Samstag, 9. Mai 2026

Samstagsplausch KW 19/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXXI

"Sie haben vergessen anzugeben, dass Sie zuckerkrank sind!" - "Ich bin zuckerkrank?" - "Sie nehmen Metformin!" - "Ich nehme das off label, weil ich PCOS habe." - "Kenne ich nicht! Sie nehmen Metformin. Sie haben Diabetes." 

Der Dialog mit dem Arzt beim Blutspenden machte mich wieder mal sehr mütend. Die Ärzte, die mir bislang begegneten und PCOS kennen, kann ich an einer Hand abzählen. Es ist einfacher, Diabetes zu diagnostizieren, obwohl meine Blutzuckerwerte vorbildlich sind, und Frauenkrankheiten sind für die Medizin ja ohnehin uninteressant, kommen im Studium allenfalls am Rande vor. Aber immerhin wurde ich trotz dieser Fehldiagnose zum Blutspenden vorgelassen. Beim nächsten Blutspenden muss ich dann das Diabetes-Thema erneut erörtern - oder ich verschwiege zukünftig die Metformin-Einnahme ... 

Nach dem Blutspenden erholte ich mich wie gefordert brav, saß den größten Teil des Nachmittags im Garten und las. Es war schwierig, ohne den Gatten im Garten zu sitzen, aber ich bin fest entschlossen, mir das nicht von der Trauer nehmen zu lassen, anders als meine Mutter und meine Schwiegermutter, die nach dem Tode ihrer Männer nicht mehr alleine im Garten saßen. 

Ansonsten war die Woche das normale Chaos. Dienstag warf mich die Trauer um, ging gar nichts mehr. Seitdem ich keine Hormone bekomme, kämpfe ich zudem mit hartnäckigen Schmerzen. Ohne Schmerztabletten geht's selten. Aber da es laut Gynäkologen nicht sein kann, dass die Schmerzen von den fehlenden Hormonen kommen, muss ich da durch. Mir ist eine Gynäkologin empfohlen worden, die Wechseljahre und Hormone kann. Ich werde kommende Woche mal anrufen, bezweifle aber, dass sie neue Kassenpatienten nimmt. Mal gucken, ob ich einen Selbstzahler-Termin bekommen kann, zumal ich meinen jährlichen Gyn-Termin schon hatte, die Krankenkasse nicht mehr zahlt. 

Das Hotel, in dem Schwiegermutter und Tante urlauben, lieferte wie bestellt einen Blumenstrauß zu Schwiegermutters Geburtstag. Kurzfristig bin ich die beste Schwiegertochter von allen - zumindest bis morgen, wenn Tante auch einen Blumenstrauß zum Geburtstag bekommt und Schwiegermutter merkt, dass der nicht für sie zum Muttertag ist ... Ansonsten findet Schwiegermutter den Urlaub doof, was aber keinesfalls an ihr liegt, sondern an Tante, die alles vergisst und / oder falsch macht, an dem Hotel, das zu voll ist usw. Sie kam zu dem Ergebnis, sie können mit Tante nicht mehr verreisen. Ich hoffe, sie kommt nicht zu dem Ergebnis, zukünftig mit mir verreisen zu wollen. 

Ich habe die Balkonverglasung in Auftrag gegeben, trotz Panik-Attacke wegen des Geldes. Es ist so ungewohnt, ohne Absprache mit dem Gatten etwas zu beauftragen. Andererseits folgt die Balkongestaltung seinem Plan, erfülle ich seinen Wunsch (und meinen, denn gefiele mir die Gestaltung nicht auch, ließe ich sie nicht ausführen, ist hoffentlich klar). Ich habe beschlossen, ich taste jetzt die Rücklagen an, die für die Sanierung vorgesehen sind, auch wenn ich noch immer noch weiß, mit welchem Betrag ich monatlich rechnen kann, weil ich noch keinen Bescheid über die Witwenrente habe. Ich möchte im Haus endlich mal weiterkommen, möchte mich hier soweit zu Hause fühlen können, wie es ohne den Gatten geht, will nicht länger auf einer Baustelle, in einem Provisorium leben. 

Noch lieber als den Balkon hätte ich die Gestaltung des Vorgartens beauftragt, aber wenn der fertig ist, müsste er regelmäßig gegossen werden, und da ich wochenlang zur Reha bin, warte ich mit dem Vorgarten bis zum Herbst oder bis zum nächsten Frühling.

Ich habe bei der DRV angerufen, aber mein Antrag auf Witwenrente ist noch immer nicht bearbeitet. Ich habe ihn ja auch erst vor 25 Wochen gestellt. Die DRV hatte vor drei Wochen eine Nachfrage bei meinem Arbeitgeber, richtete die aber natürlich entgegen meiner Bitte nicht an die von mir genannte Personalsachbearbeiterin, sondern ans Personalamt, wo man für bummelig 70.000 Mitarbeitende zuständig ist. Ich habe meine Personalsachbearbeiterin gebeten, mich zu informieren, wenn sie der DRV antwortete, aber die Kollegin leidet nicht unter Langeweile. Ich bin gespannt, ob sie sich meldet. Dusseligerweise kann ich wie bei den Lebensversicherungen des Gatten das Thema nicht einfach für mich abhaken, sondern muss es einmal zum Abschluss bringen, egal, wie lange es dauert, egal, wie belastend es ist. Vielleicht habe ich nach der Reha die Kraft, einen Anwalt einzuschalten - passend zum ersten Todestag des Gatten.

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 321. 

Durch den Garten streift seit einiger Zeit eine wunderschöne schwarze Katze. Als sie zum ersten Mal an der Terrassentür vorbeischlich, erschrak ich, weil ich dachte, es wäre eine riesige Ratte ... Ich hoffe, die Miez weiß, was sie mit Ratten machen muss, und ich hoffe, der Kammerjäger hat recht damit, dass Katzen keine vergifteten Ratten fressen. Nach zwei Wochen und einem Beratungsgespräch bekam ich zudem das bestellte Rattengift. Da am Haus unser Kaminholz lagert, werde ich dort und im Gartenhäuschen auf jeden Fall ganzjährig ködern. Effektiver sind Schlagfallen, aber die müssten wöchentlich kontrolliert werden, und das kann ich nicht gewährleisten.

Highlight diese Woche war das monatliche Stricktreffen. Danach merkte ich aber wieder mal: Wenn ich nach 21 Uhr ins Bett gehe, schlafe ich ausgesprochen schlecht und unruhig. Ich hoffe, das gibt sich wieder. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

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