Donnerstag, 6. August 2026

#WMDEDGT 08/26: Schwimmflügelpflicht und Freibad-Pommes

Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln!

Heute ist Mittwoch. Die erste Reha-Woche ist vorbei. Ich bin gut angekommen, von ein paar Nickeligkeiten abgesehen. Der Tag beginnt um 6:30 Uhr. Ich bin schließlich auf Reha, nicht im Urlaub. Der heutige Tag hat's in sich, ich muss mich sputen.

Aufstehen, schnell anziehen und im Laufschritt zum Frühstück, wo es nur Obstsalat mit Quark gibt. Für Plaudern mit zwei Mit-Insassinnen, mit denen ich abends schon öfter zusammensaß, bleibt keine Zeit. Ich schaffe es gerade noch, einen Kaffee zu kippen. Im Laufschritt ins Zimmer, Jogging-Kladage gegen Bademantel tauschen und vorher duschen. Die Klinik wird im vollen Betrieb umgebaut, und beim Schwimmbad sind gerade die Duschen gesperrt. Im Laufschritt zum Programmpunkt "Bewegungsbad", heißt: Wassergymnastik. Die Reha-Ärztin kam beim Aufnahmegespräch zu dem Ergebnis, dass ich körperlich nicht belastbar bin, so dass ich in der 25 Watt-Gruppe bin, sprich: Belastungsstufe Hockergymnastik. Normalerweise bin ich in der 50 Watt-Gruppe, zumal ich auch abnehmen soll. Ich weiß noch nicht, ob ich darum bitte, in die andere Gruppe zu kommen oder ob ich das für mich zu leichte Sportprogramm als Entschleunigungsübung nehme. 

Im Laufschritt zurück ins Zimmer, schnell duschen und in die Klamotte werfen, dann im Laufschritt zur Gruppentherapie. Die wird wieder 90 Minuten lang von einer Frau alleine dominiert, und der Therapeut lässt es so laufen, obwohl drei Leute sagen, wie sehr sie die Situation belastet. Ich bin gespannt, wann es eskaliert. Noch bin ich in der Stimmung, mir das alles amüsiert anzusehen, wenngleich mich die dauern, die unter der Situation leiden.

Im Laufschritt zum Nordic Walking, dabei an den Briefkästen vorbei. In meinem ist der sehr gute Bericht aus dem Schlaflabor Als die Sport-Therapeutin zu Beginn sagt, sie hoffe, wir hätten angesichts der Hitze alle genug getrunken, fällt mir ein: Stimmt, da war was! Bis auf den heruntergestürzten Becher Kaffee zum Frühstück habe ich nichts getrunken. Dementsprechend merke ich prompt während der ersten Runde, dass mir blümerant wird, beschließe, dass ich niemandem etwas beweisen muss, melde mich ab und darf den Rest der Sportstunde auf einem Liegestuhl im Schatten verbringen. 

Nicht mehr im Laufschritt geht's in mein Zimmer, leere Wasserflaschen holen, dann zum Mittagessen. Danach ist mir noch immer blümerant. Auf dem Rückweg ins Zimmer gucke ich bei den Waschmaschinen vorbei, hole dann die Wäsche aus dem Zimmer, werfe eine Maschine an und beschließe, ein Schläfchen zu machen, bis die Wäsche fertig ist. Der Wäscheständer ist zwar noch im Auto, aber irgendwas ist ja immer.

Nachdem die Wäsche fertig ist, mache ich mich bereit für's Freibad - jedenfalls denke ich das. Tatsächlich vergesse ich Badeschlappen, Sonnenschutz und Handtuch, nehme quasi zwei leere Taschen mit. Wenigstens habe ich einen Badeanzug an.  

Das Freibad ist wie eine Reise in die Kindheit. Es ist brechend voll, kein Wunder, denn es sind Ferien, aber ich finde einen Platz für das Karlchen, und die Menschenmenge verläuft sich auf dem Riesengelände. Ich finde sogar einen freien Strandkorb! Ich schwimme eine Stunde und freue mich, wie sehr alle aufeinander Rücksicht nehmen. Auch dadurch ist der Aufenthalt trotz der Menschenmassen erträglich. Außerdem haben Eltern ihre Brut im Blick, nicht ihre Taschentelefone - auch das kenne ich anders. Irritierend sind die vielen Schilder, die auf eine Schwimmflügelpflicht hinweisen, denn es trägt kaum jemand welche. 

Meine Kalorien-App sagt mir, dass ich Freibad-Pommes darf. Die Pommes sind die besten, die ich seit langem aß! Außen knusprig, innen saftig - da versteht jemand sein Handwerk! 

Ich verzichte auf eine zweite Schwimm-Runde, denn ich bin total platt, wovon auch immer, und fahre in die Klinik zurück. Dusseligerweise habe ich mir beim Ausstieg aus dem Schwimmbad den entzündeten Fuß verdreht, was der gar nicht mag. 

Auf dem Rückweg vom Parkplatz ins Zimmer treffen mein Wäscheständer und ich eine Mit-Insassin, die eigentlich mit ins Freibad wollte, der dann aber kurzfristig der Therapieplan vollgepfropft wurde. Sie habe sich abends mit zwei anderen zu einem Spaziergang verabredet, ich könne gerne dazu kommen. Ich weiß noch nicht, bin wirklich platt. Wir treffen uns beim Abendessen wieder, wo ich dann für den Abend absage, weil ich einfach wahnsinnig müde bin. Aber vorher hänge ich noch die Wäsche auf. Ich bin gespannt, wie lange die Wäsche trocknet, und widerstehe der Versuchung, den Wäscheständer auf das Vordach vor meinem Fenster zu hieven, damit die Wäsche draußen trocknen kann. Zwei Mit-Insassinnen hatten schon überlegt, einen Wäscheständer auf der Liegewiese aufzustellen. Ich mag die Idee, bin aber zu platt, um sie umzusetzen. Nächste Woche.

Ich halte mit Mühe bis nach der Tagesschau aus, bin sogar zum Stricken zu schlapp. Es hilft alles nichts. Ich mache mich bettfein, lasse aber den Fernseher an, denn eigentlich will ich ja einen Film sehen. Daraus wird nichts. Ich werde erst zehn Stunden später aufwachen.   

Der Blick zurück in die ersten sechs Corona-Jahre: Am 5. August 2020 lebte Mudderns noch in ihrem Haus und ärgerte sich über die linken Nachbarn. Der Gatte war noch gesund und hatte einen Bürotag in Kurzarbeit. Das Verhältnis zu den linken Nachbarn hat sich übrigens sehr gebessert. Ich vermute, die Nachbarin hat ihren Lebensgefährten vor der Tür gesetzt. Jedenfalls gibt es kein betrunkenes Gegröle mehr. Am 5. August 2021 war der Gatte schon krank, hatte ich noch Kraft, vor der Arbeit schwimmen zu gehen. Am 5. August 2022 zeigten sich schon heftige Erschöpfungsmerkmale bei mir, begannen wir mit den Verhandlungen um einen Baukredit, den wir erst mehr als vier Monate später bekommen sollten. Am 5. August 2023 leben wir auf einer Baustelle - und ein Jahr später immer noch. Am 5. August 2025 lag der Gatte seit vier Wochen im Krankenhaus, hatten wir lieben Besuch, konnte ich ihn endlich mal wieder herzhaft lachen sehen. Wir wussten noch nicht, dass uns keine zwölf Wochen gemeinsames Leben mehr beschieden sein sollten.

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