Samstag, 17. März 2018

Samstagsplausch KW 11/08: Kurze Verschnaufpause

In dieser Woche kam ich ein wenig zum Durchatmen, weil ich nicht morgens vor der Arbeit mit Mudderns Pflegedienst, nicht mehr tagsüber und jeden Abend mit Mudderns telefonierte. Montag schickte ich alle Anträge und Vollmachten an die Krankenkasse (für die Begutachtung durch den MDK) und den Pflegedienst (damit die wissen, dass das mit dem MDK angeschoben ist).

So kam ich etwas zur Ruhe, was auch wirklich nötig war, denn nächste Woche muss ich vor der Arbeit einiges erledigen: Zum Arzt (Husten, Halsschmerzen, Schüttelfrost halten an), Passfotos machen lassen und neue Ausweispapiere beantragen (die alten sind abgelaufen, der Urlaub steht an und überhaupt), weitere Arzttermine machen usw.. Außerdem sind die Ferien vorbei, geht's im Laden wieder rund, muss eine Kollegin vertreten werden.

Heute kam der Gatte mit zu Mudderns, so dass es auch für mich etwas weniger anstrengend war. Und ich bekam eine zweite Meinung: Ja, Mudderns ist sehr klapprig, ja, Mudderns wird wirrer, ja, sie zeigt Demenzzeichen. Mal gucken, wie sich das entwickelt.

Während der Gatte über den Wochenmarkt und durch die Stadt  butscherte und einen Akku für Mudderns Telefon besorgte, fuhren Mudderns und ich zum Friedhof. Vadderns wäre gestern 97 Jahre alt geworden.

Blumengruß auf verwildertem Grab.
Ich war ein wenig entgeistert, wie verwildert das Grab ist, denn Mudderns erzählte immer wieder, was sie daran machte. Aber es ist wohl mit ihrem Haushalt, wo sie auch schon lange nichts mehr macht, obwohl sie es anders schildert (und dass alle zwei Wochen eine Putzfrau für drei Stunden kommt, reicht nicht). Wenn das Wetter besser ist, wird sie den Mann ihrer Putzfrau bitten, sich darum zu kümmern. Als wir fuhren, war sie allerdings der Meinung, der Gatte und ich kämen nächsten Sonnabend, um das Grab in Ordnung zu bringen und Stiefmütterchen zu pflanzen. Ähm, nein.

Nach dem Friedhofsbesuch ging's zum Bäcker, wo wir den Gatten aufsammelten, dann zu Ariadne, extra-flauschige Sockenwolle für den Gatten kaufen, und schließlich zurück zu Mudderns. Der Gatte und ich erledigten auf dem Heimweg unseren Wocheneinkauf und bummelten durch den örtlichen Sonderpostenmarkt, wo reichlich Filzwolle mit wollte. Ich muss einige kleine Täschchen filzen. Mal gucken, wann ich dazu komme ...

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Ich wünsche Euch eine gute Woche und ein schönes Wochenende!

Dienstag, 13. März 2018

Oster-Windlichter aus alten Weckgläsern

Beim Räumen in Mudderns Keller fanden sich große Weckgläser, die eigentlich zu Stilbruch sollten, dann aber doch in meiner Weckgläser-Kiste landeten. Da ich keinen Bedarf an so großen Gläsern habe, wurden Oster-Windlichter daraus.

Windlichter mit Hasen.
Anfangs dachte ich noch, ich klebe die Papierhasen mit doppelseitigem Klebeband auf, aber dann entschied ich mich für den Klebestift.
Die Hasenform wird auf's Papier gezeichnet und ausgeschnitten.
Außer Kerzen kannst Du auch prima Frühlingspflanzen in die Weckgläser stellen. In diesem Jahr wachsen beispielsweise Tulpen in einem der beiden Gläser.

Die Windlichter sind schnell gemacht. Du brauchst:

2 Weckgläser, Inhalt 1 Liter*
Keksausstecher in Hasenform*
Origami-Papier*
Stanzer Hasen*- und Blumenmotiv*
Bleistift
Schere
Klebestift oder Art Potch*

Mithilfe der Ausstecher werden Hasenformen auf's Papier übertragen und ausgeschnitten. Auis den Papierresten werden Hasen und Blumen ausgestanzt. Die Ausschnitte auf die Weckgläser kleben - fertig.

Wenn's wasserfest oder haltbarer sein soll (zum Beispiel für Balkon oder Terrasse), statt Klebestift Art Potch verwenden.

Der Beitrag geht rüber zu den Linkparties "Creadienstag", "DienstagsDinge", "Happy Recycling", "Upcycling" und "Handmade on Tuesday".

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Samstag, 10. März 2018

Samstagsplausch KW10/18: Ist hier irgendwo Land in Sicht?

In dieser Woche bekam Mudderns zum ersten Mal Besuch vom Pflegedienst. Da sie ja nicht pflegebedürftig ist, nenne ich die Dame, die sich um die kümmert, ihre Gesellschafterin. Die heißt D. ist und anscheinend recht plietsch. Jedenfalls kommt sie gut mit Mudderns zurecht, und ein Telefonat mit ihr am Freitag zeigte, dass sie auch Mudderns Spielchen durchschaut.

Besonders berührt hat mich D.s Aussage, ich solle mir keine Sorgen machen, ich könne so oft kommen, wie ich wolle, es wäre für meine Mutter doch nicht genug. Das ist so, das ist seit Jahrzehnten so, das war schon so, als mein Vater noch lebte: Den Ansprüchen meiner Eltern kann ich einfach nicht genügen. Es ist nur selten, dass es jemand so klar ausspricht (und so schnell schon merkt).

Erleichtert war ich über D.s Feststellung, Mudderns sei mit Abstand die fitteste Seniorin, die sie betreue, und relativ klar im Kopf. Das hört sich erst mal nicht nach Demenz an. Der Pflegedienst wird außerdem Kontakt mit dem Medizinischen Dienst aufnehmen, damit eine erneute Begutachtung stattfindet. Die Pflegeleitung macht sich in der kommenden Woche selbst ein Bild, aber schon nach D.s Einschätzung steht Mudderns eine Pflegestufe zu, alleine schon, weil sie ihren Haushalt trotz Putzhilfe nicht im Griff hat.

D. schaffte diese Woche über viel, was ich im letzten Jahr vergeblich versuchte. So steht Mudderns Rollator endlich im Vorgarten, hat eine Haube und ein Schloss. Sie achtet darauf, dass Mudderns regelmäßig isst und ihre Tabletten nimmt, weil sie schnell durchschaute, dass Mudderns bei beidem trickst. D. ist außerdem bei Arztbesuchen dabei, auch im Sprechzimmer, so dass ich dann auch verlässlich weiß, was gesundheitlich bei Mudderns Sache ist.

Als ich Montag Nachmittag mit Mudderns telefonierte, guckte sie Nachrichten, was sie seit Wochen nicht tat. Dienstag war ihre Stimme schon kräftiger. Nichts desto trotz verlangte sie, dass ich Mittwoch der Arbeit fern bleibe und zu ihr komme, damit sie nicht alleine ist, weil D. mittwochs frei hat. Ich weigerte mich. Natürlich ging ich auch in Teilzeit, um mehr Zeit für Mudderns zu haben, aber ich muss ja wenigstens vorher mit Chefinnen und Kolleginnen sprechen, kann nicht einfach fehlen.

Mudderns drohte, dann einfach im Bett liegen zu bleiben, bis D. am Donnerstag wiederkomme. Ich blieb gelassen und sagte, das wäre dann halt ihre Entscheidung, aber natürlich machte ich mir Gedanken. Wie's dann so ist, wenn ich Mudderns Spielchen nicht mitspiele: Sie stand dann doch auf. Geht doch!

Donnerstag bekam Mudderns dann endlich ein Antidepressivum gegen ihre Angstzustände verordnet (da schlug ich ihr schon lange vor, vergeblich). Mudderns ist schon seit Jahrzehnten depressiv, aber ihre Strategie ist, sich in Krankheiten und Ausreden zu flüchten - ist eben weniger anstrengend, als die Depression zu bekämpfen. Das Leben kann halt so schön beschissen sein, wenn man sich bloß Mühe gibt!

Freitag Morgen um halb neun nahm sie die erste Tablette, und ab halb zehn war sie für drei Stunden alleine samt Rollator unterwegs: Bankgeschäfte erledigen, Kaffee trinken, im Gemeindehaus vorbeischauen ...

Bei jedem anderen braucht so'n Serotonin-Wiederaufnahmehemmer bummelig zwei Wochen, bis er wirkt. Bei Mudderns geht's binnen einer Stunde. So'n Placebo-Effekt ist schon cool. Ich hoffe inständig, sie liest den Beipackzettel nicht, aber wie ich Mudderns kenne, hoffe ich vergeblich. Ich bin daher gespannt, wie lange sie die Happy Pills nimmt.

Heute war ich dann bei Mudderns, damit sie mir sämtliche Vollmachten erteilt, ich mit dem Medizinischen Dienst sprechen kann, im größten Notfall irgendwann mal eine Vormundschaft ausüben kann etc. Der Besuch war sehr kräftezehrend, auch wegen unzähliger Vorwürfe. So bin ich u.a. Schuld daran, dass sie im letzten Jahr keine Pflegestufe bekam, weil ich gegenüber dem Medizinischen Dienst gesagt hätte, ich käme jede Woche zwei Stunden, aber ich wäre ja nie gekommen.

Ja, nee, is klaa.

Nach drei Stunden in zutiefst negativer Atmosphäre, Nörgeleien über alles und jeden, war ich fix und fertig. Ich hatte vorher mit Mudderns abgemacht, dass ich drei Stunden bleibe, aber das war natürlich nicht genug. Ich zog dann die Reißleine, schaffte es mit letzter Kraft nach Hause und fiel dem Gatten heulend in die Arme.

Ansonsten hat Mudderns jetzt einen Plan bis Ende April, aus dem sie sieht, wann ich wo arbeite, wann ich abends mit ihr telefoniere und wann nicht, weil ich beim Sport bin, wann ich sie wie lange besuche, wann ich eine Woche im Krankenhaus bin und wann eine Woche in Dänemark.

Ich habe heute auch einfach einen Tisch für das Osterbrunch reserviert, wie jedes Jahr, obwohl Mudderns sich mit Händen und Füßen wehrte. Der Gatte und ich holen sie ab, damit sie nicht wie sonst alleine in Lokal gehen muss, und wenn sie nicht mit will, gehen wir alleine. Wenn sie sich das Leben unbedingt beschissen machen will, soll sie.

Nächste Woche kommt der Gatte mit zu Mudderns und macht das, worauf ich mich heute freute, was aber mit Mudderns nicht möglich war: Er bummelt über den Wochenmarkt und erledigt unseren Einkauf. Ich fahre mit Mudderns derweil zum Friedhof, Vadderns besuchen, der 98 wird. Nach drei Stunden fahren der Gatte und ich wieder nach Hause, und ich kann ins Bett fallen, muss nicht noch mal los, um mit dem Gatten einzukaufen.

In dieser Woche informierte ich auch meine Kolleginnen und die junge Chefin (ich habe zwei, die andere wird in zwei Monaten pensioniert) über die Situation bei Mudderns. Ich bekam viel Verständnis, Rückhalt und das Angebot, notfalls Homeoffice zu machen. Der Stellenwechsel war wirklich eine gute Entscheidung!

Schön war, dass ich diese Woche endlich meinen Kindle, den der Gatte mir zum Hochzeitstag schenkte, einrichten konnte. Dazu brauchte ich wlan, das wir zu Hause nicht haben, weil es alle PCs zum Absturz bringt. Heute kam dann auch noch die Hülle dafür* an - sie ist wunderschön.

Ich schaffte es heute außerdem, bei Ariadne vorzuschauen, Wolle zu tauschen und Knöpfe für eine Strickjacke zu kaufen. Die kann ich dann nächste Woche endlich tragen. Fehlt nur noch der Knopf für eine Filztasche, die seit Herbst auf Fertigstellung wartet ... Den werde ich wohl selbermachen, finde nichts Passendes.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Ich wünsche Euch eine gute Woche und ein schönes Wochenende!

Montag, 5. März 2018

#WMDEDGT 3/18

Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT?

Den Tag beginne ich lesend, denn ich kann mal wieder nicht schlafen. Also blättere ich noch nach Mitternacht in "Nordic -Das Kochbuch*" von Magnus Nilsson. Okay, ein knapp 800 Seiten starker gebundener Wälzer ist nicht die ideale Bettlektüre, das merke ich schnell.

Morgens nehme ich die Wecker erst wahr, als das Radio ausgeht, aber zum Glück habe ich reichlich Puffer, bevor ich im Büro sein muss. Ich stehe halt nur gerne früher auf, damit ich den Gatten noch sehen kann. Das ist heute nur kurz der Fall.

Ich nehme mir einen Kaffee, browse einmal durch die Zeitungen, google nach dem Hotel, in dem der gestrige "Tatort" gedreht wurde, und gucke in der Onleihe nach eBooks. "Dunkeltraum: Während du schläfst*" von Christine Drews erscheint mir die ideale Vorbereitung auf das Schlaflabor, das im nächsten Monat ansteht, spielt es doch in einem.

Irgendwann irritiert mich ein Klackern hinter mir: Es regnet, und die Tropfen gefrieren sofort beim Auftreffen auf die Metallfensterbänke und die Gehwegplatten. Ich hoffe auf den Winterdienst des Vermieters, der, wie meistens ausbleibt. Also ziehe ich dicke Skisocken über die Stiefel, um bis zur Bushaltestelle zu kommen. An der ist gestreut.

Skisocken gegen eisglatte Fußwege.
Im Büro bin ich zügig: Es sind Ferien, Bus und S-Bahn sind leer, und da der Citytunnel aufgrund von Bauarbeiten gesperrt ist, entfällt der Umstieg in Altona. In der Stadt ist das Blitzeis vom frühen Morgen getaut. Ein später Arbeitsbeginn hat Vorteile.

Im Büro freue ich mich, dass eine Kollegin wieder gesundet ist, denn sonst hätte ich ihren Dienst übernehmen müssen. Ich kontrolliere eine Lieferung und lese unsere Ziel- und Leistungsvereinbarung. Die betrifft zwar nicht direkt meinen Arbeitsbereich, gibt mir aber einen guten Überblick über das, was meine Kolleginnen und Kollegen so machen. Ich bin jetzt ein Vierteljahr im Team, aber der Durchblick fehlt mir schon noch ein wenig. Mein alter Arbeitsbereich war sehr hierarchisch. Der jetzige ist es nicht, gelinde gesagt.

Ich bin unkonzentriert und fahrig: Bei Mudderns ist heute zum ersten Mal der Pflegedienst, der weniger pflegen als Gesellschaft leisten soll, und ich frage mich, ob alles gut geht. Das Mobiltelefon bleibt ruhig, also gibt es zumindest keine Katastrophen.

Konzeptionelles Arbeiten ist heute nicht drin, also schiebe ich mehr oder weniger Papiere von links nach schräg, räume die Etagen-Spülmaschine freiwillig aus und ein und mache sehr pünktlich Feierabend, auch, weil ich keine Lust habe, in die montägliche Faschisten-Demonstration zu kommen. Das braune Pack rottet sich nämlich seit heute am Bahnhof Dammtor zusammen, genau auf meinem Heimweg. Einmal mehr frage ich mich, wie lange Deutschland mir noch Heimat sein wird.

Ich fahre sicherheitshalber eine Station mit dem Bus, denn auf der Fußgängerbrücke zum Dag-Hammarskjöld-Platz stehen schon reichlich Peterwagen. Ich bin zügig zu Hause, den Ferien sei Dank, mache mir einen Milchkaffee, nehme mir ein Stück dänischen Apfelkuchen vom Vortag und rufe bei Mudderns an.

Die guckt gerade Nachrichten - das tat sie seit Tagen nicht mehr! Ihre Stimme ist etwas kräftiger, es tat ihr offensichtlich gut, dass sie ihre Gesellschafterin den ganzen Tag durch die Gegend scheuchen konnte: Die beiden waren beim Hausarzt und im Café, wo Mudderns endlich mal wieder etwas aß, und plötzlich nimmt Mudderns Vorschläge an, die ich ihr schon seit einem Jahr mache, wie den, den Rollator im Vorgarten stehen zu lassen.

Dennoch will Mudderns partout keine Minute alleine sein, will, dass jemand sieben Tage in der Woche zu ihr kommt, aber bei ihr einziehen soll auch niemand. Wenn niemand da ist, legt sie sich ins Bett und bleibt dort, bis wieder jemand kommt. Ein Telefonat mit dem Pflegedienst am nächsten Tag wird meinen Eindruck ihrer Kapriolen der letzten Woche bestätigen: Mudderns braucht Betreuung, kann sich alleine nicht mehr richtig versorgen.

Der Gatte kommt von der Arbeit, ist sehr unterzuckert, muss erst mal mit Traubenzucker und Apfelkuchen gepäppelt werden, damit er mir nicht umfällt. Durch die Unterzuckerung ist er erschöpft und schläft erst mal. Eigentlich hätte er Küchendienst. Wir sind wieder mal pragmatisch: Es gibt Nudeln, für mehr hat gerade keiner von uns Kraft.

Ich bin hundemüde und könnte im Stehen einschlafen, falle auf's Sofa, gucke den Krimi im ZDF und stricke. Ich mag noch nicht ins Bett gehen, wohl wissend, dass ich nicht mehr schlafen kann, wenn ich erst mal liege. Also halte ich bis gegen 22 Uhr durch. Noch fünf Wochen bis Schlaflabor ...

Im Bett lese ich noch etwas in "Dunkeltraum*", lösche aber ziemlich schnell das Licht und versuche, zu schlafen.

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Samstag, 3. März 2018

Samstagsplausch KW 09/18: Orlando furioso

Gestern Abend verbrachte ich einen wunderbaren Abend in der Kammeroper, und das war eine Wohltat für die Seele. Es gab "Orlando furioso", eine Barockoper von Vivaldi.

Die Handlung ist ein wenig verworren: Bradamante und Angelica gelangen auf die Insel der Zauberin Alcina. Orlando ist in Angelica verliebt, doch da diese wiederum Medoro liebt, bittet sie Alcina um Hilfe. Alcina verspricht, die beiden Liebenden mit ihrer Zauberkraft wieder zusammenzubringen, und will für sich nebenbei Ruggiero, den Geliebten der Bradamante, durch einen Zauber als Liebhaber erobern. Bradamante weiß aber schließlich den Zauber Alcinas zu brechen.

Orlandos Versuche, gegen Alcinas Kräfte anzugehen, schlagen zunächst fehl: als er von der Hochzeit von Angelica und Medoro erfährt, verfällt er dem Wahnsinn. In seiner Verwirrung zerstört er eine Statue des Zauberers Merlin, wodurch er unbeabsichtigt Alcinas Macht bricht. Er erkennt, dass wahre Liebe nur zu erreichen ist, wenn man dem Liebeswahn entsagt. (Quelle: Wikipedia)

Kostüme und Bühnenbild sind einfach grandios, ebenso wie die Sängerinnen und Sänger. Bevor ich viele Worte verliere, empfehle ich Dir den Trailer:



Nach der Pause gewann die Handlung deutlich an Tempo und verzauberte dann auch Schwiegermutter, die mich begleitete. Erfüllt und verzaubert von opulenten Bildern, wunderbarer Musik, gutem Essen und Wein ging's dann ins Wochenende.

Ansonsten: Letzten Sonnabend hoffte ich noch, ich könne die Woche über in Ruhe meine vereiterten Mandeln auskurieren, viel schlafen, und, wenn's mir besser geht, vielleicht ein bisschen aufräumen, endlich mal die verlegten Passbilder suchen und ein paar Beiträge für die Blogs vorbereiten.

Und dann drehte Mudderns komplett ab. Sie beschloss schon seit ein paar Tagen, nicht mehr laufen zu können. Der Hausarzt schickte sie zum Neurologen und zum Physiotherapeuten. Beides lehnte sie ab. Anders als beim Schlaganfall vor einem Jahr versagten ihr nicht die Beine, sondern sie fand, sie könne nicht mehr gut genug laufen. Sonntag schließlich rief sie den Notarzt, der sie angesichts ihres Schlaganfalls vor einem Jahr sofort ins Krankenhaus brachte.

Mir selbst ging's total dreckig, ich war nicht in der Lage, ins Auto zu springen und zu ihr zu fahren, der Gatte war nicht da, und überhaupt, mit 'ner Streptokokken-Infektion ins Krankenhaus zu fahren, ist vermutlich nicht die beste Idee, sonst hätte ich mir ein Taxi gerufen.

Eine Stunde nach Mudderns Abtransport rief ich im Krankenhaus an. Dort wurde mir gesagt, ich solle mir keine Sorgen machen, Mudderns säße quietschfidel in der Wartezone und unterhalte da die ganze Notaufnahme. Einen Schlaganfall habe sie ganz sicher nicht, aber sie wolle auch nicht nach Hause, weil sie dort alleine sei. Man behalte sie über Nacht da, auch, wenn die Notaufnahme voll sei, und ich solle samt Streptokokken bitte schön zu Hause bleiben.

Kaum hatte ich aufgelegt, rief Mudderns an und gab durch, was ich ihr bitte sofort ins Krankenhaus bringen solle, denn sie sei krank und bliebe erst mal dort, bis sie in eine Reha käme.

Ähm, ja, nee, is klaa.

Die folgenden Tage waren unwahrscheinlich kräftezehrend. Ich hätte dringend Ruhe gebraucht, war aber völlig fertig durch Mudderns Anrufe, sie sei sterbenskrank, und ihre Ansprüche, ich solle sie sofort besuchen. In solchen Situationen vertraue ich auf die Aussagen der Ärzte und Schwestern - ich wuchs mit zwei Elternteilen auf, die es toll fanden, krank zu sein, weil sich dann gefälligst alle um sie zu kümmern haben, und habe gelernt, mich besser an die Fachkräfte zu halten.

Die Schwestern beruhigten mich immer wieder, Mudderns sei gesund, ich solle bitte zusehen, dass ich das auch werde, sie behielten sie erst mal da, auch, damit der Neurologe sie noch mal in Ruhe untersuchen kann, um Parkinson auszuschließen.

Mittwoch war ich dann so weit wiederhergestellt, dass ich ins Krankenhaus fahren konnte, wo mir die Schwestern fast um den Hals fielen, weil: "Wir wissen nicht mehr, was wir mit Ihrer Mutter machen sollen. Sie ist kerngesund, will aber nicht nach Hause, weil sie dort alleine ist. Wir können ihr hier aber nicht helfen, weil sie gesund ist." Donnerstag bekam ich Mudderns dann endlich aus dem Krankenhaus nach Hause.

Dazwischen lagen viele Gespräche und Telefonate mit dem Sozialdienst, der Seniorenbeautragten, einer Tagespflegeeinrichtung, einer Seniorenwohneinrichtung und einem Pflegedienst - plus endlose Diskussionen mit Mudderns, die insistierte, sie wolle in eine Reha oder in Betreutes Wohnen, nee, doch nicht, sondern lieber zu Hause bleiben, wo man sie besuchen solle, damit sie nicht alleine ist, nein, Besuch will sie doch nicht, weil Besuch generell blöd ist, lieber will sie in die Reha und überhaupt, sie sei doch gesund, nur alleine, sie wolle öfter Besuch bekommen, nur seien alle Leute, die sie besuchen, blöd ... Sämtliche Freizeitaktivitäten von Kirche, Partei oder AWO fallen im übrigen auch aus, weil Mudderns die Termine oder die Leute nicht passen oder alle Aktivitäten schlichtweg doof sind.

Irgendwann verlor ich die Geduld. Mudderns wird nächste Woche drei Mal von Mitarbeiterinnen eines Pflegedienstes besucht, die ihr im Haushalt helfen oder mit ihr spazieren gehen oder was auch immer, basta. Dann sehen wir weiter. Ein Termin in einer Seniorenwohnanlage, in der gerade eine Wohnung frei wäre, steht an, bei einer Tagespflege steht sie auf der Warteliste. Gott sei Dank ist Geld das letzte, um das wir uns momentan Gedanken machen müssen, denn da Mudderns ihren Haushalt alleine führen kann, bekommt sie keine Pflegestufe, muss alles privat finanziert werden.

Nebenbei frage ich mich, wo die Grenzen zwischen Exzentrik, Depression und Demenz verlaufen, und bin dankbar für die netten Menschen, die ich in den letzten Tagen traf, die mir mit Rat und Tat zur Seite standen (und für das geduldige Personal des Krankenhauses).

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende!