Samstag, 4. Juli 2026

Samstagsplausch KW 27/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXXIX

Die Woche war unwahrscheinlich anstrengend - so anstrengend, dass ich mich nach zwei Gläsern alkoholfreiem Sekt am nächsten Tag fühlte, als hätte ich einen Kater. Oder anders: Einen Arbeitstag verbrachte ich in einer Skatehalle, einen anderen beim Eisessen, auf einem Stadtspaziergang und beim jährlichen Vor-dem-Urlaub-Umtrunk der Chefin mit Sekttrinken (alkoholfreiem, echt!). Zwischendrin kauften wir auch noch Strand. Eine ganz normale Arbeitswoche also.

Der Großfußhase durfte wieder als Support-Bunny mitkommen und mich daran erinnern, dass ich auf dem Rückweg noch zum Baumarkt muss. Außerdem durfte er auf dem Rückweg auf Sonneblumen aufpassen.

Das Wochenende wird nicht weniger anstrengend. Kommende Woche wird der Vorgarten neu gemacht, und da auch zwei Lichtschächte der Kellerfenster erneuert werden müssen, muss ich die Werkstatt des Gatten so weit freiräumen, dass die Handwerker ans Kellerfenster können. Das ist emotionaler anstrengender als körperlich, denn alles atmet den Geist des Gatten. Es ist, als wäre er nur mal eben kurz weg. 

Nach dem Pflücken der Sonnenblumen hatte ich einen Beifahrer mehr. Zu Hause angekommen, flog Marini in den Garten.

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 329. Die Trauer bleibt meine Weggefährtin. Sie ist nur erträglich, wenn ich konsequent verdränge, dass der Gatte niemals wiederkommt. Das Leben ohne den Gatten ist unendlich schwer. Er fehlt in jeder Sekunde, bei jedem Atemzug.

Es ist jetzt ein Jahr her, dass der Gatte als Notfall ins Krankenhaus kam. Damals wütete schon Candida glabrata in sein Körper, unerkannt, unbehandelt. Der Gatte entschied sich nach der Notfall-OP für eine große OP, für die er erst aufgepäppelt werden musst, da sein Körper angesichts über einem halben Dutzend Infektionen, die er verkraften musste, zu geschwächt war. Die hygienischen Zustände im hiesigen Krankenhaus sind nun mal nicht für Kranke gemacht und führten letztlich zum viel zu frühen Tode des Gatten. Vor einem Jahr hatte er aber noch die Hoffnung, nach einer weiteren OP endlich wieder gehen zu können. 

Das Pendeln könnte weniger anstrengend sein, wenn die ICEs, die gelegentlich außerplanmäßig an unserem Dorf-Bahnhof halten, um anderen Zügen Vorfahrt zu gewähren, die wartenden Fahrgäste mit nach Hamburg nehmen dürften. Aber die Türen blieben natürlich verschlossen. 

Vielleicht lenkt mich Gartenarbeit ein bisschen von der Trauer ab. Ich will dem Giersch zu Leibe rücken, ein paar schwere Pflanztöpfe umsetzen, Platten und Palisaden vor's Haus bringen (die brauchen die Gärtner im Vorgarten) und Wildwuchs bändigen. Zum Glück soll es kommende Woche nicht so warm werden. Ich hatte schon überlegt, dem Gärtner anzubieten, die Arbeiten zu verschieben, wenn's bei ihm gepasst hätte. Mir eilt es ja nicht. Auf jeden Fall habe ich ausreichend Wasser, Apfelschorle und Eis da.

Begehbare Kunst von Ólafur Elíasson.

Tante bekam den Entwurf für das neue Testament, das ihre "Hilfe" veranlasste, von der Notarin per Post zugeschickt und rief mich total wütend an. Der Inhalt war wie befürchtet: Ihre "Hilfe" will sich alles sichern, schnüffelte in Tantes Abwesenheit auch in der Wohnung herum, so dass sie über die Vermögensverhältnisse bestens informiert ist. Tantes Original-Testament ist inzwischen an einem sichern Ort verwahrt, außerhalb jeglicher Reichweite ihrer "Hilfe". Mit beim Testament ist ein aktuelles ärztliches Attest über Tantes Zurechnungsfähigkeit, falls jemand daran zweifeln sollte. Schwiegermutter und ich haben inzwischen Wohnungsschlüssel. 

Im Gängeviertel: Paradigmenwechsel von Smilla Sund. 

Morgen will Tante ihrer "Hilfe" sagen, dass sie das neue Testament auf keinen Fall unterschreibt. Wenn die "Hilfe" damit nicht einverstanden ist, soll sie den Wohnungsschlüssel abgeben. Ich bin gespannt. Mein Angebot, über's Wochenende zu ihr zu fliegen und dabei zu sein, wenn die "Hilfe" kommt, lehnte Tante ab. Sie will es alleine schaffen, und es ist ja auch nicht damit getan, dass ich zu ihr fliege, denn dann fühlt Schwiegermutter sich ausgebootet, weil sie nicht mitkommt, hat Tante nicht nur mit ihrer "Hilfe" Stress, sondern auch noch mit Schwiegermutter ... Es ist einfach eine blöde Gemengelage. Tante ist damit einverstanden, dass das, was ihre "Hilfe" bislang machte, zukünftig über ihren Pflegedienst gemacht wird, denn der bietet auch hauswirtschaftliche Entlastung an. Tante weiß, dass ich gerne zu ihr komme, um mich darum zu kümmern, dass das alles klappt, aber sie möchte es alleine schaffen, und das respektiere ich natürlich.   

Die Queen im Gängeviertel. 

Im Haus kam ich ein bisschen weiter. Die Rollläden sind ja schon repariert, so dass ich nicht mehr durch Helligkeit geweckt werde (dafür wecken mich jetzt wieder die Schlafstörungen). Der Balkon hat jetzt endlich die Milchglasscheiben, die sich er Gatte so sehr wünschte. Ich hoffe, sie gefallen ihm. 

Doch, doch, ich sitze den ganzen Tag am Schreibtisch ...

Der Bescheid zur Witwenrente fehlt natürlich immer noch. Vom Nachlassgericht gab's auch noch keinen Erbschein, aber ich habe inzwischen alle fehlende Dokumente nachgereicht. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse

1 Kommentar:

  1. Das mit dieser "Hilfe" ist ja unglaublich. Schwiegermutter hatte auch mal so hilfreiche Nachbarn. Irgendwann bekamen die allerdings wohl mit, dass sie ein Berliner Testament hat, das nicht mehr geändert werden kann.
    Der Tante viel Kraft! Und wie schön, dass sie jetzt doch dem Pflegedienst zugestimmt hat, da hat die "Hilfe" ihre Hand wohl überspielt.

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Kommentare von Corona-Leugner, Quer- und anderen Nicht-Denkern, Wahnwichteln, Das-ist-doch-nur-ne-Grippe-Schwurblern, Wir-haben-genug-freie-Intensivbetten-Rufern und ähnlichen Düffeldaffeln werden gelöscht.