Mittwoch, 26. September 2018

"Heiß auf 2. Liga": Der HSV in den Hamburger Kammerspielen

Dass der HSV aus der Bundesliga absteigt, war für viele unvorstellbar. Am 12. Mai 2018 war's dann soweit, und kaum war das Spiel abgepfiffen, waren Spieler und Fans "Heiß auf 2. Liga". So lautet der Titel des Stück von Jörg Menke-Peitzmeyer, der eine Idee des Kammerspiele-Intendanten Axel Schneider umsetzt. Regie führt Gil Mehmert, der schon das Fußball-Musical "Das Wunder von Bern" auf die Bühne brachte und auch beim Fußball-Film "Aus der Tiefe des Raumes" für Regie und Drehbuch verantwortlich zeigte.

Die Hamburger Kammerspiele in der Hartungstraße.
Worum geht's? Großinvestor Rolf-Peter Hala (Franz Joseph Dieken), der sein Geld mit Waschsalons verdient, steuert den HSV nach seinem Gutdünken. Seele des Vereins ist Luise (Hannelore Droege), die mit Hilfe der Waschmaschinen Horst, Uwe, Manni, Felix und Kevin die Trikots der Spieler wäscht.

Während Luise ganz froh ist, dass der HSV in die Zweite Liga absteigt, weil sie darin eine Chance für die Erneuerung des Vereins sieht, will Hala, dass der Verein so schnell wie möglich wieder aufsteigt. Das soll der brasilianische Wunderspieler Sergio ermöglichen, den Hala ohne Rücksprache mit Trainer Trutz (Björn Bonn) und Vorstandsvorsitzender (Ann-Cathrin Sudhoff) kauft. Wird's Wunderspieler Sergio richten?

"Heiß auf 2. Liga" sind zwei rasante Komödienstunden rund um den Fußball mit allen Höhen und Tiefen und Machenschaften am Rande der Legalität. Die Pointen und oft bitterbösen Dialoge sitzen und treffen, HSV-Fans manchmal bis ins Mark. Die Figuren sind wunderbar gezeichnet und besetzt, stark angelehnt an real existierende Personen. Nach der Pause gewinnt das Stück nochmal ordentlich an Tempo, und das Ende hat sich buchstäblich gewaschen.

Für den tollen Theaterspaß ist es allerdings hilfreich, wenn man ein bisschen Fußball- und Hamburgwissen mitbringt. Und dass meiner fußballkundigen Begleitung und mir das Stück so gut gefiel, kann durchaus auch daran liegen, dass unsere Herzen nicht für die Raute schlagen, sondern braun-weiß sind ....

"Heiß auf 2. Liga" läuft bis zum 17. November 2018 in den Hamburger Kammerspielen. Tickets für das Stück für Menschen ab 16 Jahren gibt es ab 10 Euro.

Dienstag, 25. September 2018

Regenbogenfarbene Filztasche (Tutorial)

Mein Navi wohnt normalerweise im Handschuhfach, aber jetzt sollte es mit nach Mallorca und brauchte eine Hülle. Die war schnell gestrickt und gefilzt.

Filztasche mit Navi und Kabelgedöns.
Ich bin allerdings immer wieder erstaunt, wie unterschiedlich Wolle filzt. Diese von GB-Wolle bleibt auch nach dem Filzen weich und geschmeidig, schrumpft relativ wenig. Ich rechne immer ein Drittel Verlust durch Schrumpfung. Hier war es weniger.

Filztasche, geschlossen. Ich bekam auf dem Acker keinen passenden Reißverschluss und musste improvisieren, weil ich nicht online kaufen wollte.
Der Beitrag geht rüber zu den Linkparties CreadienstagDienstagsDinge und Maschenfein.

Regenbogenfarbene Filztasche (Tutorial)

Anleitung für eine Tasche mit ca. 25 cm Länge und 12 cm Breite (gefilzt, Maße ungefilzt ca. 30 x 13 cm):

Material:
70 g GB Filz-it Color (100% Schurwolle, Lauflänge 50 g = ca. 50 m)
Stricknadel 8 mm / 40 cm
1 Reißverschluss, ca. 25 cm lang

Anleitung:

80 M anschlagen, zur Runde schließen und 25 Rd rechts stricken ( = ca. 30 cm Höhe).

Alle M abketten.

Die untere Naht schließen. Alle Fäden verziehen. Nach Anleitung in der Waschmaschine filzen. In Form ziehen und trocknen. Reißverschluss in die obere Naht einsetzen.

Montag, 24. September 2018

Hans-Grahl-Weg

Montags gegen Nazis.
Montags erinnere ich daran, was passiert, wenn es mit der Demokratie bergab geht und wie es anfing, denn die Nazis fielen ja nicht 1933 vom Himmel. Die krochen schon Jahre vorher aus ihren Löchern, wurden nicht rechtzeitig aufgehalten, auch, weil man sie nicht ernst nahm, dachte, es wird schon nicht so schlimm.

Wurde es aber.

In loser Folge gibt's hier also montags Kunst und Denkmäler gegen Faschismus, Nationalismus und Rassismus. Orte, die daran erinnern, gibt es nicht nur in unserer Stadt genug, denn wie gesagt: Wir hatten das schon mal.

Wie es zu dieser Beitragsreihe gekommen ist, kannst Du hier nachlesenAlle Beiträge aus dieser Reihe findest Du, wenn Du hier klickst. Das braune Pack kündigte an, im Herbst demonstrieren zu wollen, diesmal monatlich. Nachdem sie sich im September die 11. Klatsche  für dieses Jahr von der demokratischen Mehrheit der Stadt abholten, werden sie im Oktober prompt pausieren. 


Blick auf den Hans-Grahl-Weg im Gustav-Mahler-Park.
Geht man am Casino entlang zum Kino oder zum Bahnhof Dammtor, passiert man den Hans-Grahl-Weg, der durch den Gustav-Mahler-Park führt. Der kleine ungepflegte Grünstreifen, der die Fortsetzung der Wallanlagen ist, wirkt auf mich wenig einladend, wäre aber einen eigenen Beitrag wert. 

Solange ich denken kann, ist der Park Cruising-Area. Insofern passt die Benamsung des durch den Park führenden Wegs nach Hans Grahl: Der Heldentenor der Hamburgischen Staatsoper wurden in der NS-Zeit aufgrund seiner Homosexualität verhaftet.  

Der 1895 in Braunschweig geborene Hans Grahl studiert nach dem Ersten Weltkrieg Gesang und erhält 1929 ein Engagement in Hamburg. Schnell brilliert er als Heldentenor und singt fast alle großen Rollen dieses Fachs, darunter die großen Wagner-Partien Lohengrin, Parsifal, Tannhäuser, Rienzi, Siegfried, Siegmund und Tristan. 

Welche Bedeutung Grahl in der Hamburgischen Staatsoper hat, sieht man daran, dass er das bestbezahlteste Ensemblemitglied war: Er verdiente brutto 2.500 RM im Monat, fast 17.000 Euro. 1936 wurde der 41jährige zum Kammersänger ernannt.

Im April 1937 wird Grahl verhaftet, nachdem zu Jahresbeginn ein schwuler Opernsänger aus seinem Freundeskreis aufgrund seiner Homosexualität nach §175 verurteilt wurde, ein ebenfalls verhafteter Schauspielerkollege Grahl als homosexuell denunziert. 

Der Tenor wird zu sechs Monaten Haft verurteilt, die er im Gefängnis Glasmoor verbringen muss. Grahls Ehefrau Claire (Cläre / Kläre) Falke gelingt es, die Freilassung zu erwirken. Grahl emigriert in die Tschechoslowakei, wo er an verschiedenen Bühnen singt. Nach der Befreiung zieht Grahl nach Berlin, wo er gelegentlich an der Staatsoper auftritt, aber überwiegend als Gesangslehrer arbeitet und 1966 verstirbt. 

Affiliate links mit Büchern zur Biographie Hans Grahls

Sonntag, 23. September 2018

"Rigoletto" von Guiseppe Verdi in der Kammeroper im Allee Theater

Eintrittskarte und Programmheft.
Die Kammeroper im Allee Theater startet mit "Rigoletto" von Guiseppe Verdi in die neue Spielzeit.

Die Themen des 1851 in Venedig uraufgeführten Stücks sind unvermindert aktuell: Wie verhalten sich Menschen, die dem Schicksal ausgeliefert sind? Werden sie Opfer oder Täter, gestalten sie ihr Schicksal oder lassen sie sich treiben? Zudem bietet die Oper alles, was einen guten Krimi ausmacht:  Lügen, Intrigen, Entführung und Mord.

Worum geht's? Rigoletto ist Narr am Hofe des Herzogs von Mantua. Der wiederum ist ein Frauenheld und scheut sich auch nicht davor, die Frauen oder Töchter seiner Höflinge zu verführen. Rigoletto schützt seine Tochter Gilda, indem er sie zu Hause einsperrt. Nur zum Kirchgang darf sie das Haus verlassen. Bei dieser Gelegenheit entdeckt sie der Herzog. Mit einer List verschafft er sich Zugang und verführt Gilda.

Die Höflinge sind sauer auf Rigoletto, weil nichts und niemand vor seinem Spott sicher ist. Sie beschließen, Gilda, die sie für seine Geliebte halten, zu entführen. Unwissentlich ist Rigoletto an dieser Entführung beteiligt. Als er schließlich seine Tochter am Hofe des Herzogs entdeckt, sie zu ihm zurückkehren kann, will der Vater, dass sie sich am Herzog rächt. Aber obwohl Gilda Zeugin der Untreue des Herzogs wird, will sie keine Rache nehmen, sondern opfert sich für den Geliebten.

Das Allee Theater zeigt die Oper in einer für die Kammeroper bearbeiteten Fassung von Ettore Prandi, der auch die musikalische Leitung innehat, und in der Regie von Roman Herzog. Für Bühnenbild und Kostüme zeichnet Anna Siegrot verantwortlich, und sie nutzt die gegebenen Möglichkeiten grandios.

Das stimmgewaltige Ensemble überzeugt mit großer Spielfreude - allen voran die erst 21jährige Anna Rabe als Gilda: Ihr klarer, brillanter Sopran, der auch Spitzentöne trifft und hält, ist ein Gewinn für die Kammeroper. Der Kammeroper ist zu wünschen, dass Rabe noch lange dort bleibt. Wer sie aber vorgestern als Gilda erlebte, ist sich sicher: Rabe wird es schnell zu größeren Bühnen ziehen. Das wiederum ist Gabe und Fluch des Kammeroper-Intendanten Marius Adam, der in der Premiere den Rigoletto singt: Er erkennt und fördert junge Talente, wohl wissend, dass sie ihren Weg außerhalb der Kammeroper gehen werden.

"Rigoletto" läuft noch bis zum 30. November 2018 in der Kammeroper im Allee Theater. Tickets sind ab 29,50 Euro erhältlich. Das Stück ist für Menschen ab 16 Jahren geeignet. 

Am 18. Oktober 2018 liest Gustav Peter Wöhler unter dem Titel "Der König amüsiert sich" Texte von Victor Hugo. Das Stück ist die Vorlage für Verdis "Rigoletto". Marius Adam singt, Ettore Prandi begleitet auf dem Klavier. Tickets gibt es ab 15 Euro.

Freitag, 21. September 2018

"Melona Melona Coconut Pineapple" oder: Zehn Tage Alcúdia (Mallorca / Spanien)

Im Frühjahrsurlaub auf Als frug der Gatte, wann ich das letzte Mal im Meer gebadet hätte, und mir war sofort klar, dass er damit nicht die dänische Nordsee, sondern das Mittelmeer meinte. Das Baden im Mittelmeer ist bei mir zwar noch nicht so lange her wie bei ihm, aber eben auch schon zwanzig Jahre, und so reifte der Plan, im Herbst gen Süden zu fliegen.

Blick auf die Bucht von Alcúdia.
Nach langem Überlegen fiel die Wahl auf Mallorca - dort gibt es viele deutschsprachige Ärzte, was im Notfall für den Gatten wichtig ist, und der Direktflug ist mit zweieinhalb Stunden kurz, was ebenfalls für den Gatten wichtig ist. Bis dahin hatte ich Mallorca nie ernsthaft als passendes Reiseziel gesehen, auch wenn sich im Reiseführerfundus aus meiner Reiseredakteurszeit tatsächlich einer über die Insel fand - mit Preisangaben in Peseten.

Am Strand.
Lange Überlegung brauchte auch die Hotelwahl. Klar war, dass wir für die Medikamente des Gatten einen Kühlschrank brauchen, was die Auswahl schon einschränkt. Außerdem sollte es strandnah und ruhig sein - eine kleine Anlage ohne Animation und möglichst kinderfrei, denn die Nachbarskinder (oder besser ihre erziehungsvermeidenden Eltern) setzten uns diesen Sommer extrem zu. Bis dahin empfanden wir spielende Kinder nicht als lärmend. Dann kamen Luca, Nico und Samuel. Aber das ist eine andere Geschichte.

Der kurze Weg zum Strand.
Spontan gefiel uns ein Fincahotel in den Weinbergen sehr gut. Ruhig, idyllisch, ein bisschen posh, ein bisschen romantisch und laut Hotel nur 30 Meter vom Strand entfernt. Joa, stimmt. Wenn man sich kopfüber die Steilküste hinab stürzt. Weniger Wagemutige fahren sieben Kilometer mit dem Auto bis zum nächsten Parkplatz und steigen dann knapp 200 Stufen hinab - für den Gatten nicht machbar.

Nach 'nem ordentlichen Wolkenbruch könnte man auch zum Strand schwimmen ...
Außerdem bedeutete die Lage des Hotels auch, dass wir abends auf das hoteleigene Restaurant angewiesen wären, wenn wir nicht jedes Mal kilometerweit fahren wollten. Dabei war die Idee, einfach abends auf's Sträßchen gehen und bummeln zu können - etwas, das wir auf dem heimischen Acker nicht können.

Das reicht bis abends: Frühstück, erster Gang.
Der Kollege, der seit Jahrenden mehrfach im Jahr auf Mallorca ist, empfahl das Appartement-Hotel, in dem er immer wohnt, bei dem der Strand aber auch 700 Meter von einer Steilküste entfernt liegt - der Gatte wünschte sich, einfach nur über die Straße zum Strand gehen zu können. Kurz rezitierte ich Tucholskys "Ideal", dann wandte ich mich wieder den Suchmaschinen zu. Reiseplanung ist meine Aufgabe, weil: "Meine Frau hat das schließlich studiert."

Blick in unser Schlafzimmer.
Schließlich wählten wir genau das, was wir ursprünglich eigentlich nicht wollten: Eine familienfreundliche große Hotelanlage mit Animation und All-inclusive-Angebot - das AlcudiaGarden Aparthotel. Kurz nach der Ankunft war klar: Wir hätten keine bessere Wahl treffen können! Einzig die knapp 40 Stufen in den zweiten Stock waren gelegentlich schwierig, aber machbar, wenn wir langsam gingen. Wir wussten schnell: Wir möchten im nächsten Jahr wieder nach Mallorca und wieder in dieses Hotel, am liebsten sogar ins gleiche Appartement.

Blick in unser Wohn- und Esszimmer.
Das Hotel hat sehr freundliches, umsichtiges, emsiges Personal, das auch mit den vielen Kindern liebevollst umging. Das Frühstücksbüfett ist vielfältig, reichhaltig und gut. Die Appartements sind blitzsauber - sogar unter den Betten und hinter dem Sofa, wie ich zufällig feststellte, als ich die verrücken musste, weil mir was runtergefallen war. Als mal was nicht funktionierte, war umgehend ein Techniker da, um Abhilfe zu schaffen.

Und nicht nur die Appartements sind blitzsauber, nein, die Wege der gesamten Anlage wurden morgens erst per Maschine gekehrt, dann per Hand gefeudelt. Wenn's in der Nacht regnete, wurden die Wege erst trocken gefeudelt, dann maschinell gekehrt und schließlich noch mal feucht gewischt ....

Blick in die Kochnische und den Essbereich.
Die Eltern bzw. Großeltern kümmerten sich um die Kinder - bis auf die von Jakob, der mit Nachnamen anscheinend "Verdammt" heißt, denn er wurde immer "Jakob Verdammt" gerufen. Jedenfalls fielen die Heerscharen von Kindern im Hotel lautstärketechnisch weniger auf als die heimischen Luca, Samuel und Nico.

Blick ins sehr geräumige Badezimmer. Hier wäre ein Regal ganz praktisch gewesen - Platz genug wäre da. 
Die Kochnische ist gut ausgestattet - einzig Spülmittel und Schwamm vermissten wir, aber die waren schnell in einem der Supermärkte in der Nähe besorgt. Absolute Überraschung war das scharfe Kochmesser. Und ich vermute, die wenigsten Gäste nutzen die Kochnische so intensiv wie wir.

Abendliche Balkonszene.
Außer dem Restaurant zum Frühstücksbüfett sahen wir kaum was vom Hotel. Unser Appartement ging zur Straße hinaus, die abends genug Unterhaltung bot, und da wir uns im Alltag wenig sehen, genügen wir uns im Urlaub selbst. Einmal stolperten wir auf dem Rückweg vom Abendspaziergang in die abendliche Show, nur, um festzustellen, dass das nicht unser Ding ist. Sonst hätten wir jederzeit die Möglichkeit gehabt, eine Dinnershow zu buchen.

Drama am Abendhimmel.
Einmal blieb ich länger am Frühstückstisch, bekam den Beginn der Animation um 10 Uhr mit und war froh, dass wir an den Strand auswichen. Einzig früh morgens hätte ich gerne in Ruhe im Pool geschwommen, aber die Nutzung war erst ab 10 Uhr gestattet (im nächsten Jahr probiere ich aus, was passiert, wenn ich ihn schon um 7 Uhr nutze).

Blick von der Bushaltestelle gegenüber auf unseren Appartementblock.
Wir waren froh, dass wir nicht Halbpension oder All inclusive buchten, denn so konnten wir in den Tag hineinleben. Nach dem üppigen Frühstück besorgten wir in einem der nahegelegenen Supermärkte Getränke und frisches Obst für den Strand, wo wir meistens den Tag verbrachten. Dreizehn Euro für zwei Liegestühle und einen Sonnenschirm pro Tag wollen schließlich abgelegen werden.

Glasklares Wasser.
Der Strand ist feinsandig, ideal für den Gatten, der auf Badeschuhe verzichten konnte, und sehr langsam abfallend - ideal für kleine planschende Kinder und Gatten, die unsicher auf den Beinen sind. Das Meer hat meistens wenig Brandung, was mich freute, denn so konnte ich in Ruhe schwimmen - ganz weit raus, bis zur Fahrrinne, was beim ersten Mal den Gatten alarmierte, der besorgt hinterher schwamm, was wiederum mich alarmierte, denn so lange Distanzen sind nichts mehr für ihn.

Auf dem Balkon liegt der Strand. 
Ich könnte jetzt so tun, als hätte ich Geheimtipps für Lokale mit typisch mallorquinischer Küche, aber ich bin lieber ehrlich: Einmal waren wir beim Chinesen (super), einmal gab's Pizza (die hatte gerade mal Esstemperatur, und so, wie das Fleisch beim Grillen hin-, äh zugerichtet wurde, würde ich da nichts Gegrilltes bestellen, also eher keine Empfehlung), einmal Grillfleisch bzw. Burger (Service verpeilt, Essen sehr gut), ansonsten kamen wir öfter an Lokalen vorbei, von denen wir dachten, da könnten wir abends hingehen, stellten aber abends immer wieder fest, dass uns Wein, Käse, Schinken, Salami, Cracker und Oliven völlig reichen. Zudem gab's einmal Nudeln, einmal Omelette, beides vom Gatten in der Kochnische zubereitet.

Typisches Abendessen.
Ansonsten waren unsere Tage faul: So oft wie möglich waren wir am Strand. Ich dachte erst, das könne mir schnell langweilig werden, aber dem war nicht so. Als wir buchten, bestand ich auf eine Fahrt mit der historischen Eisenbahn von Sóller nach Palma, und der Gatte wünschte sich einen Ausflug in die Höhlen von Artà. Beides machten wir. Der Mallorca-Kollege empfahl noch einige Touren, in den Reiseführern fand ich auch einiges, aber letztlich reichte uns der Strand. Und wie schon gesagt: Schnell war klar, dass wir wieder nach Mallorca reisen möchten.

Typischer Tagesstart auf dem Balkon: Löslicher Kaffee und schmökern vor dem Frühstück.
Beim nächsten Mal werden wir einiges anders machen. Der Mallorca-Kollege empfahl, einen Mietwagen in einer der Stationen zu buchen, die vom Flughafen aus per Shuttle zu erreichen sind, weil das günstiger sei. Da er das mehrmals im Jahr macht und es trotz Frau und zwei Kleinkindern als stressfrei empfand, folgten wir seinem Rat.

Appartementpflichten: Der Abwasch.
Allerdings zeigte sich, dass es für uns ein großer Stressfaktor ist, denn es dauerte knapp drei Stunden, bis wir endlich unseren Wagen von OK Cars bekamen - trotz Expressabfertigung. Drei Stunden in der Hitze stehend (es gab nicht genügend Stühle für alle) zu warten, war zu viel für den Gatten. Es folgte eine Nacht, in der wir mehr als einmal überlegten, den Notruf zu wählen.

Die Rückgabe kostete ebenfalls Nerven, denn die Station war nicht ausgeschildert. Zudem kostete uns die eigentlich kostenlose Eintragung eines zweiten Fahrers und die Hinterlegung der Kreditkarte eine Gebühr, die höher war als der Mietpreis - kein korrektes Verhalten, was ich aber angesichts des Zustandes des Gatten und drei Stunden Wartezeit auch nicht in Frage stellen konnte. Nur: Bei OK Cars buchen wir nicht wieder. Bei der nächsten Mallorca-Reise werden wir den Shuttleservice zwischen Flughafen und Hotel nutzen und erst vor Ort einen Wagen mieten. Das mag teurer sein, ist für uns aber praktikabler.

Zudem müssen wir noch mehr Zeit für die Wege im Flughafen einplanen oder einen speziellen Transfer buchen, denn der Gatte kommt nur langsam vorwärts. Und wir brauchen beide Kabinentrolleys, um das Handgepäck über weite Strecken besser transportieren zu können. Ich brauche einen neuen Koffer, denn der jetzige wiegt leer schon satte acht Kilo. Außerdem nutzen wir beim nächsten Mal die hoteleigenen Strandlaken - ich wusste bislang nicht, welches Gewicht feuchte Strandlaken haben können ...

Ansonsten freute ich mich jeden Tag über das Strandkleid, das auch zum Wechseln das Badeanzugs prima taugt, über die Strandtasche und das Häkelkleid, das sich sowohl am Strand als auch in der Stadt gut macht. Und ich freute mich, dass ich meinen Reisebedarf richtig einschätzte, nichts Überflüssiges einpackte - nachdem meine Touristikerzeit fast 20 Jahre zurückliegt, kann ich das immer noch. Für den nächsten Badeurlaub packe ich aber weniger Unterwäsche ein, stattdessen lieber einen weiteren Tankini.

Mehr Mallorca-Impressionen gibt es hier.

Dienstag, 18. September 2018

#12von12 im September 2018

Meine These, dass am 12. eines Monats das Wetter grundsätzlich schlecht ist, bestätigt sich auch auf Mallorca. Wir sind für zehn Tage in Port d'Alcúdia. Hier sind also 12 Impressionen eines verregneten Urlaubstages für die monatliche Sammlung bei Caro.

#1: Frühstück. Das Servicepersonal hat die Terrassentische schon trockengewischt, so dass wir in einer Regenpause draußen sitzen können.
#2: Appartementpflichten. Wir haben nur Frühstück gebucht und nutzen tatsächlich die kleine Küche.
Da Strand angesichts des anhaltenden Regens keine Option ist, entscheiden wir uns für einen Ausflug in die Tropfsteinhöhlen bei Artà.

#3: Tickets für die Reise zum Mittelpunkt der Erde.
Nach der Höhlenbesichtigung fahren wir in den Ort hinein. Er entpuppt sich als malerisch, aber auch fest in deutscher Hand, was Läden und Gastronomie betrifft.

#4: Upcyclingkunst in einem Café in Artà.
Uns macht das schwüle Wetter sehr zu schaffen, deswegen sehen wir weniger, als wir möchten, flüchten uns in den Mietwagen und fahren mit einem Stopp an einem riesigen Supermarkt wieder zurück ins Appartement. Dort angekommen, gibt es einen Wolkenbruch. Auf den knapp zehn Metern vom Parkplatz bis zum Treppenhaus werden wir nass bis auf die Haut.

#5: Wolkenbruch.
#6: Regen abwarten und stricken. Das Knäuel gab's schon am 12. Mai zu sehen. Jetzt wird daraus endlich der geplante Schal.
Als der Regen etwas nachlässt, wagt der Gatte den Abstieg zum Auto, um die Einkäufe zu holen - die bekamen wir bei dem Wolkenbruch nämlich nicht mit. Jetzt gibt's auch Kuchen zum Tee.

#7: Der Gatte befreit die Einkäufe aus dem Auto.
#8: Für die einen Tee und Kuchen, für uns quasi das Abendessen.
#9: Tagebuchschreiben.
#10: Am Ende eines verregneten Tages gibt es einen wunderbaren Sonnenuntergang.
Nach dem üppigen Kuchen zum Tee gibt's später nur ein paar Oliven und Cracker zum Wein.

#11: Typisches Abendprogramm: Wein und Oliven auf dem Balkon.
Der Abend klingt auf dem Balkon aus.

Vor dem Einschlafen noch etwas lesen*.
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Dienstag, 11. September 2018

Kleine Häkeltasche aus Schachenmayr Journey (Tutorial)

Von dieser Tasche hatte ich noch genug Wolle übrig, um ein Täschchen für Schlüssel, Kleingeld, Lippenstift und Co. zu häkeln. Das bekam eine lange Schlaufe, damit ich es um einen Griff schlingen kann. So muss ich in der Tasche nicht lange danach suchen.

Kleine Häkeltasche mit Schlaufe und Reißverschluss.
Kleine Häkeltasche aus Schachenmayr Journey (Tutorial)

Anleitung für eine Tasche mit ca. 18 cm Länge und 12 cm Breite:

Material:
ca. 25 g Schachenmayr Journey Smaragd* (44% Baumwolle, 36% Polyacryl, 20% Polyamid, Lauflänge 50 g = ca. 90 m)
ca. 10 g Schachenmayr Journey Silber* (44% Baumwolle, 36% Polyacryl, 20% Polyamid, Lauflänge 50 g = ca. 90 m)
Häkelnadel 8 mm
1 Reißverschluss, 20 cm lang

Anleitung:

50 Luftmaschen in Smaragd anschlagen, zur Runde schließen und 10 cm mit festen Maschen häkeln. Dann noch 2 cm in Silber häkeln. In der letzten Runde bis zur Hälfte häkeln, dann für die Schlaufe 100 Luftmaschen herausstricken. In der Rückreihe feste Maschen häkeln. Die Schlaufe schließen und die Runde zu Ende häkeln.

Bodennaht schließen, Fäden vernähen, Reißverschluss einsetzen, fertig.

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Montag, 10. September 2018

Denkmäler für die deportierten Jüdinnen und Juden am Hanauer Bahnhof

Montags gegen Nazis
Montags erinnere ich daran, was passiert, wenn es mit der Demokratie bergab geht und wie es anfing, denn die Nazis fielen ja nicht 1933 vom Himmel. Die krochen schon Jahre vorher aus ihren Löchern, wurden nicht rechtzeitig aufgehalten, auch, weil man sie nicht ernst nahm, dachte, es wird schon nicht so schlimm.

Wurde es aber.

In loser Folge gibt's hier also montags Kunst und Denkmäler gegen Faschismus, Nationalismus und Rassismus. Orte, die daran erinnern, gibt es nicht nur in unserer Stadt genug, denn wie gesagt: Wir hatten das schon mal.

Wie es zu dieser Beitragsreihe gekommen ist, kannst Du hier nachlesenAlle Beiträge aus dieser Reihe findest Du, wenn Du hier klickst. Das braune Pack kündigte an, wieder demonstrieren zu wollen, diesmal monatlich. Mal gucken, wie lange sie den Wind, der ihnen von der demokratischen Mehrheit der Stadt entgegen weht, aushalten.

Gelegentlich gucke ich in dieser Reihe auch gerne mal über den Hamburger Tellerrand. Heute geht's nach Hanau. Da waren wir vor drei Jahren, um mit der historischen Eisenbahn zu fahren. Und natürlich fielen mir gleich die Gedenktafeln auf, die an die beiden Deportationen der Hanauer Juden erinnern.

Der Wegweiser zum Mahnmal auf dem Bahnhofsvorplatz.
Wie so oft bei Denkmäler, die an die NS-Zeit erinnern, ist das eigentliche Mahnmal leicht zu übersehen, dauerte es, bis es errichtet werden konnte. Der erste Antrag wurde 1999 gestellt. Die Deutsche Bahn lehnte hartnäckig die Anbringung einer Gedenktafel außen am Bahnhofsgebäude ab.

Nach sieben Jahren, 2006, wurde eine Tafel an Gleis 9, wo weiland die Deportationszüge starteten, angebracht, allerdings so, dass man sie eher zufällig findet, wenn man am Prellbock steht, um einen einfahrenden historischen Zug zu fotografieren ...

Hinweistafel zum Mahnmal.
Das ist suboptimal, dachten sich sechs Jahre später Hanauer Schülerinnen und Schüler, und initiierten eine Stele vor dem Bahnhof, in einer kleinen Grünanlage, neben einer Bushaltestelle, auf städtischem Boden, denn die Bahn lehnte weiterhin stur einen präsenten Gedenkort ab. Nun gibt es einen Wegweiser auf Augenhöhe, der die Richtung zur Gedenktafel auf Gleis 9 aufzeigt, und drei Wegweiser zu den Zielen der Deportationen, Auschwitz, Majdanek und Theresienstadt.

1933 lebten 477 Jüdinnen und Juden in Hanau, also etwas mehr als ein Prozent der Gesamtbevölkerung. 1939 waren es 82 - ein Großteil konnte fliehen. Nach dem deutschen Überfall auf Polen mussten die verbliebenen Männer, Frauen und Kinder in zwei sogenannte Judenhäuser ziehen - erste Vorbereitung auf die geplante Deportation. Ein paar Monate später, Anfang 1940, wurden alle zur Zwangsarbeit herangezogen.

Erinnerungstafel an die Deportationen der jüdischen Hanauer an Gleis 9.
Am 30. Mai 1942 wurden 86 Männer, Frauen und Kinder und am 5. September 1942 78 Männer, Frauen und Kinder von Hanauer Bahnhof aus in Ghetto und Vernichtungslager deportiert (Bild der ersten Deportation von Gleis 9 - heute sieht's da noch fast genauso aus). Sie kamen aus Hanau und den umliegenden Ortschaften. Im Februar 1945 erfolgte die Deportation jener Menschen, die nach den NS-Rassegesetzen als Halbjuden galten oder mit Nichtjuden verheiratet waren.

Die erste Deportation wurde fotografisch belegt, denn die Stadt wollte beweisen, dass sie es ernst meint mit der sogenannten "Judenfreiheit", der Ermordung eines Teils ihrer Bürger. Von den Aufnahmen des Stadtfotografen Franz Weber sind noch 19 Originale erhalten - seltene Zeitdokumente. Sechs seiner Aufnahmen sind auf der Gedenktafel an Gleis 9 zu sehen.

Mittwoch, 5. September 2018

#WMDEDGT 9/18: #wirsindmehr

Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT?

Ich verschlafe erst mal. Die Zeiten, in denen ich ausschlafen konnte, weil ich nur maximal sechs Stunden arbeitete, sind nämlich vorbei. Meine Stunden wurden aufgestockt. Ich schnappe mir schnell einen Kaffee, bevor der Gatte die Küche besetzt, um sich Brote zu schmieren, und fahre den PC hoch, um einen Beitrag für die (nicht nur) montags gemeinsam-Reihe zu schreiben. Dann Wäsche aufhängen, Smoothie machen, Brote schmieren, duschen, anziehen und ab zum Bus. Ich muss pünktlich im Laden sein, weil ich einen Kurier bestellte.

Ich bin pünktlich im Laden, wo in einem Hinterzimmer das Leben tobt, weil Jugendliche für eine Plakat-Aktion Briefsendungen packen. Eine schöne Abwechslung! Ich fahre den PC hoch und sichte Mails. Die erste ist von einer Freundin, die fragt, ob ich nachher zur Demo gehe. Das braune Pack hat sich nach vier Monaten Pause nämlich überlegt, die nächste Klatsche abholen zu wollen. Eigentlich wollte ich früh Feierabend machen, weil ich zu Hause noch so viel zu tun habe, bevor's in den Urlaub geht, aber nun ja. 

Der Kurier kommt und kommt nicht. Ich stehe unter Zeit- und Termindruck, nerve das Call Center des Kuriers und hibble auf der Straße auf und ab. Dabei hibble ich fast Frau Crow and Kraken um, die zufällig die Straße entlangläuft.

Nach einer guten Stunde ist noch kein Kurier da. Ich bitte eine der Jugendlichen, meinen Hibbel-Posten zu übernehmen und hetze ins Büro, wo ich seit einer halben Stunde in einer Besprechung sein soll. Kaum bin ich da, verkündet Chef, dass ich ab Januar nicht mehr Exkremente nach Farben sortiere, sondern ins Theater gehe. Mit anderen Worten: Jetzt ist es offiziell, dass ich eine andere Abteilung übernehmen werde, weil die Kollegin in den Ruhestand geht. 

Nach der Besprechung hetze ich in den Laden, um die Abrechnung zu machen, und wieder ins Büro, um mit einer Kollegin eine Differenz in den Bareinnahmen zu suchen. Ich weiß, warum ich bargeldlose Zahlungen lieber habe. Zwischendrin kümmere ich mich noch um die Leerung der Altpapiertonne und führe endlose Diskussionen mit der Kollegin, die stets verneint. 

Gegen halb zwei komme ich endlich zum Frühstücken. Heute ist zudem seit drei Wochen der erste Tag, an dem ich wieder an meinem Schreibtisch sitzen kann. Davor war ich mit Krankheits- und Urlaubsvertretung beschäftigt, erledigte meine eigentlich Aufgaben mehr oder weniger nebenbei. Zum Glück ist das Team super und fing einiges auf. 

Ich gucke die Bürgerschaftsdebatte zur heutigen Nazi-Demo und ziehe parallel meine redaktionellen Seiten glatt, denn die vernachlässigte ich in den letzten drei Wochen. Nebenbei macht mich die Kollegin, deren Aufgabengebiet ich ab Januar übernehme, kirre, denn sie geht morgen in den Urlaub, und bei uns brummt gerade das Weihnachtsgeschäft. 

Wir brauchen Kollegen im Laden, die Bock auf Verkaufen haben, Umsatz machen wollen, aber das kann ich von Jetzt auf Gleich auch nicht ändern. Jedenfalls bin ich froh, dass ich mir gerade ein Viererpack Aufbissschienen kaufte. Die werde ich in den nächsten Monaten brauchen.


Kurz nach 18 Uhr strömen immer mehr Menschen zum Jungfernstieg.
Gegen 18 Uhr mache ich mich auf zur Demo und werde erst nicht durchgelassen, weil mir ein Gör, das noch nicht mal angedacht war, als ich schon gegen Nazis auf der Straße war, erklärte, sie könne mich nicht durchlassen, weil ich aussähe wie ein Nazi. Ich weiß nicht, was beleidigender ist: Die Elblette, die mir weiland im Wahlkampf auf der Waitzstraße ein CDU-Pamphlet in die Hand drücken wollte, oder diese Göre. Mal davon ab gehe ich schon alleine aufgrund meines Umfangs als personifizierter Schwarzer Block durch.


Ganz schön voll hier.
Ich finde schließlich einen Weg und die Freundin und wir reihen uns ein. Die Freundin ist vergnügungssüchtig, so dass wir irgendwann direkt an den Hamburger Gittern am Gänsemarkt stehen - um uns herum etwa 10.000 andere. Zum 11. Mal in diesem Jahr holen sich die Nazis eine Klatsche ab.


Wo ist denn nun das Volk?!
Ich bin erstaunt, wie viele Elbletten und Blaumänner auf der Demo sind - langsam ist ihnen wohl klar, dass Faschismus keine Alternative ist. Die Freundin ist ebenfalls zum ersten Mal auf der Demo, samt Kollegin. "Wenn die jetzt monatlich kommen, bin ich halt monatlich hier, bis die weg sind." Okay, ich habe dann am 3. Oktober 'ne Verabredung.

Kurz nach 21 Uhr bin ich wieder zu Hause. Der Gatte schläft schon, war aber so lieb, mir Abendessen warmzustellen. Ich wühle mich durch die Demoberichte, gucke heute journal und Tagesthemen, tippsle diesen Bericht und falle ins Bett.

Dienstag, 4. September 2018

Häkeltasche aus Schachenmayr Journey [S8956]

Langsam bin ich bei den Mengenangaben von Schachenmayr-Anleitungen ein wenig misstrauisch: Bei diesem Strickkleid hatte ich ja 150 g übrig, während bei dieser Tasche 50 g Smaragd zu viel waren, aber 50 g Silber zu wenig ... An Fischer, wo ich die Wolle kaufte, lag's nicht, die konfektionierten richtig.

Häkeltasche für den Strand.
Kurz überlegte ich, die Klappen für die Henkel in Smaragd zu arbeiten, aber mir gefiel das Modell so, wie es abgebildet war. Also wartete ich auf die Nachlieferung. Zum Glück hatte ich die Tasche rechtzeitig vorm Urlaub, in dem sie mit an den Strand soll, angefangen.

Häkeltasche, liegend. 
Aus den überflüssigen 50 g Smaragd häkelte ich ein kleines Täschchen für Taschentuch, Schlüssel und Lippenstift (die Anleitung gibt es demnächst hier).

Die Anleitung für die Tasche kannst Du Dir hier kostenlos herunterladen.

Der Beitrag geht rüber zu den Linkparties Creadienstag und DienstagsDinge.

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Montag, 3. September 2018

Ehemaliges Zwangsarbeiterlager in der Hamburger Straße 91 (Max-Brauer-Allee)

Montags erinnere ich daran, was passiert, wenn es mit der Demokratie bergab geht und wie es anfing, denn die Nazis fielen ja nicht 1933 vom Himmel. Die krochen schon Jahre vorher aus ihren Löchern, wurden nicht rechtzeitig aufgehalten, auch, weil man sie nicht ernst nahm, dachte, es wird schon nicht so schlimm. 

Wurde es aber.

In loser Folge gibt's hier also montags Kunst und Denkmäler gegen Faschismus, Nationalismus und Rassismus. Orte, die daran erinnern, gibt es nicht nur in unserer Stadt genug, denn wie gesagt: Wir hatten das schon mal.

Wie es zu dieser Beitragsreihe gekommen ist, kannst Du hier nachlesen. Alle Beiträge aus dieser Reihe findest Du, wenn Du hier klickst. Das braune Pack kündigte an, ab übermorgen wieder demonstrieren zu wollen, diesmal monatlich. Mal gucken, wie lange sie den Wind, der ihnen von der demokratischen Mehrheit der Stadt entgegen weht, aushalten.

Die demokratische Mehrheit der Stadt trifft sich übermorgen, also am 5. September 2018, beispielsweise um 17 Uhr auf dem Stephansplatz oder 17.30 Uhr auf dem Hachmannplatz. Wir sehen uns. 

Am Ende der Max-Brauer-Allee, rechts, wo heute die Bäume stehen, befand sich 1942 ein Zwangsarbeiterlager.
In der kurzen Hamburger Straße, die heute Teil der langen Max-Brauer-Allee ist, befinden sich gleich zwei ehemalige Standorte von Zwangsarbeiterlagern. Von beiden ist heute nichts mehr zu sehen.

Ganz am Anfang der Straße ist das Lager in Wensien's Gesellschaftshaus. Am Ende, in Hausnummer 91, befindet sich im November 1942 ein Gemeinschaftslager der Betriebe Norddeutsche Leichtmetall- und Kolbenwerke GmbH (Noleiko / Noleico) und Wienke & Co., Kohlen & Mineralöle / Sartosan-Gesellschaft. Wie viele Menschen in dem Lager untergebracht sind und woher sie kommen ist unbekannt.

Bei Wienke & Co. handelt es sich um einen alteingesessenen Betrieb, der auch über 1945 hinaus existiert hat, über den sich aber nur wenig herausfinden lässt. Ich vermute, die Firma handelt hauptsächlich mit hydraulischen Schmierstoffen bzw. Emulsionen. Für Altona lassen sich unterschiedliche Standorte nachweisen. In der Hamburger Straße befinden sich Büros in Hausnummer 77 und 99. Nach der Befreiung zieht die Firma nach Bahrenfeld, später nach Borgfelde.

Samstag, 1. September 2018

Ausgelesen: Bücher im August 2018

Ich bereite mich immer noch auf den anstehenden Mallorca-Urlaub vor. In erster Linie ist zwar Strand- und Badeurlaub angesagt, aber ich bezweifle, dass ich das länger als drei Tage aushalte. Außerdem will ich wissen, was ich verpasse, sollte ich tatsächlich zehn Tage am Strand liegen.

Die Reihe "Lesereise*" aus dem Wiener Picus-Verlag mag ich sehr gerne, und so landeten die beiden Mallorca-Bände auf dem Kindle. "Miró und der Mann mit der Mandarinenkiste*" von Helge Sobik enthält achtzehn unterschiedliche Portraits wie die titelgebende vom Mann, den den Künstler Miró mit Mandarinen versorgte, aber auch von der Besitzerin einer Olivenmühle oder von einem Schuhmacher, der um sein Handwerk kämpft.

Das Bändchen erschien schon 2012, so dass einiges vermutlich nicht mehr aktuell ist. Noch ein Jahr früher erschien "Fiesta im Schnee der Mandelblüten*" von Brunhild Seeler-Herzog, das mir noch etwas besser gefiel als der zuvor genannte Band der Reihe.

Das Buch beginnt mit der Anreise per Fähre, um dann sehr liebe- und humorvoll einige Eigenheiten der Mallorquiner aufzuzeigen. Wundervoll wird geschildert, wie die Insulaner damit umgehen, wenn der Schnee mal nicht von den Mandelblüten kommt, sondern aus den Wolken. Die Schilderung der nächtlichen Wallfahrt von Palma nach Lluc ist so wunderbar, dass ich glatt in Versuchung bin, an dem knapp 50 Kilometer langen Spaziergang teilzunehmen. Zum Glück, äh, leider ist gerade während unseres Aufenthaltes kein Termin ...

Ohne Krimi geht's bei mir ja nicht, und so las ich "Balearenblut*" von Hanne Holms. Im Mittelpunkt steht die Reisejournalistin Lisa Langer, die für einen Auftrag ins sonnige Alcúdia fliegt.

Kaum angekommen, ihr im wahrsten Sinn des Wortes ein Mann vor die Füße: Ein Hotelgast stürzt vom Balkon des dritten Stocks, und das Messer, das zwischen seinen Schulterblättern steckt, lässt einen Selbstmord unglaubwürdig erscheinen.

Da die Journalistin ein heimliches Doppelleben als Krimiautorin führt, ist die Neugierde groß. Wann kann man sich schon mal eine frische Leiche aus der Nähe ansehen? Schneller als gedacht, findet sich Lisa inmitten der Mordermittlungen wieder.

Da wir auch nach Alcúdia fliegen, hatte ich auf etwas Lokalkolorit gehofft - vergeblich. Zudem bleibt die Protagonistin sehr blass. Mehr Substanz haben da schon die beiden Polizisten, mit denen sie ermittelt: Der Polizeichef im Ruhestand, Jorge, und der (natürlich unglaublich attraktive) Kommissar Perello. Zusätzlich kommen noch zahlreiche Hotelangestellte, Verbrechensopfer, Handlange und Hilfsganoven zu Wort - so viele, dass ich irgendwann komplett den Überblick verlor.

Der Schreibstil ist strandtauglich, was nur bedingt als Kompliment zu verstehen ist, und die Rezepte im Anhang rissen es auch nicht wirklich raus. Kurz: Weitere Bücher aus der Lisa-Langer-Reihe werde ich kaum lesen.

Besser gefiel mir da schon "Rotwild*", ein Schweden-Krimi von Roman Voosen und Kerstin Signe Danielsson. Die Handlung beginnt kurz vor Mittsommer im småländischen Växjö: In einem Wald am Seeufer wird der von Pfeilen durchbohrte Leichnam eines Lehrers gefunden. Die Todesumstände erinnern an die Darstellungen frühchristlicher Märtyrer.

Kommissarin Ingrid Nyström und ihre junge, impulsive Kollegin Stina Forss übernehmen die Untersuchungen. Bald darauf tauchen an der Wand der Domkirche seltsame Zeichen auf. Haben die Polizistinnen es mit einem religiösen Ritualmord zu tun? Die Deutsch-Schwedin Stina Forss hat bald erste Zweifel.

Spätestens nachdem ein weiterer Toter entdeckt wird, erhöht sich der Druck von Vorgesetzten, Presse und Öffentlichkeit auf die beiden ungleichen Frauen spürbar. Während Ingrid Nyström mit familiären Problemen zu kämpfen hat, führt die wendungsreiche Ermittlung Forss nach Nordschweden, nach Berlin und weit zurück in die Geschichte.

Der Krimi ist spannend und wird sicher nicht der letzte von Voosen / Danielsson gewesen sein, den ich lese.

Kontrastprogramm war "Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte*" von Rachel Joyce. Die Geschichte zog mich schnell in ihren Bann: Die Freunde Byron und James sind elf Jahre alt, als sich alles für immer verändert. Niemand sieht das Mädchen mit dem roten Fahrrad. Nur Byron, der mit seiner schönen Mutter im Wagen sitzt, als der Unfall im dichten Nebel geschieht. Byron weiß sofort: Er darf keinem etwas davon erzählen.

Doch in nur zwei Sekunden ist die ganze Welt aus den Fugen geraten, und er braucht James an seiner Seite. Können zwei Sekunden existieren, die es vorher nicht gab? Und wird ihre perfekte Welt jemals wieder in den Takt kommen?

Joyce nimmt sich Zeit, die Geschichte zu entwickeln und die Charaktere zu zeichnen. Das ist manchmal etwas langatmig, wurde mir aber dennoch nicht langweilig.

Allenfalls für echte Fans der Peter-Grant-Reihe ist der aktuelle Band "Die Geister auf der Metropolitan Line*". Ansonsten ist das Büchlein eher enttäuschend: Ziemlich flach, ohne echten Spannungsbogen oder Entwicklung der Figuren. Die Geschichte geht über den Klappentext (Geister erschrecken Pendler, die die Metropolitan Line nutzen, Nightingale und Grant ermitteln) kaum hinaus. Viele Fragen bleiben unbeantwortet.

Ich fand "Die Galgen von Tyborn*" schon schwach und bin gespannt, ob Aaronvitch noch zu seiner alten Form zurückfindet.

Normalerweise empfehle ich die Reise Know-How-Reisebücher sehr gerne, aber der Mallorca-Band* sorgte bei mir nur für Kopfschütteln. Das Buch hat knapp 600 Seiten und erinnert sehr stark an eine Touristik-Dissertation - und zwar nicht an eine spannende. Autor Hans-R. Grundmann arbeitet sich gründlich an der Insel ab.

Zu (gefühlt) jedem Ort gibt es ein umfangreiches Kapitel mit umfangreicher Einleitung. Erörtert wird das Für und Wider eines Besuchs, Restaurants, Märkte und Geschäfte werden vorgestellt (ebenfalls samt Erörterung, ob Einkehr oder Einkauf sinnvoll sind), dito Ausflüge, Veranstaltungen, Wanderungen, Hotels ...

Das alles ist ziemlich langatmig und teilweise überflüssig. Wenn von einem Restaurant schon 2015 ungewiss war, ob es noch existiert, dann überprüfe ich das doch vor der 2017 herausgegebenen Neuauflage eines Reiseführers, anstatt seitenlang darüber zu schwadronieren, ob es das Lokal noch gibt.

Dazu kommen ausführliche Wegbeschreibungen - hoffen wir mal, dass der Kaktus, an dem man zum Kloster abbiegen muss, dann auch noch steht, wenn man die Insel bereist, ansonsten ist man mit analoger oder digitaler Landkarte eindeutig besser dran.

Schließlich werden alle beschriebenen Ortschaften nochmals alphabetisch aufgeführt, allerdings ohne Verweis auf die entsprechenden Seitenzahlen, obwohl es in dem Buch sonst von Querverweisen nur so wimmelt. Gleichzeitig sind einige Informationen schon überholt, obwohl die überarbeitete Auflage erst letztes Jahr erschien.

Zusätzlich wird die Geschichte der Insel in einem Comic dargestellt (die vollständige Version gibt's dann aber nur online), gibt es eine Erörterung über Mallorcas Literatur (die vollständige Version gibt's dann wieder) nur online, einen Wanderführer (die vollständige Version - Du ahnst es schon), einen Führer durch Flora und Fauna (Na? Ja, genau.) und persönliche Betrachtungen des Autors über Hotels und Fincas. Ausgenommen ist einzig Magaluf, weil dort nur Engländer urlaubten, sich entsprechend höchstens anglophile Deutsche dort wohlfühlten.

Das kleine Kapitel mit Kochrezepten reißt es dann auch nicht mehr heraus. Eine kurze Übersicht über Speisen und Getränke hätte ich hilfreich gefunden. In der analogen Ausgabe ist sie wohl auf der Rückseite der Mallorca-Karte. In meiner digitalen Ausgabe fehlte beides. Schön wäre auch ein kleiner Sprachführer gewesen.

Am Ende der Lektüre fühlte ich mich erschlagen und urlaubsreif und hatte den Eindruck, egal, was ich auf Mallorca mache, es kann nur falsch sein. Jegliche Reiselust war dahin.

Angelesen habe ich "Torquemadas Schatten*" von Karl Otten, aber die Geschichte über ein spanisches Dorf im Bürgerkrieg bewahre ich mich doch für den Strand auf. Da habe ich mehr Ruhe, mich auf den behäbigen Erzählstil einzulassen.


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