Sonntag, 28. Juni 2026

Samstagsplausch KW 26/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXXVIII

Die Hitze raubt mir aktuell jegliche Lust zum Bloggen. Außerdem ist im Büro gerade der Teufel los, und Tante hat Probleme mit ihrer Hilfe. Die Dame ist inzwischen so dreist, dass sie Tante unter Druck setzt, ein Testament zu ihren Gunsten zu unterschreiben. Das alte Testament sei angeblich ungültig, weil es den Gatten bedenkt, der ja nun verstorben ist. Nur ein neues Testament könne außerdem verhindern, dass Tante gegen ihren Willen ins Pflegeheim kommt. Sie hat eine befreundete Notarin ins Boot geholt, die ein Testament zu ihren Gunsten aufsetzte, das Tante nun unterschreiben soll. 

Tante will allerdings nicht unterschreiben. Tante will auch nicht, dass ich nach Dachau komme, um ihr beizustehen. Sie hat Angst, dass sie ihre "Hilfe" verliert, wenn sie nicht unterschreibt. Alles, was die "Hilfe" macht, also schwere Dinge wie Getränke einkaufen und Müll entsorgen, könnte auch jemand anderes erledigen. Ich würde mich darum kümmern, dass alles seriös geregelt wird. Aber Tante will nicht. Sie hat Angst, dass sie ohne diese "Hilfe" verloren ist, womöglich tagelang hilflos in der Wohnung liegt. Dass zwei Mal an Tag der Pflegedienst zu ihr kommt und sie im Ernstfall fände, dass Tante einen Notrufknopf hat, kommt nicht mehr bei ihr an, so groß ist die Angst.

Ihre "Hilfe" kommt sonntags für eine Stunde, nimmt sich eine Flasche Sekt aus dem Kühlschrank, setzt sich damit auf den Balkon und raucht. Ihr Mann sitzt währenddessen bei Tante im Wohnzimmer, daddelt auf dem Taschentelefon und guckt finster. Dann ist der Sekt ausgetrunken, wird der Müll eingesammelt und gegangen, nicht ohne vorher noch zu thematisieren, dass Tante ja bald stirbt und man ihre Wohnung auflösen werde. Auf manchen Gegenständen klebt sogar schon der Name der "Hilfe"!

Mich macht das total wütend, nur ich bin auch mit meinem Latein am Ende. Ich habe schon überlegt, die Polizei einzuschalten, aber es ist ja nichts passiert, und wenn das neue Testament unterschrieben ist, hat Tante das augenscheinlich freiwillig gemacht. Zeugen, dass es anders war, gibt es ja nicht. So bleibt mir nichts anderes übrig, als Tante sehenden Auges in ihr Unglück rennen zu lassen. Tante will nicht, dass ich beim Notar-Termin dabei bin, und sie will auch nicht, dass ich eine wirkliche Hilfe organisiere. 

Ich bin gespannt, ob Tante standhaft bleibt und nicht unterschreibt. 

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich, mich im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 328. Die Trauer bleibt meine Weggefährtin. Sie ist nur erträglich, wenn ich konsequent verdränge, dass der Gatte niemals wiederkommt. Das Leben ohne den Gatten ist unendlich schwer. Er fehlt in jeder Sekunde, bei jedem Atemzug.

Der Großfuß-Hase begleitet mich auf die Fahrt zur Schwiegermutter, die aufgrund eines verunfallten Milchlasters zweieinhalb Stunden statt einer halben Stunde dauerte. Die Rückfahrt ging zum Glück schneller.

Der Besuch bei Schwiegermutter, der diese Woche anstand, war auch wenig erfreulich, denn sie erzählte, dass bei ihr eingebrochen wurde. Ein Tresor wurde ausgeräumt. Das war leichtes Spiel, wer der Schlüssel steckte ... Die Einbrecher müssen aus ihrer Seniorenwohnanlage kommen, denn sie nutzten einen Generalschlüssel. Da zieht Schwiegermutter extra in eine Seniorenwohnanlage, um sicher zu sein, und dann das! 

Ansonsten kümmerte ich mich ein wenig um Schwiegermutters Papierkram. Viel ausrichten kann ich nicht. Sie lebt in ihrer eigenen Wirklichkeit, was durch die Demenz noch verschlimmert wird. Genau so wie Tante hat sie das Gefühl, ihr bleibe nicht mehr viel Zeit. Das ist traurig zu hören, und ich hoffe doch, beide täuschen sich.

Wenig überraschend, gab es auch diese Woche keinen Bescheid über die Witwenrente. An der Verzögerung beim Erbschein bin aktuell ich Schuld, denn ich hatte noch immer keine Kraft, die gewünschten Kopien ans Nachlassgericht zu senden. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse

4 Kommentare:

  1. Aus persönlicher Erfahrung ähnlich gelagerter Vorgehensweisen eine Empfehlung: https://www.care-coach.de/ - Sie kennt sich durch langjährige Berufserfahrung für einen großen Träger bestens über Hilfsangebote im Seniorenbereich aus.

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  2. Vielleicht solltest du wirklich einfach zur Tante fahren und mit ihr persönlich reden. Da wird sich doch ein anderer Mensch finden lassen, der sie versorgt und bekümmert.
    Die Hitze ist schon unglaublich.
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Ja, ich habe schon geguckt, wann ich fliegen könnte - 800 km hin und 800 km zurück gehen nicht so ganz spontan mal eben zwischendrin, zumal ich einige Termin habe, die ich wahrnehmen muss. Und dann ist da noch Schwiegermutter, die partout mit will, damit bloß nichts an ihr vorbei läuft, und nicht zuletzt Tante, die Angst hat, dass die Situation eskaliert, wenn ihre "Hilfe" mitbekommt, dass Tante nicht so will wie sie. Die "Hilfe" wollte die beiden Damen ja schon Weihnachten über den Tisch ziehen, was ich damals verhindern konnte. Es ist einfach eine doofe Gemengelage. Tante will auch alles alleine regeln. Mir wäre wohler, ich wäre vor Ort, auch bei dem Termin mit der Notarin. .

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