Von wegen, Sturm ist, wenn die Schafe keine Locken mehr haben. Sturm ist, wenn die Uhus vom Baum geweht werden. Kein Witz. Der Vogel guckte so verdutzt wie wir.
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| Mittelaltermarkt bei stürmischen Wetter mit verwehten Vögeln. |
Sonntag war ich mit einer Freundin auf dem Mittelaltermarkt im benachbarten Wildpark, und wir nutzten die Chance, uns auch die Flugschau anzusehen. Der Uhu war nicht der einzige Vogel, der arge Probleme mit dem Sturm hatte. Auch der Weißkopf-Seeadler kam öfter vom Kurs ab. Am Besten kamen noch die beiden Bussarde mit dem starken Wind zurecht.
Der Sonntag war das Highlight einen ausgesprochen anstrengenden Woche, emotional und überhaupt.
Meine Kollegin ist inzwischen die dritte Woche krank, und ein Ende ist angesichts der Diagnose Long Covid nicht in Sicht (aber Corona ist ja nur 'ne Erkältung und überhaupt vorbei). Sie ist so schwach, dass ich anders als sonst noch nicht mal mehr mit ihr diskutieren muss, ob sie nicht vielleicht doch ein klitzekleines Bisschen trotz Krankschreibung arbeiten darf. Das Team versucht, sie aufzufangen, und das Team versucht, auch mich aufzufangen, denn ich arbeite aktuell buchstäblich für zwei. Noch schaffe ich es ohne viel Unterstützung, will die Unterstützung nicht überstrapazieren, denn ich falle ja demnächst durch die Reha ein paar Wochen aus. So, wie das Team tickt, wurde mein Vorschlag, die Reha zu verschieben, schneller abgelehnt als ich ihn aussprechen konnte. Wir hoffen alle, dass die Kollegin bald wieder an Bord ist.
Ich denke aktuell immer an den letzten Sommer des Gatten, den er komplett im Krankenhaus verbringen musste. Das Krankenhaus ist nicht klimatisiert, außerdem war er oft in Isolation, also war kein Durchzug möglich, weil Fenster und Türen geschlossen bleiben mussten. Es gab kaum Verdunkelung, so dass die Hitze auch nicht wirklich draußen bleiben konnte. Er durfte aufgrund seiner diversen Erkrankungen maximal zwei Liter am Tag trinken. Es war eine Quälerei. Ventilatoren und Airflips* machten es etwas erträglich.
Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 327. Die Trauer bleibt meine Weggefährtin. Sie ist nur erträglich, wenn ich konsequent verdränge, dass der Gatte niemals wiederkommt. Das Leben ohne den Gatten ist unendlich schwer. Er fehlt in jeder Sekunde, bei jedem Atemzug.
In dieser Woche löste ich das Bankkonto des Gatten auf und schloss einen Vertrag über die Grabpflege nach meinem Tode ab. Es mag merkwürdig erscheinen, dass mir wichtig ist, wie das Grab nach meinem Tode aussieht, aber mich dauern ungepflegte, vergessene Gräber. Es beruhigt mich zu wissen, dass das Grab gepflegt wird, wenn ich wieder mit dem Gatten zusammen bin. Es mag ein wenig früh erscheinen, dass ich mich schon jetzt darum kümmere, aber Treuhandkonten für Grabpflege, Beerdigung und auch Steinmetzarbeiten sind zumindest nach aktuellen Recht Schonvermögen, dürfen also nicht angetastet werden, wenn Haus und Grund für Pflegekosten etc. gepfändet werden. Deswegen lege ich diese Konten jetzt an, wo noch alles Geld mir gehört. Sobald ich von der Reha zurück bin, werde ich ein Treuhandkonto für die Beerdigung anlegen (und falls notwendig, auch für die Steinmetzarbeiten).
Die Autoversicherung des Gatten kündigte überraschend den Vertrag und sandte mir einen neuen. Man vergaß, mich darüber zu informieren, dass das passieren würde, weil ich den Wagen des Gatten auf mich ummeldete. Stattdessen sagte man mir, es ändere sich nichts; ein Jahr nach dem Tode des Gatten bliebe alles beim alten, weil ich ja die Versicherung fortführen würde, sie nicht gekündigt hätte. Was man auch vergaß mir zu sagen: Die Versicherung wird jetzt doppelt gezahlt, denn vom Konto des Gatten wurde der Betrag schon im Januar abgebucht.
Kommende Woche werden endlich zwei Rollläden repariert. Dann habe ich im Arbeitszimmer endlich wieder eine ordentliche Verdunkelung, sind da hoffentlich keine 33 Grad und mehr. Außerdem werde ich nicht mehr durch den Sonnenaufgang wach, denn das Licht aus dem Arbeitszimmer fällt auch ins Schlafzimmer.
Ich habe vielleicht eine Lösung für die Gartenbewässerung gefunden, die mittels Tank und Solar funktioniert. Ich bin gespannt. Ich möchte schon lange ein Bewässerungssystem, aber Aufwand und Kosten waren mir zu hoch. Wenn's klappt, ist die Bewässerung auch von Balkon und Vorgarten gesichert. Außerdem scheine ich eine unaufwändige Lösung für Solarstrom im Gartenhäuschen gefunden zu haben, die ich zur Rattenabwehr mittels Ultraschall nutzen kann. Auch hier bin ich gespannt.
Ich habe eine Liste gemacht für die Handwerksarbeiten, die ich nach der Reha durchführen lassen möchte. Dadurch werden zwar weder Keller noch Gästezimmer (oder eines der anderen Chaos-Zimmer) fertig, aber das sind Arbeiten, die mir wichtig sind, und die sich mit relativ wenig Aufwand ausführen lassen. Mir fehlt einfach die Kraft für Keller, Dachboden und Chaos-Zimmer. Vielleicht ist sie nach der Reha da. Wenn nicht, ist es nicht schlimm, denn ich habe ja keinen Termin, bis zu dem alles fertig sein muss.
Wenig überraschend, gibt es auch diese Woche keinen Bescheid über die Witwenrente. An der Verzögerung beim Erbschein bin aktuell ich Schuld, denn ich hatte noch keine Kraft, die gewünschten Kopien zu machen und ans Nachlassgericht zu senden.
Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse. / *Affiliate link

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