Sonntag, 26. April 2026

Samstagsplausch KW 17/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXIX

"Heute ist es ein wenig übersichtlich",
meinte die Kartenabreißerin.
Joa, kann man so sagen, hoffentlich
nur bei der Sonntagsmatinée.

Was für eine Woche! Eigentlich hatte ich Urlaub (ja, auch wenn man nur Lifestyle-Teilzeit arbeitet, hat man Urlaubsanspruch - noch zumindest) und wollte es ruhig angehen lassen, aber so ganz klappte es nicht.

Sonntag spätnachmittags rief Tante an und teilte mir mit, Schwiegermutter wäre vor zwei Tagen gestürzt. Sie kam ins Krankenhaus, abends aber schon wieder in ihre Wohnung in der Seniorenwohnanlage, wo sie vom medizinischen Personal engmaschig überwacht werde. Schön, dass ich das so quasi nebenbei erfahre und nicht durch ihre Wohnanlage ... Jedenfalls bat Schwiegermutter Tante darum, mich anzurufen und zu fragen, ob ich ihr eine Fahrkarte für die anstehende Reise nach München buchen könne. Mich selbst wolle Schwiegermutter nicht stören, ich hätte mich ja so lange schon nicht gemeldet und immer so viel zu tun, da wolle sie mich nicht behelligen. 

Ähm, ja, nee, is klaa.  

Ich buchte Schwiegermutter natürlich die Fahrkarte und rief sie kurzerhand selbst an - ich bin zu erwachsen für stille Post. Mir gegenüber behauptete Schwiegermutter, sie habe weder mit Tante telefoniert noch sie um den Kauf einer Fahrkarte gebeten.

Ja, nee, is klaa.

Nach der Aufregung telefonierte ich dann nochmal in Ruhe mit Tante, wobei wir bezüglich Schwiegermutter einer Meinung waren. Tante erzählte, diese ominöse "Betreuerin", die sich um sie kümmere, habe sie nun gezwungen, einen Anwaltstermin zu machen, um sicherzustellen, dass sie nach Tantes Tod auf jeden Fall erbt, nicht Schwiegermutter oder ich! Was für ein Luder! Tante macht das alles mit, weil sie meint, sonst kümmere sich niemand um sie, helfe ihr niemand im Haushalt. Ich dringe nicht zu ihr durch mit der Info, dass sich das alles auch anders regeln ließe, dass sie sich nicht ausnehmen lassen muss wie eine Weihnachtsgans, also lasse ich Tante gewähren. Ich habe keine Kraft für einen weiteren Betreuungsfall, zumal Tante 800 km entfernt wohnt. Meine Angebote, für ein paar Tage zu ihr zu kommen und mich um Haushaltshilfe und Co zu kümmern, kommen ja bei Tante nicht an. 

Montag wartete ich auf den Milchschäumer und blickte verträumt auf die Terrasse, als mich von der Küchentreppe aus aus großen Augen eine Ratte anblickte, bevor sie in den Holzstapel neben der Küchentür verschwand! Ich dachte, ich gucke nicht richtig! Ich hatte letztens schon den Eindruck, eine Ratte husche über die Terrasse, dachte aber, das kann nicht sein! Ich machte gleich einen Termin mit dem Kammerjäger und bekam die Anweisung, die Terrasse in Ruhe zu lassen. Schön, denn eigentlich stand das Aufräumen der Terrasse für Montag auf meiner Liste. 

Stattdessen traf ich mich spontan mit dem Friedhofsgärtner, um die Bepflanzung des Gatten zu besprechen. Der Gärtner wird auch das Gießen übernehmen - eine Sorge weniger, während ich in Reha bin, und weniger Druck, regelmäßig zum Friedhof gehen zu müssen, obwohl die Kraft dazu fehlt. Als ich heute auf dem Friedhof war, war das Grab schon mit Mutterboden aufgefüllt, waren Kanten ausgewechselt bzw. neu gesetzt. Wenn ich das nächste Mal da bin, ist bestimmt schon gepflanzt. 

Dienstag und Mittwoch versuchte ich mich am Verlegen der Holzfliesen auf dem Balkon - und es klappte! Ich versuchte mich sogar an der Handkreissäge, aber mit der kam ich nicht zurecht, fand trotz diversen YouTube-Tutorials nicht den Fehler. Die Handkreissäge war aber ohnehin ungeeignet, egal, was der Gatte sagte, weil die Fliesen auf einem Gitter angebracht sind und instabil werden, wenn sie gesägt werden. Ein Seitenschneider leistet bessere Dienste, und für die Fliesen, bei denen ich nur ein paar Zentimeter wegnehmen musste, nahm ich eine Handsäge. Theoretisch könnte ich die Fliesen auch so verlegen, dass ich mit einer Stichsäge um den Balkonrand gehe, aber ich konnte in der Werkstatt des Gatten die Stichsäge nicht sicher identifizieren bzw. war nicht sicher, ob in dem, was ich als Stichsäge ansah, ein Sägeblatt gespannt ist, und wenn nicht, wo ich ein Sägeblatt in dem ganzen Chaos finde. Ich weiß jetzt aber, dass ich eine Tischkreissäge habe. Die werden ich auch erstmal behalten, wenn sie einen ordentlich Platz fand, und ich weiß, wie sie funktioniert. 

Dienstag Abend bestellte ich einen Deck-Chair für den Balkon, und Donnerstag nahm der Glaser das Aufmaß für Milchglasscheiben. Ich bin auf die Kosten gespannt ... Der Balkon hat sicher nicht oberste Priorität auf der ganzen Baustelle, ist aber aktuell das Projekt, das sich am Einfachsten fertigstellen lässt.

Mittwoch meldete sich das Nachlass-Gericht mit einer Nachfrage bezüglich des Erbscheins - immerhin schon ein halbes Jahr nach dem Tode des Gatten. Da bekomme ich dann vielleicht schon zum ersten Todestag den Erbschein. Die DRV meldete sich weiterhin nicht wegen der Hinterbliebenen-Rente. Der Antrag wurde ja auch erst vor 23 Wochen gestellt, und ich fragte erst von zwei Wochen nach dem aktuellen Bearbeitungsstand. Ich weiß ja, dass ich keine Hinterbliebenen-Rente bekomme, solange ich noch arbeite, aber das hätte ich gerne schriftlich. Mal gucken, wann ich die Kraft finde, hinterher zu telefonieren oder besser noch, gleich einen Anwalt einzuschalten.

Donnerstag kam der Kammerjäger. Die linke Nachbarin, die ich noch nicht informieren konnte, war zufällig auf der Terrasse. Bei ihr gäbe es selbstverständlich keine Ratten, sagte sie. Der Kammerjäger konnte sie direkt widerlegen und zeigte ihr die Wege auf, die die Ratten von ihrem Grundstück zu meinem nehmen. Für die Nachbarn bin ich natürlich Schuld an den Ratten, ist mein Garten doch im Gegensatz zu ihren Gärten verwildert. So stehe ich denn auch mit der Bekämpfung alleine da, denn die Nachbarn machen nichts. Da ich in einem Mittelreihenhaus wohne, ist das ein Kampf gegen Windmühlen. 

Dass die Nachbarn keine Ratten haben wollen, ist klar, denn den Kammerjäger muss ein Grundeigentümer selbst bezahlen. Jede Bekämpfung kostet 800 bis 1.000 Euro. Die Versicherung zahlt erst, wenn Schadnager schon im Haus sind, und das versuche ich zu verhindern, öffne die Terrassentüren und Kellerfenster nicht mehr. Die Stadt geht nicht gegen Ratten vor, obwohl die Ursache relativ klar ist: Drei Monate lang wurden die Gelben Säcke und anderer Müll nicht abgeholt. Die Ratten laufen mittlerweile mitten am Tag durch die Stadt, lassen sich auch von Menschenmengen nicht beeindrucken. So bleibt es denn ein Kampf gegen Windmühlen von den wenigen Grundeigentümern, die bereit sind, für die Schädlingsbekämpfung zu zahlen. 

Der Freitag war emotional ziemlich anstrengend, denn ich musste die Wege fahren, die ich lange Zeit fuhr, wenn der Gatte in die Augenklinik begleitet werden musste. Da kamen viele Erinnerungen wieder. Ich hätte gerne den Zug genommen, die Fahrzeit wäre gleich gewesen (zumindest nach Fahrplan), aber ich hatte zu viel zu transportieren. Abends war ich fix und alle! Leider musste ich dann auch noch mit Schwiegermutter telefonieren. Ich erzählte ihr, dass der Balkon bald fertig ist und so aussehen wird, wie der Gatte es sich wünschte. Sie antwortete, es sei doch nicht notwendig, dass ich den Balkon mache, denn der Gatte habe davon nichts mehr. Mal davon ab, dass ich selbst nicht ewig auf einer Baustelle leben möchte, lieferte sie das beste Argument gegen die Fertigstellung des Gästezimmers, auf das sie so scharf ist. Der Gatte hat ja nichts mehr davon, wenn das Haus wohnlich ist!

Lachen musste ich, als mir nach langem Nachdenken endlich aufging, woher ich die Adresse der freitäglichen Verabredung kenne, obwohl ich da nie vorher war. Schließlich ging mir auf: Da war ein Außenlager des KZ Neuengamme. Oder wie der Gatte gerne sagte: "Die Frau findet auch überall ein Lager!"

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 319. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

6 Kommentare:

  1. Moin vonner Weser,
    aus meiner Sicht ist die Rattenbekämpfung vorn Mors. Es sind einfach zu viele, zu schlaue und sie vermehren sich zu schnell. Solange sie nicht ins Haus kommen, ist es wie es ist. Manchmal hat man "Glück" und ein Marder nimmt sich des Problems an. Auch mitten in der Stadt, ich weiß, wovon ich schreibe...
    Hauptsache, sie kommen nicht ins Haus - und, ja, es ist widerlich, wenn sie am Tag sichtbar sind, aber wenn man laut genug ist, sieht man sie nicht. Alle Präventionsmaßnahmen sind Ihnen wahrscheinlich sowieso bekannt, deshalb spare ich mir hier Text.
    Zur SchwieMu könnte ich viel schreiben und breche es mal kurz herunter: Distanz ist überlebenswichtig, aber auch das wissen Sie wohl.
    Immer hier lesend, nicht immer d'accord, aber dennoch alles Gute für Sie wünschend,
    Marie

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    1. Moin,
      Marder könnten hier tatsächlich unterwegs sein, gemessen an den Vorkehrungen der Laternenparker. Leider reagieren die Biester auch nicht mehr auf Lärm. Ich bin ja jeden Tag auf der Terrasse und rumore dort rum, und in der Stadt laufen sie einfach mitten durch Menschenmengen ... Fast 30 Jahre hätten die Ratten ihre Ruhe im Gartengehabt, weil meine Mutter ihn weder nutze noch sich darum kümmerte, und jetzt, wo sich um den Garten gekümmert wird, kommen sie. Das ist unfair ;o)
      Sonnige Grüße von Sabine

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  2. Hallo,
    mir fielen spontan Frettchen ein, habe Mal gegoogelt, schon die Anwesenheit soll
    helfen, man müsste sie nicht Mal auf die Jagd schicken

    Unkonventionelle Grüße, Tina

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    1. Ich überlege dann mal, wie ich Frettchen im Garten halten kann *g* Sonnige Grüße von Sabine

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  3. Also wenn ich mich recht erinnere, was der Mann meiner verstorbenen Freundin erzählte, bekämst du Witwenrente trotz Erwerbstätigkeit für ein halbes Jahr.
    Liebe Grüße, Doerthe

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    1. Es gibt unabhängig vom Einkommen für drei Monate die volle Rente des / der Verstorbenen. Das ging auch schnell und unbürokratisch. Ansonsten wäre meine Witwenrente theoretisch unbefristet, wenn ich eine bekäme.

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Kommentare von Corona-Leugner, Quer- und anderen Nicht-Denkern, Wahnwichteln, Das-ist-doch-nur-ne-Grippe-Schwurblern, Wir-haben-genug-freie-Intensivbetten-Rufern und ähnlichen Düffeldaffeln werden gelöscht.