Sonntag, 12. Juli 2026

Samstagsplausch KW 28/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXXX

Im Vorgarten wachsen Erdbeeren.
Nach nur acht Monaten kam tatsächlich der Bescheid über die Witwenrente an! Damit kann ich diesen Punkt abhaken und zumindest in dieser Hinsicht zur Ruhe kommen. 

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 330. Die Trauer bleibt meine Weggefährtin. Sie ist nur erträglich, wenn ich konsequent verdränge, dass der Gatte niemals wiederkommt. Das Leben ohne den Gatten ist unendlich schwer. Er fehlt in jeder Sekunde, bei jedem Atemzug.

Diese Woche hatte ich eine Begegnung, die mir nicht gut tat. Alles wurde klein geredet: Meine neue Frisur passt nicht, weil Haare zu lang. Meine Trauer passt nicht, weil dauert zu lang. Haus passt nicht, weil führt zu noch mehr Trauer, und es ist ja noch imme rnicht fertig. Tröpfchenbewässerung passt nicht, weil zu wenig Wasser (mein Gegenüber hörte zum ersten Mal vom Prinzip der Tröpfchenbewässerng, die seit Jahrzehnten in wasserarmen Ländern bestens funktioniert, aber was der Bauer nicht kennt ...), und so weiter und so fort. Ich hätte einfach aufstehen und gehen sollen. Ich weiß, mein Gegenüber ist unzufrieden mit ihrem Leben, weil es sich anders entwickelt als geplant, aber so ist das Leben eben. Meine Lebensplanung sah auch anders aus. Deswegen sorge ich aber in der Regel nicht dafür, dass sich andere Menschen schlecht fühlen. 

Drei Tage später schaffte ich es tatsächlich, die Tröpfchenbewässerung zu installieren und zum Laufen zu bringen, obwohl die Bedienungsanleitung unvollständig und der Zusammenbau nicht gerade intuitiv ist. Seit gestern laufen hier zwei Bewässerungsanlagen, zwei weitere sind bestellt. So sind dann Vorgarten, Hochbeet, Kübel und später auch der Balkon versorgt. Ich habe jetzt noch zwei Wochen Zeit um zu gucken, wie das System funktioniert, ob es richtig eingestellt ist, und wie weit ich mit 10 Litern Wasser komme. 

Der Vorgarten ist fertig, und weil es sich mit der Tröpfchenbewässerung so gut anlässt, bin ich versucht, kommenden Sonntag zum Rosenmarkt zu fahren, um weitere Rosen zu kaufen. Der Gatte wünschte sich letztes Jahr so sehr, dort hin zu können und Rosen auszusuchen! Ich werde aber vernünftig sein und das mit den Rosen auf's kommende Jahr verschieben. Wenn ich es übernächste Woche schaffe, den Wagen des Gatten zu verkaufen, ist es kräftezehrend genug. Mit dem Wagen sind so viele Erinnerungen verbunden, nicht zuletzt, weil der Gatte es liebte, Auto zu fahren, aber es ist einfach unsinnig, zwei Autos zu besitzen. Mein Wagen ist neuer, kleiner und günstiger im Unterhalt, also ist es vernünftig, den zu behalten und den Wagen des Gatten zu verkaufen. 

Jedenfalls hoffe ich, dass der Vorgarten so geworden ist, wie der Gatte ihn sich vorstellte. Der Gärtner gestaltete die Zuwegung zu den Mülltonnen so, dass es kaum auffällt, dass die Platten unterschiedlich sind bzw. dass es so aussieht, als wären die Unterschiede gewollt. Die Palisaden als Sichtschutz für die Tonnen stammen noch aus unserem Hamburger Garten. Die Pflanztreppe, die im hiesigen Garten keinen Platz fand, über war, steht jetzt an der Palisade. Dort hängen auch die bunten Töpfe, für die ebenfalls kein Platz war. In ihnen wachsen aktuell Schnittlauch und Erdbeeren - untypisch für einen Vorgarten, aber gerade zur Hand. Über eine "ordentliche" Bepflanzung mache ich mir dann im kommenden Jahr Gedanken, obwohl ich Erdbeeren und Schnittlauch ganz witzig finde. Vielleicht pflanze ich einfach noch mehr Erdbeeren und Kräuter. 

Als ich mich beim Gärtner dafür bedankte, dass er das verarbeitet, was da war, meinte er nur, das wäre doch selbstverständlich. Die Leute kauften viel zu schnell neu. 

Diese Woche gab's auch nette Begegnungen, zum Beispiel beim monatlichen Stricktreffen. Mit Mutmachen und Nachhilfe schaffte ich das italienische Abketten! Mein Lulu Slipover wächst rasend schnell. Wenn's in dem Tempo weitergeht, ist er noch vor der Reha fertig. Natürlich habe ich mir auch schon Gedanken gemacht, welche Strick- und Häkelprojekte ich mit in die Reha nehmen möchte. Da ich mit dem Auto fahre, kann ich mich ja austoben.

Im Büro ist meine Kollegin wieder am Start, fängt ganz langsam wieder an. Ich bremse sie, wann immer es geht, denn ich möchte nicht, dass sie gleich wieder krank wird. Es tut gut, sie wieder an meiner Seite zu haben, vor allem, wo im Projekt Weichen für die kommenden Jahre gestellt werden müssen. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse

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