Sonntag, 22. Februar 2026

Samstagsplausch KW 08/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCX

Normalerweise wären wir jetzt in Dänemark oder am Weißenhäuser Strand, um unseren 24. Hochzeitstag zu feiern, aber seit dem Tod des Gatten vor 16 Wochen ist nichts mehr normal. 

Sonnenuntergang. Diese Woche gab's gelegentlich Abwechslung von Dauer-Grau.

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 310. 

Die Woche war anstrengend, aber momentan strengt mich ja das pure Dasein an. 

Mein Antrag auf Kontenklärung bei der Rentenversicherung ist gestellt. Da fehlten bislang die Zeiten vor dem 30. Lebensjahr. Finanziell wird das nichts bringen, ich werde nicht die Grundrente erreichen, und aufgrund des Hauses bekomme ich auch keinen Grundrentenzuschlag. Trotzdem muss das alles einmal erfasst werden. Es ist für mich schwer, damit klar zu kommen. Eigentlich wollte ich nächstes Jahr in Rente gehen. Durch die Renten des Gatten wäre das vermutlich möglich gewesen. Stattdessen muss ich mir nächstes Jahr eine Vollzeitstelle suchen für die kommenden acht bis zehn Jahre bis zur Rente, und auch danach weiß ich nicht, ob es sich finanziell ausgeht. Momentan ist das alles noch kein Drama, reichen die Rücklagen, aber auf Dauer ist es keine Perspektive, von den Rücklagen zu leben. 

Nach einem Vierteljahr ist zumindest mein Antrag auf Witwenrente in der Bearbeitung. Diese Woche hatte ich einen Termin bei der Krankenkasse wegen eines fehlenden Formulars. Dabei stellte sich heraus, dass die Krankenkasse das Formular nicht wie vermutet zwei Mal verschlampte, sondern dass sie es schlichtweg seit Mitte Dezember nicht bearbeitet. Der Sachbearbeiterin, bei der ich war, war das sehr unangenehm. Sie kann sich zwar nicht aus, weil die Beantragung von Witwenrente nicht zu ihren Aufgaben gehört, gab sich aber alle Mühe, so dass ich am Schluss mit einem ausgefüllten Formular gehen konnte. Das ist jetzt auf dem Weg zur Rentenversicherung. Mal schauen, wie lange es bis zur Entscheidung dauert, ob ich Witwenrente bekomme.

In dieser Woche kam der Befund der Mammographie in der Vorwoche. Gott sei Dank ist er negativ! Seit einer Krebs-Diagnose im April 2021 bin ich da sehr angespannt. Wo der Krebs sitzt, weiß ich allerdings noch immer nicht. So lebe ich also weiterhin mit der Diagnose und bin gespannt, wann und wo sich das Biest zeigen wird. 

In der Hoffnung, dass es Mitte März nicht mehr schneit, habe ich zwei Termine zur Sperrmüll-Abholung gemacht. Die letzten beiden Termine habe ich storniert, weil unsere kleine Straße vereist war, es unklar war, ob sich die Müllabfuhr hinein traut. Seit Ende Dezember war hier wegen des Winterwetters jede Woche Müll-Lotto angesagt. Die Tonnen stellte ich kaum an die Straße, und beim Sperrmüll hatte ich keine Lust, den womöglich hin und her zu tragen. Ergebnis der seit Wochen oft ausfallenden Müllabfuhr ist ein ernsthaftes Rattenproblem (neben versperrten Gehwegen, weil viele ihre Tonnen einfach stehen lassen in der Hoffnung auf nachträgliche Abholung). Dass mir tagsüber Ratten vor die Füße laufen, hatte ich zuletzt an den Hamburger Landungsbrücken ... Morgen kaufe ich Köder für die Boxen, die der Kammerjäger hier ließ. Ich werde jetzt einfach dauerhaft Köder auslegen.

Ich habe endlich wieder einen Karton für Momox packen können. Die Regale des Gatten sind allerdings kaum leerer geworden. Um die ganzen Sachen aus seiner Werkstatt zu verkaufen, fehlt mir aktuell einfach die Kraft, ebenso für die Sachen, die sich nicht über Momox verkaufen lassen. Ich hoffe, ich habe zum Sommer hin Kraft für einen Flohmarktstand, hoffentlich mit der Unterstützung von Freundinnen, denn ich befürchte, dass ich das alleine nicht packe.

Vorgestern traf ich in der Mittagspause die 91jährige Nachbarin. Irgendwie mag ich es ja, dass man sich in der Kleinstadt so oft über den Weg läuft. Jedenfalls erzählte sie, dass es ihr auch sechs Jahre nach dem Tod ihres Gatten immer noch schwer fällt, für sich alleine zu kochen, es immer zu viel wird usw. Zufällig habe ich Kochbücher für ein bzw. zwei Personen, und so trafen wir uns am Spätnachmittag zum Klönen, Stricken und Kochbuchgucken. Sie meinte irgendwann, sie hätte gerne ein Buch, in dem steht, was man mit allen Gewürzen macht. Sie kenne ja nur Salz und Pfeffer, kaufte sich letztens einfach mal Chili, obwohl sie nicht weiß, was sie damit soll. Morgen bringe ich ihr dann meine Gewürzbücher vorbei ... So viel Neugier mit fast 92 Jahren ist einfach entzückend!

Mit Tante telefonierte ich zwei Mal länger. Anfang der Woche ging es ihr nicht so gut, war sie niedergeschlagen, aber gestern hatte sie sich Gott sei Dank wieder berappelt, war guter Dinge. Mit Schwiegermutter telefonierte ich einmal, nachdem sie mich nicht wie zugesagt anrief. Sie wusste aber schon nicht mehr, dass sie mich zwei Tage vorher anrufen wollte, und die Auseinandersetzungen zwischen Tantes ominöser Hilfe und Tante erwähnte sie auch nicht mehr. Sie war ziemlich wirr, erzählte, dass sie seit Tagen damit beschäftigt sei, Unterlagen zu sichten und wegzuwerfen, weil sie einfach nicht stillsitzen kann, sich immer beschäftigen muss. Und natürlich kam die obligatorische Frage, wann ich endlich zu Besuch komme. Den Winter kann ich jetzt ja nicht mehr als Ausrede nutzen. 

Kommende Woche bin ich mit den Sandkastenfreundinnen verabredet. Wir haben es tatsächlich binnen eines Tages geschafft, uns auf einen Termin zu einigen!

Im Büro ist reichlich zu tun, stehen weiterhin viele Entscheidungen für die kommenden vier, fünf Jahre an. Zum Glück schlief ich ein paar Nächte einigermaßen durch, konnte mich dadurch besser auf die Arbeit konzentrieren. Meine entzückende Kollegin ist zum Glück auch immer noch im Hintergrund. Anders als ich arbeitet sie sehr akribisch, entscheidet nicht spontan oder intuitiv. Sie ist da momentan mein Sicherungsnetz. Sie wäre inzwischen auch fit genug, das Projekt ab dem kommenden Jahr zu leiten, so wie es geplant war. So wird's wohl auch kommen, wenn ich für eine Vollzeitstelle in einen anderen Bereich wechseln muss. Meine Stelle ist nun mal auf 75% angelegt, kann nicht einfach auf 100% erhöht werden. Die fehlenden 25% müssten von einer anderen Stelle aus dem Team kommen, und das ist momentan nicht möglich, da niemand weniger arbeiten möchte. Ich könnte mir für die fehlenden 25% woanders eine Stelle suchen, aber ich möchte nicht mehr zwischen zwei Stellen pendeln. Ich war heilfroh, als diese Zeit nach langen Jahren endlich vorbei war. Es fällt mir schwer, aus dem jetzigen Team wegzugehen, denn beruflich bin ich endlich angekommen. Nur so, wie es jetzt aussieht, habe ich finanziell keine andere Möglichkeit.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

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