Außenlager des KZ Neuengamme in der Spaldingstraße 156/158

Montags gegen Nazis
Montags erinnere ich daran, was passiert, wenn es mit der Demokratie bergab geht und wie es anfing, denn die Nazis fielen ja nicht 1933 vom Himmel. Die krochen schon Jahre vorher aus ihren Löchern, wurden nicht rechtzeitig aufgehalten, auch, weil man sie nicht ernst nahm, dachte, es wird schon nicht so schlimm.

Wurde es aber.

In loser Folge gibt's hier also montags Kunst und Denkmäler gegen Faschismus, Nationalismus und Rassismus. Orte, die daran erinnern, gibt es nicht nur in unserer Stadt genug, denn wie gesagt: Wir hatten das schon mal.

Wie es zu dieser Beitragsreihe gekommen ist, kannst Du hier nachlesenAlle Beiträge aus dieser Reihe findest Du, wenn Du hier klickst. Das braune Pack kündigte an, im Herbst demonstrieren zu wollen, diesmal monatlich. Nachdem sie sich im September die 11. Klatsche  für dieses Jahr von der demokratischen Mehrheit der Stadt abholten, werden sie im Oktober prompt pausieren. 


In dem markanten Klinkergebäude links in der Spaldingstraße 156/158 befindet sich 1944/1945 ein Konzentrationslager.
Vor 75 Jahren tobt der "Hamburger Feuersturm" über der Stadt. Hammerbrook gehört zu den Stadtteilen, die zwischen dem 25. Juli und dem 3. August 1943 dem Erdboden gleichgemacht werden. Mehr als 35.000 Menschen, darunter etwa 5.000 Kinder, sterben. Über 120.000 Menschen werden verletzt, eine Million Menschen flüchtet aus der Stadt. Was von dem Stadtteil noch übrig ist, wird zum Sperrgebiet.


Blick in den schmalen Innenhof, in dem morgens und abends stundenlange, zermürbende  Zählappelle stattfanden. 
Im Oktober 1944 errichtet das KZ Neuengamme in der sogenannten Georgsburg, einer ehemaligen Tabakfabrik in der Spaldingstraße 156/158, ein Außenlager. In dem markanten gelb-weißen Klinkergebäude sind auf sieben Stockwerken bis zu 2.000 Männer aus unterschiedlichen Nationen untergebracht. Es ist das größte Nebenlager des KZ Neuengamme im letzten Kriegsjahr.


Blick auf die Gedenktafeln und den Durchgang zum Innenhof, wo die KZ-Häftlinge morgens und abends zum Appell antreten mussten.
Die Männer werden in der unmittelbaren Umgebung eingesetzt. Sie müssen im Auftrag der Hansestadt Aufräumarbeiten auf bombardierten Grundstücken durchführen, Leichen bergen oder Bomben entschärfen, für das Telegrafenamt Kabelschächte für die Reparatur freilegen, für die Reichsbahn Gleisanlagen reparieren, Pflanzarbeiten im Botanischen Garten (heute Planten un Blomen) verrichten oder für den SS-Führungsstab einen Bunker an der Alster bauen. 


Die beiden Tafeln erinnern an das KZ-Außenlager in der Spaldingstraße.
Angesichts unzureichender Unterbringungen, fehlendem Arbeitsschutz bei lebensgefährlichen Tätigkeiten, schwerster körperlicher Arbeit. mangelnder Ernährung und Krankenversorgung ist die Sterblichkeitsrate des Lagers sehr hoch: Mindestens 800 Männer verloren ihr Leben. Die Toten werden entweder im Krematorium des Stammlager verbrannt oder auf dem Ohlsdorfer Friedhof beigesetzt. 

Mitte April 1945 wird das Lager geräumt. Die Männer werden per Bahn in das Auffanglager Sandbostel transportiert, wo die wenigen Überlebenden am 29. April 1945 von britischen Soldaten befreit wurden.

Blick auf die eine Ausstellungstafel im Foyer.
2007 setzen sich Menschen für eine Gedenktafel am Gebäude ein. Nach zwei Jahren stimmt der Besitzer des Gebäudekomplexes, ein Nachfolger der Verwertungsgesellschaft für Montanindustrie, von welcher die SS das Gebäude 1944 mietete, der Anbringung zu. Bereits während der Einweihung gibt es lautstarke Mieter-Proteste gegen die Gedenktafeln.

Drei Wochen später lässt der Besitzer des Gebäudekomplexes die Tafeln von der Front des Hauses entfernen und stellt sie im Innenhof auf, dessen Betreten verboten ist. Begründung: Die Tafeln wirkten sich geschäftsschädigend aus, Mieter beschwerten sich. Nach Protesten werden die Tafeln wieder an der Frontfassade angebracht.

Blick auf den zweiten Ausstellungsteil.
Nach einem Eigentümerwechsel wird das Gebäude von einem Hostel genutzt. Es eröffnet 2012. Im öffentlich zugänglichen Foyer finden sich zwei zweisprachige Schautafeln, die die Geschichte des KZ-Außenlagers Spaldingstraße darstellen und in Zusammenarbeit mit der KZ-Gedenkstätte Neuengamme erstellt wurden.

Montag, 20. August 2018

Stolperstein für Walter Steinbeck an der S-Bahn Hammerbrook

Montags gegen Nazis
Montags erinnere ich daran, was passiert, wenn es mit der Demokratie bergab geht und wie es anfing, denn die Nazis fielen ja nicht 1933 vom Himmel. Die krochen schon Jahre vorher aus ihren Löchern, wurden nicht rechtzeitig aufgehalten, auch, weil man sie nicht ernst nahm, dachte, es wird schon nicht so schlimm. 

Wurde es aber.

In loser Folge gibt's hier also montags Kunst und Denkmäler gegen Faschismus, Nationalismus und Rassismus. Orte, die daran erinnern, gibt es nicht nur in unserer Stadt genug, denn wie gesagt: Wir hatten das schon mal.

Wie es zu dieser Beitragsreihe gekommen ist, kannst Du hier nachlesen. Alle Beiträge aus dieser Reihe findest Du, wenn Du hier klickst. Das braune Pack kündigte an, ab September 2018 wieder demonstrieren zu wollen, diesmal monatlich. Mal gucken, wie lange sie den Wind, der ihnen von der demokratischen Mehrheit der Stadt entgegen weht, aushalten.

Stolperstein für Walter Steinbeck, der bis zu seiner letzten Verhaftung in der Hammerbrookstraße 52 wohnte.
Walter Steinbeck macht schon früh die Erfahrung, dass bestraft wird, wer den falschen Menschen liebt: Bereits im Alter von 19 Jahren wurde er aufgrund seiner Homosexualität verhaftet und zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. Er verbüßte die Strafe an seinem damaligen Wohnsitz Lüneburg, wo er als Verkäufer arbeitet.

1933 zieht der aus Lübtheen/Mecklenburg stammende Steinbeck zu Schwester und ihrer Familie nach Hamburg, in die Hammerbrookstraße 52. Fortan arbeitet er im Fettwarengeschäft des Schwagers. Ob der junge Mann hoffte, dass seine Homosexualität in einer Großstadt weniger auffällt als in den Kleinstädten und Dörfern, in der er bislang lebte? Sollte es so gewesen sein, gelang es nicht.

Im September 1935 fühlt sich ein Nachbar von dem 27jährigen belästigt und zeigte ihn an. Steinbeck verbüßt eine dreimonatige Haftstrafe. Vier Jahre später erpresst ihn einer seiner Sexualpartner, der dann in die Fänge der Polizei gerät und Steinbecks Namen nennt. Im November 1939 wird Walter Steinbeck aufgrund seiner Homosexualität zu zwei Jahren Gefängnis we­gen Ver­gehens nach § 175 RStGB verurteilt.

Wo heute der Nordausgang der S-Bahn Hammerbrook ist, stand einst das Wohnhaus, in dem Walter Steinbeck lebte.
Steinbeck verbüßt die Strafe in verschiedenen Gefängnissen und Lagern. Im September 1941 soll er eigentlich entlassen werden, kommt aber stattdessen in das Polizeigefängnis Hütten - vorbeugend, falls er es wagen sollte, seine Homosexualität wieder auszuleben. Von Hütten wird der 33jährige ins KZ Neuengamme überstellt.

Im Mai 1942 stimmt Steinbeck seiner Kastration zu, sicher in der Hoffnung, dann freigelassen zu werden. Der Eingriff erfolgt im Krankenhaus des Untersuchungsgefängnisses am Holstenglacis. Steinbeck bliebt weiterhin im KZ Neuengamme inhaftiert, wo er am 22. August 1942 ermordet wird.

Weitere Informationen zum Schicksal von Walter Steinbeck gibt es auf der Stolperstein-Seite.

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Montag, 30. Juli 2018

Stolperstein für Balthasar Brand in der Hammerbrookstraße 47b

Montags gegen Nazis
Montags erinnere ich daran, was passiert, wenn es mit der Demokratie bergab geht und wie es anfing, denn die Nazis fielen ja nicht 1933 vom Himmel. Die krochen schon Jahre vorher aus ihren Löchern, wurden nicht rechtzeitig aufgehalten, auch, weil man sie nicht ernst nahm, dachte, es wird schon nicht so schlimm. 

Wurde es aber.

In loser Folge gibt's hier also montags Kunst und Denkmäler gegen Faschismus, Nationalismus und Rassismus. Orte, die daran erinnern, gibt es nicht nur in unserer Stadt genug, denn wie gesagt: Wir hatten das schon mal.

Wie es zu dieser Beitragsreihe gekommen ist, kannst Du hier nachlesen. Alle Beiträge aus dieser Reihe findest Du, wenn Du hier klickst. Das braune Pack kündigte an, ab September 2018 wieder demonstrieren zu wollen, diesmal monatlich. Mal gucken, wie lange sie den Wind, der ihnen von der demokratischen Mehrheit der Stadt entgegen weht, aushalten.

Oft sieht man an den Stolpersteinen, wie sehr sich Straßenzüge und Stadtteile veränderten. Bis 1943 säumten Gründerzeithäuser die Hammerbrookstraße, die zudem eine sehr lebendige Einkaufsstraße war. Im Hamburger Feuersturm wurden große Teile des Stadtteils dem Erdboden gleichgemacht.

Der Stolperstein für Balthasar Brand nennt das falsche Todesdatum.
1936 lebte der Schneidergeselle Balthasar Brand in der Hammerbrookstraße 61 (heute 47b). Seit drei Jahren regieren die Nationalsozialisten, mit denen der 44jährige anscheinend nicht sympathisiert, denn er kein Mitglied in der Deutschen Arbeitsfront, der alle Arbeitnehmer und Arbeitgeber angehören müssen. Zur Zwangsmitgliedschaft gehört auch ein Mitgliedsbuch, ohne das Brand eigentlich nicht arbeiten dürfte, aber offensichtlich fand er Arbeitgeber, die es mit dem Papierkram nicht zu genau nahmen.

Im Juli besucht Brand eine Kneipe in der Nähe seiner Wohnung, gerät mit einem Mann ins Gespräch und lädt ihn für den kommenden Sonnabend in die Wirtschaft von Emma Kohut in der Hammerbrookstraße 47 ein. Zwei Schweden würden dann über das heutige Deutschland aufklären.

An der Ecke Hammerbrookstraße / Gotenstraße erinnert ein Stolperstein an Balthasar Brand.
Der Fremde verrät Brand an die Gestapo, die ihn aufgrund kommunistischer Umtriebe umgehend festnimmt und ins KZ Fuhlsbüttel einweist. Hier wird Brand am 29. oder 30. Juli 1936 ermordet - heute vor 82 Jahren (siehe auch Stolperstein-Seite zu Balthasar Brand).

Montag, 23. Juli 2018

Gedenkplatte für den Feuersturm am Vera-Brittain-Ufer in Hammerbrook

Montags gegen Nazis
Montags erinnere ich daran, was passiert, wenn es mit der Demokratie bergab geht und wie es anfing, denn die Nazis fielen ja nicht 1933 vom Himmel. Die krochen schon Jahre vorher aus ihren Löchern, wurden nicht rechtzeitig aufgehalten, auch, weil man sie nicht ernst nahm, dachte, es wird schon nicht so schlimm. 

Wurde es aber.

In loser Folge gibt's hier also montags Kunst und Denkmäler gegen Faschismus, Nationalismus und Rassismus. Orte, die daran erinnern, gibt es nicht nur in unserer Stadt genug, denn wie gesagt: Wir hatten das schon mal.

Wie es zu dieser Beitragsreihe gekommen ist, kannst Du hier nachlesen. Alle Beiträge aus dieser Reihe findest Du, wenn Du hier klickst. Das braune Pack kündigte an, ab September 2018 wieder demonstrieren zu wollen, diesmal monatlich. Für 'ne wöchentliche Demo sind's zu wenige. Mal gucken, wie lange sie den Wind, der ihnen von der demokratischen Mehrheit der Stadt entgegen weht, aushalten.

Blick auf den Mittelkanal mit dem Vera-Brittain-Ufer (links).
Vor 75 Jahren tobt der "Hamburger Feuersturm" über der Stadt. Hammerbrook gehört zu den Stadtteilen, die zwischen dem 25. Juli und dem 3. August 1943 dem Erdboden gleichgemacht werden. Mehr als 35.000 Menschen, darunter etwa 5.000 Kinder, sterben. Über 120.000 Menschen werden verletzt, eine Million Menschen flüchtet aus der Stadt.

Aufgrund der Seuchengefahr durch die vielen Toten, die unter den Trümmern nicht geborgen werden konnten, aber auch wegen der Einsturzgefahr von Trümmerwänden und der von Blindgängern ausgehenden Gefahr wird Hammerbrook zum Sperrgebiet.

Nach der Befreiung wird Hammerbrook zu einem Industrieviertel. Kanäle wurden mit Trümmern zugeschüttet und zu Straßen, die abends verwaist sind, weil hier kaum noch jemand wohnt. In den letzten Jahren wandelte sich der Stadtteil, wurde wieder lebendiger und grüner.


Blick zur Uferpromenade.
Eine der wenigen erhaltenen Wasserstraßen Hammerbrooks ist der Mittelkanal. Rechts und links des Ufers sind viele Bürobauten, und die dort Arbeitenden nutzen bei gutem Wetter gerne die Kaimauern, um dort die Mittagspause zu verbringen. 

So ist es gar nicht leicht, die Gedenkplatte, die 1993 zum 50. Jahrestag des Hamburger Feuersturms niedergelegt wurde, zu entdecken, einfach, weil sie meistens besetzt ist. Hamburg hat ein Händchen dafür, Erinnerungstafeln für die Zeit zwischen 1933 und 1945 so zu gestalten, dass sie sich sehr gut ihrer Umgebung anpassen ... Ich lief also ein paar Mal an der Platte vorbei, stöberte dann nochmal im Netz und kam dank Denkmal Hamburg auf die richtige Spur.

Die Uferpromenade an der Gedenkplatte ist benannt nach Vera Brittain, einer Engländerin, die 1944 mit der Streitschrift "Seed of Chaos. What Mass Bombing Really Means" vehement gegen die alliierten Flächenbombardements deutscher Städte, insbesondere Hamburgs, protestiert. Brittain wird aus den Erfahrungen als Krankenschwester im Ersten Weltkrieg zur überzeugten und kompromisslosen Pazifistin. Sie veröffentlicht zahlreiche Bücher und hält Vorträge.


Suchbild mit Gedenkplatte.
In der Nachkriegszeit bereist Brittain auch Deutschland, aber ihre Werke finden hier kein großes Echo. Soweit ich es feststellen kann, erscheint die Übersetzung ihres Hauptwerkes, "Testament of Youth", erstmals im September 2018 auf Deutsch (unter dem Titel "Vermächtnis einer Jugend*"), ist bis dato keines ihrer Werke ins Deutsche übersetzt. "Testament of Youth" ist Brittains Autobiographie, ihr in Großbritannien bekanntestes Buch. Es wurde in den 1970er Jahren als TV-Serie und vor drei Jahren auch für's Kino verfilmt.

Die Benennung der Uferpromenade nach der Pazifistin, Autorin und Feministin ist umstritten, denn alte und neue Nazis nutzen Brittains Pazifismus zur Täter-Opfer-Umkehr, vergessen, wer für den Zweiten Weltkrieg verantwortlich ist. Klar, es ist immer leichter, Opfer zu sein, als Verantwortung für die Täterschaft zu übernehmen.


Die Gedenkplatte.
Ich denke, Brittain würde alten und neuen Nazis ordentlich die Löffel langziehen, ist sie doch der Ansicht, dass über allem die Menschlichkeit steht, wir in Europa alle in einem Boot sitzen und jeder von uns dafür verantwortlich ist, dass es nicht untergeht. Zudem sieht sie in der Entstehung der Nationalstaaten eine Ursache für Faschismus. Anstelle der nationalen Staatsgewalt müssten internationale Interessen treten; Europa müsse den Wert des Menschen wieder entdecken. 

Vera Brittain ist aktueller denn je.

Link zu einem Spiegel-Artikel aus 1947 zu Vera Brittain
Link zu einem Guardian-Interview mit Shirley Williams über ihre Mutter Vera Brittain

*Affiliate links zu Vera Brittain

Sonntag, 25. Juni 2017

Samstagsplausch KW 25/17

Diese Woche war die erste Arbeitswoche nach zwei Wochen Urlaub, und wie schon im Februar gingen pünktlich mit der Abreise aus Dänemark meine Atemprobleme und Erstickungsanfälle wieder los.  Ich sollte wirklich mal zum Arzt ...

Die Woche war aber auch heftig, denn neben viel Arbeit standen Vorgespräche mit Mediator und Coach an. Der Mediator soll im Konflikt zwischen Kollegin II und mir vermitteln, der Coach mir bei der Entscheidungsfindung helfen, ob ich im Team bleiben oder mich versetzen lassen möchte.

Salted-Daim-Vanilla-Shake.
Der Mediator macht einen ganz guten Eindruck und scheint zu wissen, wo der Hase im Pfeffer liegt. Nächste Woche ist dann ein gemeinsames Mediationsgespräch mit Kollegin II, sofern sie einverstanden ist. Mal gucken. Beim Coach weiß ich noch nicht, was ich von ihr halten soll. Bislang hatte ich aber auch nur das telefonische Vorgespräch. Im August geht's dann richtig los, und die Coachings über diesen Träger sollen generell sehr gut sein.

Außerdem durfte ich Kollegin II vertreten. Nicht, dass ich gefragt wurde. Oder wenigstens mein Chef. Nein, ich fand ihren von ihrem Chef und unserer gemeinsamen Chefin unterschriebenen Urlaubsantrag zur Ablage in meinem Postkorb vor. Hübsch. Laut Urlaubsplan hat sie bis Jahresende gar keinen Urlaub geplant, aber was ist schon ein Urlaubsplan?!

Oreo Cookie-Schoko-Shake mit bunten Marshmellows, über die sich der Gatte ganz besonder sfreut.
Abgesehen davon spricht Kollegin II nicht mit mir. Vor dem Urlaub musste ich drei Tage mit ihr zusammenarbeiten, weil die I krank war, da schien sie ganz vernünftig, aber das war wohl ein Aussetzer.

Gewitter im Anzug.
In dieser Woche schafften wir es zudem, zwei liebe Menschen wiederzusehen. Der Gatte und ich unternehmen ja viel zu selten etwas gemeinsam. Wir waren erst Burger essen, dann Milkshakes trinken und saßen lange draußen, weil's ein schöner lauer Sommerabend war.

Dann schlug das Wetter um. Momentan ist mein Büro ja nicht hoch über den Dächern der Stadt, aber ein klitzekleines bisschen eindrucksvollen Himmel konnte ich einfangen.

Gewitter im Anzug.
Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Ich wünsche Euch eine gute Woche!

Montag, 12. Juni 2017

Stolperstein für Edgar Levin in der Spaldingstraße 82

Seit Mitte der 1990er Jahre gehören Stolpersteine, kleine Betonwürfel mit einer Messingplatte, zur Erinnerungskultur an die NS-Zeit. Der Kölner Künstler Gunter Demnig erinnert damit an die letzten Wohnorte von Menschen, die zwischen 1933 und 1945 von Nationalsozialisten ermordet wurden. Zahlreiche Projekte begleiten die Verlegungen, und mittels Datenbanken gibt es Informationen über die Menschen, an die der jeweilige Stolperstein erinnert.

Neben der Erinnerung an die Menschen machen Stolpersteine oft auch deutlich, wie sehr sich eine Stadt veränderte. So mutet es sicher erstmal befremdlich an, vor einem Bürogebäude wie hier in der Spaldingstraße einen Stolperstein zu entdecken. Heute wohnt hier kaum noch jemand, aber bis zum Hamburger Feuersturm 1943 war die Spaldingstraße ein dichtbesiedeltes Wohngebiet.

Blick in die Spaldingstraße, heute eine unwirtliche Gegend.
Das Haus, in dem der Auktionator Edgar Levin ein Vierteljahr bis zu seiner Verhaftung 1938 lebte, stand beispielsweise ganz in der Nähe der Hochbahnhaltestelle Spaldingstraße, an die heute kaum noch etwas erinnert. Es war sicher kein ruhiges Wohnen, aber vermutlich ein preiswertes, denn Levin dürfte wirtschaftlich nicht gut gestellt gewesen sein.

Wo einst das Haus, in dem Edgar Levin lebte, stand, ist heute ein Bürokomplex.
Über Levin, der aus einer kinderreichen Familie kam und neun Geschwister hatte, ist nur wenig bekannt. Er begann 1925, im Alter von 30 Jahren, als selbstständiger Auktionator zu arbeiten. Wie er davor seinen Lebensunterhalt bestritt, scheint unbekannt, aber da Levin schon vor der Selbstständigkeit keine Steuern an die Jüdische Gemeinde abführen konnte, liegt nahe, dass er am Existenzminimum lebte. Levin unterschlug Auktionserlöse und wurde zu einer Geldstrafe verurteilt. Danach scheint er nicht mehr auf die Beine gekommen und nicht mehr erwerbstätig gewesen zu sein.

Nach der Trennung von seiner nichtjüdischen Ehefrau zog Levin im August 1938 von Winterhude über Altona in die Spaldingstraße, wo er zur Untermiete wohnte. Er sollte hier nur ein Vierteljahr wohnen: Am 22. November 1938 wurde Edgar Levin wegen des Verdachts auf "Rassenschande", also der Beziehung zu einer Nichtjüdin, verhaftet. Ob es zu einem Gerichtsverfahren kam, ist unbekannt.

Der Stolperstein ist ziemlich abgetreten, die Inschrift verblasst (hier ist sie besser zu lesen).
Nach fünf Monaten Untersuchungshaft wurde er über das Gefängnis Hamburg-Harburg  in die Strafanstalt Glasmoor bei Norderstedt verlegt. Von hier wies man ihn am 30. Juli 1939 in das KZ Sachsenhausen ein. Die Haftbedingungen waren unmenschlich. Edgar Levin wurde am 24. November 1939 im Alter von 44 Jahren ermordet.

Eine Datenbank mit Biographien der Menschen, für die in Hamburg Stolpersteine verlegt wurden, findet Du hier.

Sonntag, 2. April 2017

Hamburgs erstes Denkmal: Die Flut-Pyramide

Manchmal kann ich ein früheres Leben, in dem ich mein Geld auf den Straßen der Stadt verdiente, nicht verleugnen. Ich streife meistens noch immer mit offenen Augen durch die Straßen, immer auf der Suche nach Hamburgensien. Früher nutzte ich sie auf Stadtführungen, heute blogge ich gelegentlich darüber.

Gedenktafel für das Deichbruch-Denkmal von 1771, 1774 aufgestellt.
Der Mittagspausenspaziergang zu den Foodtrucks auf dem Deichtorhof führt mich auch durch die Banksstraße. Am nördlichen Widerlager der Oberhafenbrücke ist über Augenhöhe eine unscheinbare Tafel angebracht. Hamburg hat ja das Talent, Gedenktafeln so zu gestalten, dass sie sich optisch gut der Umgebung anpassen. Anders gesagt: Sie fallen nicht auf. Bislang dachte ich, das gilt ausschließlich für Gedenktafeln an die NS-Zeit, aber das hat anscheinend Methode. So ist auch diese Tafel auf den ersten Blick nicht sofort zu erkennen.

Der Platz, auf dem das Denkmal stand, heute.
Die Gedenktafel erinnert an die Flut von 1771. In diesem Sommer gab's ungewöhnlich starke Regenfälle, in deren Folge am 8. Juli die Elbdeiche bei Neuengamme brachen. Das Hochwasser überflutete die Marschen und das Umland, bedrohte schließlich auch die Stadt Hamburg selbst.

Am 21. Juli erreichte die Flut ihren Höchststand am Deichtor, klopfte also sozusagen ans Stadttor. Die Deiche der Stadt hielten glücklicherweise stand, das Wasser ging kurze Zeit später zurück. Es sollte aber bis Anfang September dauern, bis sich der Wasserstand wieder normalisiert hatte.

Drei Jahre nach der Flut, also 1774, wurde im Vorland des Deichtors ein auf einem Sockel stehender steinerner Obelisk, gekrönt mit einer Urne, errichtet: Die Flut-Pyramide. Neben einer Inschrift ("Die Elbe, von den Regengüssen eines trüben Sommers angeschwollen, drang über unsre Fluren ein und stieg bis an die unten bezeichnete Linie. Den 21. Juli 1771.") erhielt die Pyramide auch eine Wasserstandsmarkierung.

Das von Johann Georg Büsch gestaltete Flut-Denkmal um 1900 an der Bullenhuser Schleuse (Quelle: Wikipedia).
Die Gestaltung entsprach den ästhetischen Vorstellungen für Trauermonumente der damaligen Zeit. Dieses Denkmal war das erste Denkmal Hamburgs und das zweite Ereignisdenkmal Europas. Einzig die Briten waren schneller und errichteten knapp 100 Jahre vorher das "Monument" in London.

Generell scheint dem Denkmal keine große Bedeutung zugemessen worden zu sein. Nicht nur, dass es rasch in Vergessenheit geriet und häufig umgesetzt wurde, es scheint auch keine Ansicht vom ursprünglichen Aufstellungsort zu existieren.

Im Feuersturm 1943 wurde es beschädigt und anschließend dem Verfall preisgegeben. Auch daran erinnert die Gedenktafel - na ja, mehr oder weniger, denn genau genommen wurde das Denkmal ja nicht 1943, sondern erst nach 1945 zerstört, weil man die Schäden nicht behob. Es gab einfach wichtigeres in der zerstörten Stadt.

Typisch Hamburg: Wenn schon das Denkmal der Zerstörung preisgegeben wurde, stellt man kurzerhand die Gedenktafel unter Denkmalschutz.

Bis heute erinnert am Neuengammer Hauptdeich / Lange Grove ein Denkmal an den Deichbruch 1771, das zum 100. Jahrestag aufgestellt wurde.

Samstag, 11. März 2017

Samstagsplausch KW 10/17: Luxusprobleme

Heute zieht unser Büro um. Sechs Monate lang werden wir in einem Komplex am Rande der City Süd untergebracht. Ich kenne die City Süd von früheren Jobs gut genug, um zu wissen: Sie hat durchaus schöne Ecken. Die Ecke, in der wir sind, gehört definitiv nicht dazu. Da gibt es nur Asphalt und Abgase.

Wir wissen schon seit einem knappen Jahr von dem bevorstehenden Umzug, und ich bemerkte erstaunt, was ein relativ sicherer Arbeitsplatz mit mir machte. Bis vor vier Jahren arbeitete ich nur mit befristeten Verträgen oder Werkverträgen. Ich wusste im Voraus, länger als maximal zwei Jahre würde ich an keinem Arbeitsplatz sein. Oft waren es nur sechs Monate. Da ist mensch nur durchlaufender Posten.

Im Büroflur versammeln sich schon mal die aufklappbaren Aktenwagen.
Dann bekam ich einen unbefristeten Arbeitsvertrag und fand mich unter Menschen wieder, die oft mit 15 Jahren in den Betrieb kamen und ihn mit 65 Jahren wieder verlassen, die keinen Grund sahen, den Betrieb zu wechseln, allenfalls die Abteilung.

Schnell merkte ich, wie sehr man sich an ein geregeltes Einkommen und einen relativ sicheren Arbeitsplatz gewöhnen kann. Mehr noch: Bis heute befand sich mein Büro in einem großen Einkaufszentrum. In der Mittagspause konnte ich kommod bei Schlachter, Bäcker und Grönhöker einkaufen, zur Apotheke, zur Bank, zur Post, zum Friseur, zum Schneider, zur Drogerie, zum Optiker, konnte kurz mal Blumen, Bücher, Bastelkrams kaufen ... Auch daran gewöhnte ich mich im Handumdrehen.

Moodboard.
Ich musste auch nichts für die Mittagspause mitnehmen. Wenn die Kraft fehlte, zu Hause etwas vorzubereiten, konnte ich einen Salat in guter Qualität kaufen oder Sushi oder irgendwas aus einem der drei Supermärkte. Auch an diese Bequemlichkeit gewöhnte ich mich schnell.

Moodboard.
Um den Bürokomplex herum, in dem wir für sechs Monate sind, gibt es diese Infrastruktur nicht. Alles ist mindestens 15 Minuten Fußweg oder Busfahrt entfernt - zu weit, um etwas in 30 Minuten Mittagspause zu erledigen, und schon gar nicht, um irgendwo einzukehren.

Für mich heißt es dann, entweder abends für den nächsten Tag ein Mittagessen vorzubereiten, oder, wenn die Kraft dafür nicht reicht, abgepackte Salate parat zu haben. Außer Wasserkocher und Spülmaschine gibt es nämlich keinerlei Kochgerät (bislang hatten wir Herd, Backofen und Mikrowelle).

Für den allergrößten Notfall bietet die Kantine von unserem normalen Standort aus mittags eine Notversorgung an. Alles andere - Post, Bank, Friseur und so weiter - muss am Wochenende erledigt werden.

Bürobedarf, kreativ interpretiert.
Ich werde also in den kommenden sechs Monaten nicht verhungern, und ich werde es sicher auch überleben, dass es sechs Monate lang Obst, Gemüse, Fleisch und Brot aus dem Supermarkt gibt, wenn ich es sonnabends nicht auf den Markt schaffe. Und da keine Spontankäufe in der Mittagspause mehr möglich sind, wird sich mein Sparschwein freuen.

Im Vorfeld dachte ich mir, ich bin die einzige, die quasi hysterisch reagiert angesichts des neuen Standortes mitten im infrastrukturellen Niemandsland, aber das kam mir nur so vor, denn ich war auf keiner der vielen Informationsveranstaltungen zum Umzug. Bei aller Hysterie dachte ich mir nämlich auch, ich lasse das alles mal auf mich zu kommen, denn schließlich gibt es Menschen, die dafür bezahlt werden, dass alles reibungslos läuft.

So war dann die Frage an meinen Chef, ich könnte doch sicher den längeren Arbeitsweg von zwei Stunden pro Tag auf meine Arbeitszeit anrechnen, als Scherz gemeint. Er verstand sie auch so, sagte aber, dass es tatsächlich viele Kollegen gab, die wirklich der Überzeugung waren, dem wäre so, was entsprechende Vermerke nach sich zog.

Auch meine Pflanzen sind Bürobedarf.
Der Arbeitsweg bereitete mir einige Sorgen, weil es nicht ausreichend Parkplätze gibt. Vorrang haben natürlich Körperbehinderte, klar, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Nun bin ich ein großer HVV-Fan, aber die Anbindung des Hamburger Westens ist katastrophal, wenn man nicht direkt an der S-Bahn wohnt (und auch, wenn man direkt an der S-Bahn wohnt, sofern man hinter Blankenese lebt). Wie ich es auch drehte und wendete: Ich brauche mit dem HVV zwischen 90 und 120 Minuten ins Büro - für eine Strecke. Mit dem Auto brauche ich je nach Schicht zwischen 30 und 60 Minuten.

Als ich mich schon damit abfand, jeden Tag zwischen drei und vier Stunden unterwegs zu sein, gab's eine Mail vom Umzugsteam, dass die Parkplätze, die noch übrig sind, verlost werden. Ich hab' mich dann einfach mal in den Lostopf geworfen und hatte tatsächlich Glück!

Perspektivisch will ich aber versuchen, mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. Konditionell schaffe ich das, aber ich habe immer noch mit Panikattacken zu tun, ausgelöst durch die vielen Reize. Sollte ich das aber in den Griff kriegen, freut sich eine Kollegin über meinen Parkplatz.

Ein letzter Blick in mein altes Büro.
Breiten Raum nahm auch die Frage ein, wer zukünftig mit wem ein Büro teilt. Es gibt Kollegen, die sitzen sich seit 20 und mehr Jahren Tag für Tag gegenüber, und es zeigte sich, dass auch nur die Idee, sie könnten für sechs Monate getrennt werden, dramatisch wäre. Unsere Flurgemeinschaft wird auch getrennt, dafür teilen wir uns für sechs Monate mit einem anderen Team Flur, Teeküche und Toilette.

Ebenfalls zu unterschätzen ist auch nicht die Frage, wie die Pflanzen transportiert werden, denn wenn man jahre- oder jahrzehntelang im gleichen Büro sitzt, kommt schon mal ein veritabler Dschungel zusammen. Die Mitteilung, es würden nur dienstliche Pflanzen transportiert, sorgte bei einigen für Erheiterung, bei anderen für milde Panik.

Wir erklärten unsere Pflanzen kurzerhand zu Bürobedarf und packten sie auf Aktenwagen, von denen wir mehr als genug hatten, da bei uns die Akten überwiegend elektronisch sind. In mein Auto wurden "Frau Kurnaz", eine nach einer ehemaligen Kollegin benannte Orchidee, und mein Bogenhanf verladen, denn die waren zu lang für die Aktenwagen.

Spannend war's, zu beobachten, in wie weit sich Chefs und Blaumänner am Einpacken beteiligten oder es ihren Sekretärinnen überließen, denn egal, wie gut alles organisiert ist, Ein- und Auspacken müssen wir immer noch selbst.

Ein letzter Blick in den Abendhimmel vorm Fenster.
Meine Chefin und mein Chef sind gut erzogen und packten selbst. Mein Chef blieb gestern sogar noch so lange, bis Kollegin I und ich mit allem fertig waren. Die anderen Chefs verschwanden mittags oder fuhren über den Umzugstermin in den Urlaub. Von Kollegin I und mir wurde ansonsten erwartet, dass wir bis zur letzten Minute den normalen Betrieb aufrecht erhalten und dann neben dem Krams für unsere Blaumänner auch noch das Geschirr und das andere Gedöns der Gemeinschaftsräume einpacken ....

Kollegin I brachte das ordentlich in Brass. Umzugserprobt wie sie ist, beschloss sie, dass wir das nicht mitmachen. So gab's dann weniger Überstunden, als ich zu Beginn der Umzugswoche befürchtete. Mal schauen, wie nächste Woche das Auspacken ist.

In sechs Monaten ziehen wir dann wieder zurück in ein frisch saniertes Gebäude - sofern die Arbeiten rechtzeitig beendet sind. Aber das wird schon.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch.