Donnerstag, 1. Februar 2018

Ausgelesen: Bücher im Januar 2018

Seit Mitte Dezember fahre ich wieder mit dem ÖPNV ins Büro. Dadurch habe ich täglich mindestens zwei Stunden mehr Lesezeit. Zudem verbringe ich einen Teil meiner Arbeitszeit inmitten vieler Bücher, was auch nicht ohne Folgen bleibt, denn die Bücher, die wir vertreiben, sollten wir auch gelesen haben.

Okay, genaugenommen sollte die Kollegin der zweiten Ladenhälfte, zu der die Bücher gehören, sie gelesen haben, aber oft genug stranden auch Kunden bei mir, und mir war's schnell zu blöd, zu sagen, das weiß ich nicht, das ist nicht meine Abteilung. Sie sieht's umgekehrt genauso, nimmt mir auch Kunden ab, wenn ich gerade nicht kann. Das Einzige, was wir uns nicht gegenseitig abnehmen können, ist das Kassieren, weil: Ein Arbeitgeber, zwei Kassensysteme. Muss man nicht verstehen.

Im Laden gibt es meistens Sachbücher, was dazu führt, dass ich immer wieder mal zwei Bücher parallel lese, also einen Krimi zur Entspannung.

Im Dezember endete ich mit einem Band aus der Pia-Korittki-Reihe, im Januar setzte ich die Reihe mit "Ostseesühne*" fort. Wie üblich, hielt ich die Reihenfolge nicht ein ...

Im neunten Band der Reihe entdeckt ein Postbote im Feuerlöschteich auf einem Bauernhof eine halb verweste männliche Leiche. Von den Bewohnern des Hofes, einem Ehepaar und seinem 16-jährigen als zurückgeblieben geltenden Sohn, fehlt jede Spur. Pia Korittki übernimmt die Ermittlungen - und findet heraus, dass vor Jahren ein merkwürdiges Gerücht im Dorf kursierte, dem jedoch nie jemand nachgegangen ist: Auf dem Hof soll damals ein Mädchen gefangen gehalten worden sein.

Eva Almstädt hat bei mir ja ein leichtes Spiel, und dementsprechend gefiel mir "Ostseesühne". Das Buch hat Spannung und Dramatik.

Spannend und dramatisch, vor allem aber komisch ging's mit dem Krimi "Die Toten am Sund*" von Ariane Grundies weiter. Nach vielen Jahren trifft die Stralsunderin Gisela zufällig ihre ehemalige Nachbarin Rosi wieder. Die beiden stellen fest, dass sie das gleiche Schicksal ereilt hat: Arbeitslosigkeit und Langeweile.

Kurz entschlossen und todesmutig beschließen sie, ein Unternehmen zu gründen, das zu Stadtführungen der besonderen Art einlädt – mit Erfolg: Sowohl das Rollmopswettrollen als auch das Bungeespringen von der Rügenbrücke finden Anklang.

Doch die Freude der beiden trübt sich, als in Stralsund mehrere Touristen ermordet werden. Während die Polizei im Dunkeln tappt, ahnen Gisela und Rosi, was die Opfer verbindet: Sie alle haben an ihrer ersten Führung teilgenommen.

Da ich selbst mein Geld lange Zeit auf den Straßen dieser Stadt verdiente, rollte ich angesichts des Geschäftsgebarens von Gisela und Rosi mit den Augen, aber wenn man das ausblenden kann, ist das Buch ganz unterhaltsam.

"Unter Sachsen*" von Heike Kleffner und Matthias Meisner thematisiert die sogenannten sächsischen Verhältnisse und fragt, ob die mit der "Pegida"-Bewegung und den vielen rechten Gewalttaten ein auf den Freistaat begrenztes Phänomen sind.  Oder muss die zunehmende Radikalisierung der gesellschaftlichen Mitte als Vorbote künftiger politischer Veränderungen in ganz Deutschland verstanden werden?

In Analysen, Interviews, literarischen Texten und sehr persönlichen Kommentaren beleuchten zahlreiche Autoren beispielsweise den Zustand der sächsischen CDU, die Hintergründe der "Pegida"-Bewegung und der AfD in Sachsen oder die eigenen Erfahrungen mit Rassismus. Zahlreiche Reportagen zeigen die Verhältnisse vor Ort, in Leipzig oder Dresden ebenso wie im Erzgebirge und in Bautzen. Dazu gehört auch die Kreativität der Zivilgesellschaft, die vielerorts mit dem Rücken zur Wand demokratische Werte verteidigt.

"Unter Sachsen" ist sehr erschreckend und zeigt auf, dass es einer Zivilgesellschaft bedarf, die sich den braunen Pack entgegenstellt - wenn's dafür nicht schon zu spät ist. Ein absolut lesenswertes Buch!

"Alles rot*" heißt der Krimi aus der Mira-Valensky-Reihe, mit dem ich den Lesemonat abschloss. Eva Rossmann, die hinter Mira Valensky steckt, hat bei mir genauso ein leichtes Spiel wie Eva Almstädt: Beide lese ich gerne. Es ist schon das sechzehnte Buch der Reihe um die Wiener Journalistin und ihre Freundin Vesna Krajner.

Diesmal verschlägt es Mira nach Zypern, wo die EU-Taskforce-Leiterin Dagmar Wieser erschlagen aufgefunden wird. Ein Rachemord von EU-Gegnern? Dann tauchen plötzlich heiße SMS-Botschaften von Dagmar auf - und zwar nicht an ihren Lebensgefährten, sondern an einen Unbekannten. "Alles rot" ist spannende, solide Kost, die auch kulinarisch wieder viel hergibt - Autorin Rossmann ist nämlich "nebenbei" gelernte Köchin.

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