Montag, 4. Juni 2018

Zwangsarbeitslager in der Mörkenstraße 92/94

Montags gegen Nazis
Update 05.05.2018: Die Nazis pausieren anscheinend. Momentan sind die Montagsdemos abgesagt. Wohlwissend, dass der Schoss fruchtbar bleibt, mache ich mit meiner Montagsreihe weiter.

Wir haben uns da was eingetreten. Es ist braun. Es riecht nach Faschismus, Nationalismus, Antisemitismus und Rassismus. Es trifft sich montags hinterm Bahnhof, eingepfercht in Gattern, umringt von Polizei und der Gott sei Dank immer noch demokratischen Mehrheit dieser Stadt.

Es ist eine krude, gefährliche Mischung aus Türstehern, Hooligans, Faschisten, Reichsbürgern und AfDlern, garniert mit ein paar spießbürgerlichen Sahnehäubchen aus dem Hamburger Umland.
Wir hatten schon mal Faschismus in Deutschland. Mein Bedarf daran ist hinreichend gedeckt. Ich muss keinen faschistischen Staat erleben. Mir reichen die Erinnerungen an den, den es zwischen 1933 und 1945 gab.

Montags erinnere ich daran, was passiert, wenn es mit der Demokratie bergab geht und wie es anfing, denn die Nazis fielen ja nicht 1933 vom Himmel. Die krochen schon Jahre vorher aus ihren Löchern, wurden nicht rechtzeitig aufgehalten, auch, weil man sie nicht ernst nahm, dachte, es wird schon nicht so schlimm. 


Wurde es aber.

In loser Folge gibt's hier also montags Kunst und Denkmäler gegen Faschismus, Nationalismus und Rassismus. Orte, die daran erinnern, gibt es in unserer Stadt genug, denn wie gesagt: Wir hatten das schon mal.



Irgendwo hier stand im Mai 1943 ein Zwangsarbeitslager: Die Mörkenstraße in Altona.
Zwischen 1939 und 1945 leisteten alleine in Hamburg schätzungsweise 100.000 Männer, Frauen und Kinder Zwangsarbeit. Sie lebten in etwa 1.300 Lagern, die über das gesamte Stadtgebiet verteilt waren, auf Bauernhöfen und in Privathaushalten. Etwa 1.000 Firmen profitierten von der Zwangsarbeit. 

Die Lager bestanden aus Baracken, häufig direkt auf dem Gelände der Firma, in der die Menschen eingesetzt waren, aber auch aus leerstehenden Schulen, Festsälen von Gaststätten, Speichern, Werkshallen und anderen Gebäuden. Brächte man an jedem Ort, an dem Zwangsarbeiter untergebracht waren oder arbeiten musste, eine Gedenktafel an, bliebe kaum eine Straße frei davon.

Einen Überblick aller bislang bekannten Lager und den dazugehörigen Informationen liefert die Website "Zwangsarbeit in Hamburg".


In der Mörkenstraße 92/94 befand sich der Karosseriebetrieb Friedrich Schlechte. Dort auf dem Firmengelände befand sich im Mai 1943 ein Zwangsarbeitslager. Die genaue Lage lässt sich nicht mehr lokalisieren, weitere Details sind unbekannt.

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