Wie gut das Team funktioniert, zeigte sich beim Besuch in der Skatehalle, zu dem spontan eine Kollegin mitkam, jede Menge gute Ideen einbrachte, die sie zum größten Teil auch selbst umsetzen wird, und auch noch ungefragt ein Protokoll schrieb, damit nichts vergessen wird! Ich freute mich, dass ich mich überwand, sie zu fragen, ob sie mitkommen mag. Ich bin's gewohnt, Einzelkämpferin zu sein, aber anscheinend bin auch ich lernfähig.
Das Team bewährte sich auch beim Betriebsausflug. Wir waren in einem Museumsdorf und spielten alte Kinderspiele, gegeneinander in zwei Teams, gedacht als Teambuilding-Maßnahme. Die Museumspädagogin merkte aber schnell, dass es bei uns nichts mehr zu bilden gibt, dass das Team im Großen und Ganzen funktioniert. Beim Einteilen der Gruppen kam kurz das Schulsport-Trauma durch, immer als Letzte gewählt zu werden, weil man mit mir in der Verwandtschaft nur verlieren kann, aber bei uns wurde nichts gewählt, wir teilten uns ohne viel Tamtam einfach auf. Und anscheinend kann man mit mir in einer Gruppe auch gewinnen, denn ich zeigte mir selbst unbekannte Talente im Murmelspielen und Dosenwerfen.
Nach dem Spielen wurde gepicknickt, und auch hier zeigte sich der Teamgeist: Ohne uns vorher abgesprochen zu haben, gab's genug Besteck, Teller, Servietten und Becher für alle (und eine Tischdecke). Nur Getränke hatten wir vergessen (bzw. ich hatte eine Kanne Tee dabei, die für alle gereicht hätte, aber die anderen wollten lieber Kaffee). Die Picknicktische wurden kurzerhand zusammengeschoben, weil in zwei Gruppen sitzen doof ist. Wir konnten uns kaum vom Picknicktisch lösen, obwohl ja eigentlich noch Kultur angesagt war. Als der Kaffeedurst überhand nahm, schleppten wir uns plauzig ins Museumscafé, wo wieder die Tische zusammengeschoben wurden, weil es sich so besser schnattern ließ. Dabei wurde regelmäßig "Reise nach Jerusalem" gespielt, wenn es jemandem zu sonnig wurde. Geschnattert wurde übrigens nicht über die Arbeit, was ich sehr schätzte. Auf dem Rückweg gab's dann doch noch etwas Kultur, bummelten wir durch einen Museumsabschnitt, bis wir am späten Nachmittag beschlossen, dass es jetzt dann auch mal gut ist mit dem Betriebsausflug, weil der Heimweg der anderen doch recht lang ist (ich wohne eine Viertelstunde entfernt, hatte Heimvorteil).
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| Sonnenuntergang über der Ostsee in der Hohwachter Bucht. |
Freitag fuhr ich dann für ein paar Tage nach Weißenhäuser Strand. Ich hatte lange überlegt, wie ich meinen ersten Geburtstag als Witwe feiere und dachte, das Beste wäre es, zur Ostsee-Tante zu fahren. Weil ich ihr aber nicht zur Last fallen wollte, buchte ich ein Zimmer mit Meerblick in Weißenhäuser Strand. Da war ich ja gerne mit dem Gatten, und das ist nur eine halbe Autostunde entfernt. Ich wollte auf jeden Fall vermeiden, zusammen mit der Schwiegermutter feiern zu müssen - sie kommt da ja gelegentlich auf seltsame Ideen.
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| Stricken mit Ostsee-Blick. Für den Balkon war es leider zu kalt. |
Die Auszeit mit Schlafen, Schwimmen, Strandspaziergängen tat mir sehr gut. Der Geburtstag war so gut, wie er unter den aktuellen Umständen sein kann. Die Ostsee-Tante lud den kleinen Cousin ein, so dass es ein schöner Nachmittag war.
Kaum zurück, buchte ich mich für Weihnachten wieder im Hotel ein. Schwiegermutter möchte ja, dass ich über Weihnachten eine Woche lang zu ihr ziehe, aber das halten meine Nerven ist aus.
Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 326. Die Trauer bleibt meine Weggefährtin. Sie ist nur erträglich, wenn ich konsequent verdränge, dass der Gatte niemals wiederkommt. Das Leben ohne den Gatten ist unendlich schwer. Er fehlt in jeder Sekunde, bei jedem Atemzug.
Beim Erbschein kam jetzt Post vom Nachlassgericht: Man hat das ohnehin offene Testament vom Gatten jetzt offiziell eröffnet und schickte es mir mit Eröffnungsvermerk und Gebührenrechnung. Zwei Tage später kam ein weiterer Brief: Man braucht noch unsere Geburtsurkunden und die Heiratsurkunde. Die liegen zwar schon beim Nachlassgericht, denn die brauchte ich auch für den Erbschein meiner Mutter, aber die Akte einfach aus dem Archiv zu holen und aufzumachen, wäre zu einfach. Also schicke ich wieder Kopien.
Die Lebensversicherung, für die ich den Erbschein beantragte, antwortete mir nach einem halben Jahr, dass ich für die Auszahlung keinen Erbschein brauche, sondern nur eine Unterschrift der Schwiegermutter, das die Versicherung an mich ausgezahlt werden soll. Ich überlegte erst, dem Nachlassgericht mitzuteilen, dass ich den Erbschein nicht mehr brauche, aber vermutlich implodiert das dann. Außerdem bin ich ja theoretisch auch erbberechtigt bei Schwiegermutter und Tante, und wer weiß, ob mir da der Erbschein nicht doch noch nützt. So habe ich dann jetzt eine Verabredung mit Schwiegermutter zwecks Unterschrift, und damit es nicht zu anstrengend wird, kommt die Sandkastenfreundin des Gatten mit. Die Kombi machte ja auch Ostern erträglich.
Von der Witwenrente gibt es keinen neuen Stand, aber da rechne ich auch nicht mehr mit einem Bescheid in diesem Jahr. Zudem gibt es Pläne, die Witwenrente ganz zu streichen, also erwarte ich hier nichts mehr.
Drei Handwerker-Termine sind gemacht, und der Heizöl-Kauf ist auch abgemacht. Der Ölpreis hat sich gegenüber dem letzten Jahr fast verdoppelt. Wir kaufen das Öl zusammen mit zwei Nachbarn und überlegten alle drei, ob wir noch warten oder ob wir versuchen, so über den Winter zu kommen, entschieden uns dann aber dagegen, denn wer weiß, wie sich die Situation entwickelt.
Ich habe ein bisschen was im Garten geschafft, konnte etwas über Kleinanzeigen abgeben, komme in Babysteps vorwärts, muss aber jeden Tag darauf achten, dass ich meine Kräfte sehr gut einteile. Immerhin schaffte ich es zum monatlichen Stricktreffen.
Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.


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