Mittwoch, 7. Januar 2026

#WMDEDGT 1/26: Schneekönigin

Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln! 

Die Nacht ist ruhig, und für einen kurzen Moment denke ich, das Melatonin, das ich seit zwei, drei Wochen zum Ein- und Durchschlafen nehme, wirkt endlich. Ich werde zwar rechtzeitig wach, schaffe es aber dennoch, noch einmal kurz und fest einzuschlafen. Zum Glück arbeite ich heute im Heimbüro, habe also nicht verschlafen. 

Duschen, dabei feststellen, dass es eine blöde Idee war, den Wäscheständer ins Bad zu stellen. Das ist zwar der wärmste Raum im Haus, aber die Wäsche trocknet nicht innerhalb eines Tages. Ich darf also erstmal alles abnehmen, den Wäscheständer zusammenklappen und in mein Arbeitszimmer bringen, wo ich die Wäsche wieder aufhänge, bevor ich duschen kann. Anziehen, Kaffee kochen, frühstücken, dann ab an den dienstlichen Klapprechner zum Arbeiten. Gegen elf Uhr logge ich mich aus. Es hilft nichts, ich muss heute einkaufen, und leider brauche ich dazu das Auto, weil ich Dinge brauche, die ich fußläufig nicht bekomme. Ich hoffe, dass nach fünf Tagen Winter zumindest die Hauptstraßen einigermaßen befahrbar sind und sich die anderen Autofahrer auf den Winter eingestellt haben. Ich habe vor 40 Jahren bei diesem Wetter Autofahren gelernt und bin immer wieder froh darüber, auch, wenn ich bei diesem Wetter möglichst auf Autofahrten verzichte. Kurz überlege ich, dem hiesigen ÖPNV eine Chance zu geben, aber ich brauche zu viel für Hackenporsche und Rucksack.

Da ich nach meiner Rückkehr vor acht Tagen zu faul war, das Karlchen in die Garage zu fahren, es auch seitdem nicht tat, steht das arme Karlchen inzwischen unter 40 cm Schnee inmitten von Schneehügeln. Ich fluche über meine Faulheit, während ich es mit Handeule und Aufnehmer so gut wie möglich von Schnee und Eis befreie. Dann jubiliere ich, weil das Karlchen sofort anspringt, und hopple es aus den Schneehügeln heraus. Bis zur Hauptverkehrsstraße schliddern und mich freuen, dass die geräumt ist. 

Heute ist Montag, der Parkplatz für zwei Discounter, einen Super- und einen Drogeriemarkt ist voll. Ich arbeite meinen Einkaufszettel ab, schaffe es, den Toast zu vergessen, denke aber an Brot (und einen Spritzkuchen zur Belohnung), muss dann noch in der Drogeriemarkt, weil der Supermarkt den gewünschten Tee zwar im Angebot, aber nicht im Sortiment hat. 

Wieder zu Hause, werfe ich schnell die Einkäufe vor der Haustür ab und fahre dann das Karlchen in die Tiefgarage, damit es in den kommenden Tagen schnee- und eisfrei steht. Ich brauche aller Wahrscheinlichkeit nach den Wagen erst wieder in einer Woche. 

Auf dem Rückweg treffe ich zufällig den rechten Nachbarn, der in den letzten Tagen bei mir Schnee schippte. Ich bezahle dafür zwar eigentlich einen Winterdienst, aber der war ein wenig überfordert. Nach einer Beschwerde vor zwei Tagen klappt es jetzt wieder, und für alle Fälle habe ich einen Schneeschieber bestellt. Bestellt, weil vor Ort ausverkauft. Jedenfalls kann ich mich nochmal direkt beim Nachbarn bedanken, nicht nur per SMS bei seiner Frau.

Die Einkäufe verräumen, die Auto-Abdeckung in der Dusche aufhängen, weil sie dort am Besten abtropfen kann, dann wieder an den Klapprechner und arbeiten bis zum Feierabend. Die Chefin vermeldet, dass wir aufgrund der Wetterlage den Rest der Woche zu Hause arbeiten dürfen, und das Angebot nehme ich gerne an. 

Die rechte Nachbarin klingelt und bringt einen Neujahrsgruß vorbei. Ich kann ihr zwei Flaschen Bourbon des Gatten anbieten - ich trinke keinen Bourbon, und ihr Mann freut sich.

Beim Abnehmen der Weihnachts- und der Chanukka-Girlande denke ich daran, dass der 24jährige Ran Gvili seit 822 Geisel der Hamas ist. Der junge Polizist scheint von der Welt vergessen. Bring him home gilt seit unfassbaren 118 Wochen. Ich hoffe, dieses Chanukka kann ich die gelben Schleifen annehmen, weil Gvili heimgekehrt ist und beerdigt wurde.

Der Rest des Tages wird ruhig. Ich sitze seit einiger Zeit ohnehin am liebsten strickend im Relax-Sessel des Gatten und gucke in den Garten. Zu allen anderen Aktivitäten muss ich mich zwingen. Eine Sandkastenfreundin schreibt, wie glücklich sie über die Socken ist, die ich ihr strickte, und schickt einen Foto-Beweis mit. Ich beschließe, ihr ein weiteres Paar zu stricken, statt Blumen, denn Ende des Monats bin ich bei ihr eingeladen. Jemand ist gestorben. Die Nachricht kam nicht überraschend, aber ich merke, wie leer ich vor eigener Trauer bin, finde keine passenden Worte, keinen Trost.

Wäsche in den Keller bringen und auf dem Rückweg eine Dose passierte Tomaten für die Küche mitbringen. Dabei stelle ich überrascht fest, dass wir schon wieder binnen eines Jahres ein 12er-Dosen-Pack passierte Tomaten verbrauchten. Wird Zeit, dass das 12er-Dosen-Pack wieder im Angebot ist, auch, wenn ich aktuell meistens nur noch eine halbe Dose brauche.

Ein Abholer für eines der Geräte aus dem Nachlass des Gatten kündigt sich an. So froh ich über alles bin, was aus dem Haus kommt, so traurig bin ich doch auch. Mit jedem Stück verschwindet ein Stück des Gatten. Ich weiß ja noch, wie sehr er sich über jeden Kauf freute, wie stolz er mir jede Neuerwerbung vorführte, mir jedes Mal von der Gestaltung seiner Werkstatt erzählte. Seit gestern laufe ich zudem an einem großen Paket für Momox vorbei, gefüllt mit DVDs des Gatten (und ein paar Büchern von mir). Auch das macht mich traurig, aber ich kann und will kein Mausoleum aufbauen. Ich möchte das Haus nach meinen Wünschen gestalten, ohne dabei den Gatten zu vergessen. Ich muss unser Haus zu meinem machen, das Haus, in dem ich nie alleine leben wollte, in das ich nur wegen des Gatten zurückkehrte.

Die Zutaten für das Abendessen schnibbeln. Es gibt Ofen-Shakshuka mit Avocado und Ei. Während das Essen gart, kann ich im Relax-Sessel sitzen und stricken.

Abendessen, dann auf's Sofa wechseln, fernsehen und stricken, bis es Zeit ist, in Bett zu gehen. Vor dem Einschlafen noch etwas lesen*.

Der Blick zurück in die ersten sechs Corona-Jahre: Am 5. Januar 2020 hatten wir zum letzten Mal ein Neujahrsessen mit Tante, bevor Corona unsere Leben durcheinander wirbelte. Ich nahm die ersten Hormone in der leider vergeblichen Hoffnung, sie linderten meine Wechseljahrsbeschwerden. Am 5. Januar 2021 versuchte der Gatte, gesund zu werden, ahnten wir nicht, dass er nicht mehr gesund werden würde, war ich erkältet und kämpfte mit meiner Mutter. Am 5. Januar 2022 kämpfte ich mit einem zickigen CPAP-Gerät, für das ich coronabedingt lange auf Ersatzteile warten musste. Am 5. Januar 2023 ahnten wir nicht, dass unser Leben vier Tage später durch den Schlaganfall des Gatten wieder mal auf den Kopf gestellt würde. Am 5. Januar 2024 waren wir mit über einem Jahr Verspätung endlich umgezogen. Am 5. Januar 2025 ging es dem Gatten schlecht. Im Laufe des Monats sollte eine OP Abhilfe schaffen. Aus einer OP wurden acht, und bei einer der OPs infizierte er sich mit Candidozyma auris, woran der Gatte viel zu jung und viel zu früh starb. Das Haus, das im Laufe des Jahres fertig werden sollte, ist immer noch eine Baustelle, und den Telefon-Dialog, den der Gatte damals mit seiner Mutter führte, führte ich ein Jahr später, gestern, fast wortwörtlich genau so.

Das Rezept zum Tag gibt's in der Kombüse, sobald ich meinen Blog-Rückstand aufgearbeitet habe. / *Affiliate link 

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