Zumindest kam ich so zum Stricken und zum Lesen. Erfreulicherweise reichte dafür die Konzentration wieder. Ich schaffte den Copenhagen Calling-Schal mit passender Mütze und nadelte eine Babydecke an. Außerdem hatte ich die Idee für ein Anti-Stress-Paket für meine Kollegin, die mich im Sommer ja einige Wochen vertreten darf, und mache ich jetzt an die Umsetzung.
Pfingstmontag raffte ich mich auf, einen Teil meiner Liste abzuarbeiten. Ein Punkt sah den Austausch des Autoschlüssels vor, der sich unlängst auflöste. Ich hatte die Hoffnung, dass mit einem neuen Autoschlüssel auch die Zentralverriegelung wieder funktioniert. Allein, der Austausch war nicht so leicht wie in diversen Videos beschrieben. Als klar war, dass ich das alleine nicht schaffe, fragte ich in der örtlichen FB-Gruppe nach einem Autoschlüssel-Schlüsseldienst, denn Google war da gerade nicht mehr Freund. Neben vielen hilfreichen Tipps wie "Das Auto fährt auch ohne Zentralverriegelung!", "Das kannst du selbst machen, dauert nur ein paar Minuten!", "Am Besten ein neues Auto kaufen!", meine ein junges Paar, wenn ich gerade Zeit hätte, solle ich einfach mal vorbeikommen. Sie hätten das schon öfter gemacht, es dauere ja nur ein paar Minuten.
Aus den "paar Minuten" wurden dann 120 Minuten. So ein Opel-Schlüssel ist deutlich hartnäckiger als einer von VW oder Audi, die Fabrikate, die die beiden bislang getauscht hatten. Es war eine sehr nette Begegnung. Meine Zentralverriegelung zickt allerdings weiterhin. Wenn mal wieder eine Reparatur ansteht, lasse ich sie erneuern, denn auf Dauer nervt es. Sie lässt sich nämlich auch nicht immer von innen bedienen, so dass ich nur selten an den Kofferraum komme. Gut, der ist beim Karlchen eh so lütt, dass kaum etwas hereinpasst, aber er ist gelegentlich ganz praktisch.
Dienstag und Mittwoch war ich mit Einkaufen und Haushalt beschäftigt. Die aktuellen Temperaturen sind optimal zum Wäschewaschen. Ich schaffte außerdem ein bisschen Ordnung im Garten und auf der Terrasse, wenngleich ich nicht so viel schaffte wie erhofft, da zu heiß. Aber mich hetzt ja keiner, ich habe ja kein Datum, zu dem ich mit allem fertig sein muss. Und ich habe gelernt, mich mit Kleinigkeiten zu bescheiden, wenn für mehr keine Kraft da ist.
Donnerstag war einer der seltenen Momenten, in denen ich sprachlos bin: Im Postkasten war der Brief einer Anwaltskanzlei an den verstorbenen Gatten. Es ging um eine Abfindung seines Arbeitgebers, der vor 24 Jahren in die Insolvenz ging. Die Abfindung soll jetzt tatsächlich ausgezahlt werden! Der Gatte hat nichts mehr davon (und ich auch nicht, da nicht vererbbar). Ich frage mich, was der Gatte wohl dazu sagen würde, dass er theoretisch eine Abfindung bekommen hat. Er hatte mit diesem Kapitel zwar abgeschlossen, sprach nur noch gelegentlich von drei Kollegen, die ihm fehlten, zu denen er aber auch andererseits keinen Kontakt hielt, aber dass die Abfindung nicht gezahlt wurde, wurmte ihn. Die Inhaber-Familie brachte ihr Vermögen vor der Insolvenz ins Trockene. Ich hoffe, dass die Summen, die nicht ausgezahlt werden, weil die, die Anspruch darauf hatten, inzwischen verstorben sind, zumindest den überlebenden Kollegen zu Gute kommen, sie etwas mehr Geld bekommen. Die ehemaligen Angestellten werden ohnehin als letzte bedacht, nach allen anderen Gläubigern.
Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 324.
Die Trauer ist ein Marathon, kein Sprint, habe ich letztens in einer Predigt gehört, und das passt sehr gut. Die Trauer ist unendlich, auch wenn ich immer öfter zu hören bekomme, ich hätte den Tod des Gatten ja ganz gut verkraftet. Nein, das habe ich nicht. Er fehlt mir in jeder Sekunde, mit jedem Atemzug. Heute vor einem Jahr mussten wir unseren Dänemark-Urlaub absagen, weil der Gesundheitszustand des Gatten das nicht zuließ. Dass er nicht mehr nach Dänemark kommt, hat den Gatten sehr getroffen. Er hatte sich damit abgefunden, nicht mehr nach Mallorca zu kommen, aber dass er auch Dänemark streichen musste, war unendlich schwer für ihn. Wir ahnten noch nicht, dass er seinen letzten Sommer im Krankenhaus verbringen würde, dass wir nur noch knapp fünf Monate zusammen sein durften. Das Leben ohne den Gatten ist unendlich schwer.
Lieber Besuch war da, der sich spontan in unseren verwilderten Garten schockverliebte! Ich bin gespannt, ob der Garten irgendwann mal so aussehen wird, wie der Gatte und ich ihn uns vorstellten, und ob ich das noch erlebe. Der Besuch tat gut, auch wenn ich immer wieder merke, wie sehr es mich anstrengt, mit Menschen zu interagieren.
Die Neugestaltung des Vorgartens ist in Auftrag gegeben. Ich bin auf die Umsetzung gespannt und freue mich auf einen "ordentlichen" Vorgarten.
Die Fortsetzung des Heimwerker-Kurses fällt leider mangels Interesse aus. Wie so oft war die spontane Begeisterung größer und verpuffte schnell.
Im Dorf eröffnet eine neue Frauenarzt-Praxis. Ich bewarb mich um einen Termin und darf tatsächlich zur Hormonsprechstunde kommen, um die Hormonersatz-Therapie ggf. fortzuführen! Den Termin in Hamburg sagte ich daher ab. Es wäre ein Traum, nicht mehr 80 km zum Gynäkologen fahren zu müssen. Theoretisch hätte ich inzwischen auch die Möglichkeit, die Hausarzt-Praxis zu wechseln, aber ich hänge an der Praxis, bei der ich fast 20 Jahre Patientin bin. Bei akuten Erkrankungen 80 km zu fahren ist zwar doof, aber bislang habe ich das ja immer irgendwie geschafft.
Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

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