Sonntag, 24. Mai 2026

Samstagsplausch KW 21/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXXIII

Auf dem Balkon steht jetzt der 
Deck-Chair, kann ich in den 
Abendhimmel blicken.
Ich habe tatsächlich seit Donnerstag Urlaub und konnte das zwei, drei Tage gar nicht fassen! 

Montag kam meine Kollegin aus dem Urlaub zurück, und ich schrieb ihr eine Mail, sie könne langsam in die Arbeitswoche starten, es sei alles ruhig. Mittags drehte dann eine Kollegin aus einer anderen Behörde, mit der wir für eine Kampagne zusammenarbeiten müssen, durch - so sehr, dass meine Kollegin mich nach Feierabend panisch anpiepste, es kämen noch immer Mails, ich Teetasse, Kuchenteller und Strickzeug von mir warf, die Treppe hoch raste und den Dienst-Klapprechner anwarf - nur um festzustellen, dass die Dame uns mit einem anderen Projekt verwechselte. Zu dem Schluss kam sie dann auch irgendwann. 

Dienstag sah erst alles gut aus, bis besagte Dame komplett frei drehte, so sehr, dass ich meine aufgelöste Kollegin anderthalb Stunden trösten musste, weil sie sich solche Situationen sehr zu Herzen nimmt, denkt, es wäre ihr Fehler. Die Arme war so sehr neben der Spur, dass ich meinen Urlaub stornierte, denn keine Chefin war erreichbar - eine krank, eine desinteressiert, und die Vertretungen wollten nichts entscheiden, da nicht ihre Baustelle. Schon schön. Jedenfalls war in der Situation keine ordentliche Übergabe möglich, und da ich keine Reise buchte, eh zu Hause bleiben wollte, fiel es mir leicht, den Antrag zurückzunehmen. 

Ich habe sogar eine 
Solar-Lampe, um lesen 
zu können (und das
Weinglas besser zu finden).
Mittwoch war die Chefin dann wieder im Dienst und sehr verärgert ob es Verhaltens der anderen Behörde. Die zweite Chefin kam mit ins Boot, egal, ob sie wollte oder nicht, und wir entwickelten eine Strategie, die die andere Behörde gelinde gesagt überraschte, denn: Doof können wir auch. Plötzlich lief es rund. Mein stornierter Urlaubsantrag wurde storniert. Ich habe tatsächlich zehn Tag frei! Generell bin ich für Notfälle erreichbar, aber den Dienst-Klapprechner nahm ich noch gar nicht aus dem Rucksack und hoffe, er kann dort die ganze Zeit über bleiben. 

Das Pendeln verlief, anders als in der Vorwoche, erstaunlich entspannt. Ich leide aktuell unter Schlaflosigkeit und bekam morgens einen frühen Bummelzug. Die Bummelzüge sind länger das die Schnellzüge, so dass es zu normalen Zeiten schon mehr Platz gibt. Nachmittags arbeitete ich länger, so dass ich auch da einen Bummelzug bekam. Da zu Hause ja niemand mehr auf mich wartet, ist es ja egal, wann ich zurück bin. Die Bummelzüge sind übrigens ganze drei Minuten langsamer als die Schnellzüge ...   

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 323. 

Ich habe es Donnerstag und Freitag geschafft, ein bisschen im Garten zu arbeiten, wenngleich ich nicht so viel schaffte, wie ich dachte. Depression und Trauer sind zentnerschwere Gewichte, die mich zurückhalten. Immerhin war der Gärtner da, um die Gestaltung des Vorgartens durchzusprechen. Mir graut vor den Kosten, aber ich kann das Elend, das die Biologen-Freundin als "wunderschöne Naturwiese" beschreibt, nicht mehr sehen. Ich hätte es aber sicher noch etwas länger ausgehalten, wenn nicht der Zaun, der vor den Mülltonnen steht, so morsch ist, dass er sich nicht mehr flicken lässt. Das Zaunflicken wäre nämlich eines meiner Urlaubsprojekte gewesen. Aber immerhin habe ich jetzt mein eigenes Werkzeugkistchen. 

Ich habe im Hochbeet ein wenig Ordnung gemacht und die ersten Stachelbeeren entdeckt.

Es kam ein Brief von der DRV, und da es ein kleiner, dünner Umschlag war, war schnell klar, dass es nicht der erwartete Bescheid zur Witwenrente ist. Stattdessen war es eine Information darüber, dass diverse Unterlagen neu eingereicht werden müssen, weil sich die Rente zum 1. Juli erhöht und die DRV es bislang nicht schaffte, meinen Antrag zu bescheiden. Ich scheine den einzigen DRV-Sachbearbeiter erwischt zu haben, der ausschließlich analog arbeitet, denn natürlich gehen alle Unterlagen wieder in die Post, wird die Bearbeitung wieder Wochen dauern, auch, weil die Unterlagen nicht direkt an meine Personal-Sachbearbeiterin geschickt werden, sondern an die zentrale Personalverwaltung. Da muss man mich unter ca. 70.000 Leuten erstmal finden, bevor der Brief per Behördenpost die richtige Stelle erreicht. 

Der Rosmarin, der noch aus Schwiegermutters Garten stammt und drei Mal umzog, blüht.

Ich habe bei der DRV mehrfach um digitale Bearbeitung gebeten, was aber verweigert wird. Normalerweise dauert die Bearbeitung sechs bis acht Wochen. Bei mir dauert sie aktuell schon sechs Monate. Zum Jahrestag der Antragsstellung schicke ich dem Sachbearbeiter Konfetti. Immerhin weiß ich dank einer ehrenamtlichen Rentenberaterin inzwischen, welchen Betrag ich maximal zu erwarten habe und kann einigermaßen in die Zukunft planen. Ansonsten sitze ich die Bearbeitung einfach aus und bin dankbar für mein eigenes Einkommen. 

Der Schmetterlingsginster blüht. Der Gatte hätte sich sehr darüber gefreut. 

Trauer und Depression haben mich fest im Griff, aber ich schaffte es endlich mal wieder, zu stricken. Die Socken, an denen ich sage und schreibe drei Monate strickte, sind fertig! Normalerweise brauche ich für ein Paar maximal eine Woche. Ich habe Wolle für eine Babydecke samt Beißring gekauft und Fliesen für ein Upcycling-Projekt (wobei es deutlich preiswerter wäre, einen neuen Tisch zu kaufen, als den alten Lack-Tisch zu upcyclen, aber es geht ja ums Prinzip, und die Fliesen sind traumschön). 

Ich habe meinen eigenen Werkzeugkasten.

Die Chefin fragte, ob ich ihr eine Handtasche fingerstricken könne. Da ich die Technik schon länger ausprobieren wollte, sagte ich zu, sofern sie die passende Wolle besorgt. Auf der Suche nach der passenden Wolle sah die Chefin, was die handgestrickten Taschen kosten, wenn frau sie fertig kauft, und war entsetzt ob des Preises. Knapper Kommentar einer Kollegin: "Na, da weißt du ja, was du Sabine zahlen wirst!" Und: Nein, ich verlange / erwarte in der Regel kein Geld, wenn ich etwas für andere stricke, sofern es Freunde, Verwandte oder nette Kolleginnen sind und ich es selbst anbiete. Ich bin allerdings froh über jede Strickerin, die einen angemessenen Betrag für ihre Arbeit aufruft. 

Vom Heimwerker-Kurs wird es vermutlich schon im Juni eine Fortsetzung nur für unseren kleinen Teilnehmerinnenkreis geben. Das wäre toll! Im November wird der Kurs auch wiederholt, aber soweit mag ich noch nicht planen. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

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