Die Woche war wieder voller Unternehmungen. Ich hätte Nachholbedarf, meinte eine Strickfreundin. Das sehe ich nicht ganz so. Ich konnte ja auch zu Lebzeiten des Gatten alles unternehmen, was ich wollte, und es gab schon immer Zeiten, in denen mehr los war als zu anderen Zeiten. Mal fix, mal nix, nannte das mal jemand. Es wird also wieder anders, wenn nicht mehr so viel los ist, das mich interessiert - und da es mich anstrengt, auf dem Swutsch und unter Menschen zu sein, ist das hoffentlich bald der Fall.
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| Der Masken-Hase durfte mit ins Theater. |
Jedenfalls war ich im Theater und auch bei der langen Nacht des Strickens der Jesteburger Landfrauen. Die findet einmal im Jahr im Heimathaus statt. Mich begleitete eine der "Strickliesels" aus der Reha-Strickgruppe, die in Hamburg wohnt. Eigentlich wollten wir nicht lange bleiben, aber dann gehörten wir doch zu denen, die nach 22 Uhr quasi buchstäblich ausgekehrt wurden. Es war ein ausgesprochen schöner, harmonischer, ruhiger Abend.
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| Vor dem Jesteburger Heimathaus. |
Ich arbeitete weiter an meinem Lulu Slipover, bei dem ich ja die Knopfleisten verbreiten muss, und plauschte mit den Mädels aus meiner Strickgruppe, während meine Begleitung sich in die Geheimnisse des Färbens mit Pilzen einführen ließ (Beispiele dazu gibt es in diesem Samstagsplausch zu sehen) und es ansonsten genoss, inmitten strickender Frauen zu sein und zu Fachsimpeln. Es wurde von meiner Strickgruppe eine Strickreise nach Kopenhagen angedacht - mal gucken, was daraus wird.
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| Neben den Spinnerinnen, die ihre pflanzen- und pilzgefärbten Stränge präsentierten, zeigten die Landfrauen ihre Werke, zeigte Heidis Strickbar einen kleinen Teil ihres Sortiments. |
Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 344. Die Trauer bleibt meine Weggefährtin. Sie ist nur erträglich, wenn ich konsequent verdränge, dass der Gatte niemals wiederkommt. Das Leben ohne den Gatten ist unendlich schwer. Er fehlt in jeder Sekunde, bei jedem Atemzug.
Zuhause hielt ich es möglichst ruhig. Ich bingte Badehotellet* - meine Strickgruppe machte mich auf die Serie aufmerksam. Am Ende der achten Staffel, die letzte, die Deutsch synchronisiert ist, stellte ich fest, dass ich aus irgendeinem Grunde erst bei Staffel 3 einstieg - in der kommenden Woche habe ich also das Vergnügen, die ersten beiden Staffeln gucken zu können. Zu der Serie lässt es sich vortrefflich stricken.
Kommende Woche jährt sich der erste Todestag des Gatten. Ich werde ihn mit Schwiegermutter verbringen. Sie will jetzt doch das Grab des Gatten sehen, was sie monatelang ablehnte. Dann änderte sie ihre Meinung. Nun wirft sie mir ja vor, ich enthalte ihr den verstorbenen Sohn vor, weil er nicht im Hamburger Familiengrab beigesetzt ist. Das lehnte der Gatte ja schon vor mehr als zwei Jahrzehnten ab, weil es dort keinen Platz für mich gibt. Es wird also aus mehreren Gründen ein sehr schwerer Tag. Die Trauergruppe schlug vor, dass ich mir für den Schwiegermutter-Besuch Unterstützung hole, damit ich da nicht alleine durch muss, aber ich weiß nicht, wen ich fragen soll. Ich mag das niemandem zumuten. Schwiegermutter würde es mir auch übel nehmen, wenn an dem Tag jemand für sie Fremdes da ist, und das macht es nochmal schwerer für mich. Ich muss da also irgendwie durch.
Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse. / *Affiliate link



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