Samstag, 19. September 2026

Samstagsplausch KW 38/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXL

Der Gatte hätte sich sehr über 
die vielen Äpfel an seinem 
Baum gefraut.
Inzwischen liegt schon wieder eine ganze Arbeitswoche hinter mir. Meine Kolleginnen machten mir den Wiedereinstieg leicht. Es blieb quasi nichts liegen, und Montag früh bekam ich die Order, mich erstmal mit einem Kaffee hinzusetzen und die eMails zu lesen. Das waren aber gar nicht so viele, denn meine Vertretungen haben das Projekt genauso im Griff wie ich. Da bewährt sich wieder mal, dass ich Wert darauf lege, dass wir im Team arbeiten und alle den gleichen Wissensstand haben.

Auch das Pendeln war einigermaßen entspannt, da einige Verstärkerzüge fuhren. Die sind leerer als die Regelzüge, und die Abfahrtszeiten passen mir besser. Meine Füße hielten tapfer durch. Die Momente, in denen ich schmerzfrei bin, werden mehr, wenngleich ich die beiden Hamburg-Tage, an denen ich viel laufen muss, spürte (und Schmerzmittel brauchte). 

Ich hatte ein Vorgespräch mit einer Trauer-Therapeutin und starte kommende Woche mit einer Trauergruppe im Rahmen der Reha-Nachsorge. Ich denke, das passt besser zu mir, als eine Selbsthilfegruppe, wie sie hier im Ort angeboten wird (und zu der ich es noch nicht schaffte). Kommende Woche startet auch der Rehasport, zu dem ich mit einer Nachbarin gehen kann. Meine Tage werden also wieder sehr durchgetaktet sein. Mal gucken, wie ich damit zurecht komme. 

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 340. Die Trauer bleibt meine Weggefährtin. Sie ist nur erträglich, wenn ich konsequent verdränge, dass der Gatte niemals wiederkommt. Das Leben ohne den Gatten ist unendlich schwer. Er fehlt in jeder Sekunde, bei jedem Atemzug.

Ich war auf dem Friedhof, wo mir zwei kleine Rehe begegneten! Sie waren offensichtlich auch am Rosenstock auf dem Grab des Gatten, aber sie waren so mager, dass ich ihnen jede Rose könne. Ich wusste vorher, dass Rehe und Hasen die Rosen mögen, und da der Gatte sich Hasen an seinem Grab wünschte, Rehe mochte, ist das für mich okay. Außerdem bin ich selbst schuld, vergaß ich vor der Reha, die Rose mit Vergrämungsspray einzusprühen. 

Nach dem Friedhofsbesuch war ich im Kino, den neuen Eberhofer gucken, und musste natürlich daran denken, dass ich den Film davor mit dem Gatten guckte. Er freute sich so sehr darüber, dass wir jetzt so wohnen, dass wir einfach zu Fuß ins Kino gehen können, und nutzte das so oft wie möglich. 

Zusammen mit Nachbarn ging ich zur Eröffnung des Stadtfestes. Im letzten Jahr gingen wir noch gemeinsam mit dem Gatten, wobei ich ihn schon im Rollstuhl schieben musste. Wir ahnten damals schon, dass es der letzte Stadtfest-Besuch des Gatten sein würde. Der Gatte liebte das Stadtfest. Da sist auch wirklich schön, beginnt mit einem Festumzug der hiesigen Vereine, die auch das Programm tragen, und so ziemlich alle Vereine und Initiativen bekommen Gelegenheit, sich zu präsentieren. Ich hätte gerne eine "Probe-Wanderung" des hiesigen Wandervereis mitgemacht, traute das aber meinen entzündeten Füßen noch nicht zu. 

Ich habe die Reise zu unserer Silberhochzeit gebucht, die ich nun alleine antreten muss. Ich zögerte lange ob der Ausgabe, dachte dann aber an die vielen Reisen, die wir nicht machen konnten, weil sie zu anstrengend gewesen wären. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse

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