Samstag, 9. März 2024

Samstagsplausch KW 10/24: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCVIII

Sonnabend fuhren wir wieder in die Wohnung. Das werden wir noch drei Wochenenden machen, dann ist das Kapitel Hamburg nach 60 Jahren (der Gatte) bzw. nach 40 Jahren (ich) abgeschlossen. Der Gatte war am Sonnabend für seine Verhältnisse super fit. Die Einbauten im "großen" Flur sind entfernt, ebenso die im "kleinen" Flur und sogar weitgehend die im Zimmer des Gatten. Sogar die Einbau-Garderobe im Flur ist bis auf zwei Kistchen leer. Fünf weitere Umzugskisten wurden gepackt, ebenso fünf Beistellsäcke. Ich fuhr einmal zum Recyclinghof, entschied mich zu spät für die zweite Fuhre, muss mich dieses Wochenende dranhalten. Für den Gärtner ist alles zur Abholung bereitgestellt. Er weiß noch nicht, wann er Hochbeete und Gedöns transportiert, aber bis zum Monatsende wird er es erledigt haben. Er ist da ja ziemlich zuverlässig.

Während ich im Garten der Wohnung werkelte, setzte sich ein Rotkehlchen direkt vor mich und sang - ich nehme es als Abschiedsgruß. Wir hatten fast jedes Jahr brütende Rotkehlchen auf der Terrasse, haben sogar extra ein Rotkehlchennest, das zukünftig im alt-neuen Haus hängen wird, wenn ich dazu komme, mich um den Garten zu kümmern. Auch die Eichhörnchen kamen nochmal, um ihre launigen Spielchen zu spielen. Sie werden wir vermissen, denn Eichhörnchen sind selten rund ums alt-neue Haus. Einen Abschiedsgruß gab's auch von der alten Dame in der Wohnung gegenüber. Ich habe mich gefreut, sie wiederzusehen. Sie gehörte zu den wenigen netten Nachbarn. 

Sonnabend merkten wir wieder, wie laut die Wohnung doch ist. Für die bevorstehende EM gab's eine Großübung, um sich auf mögliche Katastrophenszenarien vorzubereiten, und die Kaserne in der Nähe unserer Wohnung ist in solchen Fällen immer der Stützpunkt. Dementsprechend passierten seit acht Uhr früh bis in den Abend hinein allerlei Fahrzeuge mit Sirenen und Hubschrauber die Straße vor unserer Wohnung. Dazu kamen noch die üblichen realen Einsätze von Polizei, Feuerwehr und RTW - da die Wohnung zwischen zwei Feuerwachen und zwei Krankenhäusern liegt, sind das auch nicht gerade wenige. Wie laut die Wohnung ist, merken wir erst richtig, seitdem wir die Ruhe des Hauses kennen. Vor allem den Gatten hatte der Straßenlärm bis zur zwei Jahren kaum gestört.

Sonntag war der Gatte weiterhin fit - eine Reihe guter Tage sind selten. Ich bekam Kaffee ans Bett gebracht, und er machte Frühstück! Ich schwächelte dafür, hatte nachts das CPAP-Gerät zerlegt und es nicht gemerkt, schlief über Stunden ohne, wurde irgendwann wach, weil ich das Gefühl hatte, zu ersticken. Als wir mittags fuhren, hatten wir dennoch sehr viel geschafft, war ich vorsichtig optimistisch, dass wir vor Ostern die Wohnung übergabefein bekommen. Es ist aber trotzdem noch reichlich zu tun. Dafür haben wir noch drei Wochenenden ... 

Auf dem Rückweg mussten wir zum ersten Mal eine Umleitung von gut zehn Kilometern fahren. Wir wussten, dass die am Sonnabend kommt, für ein Vierteljahr, aber am Sonnabendvormittag war noch nichts ausgeschildert, und Google Maps sagte auch am Sonntagmittag noch nichts. So wurden wir etwas überrascht, auch von der spärlichen Ausschilderung. Da der Gatte vorweg fuhr, sah ich ihn schon durch die Pampa irren, aber er schaffte es problemlos, sich zu orientieren - ein Zeichen, dass es ihm gut geht.

In der Wohnung ist insgesamt noch so viel Geraffel, das der Gatte mitnehmen möchte, dass ich nicht weiß, wohin damit. Wir haben einfach keinen Platz mehr für weitere Umzugskisten, Schränke oder Regale. Ich habe den Gatten gebeten, das, was er partout behalten möchte, einzulagern, denn noch haben wir einen Lagerraum. Nach Diskussionen stimmte er zu. Ich hoffe, er erinnert sich daran, wenn wir die Sachen dann tatsächlich einlagern werden. Wir haben im Haus zwar mehr Platz als in der Wohnung, aber er ist anders aufgeteilt, und so passen nicht mehr alle Schränke und Regale. Mir war das klar, weswegen ich radikal aussortierte. Zudem kaufte der Gatte in den zwei Jahren, die wir auf der Baustelle lebten, reichlich neue Regale, die jetzt den alten im Weg stehen. Da muss entschieden werden, was aufgehoben werden soll und was weg kann. Der Gatte will das nicht entscheiden. Er will aber auch in seinem Zimmer keine drei Reihen Regale haben. Und so drehen wir uns im Kreis ... Das sind Diskussionen, die es nicht gegeben hätte, als der Gatte noch gesund war.

Im Büro ist viel zu tun. Ich musste drei Tage ins Echtbüro statt zwei, weil ich jetzt an einem Tag Springerin bin, wenn zu wenig Leute im Echtbüro sind. Das brachte unsere Routine etwas durcheinander, denn mir fehlte der Nachmittag, an dem ich sonst aufräume, schon mal ein paar Besorgungen erledige und versuche, eine gute Hausfrau zu sein. Der Gatte nahm mir sicherheitshalber ein paar Besorgungen ab. Seit dieser Woche nehme ich für ein halbes Jahr einmal wöchentlich an einer Therapiegruppe zur Reha-Nachsorge teil, was einen Vierzehn-Stunden-Tag bedeutet, sich aber nicht ändern lässt. Ich hoffe, ich halte das durch. Die Therapiegruppe scheint ganz okay zu sein. 

Der Gatte fuhr schon Freitagmorgen in die Wohnung, was mir einen Tag und einen Abend alleine bescherte. Das tut gut, kann ich mich doch ganz nach meinen Bedürfnissen richten. Ansonsten ist ja weiterhin jeder Moment nach den Bedürfnissen des Gatten ausgerichtet. Aber ich versuche auch, mir Freiräume zu schaffen. Im Mai gehe ich mit einer Freundin ins Konzert, und für April habe ich mir einige Filme, Konzerte und Lesungen notiert, in die ich spontan gehen möchte - irgendeinen Einzelplatz gibt es ja meistens noch an der Abendkasse. Stadtbibliothek, Kirche und Veranstaltungszentrum sind gerade mal zehn Minuten zu Fuß entfernt, das Kino zwanzig. Da kann ich sehr spontan sein. 

Hier gilt seit mittlerweile 208 Wochen: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall. Er ist schwerbehindert und berufsunfähig verrentet. Es geht uns dennoch  vergleichsweise gut. Wir halten es gut miteinander aus, wenngleich die Erkrankungen und der Schlaganfall des Gatten zu Wesensveränderungen führten, die ein Zusammenleben manchmal sehr schwer machen. 

Unsere Kontakte sind normalerweise auf das Notwendigste beschränkt, heißt: Arbeit, Ärzte, Einkaufen, Schwiegermutter und Handwerker. Ich bin dankbar, dass Corona bislang Gatten, Schwiegermutter und Tante verschonte und hoffe sehr, das bleibt so. 

Schwiegermutter geht's soweit ganz gut, Tante hoffentlich auch. Da der Gatte selten mit seiner Mutter telefoniert, bin ich da nicht so auf dem neusten Stand. Ich könnte sie selbst anrufen, aber dann denkt sie, es ist etwas mit dem Gatten oder er will nicht mit ihr sprechen. Es ist kompliziert. Jedenfalls muss Schwiegermutter zum Neurologen. Mal gucken, was dabei heraus kommt. Sie ist seit einiger Zeit arg tüddelig, und Demenz ist in der Familie des Gatten durchaus bekannt (weswegen mir die Wesensveränderungen des Gatten gelegentlich Sorgen machen). 

Jeden Tag mehrfach geht der Blick zu den Nachrichten aus der Herzensheimat. Ich hätte nie gedacht, dass sich der Krieg gegen die Hamas so lange hinzieht, dass Israel so isoliert ist, alleine gelassen wird. Bring them home now gilt weiterhin. Der zweite Jahrestag des Ukrainekriegs vor zwei Wochen ging natürlich auch nicht einfach so an uns vorbei. Auch hier hätte ich nicht gedacht, dass der Krieg so lange dauert, die Ukraine im Stich gelassen wird. Heute ist der Jahrestag des Amoklaufs bei den Zeugen Jehovas, auch etwas, das mir nahe ging. Ich hörte davon auf dem Weg ins alt-neue Haus. In der Siedlung wuchs ich mit Kindern aus dieser Glaubensgemeinschaft auf. 

Beim vierteljährlichen Kontrolltermin für meine Hormoneinnahme zeigte sich, dass meine Cholesterinwerte immer schlechter werden. Als ich noch 39 Kilo mehr wog, waren meine Cholesterinwerte absolut vorbildlich. Im Herbst waren sie noch akzeptabel. Jetzt sind sie so schlecht, dass ich Tabletten brauche. Als sie in den letzten beiden Jahren immer schlechter wurden, dachte ich, es liegt daran, dass wir baustellenbedingt viel Convenience essen, aber das ist ja nun schon länger nicht mehr der Fall. Ich bin einigermaßen ratlos, was ich machen soll, damit die Werte besser werden. Die Endokrinologin, die die Werte kontrolliert, zuckte nur die Schultern. Vielleicht weiß die Hausärztin Rat. Da muss ich kommenden Monat mal hin. Sie müsste auch Tabletten verschreiben oder entscheiden, ob sie abwartet. Sicher wird alles besser, wenn ich noch weitere 66 Kilo abnehme, um den ärztlich gewünschten BMI von 18 zu erreichen ... 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse

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