Sonntag, 29. März 2026

Samstagsplausch KW 13/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXV

Wie verpeilt ich aktuell bin, merkte ich am Donnerstag. Ich hatte beim Kaffeeröster Espresso zur Abholung in der Filiale bestellt und bekam am Vortag eine Mail, dass der zur Abholung bereit ist. Gleichzeitig klingelte der Paketbote und brachte ein Paket von ebendiesem Kaffeeröster. Darin war ein Hasenbecher, den ich nicht bestellt hatte, den ich zwar bestellen wollte, es aber aus Vernunftgründen nicht tat. Ich zerbrach mir einen Tag das Hirn, wie das zusammengeht. Als ich dann Donnerstag aufräumte, mir den Lieferschein nochmal ganz genau anguckte, sah ich, dass der Hasenbecher ein Geschenk eines lieben Menschen ist - wie schön ist das denn bitte?!

Vorbereitung auf den Versponnenen Salon.

Gestern nahm ich zum ersten Mal an Shermins Versponnenen Salon teil. Der findet seit Corona virtuell statt, was dazu führte, dass sich gestern Frauen aus Berlin und Hamburg zusammenfanden. Die über drei Stunden Plauderei und Frickelei mit den jungen Frauen waren sehr inspirierend und empowernd, für mich alte Frau aber auch sehr fordernd, weil Technik. Jedenfalls war die Zeit so intensiv, dass der Fuß der Elbbrücken-Socken länger wurde als er sollte ... Heißt: Ich hatte endlich wieder Kraft zum Stricken.

Eigentlich wollte ich dieses Wochenende ins Kino und zum Friedhof, eine der Thomas Beckett-Rosen einpflanzen, außerdem im Garten den kleinen Apfelbaum freischneiden und Rasenkanten setzen, aber mit fehlte einfach die Kraft. Das regnerische, stürmische Wetter half auch nicht. Zumidnest bekam ich den Apfelbaum freigeschnitten, nachdem ich sah, dass die Biotonne aufgrund des Feiertags schon morgen abgeholt wird und fast leer ist. 

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 315, und die Trauer bleibt. In diesen Kriegszeiten fehlt mir der Gatte besonders mit seiner ruhigen, besonnenen Art. 

Die Woche war unwahrscheinlich anstrengend. Der Eisenhöker öffnete den verzogenen Tresor, der wider Erwarten leer war. Das heißt, es fehlt nicht nur der Fahrzeugbrief des Gatten, sondern auch einiges andere, von dem der Gatte mal sagte, es wäre im Tresor. Das ist sehr irritierend. Der Gatte zog also mit einem leeren Tresor um, warum auch immer. Ich fand die fehlenden Unterlagen auch nicht im Wandtresor, den der Gatte gerne nutzte, seitdem wir das Haus haben. Es hätte ja theoretisch sein können, dass der Gatte den Tresor aufstemmte und leerte und es nicht erwähnenswert fand. Jedenfalls sparte mir der Eisenhöker durch seinen spontanen Einsatz von Schraubendreher und Hammer in der Mittagspause einige Hundert Euro, die der professionelle Tresoröffnungsdienst haben wollte. Der Eisenhöker wollte nur Spritgeld. Darüber hinaus bekam ich die Bestätigung, dass ich handwerklich wohl nicht so unbegabt bin, denn der Eisenhöker öffnete den Tresor genau so, wie ich dachte, dass es gehen müsste. Netterweise nahm der Eisenhöker den Tresor auch mit, so dass ich mir die Fahrt zum Schrotthändler sparte.

Kommende Woche habe ich also einen Termin für einen neuen Fahrzeugbrief und hoffe, ich bekomme den ohne Erbschein, denn der lässt natürlich weiterhin auf sich warten, ebenso wie der Bescheid für die Witwenrente. Ich frage mich, wie Menschen, die kein eigenes Einkommen samt Rücklagen haben, die Wartezeit finanziell überbrücken. 

Der Schornsteinfeger war da, und ich musste daran denken, wie gern der Gatte diesen Termin wahrnahm. Da kam sein Hausbesitzerstolz durch. Mir war nie klar, wie sehr es ihn belastete, Mieter zu sein, denn bis wir das Haus meiner Mutter übernahmen, war Hausbesitz nie ein Thema für uns. Das Haus seiner Mutter wollte der Gatte nicht haben, auch, weil ich mich ehevertraglich verpflichten musste, dort nicht einzuziehen, wir uns also hätten trennen müssen, damit der Gatte ins Haus ziehen kann - einer der vielen vergeblichen Versuche meiner Schwiegermutter, uns auseinanderzubringen. Nach dem Umzug betonte der Gatte immer wieder, wie froh er sei, nicht mehr zur Miete zu wohnen. Nun war unser letzter Vermieter auch sehr speziell, gelinde gesagt. 

Jedenfalls ist mit der Heizung und dem Kaminofen alles okay, und der Schornsteinfeger vermerkte auch gleich, dass der Kaminofen nächstes Jahr geputzt werden muss. Ich bin ja immer noch froh über alles, was ich delegieren kann. 

Ich schaffte es endlich, den neuen Sprüharm der Spülmaschine zu montieren. Nach einer Grundreinigung hoffe ich, dass sie wieder richtig spült. Ansonsten weiß ich auch nicht weiter. 

Der Autoschlüssel für's Karlchen zerlegte sich. Nach einem Panik-Moment, weil in der Nähe ja keine Opel-Werkstatt ist, die für Ersatz sorgen könnte, überlegte ich, dass ich ja eigentlich nur ein neues Gehäuse für den Schlüssel bräuchte, und siehe da, so etwas gibt es tatsächlich. Jetzt muss ich nur noch die Kraft finden, das Gehäuse zu tauschen. Ich hoffe, das klappt. Lustig wäre, wenn sich dann auch noch herausstellt, dass die defekte Zentralverriegelung gar nicht defekt ist, sondern nur eine wackelige Taste schuld war. 

Im Büro schient nach über drei Monaten endlich das Problem mit meinen zickigen Dienstrechner gelöst zu sein. Ich bekam mit schönster Regelmäßigkeit die Meldung, dass mein PC gesperrt wird, weil ich mich weigerte, eine App auf meinem privaten Taschentelefon zu installieren, und ich musste mich jeden Tag an jedem Programm extra anmelden. Die Meldung löschte regelmäßig ein IT-Mitarbeiter und behauptete jedes Mal, das wäre es jetzt gewesen. Nur: Das war es nie. Mittwoch war es dann soweit, dass ich nicht mehr aufgefordert wurde, eine App zu installieren, sondern mich mittels QR-Code oder SMS zu identifizieren. Da eskalierte ich dann mal kurz. Der arme junge Mann, der meinen Unmut abbekam, stellte fest, dass mein Dienstrechner einfach nicht mehr erkannt wird, weil er im Herbst ausgesteuert, aber nach meiner Rückkehr nicht wieder "eingesteuert" wurde. Es ist ja nicht so gewesen, dass ich mein meiner Rückkehr fragte, ob der Rechnung vor einem großen Update nicht erst mal wieder "eingesteuert" werden müsse, weil er doch ausgesteuert war. in den Folgewochen bei jedem IT-Telefonat darauf hinwies ... Jetzt stellte sich heraus, dass die Aussteuerung mit anschließendem Aufspielen eines Updates tatsächlich die Ursache war (und bei dem jungen Mann bat ich natürlich um Entschuldigung). 

Meine Kollegin ist nach einer Woche Urlaub seit zwei Wochen krank, und diese Woche merkte ich ihre Abwesenheit sehr schmerzlich. Mir fehlt der Austausch mit ihr, und mir fehlen die beiden Tage, an denen sie mir den Rücken freihält für administrative Aufgaben. Trotz Lifestyle-Teilzeit fühle ich mich gerade im Büro überlastet ... 

Von Schwiegermutter und Tante habe ich nichts gehört. Schwiegermutter wollte sich nach einem Arztbesuch melden, tat es aber nicht und war auch telefonisch nicht erreichbar (bzw. hörte das Telefon nicht). Das ist dann halt so. Wäre etwas passiert, würde ich es erfahren.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Kommentare von Corona-Leugner, Quer- und anderen Nicht-Denkern, Wahnwichteln, Das-ist-doch-nur-ne-Grippe-Schwurblern, Wir-haben-genug-freie-Intensivbetten-Rufern und ähnlichen Düffeldaffeln werden gelöscht.