Posts mit dem Label Reha werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Reha werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 29. September 2026

Sophie Shawl aus Lana Grossa Ecopuno Sfumato und Cosmo

Ja, ja, ich bin mal wieder late to the party, denn eine Sophie trägt ja schon seit einigen Wintern so ziemlich jede.

Mein Sophie Shawl hat eine Länge von 240 cm, kommt mir aber gar nicht so lang vor.

Den Sophie Shawl, die lange Version des kurzen Sophie Scarf, strickte ich während der Reha. Ich wählte Ecopuno Sfumato* in einem Farbton, der je nach Lichteinfall Schwarz-Grau-Anthrazit oder Lila erscheint. Und weil mir gerade noch Glitzer war, verarbeitete ich auch noch Pailletten von Cosmo*.

Wolle und Muster im Detail.

Das Garn kaufte ich bei einem Ausflug nach Schleswig bei Woll-Sievers, einem ausgesprochen entzückenden Laden.

Eine der "Strickliesels", die Gruppe, mit der ich in der Reha abhing, fand den Schal so schön, dass sie ihn kurzerhand häkelte (hier geht's zur Anleitung). Obwohl sie zu den "Strickliesels" gehörte, strickte sie nämlich nicht, sondern häkelte.

Dieser Beitrag geht rüber zum Dings vom Dienstag, zum Flickensalat und zum Creativsalat. Vielen Dank für's Sammeln! / *Affiliate links

Samstag, 12. September 2026

Samstagsplausch KW 34/26 - 37/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXXXVI - CCCXXXIX

Hinter mir liegen sechs Wochen Reha, die ich nur als "schräg" bezeichnen kann und die mich immens viel Kraft kostete. Deswegen war es hier auch so still. Die "Strickliesels", die Mädels, mit denen ich abhing, witzelten irgendwann, ich wäre nur in der Reha, um zu stricken, zu streamen und zu schlafen. 

Am Ende der ersten Woche sprachen mich drei Frauen an, als ich so für mich entspannt im Café saß und strickte. Es kamen die üblichen Sätze, dass man gerne stricken möchte, es aber nicht könne. Meine Standard-Antwort "Kein Problem, ich kann es euch zeigen", bleibt normalerweise folgenlos. Es gab die Nachfrage "Auch Sockenstricken?" - "Klar, auch Sockenstricken."

Zwei Tage später standen drei Frauen vor mir, die mir stolz frisch erstandene Wolle samt passenden Stricknadeln präsentierten (sie hatten sich wirklich vorbereitet!) und fragten, wann ich Zeit hätte, ihnen Stricken beizubringen. Ich dachte nur "Oh, scheiße!", denn bislang wollte niemand wirklich von mir Stricken lernen. Die, die Stricken komplett neu lernen wollte, war zudem Linkshänderin. Ich hatte mir vor der ersten "Strick-Sprechstunde" mit einer erfahrenen Strick-Freundin Strategien überlegt, wie ich als Rechtshänderin einer Linkshänderin Stricken beibringen könne, aber das war gar nicht notwendig. Diese "Strickliesel" guckte sich in Windeseile von mir ab, wie man mit rechts strickt und strickt jetzt rechtshändisch. Da sie mit dem klassischen Kreuzanschlag Probleme hatte, lernte sie Aufhäkeln, und zwar so erfolgreich, dass sie es schnell anderen zeigte.

Die therapeutische Wirkung des Strickens verblüffte die Psychotherapeuten der "Strickliesels". Das Gedankenkarussell wurde gestoppt, die Konzentration nahm zu, ebenso wie Durchhaltevermögen, Geduld und  Frustrationstoleranz, wenn ein Strickstück wieder aufgeribbelt werden musste. Hibbeligkeit wich Tiefenentspannung - wirksamer und vor allem produktiver als jedes Autogene Training. Nach drei Wochen waren zwei der "Strickliesels" so weit, dass sie abends bei einem Konzert ganz entspannt eine Ferse strickten - drei Wochen vorher undenkbar. Eine sehr schöne Veränderung! Das Kompliment, mein Geduldsfaden wäre dicker als die dickste Wolle, kann ich nur zurückgeben

"Oha, sie nimmt die Brille ab! Jetzt wird's ernst!", war ein beliebter Satz, denn Fehleranalyse kann ich am Besten ohne Brille. Wenn ich dann auch noch "Interessant!" oder "Spannend!" murmelte, war klar, es muss geribbelt werden. Ich habe kreative Fehler gesehen, von denen ich nie auf die Idee gekommen wäre, dass sie möglich sind. .

In den fünf Wochen, die wir zusammen strickten, entstanden zwei Loops, ein Schal und drei Paar Socken. Eine ist so vom Sockenstrick-Virus infiziert, dass sie sich einen Socken-Adventskalender kaufen möchte. Aber erstmal strickt sie einen Schal im Patentmuster, das sie auch neu lernte - nachdem unzählige kleine Strickstücke entstanden, um das perfekte Muster für den Schal zu finden, inklusive Randmaschen.

Spannend war für mich das Thema "Strickenlernen mit KI", denn eine setzte sehr auf KI, wenn es um Maschenanzahl und Wollmenge ging. Irgendwann war aber die Grenze der KI erreicht, wurde auf klassische Anleitungen oder Videos zurückgegriffen. Und die schmerzhafte Erfahrung, dass man nicht gleich das erste Strickstück blind stricken kann, wurde auch gemacht. Der erste Loop musste drei oder vier Mal aufgemacht werden, bis das Maschenbild so war, dass ich damit leben konnte. KI merkt auch nicht, dass die Nadeln nicht zur Wolle passen (zu glatt, zu rauh), dass das Maschenbild unregelmäßig ist, die Nadeln kleiner oder größer sein müssen ... 

Ebenso schön war zu sehen, wie sich die "Strickliesels" gegenseitig halfen, denn ich hatte ja nicht immer Zeit oder wollte auch manchmal nicht. So lernten sie voneinander und wuchsen aneinander, waren stolz, wenn wieder eine Klippe gemeistert wurde, wurden selbstbewusster, trauten sich mehr zu. 

Hase Wolle ist ein Abschiedsgeschenk der "Strickliesels". Er trägt einen Freundschaftsschal: Jede strickte ein Stück aus der Wolle ihres ersten Strickprojekts, und eine, die lieber häkelt als strickt, häkelte den Rand. Da ich viel mit Maschenmarkieren arbeite, hängt am Schal ein Hasen-Maschenmarkierer.

Auf der Haben-Seite stehen also eine Frau, der ich Stricken ganz neu beibrachte, zwei, denen ich Sockenstricken beibrachte, drei, die ich wieder ans Stricken heranführte, eine, der ich half, eine zweite Socke, bei der sie irgendwie den Faden verlor, fertig zu stricken und ein paar andere, die mich einfach ansprachen und um Strickhilfe baten. Ich hatte irgendwann so etwas wie einen Fan-Club, konnte nicht ruhig im Café sitzen und lesen, ohne nach Strickhilfe gefragt zu werden. Es gab viele schöne Stunden im Kreise eines knappen Dutzends warmherziger, empathischer, strickender Frauen, mit viel Lachen und gelegentlichen Tränen. Das gab Kraft, zumal vom engeren Kreis auch mein Bedürfnis nach Rückzug respektiert wurde, es verstanden wurde, wenn ich gerade lieber alleine sein wollte.

Auf der Soll-Seite steht ein verfehltes Therapieziel. Ich war zur Trauerbewältigung in der Reha. Die Einzeltherapeutin erklärte mir im Erstgespräch, Trauer sei keine Erkrankung. Sie wisse daher nicht, was sie mit mir anfangen solle. Ich insistierte, die Reha biete Trauerbewältigung an, sie kannte meine Diagnose, als ich die Einladung bekam, sie müsse doch ein Konzept haben. Ja, im Prinzip schon, aber der Trauertherapeut sei seit vier Monaten erkrankt, es gäbe keinen Ersatz. Wenn Trauer aber tatsächlich ein Thema für mich sei, könne ich ja nach Itzehoe fahren, da träfe sich einmal im Monat eine Trauergruppe. Ähm, ja, nee, is klaa. 

Mit mir zusammen waren etwa ein Dutzend Rehabilitanden zur Trauerbewältigung da. Sie baten, wenigstens gemeinsam in eine Therapiegruppe zu kommen, um sich im geschützten Rahmen unter professioneller Anleitung austauschen zu können. Das wurde verwehrt. So suchten und fanden wir andere Gelegenheiten zum Austausch. Schön ist anders.

Ich freute mich auf lange Spaziergänge, denn die Klinik liegt ja mitten in einem Naturpark, aber ich reiste mit Plantarfasziitis an. Das sagte ich auch beim medizinischen Aufnahmegespräch. Trotzdem wurde mir zwei, drei Mal die Woche jeweils 45 Minuten Nordic Walking verordnet. Das ist bei einer Plantarfasziitis gelinde gesagt suboptimal, und die Ärztin hätte das wissen können, ist die Klinik doch auch für Orthopädie-Patienten zuständig. 

Am Ende der dritten Woche, als ich nur noch mit hohen Dosen Schmerzmitteln ein paar Schritte laufen konnte, sorgte eine beherzte "Strickliesel" mit Hilfe einer Physiotherapeutin dafür, dass ich vom Nordic Walking ins "Therapeutische Gehen" kam. Ich selbst war zu so viel Selbstfürsorge nicht mehr in der Lage. Eine andere "Strickliesel", die Plantarfasziitis kannte, zeigte mir Dehnübungen, nach denen ich vorher vergeblich bei den Physiotherapeuten gefragt hatte, und ich hatte dank vieler Therapie-Ausfälle ausreichend Zeit, drei, vier Mal am Tag jeweils eine halbe Stunde lang mein TENS-Gerät anzusetzen (seitens der Klinik gab es keine Verordnung für Reizstrom, denn ich war ja nicht in orthopädischer Behandlung). Am Ende der sechsten Woche konnte ich einigermaßen scherzfrei einen kleinen Spaziergang machen, und inzwischen kann ich einigermaßen schmerzfrei wieder bis zu zwei Kilometer laufen, brauche danach aber eine längere Pause. TENS, Dehnübungen und Schmerzmittel müssen weiterhin sein - und Geduld. 

Die Klinik ist seit einigen Jahren bei vollem Betrieb im Umbau. Das wusste ich, und das erfährt jeder Rehabilitand mit der Einladung. Ende August aber nahmen die Bauarbeiten Ausmaße an, dass sie weder den Rehabilitanden noch den Handwerkern zumutbar waren. Am Tag vor meiner Abfahrt erreichten die Bauarbeiten denn ein neues Niveau: Nachtschicht. Um 22:40 Uhr begannen Bohr- und Hammerarbeiten. Okay, Schlaf wird ja ohnehin überbewertet (dritter Schwerpunkt der Klinik ist übrigens die Behandlung von Schlafstörungen).

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 339. Die Trauer bleibt meine Weggefährtin. Sie ist nur erträglich, wenn ich konsequent verdränge, dass der Gatte niemals wiederkommt. Das Leben ohne den Gatten ist unendlich schwer. Er fehlt in jeder Sekunde, bei jedem Atemzug.

Heute ist Rosh haShana. Wenn ich einen Apfel vom kleinen Apfelbaum des Gatten pflücke, aufschneide, in Honig tunke und den Segen spreche, denke ich daran, wie ich im letzten Jahr einen Apfel von seinem Baum für ihn rieb und mit Honig mischte, damit er zum letzten Mal diesen Wohlgeschmack zu Beginn eines neuen Jahren auf der Zunge spürt. Er hätte sich so über die vielen Äpfel gefreut, die sein kleiner und unser großer, alter Apfelbaum uns dieses Jahr schenken!

Schwiegermutter und Tante geht's gut. Schwiegermutter überstand auch den 65. Geburtstag des Gatten gut, zu meiner großen Erleichterung. Tante kommt über Weihnachten und Silvester nach Hamburg. Ich bin dann ja in Weißenhäuser Strand bzw. in Schleswig, werde es aber so einrichten, dass ich auf Hin- und Rückfahrten jeweils ein paar Stunden bei ihnen bin. Außerdem ist geplant, dass ich Tante über den ersten Advent besuche. Da bin ich beruflich in Augsburg, was sich mit einem Abstecher nach Dachau verbinden lässt.

Der beginnende Herbst mit den dunkler werdenden Tagen macht mir ebenso zu schaffen wie die politische Lage. Dass Sachsen-Anhalt an die AfD fällt, war zu erwarten. Die blau-schwarze Koalition ist nur noch eine Frage der Zeit, und falls die Schwarzen wider Erwarten Anstand haben, steht Lila bereit. Dass die Partei sich jetzt aber im Handumdrehen u.a. ungebremst daran macht, ihre Pläne für ethnische Säuberungen und Deportationen umzusetzen, war in der Schnelligkeit nicht zu erwarten. Es gibt für Menschen wie mich keine Zukunft mehr in Deutschland, aber ich habe mir vorgenommen, so lange wie möglich so gut wie möglich zu leben (und zu kämpfen, sofern die Kraft reicht).

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! In der Kombüse geht's demnächst wieder los. 

Sonntag, 6. September 2026

#WMDEDGT 09/26: Aukruger Hafentage

Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln!

Ich bin in meiner letzten Reha-Woche. Heute ist Sonnabend. Die dusselige Plantarsehnen-Entzündung, die sich durch drei Wochen Nordic Walking ordentlich verschlimmerte, kostet mich so viel Kraft, dass ich schon länger keine Kraft mehr für Freizeitgestaltung habe, obwohl ich mir einiges für die Reha-Wochenenden vornahm. Aber heute mobilisiere ich meine Kräfte, denn ich möchte zu den Aukruger Hafentagen von den Störpiraten. Die finden seit 2012 zum Saisonende im Freibad Aukrug statt. 

Der Himmel kann Drama: Blick auf die große Hafenanlage der Aukruger Hafentage.

Normalerweise verschlafe ich sonnabends das Frühstück und frühstücke unterwegs bei einem Bäcker oder in einem Café, aber heute treffe ich mich mit den "Strickliesels". Es regnet in Strömen und sieht so aus, als fielen die Hafentage buchstäblich ins Wasser. Ich will also meinen Tagesplan überdenken, und das geht am Besten in der Gruppe (wobei ich problemlos allein sein kann, aber ich übe weiter tapfer, meine Soziophobie abzulegen).

Hier wird Schüttgut verladen.

Ein Teil schlägt vor, nach Friedrichsstadt zu fahren. Verlockend, aber ich weiß, ich kann nicht mithalten, denn sie werden länger unterwegs sein als ich Kraft habe. M. und ich entscheiden uns für das Designer-Outlet in Neumünster. Dahin wollte ich eigentlich ohnehin, um Chucks zu kaufen, aber da meine entzündete Plantarsehne immer schlimmer wurde, kann ich bis auf Weiteres keine Chucks tragen. Alleine wäre ich also nicht gefahren, aber ich habe nichts dagegen, in Gesellschaft durch die Geschäfte zu bummeln. Außerdem könnte ich eine neue, hochseetaugliche Winterjacke gebrauchen.

Ein Teil der Hafenanlage im Detail.

Wir starten am späten Vormittag. Durch die Sperrung der Bundesstraße ist der Weg ein wenig abenteuerlich, aber wir kommen an. Ich muss daran denken, wie ich mit dem Gatten hier war. Er liebte es ja, durch Geschäfte zu bummeln und einzukaufen, anders als ich. 

Containerbrücken mit Lkw-Zubringern.

Ich finde tatsächlich eine neue Winterjacke.

Ein Containerschiff hat angelegt.

Am frühen Nachmittag ist das Wetter einigermaßen stabil, so dass wir uns überlegen, zu den Hafentagen zu fahren und zu gucken, wie es dort aussieht. Wir bummeln über das Gelände. Ich bin beeindruckt von der Anlage, die im Wasser geschaffen wurde. Und natürlich fließt beim Gedanken an der Gatten auch die eine oder andere Träne. Er hatte darauf gehofft, seine Schiffe in der lindgrünen Hölle fahren zu können, befand den Rathausteich ideal dafür. Leider sollte es anders kommen.

Noch ein Blick auf die umfangreiche Hafenanlage.

Nach dem Besuch der Hafentage fahren wir noch in die Alte Kaffeewirtschaft, einem entzückenden Café mit riesigen Kuchenstücke. Zum Glück hatte ich nur ein Softeis als Mittagessen, und das ist auch schon länger her.

Eine der kleinen Stuben der "alten Kaffeewirtschaft". Die Tische bleiben nicht lange leer.

Zurück in der Klinik verabreden wir uns zum Abendessen, wobei ich nur meiner Begleitung Gesellschaft leiste, denn mein Abendessen wird ein mitgebrachtes Fischbrötchen sein. 

Waldi der Erste ist fertig. Fehlen noch zwei, denn ich brauche insgesamt drei Türstopper.

Ich stelle den ersten Türstopper-Dackel fertig - ironischerweise passend zum 50. Jahrestag des Münchner Olympia-Attentats. Der Türstopper-Dackel ist nämlich in den Farben des Olympia-Maskottchens Waldi, entworfen von Otl Aicher, gehalten. Der Gatte hatte das Maskottchen als Kuscheltier und sprach noch als Erwachsener davon. Als der Schornsteinfeger bei Abnahme des Kamins befand, wir müssten dafür sorgen, dass die Stubentür immer offen bleibt, meinte der Gatte, wir bräuchten einen Zugluft-Dackel für den Türgriff. So kam die Idee für den Türstopper-Dackel. Schnell war klar, dass die Farbgebung dem legendären Waldi nachempfunden wird.

Der Abend wird ruhig. Nach einem Tag in Gesellschaft brauche ich abends social detox.

Der Blick zurück in die ersten sechs Corona-Jahre: Am 5. September 2020 urlaubten wir in Dänemark, waren auf der Suche nach Kreuzkümmel, war der Gatte noch gesund. Am 5. September 2021 waren der inzwischen kranke Gatte und ich zum ersten Mal seit seiner Erkrankung im Urlaub und ruhten uns am ersten Urlaubstag nach einer anstrengenden Anreise aus. Am 5. September 2022 bereiteten wir uns auf die juristische Übernahme des alt-neuen Hauses vor. Am 5. September 2023 waren wir noch immer nicht umgezogen, hatten mal wieder Probleme mit einem betrügerischen Handwerker und suchten vergeblich einen Dachdecker. Am 5. September 2024 war der Gatte noch fit genug, um selbst zu Fuß zum Arzt zu gehen. Am 5. September 2025 wusste der Gatte, dass er bald sterben würde. 

Montag, 31. August 2026

#pmdd2026: Der 28. August 2026

An jedem 28. eines Monats ist Picture my Day-Day, kurz pmdd. Ich finde, das ist ein schönes Tagebilderbuch. Mitmachen ist einfach: Fotos vom Tag machen, bloggen oder mit #pmdd2026 auf Bluesky oder Instagram einstellen. Gesammelt wird alles auf dieser Seite.

Schnuffi ließ mich etwas länger schlafen, weil ich auf's Frühstück verzichte. Jetzt ist es aber Zeit, aufzustehen.

Dem Gatten guten Morgen sagen.

Das Reise-Rudel ist bereit für den Tag. Die Maus guckt aus unerfindlichem Grunde sehr panisch.

Frisch geduscht für ein Fahrstuhl-Selfie.

Jetzt wird entspannt!

Entspannt wird übrigens im Rudel.

Auf dem Rückweg von der Entspannung hole ich mir kaltes und heißes Wasser - letzteres, weil ich gleich frühstücken möchte.

Da ist Strand in meinem Zimmer. Gestern war der letzte schöne Sommerabend, saßen wir lange draußen im Strandkorb, redeten, lachten und strickten. Ein bisschen Sand verfing sich in meiner Häkeltasche.

Karges Frühstück, aber es gibt gleich wieder Mittagessen.

Nach drei Wochen gelang es mir mit Hilfe einer Mit-Insassin endlich, aus dem Nordic Walking zu kommen. Stattdessen habe ich heute zum ersten Mal "Therapeutisches Gehen" und Zeit, in den Wald zu gucken - oder in das, was davon übrig bliebt.

Auch wenn der Spaziergang nur kurz war, meldet sich meine entzündete Plantarsehne und verlangt nach TENS. Dreißig Minuten Zeit zum Streamen und Stricken.

Vor einem Jahr bekam der Gatte sein Todesurteil. Das Krankenhaus teilte ihm mit, er habe eine Candida-Infektion mit tödlichem Verlauf und noch eine Lebenserwartung von etwa acht Wochen. Der Gatte bat darum, zum Sterben nach Hause entlassen zu werden. Wir durften noch sieben gemeinsame Wochen erleben. Heute bin ich in einer Reha zwecks Trauerbewältigung, um zu lernen, mit dem Tode des Gatten zu leben.

Heute gibt es wieder ein Mittagessen, bei dem klar ist, dass sich Ernährungsberatung und Küche nicht mögen: Burger und Fritten.

Es gibt Tutti-Frutti-Eis als Dessert.

Nachmittägliches Stricktreffen, diesmal nicht im Café, weil es dort zu laut ist.

Es regnet, also geht es unterirdisch zum Abendessen.

Überraschungen zum Abendessen. Der Restezauber ist in der Regel sehr kreativer Salat. Manchmal gibt es auch Reste vom Mittagessen. Außerdem gibt es mittags und abends ein Salatbüfett.

Übersichtliches Abendessen, weil ich keinen richtigen Appetit habe: Brötchen vom Frühstück mit Schinken und Käse sowie ein Restezauber-Salat. 

Mit der Schwiegermutter telefonieren.

Das aktuelle Strickstück ist ein Sophie Shawl.

Das Reise-Rudel möchte vor dem Einschlafen noch etwas lesen*.

Der Blick zurück in die ersten sechs Corona-Jahre: Am 28. August 2020 lebte sich Schwiegermutter gerade in der Seniorenwohnanlage ein, war der Gatte noch gesund, fuhren wir am kommenden Tag nach Dänemark. Am 28. August 2021 war der Gatte schon krank, wartete auf die Entscheidung über seine Verrentung, musste ich arbeiten, holten wir abends Tante ab, um in der kommenden Woche einen runden Gatten-Geburtstag zu feiern. Am 28. August 2022 waren wir noch so optimistisch, spätestens im kommenden Frühjahr ins alt-neue Haus zu ziehen. Am 28. August 2023 bezweifelten wir, dass wir überhaupt noch dort einziehen werden. Am 28. August 2024 waren wir umgezogen und erlebten einen kurzen Moment der Normalität. Am 28. August 2025 erfuhren wir, dass unsere gemeinsame Zeit in Kürze enden würde, hofften aber bis zuletzt auf ein Wunder. / *Affiliate link

Sonntag, 16. August 2026

Samstagsplausch KW 33/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXXXV

Ich bin in der dritten Reha-Woche. Der Therapieplan ist meistens gut gefüllt, was den Tag strukturiert - nicht, dass ich Probleme damit hätte, meinem Tag Struktur zu geben. Ich habe eher das Problem, Ruhezeiten zu finden, und bin immer öfter auf Social Detox. So nett es ist, fester Bestandteil einer Gruppe zu sein, so anstrengend ist es, wenn die Gruppe darauf besteht, dass man alle Mahlzeiten zusammen einnimmt und immer zusammen sitzt. 

So ziehe ich mich denn immer öfter aus der Gruppe heraus. Grenzen zu setzen und zu akzeptieren, ist schließlich auch ein Reha-Ziel. Es ist aber auch schön, dass da Menschen sind, die sich darauf freuen, dass ich zusammen mit ihnen esse, die mir einen Platz freihalten oder warten, bis auch ich aufaß.

Die Eisenbahnfahrt war schön, aber auch unwahrscheinlich anstrengend. Statt der geplanten fünf Stunden waren wir neun Stunden unterwegs. Ich war froh, dass ich nicht auch noch die Überführungsfahrt gebucht hatte, denn dann hätte ich es nicht bis zum Zapfenstreich in die Klinik geschafft. Ich teilte mir eine Viergruppe mit einem Vater und seiner Eisenbahnverrückten Tochter sowie einer alleinstehenden Frau in meinem Alter, deren Sohn zum Eisenbahnverein gehörte. Vor allem das Mädchen lenkte mich von der Trauer ab. Ich lerne alle Loks von "Thomas, die kleine Lokomotive" kennen sowie alle Staffeln der Zeichentrickserie - auf Englisch. Natürlich meldete sich die Trauer immer wieder, aber es war nicht so schlimm, wie befürchtet.

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 335. Die Trauer bleibt meine Weggefährtin. Sie ist nur erträglich, wenn ich konsequent verdränge, dass der Gatte niemals wiederkommt. Das Leben ohne den Gatten ist unendlich schwer. Er fehlt in jeder Sekunde, bei jedem Atemzug.

Natürlich habe ich mir auch die Sonnenfinsternis angeschaut - im Livestream aus Mallorca mit Harald Lesch. Zum ersten Mal seit dem Tode des Gatten sah bzw. hörte ich den Astrophysiker wieder. Der Gatte verschlang alle Beiträge, Sendungen, Bücher und Artikel von ihm, bis er mit dem Treppenlift auf sein Sterbebett fuhr. Fernsehsendungen sahen wir oft gemeinsam, meistens aber bekam ich die besonders interessanten Stellen vom Gatten zusammengefasst. Er kam dann rüber in mein Arbeitszimmer und guckte, ob er mich bei der Heimarbeit unterbrechen könne, was er in aller Regel machen konnte. 

An der Gruppen-Radtour nahm ich nicht teil. Das war mir zu gehetzt, da direkt nach dem Abendessen, und überhaupt war ich zu erschöpft. Ich halte es aktuell kaum bis zur Tagesschau aus, schlafe bis zu zwölf Stunden. Ich muss dringend ins Radfahren kommen, aber das fällt mir schwer.

Ich habe es endlich geschafft, Freunde in Schleswig zu besuchen. Das war schon lange geplant. Es war ein schöner Tag mit Gesprächen, gutem Essen, Spaziergang und Wolle kaufen. Silvester werden ich wieder dort sein. So muss ich Silvester nicht alleine überstehen. Letztes Jahr fühlte sich das noch gut an, dieses Jahr gerade nicht. Wir werden sehen.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! In der Kombüse ist gerade Pause.

Donnerstag, 13. August 2026

#12von12 im August 2026

Caro von "Draußen nur Kännchen" sammelt wie jeden Monat am 12. des Monats 12 Impressionen des Tages - vielen Dank dafür! Hier kommen meine August-Bilder.

#1: Schnuffi beharrt darauf, dass ich aufstehe. Schließlich muss ich um acht Uhr zum Entspannungstraining und vorher noch frühstücken.

#2: Dem Gatten guten Morgen sagen.

#3: Das Reise-Rudel verbringt den Tag im Bett.

#4: Zwischen mir und dem Tag steht ein Wäscheständer.

Ich bin aktuell in einer Reha-Klinik. Mein Tagesablauf ist durchstrukturiert.

#5: Es gibt lange Wege in der Klinik.

#6: Jetzt wird entspannt!

#7: Hasi muss gleich Hanteln werfen.

#8: Kurz verschnaufen im Café mit dem Versuch, etwas zu lesen*. Lange werde ich hier nicht alleine sitzen.

#9: Ich habe eine Sonnenblume gehäkelt. 

#10: Der Schlüssel-Hase liegt für den kommenden Tag bereit.

#11: Schnuffi meint, ich könne mal wieder Tagebuch schreiben.

#12: Vor dem Einschlafen wird noch etwas gelesen*.

Der Blick zurück in die ersten fünf Corona-Jahre: Am 12. August 2020 war der Gatte noch gesund, arbeitete in Kurzarbeit, und es war sehr heiß. Am 12. August 2021 war der Gatte schon krank, musste in einer Klinik durchgecheckt werden - und es war sehr heiß. Am 12. August 2022 war es - oh, wunder - sehr heiß, waren wir plötzlich Hausbesitzer. Am 12. August 2023 wollten wir eigentlich schon seit vier Monaten ins Haus umgezogen sein. Am 12. August 2024 waren wir umgezogen und genossen einen kurzen Moment der Normalität. Am 12. August 2025 gelang es dem Gatten zu letzten Mal, dem Tod von der Schippe zu springen. Uns sollten noch neun gemeinsame Wochen vergönnt sein. / *Affiliate links

Samstag, 8. August 2026

Samstagsplausch KW 32/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXXXIV

Ich bin in der zweiten Reha-Woche. Ich habe nette Frauen für Essens- und Freizeitgestaltung gefunden und irgendwie mehr soziale Kontakte, als meine Soziophobie zulässt, so dass ich kaum zum Lesen oder Stricken komme. Ich mag ja diese Reha-Klinik ja auch deswegen, weil es so ruhig ist, und vor zwei Jahren verbrachte ich viel Zeit alleine auf meinem Zimmer, saß beim Essen normalerweise alleine, fand das sehr gut.

Jetzt bin ich plötzlich das vierte Rad einer Dreiergruppe, für das bei den Essenszeiten ein Platz am Tisch freigehalten wird, bin nachmittags oder abends zum Strandkorbsitzen hinter dem Café verabredet, werde zu Fahrradtouren und Wanderungen mitgeschnackt ... Natürlich kann ich auch Nein sagen, aber bevor ich das mache, rufe ich mir in Erinnerung, dass ich den letzten Sommer im Krankenhaus verbrachte und deswegen diesen Sommer nicht in der Klinik verbringen sollte, denn wer weiß, wie viele Sommer es noch für mich geben wird. 

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 334. Die Trauer bleibt meine Weggefährtin. Sie ist nur erträglich, wenn ich konsequent verdränge, dass der Gatte niemals wiederkommt. Das Leben ohne den Gatten ist unendlich schwer. Er fehlt in jeder Sekunde, bei jedem Atemzug.

Ich war im Kino, habe endlich "Minions and Monsters" gesehen (und das heimische Kino vermisst, das so viel gemütlicher (und preiswerter) ist). Ich war im Freibad. Ich habe Jimmy gekauft. Jimmy, benannt nach Jimmy, dem Gummipferd, das der Gatte liebte, heißt mein imola-rotes Kompakt-eBike mit Platz für einen kleinen Hund und einen Wasserkasten. Ich bin heute mit Jimmy vom Laden zurück in die Klinik gefahren. Für 13 Kilometer brauchte ich eine Stunde und zwei Nervenzusammenbrüche. Zwei Tage vor der Abholung machten mich Freundinnen noch kirre, dass ich ohne eBike-Fahrkurs kein eBike fahren könne. Andere wiederum machten mir Mut. 

Das Fahren ist auch kein Problem. Probleme ich ich beim Auf- und Absteigen und beim Bremsen. Bei allem, was einen höheren Einstieg hat als ein Tretroller, bleibe ich beim Auf- und Absteigen nämlich hängen (und selbst beim Tretroller bin ich nicht sicher, da ewig nicht mehr damit gefahren). Ich schaffe es sogar spielend, beim Auf- und Absteigen auf's Ergometer hinzufallen und dadurch eine ganze Reihe Ergometer dominomäßig zum Umsturz zu bringen. 

Damit ich nach erfolgreich absolvierter Überführungsfahrt das eBike nicht für den Rest der Reha im Fahrradstand lasse, habe ich mich für eine geführte Fahrradtour angemeldet - vorausgesetzt, ich bekomme das Fahrradschloss geöffnet. Was im Laden so einfach ging, klappte in der Klinik erstmal gar nicht, so dass ich mich schon 13 Kilometer zurückradeln sah (und weil ich weitere 13 km zurück in die Klinik nicht geschafft hätte, mit dem Großraumtaxi zurückfahren ...). Dann muss ich noch den Treffpunkt der Tour finden und 16 bis 25 km durchhalten. Frau wächst mit ihren Aufgaben ... Die Dreiergruppe vom Essen ist aber auch auf der Tour, kennt den Treffpunkt, und eine hat so ein Schloss wie ich. Es besteht also die Chance, dass ich zwei von drei Hürden meistere.

Morgen mache ich eine Fahrt mit einer historischen Eisenbahn - zum ersten Mal ohne den Gatten. Ich habe gehadert, ob ich das wirklich machen möchte, als ich tatsächlich noch einen Platz über die Warteliste ergatterte, und bin jetzt gespannt. wie es wird. Putzigerweise führt die Strecke fast bis nach Hause (und wieder zurück). Danach will ich wieder ins Freibad, falls mir das nicht zu viel wird. Aber ich möchte diesen Sommer möglichst auskosten.

Bei der Ergotherapie hatte ich Glück, dass die erste Einheit ausfiel. Ich saß dann mit Eis und Buch im Strandkorb. Bei der Gruppentherapie wird es kommende Woche spannend, denn der eigentliche Therapeut fällt aus. Stattdessen übernimmt meine Einzeltherapeutin, die sehr, sehr jung ist, also wirklich sehr jung. Spannend wird es, weil eine Frau die Sitzung dominiert und bislang nicht darauf eingegangen wurde, obwohl andere thematisierten, wie schlecht es ihnen damit geht. Mal schauen, wie meine Einzeltherapeutin damit umgeht. Ansonsten werden zehn Leute fünf Wochen lang eine Frau therapieren anstatt sich selbst, und die elfte guckt sich das innerlich kopfschüttelnd an und denkt sich, was sie in der Zeit Sinnhafteres hätte machen können. Stricken zum Beispiel. Oder Lesen.

Ich lese gerade "Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne*" von Saša Stanišić*, und die titelgebende Geschichte hat mich sehr gerührt. Diese Witwe möchte übrigens nicht angesprochen werden, sondern versucht gerade, einen Verehrer auf Abstand zu halten. Der Mann im Zimmer gegenüber wird mir ein wenig zu anhänglich, freut sich ein wenig zu sehr, mich zu sehen. Ich habe keine Kapazität für einen Kurschatten.

Schwiegermutter und Tante geht es gut, von der Hitze abgesehen. Unter der leiden beide sehr.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! In der Kombüse ist gerade Pause. / *Affiliate links

Donnerstag, 6. August 2026

#WMDEDGT 08/26: Schwimmflügelpflicht und Freibad-Pommes

Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln!

Heute ist Mittwoch. Die erste Reha-Woche ist vorbei. Ich bin gut angekommen, von ein paar Nickeligkeiten abgesehen. Der Tag beginnt um 6:30 Uhr. Ich bin schließlich auf Reha, nicht im Urlaub. Der heutige Tag hat's in sich, ich muss mich sputen.

Aufstehen, schnell anziehen und im Laufschritt zum Frühstück, wo es nur Obstsalat mit Quark gibt. Für Plaudern mit zwei Mit-Insassinnen, mit denen ich abends schon öfter zusammensaß, bleibt keine Zeit. Ich schaffe es gerade noch, einen Kaffee zu kippen. Im Laufschritt ins Zimmer, Jogging-Kladage gegen Bademantel tauschen und vorher duschen. Die Klinik wird im vollen Betrieb umgebaut, und beim Schwimmbad sind gerade die Duschen gesperrt. Im Laufschritt zum Programmpunkt "Bewegungsbad", heißt: Wassergymnastik. Die Reha-Ärztin kam beim Aufnahmegespräch zu dem Ergebnis, dass ich körperlich nicht belastbar bin, so dass ich in der 25 Watt-Gruppe bin, sprich: Belastungsstufe Hockergymnastik. Normalerweise bin ich in der 50 Watt-Gruppe, zumal ich auch abnehmen soll. Ich weiß noch nicht, ob ich darum bitte, in die andere Gruppe zu kommen oder ob ich das für mich zu leichte Sportprogramm als Entschleunigungsübung nehme. 

Im Laufschritt zurück ins Zimmer, schnell duschen und in die Klamotte werfen, dann im Laufschritt zur Gruppentherapie. Die wird wieder 90 Minuten lang von einer Frau alleine dominiert, und der Therapeut lässt es so laufen, obwohl drei Leute sagen, wie sehr sie die Situation belastet. Ich bin gespannt, wann es eskaliert. Noch bin ich in der Stimmung, mir das alles amüsiert anzusehen, wenngleich mich die dauern, die unter der Situation leiden.

Im Laufschritt zum Nordic Walking, dabei an den Briefkästen vorbei. In meinem ist der sehr gute Bericht aus dem Schlaflabor Als die Sport-Therapeutin zu Beginn sagt, sie hoffe, wir hätten angesichts der Hitze alle genug getrunken, fällt mir ein: Stimmt, da war was! Bis auf den heruntergestürzten Becher Kaffee zum Frühstück habe ich nichts getrunken. Dementsprechend merke ich prompt während der ersten Runde, dass mir blümerant wird, beschließe, dass ich niemandem etwas beweisen muss, melde mich ab und darf den Rest der Sportstunde auf einem Liegestuhl im Schatten verbringen. 

Nicht mehr im Laufschritt geht's in mein Zimmer, leere Wasserflaschen holen, dann zum Mittagessen. Danach ist mir noch immer blümerant. Auf dem Rückweg ins Zimmer gucke ich bei den Waschmaschinen vorbei, hole dann die Wäsche aus dem Zimmer, werfe eine Maschine an und beschließe, ein Schläfchen zu machen, bis die Wäsche fertig ist. Der Wäscheständer ist zwar noch im Auto, aber irgendwas ist ja immer.

Nachdem die Wäsche fertig ist, mache ich mich bereit für's Freibad - jedenfalls denke ich das. Tatsächlich vergesse ich Badeschlappen, Sonnenschutz und Handtuch, nehme quasi zwei leere Taschen mit. Wenigstens habe ich einen Badeanzug an.  

Freibad-Kunst.

Das Freibad ist wie eine Reise in die Kindheit. Es ist brechend voll, kein Wunder, denn es sind Ferien, aber ich finde einen Platz für das Karlchen, und die Menschenmenge verläuft sich auf dem Riesengelände. Ich finde sogar einen freien Strandkorb! Ich schwimme eine Stunde und freue mich, wie sehr alle aufeinander Rücksicht nehmen. Auch dadurch ist der Aufenthalt trotz der Menschenmassen erträglich. Außerdem haben Eltern ihre Brut im Blick, nicht ihre Taschentelefone - auch das kenne ich anders. Irritierend sind die vielen Schilder, die auf eine Schwimmflügelpflicht hinweisen, denn es trägt kaum jemand welche. 

Freibad-Pommes mit Currywurst.

Meine Kalorien-App sagt mir, dass ich Freibad-Pommes darf. Die Pommes sind die besten, die ich seit langem aß! Außen knusprig, innen saftig - da versteht jemand sein Handwerk! 

Ich verzichte auf eine zweite Schwimm-Runde, denn ich bin total platt, wovon auch immer, und fahre in die Klinik zurück. Dusseligerweise habe ich mir beim Ausstieg aus dem Schwimmbad den entzündeten Fuß verdreht, was der gar nicht mag. 

Auf dem Rückweg vom Parkplatz ins Zimmer treffen mein Wäscheständer und ich eine Mit-Insassin, die eigentlich mit ins Freibad wollte, der dann aber kurzfristig der Therapieplan vollgepfropft wurde. Sie habe sich abends mit zwei anderen zu einem Spaziergang verabredet, ich könne gerne dazu kommen. Ich weiß noch nicht, bin wirklich platt. Wir treffen uns beim Abendessen wieder, wo ich dann für den Abend absage, weil ich einfach wahnsinnig müde bin. Aber vorher hänge ich noch die Wäsche auf. Ich bin gespannt, wie lange die Wäsche trocknet, und widerstehe der Versuchung, den Wäscheständer auf das Vordach vor meinem Fenster zu hieven, damit die Wäsche draußen trocknen kann. Zwei Mit-Insassinnen hatten schon überlegt, einen Wäscheständer auf der Liegewiese aufzustellen. Ich mag die Idee, bin aber zu platt, um sie umzusetzen. Nächste Woche.

Ich halte mit Mühe bis nach der Tagesschau aus, bin sogar zum Stricken zu schlapp. Es hilft alles nichts. Ich mache mich bettfein, lasse aber den Fernseher an, denn eigentlich will ich ja einen Film sehen. Daraus wird nichts. Ich werde erst zehn Stunden später aufwachen.   

Der Blick zurück in die ersten sechs Corona-Jahre: Am 5. August 2020 lebte Mudderns noch in ihrem Haus und ärgerte sich über die linken Nachbarn. Der Gatte war noch gesund und hatte einen Bürotag in Kurzarbeit. Das Verhältnis zu den linken Nachbarn hat sich übrigens sehr gebessert. Ich vermute, die Nachbarin hat ihren Lebensgefährten vor der Tür gesetzt. Jedenfalls gibt es kein betrunkenes Gegröle mehr. Am 5. August 2021 war der Gatte schon krank, hatte ich noch Kraft, vor der Arbeit schwimmen zu gehen. Am 5. August 2022 zeigten sich schon heftige Erschöpfungsmerkmale bei mir, begannen wir mit den Verhandlungen um einen Baukredit, den wir erst mehr als vier Monate später bekommen sollten. Am 5. August 2023 leben wir auf einer Baustelle - und ein Jahr später immer noch. Am 5. August 2025 lag der Gatte seit vier Wochen im Krankenhaus, hatten wir lieben Besuch, konnte ich ihn endlich mal wieder herzhaft lachen sehen. Wir wussten noch nicht, dass uns keine zwölf Wochen gemeinsames Leben mehr beschieden sein sollten.

Sonntag, 2. August 2026

Samstagsplausch KW 31/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXXXIII

Die Woche war, gelinde gesagt, abwechslungsreich. 

Der Termin in der neuen Frauenarztpraxis war so erfolgreich, dass sich spontan drei weitere Frauen aus meinem Umfeld dort Termine holten. Die Ärztin war sehr wertschätzend, fand es klug, dass ich wieder Hormone nahm, als ich vor Schmerzen nicht mehr weiter wusste, und verordnete mir weiterhin Hormone, wenn auch andere Präparate, als ich bisher bekam. Bislang scheinen sie gut wirken. Zusammen mit den Therapien in der Reha bin ich hoffnungsvoll, bald wieder richtig gehen zu können, die Entzündung im rechten Fuß ein wenig ausheilen zu können.

Ich meldete mich von der über 90jährigen Strick-Nachbarin ab, brachte ihr einen Sonnenblumenstrauß mit, über den sie sich sehr freute. Ihr setzten die Hitzewellen sehr zu - unsere gemeinsame Putzfrau warnte mich schon vor, dass sie sehr schwach ist. Die kommende Hitzewelle machte ihr dann auch Angst, setzt ihr nicht nur körperlich zu. Es war schwer, diese lebenslustige, agile Frau, die kaum zu bremsen war, so schwach zu sehen. Ich hoffe, es geht ihr bald wieder besser. Eigentlich wollte sie ins Betreute Wohnen ziehen, wenn sie nicht mehr alleine leben kann, aber selbst davon ist aktuell keine Rede mehr. 

Die Reha lässt sich gut an, wenngleich ich ein wenig mit den äußeren Umständen hadere. Prompt gewann ich als neue Diagnose eine Anpassungsstörung. Dass ich das als Kompliment auffasste, war anscheinend irgendwie falsch,

Ich hätte Werkzeugkasten und Elektriker mitbringen sollen, um mein (renoviertes) Zimmer nutzbar zu machen. Die Haustechnik liebt mich bereits ... Ich wischte auch erstmal Staub. Wer mich irl kennt, weiß: Dann ist es wirklich dreckig. Im Zimmer fehlte auch ein Sitzmöbel. Das soll angeblich so, denn meine Depression heile anscheinend sofort, wenn ich mich außerhalb meines Zimmers unter Menschen aufhalte (normalerweise steht in jedem Zimmer ein Sessel). Ich bin anderer Meinung und organisierte mir ein Sitzmöbel. Ich bin gespannt, wann das auffällt. Sobald ich den nächsten Baumarkt fand, kaufe ich einen Inbus, um eine Stehlampe zu reparieren, und einen Elektromarkt für einen Fön finde ich sicher auch noch. Ich brachte keinen mit, weil die Zimmer mit einem Fön ausgestattet sind - nur der ist halt defekt, und die Haustechnik hat anderes zu tun. Bei der Nachttischlampe half mir mein Zimmernachbar, denn der Info, dass die Lampe über den Notrufknopf zu bedienen ist, wollte ich nicht trauen. Das ist aber tatsächlich so. Dafür lässt sie im Gegensatz zu allen anderen Lampen nicht mit dem Zimmer-Hauptschalter ausschalten.

Ich hadere auch mit der Aussicht. Beim letzten Mal war ich im Altbau untergebracht, genoss freie Sicht auf Wolken und Wald. Den Altbau gibt es nicht mehr. Aus allen Zimmern genießt man jetzt nur noch freie Sicht auf Klinker- und Fensterfronten. Wenn ich mich aus dem Fenster lehne, kann ich zumindest ein Stückchen Wald sehen. Ansonsten sieht das Therapiekonzept halt vor, so wenig Zeit wie möglich im Zimmer zu verbringen. 

An Bewegungsmangel jenseits der Sporttherapie leide ich nicht. War früher der Wasserspender in einem der Hauptflure im Erdgeschoss untergebracht an einer Stelle, an der jeder vorbei musste, befindet er sich nun auf jeder Etage im "neuen" Neubau. Wenn man wie ich aber im "alten" Neubau untergebracht ist, muss man erst ins Erdgeschoss, dann durch einen Verbindungsbau und einen provisorischen Verbindungsgang in mindestens die erste Etage des "neuen" Neubaus, wenn man vergessen hat, sich zu den Essenszeiten mit Wasser zu versorgen, heißes Wasser braucht oder außerhalb der Öffnungszeiten des Cafés einen Kaffee möchte. 

Bei der Ergotherapie muss ich wieder ausdruckszentriert arbeiten, denn produktive Ergotherapie gibt es nur für Rehabilitanden aus medizinischen Berufen. Also knete ich brav Monster und tanze meinen Namen. Meine Einzeltherapeutin ist sehr, also wirklich sehr jung - ich war versucht, mir ihr Diplom zeigen zu lassen ... Mal schauen, wie sich das anlässt. Die Reha-Ärztin ist sehr esoterisch, hört aber zu, wie ich am Therapieplan merkte.

Trotz kleiner Nickeligkeiten bin ich wild entschlossen, die Zeit hier zu genießen und das Beste daraus zu machen.  

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 333. Die Trauer bleibt meine Weggefährtin. Sie ist nur erträglich, wenn ich konsequent verdränge, dass der Gatte niemals wiederkommt. Das Leben ohne den Gatten ist unendlich schwer. Er fehlt in jeder Sekunde, bei jedem Atemzug.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! In der Kombüse ist gerade Pause.

Samstag, 7. März 2026

Samstagsplausch KW 10/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXII

Diese Woche brachte einen anstrengenden Besuch beim Gynäkologen. Er verweigerte die Überweisung zur gynäkologischen Endokrinologin mit der zauberhaften Begründung, ich wäre doch gerade beim Gynäkologen, und Hormone könne er auch. Ich muss mal schauen, wie ich damit umgehe, denn meine Erfahrungen sind leider andere. Bei der gynäkologischen Endokrinologin sollte überprüft werden, ob die Hormone noch notwendig sind. Das will der Gynäkologe jetzt machen. Übernächste Woche setze ich sie ab und warte gespannt, was passiert. Klar ist: Setzt die Hypermenorrhö wieder ein, hat kein Gynäkologe einen Plan außer Hysterektomie. Gegen die wehre ich mich ja schon, seitdem ich Anfang 20 bin. Und bei Wechseljahrsbeschwerden ist die Hysterektomie ja ohnehin die einzige Lösung, da lukrativ. Alles andere kostet nur und macht Arbeit. Das sind Frauen nicht wert. 

Jedenfalls hoffe ich, dass ich notfalls als Selbstzahlerin einen Termin der der gynäkologischen Endokrinologin bekomme und dass das dann ohne Überweisung funktioniert. Außerdem heißt es Warten auf das Abstrich-Ergebnis. Seit der Krebs-Diagnose im April 2021 bin ich da etwas unentspannt, denn ich weiß nicht, wo sich das Biest versteckt hält. Es füllt sich ein bisschen so an, wie unter einem Damoklesschwert zu leben. Immerhin war beim Blutspenden alles okay, zeigte mein Blut keinerlei Auffälligkeiten. 

Fly me to the moon ... Aktuell guckt der Vollmond ins Schlafzimmer, meistens bei wesentlich klarerem Himmel.

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 312, und die Trauer wird nicht weniger.  

Zwar schaffte es die DRV auch nach vier Monaten nicht, meinen Antrag auf Witwenrente zu bescheiden, aber ich erhielt in Rekordzeit die Bewilligung für fünf Wochen Reha in der Wunschklinik, in der ich vor zwei Jahren war! Darüber freue ich mich sehr! Ostsee-Tante, Ostsee-Cousin und eine Kochfreundin sind in der Nähe, eine Kollegin hat dort ihr Wochenendhaus, ist also auch immer mal da, die Klinik ist mitten in der Natur, es ist ein Gefühl wie Nachhausekommen. Ich hoffe nur, ich bekomme keines der Zimmer zu einem Innenhof! Der Blick auf Park und Wald vor zwei Jahren tat mir sehr gut. Der Blick auf eine Steinwüste, wo noch nicht mal ein Zipfelchen Himmel zu sehen ist, täte mir nicht gut. 

Bis zum Reha-Beginn wird es noch etwa 30 Wochen dauern, das heißt, ich kann den Frühling und Sommer zu Hase verbringen, muss mir keine Gedanken machen, wer Gatten und Garten gießt, kann vielleicht sogar schon etwas im Haus / auf der Baustelle weiterkommen, falls ich bis dahin einen Bescheid über die Witwenrente habe. Knapp wird's wohl mit der Ende November geplanten Dienstreise (samt anschließenden Besuch bei Tante), auf die meine Kollegin und ich uns freuten, aber das lasse ich auf mich zukommen. Die Reha ist mir wichtiger. Ich muss mir auch noch Gedanken machen, wie ich es in meiner Abwesenheit mit der Post organisiere. Ein Nachsendeauftrag scheidet aus, der gilt für sechs Monate. Vermutlich werde ich unsere Putzfrau bitten, einmal in der Woche nach dem Haus zu sehen und ihr frankierte Umschläge für die Nachsendung vorbereiten. Die hiesigen Freundinnen mag ich damit nicht behelligen, die haben so schon reichlich um die Ohren, ebenso die Nachbarn.

Heute fahre ich für eine Woche nach Kopenhagen. Ich bin gespannt, ob ich den Urlaub schaffe, bin ich doch nach wie vor am Liebsten zu Hause. Schlimmstenfalls liege ich eine Woche wimmernd im Appartement. Der Koffer ist voller als voll, Winterklamotten halt. Ich habe die Elbbrücken-Socken angenadelt und bin gespannt, ob ich die Anleitung verstehe. Eigentlich wollte ich als nächstes den Lulu-Slipover stricken, aber ein kleine Projekt wie Socken erschien mir für die Reise per Bahn praktischer. Im Auto nähme ich den halben Hausstand mit.

Schwiegermutters Demenz wird immer schlimmer, was sich gestern mal wieder zeigte, als ich mich für Kopenhagen abmelden wollte. Sie dachte, ich wäre diese Woche schon gefahren und käme jetzt Sonntag zu ihr, obwohl ich ihr die Daten klar nannte und ihr auch sagte, wann ich zu ihr zu Besuch komme, um die Vollmachten für ihre Seniorenresident zu unterzeichnen. Die Infos kamen aber einfach nicht bei ihr an. Sie beschimpfte mich und legte mitten im Gespräch auf. Schon schön. Zum Glück kann ich dank meiner Mutter damit umgehen, lasse es nicht zu sehr an mich heran. Meine Verpflichtungen gegenüber der Seniorenwohnanlage werde ich auf ein Minimum reduzieren. Ich habe keine Kraft mehr, bei Schwiegermutter die gleichen Entscheidungen zu treffen wie bei meiner Mutter oder dem Gatten. 

Durch Zufall entdeckte ich, dass in der Reihe gegenüber eine Hard-Core-Nazi-Familie wohnt. Ich dachte mir schon sowas wegen eines Nummernschildes. Es passt, denn in der Reihe wohnte jahrzehntelang der ehemalige Gau-Leiter, und die lindgrüne Hölle ist ohnehin ein tiefbraunes Nest. Diesen Nachbarn hätte es aber nicht gebraucht. Mir fehlt im Umgang mit der Familie die ruhige analytische Art des Gatten. Die ruhige analytische Art des Gatten fehlt mir auch in Bezug auf den aktuellen Nahost-Krieg, zumal er als Offizier einen anderen Blick hatte.

Gestern war ich auf dem Friedhof. Auf dem Rückweg machte ich Halt in einem Eiscafé. Der Gatte liebte es, bei diesem Wetter im Eiscafé zu sitzen. Es ist einfach unfassbar, dass wir nicht mehr zusammen sind.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.