Montag, 23. April 2018

Mahnmal für die Zwangsarbeiter bei den Hamburger Wasserwerken (Wasserkunst Elbinsel Kaltehofe)

Montags gegen Nazis
Wir haben uns da was eingetreten. Es ist braun. Es riecht nach Faschismus, Nationalismus, Antisemitismus und Rassismus. Es trifft sich montags hinterm Bahnhof, eingepfercht in Gattern, umringt von Polizei und der Gott sei Dank immer noch demokratischen Mehrheit dieser Stadt. Es ist eine krude, gefährliche Mischung aus Türstehern, Hooligans, Faschisten, Reichsbürgern und AfDlern, garniert mit ein paar spießbürgerlichen Sahnehäubchen aus dem Hamburger Umland.

Wir hatten schon mal Faschismus in Deutschland. Mein Bedarf daran ist hinreichend gedeckt. Ich muss keinen faschistischen Staat erleben. Mir reichen die Erinnerungen an den, den es zwischen 1933 und 1945 gab.

Montags erinnere ich daran, was passiert, wenn es mit der Demokratie bergab geht und wie es anfing, denn die Nazis fielen ja nicht 1933 vom Himmel. Die krochen schon Jahre vorher aus ihren Löchern, wurden nicht rechtzeitig aufgehalten, auch, weil man sie nicht ernst nahm, dachte, es wird schon nicht so schlimm.

Wurde es aber.

Besucherin vorm Mahnmal für die Zwangsarbeiter bei den Hamburger Wasserwerken.
In loser Folge gibt's hier also montags Kunst und Denkmäler gegen Faschismus, Nationalismus und Rassismus. Orte, die daran erinnern, gibt es in unserer Stadt genug, denn wie gesagt: Wir hatten das schon mal.

Auf dem Geländes des Industriedenkmals Wasserkunst Elbinsel Kaltehofe gibt es seit zwei Jahren ein Denkmal, dass an die Menschen erinnert, die zwischen 1940 und 1945 Zwangsarbeit für die Hamburger Wasserwerke leisten mussten. 


Detail des Denkmals.
Insgesamt arbeiteten etwa 500 Menschen im "Kommando Wasserwerke". Es waren zivile Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene sowie Häftlinge aus den Außenlagern Dessauer Ufer und Fuhlsbüttel des KZ Neuengamme. Die Männer kamen aus Dänemark, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Polen, der Sowjetunion und der Ukraine. Sie mussten unter widrigen Umständen körperliche Schwerstarbeit leisten, u.a. beim Bau von Kanälen und bei der Reinigung der Sandfilteranlagen im Wasserwerk Kaltehofe. Dort, an den öffentlich zugänglichen Museumsbecken, steht heute das Denkmal.

Entworfen wurde das Denkmal von Meinhard Weidner. Die Gestaltung übernahmen Auszubildende von Hamburg Wasser. Material ist ein zeitgenössisches Wasserrohr. Initiiert wurde das Denkmal vom Sohn eines ehemaligen Zwangsarbeiters. Die Finanzierung erfolgte durch Hamburg Wasser, die auch einen Historiker mit der Aufarbeitung dieses Kapitels der Firmengeschichte beauftragte. 


Mahnmal für die Zwangsarbeiter bei den Hamburger Wasserwerken.
Namentlich bekannt ist der Einsatz von 139 italienischen Militärinternierten, deren Namen im Denkmal genannt werden. Sie waren in einem Lager in der Süderstraße 110 - 112 untergebracht. Dort ist heute ein Industriegelände. 

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