Mich erreichten einige Nachfragen, warum die Beantragung der Witwenrente bei mir so schwierig ist. Das weiß ich auch nicht. Der Antrag wurde am 5. Dezember 2025 elektronisch (!) von der zuständigen Sachbearbeiterin bei uns im Rathaus gestellt, ging also direkt bei der Rentenversicherung ein. Zwei Formulare für Arbeitgeber und Krankenkasse bekam ich mit zum Nachreichen. Mein Arbeitgeber füllte das Formular umgehend aus, so dass es zeitnah zur DRV ging. Bei der Krankenkasse liegt das Formular seit Anfang Dezember. Nachfragen werden nicht beantwortet. Ich war daher letzte Woche direkt bei der Krankenkasse, um das Formular auszufüllen und an die DRV zu schicken.
Die DRV brauchte geschlagene drei Monate, bis Anfang Februar, um den Eingang meines Rentenantrags zu bestätigen und festzustellen, dass zwei Formulare fehlen - das vom Arbeitgeber und das von der Krankenkasse. Das vom Arbeitgeber ging anscheinend in den letzten drei Monaten bei der DRV verloren, und das andere lag ja unbearbeitet bei der Krankenkasse. Das Arbeitgeber-Formular habe ich in Kopie eingereicht, das von der Krankenkasse habe ich inzwischen an die DRV schicken können, und jetzt hoffe ich ganz optimistisch, dass ich in den kommenden drei Monaten vielleicht tatsächlich schon blitzschnell einen Bescheid über die Höhe meiner Witwenrente bekomme. Den kann ich dann von einer unabhängigen Rentenberaterin, die sich netterweise über dieses Internetz bei mir meldete, weil sie meinen Blog liest, prüfen lassen.
Finanziell ist das alles Gott sei Dank noch nicht dramatisch, zumal es mit der Auszahlung der drei vollen Renten, die es nach einem Todesfall zur Überbrückung gibt, problemlos und sehr prompt klappte, aber ich wüsste halt schon ganz gerne irgendwann mal, mit welchem Betrag ich monatlich zurechtkommen muss, ob ich die Rücklagen wie geplant für die Renovierung des alt-neuen Hauses nehmen kann.
Auch bei den Versicherungen und beim Erbschein heißt es weiterhin warten, warten, warten. Aber wenn ich es richtig verstand, brauche ich keinen Erbschein, um die beiden Autos des Gatten umschreiben zu lassen. Beim Astra fehlt mir ja der Fahrzeugbrief. Vielleicht ist er im Tresor, den der Gatte aus der Wohnung mitnahm, aber der lässt sich nicht öffnen. Entweder, ich bin zu blöd oder die Tür ist verzogen oder beides. Jedenfalls hoffe ich, dass Kaufvertrag, letzter TÜV-Bericht, Testament und Generalvollmacht reichen, um einen neuen Fahrzeugbrief zu bekommen (und um das Karlchen auf mich umschreiben zu lassen). Dann werde ich den Astra schweren Herzens verkaufen. Zwei Autos sind einfach absoluter Blödsinn (von den Kosten ganz zu schweigen). Am Astra hängen aber einfach so, so viele Erinnerungen!
Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 311, und die Trauer wird nicht weniger.
Ansonsten war ich diese Woche endlich mal wieder zum Blutspenden. Ich habe das sehr lange regelmäßig gemacht, bis mein Blut zurückgewiesen wurde, ohne dass man mir einen Grund dafür nannte. Mein Hausarzt fand auch keinen Grund. Ich bin gespannt, ob mein Blut diesmal okay ist. Als ich beim Blutspenden im hiesigen Möbelhaus ankam, war's einigermaßen skurril, denn rechts und links von der Tür lagen erstmal zwei Menschen auf dem Boden. Entweder kamen sie gar nicht erst zum Spenden, weil sie vorher ohnmächtig wurden, oder es erwischte sie auf dem Weg nach Hause. Ich war wohl auch etwas blass um die Nase, denn ich musste noch vor dem Spenden Cola trinken, und nach dem Spenden wurde mir noch im Liegen ebenfalls Cola aufgedrängt. Danach bekam ich buchstäblich eine Extrawurst: Ich mochte weder Mohnkuchen noch Erbsensuppe, wusste aber, dass ich etwas essen muss, und bekam deswegen eine Wurst mit Brötchen ohne Erbsensuppe - und Cola. So viel Cola trank ich ewig nicht mehr. Dass ich nach dem Blutspenden den Wocheneinkauf erledigte, inkl. des Schleppens zweier Wasserkästen, war übrigens nicht meine beste Idee. Ich bin halt schon sehr sehr lange keine 30 mehr - da steckte ich das nach dem Blutspenden locker weg.
Das Kennenlerngespräch mit Chefin I stand an - sie ist neu im Team. Das Gespräch war wie erwartet problemlos. Sie betonte wieder, dass sie nach Möglichkeiten suchen wird, mich im Team zu halten, wenn ich aufgrund meiner Lifestyle-Teilzeit in finanzielle Schwierigkeiten kommen sollte. Sie prüft eine Einstufung in eine höhere Entgeltgruppe, die ohnehin überfällig wäre, und guckt, ob sich irgendwo 25% auftreiben lassen, damit ich ggf. in Vollzeit arbeiten kann, nicht auf zwei Stellen arbeiten muss - die denkbar schlechteste Lösung. Das finde ich großartig, denn ich möchte gerne in der jetzigen Position und mit dem jetzigen Team weiterarbeiten. Ansonsten bekam ich mal wieder zu hören, dass ich zu schnell und zu viel arbeite - dabei habe ich mein Tempo schon arg gedrosselt, fehlt mir immer noch die Konzentration.
Durch's Büro galoppieren wieder mal diverse Viren. Eine Kollegin schickten wir schlichtweg nach Hause, damit sie nicht weiter zur Virenschleuder wird, eine andere meldete sich einen Tag nach unserem Vier-Augen-Gespräch krank. Zum Glück tat mein Luftfilter, was er tun soll, denn ich habe keinen Bock auf Erkältung, RSV, Grippe, Corona ... Ich verstehe nicht, dass zwar alle realisieren, dass sie nach analogen Veranstaltungen grundsätzlich erkältet ausfallen, sich aber nicht schützen. Seit drei Jahren höre ich regelmäßig, dass es klug wäre, eine Maske zu tragen, nur außer mir trägt sie keine. Stattdessen nehmen die Kolleginnen die Viren aus den Schulen und Jugendzentren mit, um sie in Büro und Familie weiter zu verteilen, von wo sie wieder in Schulen und Jugendzentren gehen.
Schwiegermutter erwischte mich zwei Mal auf dem Taschentelefon. Die Gespräche waren total wirr. So soll ich Sterbeurkunden ihres Mannes entwendet haben. Ich weiß schon, warum ich in ihrer Wohnung nicht an irgendwelche Schränke gehe, ohne dass sie neben mir steht ... Da sie mir vorher erzählte, sie habe ihren Schreibtisch aufgeräumt und alles weggeworfen, was sie nicht mehr brauche, kann ich mir vorstellen, wo die Sterbeurkunden landeten. Ihre Demenz schreitet anscheinend rasend schnell voran. Ich habe mir im März einen Tag Urlaub genommen, um zu ihr in die Seniorenwohnanlage zu fahren, um Papierkram für die Räumung der Wohnung nach ihrem Tode zu erledigen. Ansonsten habe ich beschlossen, mich weitgehend herauszuhalten, mich nicht verantwortlich zu fühlen. Ich habe keine Kraft, mich auf eine demente Person einzustellen, und die Verletzungen, die Schwiegermutter mir permanent während meiner Ehe zufügte, habe ich auch nicht vergessen, ebenso wenig wie den Angriff auf den Gatten im Mai 2025 anlässlich ihres 90. Geburtstags. So bösartig, heimtückisch und hinterlistig, wie sie "normal" schon ist, wird das bei Demenz kaum besser. Ich weiß, ich bin eine schlechte Schwiegertochter, aber das bin ich schon seit 26 Jahren. Davon abgesehen, werde ich an eingeübten Ritualen nicht rütteln. So werde ich selbstverständlich zum Osteressen zu Schwiegermutter fahren und natürlich auch einen Rüebli-Kuchen mitbringen - wie in den letzten 26 Jahren auch.
Eigentlich will Schwiegermutter auch, dass wir einen Notartermin für Patientenverfügung und Testament machen. Sie weigert sich allerdings, unseren Notar zu nehmen, sondern einen nehmen möchte, den die Seniorenwohnanlage empfiehlt. Allerdings ist sie nicht in der Lage, da einen Termin auszumachen und will auch nicht, dass ich das mache. Also drehen wir uns da im Kreis. Wenn ich die Juristerei richtig verstand, ist der Notartermin unnötig, weil ich das Erbe des Gatten antrat und somit automatisch in der Pflicht bin, solange ich das Erbe nicht ausschlage. Ich lasse das alles auf mich zukommen. Für etwas anderes habe ich ohnehin keine Kraft.
Wie kraftlos ich bin, merke ich daran, dass mich das Dasein an sich komplett überfordert, mich alles aus der Bahn wirft, sei es ein zickendes Taschentelefon, das vermutlich ersetzt werden muss, sei es zwei Blasen, die ich mir lief und mit deren Behandlung ich völlig überfordert bin, sei es die bevorstehende Kopenhagen-Reise ... Immerhin habe ich es geschafft, mir zwei Socken als kleines Reise-Strickprojekt auszusuchen und die Wolle dafür zu wickeln. Ich bin gespannt, ob ich die Strickanleitungen begreife. Außerdem habe ich mir ein Strickprojekt ausgesucht, für das ich in Kopenhagen Wolle kaufen möchte, als Souvenir sozusagen. Sonst bin ich im Wollgeschäft total überfordert und komme wie sonst auch mit Sockenwolle nach Hause.
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| Kassensturz im Wollsparglas: Im Februar erstrickte ich sagenhafte 63,50 Euro! |
Zu den schönen Momenten in dieser Woche gehörten der Klönschnack mit der 91jährigen Strick-Nachbarin, die sich über die geliehenen Gewürz-Bücher freute, und das kurze, aber intensive Treffen mit den beiden Sandkastenfreundinnen. Begegnungen mit Menschen strengen mich einfach sehr an. Ansonsten war ich kaum in der Lage, den Sessel zu verlassen, schaffte es weder zum Friedhof, ins Kino oder in den Garten, schaffte nur mit Mühe den Haushalt und die tägliche Versorgung. Immerhin habe ich es am Wochenende geschafft, die Steuer-Unterlagen für 2024 zusammenzustellen. Das war emotional sehr anstrengend, sah ich dabei doch nochmal das Jahr mit dem Gatten vor mir, den letzten Dänemark-Urlaub, den letzten Mallorca-Urlaub, die vielen schönen Momente ... Jetzt bin ich gespannt, ob ich Steuern nachzahlen muss.
Die Rosen, die ich für den Gatten kaufte, scheinen den Winter gut überstanden zu haben - alle drei. Die, die am Besten aussieht, kommt nach meinem Urlaub auf's Grab. Die beiden anderen kommen an den Lieblingsplatz des Gatten im Garten und in den Vorgarten, aus dem der Gatte einen Rosengarten machen wollte.
Jetzt, mit beginnenden Frühling und länger werdenden Tagen wird meine Trauer mitnichten weniger. Im Gegenteil. Jetzt beginnen die Jahreszeiten, die der Gatte besonders liebte. Es geht mir noch schlechter als im Winter. Die Trauer ist einfach unendlich, begleitet mich mit jedem Atemzug, egal, wie unbeschwert ich auf andere wirken mag.
Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.
