Samstag, 4. Juli 2026

Samstagsplausch KW 27/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXXIX

Die Woche war unwahrscheinlich anstrengend - so anstrengend, dass ich mich nach zwei Gläsern alkoholfreiem Sekt am nächsten Tag fühlte, als hätte ich einen Kater. Oder anders: Einen Arbeitstag verbrachte ich in einer Skatehalle, einen anderen beim Eisessen, auf einem Stadtspaziergang und beim jährlichen Vor-dem-Urlaub-Umtrunk der Chefin mit Sekttrinken (alkoholfreiem, echt!). Zwischendrin kauften wir auch noch Strand. Eine ganz normale Arbeitswoche also.

Der Großfußhase durfte wieder als Support-Bunny mitkommen und mich daran erinnern, dass ich auf dem Rückweg noch zum Baumarkt muss. Außerdem durfte er auf dem Rückweg auf Sonneblumen aufpassen.

Das Wochenende wird nicht weniger anstrengend. Kommende Woche wird der Vorgarten neu gemacht, und da auch zwei Lichtschächte der Kellerfenster erneuert werden müssen, muss ich die Werkstatt des Gatten so weit freiräumen, dass die Handwerker ans Kellerfenster können. Das ist emotionaler anstrengender als körperlich, denn alles atmet den Geist des Gatten. Es ist, als wäre er nur mal eben kurz weg. 

Nach dem Pflücken der Sonnenblumen hatte ich einen Beifahrer mehr. Zu Hause angekommen, flog Marini in den Garten.

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 329. Die Trauer bleibt meine Weggefährtin. Sie ist nur erträglich, wenn ich konsequent verdränge, dass der Gatte niemals wiederkommt. Das Leben ohne den Gatten ist unendlich schwer. Er fehlt in jeder Sekunde, bei jedem Atemzug.

Es ist jetzt ein Jahr her, dass der Gatte als Notfall ins Krankenhaus kam. Damals wütete schon Candida glabrata in sein Körper, unerkannt, unbehandelt. Der Gatte entschied sich nach der Notfall-OP für eine große OP, für die er erst aufgepäppelt werden musst, da sein Körper angesichts über einem halben Dutzend Infektionen, die er verkraften musste, zu geschwächt war. Die hygienischen Zustände im hiesigen Krankenhaus sind nun mal nicht für Kranke gemacht und führten letztlich zum viel zu frühen Tode des Gatten. Vor einem Jahr hatte er aber noch die Hoffnung, nach einer weiteren OP endlich wieder gehen zu können. 

Das Pendeln könnte weniger anstrengend sein, wenn die ICEs, die gelegentlich außerplanmäßig an unserem Dorf-Bahnhof halten, um anderen Zügen Vorfahrt zu gewähren, die wartenden Fahrgäste mit nach Hamburg nehmen dürften. Aber die Türen blieben natürlich verschlossen. 

Vielleicht lenkt mich Gartenarbeit ein bisschen von der Trauer ab. Ich will dem Giersch zu Leibe rücken, ein paar schwere Pflanztöpfe umsetzen, Platten und Palisaden vor's Haus bringen (die brauchen die Gärtner im Vorgarten) und Wildwuchs bändigen. Zum Glück soll es kommende Woche nicht so warm werden. Ich hatte schon überlegt, dem Gärtner anzubieten, die Arbeiten zu verschieben, wenn's bei ihm gepasst hätte. Mir eilt es ja nicht. Auf jeden Fall habe ich ausreichend Wasser, Apfelschorle und Eis da.

Begehbare Kunst von Ólafur Elíasson.

Tante bekam den Entwurf für das neue Testament, das ihre "Hilfe" veranlasste, von der Notarin per Post zugeschickt und rief mich total wütend an. Der Inhalt war wie befürchtet: Ihre "Hilfe" will sich alles sichern, schnüffelte in Tantes Abwesenheit auch in der Wohnung herum, so dass sie über die Vermögensverhältnisse bestens informiert ist. Tantes Original-Testament ist inzwischen an einem sichern Ort verwahrt, außerhalb jeglicher Reichweite ihrer "Hilfe". Mit beim Testament ist ein aktuelles ärztliches Attest über Tantes Zurechnungsfähigkeit, falls jemand daran zweifeln sollte. Schwiegermutter und ich haben inzwischen Wohnungsschlüssel. 

Im Gängeviertel: Paradigmenwechsel von Smilla Sund. 

Morgen will Tante ihrer "Hilfe" sagen, dass sie das neue Testament auf keinen Fall unterschreibt. Wenn die "Hilfe" damit nicht einverstanden ist, soll sie den Wohnungsschlüssel abgeben. Ich bin gespannt. Mein Angebot, über's Wochenende zu ihr zu fliegen und dabei zu sein, wenn die "Hilfe" kommt, lehnte Tante ab. Sie will es alleine schaffen, und es ist ja auch nicht damit getan, dass ich zu ihr fliege, denn dann fühlt Schwiegermutter sich ausgebootet, weil sie nicht mitkommt, hat Tante nicht nur mit ihrer "Hilfe" Stress, sondern auch noch mit Schwiegermutter ... Es ist einfach eine blöde Gemengelage. Tante ist damit einverstanden, dass das, was ihre "Hilfe" bislang machte, zukünftig über ihren Pflegedienst gemacht wird, denn der bietet auch hauswirtschaftliche Entlastung an. Tante weiß, dass ich gerne zu ihr komme, um mich darum zu kümmern, dass das alles klappt, aber sie möchte es alleine schaffen, und das respektiere ich natürlich.   

Die Queen im Gängeviertel. 

Im Haus kam ich ein bisschen weiter. Die Rollläden sind ja schon repariert, so dass ich nicht mehr durch Helligkeit geweckt werde (dafür wecken mich jetzt wieder die Schlafstörungen). Der Balkon hat jetzt endlich die Milchglasscheiben, die sich er Gatte so sehr wünschte. Ich hoffe, sie gefallen ihm. 

Doch, doch, ich sitze den ganzen Tag am Schreibtisch ...

Der Bescheid zur Witwenrente fehlt natürlich immer noch. Vom Nachlassgericht gab's auch noch keinen Erbschein, aber ich habe inzwischen alle fehlende Dokumente nachgereicht. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse

Freitag, 3. Juli 2026

Friday-Flowerday #27/26: Geburtstagsblumen

Da ich meinen Geburtstag in Weißenhäuser Strand verbrachte, mit der Ostsee-Tante und ihrer Familie zusammen war, rechnete ich gar nicht mit Geburtstagsblumen. Es gab dann aber doch zwei Sträuße: Einen Wiesenstrauß von den Kolleginnen und diesen, mit dem mich F. überraschte, mit einer kleinen Sonnenblume, der es auf's Foto schaffte. Sonnenblumen sind nach dem Verblühen der Pfingstrosen meine Lieblingsblumen.

Einer meiner beiden diesjährigen Geburtstagssträuße.

Die Vase ist die Edelstahl-Vase, die sich zu meiner Universalvase entwickelte. Da der Strauß der Kolleginnen, der es nicht auf das Foto schaffte, auf dem Stubentisch stand, fand dieser Strauß seinen Platz auf dem Kamin. So habe ich ihn beim Stricken immer im Blick.

Strauß und Vase.

Dieser Beitrag geht rüber zum Friday-Flowerday. Vielen Dank für's Sammeln!

Sonntag, 28. Juni 2026

Samstagsplausch KW 26/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXXVIII

Die Hitze raubt mir aktuell jegliche Lust zum Bloggen. Außerdem ist im Büro gerade der Teufel los, und Tante hat Probleme mit ihrer Hilfe. Die Dame ist inzwischen so dreist, dass sie Tante unter Druck setzt, ein Testament zu ihren Gunsten zu unterschreiben. Das alte Testament sei angeblich ungültig, weil es den Gatten bedenkt, der ja nun verstorben ist. Nur ein neues Testament könne außerdem verhindern, dass Tante gegen ihren Willen ins Pflegeheim kommt. Sie hat eine befreundete Notarin ins Boot geholt, die ein Testament zu ihren Gunsten aufsetzte, das Tante nun unterschreiben soll. 

Tante will allerdings nicht unterschreiben. Tante will auch nicht, dass ich nach Dachau komme, um ihr beizustehen. Sie hat Angst, dass sie ihre "Hilfe" verliert, wenn sie nicht unterschreibt. Alles, was die "Hilfe" macht, also schwere Dinge wie Getränke einkaufen und Müll entsorgen, könnte auch jemand anderes erledigen. Ich würde mich darum kümmern, dass alles seriös geregelt wird. Aber Tante will nicht. Sie hat Angst, dass sie ohne diese "Hilfe" verloren ist, womöglich tagelang hilflos in der Wohnung liegt. Dass zwei Mal an Tag der Pflegedienst zu ihr kommt und sie im Ernstfall fände, dass Tante einen Notrufknopf hat, kommt nicht mehr bei ihr an, so groß ist die Angst.

Ihre "Hilfe" kommt sonntags für eine Stunde, nimmt sich eine Flasche Sekt aus dem Kühlschrank, setzt sich damit auf den Balkon und raucht. Ihr Mann sitzt währenddessen bei Tante im Wohnzimmer, daddelt auf dem Taschentelefon und guckt finster. Dann ist der Sekt ausgetrunken, wird der Müll eingesammelt und gegangen, nicht ohne vorher noch zu thematisieren, dass Tante ja bald stirbt und man ihre Wohnung auflösen werde. Auf manchen Gegenständen klebt sogar schon der Name der "Hilfe"!

Mich macht das total wütend, nur ich bin auch mit meinem Latein am Ende. Ich habe schon überlegt, die Polizei einzuschalten, aber es ist ja nichts passiert, und wenn das neue Testament unterschrieben ist, hat Tante das augenscheinlich freiwillig gemacht. Zeugen, dass es anders war, gibt es ja nicht. So bleibt mir nichts anderes übrig, als Tante sehenden Auges in ihr Unglück rennen zu lassen. Tante will nicht, dass ich beim Notar-Termin dabei bin, und sie will auch nicht, dass ich eine wirkliche Hilfe organisiere. 

Ich bin gespannt, ob Tante standhaft bleibt und nicht unterschreibt. 

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 328. Die Trauer bleibt meine Weggefährtin. Sie ist nur erträglich, wenn ich konsequent verdränge, dass der Gatte niemals wiederkommt. Das Leben ohne den Gatten ist unendlich schwer. Er fehlt in jeder Sekunde, bei jedem Atemzug.

Der Großfuß-Hase begleitet mich auf die Fahrt zur Schwiegermutter, die aufgrund eines verunfallten Milchlasters zweieinhalb Stunden statt einer halben Stunde dauerte. Die Rückfahrt ging zum Glück schneller.

Der Besuch bei Schwiegermutter, der diese Woche anstand, war auch wenig erfreulich, denn sie erzählte, dass bei ihr eingebrochen wurde. Ein Tresor wurde ausgeräumt. Das war leichtes Spiel, wer der Schlüssel steckte ... Die Einbrecher müssen aus ihrer Seniorenwohnanlage kommen, denn sie nutzten einen Generalschlüssel. Da zieht Schwiegermutter extra in eine Seniorenwohnanlage, um sicher zu sein, und dann das! 

Ansonsten kümmerte ich mich ein wenig um Schwiegermutters Papierkram. Viel ausrichten kann ich nicht. Sie lebt in ihrer eigenen Wirklichkeit, was durch die Demenz noch verschlimmert wird. Genau so wie Tante hat sie das Gefühl, ihr bleibe nicht mehr viel Zeit. Das ist traurig zu hören, und ich hoffe doch, beide täuschen sich.

Wenig überraschend, gab es auch diese Woche keinen Bescheid über die Witwenrente. An der Verzögerung beim Erbschein bin aktuell ich Schuld, denn ich hatte noch immer keine Kraft, die gewünschten Kopien ans Nachlassgericht zu senden. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse

Sonntag, 21. Juni 2026

Samstagsplausch KW 25/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXXVII

Von wegen, Sturm ist, wenn die Schafe keine Locken mehr haben. Sturm ist, wenn die Uhus vom Baum geweht werden. Kein Witz. Der Vogel guckte so verdutzt wie wir.

Mittelaltermarkt bei stürmischen Wetter mit verwehten Vögeln.

Sonntag war ich mit einer Freundin auf dem Mittelaltermarkt im benachbarten Wildpark, und wir nutzten die Chance, uns auch die Flugschau anzusehen. Der Uhu war nicht der einzige Vogel, der arge Probleme mit dem Sturm hatte. Auch der Weißkopf-Seeadler kam öfter vom Kurs ab. Am Besten kamen noch die beiden Bussarde mit dem starken Wind zurecht. 

Der Sonntag war das Highlight einen ausgesprochen anstrengenden Woche, emotional und überhaupt. 

Meine Kollegin ist inzwischen die dritte Woche krank, und ein Ende ist angesichts der Diagnose Long Covid nicht in Sicht (aber Corona ist ja nur 'ne Erkältung und überhaupt vorbei). Sie ist so schwach, dass ich anders als sonst noch nicht mal mehr mit ihr diskutieren muss, ob sie nicht vielleicht doch ein klitzekleines Bisschen trotz Krankschreibung arbeiten darf. Das Team versucht, sie aufzufangen, und das Team versucht, auch mich aufzufangen, denn ich arbeite aktuell buchstäblich für zwei. Noch schaffe ich es ohne viel Unterstützung, will die Unterstützung nicht überstrapazieren, denn ich falle ja demnächst durch die Reha ein paar Wochen aus. So, wie das Team tickt, wurde mein Vorschlag, die Reha zu verschieben, schneller abgelehnt als ich ihn aussprechen konnte. Wir hoffen alle, dass die Kollegin bald wieder an Bord ist. 

Ich denke aktuell immer an den letzten Sommer des Gatten, den er komplett im Krankenhaus verbringen musste. Das Krankenhaus ist nicht klimatisiert, außerdem war er oft in Isolation, also war kein Durchzug möglich, weil Fenster und Türen geschlossen bleiben mussten. Es gab kaum Verdunkelung, so dass die Hitze auch nicht wirklich draußen bleiben konnte. Er durfte aufgrund seiner diversen Erkrankungen maximal zwei Liter am Tag trinken. Es war eine Quälerei. Ventilatoren und Airflips* machten es etwas erträglich. 

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 327. Die Trauer bleibt meine Weggefährtin. Sie ist nur erträglich, wenn ich konsequent verdränge, dass der Gatte niemals wiederkommt. Das Leben ohne den Gatten ist unendlich schwer. Er fehlt in jeder Sekunde, bei jedem Atemzug.

In dieser Woche löste ich das Bankkonto des Gatten auf und schloss einen Vertrag über die Grabpflege nach meinem Tode ab. Es mag merkwürdig erscheinen, dass mir wichtig ist, wie das Grab nach meinem Tode aussieht, aber mich dauern ungepflegte, vergessene Gräber. Es beruhigt mich zu wissen, dass das Grab gepflegt wird, wenn ich wieder mit dem Gatten zusammen bin. Es mag ein wenig früh erscheinen, dass ich mich schon jetzt darum kümmere, aber Treuhandkonten für Grabpflege, Beerdigung und auch Steinmetzarbeiten sind zumindest nach aktuellen Recht Schonvermögen, dürfen also nicht angetastet werden, wenn Haus und Grund für Pflegekosten etc. gepfändet werden. Deswegen lege ich diese Konten jetzt an, wo noch alles Geld mir gehört. Sobald ich von der Reha zurück bin, werde ich ein Treuhandkonto für die Beerdigung anlegen (und falls notwendig, auch für die Steinmetzarbeiten). 

Die Autoversicherung des Gatten kündigte überraschend den Vertrag und sandte mir einen neuen. Man vergaß, mich darüber zu informieren, dass das passieren würde, weil ich den Wagen des Gatten auf mich ummeldete. Stattdessen sagte man mir, es ändere sich nichts; ein Jahr nach dem Tode des Gatten bliebe alles beim alten, weil ich ja die Versicherung fortführen würde, sie nicht gekündigt hätte. Was man auch vergaß mir zu sagen: Die Versicherung wird jetzt doppelt gezahlt, denn vom Konto des Gatten wurde der Betrag schon im Januar abgebucht. 

Kommende Woche werden endlich zwei Rollläden repariert. Dann habe ich im Arbeitszimmer endlich wieder eine ordentliche Verdunkelung, sind da hoffentlich keine 33 Grad und mehr. Außerdem werde ich nicht mehr durch den Sonnenaufgang wach, denn das Licht aus dem Arbeitszimmer fällt auch ins Schlafzimmer. 

Ich habe vielleicht eine Lösung für die Gartenbewässerung gefunden, die mittels Tank und Solar funktioniert. Ich bin gespannt. Ich möchte schon lange ein Bewässerungssystem, aber Aufwand und Kosten waren mir zu hoch. Wenn's klappt, ist die Bewässerung auch von Balkon und Vorgarten gesichert. Außerdem scheine ich eine unaufwändige Lösung für Solarstrom im Gartenhäuschen gefunden zu haben, die ich zur Rattenabwehr mittels Ultraschall nutzen kann. Auch hier bin ich gespannt. 

Ich habe eine Liste gemacht für die Handwerksarbeiten, die ich nach der Reha durchführen lassen möchte. Dadurch werden zwar weder Keller noch Gästezimmer (oder eines der anderen Chaos-Zimmer) fertig, aber das sind Arbeiten, die mir wichtig sind, und die sich mit relativ wenig Aufwand ausführen lassen. Mir fehlt einfach die Kraft für Keller, Dachboden und Chaos-Zimmer. Vielleicht ist sie nach der Reha da. Wenn nicht, ist es nicht schlimm, denn ich habe ja keinen Termin, bis zu dem alles fertig sein muss. 

Wenig überraschend, gibt es auch diese Woche keinen Bescheid über die Witwenrente. An der Verzögerung beim Erbschein bin aktuell ich Schuld, denn ich hatte noch keine Kraft, die gewünschten Kopien zu machen und ans Nachlassgericht zu senden. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse. / *Affiliate link

Sonntag, 14. Juni 2026

Samstagsplausch KW 23/26 und KW 24/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXXV und CCCXXVI

Die Lifestyle-Teilzeit koste ich voll aus, und so hatte ich nach nur einer Woche Arbeiten schon wieder eine Woche Urlaub! Die eine Arbeitswoche gestaltete sich zudem auch noch ausgesprochen entspannt: Einen halben Tag verbrachte ich in einer Skatehalle, einen ganzen Tag beim Betriebsausflug. Nebenbei sammelte ich auch noch Überstunden, denn die Kollegin, mit der ich mir das Projekt teile, ist krank. Sie ist auch während meiner Urlaubswoche krank, so dass ein Kollege einspringen musste. Und wie das Team so ist, wurde mein Angebot, notfalls aus dem Urlaub heraus einzuspringen, abgelehnt. Ich hoffe, meine Kollegin ist Montag wieder fit. Bei ihr zeigt sich immer wieder, was Corona kann, dass es mitnichten eine Erkältung ist, sondern neurotrop, langfristige Folgen haben kann. Aber die Corona-Zeit ist ja vorbei ...

Wie gut das Team funktioniert, zeigte sich beim Besuch in der Skatehalle, zu dem spontan eine Kollegin mitkam, jede Menge gute Ideen einbrachte, die sie zum größten Teil auch selbst umsetzen wird, und auch noch ungefragt ein Protokoll schrieb, damit nichts vergessen wird! Ich freute mich, dass ich mich überwand, sie zu fragen, ob sie mitkommen mag. Ich bin's gewohnt, Einzelkämpferin zu sein, aber anscheinend bin auch ich lernfähig. 

Das Team bewährte sich auch beim Betriebsausflug. Wir waren in einem Museumsdorf und spielten alte Kinderspiele, gegeneinander in zwei Teams, gedacht als Teambuilding-Maßnahme. Die Museumspädagogin merkte aber schnell, dass es bei uns nichts mehr zu bilden gibt, dass das Team im Großen und Ganzen funktioniert. Beim Einteilen der Gruppen kam kurz das Schulsport-Trauma durch, immer als Letzte gewählt zu werden, weil man mit mir in der Verwandtschaft nur verlieren kann, aber bei uns wurde nichts gewählt, wir teilten uns ohne viel Tamtam einfach auf. Und anscheinend kann man mit mir in einer Gruppe auch gewinnen, denn ich zeigte mir selbst unbekannte Talente im Murmelspielen und Dosenwerfen. 

Nach dem Spielen wurde gepicknickt, und auch hier zeigte sich der Teamgeist: Ohne uns vorher abgesprochen zu haben, gab's genug Besteck, Teller, Servietten und Becher für alle (und eine Tischdecke). Nur Getränke hatten wir vergessen (bzw. ich hatte eine Kanne Tee dabei, die für alle gereicht hätte, aber die anderen wollten lieber Kaffee). Die Picknicktische wurden kurzerhand zusammengeschoben, weil in zwei Gruppen sitzen doof ist. Wir konnten uns kaum vom Picknicktisch lösen, obwohl ja eigentlich noch Kultur angesagt war. Als der Kaffeedurst überhand nahm, schleppten wir uns plauzig ins Museumscafé, wo wieder die Tische zusammengeschoben wurden, weil es sich so besser schnattern ließ. Dabei wurde regelmäßig "Reise nach Jerusalem" gespielt, wenn es jemandem zu sonnig wurde. Geschnattert wurde übrigens nicht über die Arbeit, was ich sehr schätzte. Auf dem Rückweg gab's dann doch noch etwas Kultur, bummelten wir durch einen Museumsabschnitt, bis wir am späten Nachmittag beschlossen, dass es jetzt dann auch mal gut ist mit dem Betriebsausflug, weil der Heimweg der anderen doch recht lang ist (ich wohne eine Viertelstunde entfernt, hatte Heimvorteil). 

Sonnenuntergang über der Ostsee in der Hohwachter Bucht.

Freitag fuhr ich dann für ein paar Tage nach Weißenhäuser Strand. Ich hatte lange überlegt, wie ich meinen ersten Geburtstag als Witwe feiere und dachte, das Beste wäre es, zur Ostsee-Tante zu fahren. Weil ich ihr aber nicht zur Last fallen wollte, buchte ich ein Zimmer mit Meerblick in Weißenhäuser Strand. Da war ich ja gerne mit dem Gatten, und das ist nur eine halbe Autostunde entfernt. Ich wollte auf jeden Fall vermeiden, zusammen mit der Schwiegermutter feiern zu müssen - sie kommt da ja gelegentlich auf seltsame Ideen. 

Stricken mit Ostsee-Blick. Für den Balkon war es leider zu kalt.

Die Auszeit mit Schlafen, Schwimmen, Strandspaziergängen tat mir sehr gut. Der Geburtstag war so gut, wie er unter den aktuellen Umständen sein kann. Die Ostsee-Tante lud den kleinen Cousin ein, so dass es ein schöner Nachmittag war. 

Kaum zurück, buchte ich mich für Weihnachten wieder im Hotel ein. Schwiegermutter möchte ja, dass ich über Weihnachten eine Woche lang zu ihr ziehe, aber das halten meine Nerven ist aus. 

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 326. Die Trauer bleibt meine Weggefährtin. Sie ist nur erträglich, wenn ich konsequent verdränge, dass der Gatte niemals wiederkommt. Das Leben ohne den Gatten ist unendlich schwer. Er fehlt in jeder Sekunde, bei jedem Atemzug.

Beim Erbschein kam jetzt Post vom Nachlassgericht: Man hat das ohnehin offene Testament vom Gatten jetzt offiziell eröffnet und schickte es mir mit Eröffnungsvermerk und Gebührenrechnung. Zwei Tage später kam ein weiterer Brief: Man braucht noch unsere Geburtsurkunden und die Heiratsurkunde. Die liegen zwar schon beim Nachlassgericht, denn die brauchte ich auch für den Erbschein meiner Mutter, aber die Akte einfach aus dem Archiv zu holen und aufzumachen, wäre zu einfach. Also schicke ich wieder Kopien.

Die Lebensversicherung, für die ich den Erbschein beantragte, antwortete mir nach einem halben Jahr, dass ich für die Auszahlung keinen Erbschein brauche, sondern nur eine Unterschrift der Schwiegermutter, das die Versicherung an mich ausgezahlt werden soll. Ich überlegte erst, dem Nachlassgericht mitzuteilen, dass ich den Erbschein nicht mehr brauche, aber vermutlich implodiert das dann. Außerdem bin ich ja theoretisch auch erbberechtigt bei Schwiegermutter und Tante, und wer weiß, ob mir da der Erbschein nicht doch noch nützt. So habe ich dann jetzt eine Verabredung mit Schwiegermutter zwecks Unterschrift, und damit es nicht zu anstrengend wird, kommt die Sandkastenfreundin des Gatten mit. Die Kombi machte ja auch Ostern erträglich.  

Von der Witwenrente gibt es keinen neuen Stand, aber da rechne ich auch nicht mehr mit einem Bescheid in diesem Jahr. Zudem gibt es Pläne, die Witwenrente ganz zu streichen, also erwarte ich hier nichts mehr. 

Drei Handwerker-Termine sind gemacht, und der Heizöl-Kauf ist auch abgemacht. Der Ölpreis hat sich gegenüber dem letzten Jahr fast verdoppelt. Wir kaufen das Öl zusammen mit zwei Nachbarn und überlegten alle drei, ob wir noch warten oder ob wir versuchen, so über den Winter zu kommen, entschieden uns dann aber dagegen, denn wer weiß, wie sich die Situation entwickelt. 

Ich habe ein bisschen was im Garten geschafft, konnte etwas über Kleinanzeigen abgeben, komme in Babysteps vorwärts, muss aber jeden Tag darauf achten, dass ich meine Kräfte sehr gut einteile. Immerhin schaffte ich es zum monatlichen Stricktreffen. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

Freitag, 12. Juni 2026

#WMDEDGT 06/26: Westwärts, westwärts - bis Scharbeutz!

Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln! 

Heute ist Freitag. Ich weiß nicht, was mich ritt, aber als ich meine Geburtstagsreise nach Weißenhäuser Strand buchte, dachte ich, es wäre eine gute Idee, gleich nach Dienstschluss an die Ostsee zu fahren und abends schon die Füße in den Sand graben zu können. Als ich buchte, hatte es noch Temperaturen um die 30 Grad. Jetzt sind die Temperaturen kaum zweistellig ... Außerdem ist es im Büro gerade stressig, ist meine Kollegin krank, sind eher Überstunden als pünktlicher Feierabend angesagt. Es wäre jetzt entspannter, erst morgen zu fahren, auch wenn's normalerwiese nur zwei Stunden Fahrtzeit sind. Irgendwas ist ja immer. 

Zum Glück wurde ein Donnerstagstermin verlegt, so dass ich gestern schon in Ruhe alles, was ich an Kladage brauche, in den Koffer packen konnte. Der Koffer wurde auch schon im Auto verstaut. Heute muss ich noch Kosmetikzeugs, Strickkrams, Klapprechner, CPAP-Gerät, das Reise-Rudel und sonstiges Gedöns packen. Zu Lebzeiten des Gatten war auch das Scrabble-Spiel wichtig, denn damit saßen wir gerne abends in der Bar. Aber durch den Tod des Gatten fällt das ja nun weg. 

Freitags kommt immer unsere Putzfrau. Die leiste ich mir auch nach dem Tode des Gatten, obwohl ich ja nun aufgrund von Lifestyle-Teilzeit selbst putzen könnte. Aber ich bin eine faule Hausfrau, die ihre Depression pflegt. Es tut mir einfach gut, dass ich einmal in der Woche gezwungen bin, aufzuräumen, damit saubergemacht werden kann. Und unsere Putzfrau ist längst mehr als eine Reinigungskraft, arbeitete schon für meine Mutter, gehört irgendwie zur Familie.

Der Arbeitstag ist ruhig. Normalerweise mache ich ja freitags eine lange Mittagspause, weil die Kooperationspartner meines Projekts freitags gerne mal erst spätnachmittags ankommen, aber heute bestehe ich auf pünktlichen Feierabend. 

Das Auto ist beladen, das Reise-Rudel ist auf dem Beifahrersitz verstaut. Ich bin gerade dabei, abzuschließen, als Schwiegermutter anruft, um mir zum Geburtstag zu gratulieren. Ich versuche ihr beizubringen, dass ich heute noch nicht Geburtstag habe, aber Schwiegermutter irrt sich bekanntlich nicht. Okay, ich heiße Paddington und bin ein Bär, denn Bären haben ja bekanntlich zwei Geburtstage. 

Die Fahrt ist anstrengend, weil Regen, Wolkenbruch, Gewitter, Baustellen, Stau ... Nach zweieinhalb Stunden komme ich an, brauche wie üblich zwei Versuche, bevor ich die richtige Zufahrt zum Hotel finde (alle Zufahrten sind mit Schranken versperrt, es gibt nur eine, die zum Hotel führt), und dann bin ich erstmal entgeistert, weil sich vorm Hotel Busse und Auto stauen! Das kenne ich nicht. Später erfahre ich, dass das Hotel absolut ausgebucht ist, dass etwa 120 Fans einer rheinischen Stimmungskappelle ihr Fan-Wochenende im Strandhotel verbringen und drölfzich Kiddies einer Jugendmusikschule die Räumlichkeiten zum Proben nutzen. Dolle Wurst! 

Ich habe Glück und bekomme einen der letzten Parkplätze einen halben Kilometer vom Hotel entfernt. Andernfalls hätte ich außerhalb parken und mein Gepäck sehr weit schleppen müssen. Das Einchecken dauert weil Fangruppe und Jugendmusikschule, und da ich ein Zimmer mit Meerblick wollte, ist der Weg zum Zimmer auch sehr weit. Nach drei Mal Laufen sind Koffer, zwei Ikea-Taschen, CPAP-Gerät, Klapprechner, Reise-Rudel, Handtasche und ich im Zimmer. Tschakka! 

Erstmal die Balkonmöbel aufstellen, wobei mich gleich die Zimmernachbarinnen begrüßen, dann Kaffee und Muffin mit Ostseeblick genießen. Den Genuss will kurz eine Möwe stören, die versucht, sich auf den Muffin, von dem ich gerade abbeißen will, zu stürzen. Ich halte kurz inne, gucke der Möwe in die Augen und sage: "Glaub' mir, das ist keine gute Idee!" Die Möwe zieht beleidigt guckend ab. Ich weiß ja, dass Möwen frech sind, aber in den Zimmern zur Landseite, die wir bislang hatten, waren die Möwen wohl zurückhaltender. Meine Zimmernachbarinnen lachen und erzählen von ihren Erfahrungen mit den Möwen. 

Nachmittagskaffee mit Ostesee-Blick.

Nach Kaffee und Muffin wird erstmal in Ruhe ausgepackt. Dann ist auch schon Zeit für's Abendessen. Ich habe anders als sonst ohne Halbpension gebucht. Der Gatte schätzte das Büfett, aber ich esse nicht so viel, dass es sich für mich lohnt, und ich möchte die Freiheit haben, auch mal in einem der anderen Restaurants des Ressorts zu essen. 

Beim Abendessen merke ich, dass ich aktuell keinen Alkohol vertrage, dass es nach nur einem Glas Wein keine gute Idee ist, den angedachten Strandspaziergang zu unternehmen. Stattdessen gehe ich auf's Zimmer, setze mich nach der Tagesschau mit Strickzeug auf den Balkon. Die Ostsee ist spannender als das Fernsehprogramm, obwohl ich, anders als zu Hause, zwischen unzähligen Kanälen wählen könnte. Später gucke ich noch das "heute journal", wäre sogar noch wach genug für die "heute show", was lange nicht mehr vorkam, merke aber, dass ich lieber lesen möchte*.

Der Blick zurück in die ersten sechs Corona-Jahre: Am 5. Juni 2020 war der Gatte noch gesund, kämpfte ich im Heimbüro mit den Tücken der Ad hoc-Digitalisierung und später mit den neuen coronabedingten Verhaltensweisen. Am 5. Juni 2021 kämpfte sich der Gatte ganz langsam wieder ins Leben zurück, freuten wir uns, dass er mit Mühe die knapp 500 m von seinem Krankenhauszimmer zum Ententeich und zurück schaffte. Am 5. Juni 2022 freuten wir uns, dass der Gatte bei uns ist. Am 5. Juni 2023 waren wir schon fast ein Jahr mit Baustelle und Doppel-Haushalt beschäftigt. Am 5. Juni 2024 schwebte der Gatte mal wieder in Lebensgefahr, ohne es ernst zu nehmen. Zwei Tage später sollte mich sein Arzt fragen, ob mein Mann wüsste, wie krank er ist. Nein, er ignorierte es nach Kräften, auch noch auf dem Sterbebett. Am 5. Juni 2025 gab es bei den Erkrankungen des Gatten einen kurzen Hoffnungsschimmer. Uns sollten noch fünfeinhalb gemeinsame Monate bleiben. 

*Affiliate links

Sonntag, 31. Mai 2026

#pmdd2026: Der 28. Mai 2026

An jedem 28. eines Monats ist Picture my Day-Day, kurz pmdd. Ich finde, das ist ein schönes Tagebilderbuch. Mitmachen ist einfach: Fotos vom Tag machen, bloggen oder mit #pmdd2026 auf Bluesky oder Instagram einstellen. Gesammelt wird alles auf dieser Seite.

Heute weckt mich der Kirmes-Hase. Ich bin aber eh schon mit Sonnenaufgang wach, leide darunter, dass sich das Schlafzimmer aktuell nicht verdunkeln lässt. Früher hat mich das nicht gestört. Im Gegenteil. Da konnte ich im Dunkeln nicht schlafen.

Dem Gatten Guten Morgen sagen. 

Oh Schreck, der Kaffee ist alle!

Nein, das wird nicht das Frühstück.

Nein, auch das ist nicht das Frühstück. Es ist der Mittagsimbiss für den Besuch.

Das ist das Frühstück, ungewohnt luxuriös, aber Reste: Bruschetta, Frischkäse, Lachs, Lauchzwiebel. 

Heute ist Donnerstag. Ich habe Urlaub und bekomme Besuch. Es ist ein ruhiger Tag.

Es ist mal wieder Zeit, die Tiefkühler-Liste zu aktualisieren. 

Ein wenig den Wäscheberg abtragen. Das Wetter ist ja ideal zum Wäschetrocknen.

Füße hoch und stricken.

Ich kann endlich mal wieder etwas Geld ins Wollsparglas einzahlen. 

Den Beitrag zum Friday Flowerday schreiben.

Der Copenhagen Calling-Schal ist fertig. Der Großfußhase muss als Modell herhalten. 

Der Apfelbaum hat sehr üppig Früchte angesetzt. 

Der Blick zurück in die ersten sechs Corona-Jahre: Am 28. Mai 2020 war der Gatte noch gesund und arbeitete, lebte Schwiegermutter noch in ihrem Haus, hatten wir noch die Hoffnung, Corona erledigt sich über den Sommer. Am 28. Mai 2021 war der Gatte schon ein halbes Jahr krank, und wir ahnten nicht, dass er vier Tage später in Lebensgefahr ins Krankenhaus kommen würde. Am 28. Mai 2022 war der Gatte beim Reha-Sport, wohin ich ihn schon seit einem halben Jahr jeden Sonnabend fuhr. Am 28. Mai 2023 war der Gatte noch so fit, dass er vor mir aufstehen und den Frühstückstisch decken konnte, hatten wir gerade meine Mutter beerdigt. Am 28. Mai 2024 freute ich mich über die Posts von Letnapark, Katja Schickel, die nach schwerer Krankheit Mitte März 2025 verstarb. Am 28. Mai 2025 mussten wir alle Urlaubspläner für das Jahr stornieren. Wir ahnten noch nicht, dass der Gatte den letzten Sommer seines Lebens im Krankenhaus verbringen würde, dass uns kein gemeinsames halbes Jahr mehr bleibt.

Abendessen auf der Terrasse.

Füße hoch und stricken. Passend zum Copenhagen Calling-Schal habe ich aus der restlichen Wolle eine Mütze angenadelt. 

Der Blick in den Abendhimmel. Der Mond ist noch nicht ums Haus herumgekommen. 

Vor dem Einschlafen noch etwas lesen*.

Die Rezepte zum Tag gibt es demnächst in der Kombüse. / *Affiliate links

Samstag, 30. Mai 2026

Samstagsplausch KW 22/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXXIV

Meine Urlaubswoche hatte ich mir irgendwie unaufregender vorgestellt ... Eigentlich wollte ich in Ruhe meine Liste abarbeiten, aber dann machte mir die Hitze einen Strich durch die Rechnung. Ich lag meistens komatös im Relax-Sessel, denn im Garten war es mir zu warm - außer an der Hummel-Rast, die kleine Terrasse, die der Gatte so liebte. Aber die ist noch nicht entwuchert, so dass ich da nicht richtig sitzen kann. Irgendwas ist ja immer. 

Zumindest kam ich so zum Stricken und zum Lesen. Erfreulicherweise reichte dafür die Konzentration wieder. Ich schaffte den Copenhagen Calling-Schal mit passender Mütze und nadelte eine Babydecke an. Außerdem hatte ich die Idee für ein Anti-Stress-Paket für meine Kollegin, die mich im Sommer ja einige Wochen vertreten darf, und mache ich jetzt an die Umsetzung.

Pfingstmontag raffte ich mich auf, einen Teil meiner Liste abzuarbeiten. Ein Punkt sah den Austausch des Autoschlüssels vor, der sich unlängst auflöste. Ich hatte die Hoffnung, dass mit einem neuen Autoschlüssel auch die Zentralverriegelung wieder funktioniert. Allein, der Austausch war nicht so leicht wie in diversen Videos beschrieben. Als klar war, dass ich das alleine nicht schaffe, fragte ich in der örtlichen FB-Gruppe nach einem Autoschlüssel-Schlüsseldienst, denn Google war da gerade nicht mehr Freund. Neben vielen hilfreichen Tipps wie "Das Auto fährt auch ohne Zentralverriegelung!", "Das kannst du selbst machen, dauert nur ein paar Minuten!", "Am Besten ein neues Auto kaufen!", meine ein junges Paar, wenn ich gerade Zeit hätte, solle ich einfach mal vorbeikommen. Sie hätten das schon öfter gemacht, es dauere ja nur ein paar Minuten.

Aus den "paar Minuten" wurden dann 120 Minuten. So ein Opel-Schlüssel ist deutlich hartnäckiger als einer von VW oder Audi, die Fabrikate, die die beiden bislang getauscht hatten. Es war eine sehr nette Begegnung. Meine Zentralverriegelung zickt allerdings weiterhin. Wenn mal wieder eine Reparatur ansteht, lasse ich sie erneuern, denn auf Dauer nervt es. Sie lässt sich nämlich auch nicht immer von innen bedienen, so dass ich nur selten an den Kofferraum komme. Gut, der ist beim Karlchen eh so lütt, dass kaum etwas hereinpasst, aber er ist gelegentlich ganz praktisch.

Dienstag und Mittwoch war ich mit Einkaufen und Haushalt beschäftigt. Die aktuellen Temperaturen sind optimal zum Wäschewaschen. Ich schaffte außerdem ein bisschen Ordnung im Garten und auf der Terrasse, wenngleich ich nicht so viel schaffte wie erhofft, da zu heiß. Aber mich hetzt ja keiner, ich habe ja kein Datum, zu dem ich mit allem fertig sein muss. Und ich habe gelernt, mich mit Kleinigkeiten zu bescheiden, wenn für mehr keine Kraft da ist. 

Donnerstag war einer der seltenen Momenten, in denen ich sprachlos bin: Im Postkasten war der Brief einer Anwaltskanzlei an den verstorbenen Gatten. Es ging um eine Abfindung seines Arbeitgebers, der vor 24 Jahren in die Insolvenz ging. Die Abfindung soll jetzt tatsächlich ausgezahlt werden! Der Gatte hat nichts mehr davon (und ich auch nicht, da nicht vererbbar). Ich frage mich, was der Gatte wohl dazu sagen würde, dass er theoretisch eine Abfindung bekommen hat. Er hatte mit diesem Kapitel zwar abgeschlossen, sprach nur noch gelegentlich von drei Kollegen, die ihm fehlten, zu denen er aber auch andererseits keinen Kontakt hielt, aber dass die Abfindung nicht gezahlt wurde, wurmte ihn. Die Inhaber-Familie brachte ihr Vermögen vor der Insolvenz ins Trockene. Ich hoffe, dass die Summen, die nicht ausgezahlt werden, weil die, die Anspruch darauf hatten, inzwischen verstorben sind, zumindest den überlebenden Kollegen zu Gute kommen, sie etwas mehr Geld bekommen. Die ehemaligen Angestellten werden ohnehin als letzte bedacht, nach allen anderen Gläubigern.

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 324. 

Die Trauer ist ein Marathon, kein Sprint, habe ich letztens in einer Predigt gehört, und das passt sehr gut. Die Trauer ist unendlich, auch wenn ich immer öfter zu hören bekomme, ich hätte den Tod des Gatten ja ganz gut verkraftet. Nein, das habe ich nicht. Er fehlt mir in jeder Sekunde, mit jedem Atemzug. Heute vor einem Jahr mussten wir unseren Dänemark-Urlaub absagen, weil der Gesundheitszustand des Gatten das nicht zuließ. Dass er nicht mehr nach Dänemark kommt, hat den Gatten sehr getroffen. Er hatte sich damit abgefunden, nicht mehr nach Mallorca zu kommen, aber dass er auch Dänemark streichen musste, war unendlich schwer für ihn. Wir ahnten noch nicht, dass er seinen letzten Sommer im Krankenhaus verbringen würde, dass wir nur noch knapp fünf Monate zusammen sein durften. Das Leben ohne den Gatten ist unendlich schwer.

Lieber Besuch war da, der sich spontan in unseren verwilderten Garten schockverliebte! Ich bin gespannt, ob der Garten irgendwann mal so aussehen wird, wie der Gatte und ich ihn uns vorstellten, und ob ich das noch erlebe. Der Besuch tat gut, auch wenn ich immer wieder merke, wie sehr es mich anstrengt, mit Menschen zu interagieren. 

Die Neugestaltung des Vorgartens ist in Auftrag gegeben. Ich bin auf die Umsetzung gespannt und freue mich auf einen "ordentlichen" Vorgarten. 

Die Fortsetzung des Heimwerker-Kurses fällt leider mangels Interesse aus. Wie so oft war die spontane Begeisterung größer und verpuffte schnell. 

Im Dorf eröffnet eine neue Frauenarzt-Praxis. Ich bewarb mich um einen Termin und darf tatsächlich zur Hormonsprechstunde kommen, um die Hormonersatz-Therapie ggf. fortzuführen! Den Termin in Hamburg sagte ich daher ab. Es wäre ein Traum, nicht mehr 80 km zum Gynäkologen fahren zu müssen. Theoretisch hätte ich inzwischen auch die Möglichkeit, die Hausarzt-Praxis zu wechseln, aber ich hänge an der Praxis, bei der ich fast 20 Jahre Patientin bin. Bei akuten Erkrankungen 80 km zu fahren ist zwar doof, aber bislang habe ich das ja immer irgendwie geschafft.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

Freitag, 29. Mai 2026

Friday-Flowerday #22/26: Pfingstrosen

Ich liebe seit Klein auf Pfingstrosen. Seitdem der Gatte in mein Leben trat, sind es meine Geburtstagsblumen, denn sie blühen zuverlässig zu meinem Geburtstag. 

Pfingstrosen zwei Tage nach dem Kauf.

Leider sind Pfingstrosen ausgesprochen kapriziös (wir passen also bestens zueinander) und blühen nicht in unserem Garten. Im Garten des alt-neuen Hauses wachsen sie schon seit Jahrzehnten. Die, die ich in den Hamburger Garten pflanzte, zogen mit um in der Hoffnung, dass sie sich an den alten Pfingstrosen ein Beispiel nehmen. Leider war es umgekehrt: Die alten Pfingstrosen verweigern jetzt das Blühen. 

Als ich sie kaufte, waren die Pfingstrosen noch rosa.

Als ich letzte Woche den Wocheneinkauf erledigte, waren zwei Bunde Pfingstrosen Beifang. Und diese Pfingstrosen verblüfften mich: Sie wechselten ihre Farbe! Anfänglich waren einige rosa, andere dunkelrosa. Am Ende waren alle Blüten gelb!

Dann fingen die ersten Blüten an, ihre Farbe zu ändern.

Tatsächlich gingen auch alle Blüten auf, was nicht immer der Fall war. Aber diesmal spülte ich alle Blüten mit lauwarmen Wasser ab, damit sie sich leichter öffnen können, und stellte die angeschnittenen Stiele in lauwarmes Wasser in die Edelstahl-Vase, die hier genauer zu sehen ist. Ergebnis waren riesige Pompom-Blüten. 

Ganz am Schluss waren pastellgelbe Pompoms in der Vase. Gelegentlich war noch etwas rosa zu ahnen.

Der Strauß geht rüber zum Friday-Flowerday. Vielen Dank für's Sammeln!

Sonntag, 24. Mai 2026

Samstagsplausch KW 21/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXXIII

Auf dem Balkon steht jetzt der 
Deck-Chair, kann ich in den 
Abendhimmel blicken.
Ich habe tatsächlich seit Donnerstag Urlaub und konnte das zwei, drei Tage gar nicht fassen! 

Montag kam meine Kollegin aus dem Urlaub zurück, und ich schrieb ihr eine Mail, sie könne langsam in die Arbeitswoche starten, es sei alles ruhig. Mittags drehte dann eine Kollegin aus einer anderen Behörde, mit der wir für eine Kampagne zusammenarbeiten müssen, durch - so sehr, dass meine Kollegin mich nach Feierabend panisch anpiepste, es kämen noch immer Mails, ich Teetasse, Kuchenteller und Strickzeug von mir warf, die Treppe hoch raste und den Dienst-Klapprechner anwarf - nur um festzustellen, dass die Dame uns mit einem anderen Projekt verwechselte. Zu dem Schluss kam sie dann auch irgendwann. 

Dienstag sah erst alles gut aus, bis besagte Dame komplett frei drehte, so sehr, dass ich meine aufgelöste Kollegin anderthalb Stunden trösten musste, weil sie sich solche Situationen sehr zu Herzen nimmt, denkt, es wäre ihr Fehler. Die Arme war so sehr neben der Spur, dass ich meinen Urlaub stornierte, denn keine Chefin war erreichbar - eine krank, eine desinteressiert, und die Vertretungen wollten nichts entscheiden, da nicht ihre Baustelle. Schon schön. Jedenfalls war in der Situation keine ordentliche Übergabe möglich, und da ich keine Reise buchte, eh zu Hause bleiben wollte, fiel es mir leicht, den Antrag zurückzunehmen. 

Ich habe sogar eine 
Solar-Lampe, um lesen 
zu können (und das
Weinglas besser zu finden).
Mittwoch war die Chefin dann wieder im Dienst und sehr verärgert ob es Verhaltens der anderen Behörde. Die zweite Chefin kam mit ins Boot, egal, ob sie wollte oder nicht, und wir entwickelten eine Strategie, die die andere Behörde gelinde gesagt überraschte, denn: Doof können wir auch. Plötzlich lief es rund. Mein stornierter Urlaubsantrag wurde storniert. Ich habe tatsächlich zehn Tag frei! Generell bin ich für Notfälle erreichbar, aber den Dienst-Klapprechner nahm ich noch gar nicht aus dem Rucksack und hoffe, er kann dort die ganze Zeit über bleiben. 

Das Pendeln verlief, anders als in der Vorwoche, erstaunlich entspannt. Ich leide aktuell unter Schlaflosigkeit und bekam morgens einen frühen Bummelzug. Die Bummelzüge sind länger das die Schnellzüge, so dass es zu normalen Zeiten schon mehr Platz gibt. Nachmittags arbeitete ich länger, so dass ich auch da einen Bummelzug bekam. Da zu Hause ja niemand mehr auf mich wartet, ist es ja egal, wann ich zurück bin. Die Bummelzüge sind übrigens ganze drei Minuten langsamer als die Schnellzüge ...   

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 323. 

Ich habe es Donnerstag und Freitag geschafft, ein bisschen im Garten zu arbeiten, wenngleich ich nicht so viel schaffte, wie ich dachte. Depression und Trauer sind zentnerschwere Gewichte, die mich zurückhalten. Immerhin war der Gärtner da, um die Gestaltung des Vorgartens durchzusprechen. Mir graut vor den Kosten, aber ich kann das Elend, das die Biologen-Freundin als "wunderschöne Naturwiese" beschreibt, nicht mehr sehen. Ich hätte es aber sicher noch etwas länger ausgehalten, wenn nicht der Zaun, der vor den Mülltonnen steht, so morsch ist, dass er sich nicht mehr flicken lässt. Das Zaunflicken wäre nämlich eines meiner Urlaubsprojekte gewesen. Aber immerhin habe ich jetzt mein eigenes Werkzeugkistchen. 

Ich habe im Hochbeet ein wenig Ordnung gemacht und die ersten Stachelbeeren entdeckt.

Es kam ein Brief von der DRV, und da es ein kleiner, dünner Umschlag war, war schnell klar, dass es nicht der erwartete Bescheid zur Witwenrente ist. Stattdessen war es eine Information darüber, dass diverse Unterlagen neu eingereicht werden müssen, weil sich die Rente zum 1. Juli erhöht und die DRV es bislang nicht schaffte, meinen Antrag zu bescheiden. Ich scheine den einzigen DRV-Sachbearbeiter erwischt zu haben, der ausschließlich analog arbeitet, denn natürlich gehen alle Unterlagen wieder in die Post, wird die Bearbeitung wieder Wochen dauern, auch, weil die Unterlagen nicht direkt an meine Personal-Sachbearbeiterin geschickt werden, sondern an die zentrale Personalverwaltung. Da muss man mich unter ca. 70.000 Leuten erstmal finden, bevor der Brief per Behördenpost die richtige Stelle erreicht. 

Der Rosmarin, der noch aus Schwiegermutters Garten stammt und drei Mal umzog, blüht.

Ich habe bei der DRV mehrfach um digitale Bearbeitung gebeten, was aber verweigert wird. Normalerweise dauert die Bearbeitung sechs bis acht Wochen. Bei mir dauert sie aktuell schon sechs Monate. Zum Jahrestag der Antragsstellung schicke ich dem Sachbearbeiter Konfetti. Immerhin weiß ich dank einer ehrenamtlichen Rentenberaterin inzwischen, welchen Betrag ich maximal zu erwarten habe und kann einigermaßen in die Zukunft planen. Ansonsten sitze ich die Bearbeitung einfach aus und bin dankbar für mein eigenes Einkommen. 

Der Schmetterlingsginster blüht. Der Gatte hätte sich sehr darüber gefreut. 

Trauer und Depression haben mich fest im Griff, aber ich schaffte es endlich mal wieder, zu stricken. Die Socken, an denen ich sage und schreibe drei Monate strickte, sind fertig! Normalerweise brauche ich für ein Paar maximal eine Woche. Ich habe Wolle für eine Babydecke samt Beißring gekauft und Fliesen für ein Upcycling-Projekt (wobei es deutlich preiswerter wäre, einen neuen Tisch zu kaufen, als den alten Lack-Tisch zu upcyclen, aber es geht ja ums Prinzip, und die Fliesen sind traumschön). 

Ich habe meinen eigenen Werkzeugkasten.

Die Chefin fragte, ob ich ihr eine Handtasche fingerstricken könne. Da ich die Technik schon länger ausprobieren wollte, sagte ich zu, sofern sie die passende Wolle besorgt. Auf der Suche nach der passenden Wolle sah die Chefin, was die handgestrickten Taschen kosten, wenn frau sie fertig kauft, und war entsetzt ob des Preises. Knapper Kommentar einer Kollegin: "Na, da weißt du ja, was du Sabine zahlen wirst!" Und: Nein, ich verlange / erwarte in der Regel kein Geld, wenn ich etwas für andere stricke, sofern es Freunde, Verwandte oder nette Kolleginnen sind und ich es selbst anbiete. Ich bin allerdings froh über jede Strickerin, die einen angemessenen Betrag für ihre Arbeit aufruft. 

Vom Heimwerker-Kurs wird es vermutlich schon im Juni eine Fortsetzung nur für unseren kleinen Teilnehmerinnenkreis geben. Das wäre toll! Im November wird der Kurs auch wiederholt, aber soweit mag ich noch nicht planen. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

Samstag, 16. Mai 2026

Samstagsplausch KW 20/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXXII

Das Pendeln ist aktuell noch anstrengender als sonst, und ich bin heilfroh, dass ich es meistens nur zwei Mal in der Woche machen muss. Die Bahnstrecke nach Hannover wird saniert, so dass der Verkehr für mindestens zehn Wochen über unsere Kleinstadt geführt wird. Der Zug kommt morgens also schon voller als voll hier an. Keine Chance mehr auf einen Sitzplatz, stattdessen knapp eine halbe Stunde stehen. Mittlerweile steht in der DB-App der Hinweis "Zustieg kann nicht garantiert werden". Das werden tolle Wochen bis Mitte Juli. 

Gleichzeitig ist für einige Wochen die S-Bahn-Strecke zwischen Neugraben und Wilhelmsburg gesperrt, was in Harburg zu teils chaotischen Zuständen führt. Zu viele Menschen wollen in zu wenig Züge. Da bin ich dann froh, wenn ich zumindest einen Stehplatz ergattern konnte. Nachmittags gilt das gleiche umgekehrt. Sollte es einen Schienenersatzverkehr geben, dauert der vermutlich länger als die Bahnfahrt und ist ebenfalls überlastet. Kommt es zu den beliebten Oberleitungsschäden, zu Stellwerksstörungen, kurzfristigen Personalausfällen, Reparaturen am Zug oder Polizeieinsätzen, geht gar nichts mehr. Zugausfälle sind in der aktuellen Lage fatal, kommen aber täglich vor. Das Auto ist keine Alternative, es sei denn, ich wäre vor sieben Uhr im Büro. Das muss nun auch nicht sein.  

Dass die Verstärkerzüge schon lange nicht mehr in vollem Umfange fahren, passt zur aktuellen Situation. Immerhin fahren aktuell noch zwei Züge pro Richtung, muss ich nicht ab / bis Bremen oder von einem der kleineren Unterwegsbahnhöfe pendeln, denn da fährt es nur noch einer pro Stunde. Als der Gatte vor vier Jahren entschied, dass er in die lindgrüne Hölle ziehen möchte, fuhren noch drei Züge pro Stunde zwischen Hamburg und Bremen. Gerüchteweise gab es sogar Zeiten, in denen vier Züge pro Stunde fuhren. 

Seitdem ich vor acht Wochen auf ärztlichen Rat das Progesteron absetzte, weiß ich oft nicht, wohin vor Schmerzen. Selbst mit der Höchstdosis an Schmerzmitteln kann ich mich kaum bewegen. Ich habe jetzt einen Termin in der Hormonsprechstunde meiner Frauenarztpraxis und hoffe, die Ärztin, die die Sprechstunde anbietet, kann was. Ich möchte es mit der gewohnten Praxis versuchen, ehe ich versuche, einen Termin in einer anderen zu bekommen. Laut Vita ist sie darauf spezialisiert, Frauen in den Wechseljahren zu begleiten, was immer das heißen mag. Bislang war ich ja bei ihrem Kollegen in Behandlung, der meint, ich müsse mich nur mehr bewegen und weniger essen, wie so viele seiner Kolleginnen in den letzten vier Jahrzehnten. Deswegen wurde meine Hormonstörung nicht behandelt, obwohl erkannt. 

Mir geht es genau so dreckig wie vor sechs Jahren, bevor ich mit der Hormonersatztherapie anfing. Vor allem, dass ich ständig zunehme, macht mir neben den Schmerzen zu schaffen. Angesichts meiner täglichen Kalorienbilanz kann ich nicht zunehmen, nur sieht mein Körper das anders. Mit den Hormonen nahm ich über 40 Kilo ab und hielt das Gewicht. Seitdem ich keine Hormone mehr nehme, nehme ich wieder zu. Ich fühle mich dem wehrlos ausgeliefert und habe einmal mehr keine Kraft. Dazu kommen Migräne, Schlafstörungen und das wieder aufgeflammte Reflux-Syndrom. Das war schon fast weg. Ich schaffe mit Mühe den minimalsten Alltag, aber mehr ist einfach nicht drin, obwohl ich mehr machen möchte. Und dann sind da noch Depression und Trauer, zwei Begleiter, die wie Bremsklötze sind. 

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 322. 

Letztes Wochenende war ich bei einem ganztägigen Heimwerker-DIY-Workshop. Ich war sehr gespannt, ob ich den ganzen Tag durchstehe, denn jede Stubenfliege kann sich besser konzentrieren als ich, und was mich erwartet. Ich befürchtete als Dozenten einen gestandenen Handwerksmeister, den typischen "alten weißen Mann". Dass unter den Teilnehmenden Männer sein würden, hätte mich überrascht, denn kaum ein Mann gibt zu, dass er beim Heimwerken Defizite hat, und war deswegen nicht überrascht, mit lauter Frauen im Kurs zu sein. Der Dozent entpuppte sich als junger, sehr reflektierter Mann, der sich sein komplettes Wissen selbst beigebracht hat. Der gesamte Kurs war ein Glücksgriff! Binnen kurzer Zeit wurde beschlossen, WhatsApp-Gruppe und eMail-Verteiler zwecks gegenseitiger Hilfe einzurichten. Es stellte sich heraus, dass eine Teilnehmerin quasi eine Nachbarin ist und auch verwitwet. Ich muss mal gucken, was ich mit den neuen Kontakten anfange, bin ich doch recht soziophob und unsicher (ja, ich weiß, ich kann das gut überspielen). 

Jedenfalls habe ich durch den Kurs die Scheu vor Werkzeug verloren und mir gestern im Discounter eine Säge gekauft, die per USB aufgeladen wird (sie war so preiswert, dass ich dachte, da mache ich wenig falsch, und es ist eine Bedienungsanleitung dabei). Ich steige nämlich nicht nur durch die Sägen des Gatten nicht durch, sondern auch durch die dazugehörigen Akkus. Ich war schon stolz wie Bolle, als ich es schaffte zu verstehen, welcher Akku in den Rasenmäher passt. 

Außerdem kam lieber Besuch. Ich habe den Deckchair auf den Balkon gewuchtet, wo er sich gut macht. Jetzt warte ich nur noch auf wärme Temperaturen, um ihn nutzen zu können. So war es dann trotz Maladie und Malaisen eine gute Woche.

Bei der Witwenrente ging's einen Schritt weiter: Meine Personalsachbearbeiterin hat drei Wochen ein weiteres Formular ausgefüllt und zurückgesandt. Aktuell scheitert die DRV daran, dass ich nicht jeden Monat den gleichen Betrag verdiene und von meinem Arbeitgeber einen Zuschuss zum Krankengeld bekam. Da weiß man nicht, wie man das anrechnen soll. DRV und Personalsachbearbeiterin sind da unterschiedlicher Meinung. Ich werde Ende Juli, kurz vor Reha-Beginn noch mal bei der DRV nachfragen. Vom Erbschein gibt es nichts neues. Bei der Bankgeschichte aus dem Nachlass meiner Mutter bin ich neu drei Formulare von der endgültigen Kapitalübertragung entfernt. Dann kann ich wenigstens das abhaken. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.