Wetterbedingt konnte ich die ganze Woche im Heimbüro arbeiten, was mir ganz gut tat, zumal aufgrund der Erkrankung meiner Kollegin auch noch eine Besprechung verschoben wurde. Dafür hätte ich ins Echtbüro fahren müssen, denn dort liegen meine Unterlagen so ganz analog auf meinem Schreibtisch. Auf der anderen Seite fehlte es mir, unter Menschen zu sein. Ich muss mich zwar immer dazu zwingen, weil ich gerne alleine bin, aber ich weiß auch, dass mir das Alleinsein nicht wirklich gut tut. Da auch noch das Stricktreffen wetterbedingt abgesagt wurde, war ich viel für mich.
Stille und Leere im Haus sind schwer zu ertragen. Gegen die Stille lasse ich jetzt im ersten Stock den ganzen Tag das Radio laufen. So ist es, als wäre der Gatte noch da, säße in seinem Zimmer und gucke Harald-Lesch-Videos.
Im Büro ist es zwar ruhig, aber ich müsste mich um einige administrative Sachen kümmern, die an Fristen gebunden sind, müsste wieder meine Funktion als Projektleitung ausfüllen. Dafür fehlt mich aber total die Konzentration. Das wirkt sich auch auf's Bloggen aus. Mehr als im Relax-Sessel sitzen, stricken und in den Garten gucken, ist einfach nicht drin. Hätte der Relax-Sessel nicht nur eine Heizung, sondern auch noch eine Massagefunktion, würde ich vermutlich aus dem Teil nicht mehr aufstehen. Der Gatte hätte auch gerne die Massagefunktion gehabt, aber da hätte er bis zu 18 Wochen auf die Lieferung warten müssen. Als wir den Sessel kauften, war schon klar, dass er nicht mehr so lange leben würde, weswegen wir ein sofort lieferbares Ausstellungsmodell kauften.
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| Fly me to the moon ... Die Eis-Stalaktiten reichen inzwischen schon bis auf den Balkonboden und glitzern ganz zauberhaft in der Sonne, wenn sie sich denn mal zeigt. |
Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 304.
Die Kammerjäger waren da, um die Köderboxen zu kontrollieren, und kommen nächste Woche wieder. Ich vermute ja, dass eher der strenge Winter den Ratten den Garaus macht als die Köder, die nur wenig angefressen waren. Ich hoffe, ich denke daran, die Kammerjäger zu fragen, wie ich Rattenbefall zukünftig vermeiden kann. Im Schuppen, in den sie sich einnisteten, war ja nichts Essbares, und trotzdem kamen sie, waren auch im Hochbeet. Vermutlich ist es das Sinnvollste, den kompletten Garten zu betonieren ... Sobald das Wetter es zulässt, muss ich den Schuppen ausräumen, desinfizieren und das von den Ratten genagte Loch schließen. Die dusseligen Biester nagten sich ja durch's Holz, anstatt die Spalte zu nutzen, die ohnehin da sind.
Mir fehlt jeder Antrieb, mich weiter mit dem Nachlass des Gatten zu beschäftigen, Verträge zu kündigen oder noch mehr von seinen Sachen zu verkaufen. Diese Woche ging ein großes Paket an Momox, verkaufte ich eine Bandsäge. Ergebnis: Ein leeres Brett im Bücherregal und ein halber Quadratmeter mehr Platz im Keller - bei den Massen, die wir haben, aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
Eigentlich sollte auch einiges zum Sperrmüll, aber angesichts des Wetters stornierte ich den Termin am Mittwoch. Die Nebenstraßen sind aktuell kaum befahrbar. Dienstag kam zwar die Müllabfuhr noch durch, dann nicht mehr, und ich hatte keine Lust, den Sperrmüll aus dem Keller an die Straße und wieder zurück zu schleppen. Da die zerlegten Möbel, die zum Sperrmüll sollen, aus Konstruktionslatten gebaut wurden, befürchte ich ohnehin, dass die hiesige Müllabfuhr alles als Baustoff einstuft und nicht mitnimmt. Baustoffe muss ich selbst zum Müllumschlag fahren. Das möchte ich nicht bei der aktuellen Wetterlage.
Die internistische Endokrinologin schickte die Labor-Ergebnisse, mit denen sie zufrieden ist. Das ist sicher gut. Ich bräuchte dringend einen Termin bei der gynäkologischen Endokrinologen, um die Hormon-Ersatz-Therapie zu überprüfen, aber da ist so schnell nichts zu machen.
Ich telefonierte lange mit Tante und der 91jährigen Nachbarin und kurz mit Schwiegermutter - Prioritäten halt. Tante bat mich, mich um ihren Nachlass und ihre Beerdigung zu kümmern, falls Schwiegermutter nicht mehr dazu in der Lage ist oder vor ihr stirbt. Der zu frühe Tod des Gatten bringt alles durcheinander, denn bislang war vorgesehen, dass der Gatte seine Mutter und seine Tante überlebt und sich darum kümmert. Jetzt ist es an mir, gibt es für die Generalvollmacht viel zu besprechen, müssen wir eine Strategie entwickeln, bei der sich Schwiegermutter nicht ausgebootet fühlt. Ich hoffe, Tante lässt sich Zeit mit dem Ableben, denn ich bin durch die Nachlässe meine Eltern und des Gatten noch mehr als gefordert.
Gedanken mache ich mir über Generalvollmacht, Patientenverfügung und Co. für mich, denn mir fällt niemanden ein, der diese Verantwortung übernehmen könnte. Aber zumindest einen Krankenhauskoffer kann ich vorbereiten. Die letzten sieben Jahre haben gezeigt, dass man so was schneller braucht als man denkt.
Die eMails des Gatten landen ja inzwischen in meinem Postfach, und so wurde ich auf diese Weltkarte aufmerksam. Seit zwei Tagen überlege ich, ob ich sie kaufen soll, wenn ja, in welcher Farbe, und ob ich in der Lage bin, sie an die Wand zu bringen. Immerhin schaffte ich es, den Griff des Kaminofens wieder anzuschrauben. Nächstes Projekt ist der Austausch eines Wasserhahn in der Waschküche - der wartet auch erst seit drei Jahren ... Der Gatte sagte gerne, dass ich vor der Ehe mit Werkzeug umgehen sonnte, einen Werkzeugkasten hatte, aber mit der Unterschrift auf der Heiratsurkunde diese Fähigkeit verlor, und damit hat er recht. Er war handwerklich viel besser als ich, hatte im Gegensatz zu mir Spaß daran. Ich mache es nur, weil ich muss.
Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

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