Samstag, 16. Mai 2026

Samstagsplausch KW 20/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXXII

Das Pendeln ist aktuell noch anstrengender als sonst, und ich bin heilfroh, dass ich es meistens nur zwei Mal in der Woche machen muss. Die Bahnstrecke nach Hannover wird saniert, so dass der Verkehr für mindestens zehn Wochen über unsere Kleinstadt geführt wird. Der Zug kommt morgens also schon voller als voll hier an. Keine Chance mehr auf einen Sitzplatz, stattdessen knapp eine halbe Stunde stehen. Mittlerweile steht in der DB-App der Hinweis "Zustieg kann nicht garantiert werden". Das werden tolle Wochen bis Mitte Juli. 

Gleichzeitig ist für einige Wochen die S-Bahn-Strecke zwischen Neugraben und Wilhelmsburg gesperrt, was in Harburg zu teils chaotischen Zuständen führt. Zu viele Menschen wollen in zu wenig Züge. Da bin ich dann froh, wenn ich zumindest einen Stehplatz ergattern konnte. Nachmittags gilt das gleiche umgekehrt. Sollte es einen Schienenersatzverkehr geben, dauert der vermutlich länger als die Bahnfahrt und ist ebenfalls überlastet. Kommt es zu den beliebten Oberleitungsschäden, zu Stellwerksstörungen, kurzfristigen Personalausfällen, Reparaturen am Zug oder Polizeieinsätzen, geht gar nichts mehr. Zugausfälle sind in der aktuellen Lage fatal, kommen aber täglich vor. Das Auto ist keine Alternative, es sei denn, ich wäre vor sieben Uhr im Büro. Das muss nun auch nicht sein.  

Dass die Verstärkerzüge schon lange nicht mehr in vollem Umfange fahren, passt zur aktuellen Situation. Immerhin fahren aktuell noch zwei Züge pro Richtung, muss ich nicht ab / bis Bremen oder von einem der kleineren Unterwegsbahnhöfe pendeln, denn da fährt es nur noch einer pro Stunde. Als der Gatte vor vier Jahren entschied, dass er in die lindgrüne Hölle ziehen möchte, fuhren noch drei Züge pro Stunde zwischen Hamburg und Bremen. Gerüchteweise gab es sogar Zeiten, in denen vier Züge pro Stunde fuhren. 

Seitdem ich vor acht Wochen auf ärztlichen Rat das Progesteron absetzte, weiß ich oft nicht, wohin vor Schmerzen. Selbst mit der Höchstdosis an Schmerzmitteln kann ich mich kaum bewegen. Ich habe jetzt einen Termin in der Hormonsprechstunde meiner Frauenarztpraxis und hoffe, die Ärztin, die die Sprechstunde anbietet, kann was. Ich möchte es mit der gewohnten Praxis versuchen, ehe ich versuche, einen Termin in einer anderen zu bekommen. Laut Vita ist sie darauf spezialisiert, Frauen in den Wechseljahren zu begleiten, was immer das heißen mag. Bislang war ich ja bei ihrem Kollegen in Behandlung, der meint, ich müsse mich nur mehr bewegen und weniger essen, wie so viele seiner Kolleginnen in den letzten vier Jahrzehnten. Deswegen wurde meine Hormonstörung nicht behandelt, obwohl erkannt. 

Mir geht es genau so dreckig wie vor sechs Jahren, bevor ich mit der Hormonersatztherapie anfing. Vor allem, dass ich ständig zunehme, macht mir neben den Schmerzen zu schaffen. Angesichts meiner täglichen Kalorienbilanz kann ich nicht zunehmen, nur sieht mein Körper das anders. Mit den Hormonen nahm ich über 40 Kilo ab und hielt das Gewicht. Seitdem ich keine Hormone mehr nehme, nehme ich wieder zu. Ich fühle mich dem wehrlos ausgeliefert und habe einmal mehr keine Kraft. Dazu kommen Migräne, Schlafstörungen und das wieder aufgeflammte Reflux-Syndrom. Das war schon fast weg. Ich schaffe mit Mühe den minimalsten Alltag, aber mehr ist einfach nicht drin, obwohl ich mehr machen möchte. Und dann sind da noch Depression und Trauer, zwei Begleiter, die wie Bremsklötze sind. 

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 322. 

Letztes Wochenende war ich bei einem ganztägigen Heimwerker-DIY-Workshop. Ich war sehr gespannt, ob ich den ganzen Tag durchstehe, denn jede Stubenfliege kann sich besser konzentrieren als ich, und was mich erwartet. Ich befürchtete als Dozenten einen gestandenen Handwerksmeister, den typischen "alten weißen Mann". Dass unter den Teilnehmenden Männer sein würden, hätte mich überrascht, denn kaum ein Mann gibt zu, dass er beim Heimwerken Defizite hat, und war deswegen nicht überrascht, mit lauter Frauen im Kurs zu sein. Der Dozent entpuppte sich als junger, sehr reflektierter Mann, der sich sein komplettes Wissen selbst beigebracht hat. Der gesamte Kurs war ein Glücksgriff! Binnen kurzer Zeit wurde beschlossen, WhatsApp-Gruppe und eMail-Verteiler zwecks gegenseitiger Hilfe einzurichten. Es stellte sich heraus, dass eine Teilnehmerin quasi eine Nachbarin ist und auch verwitwet. Ich muss mal gucken, was ich mit den neuen Kontakten anfange, bin ich doch recht soziophob und unsicher (ja, ich weiß, ich kann das gut überspielen). 

Jedenfalls habe ich durch den Kurs die Scheu vor Werkzeug verloren und mir gestern im Discounter eine Säge gekauft, die per USB aufgeladen wird (sie war so preiswert, dass ich dachte, da mache ich wenig falsch, und es ist eine Bedienungsanleitung dabei). Ich steige nämlich nicht nur durch die Sägen des Gatten nicht durch, sondern auch durch die dazugehörigen Akkus. Ich war schon stolz wie Bolle, als ich es schaffte zu verstehen, welcher Akku in den Rasenmäher passt. 

Außerdem kam lieber Besuch. Ich habe den Deckchair auf den Balkon gewuchtet, wo er sich gut macht. Jetzt warte ich nur noch auf wärme Temperaturen, um ihn nutzen zu können. So war es dann trotz Maladie und Malaisen eine gute Woche.

Bei der Witwenrente ging's einen Schritt weiter: Meine Personalsachbearbeiterin hat drei Wochen ein weiteres Formular ausgefüllt und zurückgesandt. Aktuell scheitert die DRV daran, dass ich nicht jeden Monat den gleichen Betrag verdiene und von meinem Arbeitgeber einen Zuschuss zum Krankengeld bekam. Da weiß man nicht, wie man das anrechnen soll. DRV und Personalsachbearbeiterin sind da unterschiedlicher Meinung. Ich werde Ende Juli, kurz vor Reha-Beginn noch mal bei der DRV nachfragen. Vom Erbschein gibt es nichts neues. Bei der Bankgeschichte aus dem Nachlass meiner Mutter bin ich neu drei Formulare von der endgültigen Kapitalübertragung entfernt. Dann kann ich wenigstens das abhaken. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

Freitag, 15. Mai 2026

#12von12 im Mai 2026

Caro von "Draußen nur Kännchen" sammelt wie jeden Monat am 12. des Monats 12 Impressionen des Tages - vielen Dank dafür! Hier kommen meine Mai-Bilder. 

#1: Den Gatten Guten Morgen sagen.

#2: Durch den kleinen Hohlweg zum Bahnhof. Den Weg nahm ich schon als Kind. Lange werde ich ihn nicht mehr gehen können, denn das angrenzende Grundstück wird bebaut. Dadurch fällt der Weg weg.

#3: Im Büro wird erstmal gefrühstückt. 

#4: Auf die Frühstückspause folgt unweigerlich die Mittagspause.

#5: Auf die Mittagspause folgt der Feierabend. Doch, doch, ich habe auch gearbeitet.

Heute ist einer von zwei Echtbüro-Tagen, wobei ein Dienstag meistens deutlich entspannter ist als ein Mittwoch. Heute bin ich sogar alleine im Büro. Der Rest ist krank, hat Urlaub oder arbeitet zu Hause. Es sind Ferien, es ist paradiesisch ruhig. Ich kann wie geplant Feierabend machen und nach Feierabend zu einer Ärzterunde starten. Als Chronikerin muss ich jedes Quartal neue Medikamente haben. Das geht erfreulicherweise alles ganz geschmeidig, so dass ich tatsächlich nur eine Stunde später als sonst zu Hause bin. 

#6: Der Metronom ist bis Mitte Juli voller als sonst. Die S-Bahn fährt nicht zwischen Wilhelmsburg und Neugraben, so dass viele den Regionalexpress nutzen. Außerdem wird der Verkehr nach Hannover zurzeit über meinen Wohnort umgeleitet. Ich habe Glück, dass ich einen Sitzplatz bekomme. 

#7: Als ich am Bahnhof ankomme, ist ein Bus da. Ich nutze die Chance und fahre eine Station mit. Das ist Premiere, denn normalerweise laufe ich die anderthalb Kilometer vom Bahnhof nach Hause, weil das schneller geht als mit dem Bus, der zudem nur alle halbe Stunde fährt. Um ganz bis nach Hause zu fahren, müsste ich jetzt noch auf einen anderen Bus warten. Stattdessen laufe ich den restlichen Weg. 

#8: Der Lieblings-Postbote war da. Irgendwann sprach er mich an, und da zeigte sich, dass er im Ehrenamt einer der Kooperationspartner "meines" Projektes ist. Er nutzt zudem gerne das Fähnchen am Briefkasten, und dadurch weiß ich immer, wann er die Post brachte. 

#9: Die Spülmaschine wartet schon seit dem Morgen darauf, ausgeräumt zu werden.

#10: Blick in den abendsonnigen Garten. Zum Draußensitzen ist es leider zu kalt.

#11: Die Brotdose für den nächsten Tag wird vorbereitet. Sie ist etwas voller als die für heute, da der Tag länger wird. 

#12: Das Kuschel-Rudel will noch etwas lesen*

Der Blick zurück in die ersten sechs Corona-Jahre: Im Mai 2020 war Tante das letzte Mal zu Besuch in Schwiegermutters Haus, bereiteten wir Schwiegermutters Umzug in die Seniorenwohnanlage vor. Im Mai 2021 war der Gatte schon über ein halbes Jahr schwer krank und zum zweiten Mal im Krankenhaus. Im Mai 2022 hatte ich noch die Kraft, vor der Arbeit Schwimmen zu gehen, ergatterten wir Öl, das durch den Ukraine-Krieg kurzfristig sehr knapp und teuer war. Im Mai 2023 bereitete ich mich auf die Trauerfeier für meine Mutter vor. Eigentlich wollten wir schon einige Wochen im alt-neuen Haus sein, wollten, das meine Mutter sieht, was wir aus dem Haus gemacht haben. Im Mai 2024 waren wir umgezogen und warteten auf die neue Küche. Am 12. Mai 2025 mähte der Gatte zum letzten Mal Rasen in dem Garten, den er so liebte. Ich wünschte, wir hätten hier noch viele Jahre miteinander eben dürfen, aber uns war kein halbes Jahr mehr vergönnt. / *Affiliate link

Dienstag, 12. Mai 2026

#WMDEDGT 05/26: Stille und Trauer II

Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln!

Heute ist Dienstag, eigentlich ein Echtbüro-Tag. Als der Wecker um sechs Uhr klingelt, wache ich auf nassen Kissen auf. Anscheinend habe ich in der Nacht viel geweint - Trauerbewältigung im Schlaf, sozusagen. Ich bin völlig zerschlagen und beschließe nach längerem Überlegen, das Angebot meiner Chefin anzunehmen, mich jederzeit abzumelden, wenn's einfach nicht geht. Heute geht's einfach nicht. Heute ginge noch nicht mal Heimbüro. Das wäre meine Wahl gewesen, wenn irgendetwas brennen würde, ich erreichbar sein müsste. 

Ich schaffe es, einigermaßen wach zu bleiben, bis mein Rechner hochfuhr und die Mail ans Büro geschrieben ist, bevor ich wieder ins Bett falle und komatös noch etwas schlafe. 

Irgendwann schaffe ich es, aufzustehen, Kaffee zu kochen und zu frühstücken. Dafür muss ich nur die Brotdose* aus dem Kühlschrank holen, die ich am Vortag für's Büro fertig machte. Gleiches gilt später für's Mittagessen: Im Kühlschrank wartet ein Lunch-Pot* mit Hafermilch-Milchreis und Erdbeeren.

Den größten Teil des Tages verbringe ich eingekuschelt im Relax-Sessel des Gatten, lese* und gucke fernsehen. Der Relax-Sessel ist beheizt. Die Wärme tut gut, denn seit der Beendigung der Hormonersatztherapie weiß ich vor Schmerzen nicht mehr wohin. Die Wärme hilft etwas. Zum Stricken habe ich schon lange keine Kraft mehr. Ich denke zu oft an die Zeit vor einem Jahr, als wir Schwiegermutters 90. Geburtstag an der Ostsee feierten, eine Reise mit einem fürchterlichen Streit, den Schwiegermutter vom Zaun brach. Die Vorwürfe, die sie ihrem Sohn machte, waren einfach unglaublich (und absolut ungerechtfertigt). Ich habe den Gatten noch nie so verletzt und wütend gesehen! Es sollte der letzte Geburtstag sein, den Schwiegermutter mit ihrem Sohn feiern konnte. 

Ich gucke kurz in die Büro-Signal-Gruppe und lese, "meine" Website wäre down. Bevor ich meine Kollegin kontaktieren kann, meldet sie sich selbst in der Gruppe und schreibt, die Website wäre wieder online. Ich freue mich, dass es ohne mich läuft. 

Irgendwann schaffe ich es zumindest, mich soweit aufzuraffen, an den Schreibtisch zu gehen. Ich schaffe es, bei der DRV nach dem Bearbeitungsstand meines Antrags auf Witwenrente zu fragen, den ich vor erst 25 Wochen stellte. Der Antrag ist noch immer nicht final entschieden. Ich wünschte, ich könnte den Antrag einfach ignorieren, aber ebenso wie bei den beiden Lebensversicherungen des Gatten muss ich das alles einmal zum Abschluss bringen, umso mehr, weil es bei der Witwenrente auch darum geht, wie viel Geld ich zukünftig jeden Monat zur Verfügung habe. Ohne Rücklagen wird es schwierig, sofern ich mir nicht abgewöhne, zu essen oder zu trinken (von Luxus wie neuer Kleidung, Hobbies oder Urlaub reden wir gar nicht erst). Natürlich kann ich den Luxus der Lifestyle-Teilzeit aufgeben, aber das möchte ich erst, wenn sicher ist, dass ich es muss. Ich bin faul, ich weiß. 

Ich bekomme endlich den PMDD-Beitrag für April fertiggestellt. Ich schaffe es, die Spülmaschine auszuräumen, und da ausnahmsweise mal kaum Geschirr auf den nächsten Spülgang wartet, starte ich ein Reinigungsprogramm. Ich denke sogar daran, das in den Kalender einzutragen, damit ich mich nächsten Monat nicht wieder frage, wann die Spülmaschine zuletzt gereinigt wurde.    

Zum Abendessen wärme ich Kichererbsen-Kabanossi-Eintopf auf. Ich denke daran, die Lasagne aus dem Tiefkühler nehmen. Sie wird es morgen und Freitag geben. Natürlich muss ich daran denken, wie ich sie Mitte Oktober zubereitete, als letztes Abendessen, das der Gatte in seinem Leben essen sollte. Er schaffte nur ein paar Bissen, konnte nicht mehr richtig schlucken, aber etwas Vanille-Eis mit Amarenasauce konnte er danach noch essen.  

Ich gehe früh ins Bett in der Hoffnung, am kommenden Tag fitter zu sein, und lese* noch etwas länger.

Der Blick zurück in die ersten sechs Corona-Jahre: Am 5. Mai 2020 war der Gatte noch gesund und in Kurzarbeit, während ich durch die Spontan-Digitalisierung meines Mammutprojekts jede Menge Überstunden ansammelte. Am 5. Mai 2021 war der Gatte schon über ein halbes Jahr krank, stand der zweite Krankenhausaufenthalt unmittelbar bevor. Am 5. Mai 2022 konnte ich den Gatten aus dem Krankenhaus abholen, wo er nach einem Sturz im Urlaub zur Beobachtung war. Am 5. Mai 2023 schrieb ich Trauerbriefe. Ich ahne noch nicht, dass ich das anderthalb Jahre später wieder machen muss. Am 5. Mai 2024 sind wir mit der Küchenplanung beschäftigt. Am 5. Mai 2025 machen wir zum letzten Mal alle vier gemeinsam Urlaub. Wir ahnen nicht, dass der Gatte und ich kein halbes Jahr mehr zusammen sein dürfen. 

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Samstag, 9. Mai 2026

Samstagsplausch KW 19/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXXI

"Sie haben vergessen anzugeben, dass Sie zuckerkrank sind!" - "Ich bin zuckerkrank?" - "Sie nehmen Metformin!" - "Ich nehme das off label, weil ich PCOS habe." - "Kenne ich nicht! Sie nehmen Metformin. Sie haben Diabetes." 

Der Dialog mit dem Arzt beim Blutspenden machte mich wieder mal sehr mütend. Die Ärzte, die mir bislang begegneten und PCOS kennen, kann ich an einer Hand abzählen. Es ist einfacher, Diabetes zu diagnostizieren, obwohl meine Blutzuckerwerte vorbildlich sind, und Frauenkrankheiten sind für die Medizin ja ohnehin uninteressant, kommen im Studium allenfalls am Rande vor. Aber immerhin wurde ich trotz dieser Fehldiagnose zum Blutspenden vorgelassen. Beim nächsten Blutspenden muss ich dann das Diabetes-Thema erneut erörtern - oder ich verschwiege zukünftig die Metformin-Einnahme ... 

Nach dem Blutspenden erholte ich mich wie gefordert brav, saß den größten Teil des Nachmittags im Garten und las. Es war schwierig, ohne den Gatten im Garten zu sitzen, aber ich bin fest entschlossen, mir das nicht von der Trauer nehmen zu lassen, anders als meine Mutter und meine Schwiegermutter, die nach dem Tode ihrer Männer nicht mehr alleine im Garten saßen. 

Ansonsten war die Woche das normale Chaos. Dienstag warf mich die Trauer um, ging gar nichts mehr. Seitdem ich keine Hormone bekomme, kämpfe ich zudem mit hartnäckigen Schmerzen. Ohne Schmerztabletten geht's selten. Aber da es laut Gynäkologen nicht sein kann, dass die Schmerzen von den fehlenden Hormonen kommen, muss ich da durch. Mir ist eine Gynäkologin empfohlen worden, die Wechseljahre und Hormone kann. Ich werde kommende Woche mal anrufen, bezweifle aber, dass sie neue Kassenpatienten nimmt. Mal gucken, ob ich einen Selbstzahler-Termin bekommen kann, zumal ich meinen jährlichen Gyn-Termin schon hatte, die Krankenkasse nicht mehr zahlt. 

Das Hotel, in dem Schwiegermutter und Tante urlauben, lieferte wie bestellt einen Blumenstrauß zu Schwiegermutters Geburtstag. Kurzfristig bin ich die beste Schwiegertochter von allen - zumindest bis morgen, wenn Tante auch einen Blumenstrauß zum Geburtstag bekommt und Schwiegermutter merkt, dass der nicht für sie zum Muttertag ist ... Ansonsten findet Schwiegermutter den Urlaub doof, was aber keinesfalls an ihr liegt, sondern an Tante, die alles vergisst und / oder falsch macht, an dem Hotel, das zu voll ist usw. Sie kam zu dem Ergebnis, sie können mit Tante nicht mehr verreisen. Ich hoffe, sie kommt nicht zu dem Ergebnis, zukünftig mit mir verreisen zu wollen. 

Ich habe die Balkonverglasung in Auftrag gegeben, trotz Panik-Attacke wegen des Geldes. Es ist so ungewohnt, ohne Absprache mit dem Gatten etwas zu beauftragen. Andererseits folgt die Balkongestaltung seinem Plan, erfülle ich seinen Wunsch (und meinen, denn gefiele mir die Gestaltung nicht auch, ließe ich sie nicht ausführen, ist hoffentlich klar). Ich habe beschlossen, ich taste jetzt die Rücklagen an, die für die Sanierung vorgesehen sind, auch wenn ich noch immer noch weiß, mit welchem Betrag ich monatlich rechnen kann, weil ich noch keinen Bescheid über die Witwenrente habe. Ich möchte im Haus endlich mal weiterkommen, möchte mich hier soweit zu Hause fühlen können, wie es ohne den Gatten geht, will nicht länger auf einer Baustelle, in einem Provisorium leben. 

Noch lieber als den Balkon hätte ich die Gestaltung des Vorgartens beauftragt, aber wenn der fertig ist, müsste er regelmäßig gegossen werden, und da ich wochenlang zur Reha bin, warte ich mit dem Vorgarten bis zum Herbst oder bis zum nächsten Frühling.

Ich habe bei der DRV angerufen, aber mein Antrag auf Witwenrente ist noch immer nicht bearbeitet. Ich habe ihn ja auch erst vor 25 Wochen gestellt. Die DRV hatte vor drei Wochen eine Nachfrage bei meinem Arbeitgeber, richtete die aber natürlich entgegen meiner Bitte nicht an die von mir genannte Personalsachbearbeiterin, sondern ans Personalamt, wo man für bummelig 70.000 Mitarbeitende zuständig ist. Ich habe meine Personalsachbearbeiterin gebeten, mich zu informieren, wenn sie der DRV antwortete, aber die Kollegin leidet nicht unter Langeweile. Ich bin gespannt, ob sie sich meldet. Dusseligerweise kann ich wie bei den Lebensversicherungen des Gatten das Thema nicht einfach für mich abhaken, sondern muss es einmal zum Abschluss bringen, egal, wie lange es dauert, egal, wie belastend es ist. Vielleicht habe ich nach der Reha die Kraft, einen Anwalt einzuschalten - passend zum ersten Todestag des Gatten.

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 321. 

Durch den Garten streift seit einiger Zeit eine wunderschöne schwarze Katze. Als sie zum ersten Mal an der Terrassentür vorbeischlich, erschrak ich, weil ich dachte, es wäre eine riesige Ratte ... Ich hoffe, die Miez weiß, was sie mit Ratten machen muss, und ich hoffe, der Kammerjäger hat recht damit, dass Katzen keine vergifteten Ratten fressen. Nach zwei Wochen und einem Beratungsgespräch bekam ich zudem das bestellte Rattengift. Da am Haus unser Kaminholz lagert, werde ich dort und im Gartenhäuschen auf jeden Fall ganzjährig ködern. Effektiver sind Schlagfallen, aber die müssten wöchentlich kontrolliert werden, und das kann ich nicht gewährleisten.

Highlight diese Woche war das monatliche Stricktreffen. Danach merkte ich aber wieder mal: Wenn ich nach 21 Uhr ins Bett gehe, schlafe ich ausgesprochen schlecht und unruhig. Ich hoffe, das gibt sich wieder. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

Dienstag, 5. Mai 2026

#pmdd2026: Der 28. April 2026

An jedem 28. eines Monats ist Picture my Day-Day, kurz pmdd. Ich finde, das ist ein schönes Tagebilderbuch. Mitmachen ist einfach: Fotos vom Tag machen, bloggen oder mit #pmdd2025 auf Bluesky, Facebook oder Instagram einstellen. Gesammelt wird alles auf dieser Seite.

Schnuffi ermahnt mich, aufzustehen.

Noch ist es nur zu erahnen: Der alte Apfelbaum, der in den letzten drei Jahren nach kräftigen Rückschritten schmollte, hat reichlich Blüten angesetzt. Durch das warme Wetter soll er drei Tage später geradezu in Blüten explodiert sein. 

Schnuffi sitzt auf seinem Beobachtungsplatz. Seitdem sein Herrchen am 17. Oktober zum letzten Mal aus dem Schlafzimmer ging, hofft er, dass sein Herrchen eines Tages wieder durch die Tür kommt. 

Dem Gatten Guten Morgen sagen.

Die Winterjacke gegen die Wetterjacke wechseln. Um morgens ohne Jacke aus dem Haus zu gehen, ist es noch zu kalt. 

Die Jacke hatte ich anscheinend zuletzt an, als ich mit der Mitarbeiterin der Friedhofsverwaltung nach einer Grabstätte für den Gatten und mich suchte. Es wurde Wunschgrab Nummer 2: Letzte Reihe unter den Bäumen.

Auf den Zug warten und lesen. "Elbnächte*" gefällt mir allerdings nicht sehr. Der einarmige Protagonist nutzt öfter beide Hände, und in Harvestehude kann man einfach in die Elbe springen. Wer braucht schon ein Lektorat? 

Ich werde von der Sperrung der Mönckebergstraße überrascht und muss mit der U-Bahn ins Büro. So komme ich dazu, mal wieder das Mosaik zu sehen, das an die ehemalige Wasch- und Badeanstalt am einstigen Schweinemarkt erinnert.

Erstmal den Kalender aktualisieren.

Während meines Urlaubs gab's einen floralen Unfall.

Endlich wieder ordentlicher Kaffee im Büro. Ich mag aktuell keinen Nescafé mehr und bekam eine Kaffeemaschine aus einem Nachlass. 

Zeit für's Frühstück.

Und schon ist Zeit für's Mittagessen: Gebackener Rhabarber auf Hafermilch-Couscous.

Und schwupps ist schon wieder Feierabend. Lifestyle-Teilzeit ist großartig.

Ich erwische einen Zug früher nach Hause! Wäre ich gerannt, hätte ich auch zwei Züge eher bekommen, aber Rennen verbrennt nur unnötig Kalorien. 

Gleich bin ich zu Hause.

Heute ist Dienstag, Echtbüro-Tag, Routine, ein ruhiger Tag mit einem ruhigen Nachmittag und einem ruhigen Abend. 

Langt dann auch für heute.

Der aktuelle Blumenstrauß. Der Gatte schenkte mir diese zweifarbigen Rosen besonders gerne. Als wir noch in der Wohnung lebten, passten sie farblich zum Sofa und zum Esszimmer. 

Wäsche abnehmen. Seitdem ich alleine bin, trocknet die Wäsche auf dem Balkon oder im Arbeitszimmer des Gatten.

Die Spülmaschine will ausgeräumt werden.

Der Gatte würde sich über den üppig blühenden kleinen Apfelbaum sehr freuen.

An den roten Margeriten kam ich nicht vorbei. Sie sind ein Farbtupfer inmitten der Giersch-Wildnis.

Die üppig blühende Kamelie würde den Gatten freuen. Ich muss sie dringend hochbinden.

Im Moment muss ich wieder Kalorien tracken. Heute passt es einigermaßen. 

Das Frühstück für Morgen vorbereiten. 

Das Abendessen muss zum Glück nur aufgewärmt werden, wie meistens an den Echtbüro-Tagen.

Wasser ins Arbeitszimmer tragen. Den Holzträger fand ich durch Zufall am Straßenrand, als ich am 5. August 2025 aus dem Krankenhaus vom Abendbesuch beim Gatten zurück kam. Der Gatte liebte solche Träger. Wir haben einige davon.

Blick in den Abendhimmel. Ich brauche immer noch sehr viel mehr Schlaf als die ärztlich erlaubten sechs Stunden. 

Wie jeden Tag, liest das Kuschelrudel noch vor dem Einschlafen*

Der obligatorische Blick zurück in die ersten sechs Corona-Jahre: Am 28. April 2020 kam Tante zum letzten Mal zu Besuch in Schwiegermutters Haus, nähte ich die ersten Masken, weil zwei Tage vorher die Maskenpflicht ausgerufen wurde. Am 28. April 2021 trug der kleine Apfelbaum nach dem Umzug in unseren Wohnungsgarten die ersten Blüten. Leider wurden keine Früchte daraus. Jetzt fühlt er sich im Garten des alt-neuen Hauses wohl. Ich wünschte, der Gatte könnte ihn sehen. Am 28. April 2022 feierten wir das dreijährige Zusammensein von Mudderns und ihrer Gesellschafterin. Am 28. April 2023 verabschiedete ich mich von meiner Mutter. Am 28. April 2024 waren wir endlich umgezogen, hatte ich noch Kraft für Gartenarbeit. Am 28. April 2025 hatte der Gatte zwei Arzttermine in zwei Städten, zu denen ich ihn fahren und begleiten musste. Er freute sich sehr auf den Einkaufsbummel nach dem zweiten Arztbesuch, war aber zu schwach, so dass ich alleine einkaufte. Wir sollten keine sechs Monate mehr zusammenleben dürfen. / *Affiliate links


Samstag, 2. Mai 2026

Samstagsplausch KW 18/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXX

Dienstag waren die Blüten am alten
Apfelbaum nur zu erahnen. Vier Tage 
später explodierten sie geradezu.
Das Blütenmeer hätte dem Gatten gefallen.
Er war so traurig, dass der Baum nach dem 
Beschneiden zwei Jahre lang schmollte.
Letzten Freitag, an meinem letzten Urlaubstag, überlegte ich, ob ich meine Kollegin frage, ob ich spontan den Urlaub verlängern kann. Die Zeit zu Hause tat mir gut, ich hatte das Gefühl, ich kam endlich mal auf der Baustelle voran. Den Schwung hätte ich gerne weiter genutzt, aber meine Kollegin war ja lange krank, da wollte ich sie jetzt nicht gleich mit längerem Urlaub überfordern. 

Ich hätte den Urlaub mal verlängern sollen, denn die Woche war ziemlich chaotisch. Ich war froh, dass es nur vier Tage waren. Meine Kollegin hat mich wie gewohnt perfekt vertreten. Für Chaos sorgten eine neue Software und eine Druckerei. Letztere lieferte einen Auftrag ohne jegliche Absprache fast drei Wochen zu früh aus. Das passierte nicht zum ersten Mal, aber angesichts meiner aktuellen Stimmung vermutlich zum letzten Mal. Wir planen unsere Aufträge ja nicht umsonst mit exakten Daten, die die Druckerei mit der Ausschreibung natürlich auch erfährt. Am Druck hängt ein organisatorischer Rattenschwanz dran, gibt es genau abgesprochene Lieferzeitfenster, da kann man nicht einfach ohne Absprache fast drei Wochen früher kommen.

Die neue Software nutzen wir für Bestellungen aller Art. Sie wurde eingeführt, weil sie Bestellungen im Vier-Augen-Prinzip ermöglicht und deswegen besonders revisionssicher ist. Sie ist so revisionssicher, dass sie in meinem Namen Bestellungen genehmigt, auf die ich keinen Zugriff habe, und die ich nicht veranlasste! Als ich den Support fragte, ob das so soll, bejahte man und beschied mir, ich hätte die Schulungsunterlagen nicht verstanden. Ja, nee, is klaa. Ich ließ das ganze über meine beiden Chefinnen eskalieren mit dem Ergebnis, der Prozess ließe sich aus technischen Gründen nicht ändern - Tech-Sprech für "Wir haben es so gründlich vergeigt, dass wir nicht wissen, wie wir das Problem lösen sollen." Ich führe jetzt also eine Excel-Liste mit Bestellungen, die ich genehmigte bzw. nicht genehmigte. Doch, doch, die neue Software erleichtert die Arbeit ungemein. 

Die Kollegen kämpfen immer noch mit den Folgen der aktuellen Infektionen. Dieses Jahr kommt es mir extrem lange vor. Maske trägt natürlich niemand, obwohl fast alle Risikogruppen, aber meine Vertretungskollegin sitzt bei Besprechungen jetzt immer neben mir, weil: "Du hast doch den Luftfilter". Schon schön. 

In dieser Woche hatte ich andauernd das Gefühl, ich müsse den Gatten anrufen oder im wenigstens SMS schicken, damit wir wissen, was bei uns los ist, weil er doch unterwegs ist, wir uns so lange nicht mehr sahen. Aber der Gatte ging ja für immer. 

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 320. 

Schwiegermutter kam gut bei Tante an, und beide Damen kamen gut im Kurort an. Am Hotel gibt es aber etwas zu meckern, denn die Zimmer sind renoviert. Im Einzelzimmer steht das Bett nicht an der Wand, sondern mitten im Zimmer, mit Ablageflächen rechts und links. Die Kleiderschränke stehen jetzt auch irgendwie falsch, und der Balkon ist zu heiß. Heißt: Schwiegermutter geht es gut, denn sie kann meckern. Nichts zu meckern hat sie aktuell über mich - ich bin gerade die beste Schwiegertochter aller Zeiten. Mal schauen, wie lange der Zauber anhält, denn ich habe nicht vor, sie in absehbarer Zeit zu besuchen oder sie zu mir einzuladen.

Vom Nachlassgericht gab's eine weitere Nachfrage wegen des Erbscheins. Von der DRV gibt es auch nach 24 Wochen keinen Bescheid über eine evtl. Witwenrente. Ich habe das jetzt auf wöchentlicher Vorlage, rufe da jetzt jeden Montag an. Eigentlich könnte sich schon lange ein Anwalt darum kümmern, aber dazu habe ich aktuell keine Nerven, weil noch so viel anderes erledigt werden will. 

Heute habe ich es endlich geschafft, etwas im Garten zu arbeiten. Eigentlich sollte ich damit warten, bis die Ratten weg sind, aber ich konnte das Elend nicht mehr sehen. Die Terrasse ist soweit aufgeräumt, dass ich dort gemütlich sitzen kann. Ein Schüttraummeter Holz ist aus dem Häuschen ans Haus transportiert und gestapelt. Der Rasen ist gemäht - eigentlich mache ich das nicht im Mai, aber wie gesagt: Ich konnte das Elend nicht mehr sehen. Der Giersch ist soweit gerodet, dass ich mit Gierschfrei arbeiten kann, sobald die Rasenkanten gesetzt sind. Dusseligerweise beschädigte ich beim Roden das kleine Fliederbeerbäumchen - ich hoffe, es überlebt das.

Der Kammerjäger kam zur Kontrolle und fand wenig Fraßspuren an den Köderboxen. Ob das mit dem Ultraschall-Gerät zusammenhängt, das ich in die Außensteckdose stöpselte? Sollte das tatsächlich wirken? Jedenfalls sah ich länger keine Ratte mehr. In zweieinhalb Wochen kommt der Kammerjäger zur nächsten Kontrolle. Die Terrassentüren halte ich sicherheitshalber weiterhin geschlossen. Ich bin froh über die Klöntür in der Küche, denn so kann ich dort ein Fenster öffnen anstelle der ganzen Tür, und ich bin froh über das neue Fenster im Esszimmer, denn das alte ließ sich nicht öffnen. So habe ich Durchzug im Erdgeschoss. 

Der Deckchair wurde geliefert, muss übermorgen abgeholt werden. Damit ist der schneller da als die Balkonverglasung. Ich werde ihn trotzdem jetzt schon aufstellen, damit ich den Balkon nutzen kann. Vorher muss er allerdings geölt werden. Holzöl fand ich in der Werkstatt des Gatten. Pinsel hätte ich dort vielleicht auch finden können, hätte aber dafür mehr aufräumen müssen, als ich Kraft habe, und kaufte kurzerhand welche. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

Sonntag, 26. April 2026

Samstagsplausch KW 17/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXIX

"Heute ist es ein wenig übersichtlich",
meinte die Kartenabreißerin.
Joa, kann man so sagen, hoffentlich
nur bei der Sonntagsmatinée.

Was für eine Woche! Eigentlich hatte ich Urlaub (ja, auch wenn man nur Lifestyle-Teilzeit arbeitet, hat man Urlaubsanspruch - noch zumindest) und wollte es ruhig angehen lassen, aber so ganz klappte es nicht.

Sonntag spätnachmittags rief Tante an und teilte mir mit, Schwiegermutter wäre vor zwei Tagen gestürzt. Sie kam ins Krankenhaus, abends aber schon wieder in ihre Wohnung in der Seniorenwohnanlage, wo sie vom medizinischen Personal engmaschig überwacht werde. Schön, dass ich das so quasi nebenbei erfahre und nicht durch ihre Wohnanlage ... Jedenfalls bat Schwiegermutter Tante darum, mich anzurufen und zu fragen, ob ich ihr eine Fahrkarte für die anstehende Reise nach München buchen könne. Mich selbst wolle Schwiegermutter nicht stören, ich hätte mich ja so lange schon nicht gemeldet und immer so viel zu tun, da wolle sie mich nicht behelligen. 

Ähm, ja, nee, is klaa.  

Ich buchte Schwiegermutter natürlich die Fahrkarte und rief sie kurzerhand selbst an - ich bin zu erwachsen für stille Post. Mir gegenüber behauptete Schwiegermutter, sie habe weder mit Tante telefoniert noch sie um den Kauf einer Fahrkarte gebeten.

Ja, nee, is klaa.

Nach der Aufregung telefonierte ich dann nochmal in Ruhe mit Tante, wobei wir bezüglich Schwiegermutter einer Meinung waren. Tante erzählte, diese ominöse "Betreuerin", die sich um sie kümmere, habe sie nun gezwungen, einen Anwaltstermin zu machen, um sicherzustellen, dass sie nach Tantes Tod auf jeden Fall erbt, nicht Schwiegermutter oder ich! Was für ein Luder! Tante macht das alles mit, weil sie meint, sonst kümmere sich niemand um sie, helfe ihr niemand im Haushalt. Ich dringe nicht zu ihr durch mit der Info, dass sich das alles auch anders regeln ließe, dass sie sich nicht ausnehmen lassen muss wie eine Weihnachtsgans, also lasse ich Tante gewähren. Ich habe keine Kraft für einen weiteren Betreuungsfall, zumal Tante 800 km entfernt wohnt. Meine Angebote, für ein paar Tage zu ihr zu kommen und mich um Haushaltshilfe und Co zu kümmern, kommen ja bei Tante nicht an. 

Montag wartete ich auf den Milchschäumer und blickte verträumt auf die Terrasse, als mich von der Küchentreppe aus aus großen Augen eine Ratte anblickte, bevor sie in den Holzstapel neben der Küchentür verschwand! Ich dachte, ich gucke nicht richtig! Ich hatte letztens schon den Eindruck, eine Ratte husche über die Terrasse, dachte aber, das kann nicht sein! Ich machte gleich einen Termin mit dem Kammerjäger und bekam die Anweisung, die Terrasse in Ruhe zu lassen. Schön, denn eigentlich stand das Aufräumen der Terrasse für Montag auf meiner Liste. 

Stattdessen traf ich mich spontan mit dem Friedhofsgärtner, um die Bepflanzung des Gatten zu besprechen. Der Gärtner wird auch das Gießen übernehmen - eine Sorge weniger, während ich in Reha bin, und weniger Druck, regelmäßig zum Friedhof gehen zu müssen, obwohl die Kraft dazu fehlt. Als ich heute auf dem Friedhof war, war das Grab schon mit Mutterboden aufgefüllt, waren Kanten ausgewechselt bzw. neu gesetzt. Wenn ich das nächste Mal da bin, ist bestimmt schon gepflanzt. 

Dienstag und Mittwoch versuchte ich mich am Verlegen der Holzfliesen auf dem Balkon - und es klappte! Ich versuchte mich sogar an der Handkreissäge, aber mit der kam ich nicht zurecht, fand trotz diversen YouTube-Tutorials nicht den Fehler. Die Handkreissäge war aber ohnehin ungeeignet, egal, was der Gatte sagte, weil die Fliesen auf einem Gitter angebracht sind und instabil werden, wenn sie gesägt werden. Ein Seitenschneider leistet bessere Dienste, und für die Fliesen, bei denen ich nur ein paar Zentimeter wegnehmen musste, nahm ich eine Handsäge. Theoretisch könnte ich die Fliesen auch so verlegen, dass ich mit einer Stichsäge um den Balkonrand gehe, aber ich konnte in der Werkstatt des Gatten die Stichsäge nicht sicher identifizieren bzw. war nicht sicher, ob in dem, was ich als Stichsäge ansah, ein Sägeblatt gespannt ist, und wenn nicht, wo ich ein Sägeblatt in dem ganzen Chaos finde. Ich weiß jetzt aber, dass ich eine Tischkreissäge habe. Die werden ich auch erstmal behalten, wenn sie einen ordentlich Platz fand, und ich weiß, wie sie funktioniert. 

Dienstag Abend bestellte ich einen Deck-Chair für den Balkon, und Donnerstag nahm der Glaser das Aufmaß für Milchglasscheiben. Ich bin auf die Kosten gespannt ... Der Balkon hat sicher nicht oberste Priorität auf der ganzen Baustelle, ist aber aktuell das Projekt, das sich am Einfachsten fertigstellen lässt.

Mittwoch meldete sich das Nachlass-Gericht mit einer Nachfrage bezüglich des Erbscheins - immerhin schon ein halbes Jahr nach dem Tode des Gatten. Da bekomme ich dann vielleicht schon zum ersten Todestag den Erbschein. Die DRV meldete sich weiterhin nicht wegen der Hinterbliebenen-Rente. Der Antrag wurde ja auch erst vor 23 Wochen gestellt, und ich fragte erst von zwei Wochen nach dem aktuellen Bearbeitungsstand. Ich weiß ja, dass ich keine Hinterbliebenen-Rente bekomme, solange ich noch arbeite, aber das hätte ich gerne schriftlich. Mal gucken, wann ich die Kraft finde, hinterher zu telefonieren oder besser noch, gleich einen Anwalt einzuschalten.

Donnerstag kam der Kammerjäger. Die linke Nachbarin, die ich noch nicht informieren konnte, war zufällig auf der Terrasse. Bei ihr gäbe es selbstverständlich keine Ratten, sagte sie. Der Kammerjäger konnte sie direkt widerlegen und zeigte ihr die Wege auf, die die Ratten von ihrem Grundstück zu meinem nehmen. Für die Nachbarn bin ich natürlich Schuld an den Ratten, ist mein Garten doch im Gegensatz zu ihren Gärten verwildert. So stehe ich denn auch mit der Bekämpfung alleine da, denn die Nachbarn machen nichts. Da ich in einem Mittelreihenhaus wohne, ist das ein Kampf gegen Windmühlen. 

Dass die Nachbarn keine Ratten haben wollen, ist klar, denn den Kammerjäger muss ein Grundeigentümer selbst bezahlen. Jede Bekämpfung kostet 800 bis 1.000 Euro. Die Versicherung zahlt erst, wenn Schadnager schon im Haus sind, und das versuche ich zu verhindern, öffne die Terrassentüren und Kellerfenster nicht mehr. Die Stadt geht nicht gegen Ratten vor, obwohl die Ursache relativ klar ist: Drei Monate lang wurden die Gelben Säcke und anderer Müll nicht abgeholt. Die Ratten laufen mittlerweile mitten am Tag durch die Stadt, lassen sich auch von Menschenmengen nicht beeindrucken. So bleibt es denn ein Kampf gegen Windmühlen von den wenigen Grundeigentümern, die bereit sind, für die Schädlingsbekämpfung zu zahlen. 

Der Freitag war emotional ziemlich anstrengend, denn ich musste die Wege fahren, die ich lange Zeit fuhr, wenn der Gatte in die Augenklinik begleitet werden musste. Da kamen viele Erinnerungen wieder. Ich hätte gerne den Zug genommen, die Fahrzeit wäre gleich gewesen (zumindest nach Fahrplan), aber ich hatte zu viel zu transportieren. Abends war ich fix und alle! Leider musste ich dann auch noch mit Schwiegermutter telefonieren. Ich erzählte ihr, dass der Balkon bald fertig ist und so aussehen wird, wie der Gatte es sich wünschte. Sie antwortete, es sei doch nicht notwendig, dass ich den Balkon mache, denn der Gatte habe davon nichts mehr. Mal davon ab, dass ich selbst nicht ewig auf einer Baustelle leben möchte, lieferte sie das beste Argument gegen die Fertigstellung des Gästezimmers, auf das sie so scharf ist. Der Gatte hat ja nichts mehr davon, wenn das Haus wohnlich ist!

Lachen musste ich, als mir nach langem Nachdenken endlich aufging, woher ich die Adresse der freitäglichen Verabredung kenne, obwohl ich da nie vorher war. Schließlich ging mir auf: Da war ein Außenlager des KZ Neuengamme. Oder wie der Gatte gerne sagte: "Die Frau findet auch überall ein Lager!"

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 319. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

Montag, 20. April 2026

#12von12 im April 2026

Caro von "Draußen nur Kännchen" sammelt wie jeden Monat am 12. des Monats 12 Impressionen des Tages - vielen Dank dafür! Hier kommen meine April-Bilder.

#1: Dem Gatten Guten Morgen sagen. Es ist sehr sonnig, deswegen sind die Jalousien hochgezogen.

#2: Wäsche auf dem Balkon trocken und das Plumeau auslüften, damit das Bett frisch bezogen werden kann. 

#3 Nelly ist Begleit-Häsin zum Sonntagskino und möchte vom Popcorn naschen. 

#4: Den Gatten besuchen und endlich die Thomas-Beckett-Rose einpflanzen. Ansonsten ist das Grab noch immer kahl. 

#5: Jedes Jahr freue ich mich über den Eier-Baum. Ich hoffe, die alten Leutchen, die dort wohnen, pflegen diese Tradition noch sehr lange.

Wie immer in diesen Zeiten der Blick zurück: Im ersten Corona-Jahr war der Gatte noch gesund, feierten wir zum letzten Mal Ostern bei Schwiegermutter und genossen ihren traumhaften Garten. Im zweiten Corona-Jahr versuchte der inzwischen kranke Gatte gerade mal wieder zu arbeiten, machte ich den ersten Corona-Selbsttest. Die Tulpen, die ich vor drei Jahren in den Garten setzte, steckten wieder gerade ihre Köpfchen hervor, waren aber noch nicht aufgeblüht. Ein paar zogen mit ins alt-neue Haus um. Im dritten Corona-Jahr blühte die Sternmagnolie. Leider verkraftete sie den Umzug ins alt-neue Haus nicht und blühte dort vor drei Jahren zum letzten Mal. Im vierten Corona-Jahr wartete der Gatte auf der Baustelle auf den Fliesenleger. Der hatte nach 17m² Flur und Küchenboden allerdings keinen Bock mehr, so dass wir wieder auf die Suche gehen mussten. Wir sind heilfroh, dass wir inzwischen zuverlässige Handwerker fanden. Im fünften Corona-Jahr endete nach 58 bzw. 39 Jahren unsere Hamburg-Zeit ganz offiziell, meldeten wir uns in der lindgrünen Hölle an, wurden Heidjer. Im sechsten Corona-Jahr genossen wir das Kleinstadt-Leben, freuten uns auf viele Jahre im alt-neuen Haus. Der Gatte sollte noch ein knappes halbes Jahr bei mir sein dürfen. Er fehlt mir so unendlich.

#6: Lauterbach, die Kamelie auf der Terrasse hat üppig Blüten angesetzt. Eine Woche später werden sie aufgegangen sein. 

#7: Die Blüten des kleinen Apfelbaums sind noch sehr schüchtern.

#8: Die Spülmaschine will spielen. Seit dem Tausch des oberen Sprüharms spült sie endlich wieder sauber.

#9: Vorbereitungen für das Abendessen.

#10: Ich wäre dann bereit für's #tatortstricken.

#11: Heute ist ein historischer Tag.

#12: Das Kuschel-Rudel freut sich über ein frisch bezogenes Bett und will vor dem Einschlafen noch etwas lesen*.

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