Für heute war eigentlich mein Sägekurs geplant, aber mangels Teilnehmerinnen wurde er leider abgesagt. Doof, denn ab morgen habe ich Urlaub, wollte endlich die Holzfliesen auf dem Balkon verlegen. Mal gucken, ob ich das ohne Kurs schaffe. Der Gatte legte im letzten Juni ja schon Handkreissäge und Klemmzwingen zurecht, besprach mit mir das theoretische Vorgehen, kam aber nicht mehr dazu, mir zu zeigen, wie ich das Werkzeug richtig nutze. Er selbst konnte es damals schon nicht mehr. Falls wir uns kommendes Wochenende nicht mehr lesen, habe ich es nicht geschafft, fehlen mir Finger oder Hände ...
Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 318.
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| Lauerbach blüht, sogar sehr üppig. Es wäre schön, könnte der Gatte die Kamelie noch sehen. Er würde sich so sehr über die Blüten freuen. |
Die Woche reichte mal wieder für mehrere, zumal ich im ganzen Körper Schmerzen habe, nur mit Mühe gehen kann und einmal stürzte. Da passierte Gott sei Dank nicht mehr als ein aufgeschlagener Knöchel, Schrammen und diverse Blutergüsse. Ich wundere mich immer öfter, wie ich die früherer Schlagzahl durchhielt. Es ist faszinierend, was Adrenalin kann.
Sonntag schaffte ich es ins Kino ("The Testament of Anne Lee"* - was für eine beeindruckende Frau!) und endlich auch auf den Friedhof. Ich pflanzte endlich die Thomas-Beckett-Rose und versah sie mit einem Wasserspender*. Ich hoffe, die Rose hält so durch, bis ich das nächste Mal zum Friedhof komme. Ich hoffe auch, sie wird nicht gleich von Rehen und Kaninchen kahl gefressen. Ich habe zwar noch ein bisschen Kaninchen-Draht, den ich um die Rose stecken möchte, wollte den aber nicht auch noch mit ins Kino schleppen, ebenso wenig wie das Wild-Abwehr-Spray. Dann hätte ich den Hackenporsche mit ins Kino nehmen müssen ... Ich muss an den mal ein Schloss anbringen.
Montag kamen die Unterlagen der Reha-Klinik. Die Reha beginnt zwei Monate früher als geplant! Das freut mich sehr, heißt aber, ich muss gucken, wer Gatten und Garten gießt - oder auf einen verregneten Sommer hoffen. Und ich verpasse die hiesige Kommunalwahl, da Wahlunterlagen nicht nachgeschickt werden. Ich gucke momentan nach Möglichkeiten, wer sich um Garten und Wahlunterlagen kümmern kann. Nur für das Gießen des Gatten sehe ich keine Möglichkeit, aber ich muss ohnehin noch den Friedhofsgärtner beauftragen. Jedenfalls freue ich ich auf die Reha, und der frühere Zeitpunkt heißt, dass ich hoffentlich auch noch viel Zeit im Freibad verbringen kann. Außerdem gibt es ein paar Veranstaltungen, die sich gut lesen. Ein weiterer Pluspunkt: Ich bin am Geburtstag des Gatten nicht alleine gelassen.
In einem Anfall von Selbstfürsorge schrieb ich die Shrink an, bei der ich die letzte Reha-Nachsorge machte, wurde jetzt schon auf die Warteliste gesetzt und habe ab Oktober einen Platz in Aussicht. Das ist großartig! So bin ich am ersten Todestag des Gatten nicht alleine gelassen. Und natürlich ist alle Planung unter dem Vorbehalt, dass blackrot bis dahin den Sozialstatt noch nicht vollends abschaffte.
Dienstag und Mittwoch waren meine Echtbüro-Tage. Da ich aufgrund der Schmerzen kaum gehen konnte, kämpfte ich sehr mit mir, aber ich wollte unbedingt ins Büro. Auf dem Heimweg vom Bahnhof kroch ich mehr als ich ging. Dass an beiden Tagen reichlich Überstunden anfielen, machte es nicht besser. Meine erkrankte Kollegin arbeitet seit Dienstag zwar immer wieder ein paar Stunden, ist aber noch nicht wirklich wieder fit. Um Urlaubsvertretung bat ich deswegen einen anderen Kollegen, der prompt erkrankte ... Wir sind schon eine Trümmertruppe.
Das Pendeln war zudem anstrengend. Die Züge waren zwar nach Bahn-Maßstäben pünktlich, aber zwei Mal war ein ganzer Waggon gesperrt, was in den ohnehin permanent überfüllten Zügen für zusätzliche Enge sorgte. Als ich Mittwoch nach Hause kam, stand eine junge Sängerin-Gitarristin mit einer traumhaften Stimme auf der Bahnbrücke - so schön!
Donnerstag bekam ich den neuen Fahrzeugschein für den Wagen des Gatten und meldete beide Autos um. Danach brauchten meine Nerven erstmal eine Atempause bei Kaffee und Kuchen! Die Auflösung des Nachlasses des Gatten strengt mich emotional sehr an. Ich sagte einer Freundin letztens, wie sehr ich sie für ihre Kraft und Stärke bewundere, denn sie macht das gerade zum dritten Mal in nicht mal drei Jahren durch. Sie antwortete nur: "Ach, einfach Augen zu und durch!" Ich wünschte, das könnte ich (und ich wünsche, sie behält Kraft und Stärke).
Immerhin schaffte ich danach noch den Wocheneinkauf, und ich holte auch schon ein erstes Angebot für den Wagen des Gatten ein. Das liegt erstaunlicherweise über meinen Erwartungen, so dass ich hoffe, am Ende den Preis zu erreichen, denn ich erwarte. Dann wäre ich froh.
Freitag schaffte ich nicht nur den zweiten Teil des Wocheneinkaufs, also den, den ich zu Fuß im Dorf erledigen kann, sondern schaffte es auch abends noch ins Kino. "Horst Schlämmer sucht das Glück*" war allerdings nicht so ganz mein Fall, nicht so lustig wie erwartet.
Insgesamt habe ich diese Woche alles geschafft, was auf dem Plan stand, sogar noch mehr. Da ich dankbar bin für jeden Tag, an dem ich mehr schaffe als zu atmen, sollte ich mich freuen.
Ein lieber Mensch half mir mit der Hinterbliebenen-Rente. Der DRV fehlen noch Informationen meines Arbeitgebers. Bei meinem Arbeitgeber gab's allerdings keine Nachfrage dazu. Ich habe der DRV die Kontaktdaten der Ansprechpartnerin gemailt, in der irrigen Hoffnung, dass die DRV eMails liest. Ich muss die Tage nochmal einen Brief schicken, am Besten per Einschreiben, wenn ich eh wegen eines Einschreibens wegen des Nachlasses meiner Mutter zur Post muss. Durch deren finanziellen Verhältnisse blicke ich noch immer nicht durch bzw. ich suche immer noch vergeblich das Geld, das ich laut Bankmensch, Steuerberater und Finanzamt haben soll. Ich bin anscheinend einfach zu blöd für Geldanlagen. Gleichzeitig meldete sich das Finanzamt wegen der Erbschaft des Gatten. Der hatte zwar nichts zu vererben, aber das sieht das Finanzamt anders. Ich hoffe, der Steuerberater sieht es so wie ich.
Für Chaos sorgte zum zweiten Mal die 92jährige Strick-Nachbarin, die wieder mal unserer gemeinsamen Putzfrau nicht die Tür öffnete. Gott sei Dank hatte sie schon wieder weder Wecker, noch Türklingeln und Telefon gehört, wachte eine Stunde später auf und wunderte sich, wieso die Putzfrau nicht da ist. In der Zwischenzeit hatte ich bei ihrem Hausnotruf angerufen mit der Bitte, ihre Kinder zu verständigen, was man aber nicht tat, da ich keine Betreuungsperson bin. Sehr hilfreich. Ich hätte die 112 anrufen können, aber die kommt hier nur, wenn ich garantiere, dass es ein medizinischer Notfall ist und andernfalls bereit bin, die Einsatzkosten zu tragen. Das wollte ich nicht ohne Rücksprache mit den Kindern. Für den Moment ist das Problem dadurch gelöst, dass die Putzfrau die aktuellen Taschentelefonnummern der Kinder bekam. Perspektivisch überlege ich, der Nachbarin vorzuschlagen, einen Schlüssel in Verwahrung zu nehmen, aber ich möchte eigentlich keinen neuen Betreuungsfall haben. Irgendwie doof.
Ein Facharzt schaffte es wiederholt nicht, ein eRezept auf die Versichertenkarte zu spielen. Entweder, ich muss kommende Woche trotz Urlaubs nach Hamburg, oder ich verzichte drei Tage auf Tabletten ... Ich weiß noch nicht, wofür ich mich entscheide.
Die Mützen, die ich für die #600Mützen-Challenge an die Lübecker Seemannsmission schickte, kamen zurück. Hernes war nicht in der Lage, die Adresse zu finden. Ich überlege, ob ich noch einen Versuch mit DHL wage oder die Mützen einfach selbst vorbeifahre, wenn ich in der Reha bin. Selbst bei den aktuellen Spritpreisen ist das günstiger als mehrfaches Porto.
Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.
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