Montag, 5. Juni 2017

Ausgelesen: Bücher im Mai 2017

Bei den Rückblicken merke ich, dass ich zurzeit einfach wenig lese. Ich stricke viel lieber. Vielleicht ändert sich das im Urlaub, wenn ich in der Sonne liege (falls das Wetter am Limfjord In-der-Sonne-liegen zulässt). Liegend strickt es sich ja schlecht.

Ich begann den Mai mit "Mord unter Brüdern*", den dreizehnten und letzten Band der Honey-Driver-Reihe von Jean G. Goodhind.

Wer die Reihe kennt, weiß: Driver ist nicht nur Hotelbesitzerin in Bath, sondern auch Verbindungsfrau des Hotelfachverbandes zur Polizei. So wird sie immer wieder zur Hobbydetektivin und ermittelt gemeinsam Detective Chiefinspector Steve Doherty, mit sie auch liiert ist.

In diesem Band erfährt Driver aus der Zeitung, dass Casper St John Gervais, Vorsitzender des Hotelfachverbands von Bath, tot aufgefunden wurde. Doch Casper lebt! Die Leiche ist sein Halbbruder. Casper bittet Honey zu ermitteln. Aber ihr Freund Doherty ist entschieden dagegen. Er hält die Sache, auf die sich Honey da einlassen will, für viel zu gefährlich. Und den blonden Schönling, der neuerdings immer mal in ihrer Nähe auftaucht, mag er gar nicht.

So richtig fesseln konnte mich das Buch nicht. Schon in den beiden vorherigen Bänden, "Mord in Weiß*" und "Mord im Anzug*" fielen mir immer mehr Ungenauigkeiten auf. Handlungsstränge wurden kurz angerissen, dann aber nicht weiterentwickelt. Viele lose Fäden wurden am Ende einfach nicht mehr miteinander verwebt.

Mit diesem Buch wollte ich Goodhind noch mal eine Chance geben, aber auch hier entwickelte sich die Handlung phasenweise einfach unlogisch, wirkt an den Haaren herbeigezogen. Die Charaktere sind müde, handeln anders als sonst, als wüsste die Autorin nicht mehr, wie sie ihre Protagonisten ursprünglich anlegte. Anders ist es kaum zu erklären, dass beispielsweise die Hintergrundstory zu Drivers Eltern dem ersten Band total widerspricht.

Selbst für eingefleischte Fans ist dieser Band eine Herausforderung. Wer mit diesem Band in die reihe einsteigen wollte (die Bände sind ja in sich abgeschlossen), wird kaum Freude daran gehabt haben oder weitere Bände lesen wollen. Wirklich schade, dass die Reihe so zu Ende geht!

Als nächsten las ich "Schrebergartenmafia*" von Ulrich Maier. Protagonisten sind die Journalisten Nils Niklas und Rita Delbosco, die im fiktiven schwäbischen Ort Schoppendorf leben und arbeiten.

Der erste Band der Rehe, "Gift im Brezelteig*" konnte mich nicht fesseln. Die Handlung plätscherte so dahin, und wie wenig ich gefesselt war, merkte ich, als die Leihfrist für das Buch abgelaufen war, es mich aber nicht drängte, es neu auszuleihen, obwohl ich es noch nicht zu Ende gelesen hatte.

Auch die Handlung von "Schrebergartenmafia" plätschert so dahin, aber anscheinend war es diesmal genau das, was ich brauchte, denn ich las das Buch gerne.

Worum geht's? Schoppendorf steht Kopf: Aus einem Fundament auf einer Großbaustelle ragen zwei nackte menschliche Beine. Ein mysteriöser Sprengstoffanschlag und die Entführung des Sprechers einer Bürgerinitiative lassen das unbeliebte Bauprojekt nicht aus den Schlagzeilen verschwinden. Und der Kampf gegen die Baulöwen für den Erhalt der Schrebergärten wird erbittert weitergeführt. Während die Kriminalpolizei noch im Dunklen tappt, macht sich das Journalisten-Duo Rita Delbosco und Nils Niklas mit ungewöhnlichen Methoden an die Ermittlung.

Die Charaktere sind, wie auch schon im ersten Band, liebevoll (und etwas überspitzt) gezeichnet. Wer ruhige Regionalkrimis mag, wird Gefallen an der "Schrebergartenmafia" finden (und ich werde "Gift im Brezelteig" dann doch noch mal zu Ende lesen).

Gewohntes Terrain betrat ich mit dem neunten und vermutlich letzten Band der Reihe um den Lübeker Kommissar und Hobbykoch Georg Angermüller, "Schockschwerenot*" von Ella Danz. Die Reihe ich, seitdem ich sie vor fünf Jahren kennenlernte.

Angermüller lebt noch immer von seiner Frau getrennt. Während ihrer Zeit in der Rehaklinik in der Nähe von Heiligenhafen fanden die beiden aber immerhin wieder eine freundschaftliche Ebene.

Nun muss Angermüller wieder in diese Klinik, dienstlich, denn Maren Seemann, unbeliebte Klinikmanagerin, hat ihr Müslifrühstück nicht überlebt. Einen Tag später liegt der Chefarzt Dr. Paulsen tot in seinem Büro. Neben seiner Leiche wird ein mysteriöser Stein mit einem Flügelsymbol gefunden. Genau so einer wie neben Maren Seemann …

"Schockschwerenot" ist solide Krimikost. Ich habe auch diesen Band mit viel Vergnügen gelesen. Schade, dass Angermüller nun eine Auszeit nimmt. Ebenso schade, dass es immer noch kein Angermüller-Kochbuch gibt, in dem alle Rezepte aus dem Anhang der Krimis gesammelt sind.

Ende des Monats fing ich an, "Alpendöner*" von Willibald Spatz zu lesen. Es ist der erste Band einer Reihe um "Birne", einem Mann Anfang 30, den es nach Problemen in der Liebe und im Job aus München ins Allgäu verschlug. In Kempten findet er einen Job als Redakteur bei einem kleinen Verlag, der Wanderführer veröffentlicht. Gerade hat sich Birne ein wenig häuslich eingerichtet, als seine Nachbarin, die alte Frau Zulauf, blutüberströmt aufgefunden wird.

Mord inmitten beschaulicher Alpenidylle - so hatte Birne sich den Start in seiner neuen Heimat nun wirklich nicht vorgestellt! Und auch von Romantik vorerst keine Spur - dafür stößt er bei den Einheimischen auf reichlich Misstrauen gegenüber Fremden. Und fremd ist einer im Allgäu schon fast, wenn er aus dem Nachbardorf stammt.

Ein türkischer Imbissbudenbesitzer, ein Motiv, ein Kebabmesser - die Polizei hat den mutmaßlichen Mörder der Nachbarin schnell dingfest gemacht. Als dessen Frau Birne bittet, Beweise für die Unschuld ihres Mannes zu finden, bezieht er prompt eine ordentliche Tracht Prügel …

Viele Rezensenten verrissen "Alpendöner". Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich mit Spatz' Stil und seinen Charakteren warm werde. Sprache und Stil sind sehr lakonisch, knapp, manchmal schroff. Dann wiederum kann sich Birne seitenweise darüber auslassen, dass ihm die Zeitung aus dem Briefkasten geklaut wird. Das nimmt mehr Raum ein als der Mord an seiner Nachbarin, zu dem ihm mit als erstes einfällt, dass sie ihm nun nicht mehr die Zeitung klaut.

Die Protagonisten unterscheiden sich von üblichen Krimi-Personal: Birne ist kein begeisterter Hobbydetektiv, will sich auch nicht in diese Rolle einfinden, sondern einfach nur seine Ruhe haben, kann aber andererseits auch schlecht nein sagen. Auch der Kommissar laviert sich so durchs Leben, ist mehr an seiner Sekretärin interessiert als am Mordfall. Alle lavieren sich irgendwie durch's Leben, und daran angepasst ist auch der Schreibstil.

So ein ruhig vor sich hin plätschernder Krimi kommt mir anscheinend gerade recht. Ich bin gespannt, wie es mit Birne weitergeht. Vom Klappentext her erwartetet ich etwas anderes, als ich bekam, und lud mir gleich drei Bände auf den eBook-Reader. Mal gucken, ob ich über den ersten Band hinaus komme.

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