Samstag, 10. Oktober 2026

Samstagsplausch KW 41/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXLIII

Die Woche war trotz vieler schöner Verabredungen schwer und anstrengend. Normale Menschen schöpfen aus dem Zusammensein mit Freundinnen Kraft. Mich kostet es Kraft, denn es stresst mich, unter Menschen zu sein, so lieb sie auch sind. Hinzu kommt, dass ich gerade die finale Lebensphase des Gatten sehr intensiv wieder erlebe. Vor einem Jahr begann die Zeit, in der es nicht mehr zu leugnen war, dass der Gatte sterben würde, unterhielten wir uns über seine Beerdigung, schrieben wir unser Testament, ließen wir uns nicht mehr alleine, um jeden gemeinsamen Moment zu nutzen. Es war nicht geplant, dass mich der Gatte alleine lässt. Ich versuche, Tag für Tag irgendwie weiter zu machen, auch wenn es keinen Grund mehr gibt. 

In der Nordheide kann der Himmel Drama.

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 343. Die Trauer bleibt meine Weggefährtin. Sie ist nur erträglich, wenn ich konsequent verdränge, dass der Gatte niemals wiederkommt. Das Leben ohne den Gatten ist unendlich schwer. Er fehlt in jeder Sekunde, bei jedem Atemzug.

Ich war bei einem Handwerkerkurs im Oberhafen-Quartier und kann nun endlich einigermaßen mit der Makita des Gatten umgehen. Ich habe inzwischen auch ein Ladegerät gekauft, denn in dem Chaos der beiden Werkstätten des Gatten war kein passendes zu finden. Ich kann auch wieder mit Schlagbohrer oder Bohrhammer umgehen, und mein Hohlraumdübel saß im ersten Versuch. Jetzt muss ich Schlagbohrer und Bohrhammer nur noch finden. Ich musste die ganze Zeit daran denken, wie der Gatte und ich an genau so einem wunderschönen Spätsommertag vor 15 Jahren durch die HafenCity stromerten, wie sehr er das damals genoss, wie sehr ihm das quirlige Treiben im Oberhafen-Quartier heute gefallen hätte.

Zusammen mit der Sandkastenfreundin überraschten wir die dritte im Bunde zu ihrem runden Geburtstag. Die eine hatte Angst, dass die andere nicht feiern würde, weil schwere Zeit und überhaupt. Wir wollten also nur schnell ein paar Blümchen, Kuchen und Geschenk klammheimlich vor ihre Tür stellen. Nun ja, wir crashten ihre Party! Großes Gelächter auf allen Seiten, und wir durften nicht ohne Kaffee und Kuchen weiter. Danach machten wir zu zweit eine kleine Radtour, damit ich meine Radfahr-Angst ablege. Wobei: Ich habe keine Angst vorm Radfahren. Ich kann nur nicht Bremsen, Aufsteigen und Absteigen. Bremsen, Stehen, Fallen ist eins. So bescheuert es ist, werde ich tagelang unsere kleine Anwohnerstraße rauf und runter fahren, um Bremsen, Aufsteigen und Absteigen zu üben - wie vor 55 Jahren, als meine Mutter mir Radfahren beibrachte. Ich habe keine Lust, mich von meinen Ängsten einschränken zu lassen. 

Ich habe einen ganzen Tag auf einer Tagung überstanden. Solche Termine stressen mich extrem, und ich war froh, dass ich den Tag darauf außerplanmäßig ins Heimbüro konnte. 

Ich hatte Besuch von einer Strickfreundin, die ich drei Jahre lang nicht da, weil es leider keine Yarncamps mehr gibt. Ich war beim Stricktreffen, das diesmal mehr als gut besucht war. Ich habe bei meiner Strickgruppe anscheinend einen Ruf weg. Ich kam später. Eine war neu dabei und wurde gefragt, wie sie vom Treffen erfuhr: "Ich habe da vor drei Wochen eine am Bahnhof angesprochen, die so einen schönen Schal trug. Die fragte, ob ich auch stricke, und erzählte, wann und wo ihr euch trefft. Ich weiß nicht, wie sie heißt." Alle im Chor: "Ach, Sabine!" Später beklagte sich eine aus der Gruppe, sie müsse schon wieder was für ihre Tochter stricken, die nicht stricken kann, und sie kommt gar nicht mehr zu ihren Projekten. Prompt kam: "Stell' sie mal Sabine vor." Die "Strickliesels", denen ich während der Reha Stricken beibrachte oder wieder ans Stricken heranführte, stricken übrigens immer noch.

Ich habe mit den beiden Sandkastenfreundinnen einen Wellness-Nachmittag in einer Therme verbracht. Am einem usseligen Herbsttag genau das Richtige, aber für mich auch ein enormer Stressor, weil viele Menschen und laut. 

Der Herbst macht mir gerade zu schaffen. Ich bedauere schon, dass ich mir so viel vornahm, dass ich nicht einfach eingekuschelt zu Hause sitzen und striekcn kann. Aber das ist auf Dauer ja auch keine Lösung.

In Sachsen-Anhalt reagieren machttrunkene Faschisten, unterstützt von BSW und CDU. Es ist schwer, damit umzugehen. Faschismus ist wieder Normalität, rückt im Landtag von Sachsen-Anhalt auch buchstäblich in die Mitte. Die Demokratie ist am Ende.  

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse. 

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