Ich hätte den Urlaub mal verlängern sollen, denn die Woche war ziemlich chaotisch. Ich war froh, dass es nur vier Tage waren. Meine Kollegin hat mich wie gewohnt perfekt vertreten. Für Chaos sorgten eine neue Software und eine Druckerei. Letztere lieferte einen Auftrag ohne jegliche Absprache fast drei Wochen zu früh aus. Das passierte nicht zum ersten Mal, aber angesichts meiner aktuellen Stimmung vermutlich zum letzten Mal. Wir planen unsere Aufträge ja nicht umsonst mit exakten Daten, die die Druckerei mit der Ausschreibung natürlich auch erfährt. Am Druck hängt ein organisatorischer Rattenschwanz dran, gibt es genau abgesprochene Lieferzeitfenster, da kann man nicht einfach ohne Absprache fast drei Wochen früher kommen.
Die neue Software nutzen wir für Bestellungen aller Art. Sie wurde eingeführt, weil sie Bestellungen im Vier-Augen-Prinzip ermöglicht und deswegen besonders revisionssicher ist. Sie ist so revisionssicher, dass sie in meinem Namen Bestellungen genehmigt, auf die ich keinen Zugriff habe, und die ich nicht veranlasste! Als ich den Support fragte, ob das so soll, bejahte man und beschied mir, ich hätte die Schulungsunterlagen nicht verstanden. Ja, nee, is klaa. Ich ließ das ganze über meine beiden Chefinnen eskalieren mit dem Ergebnis, der Prozess ließe sich aus technischen Gründen nicht ändern - Tech-Sprech für "Wir haben es so gründlich vergeigt, dass wir nicht wissen, wie wir das Problem lösen sollen." Ich führe jetzt also eine Excel-Liste mit Bestellungen, die ich genehmigte bzw. nicht genehmigte. Doch, doch, die neue Software erleichtert die Arbeit ungemein.
Die Kollegen kämpfen immer noch mit den Folgen der aktuellen Infektionen. Dieses Jahr kommt es mir extrem lange vor. Maske trägt natürlich niemand, obwohl fast alle Risikogruppen, aber meine Vertretungskollegin sitzt bei Besprechungen jetzt immer neben mir, weil: "Du hast doch den Luftfilter". Schon schön.
In dieser Woche hatte ich andauernd das Gefühl, ich müsse den Gatten anrufen oder im wenigstens SMS schicken, damit wir wissen, was bei uns los ist, weil er doch unterwegs ist, wir uns so lange nicht mehr sahen. Aber der Gatte ging ja für immer.
Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 320.
Schwiegermutter kam gut bei Tante an, und beide Damen kamen gut im Kurort an. Am Hotel gibt es aber etwas zu meckern, denn die Zimmer sind renoviert. Im Einzelzimmer steht das Bett nicht an der Wand, sondern mitten im Zimmer, mit Ablageflächen rechts und links. Die Kleiderschränke stehen jetzt auch irgendwie falsch, und der Balkon ist zu heiß. Heißt: Schwiegermutter geht es gut, denn sie kann meckern. Nichts zu meckern hat sie aktuell über mich - ich bin gerade die beste Schwiegertochter aller Zeiten. Mal schauen, wie lange der Zauber anhält, denn ich habe nicht vor, sie in absehbarer Zeit zu besuchen oder sie zu mir einzuladen.
Vom Nachlassgericht gab's eine weitere Nachfrage wegen des Erbscheins. Von der DRV gibt es auch nach 24 Wochen keinen Bescheid über eine evtl. Witwenrente. Ich habe das jetzt auf wöchentlicher Vorlage, rufe da jetzt jeden Montag an. Eigentlich könnte sich schon lange ein Anwalt darum kümmern, aber dazu habe ich aktuell keine Nerven, weil noch so viel anderes erledigt werden will.
Heute habe ich es endlich geschafft, etwas im Garten zu arbeiten. Eigentlich sollte ich damit warten, bis die Ratten weg sind, aber ich konnte das Elend nicht mehr sehen. Die Terrasse ist soweit aufgeräumt, dass ich dort gemütlich sitzen kann. Ein Schüttraummeter Holz ist aus dem Häuschen ans Haus transportiert und gestapelt. Der Rasen ist gemäht - eigentlich mache ich das nicht im Mai, aber wie gesagt: Ich konnte das Elend nicht mehr sehen. Der Giersch ist soweit gerodet, dass ich mit Gierschfrei arbeiten kann, sobald die Rasenkanten gesetzt sind. Dusseligerweise beschädigte ich beim Roden das kleine Fliederbeerbäumchen - ich hoffe, es überlebt das.
Der Kammerjäger kam zur Kontrolle und fand wenig Fraßspuren an den Köderboxen. Ob das mit dem Ultraschall-Gerät zusammenhängt, das ich in die Außensteckdose stöpselte? Sollte das tatsächlich wirken? Jedenfalls sah ich länger keine Ratte mehr. In zweieinhalb Wochen kommt der Kammerjäger zur nächsten Kontrolle. Die Terrassentüren halte ich sicherheitshalber weiterhin geschlossen. Ich bin froh über die Klöntür in der Küche, denn so kann ich dort ein Fenster öffnen anstelle der ganzen Tür, und ich bin froh über das neue Fenster im Esszimmer, denn das alte ließ sich nicht öffnen. So habe ich Durchzug im Erdgeschoss.
Der Deckchair wurde geliefert, muss übermorgen abgeholt werden. Damit ist der schneller da als die Balkonverglasung. Ich werde ihn trotzdem jetzt schon aufstellen, damit ich den Balkon nutzen kann. Vorher muss er allerdings geölt werden. Holzöl fand ich in der Werkstatt des Gatten. Pinsel hätte ich dort vielleicht auch finden können, hätte aber dafür mehr aufräumen müssen, als ich Kraft habe, und kaufte kurzerhand welche.
Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.
