Freitag, 5. März 2021

#WMDEDGT 03/21: Weniger ist mehr als nichts

Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln!

Der Tag beginnt mit Weckerklingeln, ungewohnt für einen Freitag, an dem ich normalerweise im Heimbüro bin, aber ich habe morgens einen Termin bei der Endokrinologin und muss entsprechend pünktlich los. Der Gatte ist schon auf, hat Kaffee gekocht und telefoniert mit seiner Arztpraxis wegen eines Attests für die Impfgruppe 2. Gute Nachricht: Das Attest ist abholbereit.

Ich bin seit gestern total neben der Spur, denn die Endokrinologin trägt bei uns nicht umsonst den Namen Horror-Hormon-Tante. Dass ich nüchtern sein muss, macht es nicht einfacher. Wenigstens bekam ich einen frühen Termin - die vergeben Nüchtern-Termine zur Blutabnahme auch ohne mit der Wimper zu zucken am späten Nachmittag. 

Der Termin war wie erwartet unerfreulich. Wir gerieten wieder aneinander, und ich bin ziemlich sicher, dass ich mir eine andere Praxis suchen werde. Die Hormon-Tante ist völlig unstrukturiert, und von Empathie oder Sozialkompetenz reden wir erst gar nicht. Phasenweise hatte ich das Gefühl, sie ist in der falschen Patientenakte. Sie stellte wiederholt Fragen, die ich vor Minuten schon beantwortete, weil sie da das gleich fragte. Heute erfolgte auch eine gynäkologische Untersuchung. Bislang dachte ich, nur Männer würden Gynäkologe, weil sie für'n Chirurgen zu klein sind, aber diese Frau kann auch keine gynäkologischen Untersuchungen. Ich war kurz davor, ihr Nachhilfe in Anatomie zu geben. Und zwischendrin stellt sie immer wieder klar, dass sie mich für zu dumm hält, mich von ihr behandeln zu lassen. 

Ich glaube, mit uns wird das auf Dauer nichts. In zwei Wochen bekomme ich die aktuellen Laborergebnisse, dann bitte ich um einen Arztbrief und gucke, dass ich woanders weiterbehandelt werde. Immerhin bekam sie meine Stoffwechselstörung in Griff, aber mit der Hormonersatztherapie klappt es gar nicht. Sie schlug tatsächlich eine Gebärmutterentfernung vor, wohlwissend, dass ich die aus guten Gründen ablehne. Aber die ist halt lukrativer als eine Hormonbehandlung. 

Kurz ein Brötchen auf die Hand kaufen samt Tadel an der Kasse, weil ich den Einkaufswagen vergaß. Daran kann ich mich einfach nicht gewöhnen, vergesse den Einkaufswagen oft, wenn ich nur mal gucken will oder nur eine Kleinigkeit brauche.

Nächster Stopp Hausarztpraxis. Auch ich brauche neben den üblichen Rezepten ein Attest für die Impfgruppe 2. Während ich warte, klingelt immer wieder das Telefon, weil Patienten fragen, wann sie denn nun beim Hausarzt geimpft werden können. Die Praxis hat noch keine Infos. 

"Wie haben Sie das denn geschafft?!", fragt meine Ärztin erstaunt, als ich sage, ich hätte für kommende Woche einen Impftermin, wenn ich ein Attest für Impfgruppe 2 bekomme. Wenn sie mich in Impfgruppe 3 sieht, ist das auch okay, dann sage ich den Termin wieder ab. Sie fragt nach meinem aktuellen Gewicht und dem aktuellen BMI und entschuldigt sich, weil sie mich für das Attest auf mein Gewicht reduzieren müsse - diese Ärztin ist einfach eine Wohltat nach der Horror-Hormon-Tante. Mein BMI reicht für Impfgruppe 2 - ein Glück, dass ich aktuell langsamer abnehme.

Das Wartezimmer ist leer, also klönen wir ein bisschen über die Impfsituation und den Frust bei der Terminvergabe. "Wir sind alle geimpft. Impfen ist das einzige, was momentan hilft. Ich verstehe nicht, dass es immer noch nicht mit der Logistik klappt, dass die Hausärzte nicht endlich impfen können", sagt die Ärztin und fragt nach dem Impfstoff, den ich bekomme. AstraZeneca. "Wissen Sie, der soll zwar nicht so gut wirken, aber das ist alles Quatsch." "Er wirkt, und das ist die Hauptsache. Selbst, wenn er nur wenig wirkt, ist das mehr als nichts." "Weniger ist mehr als nichts" ist inzwischen ein geflügeltes Wort zwischen uns, denn zu dem Ergebnis kamen wir auch, als ich von meinen Problemen mit der vollständigen ketogenen Ernährung erzählte. 

Sie empfiehlt noch, vorsichtshalber Paracetamol zu besorgen, da ihrer Erfahrung nach bei AstraZeneca mit Impfreaktionen zu rechnen ist. "Die sind aber nicht schlimm", beruhigt sie. Mit Attest und Rezepten ziehe ich ab. Im Auto kommen mir kurz die Tränen: Wir haben beide Impftermine und Atteste! Ich merke, welcher Druck die letzten Monate auf mir lastete.

Ich fahre zurück über die Elbchaussee, meine Lieblingsstrecke, vor allem an so wunderbar sonnigen Tagen wie heute. Im Radio wird über die bevorstehende Eröffnung der Kunsthalle berichtet. Ich denke, wenn ich geimpft bin, möchte ich in die De Chirico-Ausstellung. Mal schauen, ob's klappt. 

Zu Hause fahre ich den Dienst-Laptop hoch und frühstücke nebenbei. Schwiegermutter ruft an: Sie hat das Impf-Attest für den Gatten abgeholt. Telefonat mit Mudderns, die sich damit abfand, dass sie geimpft wird, und sich sogar dafür bedankt, dass ich ihr den Termin organisierte. Es hilft, dass immer mehr Bekannte geimpft sind und es gut überstanden. Mudderns hat trotzdem einen Koffer gepackt, denn sie ist überzeugt davon, dass sie durch die Impfung Corona bekommt und ins Krankenhaus muss. 

Das Wichtigste im Büro erledigen, dann kurz beim Gatten reingucken. Wollen wir heute noch einkaufen? Oder das schöne Wetter ausnutzen und spazierengehen? Nö, beides nicht gewünscht. Also arbeite ich weiter. 

Zwei Stunden später will der Gatte doch spazierengehen. Passt, ich kann früher Feierabend machen. Wir laufen ins Dorf, erledigen Einkäufe bei Bäcker, Apotheke und Drogerie. Die Apothekerin legt mir automatisch die "Diabetiker-Umschau" zu den Medikamenten. Ich stutze kurz, dann geht mir auf, dass sie nicht wissen kann, dass ich das Diabetesmedikament wegen einer Hormonstörung bekomme, nicht wegen Diabetes. Man ist dort überhaupt sehr aufmerksam: Die Apothekerin sieht in der Kundenkartei, dass die Menge erhöht wurde und vergewissert sich, dass das richtig ist. Im Dorf stehe jede Menge Grüppchen ohne Maske und Abstand zusammen. Corona ist draußen ja nicht ansteckend ...

Zu Hause gibt's Tee und Kuchen, dann ein bisschen Hausarbeit und stricken am aktuellen Projekt für die Wooligans - meine Sockenwollreste und einiges, was ich für den Tauschtisch des Yarncamps aufbewahrt hatte, wird zu Socken, Mützen, Stirnbändern und Handschuhen für das Obdachlosenprojekt verarbeitet. Gestern fing ich spätabends eine Mütze an, die ich heute wieder auftrennen muss, weil ich im Halbschlaf das Nadelspiel verdrehte.

Der Abend vergeht mit Floddern auf dem Sofa, stricken, fernsehen. Kochen muss ich heute nicht, nur aufwärmen. Es gibt Reste: Rote-Bete-Suppe für mich und Rosenkohl mit Schweinefilet für den Gatten. Wir schaffen es noch bis zur heute show, dann fallen wir ins Bett. Noch etwas lesen*, dann schlafen.

Die Rezepte zum Tag gibt's wie immer in der Kombüse.

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Dienstag, 2. März 2021

#pmdd2021: Der 28. Februar 2021

An jedem 28. eines Monats ist Picture my Day-Day, kurz pmdd. Ich finde, das ist ein schönes Tagebilderbuch. Mitmachen ist einfach: Fotos vom Tag machen, bloggen oder mit #pmdd2021 auf Twitter oder Instagram einstellen. Gesammelt wird alles auf dieser Seite.

Mal gucken, was noch an Saatgut da ist.
Erstmal einen Plan machen ...

Für mich ist es ein ruhiger Sonntag. Da der Gatte mit dem Auto zu seiner Mutter fährt, bleibe ich zu Hause - wäre er zu Fuß gegangen, hätte ich ihn begleitet, um ein bisschen Bewegung zu haben. So nutze ich die Zeit, um die Balkonkästen frühlingsfein zu machen.

Alt neben neu.
Frühlingsfrisch.
Neue Kräuter werden auch gesetzt.
Jetzt fehlt noch ein Kräuterkasten, aber in den soll u.a. Rauke, und die bekam ich bislang noch nicht auf dem Wochemarkt. Ich hoffe auf die Öffnung der Gartenmärkte.

Voll aufgeblühte Tulpen im Heimbüro.

Schilder für den Kräuterkasten improvisieren.

Auf dem Balkon bin ich fertig, also kommen Stiefmütterchenkiste und der Beutel mit den Pfandgläser vom Milchwagen schon mal in den Einkaufswagen für den nächsten Markttag.

Im täglichen Muddernstelefonat stellte sich heraus, dass der aktuelle Band* aus der Leise-Helden-Reihe von Melanie Metzenthin* Mudderns so gar nicht zusagt. Was sie erzählt, hört sich wirklich gruselig an und passt so gar nicht zum Eindruck, den ich von den anderen Bänden hatte. Ich bin gespannt, wie ich das Buch finde. 

Erstmal gucken, welche Bände ich schon habe.

Das sieht doch schon mal ganz ordentlich aus.
Jedenfalls braucht Mudderns Lesenachschub. Glücklicherweise habe ich gerade zwei Grappa-Bände durch. Aber erstmal muss ich sortieren, welche Bände ich schon antiquarisch ergatterte. Also alle Bücher durchnummerieren.

Post für Mudderns.

Teezeit auf dem Balkon. Der Kuchen ist angeknabbert, da von gestern. Ich schaffte nicht das ganze Stück.

Schon mal das Abendessen auf den Weg bringen.

Ob das was wird?
Als der Gatte nach Hause kommt, bin ich gerade in den Vorbereitungen für's Abendessen, das in den Ofen soll, während ich "Inspector Morse" gucke.

Da der Spaziergang ausfiel, gibt es eine Runde auf dem Stepper.

Nach dem Abendessen: Füße hoch, "Tatort" gucken und stricken.

Vor dem Einschlafen noch etwas lesen*.


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Samstag, 27. Februar 2021

Samstagsplausch KW 8/21: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten XLVIII

"Ich möchte auch geimpft werden", sagte der Gatte gestern leise und traurig, als in den Nachrichten berichtet wurde, dass Lehr- und Kitakräfte jetzt bei den Impfungen an der Reihe sind - vor den chronisch Kranken, die nur Ballast sind, bei denen die natürliche Auslese angewandt wird. Im Umfeld gibt es die obskure Situation, dass eine kerngesunde Zwanzigjährige vor ihrem schwer lungenkranken Vater geimpft wird - sie gilt als medizinisches Personal, weil sie im Nebenjob beim Tierarzt arbeitet. 

Ich freue mich über jeden, der geimpft ist. Es fällt mir trotzdem schwer, hinzunehmen, dass es ein normales Leben ab Sommer, wie es momentan von allen Seiten prognostiziert wird, für uns nicht geben wird. Wir werden uns monatelang weiterhin so gut wie möglich isolieren und beten müssen, dass weiterhin alles gut geht - bei steigenden Infektionszahlen und in dem Bewusstsein, dass die Gesunden geimpft sind, das Virus nur noch uns chronisch Kranke als Opfer findet, wir also keine Chance haben. 

Reisen, Kino, Kultur, Restaurants, Freunde treffen - nicht für uns. Wir haben keine Lobby, wir sind irrelevant. Wir kosten nur, belasten schon zu normalen Zeiten das Gesundheitssystem. Das freut sich über baldige Entlastung, wenn Corona die vulnerablen Gruppen aberntete und die gesunden Geimpften übrig bleiben. Survival of the Fittest, praktisch umgesetzt.  

Für uns gibt es keine Perspektive, aber es beruhigend, dass Tante geimpft und somit sicher ist, Schwiegermutter kommende Woche die zweite Impfung erhält und dann auch sicher ist, und Mudderns zumindest auf der Warteliste steht, inzwischen zur Impfung bereit ist. Der Gatte wird wöchentlich getestet, was jeden Monat einen dreistelligen Betrag kostet, aber ein bisschen Beruhigung gibt, denn er ist chronisch erkältet. Wenn der Test allerdings positiv sein sollte, ist es zu spät. Impfen wäre effektiver, nur: Chronisch Kranken werden ja nicht geimpft.  

Hier gilt seit mittlerweile 50 Wochen: Der Gatte und ich sind seit Mitte März 2020 weitgehend zu Hause. Unsere Kontakte sind auf das Notwendigste beschränkt, heißt: Arbeit, Ärzte, Einkaufen, Mütter. 

Der Gatte ist seit April 2020 in Kurzarbeit, arbeitet aktuell einmal in der Woche. Die Sorge um seinen Job macht ihm zu schaffen, ebenso wie seine Gesundheit. Inzwischen hat er angesichts seines Gesundheitszustandes auch eine Frühverrentung geprüft, aber das ist für ihn keine Lösung. Ein Lichtblick ist, dass er inzwischen körperlich wieder etwas belastbarer ist, seltener einen Stock braucht, seltener umkippt. 

Die Kurzarbeit können wir bislang ohne großartige finanzielle Einschränkungen wuppen, und insgesamt sind wir im Vergleich mit anderen ziemlich privilegiert, auch, weil mein Job sicher ist. Ich arbeite weiterhin einen Tag im echten Büro und vier Tage im Heimbüro, wenn nichts anderes anliegt. Diese Woche gab's reichlich Überstunden und zwei Interviews - normal für die Woche vor den Ferien, und doch ungewohnt, weil bisher nur normal für die Woche vor den Sommerferien. Aber ich wollte ja die Ausweitung meines Projektes und freue ich, dass es angenommen wird.

Zu den schönen Momenten gehörte, dass ich eine Kollegin wiedersah, die ich ein halbes Jahr nicht mehr sah, weil wir unterschiedliche Präsenztage haben. Sie schiebt auch Impffrust, und im wöchentlichen Teammeeting zeigte sich, dass es vielen Kollegen so geht, die entweder selbst chronisch krank oder Kontaktperson zu chronisch Kranken sind. Uns allen macht zu schaffen, dass es keine Impfperspektive gibt, insbesondere den Kolleginnen mit Kindern, die in zwei Wochen wieder zur Schule gehen werden. 

Den Februar-Frühling haben wir richtig genossen! Wir waren mit Schwiegermutter im Hirschpark, saßen dort lange auf einer Bank und klönten. Der Gatte war zurecht stolz auf sich, denn endlich wieder den Fußweg in den Hirschpark zu schaffen, war seit der Entlassung aus dem Krankenhaus sein Ziel, und das schaffte er diese Woche! 

Ich kann endlich wieder barfuß laufen, und der Gatte schaffte die vielen Pfandkisten vom Balkon, so dass wir da jetzt beide sitzen können. Da gab's natürlich auch schon wieder die erste Teezeit auf dem Balkon. Stiefmütterchen und Kräuter stehen bereit zum Einpflanzen, und wenn dann auch noch gefeudelt wurde, ist der Balkon schon mal wieder hübsch. Vom Balkon und vom Arbeitszimmer aus blicke ich aktuell übrigens auf eine Krokuswiese - wunderschön. 

Bei Tantes Dackel erwachten mit dem Frühling auch wieder die Lebensgeister: Es gibt so viel zu schnuppern! Tante geht's gut, und Schwiegermutter und sie hoffen, sich im Mai nach einem Jahr endlich  wiederzusehen. Beiden macht die Isolation zu schaffen, wenngleich Schwiegermutter zumindest Kontakt zu den Nachbarn in der Seniorenwohnanlage hat, während Tante alleine wohnt. Mudderns ist wie ausgewechselt, läuft wieder alle zwei Tage ins Städtchen, um Besorgungen zu machen. 

Der Gatte und ich hatten 19. Hochzeitstag. Normalerweise wären wir diese Woche in Dänemark gewesen, aber das geht ja nicht. Auch Essengehen ist nicht. Wir hatten erst überlegt, etwas aus einem italienischen Restaurant zu holen, aber der Hochzeitstag war an dem Wochentag, an dem wir beide im echten Büro arbeiten, und wussten, dass da abends niemand Lust haben wird, nochmal die Wohnung zu verlassen (hier am Stadtrand liefern keine Restaurants, nur Imbisse, und das war uns zu sehr Alltag). Also gab's unser Sonntagsessen: Steaks, gegrillt.

Eine traurige Nachricht gibt's auch: Eine langjährige Freundin von Schwiegermutter verstarb. Sie war krebskrank und schon lange im Hospiz. Durch Corona konnte Schwiegermutter sie da schon lange nicht mehr besuchen. Weihnachten konnten sie zuletzt telefonieren, dann war das nicht mehr möglich, konnte Schwiegermutter nur noch mit den Hospizschwestern sprechen. Schwiegermutter fühlt sich einmal mehr alleine. Wenn's erlaubt ist, werden wir sie zur Beerdigung begleiten. Die Freundin wird übrigens nicht im Familiengrab des Clans neben ihrem Mann beigesetzt - als zweite Ehefrau, zudem noch in einfachen Verhältnissen aufgewachsen, entspricht sie nicht dem Niveau des Blankeneser Adels.   

Ansonsten schwinden meine Sockenwollreste dahin, entsteht immer mehr für die Wooligans. Langsam kann ich das erste Päckchen losschicken. Außerdem habe ich die Hälfte der Grappa-Krimi-Reihe* zusammengekauft und bin beim dritten Band. Es macht Spaß, zu sehen, wie sich die Reihe entwickelt. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Einkaufen und Kochen berichte ich in der Kombüse.

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Sonntag, 21. Februar 2021

Samstagsplausch KW 7/21: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten XLVII

Ich bin Schrödingers Kassenpatient. 

Diese Woche fragte ich bei meiner Krankenkasse an, weshalb ich keine Maskengutscheine bekam. Mir ging's nicht um die Masken; ich war nur irritiert, dass ich keine bekam, obwohl Risikogruppe. Dabei stellte sich heraus, dass meiner Krankenkasse meine chronischen Erkrankungen völlig unbekannt sind. Ihrer Aussage nach haben eine Hausarztpraxis und vier Facharztpraxen seit der ersten Diagnose in den 1990er Jahren nie chronische Erkrankungen abgerechnet. Das ist insofern absurd, als dass mein Lungenarzt mich direkt über die Praxis beim Asthmatikerprogramm der Krankenkasse anmeldete, ich erst heute noch den aktuellen Newsletter dazu in der Post hatte und gestern den Nachweis für die Steuer, dass ich wegen Teilnahme am Programm einen Bonus bekam. 

Nun könnte ich denken, kein Problem, die chronischen Erkrankungen werden einfach jetzt erfasst und gut, aber zum einen ist eine Nacherfassung laut Krankenkasse nicht möglich, obwohl ihr inzwischen entsprechende Unterlagen vorliegen, zum anderen war der Stichtag für die Erfassung der 15.12.2020. 

Wie gesagt, die Maskengutscheine sind mir egal, nur Hamburg wird nach derzeitigen Stand die Daten für die Impfreihenfolge bei den Krankenkassen abfragen, und da der Krankenkasse angeblich keine chronischen Erkrankungen bekannt sind, bin ich in Impfgruppe 4 statt 2. Die Krankenkasse verweist mich nun an das Gesundheitsamt, um dort die Einstufung in die Impfgruppe korrigieren zu lassen. Nur das Gesundheitsamt fragt ja die Daten bei der Krankenkasse ab und korrigiert nichts. Also hänge ich in Impfgruppe 4 fest. 

Immerhin ist der Gatte richtig eingestuft (er bekam Maskengutscheine). Wenn er geimpft ist, sind alle meine Lieben safe. Ich muss halt sehen, wo ich bleibe (und endlich mal Testament und Patientenverfügung auf Papier, meine persönlichen Unterlagen in Ordnung bringen). Generell finde ich es natürlich großartig, dass Hamburg in der kommenden Woche damit beginnen will, die Impfgruppe 2 einzuladen. Das geht jetzt tatsächlich rasend schnell, denn vor ein paar Tagen sah's so aus, als wäre es frühestens im Herbst soweit. Wenn's dann auch noch Impfstoff gibt, scheint's tatsächlich zu laufen. 

Hier gilt seit mittlerweile 49 Wochen: Der Gatte und ich sind seit Mitte März 2020 weitgehend zu Hause. Unsere Kontakte sind auf das Notwendigste beschränkt, heißt: Arbeit, Ärzte, Einkaufen, Mütter. 

Der Gatte ist seit April 2020 in Kurzarbeit, arbeitet aktuell einmal in der Woche. Die Sorge um seinen Job macht ihm zu schaffen, ebenso wie seine Gesundheit. Inzwischen hat er angesichts seines Gesundheitszustandes auch eine Frühverrentung geprüft, aber das ist für ihn keine Lösung. Er langweilt sich, ist deprimiert, hat oft schlechte Laune. Ihm fehlt die Struktur eines festes Tagesablaufes. Er könnte es mit Bewerbungen versuchen, will aber nicht.

Die Kurzarbeit können wir bislang ohne großartige finanzielle Einschränkungen wuppen, und insgesamt sind wir im Vergleich mit anderen ziemlich privilegiert, auch, weil mein Job sicher ist. Ich arbeite weiterhin einen Tag im echten Büro und vier Tage im Heimbüro, wenn nichts anderes anliegt. Ich kann gut zu Hause sein, ich kann gut alleine sein, also komme ich gut zurecht, auch, wenn ich mich freue, nächste Woche endlich mal wieder eine Kollegin in echt zu sehen, die ich sicher in halbes Jahr nicht sah. Wir haben zufällig einen gemeinsamen Arbeitstag. Ansonsten ist sehr genau geregelt, wer wann im echten Büro ist - Änderungen sind aber jederzeit möglich, wenn Heimarbeit aus Gründen unmöglich ist. 

Einmal wöchentlich haben wir ein virtuelles Teammeeting, aber dennoch habe ich das Gefühl, wenn wir mit der Pandemie durch sind, müssen wir uns erstmal als Team neu zusammenfinden. Diese Woche telefonierte ich mit einer Kollegin und bekam mit, wie viel Frust im Team ist, weil die beiden Chefs quasi komplett ausfallen. Chef ist Teil des Corona-Krisenstabs, hat also seit einem Jahr zwei Vollzeitjobs, und Chefin arbeitet halt Teilzeit, kann nicht alles auffangen. Die beiden sind nicht wirklich greifbar, um Projekte etc. zu besprechen. Es fehlt an Kommunikation. Ich bin so auf mein Projekt fokussiert, für das kurze eMail-Absprachen reichen, dass mir das entging. Mal schauen, wie sich das entwickelt. 

Von Mudderns gibt es endlich wieder richtig gute Nachrichten: Ihre wunderbare Gesellschafterin hat sie wieder auf die Beine bekommen, buchstäblich! Vorgestern waren die beiden endlich wieder zu Fuß in der Stadt, und Mudderns war dadurch so motiviert, dass sie heute über zwei Stunden alleine zu Fuß unterwegs war, zum Wochenmarkt und zum Lattetrinken! Dass sie ganz viele Leute ansprachen und ihr sagten, dass sie Mudderns vermisst hätten, gab Auftrieb, und ich hoffe, dass sie bald wieder regelmäßig unterwegs ist. 

Mudderns ist inzwischen auch bereit, sich impfen zu lassen - typischer fall von Impfneid, denn als sie hörte, dass Tante geimpft ist, Schwiegermutter ihre erste Impfung bekam, immer mehr Nachbarn und Bekannte geimpft wurden, wollte sie auch. Aktuell besteht sie zwar darauf, dass ihr Hausarzt sie impft, aber ich habe sie dennoch im örtlichen Impfzentrum auf die Warteliste setzen lassen. 

Ich realisiere immer öfter, dass ich durch die Behandlung meine Hormonstörung tatsächlich 15 Kilo abnahm, bin ungeduldig und würde gerne die nächsten 15 Kilo verlieren. Schwiegermutter würde gerne neue Kladage mit mir kaufen, aber die Marken, die ich normalerweise trage, haben ihre Zuschnitte so verändert, dass ich keine kleineren Größen brauche, sondern größere als ich jetzt trage, und das ist frustrierend. Also lasse ich Oberteile schlackern, trage Hosenträger oder Gürtel und muss mit dem Rest demnächst endlich mal zur Änderungsschneiderei. Viel Gestricktes müsste ich aufribbeln und kleiner stricken. aber zum einen weiß ich noch nicht, wie weit mein Gewicht sinkt und zum anderen bin ich skeptisch, ob es tatsächlich weiter sinkt, ich nicht doch plötzlich wieder zunehme. Meine Wechseljahrsbeschwerden halten allerdings weiterhin an - frau kann halt nicht alles haben ...   

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Einkaufen und Kochen berichte ich in der Kombüse.

Dienstag, 16. Februar 2021

Ein Strick-Dackel für die Tante

Das letzte Weihnachtsfest war für alle ja irgendwie anders. Tante samt Dackel konnten uns nicht wie sonst besuchen, und so konnten wir nicht herausbekommen, was sie sich wünscht. Auf Fragen sagt sie, sie habe alles, aber wenn wir uns leibhaftig sehen, zusammen durch die Stadt und über die Weihnachtsmärkte bummeln, kommt dann doch der ein oder andere Wunsch zutage. Das fiel alles aus. Also war Phantasie gefragt. 

Da hing der Dackel noch auf unserem Sofa ab.

Zum Glück kann man Tante mit Selbstgemachten eine Freude machen. So machte sich dann Mitte Dezember neben einem Schal, einem Kalender mit Fotos vom Gatten und mir auch ein Dackel auf den Weg nach Bayern.

Der Dackel in voller Länge.

Die Anleitung stammt aus Landlust September / Oktober 2020 und kann hier heruntergeladen werden. Da ich die Lana-Grossa-Landlust-Wolle nicht ohne Internet-Bestellung bekam, entschied ich mit im Wollgeschäft für Austermann Merino 125 in Rotbraun (Farbe 120). Ich strickte den Dackelkörper etwas länger, damit Tante ihn als Nackenrolle nutzen kann, und stickte Augen und Nase auf, anstatt welche zum Aufnähen zu kaufen, damit beim Liegen nichts drückt.

Die andere Seite des Dackels.

Tante freute sich sehr, als das "Hanserl" bei ihr einzog. Er lebt auf der Lehne ihres Fernsehsessels, so dass er schnell für seinen Einsatz als Nackenrolle griffbereit ist.

Dieser Beitrag geht rüber zu den Linkparties Dings vom Dienstag und Handmade on Tuesday. Vielen Dank an alle für's Sammeln!

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