Gleichzeitig ist für einige Wochen die S-Bahn-Strecke zwischen Neugraben und Wilhelmsburg gesperrt, was in Harburg zu teils chaotischen Zuständen führt. Zu viele Menschen wollen in zu wenig Züge. Da bin ich dann froh, wenn ich zumindest einen Stehplatz ergattern konnte. Nachmittags gilt das gleiche umgekehrt. Sollte es einen Schienenersatzverkehr geben, dauert der vermutlich länger als die Bahnfahrt und ist ebenfalls überlastet. Kommt es zu den beliebten Oberleitungsschäden, zu Stellwerksstörungen, kurzfristigen Personalausfällen, Reparaturen am Zug oder Polizeieinsätzen, geht gar nichts mehr. Zugausfälle sind in der aktuellen Lage fatal, kommen aber täglich vor. Das Auto ist keine Alternative, es sei denn, ich wäre vor sieben Uhr im Büro. Das muss nun auch nicht sein.
Dass die Verstärkerzüge schon lange nicht mehr in vollem Umfange fahren, passt zur aktuellen Situation. Immerhin fahren aktuell noch zwei Züge pro Richtung, muss ich nicht ab / bis Bremen oder von einem der kleineren Unterwegsbahnhöfe pendeln, denn da fährt es nur noch einer pro Stunde. Als der Gatte vor vier Jahren entschied, dass er in die lindgrüne Hölle ziehen möchte, fuhren noch drei Züge pro Stunde zwischen Hamburg und Bremen. Gerüchteweise gab es sogar Zeiten, in denen vier Züge pro Stunde fuhren.
Seitdem ich vor acht Wochen auf ärztlichen Rat das Progesteron absetzte, weiß ich oft nicht, wohin vor Schmerzen. Selbst mit der Höchstdosis an Schmerzmitteln kann ich mich kaum bewegen. Ich habe jetzt einen Termin in der Hormonsprechstunde meiner Frauenarztpraxis und hoffe, die Ärztin, die die Sprechstunde anbietet, kann was. Ich möchte es mit der gewohnten Praxis versuchen, ehe ich versuche, einen Termin in einer anderen zu bekommen. Laut Vita ist sie darauf spezialisiert, Frauen in den Wechseljahren zu begleiten, was immer das heißen mag. Bislang war ich ja bei ihrem Kollegen in Behandlung, der meint, ich müsse mich nur mehr bewegen und weniger essen, wie so viele seiner Kolleginnen in den letzten vier Jahrzehnten. Deswegen wurde meine Hormonstörung nicht behandelt, obwohl erkannt.
Mir geht es genau so dreckig wie vor sechs Jahren, bevor ich mit der Hormonersatztherapie anfing. Vor allem, dass ich ständig zunehme, macht mir neben den Schmerzen zu schaffen. Angesichts meiner täglichen Kalorienbilanz kann ich nicht zunehmen, nur sieht mein Körper das anders. Mit den Hormonen nahm ich über 40 Kilo ab und hielt das Gewicht. Seitdem ich keine Hormone mehr nehme, nehme ich wieder zu. Ich fühle mich dem wehrlos ausgeliefert und habe einmal mehr keine Kraft. Dazu kommen Migräne, Schlafstörungen und das wieder aufgeflammte Reflux-Syndrom. Das war schon fast weg. Ich schaffe mit Mühe den minimalsten Alltag, aber mehr ist einfach nicht drin, obwohl ich mehr machen möchte. Und dann sind da noch Depression und Trauer, zwei Begleiter, die wie Bremsklötze sind.
Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 322.
Letztes Wochenende war ich bei einem ganztägigen Heimwerker-DIY-Workshop. Ich war sehr gespannt, ob ich den ganzen Tag durchstehe, denn jede Stubenfliege kann sich besser konzentrieren als ich, und was mich erwartet. Ich befürchtete als Dozenten einen gestandenen Handwerksmeister, den typischen "alten weißen Mann". Dass unter den Teilnehmenden Männer sein würden, hätte mich überrascht, denn kaum ein Mann gibt zu, dass er beim Heimwerken Defizite hat, und war deswegen nicht überrascht, mit lauter Frauen im Kurs zu sein. Der Dozent entpuppte sich als junger, sehr reflektierter Mann, der sich sein komplettes Wissen selbst beigebracht hat. Der gesamte Kurs war ein Glücksgriff! Binnen kurzer Zeit wurde beschlossen, WhatsApp-Gruppe und eMail-Verteiler zwecks gegenseitiger Hilfe einzurichten. Es stellte sich heraus, dass eine Teilnehmerin quasi eine Nachbarin ist und auch verwitwet. Ich muss mal gucken, was ich mit den neuen Kontakten anfange, bin ich doch recht soziophob und unsicher (ja, ich weiß, ich kann das gut überspielen).
Jedenfalls habe ich durch den Kurs die Scheu vor Werkzeug verloren und mir gestern im Discounter eine Säge gekauft, die per USB aufgeladen wird (sie war so preiswert, dass ich dachte, da mache ich wenig falsch, und es ist eine Bedienungsanleitung dabei). Ich steige nämlich nicht nur durch die Sägen des Gatten nicht durch, sondern auch durch die dazugehörigen Akkus. Ich war schon stolz wie Bolle, als ich es schaffte zu verstehen, welcher Akku in den Rasenmäher passt.
Außerdem kam lieber Besuch. Ich habe den Deckchair auf den Balkon gewuchtet, wo er sich gut macht. Jetzt warte ich nur noch auf wärme Temperaturen, um ihn nutzen zu können. So war es dann trotz Maladie und Malaisen eine gute Woche.
Bei der Witwenrente ging's einen Schritt weiter: Meine Personalsachbearbeiterin hat drei Wochen ein weiteres Formular ausgefüllt und zurückgesandt. Aktuell scheitert die DRV daran, dass ich nicht jeden Monat den gleichen Betrag verdiene und von meinem Arbeitgeber einen Zuschuss zum Krankengeld bekam. Da weiß man nicht, wie man das anrechnen soll. DRV und Personalsachbearbeiterin sind da unterschiedlicher Meinung. Ich werde Ende Juli, kurz vor Reha-Beginn noch mal bei der DRV nachfragen. Vom Erbschein gibt es nichts neues. Bei der Bankgeschichte aus dem Nachlass meiner Mutter bin ich neu drei Formulare von der endgültigen Kapitalübertragung entfernt. Dann kann ich wenigstens das abhaken.
Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

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