Generell war die Woche ziemlich nervenaufreibend für mich Sensibelchen. Ich kaufte anscheinend ein E-Bike, das in der Reha auf mich wartet. Ich wollte eigentlich nur eins für die Dauer der Reha ausleihen und erst im kommenden Jahr beim hiesigen Händler ein kleines Lastenrad mit Platz für einen Wasserkasten und einen kleinen Hund kaufen. Jetzt hat es sich so ergeben, dass in der Reha ein imolarotes Kompaktrad mit genau diesen Anforderungen auf mich wartet. Es wird spannend, das Rad nach der Reha nach Hause zu bekommen. Der Händler ist sich sicher, dass es samt Gepäck in mein Karlchen passt. Ich bin mir sicher, dass es nicht in mein Karlchen passt, schon gar nicht samt Gepäck.
Sollte ich recht behalten, bringt es mir der Händler vorbei, wenn er einen hier in der Nähe wohnenden Kumpel besucht. Die Übergabe erfolgt dann autobahnnah in einer Dorfkneipe ... Ich vermute, ich lasse das Rad lieber per Spedition liefern.
Jedenfalls freue ich mich wahnsinnig auf das Rad. Der Gatte hatte ohnehin den Plan, nach dem Umzug E-Räder zu kaufen, weil sie für die Distanzen in der lindgrüne Hölle einfach ideal sind, er weniger Autofahrten machen wollte. In der Reha gibt es einige Touren, die ich schon beim letzten Mal lieber mit dem Rad gemacht hätte als mit dem Karlchen, aber im Winter wollte ich kein Rad leihen.
Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 331. Die Trauer bleibt meine Weggefährtin. Sie ist nur erträglich, wenn ich konsequent verdränge, dass der Gatte niemals wiederkommt. Das Leben ohne den Gatten ist unendlich schwer. Er fehlt in jeder Sekunde, bei jedem Atemzug.
Kommende Woche wird das Auto des Gatten verkauft. Der Termin steht. Das wird ein sehr schwerer Tag. Ich wollte den Verkauf unbedingt noch vor Reha-Beginn hinter mich bringen. Je länger ich zögere, um so schwerer wird es. Dabei weiß ich, dass der Gatte viel sachlicher, weniger emotional an das Thema herangegangen wäre. Ich versuche mir das immer wieder in Erinnerung zu rufen, auch, wenn es schwer fällt. Der Gatte wollte nach dem Umzug einen Wagen verkaufen, aber ich bin mir sehr sicher, dass er lieber das Karlchen verkauft hätte als seinen Wagen, denn der bietet mehr Stauraum. Für mich alleine brauche ich aber nicht so viel Stauraum. Was nicht ins Karlchen passt, wird geliefert.
Schwiegermutter und Tante geht es den Umständen entsprechend gut. Tante hat inzwischen den Wohnungsschlüssel von ihrer "Hilfe" zurückbekommen und an den Pflegedienst übergeben. Das ist in jeder Hinsicht sinnvoll. Seitdem die "Hilfe" weiß, dass sie nicht erben wird, kommt sie nicht mehr, will auch nicht mehr Tantes Wohnung auflösen und das Geld davon haben. Aber klar, um's Geld ist es ihr nie gegangen ... Ein Nachbar bot Tante an, ihr Getränke mitzubringen. Er fährt ohnehin einmal in der Woche zum Getränkehändler und muss mit seinen Kisten an Tantes Wohnung vorbei. Ansonsten gibt es direkt in Tantes Straße einen Getränkehandel, der auch liefert. Schwiegermutter ist inzwischen nahezu blind. Das ging dann jetzt doch rasend schnell. Sie wird zudem immer verwirrter. Mal gucken, was das wird. Vorerst trägt sie mit Fassung, dass ich am Geburtstag des Gatten nicht mit ihr ans Grab fahren werden, weil ich in der Reha bin.
Im Büro ist Ferienruhe, was ganz gut tut. So kann meine Kollegin nach längerer Krankheit langsam anfangen, muss nicht sofort in die Vollen gehen, kann viele Pausen machen. Alle schwierigen Themen haben wir vor meiner Reha soweit erledigt, dass Entscheidungen erst nach meiner Rückkehr getroffen werden müssen. Zwei Kollegen stehen zudem zur Unterstützung meiner Kollegin bereit.
Ansonsten steht meine Urlaubsplanung für's kommende Jahr weitgehend. Ich habe da wohl einen gewissen Nachholbedarf ...
Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

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