Mittwoch, 30. Mai 2018

Historiecenter Dybbøl Banke / Geschichtszentrum Düppeler Schanzen (Sønderborg / Dänemark)

"Preußen wollte Schleswig-Holstein haben, und deswegen überfielen die Preußen Dänemark", bringt der Gatte den Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 auf den Punkt. Der Krieg tobte zwischen Februar und Oktober 1864, war aber im Prinzip nach zehnwöchiger Belagerung der Düppeler Schanzen schon im April entschieden.

Dänisches Nationaldenkmal: Die Düppeler Mühle gegenüber dem Geschichtszentrum.
Der Eingang ins Geschichtszentrum.
Die Schanzen sicherten den Übergang über den Alsensund nach Sønderborg auf die Insel Als. Die Dänen rechneten nicht damit, dass die Preußen die Schanzen stürmen würden. Bis heute hat sich die Niederlage tief in das kollektive Gedächtnis der Südjütländer eingegraben.

Das Historiecenter Dybbøl Banke erinnert an die Schlacht und setzt dabei viele Elemente der Living History und des Reenactments ein. Die Museumspädagogen sind wie dänische Soldaten gekleidet und gehen so sehr in ihrer Rolle auf, dass ich in fast 50 Jahren Dänemark zum ersten Mal Deutschenfeindlichkeit wahrnahm (die anderen Mitarbeiter waren allerdings sehr herzlich).

Im Soldatendorf.
Anders als die Homepage ist die sehr ausgewogene Ausstellung mehrsprachig, und für die Filme gibt es Übersetzungen (an der Kasse nach Kopfhörern fragen, falls Ihr die nicht ohnehin gleich in die Hand gedrückt bekommt).

Blick von den rekonstruierten Schanzen auf das Ausstellungsgebäude.
Die Außenanlage des Museums besteht aus originalgetreu nachgebauten Schanzen und einem Soldatendorf, das anschaulich die damaligen Lebensumstände zeigt. Ein Gedenkstein erinnert an zwei neutrale Beobachter der Kampfhandlungen, quasi die ersten Rotkreuz-Delegierten.

Blick über die Anlage.
Gegenüber des Museums steht die Düppeler Mühle, ein dänisches Nationalsymbol. Die Holländermühle war in zwei Kriegen wegen ihrer Lage mitten im Kriegszentrum strategisch bedeutsam. So wurde beispielsweise die Stellung der Flügel genutzt, um Nachrichten zu übermitteln.

1914 brachten dänische Patrioten hier in der Nacht vor dem 50. Jahrestag zudem eine Marmortafel an, die mit einem Gedicht an die dänischen Gefallenen erinnerte. Kurz bevor der preußische Jubiläumszug an der Mühle vorbeimarschierte, wurde die Tafel entdeckt und entfernt. Die Müllersfamilie bewahrte sie auf und brachte sie nach der Volksabstimmung 1920 wieder an.

Pfannkuchenbacken wie 1864.
Bis 1990 in Betrieb, beherbergt die Mühle heute eine Ausstellung (und einen sehr schönen Laden mit Getreide, Honig aus der Umgebung und anderen Souvenirs).

Gegenüber des Museums sind auch die Ruinen des einstigen Denkmals, das die Preußen errichteten, zu sehen. Als Südjütland ab 1920 wieder dänisch wurde, sollte das 20 Meter hohe Sandsteindenkmal fallen, aber die dänischen Behörden konnten noch nichts unternehmen. Stattdessen wurden auf dem einstigen Schlachtfeld etwa 100 kleine Gedenksteine für gefallene dänische Soldaten errichtet - ein stiller Protest, eine Dänisierung des Geländes.

Einer der etwa 100 Gedenksteine für die gefallenen dänischen Soldaten.
Eine Woche nach der Befreiung, am 13. Mai 1945, wurde das Denkmal von dänischen Widerstandskämpfern gesprengt. Die dänische Polizei ermittelte - vergeblich. Ein paar Fundamentreste sind noch zu sehen, aber die Trümmer wurden in einer nahegelegenen Mergelgrube vergraben. Den Besitzern, auch zukünftigen, wurde es untersagt, sie jemals auszugraben.

Was vom Preußentum übrig blieb. 
Die einstigen Dimensionen der Düppeler Schanzen lassen sich auf einer Wanderung zwischen Alsensund und Sønderborg erahnen. An vielen Stellen informieren Tafeln über die Geschehnisse zwischen Februar und April 1864.

Mehr Südjütland-Impressionen gibt es hier. Mehr zu den Düppeler Schanzen einst und jetzt gibt es in diesem DLF-Feature.

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