Mittwoch, 2. August 2017

Impressionen aus Vestervig (Dänemark): Die Kirche (Vestervig Kirke)

Wie bedeutend der kleine Ort Vestervig einst war, lässt sich an der Kirche erkennen, die weithin sichtbar über der Stadt thront: Vestervig Kirke ist die größte Dorfkirche Skandinaviens und geht zurück auf das Jahr 1060, als der aus Thüringen stammende Missionar Thøger ein erstes kleines Kirchlein aus Reisig und Zweigen errichtete.

Die Kirche von Vestervig.
Die Kirche von der Klostermølle aus gesehen.
Aus Freude über die Ankunft des Missionars entsprang prompt eine Quelle, die bis heute auf dem kleinen Friedhof (Nedre Kirkegård) gegenüber der Kirche sprudelt, denn dort befand sich die erste Kirche. Dieser Kirche folgten rasch zwei weitere, die bis zur Reformationszeit bestanden.

Blick auf den Altar.
Vestervig wurde Bischofssitz und ein beliebter Wallfahrtsort, der Quelle wurde Heilwirkung zugesagt. Neben der Quelle sind auch noch Überreste der ehemaligen Kirchenbauten zu sehen. Es ist ein ruhiger, verwunschener Ort gegenüber der heutigen Kirche.

Blick auf die Kanzel.
Die Kanzel (Detail).
Die Kanzel (Detail).
Vestervig war als religiöses Zentrum einige Jahrhunderte lang so bedeutend, dass zwei große Kirchen nebeneinander existierten. Die heutige Kirche wurde zwischen 1140 und 1160 als dreischiffige Basilika erbaut, zusammen mit einem Kloster, das die Augustiner führten.  Ein Tympanon mit einem Steinfragment erinnert an die einstige Kirche des Heiligen Thøger.

Blick zur Orgel, die zu den zehn größten Dänemarks gehört.
Während der Sommermonate gibt es regelmäßig Konzerte in der Kirche. Dabei erklingt dann auch die 1978 geweihte Orgel, die zu den zehn größten Dänemarks gehört. Falls Du kein Glück hast, die Orgel zu hören, gibt es in der Kirche CDs zu kaufen.

Vestervig: Vorne die Überreste der eisenzeitlichen Siedlung, hinten die Kirche.
Vor der Kirche gibt es Überreste einer Siedlung (Byhøi) aus der Eisenzeit. Es lassen sich noch drei von kopfsteingepflasterten Wegen umgebene Häuser erkennen. Das Meiste ist zwar abgedeckt oder im Museum in Thisted, aber dennoch lohnt sich ein Blick darauf.

Dieser Beitrag geht zur Urlaubslinkparty.

Dienstag, 1. August 2017

Impressionen aus Vestervig (Dänemark): Der Ort

Als ich ein Ferienhaus für den Juni-Urlaub suchte, war mir klar, dass es nicht nach Holmsland Klit geht. Ich wollte einfach mal eine andere Landschaft sehen. Dem Gatten gefiel die Idee, mal woanders zu urlauben, erst gar nicht, aber dann war er doch schnell von der Gegend rund um Vestervig am Limfjord begeistert.

Die Landschaft ist vom steten Westwind geprägt. Diese beiden Bäume faszinierten uns besonders. 
Unser Ferienhaus stand in Kærgården, einer kleinen Ansiedlung direkt am Limfjord, etwa einen Kilometer von Vestervig entfernt. Ein Fußweg führt durch Felder entlang eisenzeitlicher Grabhügel mitten ins Dorf, wo es mit Kaufmann und Geldautomaten alles für den täglichen Bedarf gibt. Leider gibt es hier keine Touristeninformation - die fehlte mir, denn ich gehöre zu den Menschen, die sie sehr gerne nutzen, auch in Zeiten des Internetzes.

Zu den windschiefen Bäumen gehört eine stabile Scheune.
Wie bedeutend Vestervig einst war, lässt sich heute kaum noch erahnen, und noch zu Beginn dieses Jahrhunderts stand das Dorf quasi vor dem Aus: Immer mehr Menschen wanderten ab, es gab keine Einzelhändler mehr, keine Bäcker oder Molkereien, keine Bank oder Post, keine Bücherei, weder Krankenhaus noch Apotheke.

Kaum zu glauben, dass hier einst das Leben pulsierte: Von den vielen Geschäften, die früher an Vestervigs Hauptstraße waren, ist heute kaum noch etwas zu erahnen.
Heute leben etwa 700 Menschen in Vestervig. Sie machen sich viele Gedanken, wie sie das Örtchen lebenswert gestalten können. 2013 schließlich wurde Vestervig mit dem Titel "Dorf des Jahres" ausgezeichnet.

Das sind nicht nur Wolken am Horizont, das ist auch der Limfjord.
Es gelang in den letzten Jahren, Gewerbe und Gewerke anzusiedeln, Häuser wurden renoviert, im Thinghuset, dem einstigen Gericht, leben Künstler, die Workshops anbieten, gibt es eine kleine Ausstellung zur Rechtsgeschichte im früheren Gerichtssaal und den Gefängniszellen.

Klosterpark (mit den Schloten des Heizkraftwerks).
Außerdem gibt es einen gut sortierten Supermarkt, der auch die Aufgaben von Post, Apotheke und Bäcker übernimmt (und direkt gegenüber gibt es einen Geldautomaten). Durch die Kirchenmusikschule kommen viele Musiker in den kleinen Ort, so dass es immer wieder Konzerte gibt. Und seit April diesen Jahres gibt es auch eine Genbrugsbutik, den in Dänemark so beliebten Gebrauchtwarenladen.

Im Klosterpark. Ich vermute, mit der Tafel werden Pétanquespielstände festgehalten.
Vestervig wird auch durch Kleinigkeiten liebenswert: So gibt es Klosterparken, einen Park mit Bolz- und Pétanqueplatz, Natur-Spielplatz, Eislauf- und Rodelbahn, Freilichtbühne, Teich und Bachlauf, der an eine Streuobstwiese mit Schafen grenzt. Überall sind Bänke aufgestellt, worüber sich alte Frauen wie ich sehr freuen.

Einer der Kaffeepausenplätze an der Klostergade, hier auf einem unbebauten Grundstück zwischen zwei Häusern.
Mehr noch: Es gibt entlang der Klostergade, der Hauptstraße, Tische und Bänke für Fußgänger und Radfahrer, die dazu auffordern, hier eine Kaffeepause zu machen (vorausgesetzt, man hat Proviant dabei). Man kann also kommod von Kærgården aus durch den Ort zur Kirche und wieder zurück laufen oder mit dem Rad fahren.

Plötzlich stand ein ganz junges Rehkitz vor uns auf der Straße. Wir warteten, bis es wieder Schutz gefunden hatte und hoffen, die Mutter hörte sein Rufen.
Zu den liebenswerten Kleinigkeiten gehören auch die vielen Verkaufsstände mit Honig, Marmelade, Obst, Gemüse und Kartoffeln an den Straßen. Da haben wir auch gerne eingekauft, und ich freue mich immer noch jedes Wochenende, wenn es Honig aus Thy zum Frühstück gibt.

Sonnenuntergang vor dem Ferienhaus.
Dieser Beitrag geht zu "Mein Freund, der Baum" und zur Urlaubs-Linkparty.

Samstag, 29. Juli 2017

Samstagsplausch KW 30/17: Museumsbauernhof Wennerstorf

Letzte Woche feierte Mudderns ihren 79. Geburtstag. Als sie zu Beginn des Jahres mit einem Schlaganfall ins Krankenhaus kam, hätte ich nicht gedacht, dass wir den noch zusammen feiern können. Ich bin sehr dankbar, dass es anders kam.

Ramelsloher Hühner. Die Rasse ist stark gefährdet, seit bei Nutztieren Leistung gefragt ist,  und daher Arche-Passagier bei Slow Food.
Als ich Mudderns ein paar Tage vorher fragte, was sie sich zum Geburtstag wünscht, wollte sie, dass ich mit ihr einkaufen fahre. Bis dahin hatten sich die Pläne öfter geändert. Zuletzt wollte sie in die Hafencity und in die Elbphilharmonie, aber justament, als ich auch Käthe und Willi so weit hatte, dass sie extra an Mudderns Jubeltag von ihrer Insel kommen und uns dort treffen, machte Mudderns einen Rückzieher. Immerhin, mein böberster Chef hat Mudderns ja gut vertreten, während wir Großeinkäufe erledigten.

Wohnstube aus den 1930 Jahren. Nicht im Bild ist das Grammophon-Modell, das auch bei uns zu Hause steht.
Die "Goebbels-Schnauze" darf im 1930er Ambiente nicht fehlen.
Da ich denke, ein Geburtstag braucht etwas mehr Glitter und Glamour, als die Getränke- und Sonderpostenmärkte, die wir leer kauften, bieten, holten wir Muddern Sonntag ab, um den Museumsbauernhof Wennerstorf zu besuchen. Das ist der einstige Smeds Hoff, eine der wenigen erhaltenen historischen Hofanlagen im nördlichen Niedersachsen.

Sitzgruppe mit Strickzeug.
Das Besondere: Obwohl Museum, wird der Hof bewirtschaftet. Nahezu alle Gebäude einer typischen Heidehofanlage sind noch vorhanden. Haupthaus, Schafstall, Backhaus, Schweinestall und eine Göpelscheune sind in die Betriebsabläufe eines Bioland-Hofes integriert. Auf dem Hof arbeiten Behinderte und Nicht-Behinderte.

Warum das Hallenhaus wohl Hallenhaus heißt?!
Den Kern des Hofes bildet eines der letzten im Original erhaltenen Niederdeutschen Hallenhäuser aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Seltene Baudetails wie die Wandvertäfelung der Stube, die Flettsäulen im Wirtschaftsteil sowie außergewöhnliche Abzimmerungsarbeiten sind noch zu sehen.

Mudderns erklärt das Wäschewaschen mit Ruffel, Zuber, Wringe und Mangel.
Es gibt spannende Hör- und Mitmachstationen, und viele Infos sind zweisprachig, auf Hoch- und Plattdeutsch. Ich bin ja in der Gegend aufgewachsen und habe Vadderns mit Mandanten oft platt snacken gehört, mir aber nie Gedanken um die Schreibweise gemacht. Manches erinnerte mich jetzt ans Dänische.

Mudderns studiert eine Handmühle in der Weckkammer.
Wir schauten uns nach dem Kaffeetrinken in Elieses Hofcafé auf dem Hof um, und Mudderns freute sich, manches aus ihrer Kindheit zu entdecken. Vor allem die Weckkammer tat's ihr an, erinnerte sie sich doch an die Zeit im Zweiten Weltkrieg, als die Familie auf der Flucht war und sich von einem verlassenen Haus zum nächsten durchschlug.

Blick in die Weckkammer. Ob die Gläser auch noch aus den 1930er Jahren sind, wie der Rest der Einrichtung?
Meist konnten die ursprünglichen Bewohner die eingemachten Lebensmittel nicht mitnehmen, und meine Großmutter profitierte davon, konnte sie doch davon die Familie ernähren, bis es weiterging. Diesen Aspekt der Familiengeschichte kannte ich noch nicht. Mir wurde dadurch klar, warum die Schwester meiner Mutter eine so gut ausgestattete Weckkammer hat.

Auf dem Hof.
Rund um den Museumsbauernhof gibt es schöne Spazierwege. Das wäre für uns aber zu viel geworden, also beließen wir es bei einem zauberhaften Hof-Nachmittag.

Auf dem Hof.
Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch. Impressionen aus Elieses Hofcafé gibt es in der Kombüse.

Donnerstag, 27. Juli 2017

RUMS 30/17: Leichte Strickjacke in Grautönen aus Lang Yarns Mohair luxe [Plus Size]

Schon lange wollte ich mir eine leichte Jacke für kühle Sommerabende stricken. Als ich durch die "Sabrina Plus Size"-Ausgabe vom Februar 2015 blätterte, fiel meine Wahl auf diese leichte Jacke in Grautönen. Aus dem gleichen Heft strickte ich auch schon diese Oversize-Strickjacke.

Die Jacke wird mit Lang Yarns Mohair luxe, eine Mohair-Seiden-Gemisch, gestrickt. Wie im Original nahm ich die Farben Anthrazit und Graphit, gekauft bei Rikes Wollmaus, wo ich ganz gerne bestelle. Statt mit Nadelstärke 3 wird mit den Nadelstärken 6 bzw. 9 gearbeitet, so dass das Maschenbild bei Vorder- und Rückenteil sehr luftig ist. Die Jacke wird in einem Stück gearbeitet.

Leichte Strickjacke aus Mohair und Seide.
Da die Maße der Einheitsgröße für mich nicht so passten, dass sich das Vorderteil über der Brust schließen lässt, die Jacke nicht genau auf dem Toches sitzt, arbeitete ich mit Nadelstärke 7 bzw. 10. Leider gelang's mir nicht so ganz, wirklich geschmeidig zu arbeiten, trotz Metallnadeln. Die Wolle glitt einfach nicht. Das Maschenbild ist also recht unregelmäßig. Gerade die verkürzten Maschen sind ziemlich groß geraten, aber ich konnte das Garn einfach nicht mehr straffen, sonst hätte ich es nicht abstricken können.

Detail: An Bündchen und Ärmeln nahm ich das Garn doppelt.
Im Original ist die Jacke ärmellos. Stattdessen gibt es Stulpen. Auf die verzichtete ich und strickte stattdessen Ärmel an.

Die Jacke ist leicht und dennoch warm. Das Garn ist allerdings empfindlich - die Jacke einfach in die Handtasche zu stopfen, geht nicht. Ich werde mir wohl noch ein Etui stricken oder filzen müssen.

Dieser Beitrag geht rüber zu RUMS, zur Stricklust und zu Frau Häkeline.

Mittwoch, 26. Juli 2017

Lego-Hack: Die Lego City 60119-Fähre wird schwimmfähig

Wenn wir schon mal ein Ferienhaus mit Pool haben, dann muss auch allerlei Schwimmzeugs mit. Und wenn ein Boot nicht ausreicht, dann wird kurzerhand im nächsten Spielzeugladen geguckt, was die Lego-Abteilung so her gibt. Die Wahl fiel auf die Lego City 60119-Fähre*. Die ist zwar eigentlich nicht schwimmfähig, sondern hat Gleiter für glatte Böden oder Teppich, aber da fällt uns sicher was ein, dachten wir uns.

Sie schwimmt und hat genügend Auftrieb, dass kein Wasser eindringt.
Zuerst sollten die Gleiter gar nicht verbaut werden, aber dann zeigt sich, dass sie prima davor geeignet sind, um einen Plastikstreifen (aus einer Tüte) zu halten, in den ein Schwimmkörper geschoben werden kann.

Anbringung des Auftriebkörpers.
Der Stapellauf erfolgte mit mit einem längs angebrachten leeren Tablettenröhrchen (in unserem Falle von Gebissreinigertabletten). Das erwies sich als wenig geeignet, da die Fähre nicht austariert werden kann. Die Seite mit dem Steuerhaus ist nämlich schwerer als die Seite mit dem Auto. Die Fähre lief schnell voll Wasser.

Fähre mit Auftriebskörper.
Also raus aus dem Pool und einen neuen Versuch gestartet. Wir überlegten, was mehr Auftrieb gibt und quer unter das Schiff passt. Unsere Wahl fiel auf die 140ml-Dose des Tupper-Kühlschranksystems*. Mit den Maßen 15,4 x 7,2 x 3,8 cm passte sie perfekt unter das Boot (natürlich tut's auch jede andere Plastikdose mit etwa diesen Maßen). In der Schlaufe des Plastikstreifens kann die Dose so verschoben werden, dass das Steuerhaus mehr Auftrieb bekommt.

Auch außerhalb des Wasser schmuck: Die Lego City Fähre.
Schwupps, wieder rein in den Pool zum zweiten Stapellauf, das Boot mithilfe der Plastikdose ein bisschen austarieren, und siehe da: Die Fähre schwimmt.

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